Studie: 1000 Kinder gerettet durch Babykörbchen und anonyme Geburt

In Deutschland sind bereits mindestens 973 Kinder in Babykörbchen oder bei anonymen Geburten zur Welt gebracht worden. Das geht aus einer Studie des Deutschen Jugendinstituts im Auftrag des Bundesfamilienministeriums hervor, aus deren Zusammenfassung die Tageszeitung “Die Welt” in ihrer Samstagausgabe (14. Januar) zitiert.

“Zwei Drittel der Fälle (652 Kinder) wurde anonym geboren, knapp ein Drittel (278) wurden in eine Babyklappe gelegt und weitere 43 Kinder wurden den Mitarbeitern der Anbieter anonym übergeben”, heißt es in dem Text. Dauerhaft anonym blieben 314 dieser Kinder.

Die Hälfte der Kinder aus Babykörbchen und rund ein Drittel der Kinder aus anonymen Geburten wurden schnell in Adoptivfamilien vermittelt. Für 376 wurden laut den beteiligten Jugendämtern Adoptionsvormundschaften errichtet, 45 davon wurden durch leibliche Eltern zurückgenommen.

Befragt wurden bei der Studie 591 Jugendämter, von denen sich 466 beteiligten Von den 344 angeschriebenen Trägern der Angebote von Babyklappen oder anonymen Geburten beteiligten sich 272 an der Befragung.

Quelle: dts-Nachrichtenagentur


Wird David Bergers Buch “Der heilige Schein” verfilmt?

Dr. David Berger lebt in einer schwulen “Partnerschaft” ohne sexuelle Treue

Wie die “Süddeutsche Zeitung”(-online) am 14. Januar  2012 berichtet, soll die antikirchliche Kampfschrift von Dr. David Berger (Titel “Der heilige Schein”) offenbar verfilmt werden.

Das streitbare Buch des Kölner Theologen Berger setzt sich für eine kirchliche Anerkennung der Homosexualität ein,  vertritt zeitgeistige Ansichten über Abtreibung und Sexualethik   -   und spart auch sonst nicht mit scharfen Vorwürfen gegen die katholische Kirche sowie gegen Evangelikale (theologisch konservative Protestanten).

In seinem Buch berichtet Dr. Berger zudem, daß er seit Jahrzehnten in einer intimen Beziehung mit einem Partner zusammenlebe, mit dem er sich sehr gut verstehe.

Die “Süddeutsche Zeitung”, die einen wohlwollenden Bericht über Dr. Berger und seine Kampfschrift veröffentlichte, stellt freilich klar, welcher Art diese “Lebenspartnerschaft” ist, nämlich eine sog.  “offene Beziehung”:  “Er hat Umgang mit anderen Männern und sagt, dass Treue sich in seiner Partnerschaft durch andere Gesichtspunkte manifestiere.”

Eben dies sehen heterosexuelle Eheleute in aller Regel ganz anders  -  dort versteht man unter Treue sehr wohl auch die sexuelle Treue zueinander. Gleichwohl behauptet Berger gegenüber dem Redakteur der “Süddeutschen Zeitung”, er führe eine “vorbildliche Beziehung”.

Damit präsentiert er an seinem eigenen Beispiel und seinen Äußerungen, wie stark sich eine wirkliche Ehe zwischen Mann und Frau normalerweise eben unterscheidet von einer homosexuellen “Partnerschaft”: selbst jene Eheleute, die sich sexuell nicht treu sind, würden eine solche Situation niemals als “vorbildlich” bezeichnen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Hier unsere Besprechung des Berger-Buches samt Widerlegung seiner Irrtümer:

http://charismatismus.wordpress.com/2011/06/14/buch-kritik-der-heilige-schein/


Dr. David Levy: Ein Neuro-Chirurg betet mit seinen Patienten

Alles begann im Zahnarztstuhl. Mit einer Spritze in der Hand schaute ein Zahnarzt in das angespannte Gesicht seines Patienten. Er fragte ihn etwas Unerwartetes: «Möchten Sie, daß ich für Sie bete?»

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                                                   Arzt und Buchautor Dr. David Levy

Der Patient, selber auch Mediziner, war perplex, stimmte aber zu. Der Zahnarzt legte eine Hand auf die Schulter des Kollegen und sprach ein kurzes Gebet, in dem er Gott um Gelassenheit für den Patienten bat und auch dafür, daß er seine Behandlung erfolgreich durchführen könne.

Die Person, die das erlebte, war David Levy, ein Neurochirurg aus San Diego, also ein Arzt, der u.a. Gehirnoperationen durchführte.

Aufgrund dieser Begebenheit regte sich etwas in seinem Innern: Sollte er sich ebenso verhalten wie dieser gläubige und bekenntnisfreudige Zahnarzt? Aber wie fängt man dies an? Wie führt man das Gespräch mit dem Patienten auf das Gebet hin? Seine medizinische Ausbildung hatte solch ein Thema nicht behandelt.

Und so begann der christliche Mediziner   –  zuerst zögerlich   –  nicht nur auf die körperlichen Bedürfnisse seiner Patienten einzugehen, sondern ihnen auch in geistlicher Hinsicht zu helfen.

Die Ergebnisse erstaunten Dr. Levy. Weder lachten seine Patienten ihn aus, noch wurden sie wütend  – im Gegenteil, sie schätzten es sehr.

In seinem kürzlich erschienenen Buch: «Gray Matter» (Graue Materie) mit dem Untertitel: «Ein Neurochirurg entdeckt die Kraft des Gebets», berichtet Levy von den ersten Situationen,  bei denen er mit mulmigem Gefühl das Gebet in seine Praxis einführte.

Bei der Erstuntersuchung schloß er die Besprechung mit den Worten ab: «Gewöhnlich bete ich mit den Patienten. Würde es Ihnen etwas ausmachen, wenn ich für Sie bete?»

Die Leute reagierten unterschiedlich: Viele Patienten waren dankbar, besonders wenn sie kurz vor einer Operation standen.

Obwohl Levy sich anfängliche im Kreise seiner Mitarbeiter gehemmt fühlte, begann er auch mit seinem Operationsteam vor der OP zu beten. Etwas später wurde das Beten mit Patienten, Familienangehörigen und seinem eigenen Operationsteams zu einer alltäglichen Praxis. (…)

Der Autor vermerkt zudem in seinem Buch, daß viele Patienten, die sonst weder auf Verwandte noch auf religiöse Vertreter hören, oft bereit sind, sich aufgrund ärztlicher Ermutigung für eine Begegnung mit Gott zu öffnen.

Webseite:
Dr. David Levy auf facebook

Das Buch «Gray Matter» (Graue Materie), mit dem Untertitel: «Ein Neurochirurg entdeckt die Kraft des Gebets» (bis jetzt nur auf englisch erhältlich)

Quelle: evangelikale Webseite http://www.jesus.ch


PAPST: “Wer die Wurzeln abschneidet, erneuert das Leben des Baumes nicht.”

Vollständiger Wortlaut des Vorworts von Papst Benedikt XVI. in der 2007 vom Herder-Verlag herausgebrachten Neuerscheinung seines Interview-Buches “Zur Lage des Glaubens”:

“Als dieses Buch 1985 erstmals erschien, war es für viele ein Schock, für sehr viele aber auch eine Ermutigung und ein Zeichen der Hoffnung. Damals war die kulturelle Revolution noch voll im Gange, die seit 1968 die westliche Welt bis in ihre Grundlagen hinein erschütterte.

Die junge Generation suchte nach einer neuen Gesellschaft, in der es den Wettlauf der Rüstung nicht mehr geben und in der der Unterschied zwischen Arm und Reich verschwinden sollte  – ein moralisches Ziel, das junge Menschen wahrhaft faszinieren konnte.

Aber dieser Moralismus verband sich mit einem Hass gegen das Bestehende, der die Bereitschaft zu Terrorismus und Mord mit einschloss. Gut war, was dem moralischen Ziel diente. Obwohl es letztlich um die Versöhnung in der Welt gehen sollte, war man parteiisch der marxistischen Ideologie und den von ihr her wirkenden Mächten verpflichtet, weil dies der Weg der Wissenschaften und so auch der Weg des Guten zu sein schien.

Da die Kirche nicht neben der Welt lebt, sondern aus Menschen dieser Welt besteht, war sie mitten in diese Krise hineingeraten. Auch in ihr schienen die Grundlagen selbst in Frage zu stehen. Auch in ihr schien eine Generalrevision notwendig.

Das II. Vatikanische Konzil hatte ja der Erneuerung der Kirche dienen wollen; es war von dem Stichwort „aggiornamento“ ausgegangen, also von der Absicht, die Kirche „heutig“ zu machen  – sie aus ihrer scheinbaren Gestrigkeit in die Gleichzeitigkeit mit der Gegenwart hineinzuführen und sie so auf die Zukunft hin zu öffnen.

Die Texte des Konzils hatten dazu klare Weisungen gegeben.  Aber im Kontext der Kulturkreise, in der man stand, schien das Hören auf diese Texte nicht genügend zu sein.

Es erschien als ganz natürlich, radikalere Wege zu suchen und das Christentum von Grund auf neu zu denken und zu formen. So wurde das Konzil zum Etikett für vieles, womit es gar nichts zu tun hatte und umgekehrt:

Diejenigen, die die Kirche in ihrer wesentlichen Identität liebten, konnten leicht den Verdacht schöpfen, das Konzil habe in der Tat ein zerstörerisches Programm entwickelt. Feindschaft gegen das Konzil bildete sich, die Polarisierung wuchs.

Die Verteidiger des Konzils fühlten sich in dieser Lage vielfach dazu gedrängt, die negativen Erscheinungen zu leugnen oder wenigstens zu bagatellisieren und immer nur darauf hinzuweisen, dass doch Positives im Wachsen sei.

Es sah für viele so aus, als ob es eine Art Pflicht-Optimismus gebe, dessen Mangel an Realismus ernsthafte Menschen schockierte und eher ins antikonziliare Lager trieb.

In dieser Lage den rechten Gesprächston zu finden, war schwierig. Ich habe mich bei meinem Dialog mit Vittorio Messori mit meinem damals eher fragmentarischen Kenntnis der italienischen Sprache darum bemüht, redlich zu sagen, wie ich den Zustand der Kirche sehe.

Ich wollte mich nicht durch einen Pflicht-Optimismus binden lassen, der an der Wirklichkeit vorbeiredete. Aber dabei durfte es auch keinen Zweifel geben, dass die Aussagen des Konzils selbst den rechten Weg zeigten: Erneuerung in der Kontinuität des Glaubens und nicht im Bruch mit ihm.

Wer die Wurzeln abschneidet, erneuert das Leben des Baumes nicht.

Bei einer solchen Position musste freilich auch gefragt werden, warum das Positive, das wächst, so still ist und so wenig erscheint; warum anstatt des erwarteten Pfingststurms eher zerstörerische Ungewitter über große Teil der Kirche niedergegangen waren, besonders was das Ordensleben, aber auch den Priestermangel angeht.

Natürlich konnte ein Gespräch, das nur wenige Tage dauerte, keine das Ganze durchleuchtenden Analysen bringen.

Aber einige Durchblicke durchs Ganze  – so scheint es mir  – sind doch möglich geworden. Ein Schock war das Buch für alle, die Optimismus als Pflicht ansahen und das Buch demgemäß als antikonziliar einstuften.

Andererseits habe ich aus vielen Reaktionen das Aufatmen der Menschen wahrnehmen können, die froh waren, dass jemand einfach die Wirklichkeit wahrzunehmen und auszusagen versuchte, auch wo sie betrüblich war; dass jemand die eingespielte political correctness durchbrach und so Mut zum Glauben machte.

Aus dem Abstand von mehr als 20 Jahren wird man das Buch heute anders lesen als im damaligen Kontext. Die Situation der Kirche und Welt hat sich verändert. Neue Fragen haben sich in den Vordergrund geschoben, die damals noch kaum sichtbar geworden waren  – besonders das Problem des Dialoges der Religionen und der Einzigkeit des Erlösers Jesus Christus, die auf der Einheit und der Einzigkeit der Wahrheit beruht.

Dennoch ist mir beim Lesen bewußt geworden, dass die Probleme von damals uns durchaus auch heute noch beschäftigen. Ich habe mich in den Antworten von damals wiedererkannt, die ich heute kaum anders geben würde. So hoffe ich, dass das bescheide kleine Buch auch heute noch einen Dienst leisten kann.

Rom, 15. Januar 2007   -  Benedikt XVI.”


Konferenz in Rom über Ehe und Familie aus katholischer und jüdischer Sicht

Am 17. März 2012 findet im Palazzo Montecitorio in Rom eine Konferenz statt über das Thema: „Die Familie als Motor des Wirtschaftswachstums. Werte und Aussichten“; sie wird von der Internationalen Akademie für wirtschaftliche und soziale Entwicklung (AISES) organisiert.

Die Begegnung, an derauch der Chefrabbi von Rom, Riccardo Di Segni, der Präsident des Institutes Religiöser Werke (IOR), Ettore Tedeschi und Prälat Lorenzo Leuzzi teilnehmen werden, findet am „Tag des Judentums“ statt. (Als Zeichen ihrer Wertschätzung feiert die katholische Kirche in Italien, Polen, Österreich und den Niederlanden am 17. Januar den „Tag des Judentums“.)

„Die Wahl der Familie als Mittelpunk der Diskussion“, erklärte Edith Arbib Anav, Initiatorin der Begegnung, „war einfach natürlich, denn Juden und Christen teilen das Buch Genesis als erstes Buch sowohln der christlichen Bibel wie auch der Torah“ (jüdischer Ausdruck für die Fünf Bücher Moses).

Auch Prälat Leuzzi betonte, daß in der Genesis klar zu lesen ist: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie. […] Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch sein. […] Gott segnete sie und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und vermehrt euch, bevölkert die Erde, unterwerft sie euch und herrscht über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels und über alle Tiere, die sich auf dem Land regen” (Gen 1, 12 ff).

Diese biblischen Erklärungen sind die Fundamente der jüdischen und christlichen Kultur; mehr noch, sie beinhalten Zivilisation auf Weltniveau.

Edith Anav fügte hinzu, daß die traditionellen Werte der Familie und der Fortpflanzung die erfolgreichsten Antworten auf die Probleme der modernen Zeit darstellten.

Diese Gedanken ergänzte Prälat Leuzzi mit der Erklärung, daß die Fähigkeit von Mann und Frau, sich einander zu schenken, ein  moderner und zugleich urbiblischer Gedanke sei.

Im Lauf des Kongresses wird Ettore Tedeschi erklären, warum die demographische Krise vor allem Europa betrifft und der Grund für die wirtschaftlichen Probleme ist, die die westliche Welt bedrohen.

Der Präsident der IOR wird ausführen, warum nur die Verteidigung der Familie und der Kinder ein wirkungsvolles Mittel ist, um aus der Krise hinauszukommen.

Quelle: kath. Nachrichtenagentur ZENIT


Gólgota Picnic – gotteslästerliches Theaterstück in Hamburg

Die “Initiative Nie Wieder! e.V.” des katholischen Lebensrechtlers Günter Annen protestiert gegen die geplante Aufführung eines blasphemischen Stücks in Hamburg, in dem Christus in übelster Weise verhöhnt wird:

“Das widerliche blasphemische Theaterstück  „Gólgota Picnic“, ein Werk des argentinisch-spanischen Regisseurs Rodrigo Garcia, wird nun auch in Deutschland aufgeführt. Das Thalia Theater in der Gaußstraße in Hamburg hat für den
23. Januar 2012 um 20 Uhr den Aufführungs-Termin bekanntgegeben.

Die Theatergruppe Centro Dramático Nacional (Madrid) & Théatre Garonne (Toulouse) ist seit Mitte letzten Jahres mit diesem Stück auf Tour.

In Paris wurden die Aufführungen von Demonstrationen katholischer Gruppierungen begleitet. Mehrere hundert Demonstranten nahmen vor dem Theater daran teil.

Einen Abstecher machte das Theater-Ensemble nach Graz. Dort fanden bereits im Vorfeld der Aufführung  -  30. September bis 2. Oktober 2011  –   Proteste statt.

In „Gólgota Picnic“ wird Jesus Christus als Terrorist dargestellt und mit derartigen Blasphemien verhöhnt, daß man diese nicht wiederholen kann.

Eine Szene zeigt z.B. eine groteske Nachahmung der Kreuzigung, eine halbnackte Frau mit falschen Stigmata und einem Motorhelm mit einer Dornenkrone auf ihrem Kopf.

Schauspieler und Schauspielerinnen treten in vielen Szenen völlig nackt auf und wem das noch nicht reicht, der kann auf der Großleinwand deren Genitalien im Detail betrachten.

Wir Christen dürfen uns eine solche Gotteslästerung nicht gefallen lassen. Ohne unseren Protest wird dieses Stück bald noch in weiteren Städten aufgeführt werden. Helfen Sie mit, dies zu verhindern. Schreiben Sie oder rufen Sie an:

Thalia-Theater in der Gaußstraße
Gaußstraße 190
22765 Hamburg
E-Mail: petra.mai@thalia-theater.de  oder  info@thalia-Theater.de
Tel: 040 / 306039-10,-12  oder Fax 040/ 306039-11
Intendant:   Ludwig von Otting    geschaeftsleitung@thalia-theater.de
Verwaltungsdirektor:   Heinz-Werner Köster   verwaltungsdirektor@thalia-theater.de
Weitere E-Mail-Adressen:  kbb@thalia-theater.de;  presse@thalia-theater.de; dramaturgie@thalia-theater.demarketing@thalia-theater.de; freunde@thalia-theater.de;  theaterpaedagogik@thalia-theater.de

 

Vielen Dank für Ihre Unterstützung.  -  Freundliche Grüße

Initiative Nie Wieder! e.V.   -  Günter Annen.”


Der PRIESTER heute: zermürbt zwischen Bischof und Rätesystem

Druck erfolgt von “oben” (bischöflichen Ordinariaten) und von “unten” (Laiengremien, Rätesystem, Funktionären)

Unter dem Titel “Kriminaltango – Der deutsche Klerus und sein Totentanz” veröffentlichte Pfarrer Dr. Guido Rodheudt im “Vatican-Magazin”  (Nr. 1/2012) einen klarsichtigen Artikel über die besorgniserregende Situation der Priester heute.

Wir veröffentlichen hier diese treffsichere Analyse:

Monsignore Mühlich und Bischof Hemmelrath sind das, was sich ein klischeeorientiertes Fernsehpublikum von Bischöfen und ihren Sekretären wünschen.

Der Bischof ist ergraut und erhaben, in jedem Fall realitätsfremd, und sein Sekretär ist ein Intrigant. Beide Hauptrollen sind diesbezüglich in der deutschen Krimiserie „Pfarrer Guido Braun“ treffsicher besetzt. So wie alle Bischöfe und Sekretäre in den Fernsehserien, von „Father Brown“ über „Don Camillo“ bis hin zu jenem auf Usedom exilierten bayerischen Pfarrer, unnachahmlich dargestellt von Ottfried Fischer, dessen bloße Erscheinung schon jede nordlichternde Brise bischöflicher Strafandrohungen gemütsberuhigt hinwegbarockisiert.

So wie hier sind die auf der Schleimspur den Bischöfen liebedienernden Sekretäre die regelmäßigen Antipoden der priesterlichen Protagonisten. Letztere zeichnen sich vor allem durch zwei Dinge aus: sie sind unkonventionell in ihrer Wahrnehmung und methodisch unorthodox.

Heute würde man sagen: in ihnen verbinden sich Führungsfreude, Methodenklarheit und Realitätssinn. Deswegen werden sie von den Sekretären auch nicht gemocht. Denn diese sind mit sich selbst und mit den von ihnen erdachten Strukturen beschäftigt. Sie flüstern ihren Oberhirten gerne Halbwahrheiten zu und versuchen, den wackeren geistlichen Sympathieträgern die Wasser der bischöflichen Zuneigung abzugraben, sobald die Bischöfe altersmilde werden und in ihrer rügenden Machtpose einzuknicken drohen.

Am Ende des inszenierten David-Goliath-Ringens siegt dann jedoch letztlich der listige Nonkonforme. Einmal wegen der mangelnden Spannkraft seiner Gegner, meist auch wegen ihrer Dummheit, in jedem Fall aber wegen der Beharrlichkeit der detektivisch oder sonstwie ungewöhnlich selbständig arbeitenden Priester.

Diese geradezu tugendhafte Ausdauer wird gespeist aus dem Willen, sich von nichts und niemandem aus der Ruhe dessen bringen zu lassen, der weiß, daß er auf dem rechten Weg ist.

Besuche im Bischofshaus, zu denen die Camillos, Browns oder Brauns recht regelmäßig geladen werden, sind zwar immer irgendwie unangenehm, aber letztlich gehen die Zitierten siegreich aus ihnen hervor.

Insofern sind die Begegnungen mit ihren Bischöfen nicht repräsentativ für die realen Erfahrungen im deutschen Klerus.

Unter die Räder der Demokratie geraten

Denn die Zeit ist über die Klischees der romanhaften Priestergestalten hinweg gegangen. Die blasierten Bischöfe und ihre schleimigen Sekretäre sind anderen Phänotypen gewichen. Auch die Don Camillos und Father Browns existieren nur noch zwischen den Buchdeckeln. Die Zeiten und die Kirche in ihnen sind anders geworden.

Das Selbstverständliche im Amtsverständnis des Priesters ist unter die Räder der Demokratie geraten. Deswegen ist auch der Abweichler oder der Nonkonformist nicht mehr unmittelbar auszumachen.

Schon im Priesterseminar weist man den Alumnen keinen eindeutigen Ort mehr zu. Sind sie nun wirklich herausgenommen aus der Masse der Gläubigen, etwas zu tun, was sie ohne Berufung und Weihe nicht tun könnten? Gibt es noch den alten Quantensprung zwischen Laien und Priestern, der durch Handauflegung und Gebet des Bischofs aus einem Mann jemanden macht, der schier unglaublich und zutiefst Heiliges zu tun vermag, obwohl er dazu völlig unwürdig ist? Braucht man noch einen Mittler, dessen ganze Kraft nicht seine Kraft ist? Die Antwort lautet: nein!

Denn dort, wo einst magisch anmutende Vollzüge die Sorge um den ewigen Tod der Seele zu nehmen vermochten, sind heute diese Fragen mit einer allumfassenden Heilsgewißheit beantwortet. Man braucht weder Medizinmann noch Priester, man braucht Psychologen und Lebensbegleiter.

Infolgedessen entspricht auch der deutsche Bischof keineswegs dem Stereotyp des gutmütigen Großvaters oder des virilen Würdenträgers. Er ist Top-Beamter.

Und sein serviler Sekretär ist ein mit den Wassern des Managers gewaschener Smartphonebenutzer. Er regiert zwar immer noch hinter den Kulissen, allerdings nicht mehr durch Einflüsterungen, sondern mittels Statistiken.

Er ist auch eigentlich gar keine Person mehr, sondern ein Stab, ein Team von Kirchenverwaltern, die ihre Regierungsgeschäfte mittels Beraterfirmen absichern. Was für Aldi gut ist, ist für die Kirche billig. „

Zusammenlegung jetzt!“ – wie sich doch die alte Stammheimparole wandeln kann! Das Heil liegt in den Strukturen. Sie werden es richten, sie sind die Form für die neue Kirche und ihres Allgemeinen Priestertums.

Statt trotz des Mangels den Priestern als Hirten vergrößerte Pfarreien zuzuordnen, soll der Priester Teamspieler in den Pastoralräumen sein. Das Team besteht aus einer Gruppe von aus- und fortgebildeten Angehörigen des „pastoralen Personals“.

Im Neu-Sprech der Strukturarchitekten der Bischöflichen Ordinariate sind damit Priester, Diakone und Laien im hauptamtlichen Pastoralen Dienst gemeint. Hinzu kommt im Team – je nach Härtegrad der Strukturreform in einem Bistum – ein Anteil von ehrenamtlichen Laien, die als gewählte Vertreter aus den Pfarreien (neu: „Gemeinden“) auch zur „Mitarbeit in der Seelsorge“ oder gar „in der Leitung“ berufen sind.

Damit ist das synodale Equipment für den Einsatz im „Seelsorgebezirk“, im „Pastoralraum“, in der „Gemeinschaft der Gemeinden“ oder in der Megafusionspfarrei bestellt.

Wie geht es nun dem Priester? Er ist zweifelsohne (noch) da. Aber er ist weder eine persona sacra, noch ein mit Leitungsvollmachten ausgestatteter Mystagoge. Seine Verantwortung ist ihm entzogen. Er braucht sich weder über die Seelen, noch um sein Auskommen zu sorgen. Alles ist synodal abgestützt, gremial verkorkt und kirchensteuerlich ausgestopft.

Profilklau bei den geweihten Priestern

Es braucht für den Priester keine besondere Kleidung, kein anderes Leben. Wenn überhaupt, ist er der vorbildhafte Gutmensch. So wie Jesus, der uns die Regeln gezeigt hat, durch deren Beachtung man Konflikte vermeidet oder löst, Ungerechtigkeiten beseitigt und gewaltfrei leben kann. Diese Regeln sind jederzeit auf die Zeit übertragbar und anpaßbar.

Im Sinne Jesu ist deswegen im Jahre 1911 Pünktlichkeit und Anstand und einhundert Jahre später Mülltrennung und Kauf von fair gehandelten Produkten angesagt. Um das zu gewährleisten, sitzen alle in einem Boot.

Gegenwärtige Pastoralkonzepte in den deutschen Diözesen überschlagen sich zuweilen mit der Beteuerung, daß das Entscheidende für die Kirche der Zukunft, die Teilnahme aller Gläubigen am Allgemeinen Priestertum sei. So habe es das Zweite Vaticanum, Haupt und Mutter aller Konzilien, vermeldet.

Daß jedoch nach der dort formulierten Auffassung die Gläubigen „ihr Priestertum im Empfang der Sakramente, im Gebet, in der Danksagung, im Zeugnis eines heiligen Lebens, durch Selbstverleugnung und tätige Liebe“ (II. Vat. LG 10) und nicht durch Profilklau bei den Angehörigen des Weiheamtes ausüben, ist mittlerweile im Nebel der Deutungsgeschichte des Pastoralkonzils verschwunden.

Also muß sich die Wirklichkeit priesterlicher Existenz mit dem Umstand abfinden, daß es den Priester in der klassischen Sicht nicht mehr braucht. Wenn, dann braucht es ihn als „Moderator“, als „Vorsteher“ oder als „Koordinator“, aber es braucht ihn nicht mehr als Hirten („pastor“) und schon einmal gar nicht als Vicarius Christi.

Denn damit man „am Ort auch künftig Menschendienst und Gotteslob praktizieren kann“ (Leitlinien der Pastoral im Bistum Aachen, S. 5), ist die persona sacra nur von mittelbarer Bedeutung. Wer will, kann auch ohne Priester selig werden.

Dies belegen die vielfach ohne wirkliche Not flächendeckend praktizierten Wortgottesfeiern, die – je nach Landstrich und Reformeifer des Bischofs – schon mindestens einer Generation den Wert und den Sinn der Hl. Messe und damit die Sehnsucht nach dem für sie konstitutiven Priester aberzogen haben.

Folglich schwindet auch das Bewußtsein für den Wert des Priestertums. An seine Stelle tritt anderes hauptamtliches „Pastoralpersonal“ aus Laien. Sie können und tun (fast) alles, was der Priester tut: Reden, Erziehen, Predigen, Beerdigen, Gremien leiten, Prozesse initiieren. Denn: „Alle in der Kirche haben Anteil am Heiligen, Lehren und Leiten“ (Leitlinien der Pastoral im Bistum Aachen, S. 8).

Aha! Also ist der Priesterberuf nur noch etwas Zeremonielles? Nein, auch hier haben die Laien nachgerüstet: sie dürfen Gottesdienste feiern und andere paraliturgische Funktionen ausüben. Wozu sehnt sich die Feuerwehr denn dann noch nach einem Priester zum Segnen des neuen Einsatzfahrzeugs, wenn die Mitarbeiterin in der Notfallseelsorge es auch kann?

Und wozu machen sich immer noch eine Reihe unverdrossene junge Männer auf den Weg zur Priesterweihe, die sie am Ende mit hohen Ansprüchen und Einschränkungen beglückt, wenn deren einzige Begründung, nämlich einen zum zentralen Kult, zur kirchlichen Verkündigung und zur Leitung der Gläubigen notwendigen Amtsträger zu erschaffen und auszurüsten, in der Wirklichkeit des kirchlichen Alltags durchgängig bestritten wird?

Eigentlich kaum zu verstehen. Aber hier sind wahrscheinlich die schismatischen Verwerfungen in der deutschen Nationalkirche noch nicht manifest genug, damit man diese Schizophrenie einsieht.

So weit nun die Auswirkungen der ins Strukturelle hinein mutierten Sekretärsallüren. Was aber ist mit den Bischöfen? Auch sie agieren gerne und vornehmlich als Konferenz. Da wo sich Bischof Hemmelrath hinter dem Schreibtisch verschanzt, verbergen sich die deutschen Oberhirten hinter Kommissionen und einem Ständigen Rat. Und dieser wiederum erfreut sich einer stabilen Dompteursgenossenschaft, die ihm sagt, wie die Welt funktioniert.

Egal ob in Bildung, Katechese, Jugendpastoral, Pfarreiseelsorge, Mißbrauchsdebatten, Neuevangelisierung, Liturgie, Strukturreformen, Kirchensteuerfragen oder beim Versuch einer scheinbar notwendigen Entwelt(bild)lichung sind sie selten dabei zu beobachten, wie sie aus eigenem Antrieb und mit der Glaubwürdigkeit des erfahrenen Hirten, der sich schon vor seiner Beförderung zum Oberhirten die Schwielen des mühsamen Hütens und Leitens zugezogen hat, das Heft für ihre Herde in die Hand nehmen. Statt dessen befleißigen sie sich der Arbeit von Pressesprechern, die die Sekretariatsentwürfe zur Zukunftsfähigkeit wie prosperierende Aktien feilbieten.

Wenn das Synodale das Sakramentale ablöst

Niemand weiß, wohin die Reise des Strukturwandels in Deutschland gehen wird. Aber man hat sich entschieden, die Leinen loszumachen und ins offene Meer hinauszusegeln.

Das einzige, was als Sicherheit bleibt, ist das Wissen um die Zeitgeistkompatibilität des Reformismus: streng demokratisch, synodal und antihierarchisch, optimistisch gegen jedes Strukturlamento und vor allem „zukunftsfähig“.

Dabei ist gerade das Letztere eine der gefährlichen Vermutungen, an denen schon viele Systeme gescheitert sind, die den Kern ihrer Botschaft vergessen oder verleugnet haben. Denn zukunftsfähig ist nur eine herkunftsgewisse Reform. Und das ist die Reform der Pastoralstrukturen in Deutschland am wenigsten.

Alles, was sie zu bieten hat, sind die nach dem Vorbild der Bildungsreform angestoßenen Evaluationsprozesse zur Analyse des Ist- Zustands. Darin stellt man fest: weniger Priester, weniger Gläubige, weniger gesellschaftliche Akzeptanz und vor allem: weniger Geld!

Woraufhin eine auf diese Faktenlage amorph reagierende Strukturdebatte anhebt, in der völlig unklar bleibt, was nun Kirche ist und was nicht, was folglich der Priester ist und was nicht und was die Aufgabe der Laien sein soll. Ende vom Lied sind allerorten bischöflich abgesegnete und mit dem ganz großen Tamtam partikularer Normen, Dekrete und Anordnungen aufgezogenen potemkinschen Kulissen einer „zukunftsfähigen“ Kirche vor dem Hintergrund einer sterbenden Volkskirche mit Pfarreien, die keine mehr sein können, weil sie zu aus fünfstelligen Seelenzahlen bestehenden Pastoraluniversen aufgeblasen wurden.

Zurück bleibt eine neue Kirche mit Priestern, die in diesen Räumen nur noch auf marginalen Umlaufbahnen vorbeischwirren, um „Eucharistie sicherzustellen“, Berufskatholiken, deren profilneurotische Amts- und Chefsesselbegierde mit allerlei neuen Erfindungen befriedigt wird, wenn man ihnen Jobs wie „Gemeindeleitung im Team“, „Koordinator in der Seelsorge“, „Wortgottesdienstleiter“ oder Mitgliedschaften in „Leitungsorganen“ wie dem Aachener Modell eines pastoralen Politbüros mit dem sowjetoiden und in schönstem DDR-Genitiv formulierten Namen „Rat der Gemeinschaft der Gemeinden “ anbietet.

All das entwickelt sich ungebremst hin zu einer protestantischen Form christlicher Gemeinschaft, in der das Synodale das Sakramentale ablöst. Bei den Bischöfen, die sich bei aller Vielbeschäftigung des Reisens und Repräsentierens den Optimismus trotz der gegenwärtigen volkstürmischen Untergangszeiten nicht nehmen lassen mögen, ist das offenbar kein ernstzunehmendes Problem.

Weshalb sie auch geflissentlich immer dann weghören, wenn der Papst mehr als einmal und mit erstaunlicher Deutlichkeit davor warnt, auf den Priestermangel mit Methoden zu reagieren, die am Ende den Priester überflüssig machen. So am 16. März 2009 bei seiner Ankündigung des Internationalen Jahres des Priesters:

„Die Zentralität Christi bringt die richtige Wertung des Amtspriestertums mit sich, ohne das es keine Eucharistie und erst recht keine Sendung, ja selbst die Kirche nicht gäbe. In diesem Sinne ist es notwendig, darüber zu wachen, daß die »neuen Strukturen« oder pastoralen Einrichtungen nicht für eine Zeit gedacht sind, in der man ohne das Weiheamt »auskommen« muß, wobei von einem falschen Verständnis der rechten Förderung der Laien ausgegangen wird. In diesem Fall würde man nämlich die Voraussetzungen schaffen für eine noch größere Verwässerung des Amtspriestertums, und die angeblichen »Lösungen« würden sich in dramatischer Weise decken mit den eigentlichen Ursachen der gegenwärtigen Problematiken, die mit dem Amt verbunden sind.“

Strukturen regieren, nicht Bischöfe

Auch in der nüchternsten Betrachtung muß man sich nach diesen päpstlichen Warnungen im klaren sein, daß die Deutschen Bischöfe in ihrer Mehrheit wenig bis nichts davon in ihre Strukturreformen einbezogen haben. Denn aus denen spricht landauf landab nichts von der Wertschätzung der Notwenigkeit des Priesters.

Und folglich stimmt auch das Verhältnis der Bischöfe zu ihren Priestern in den seltensten Fällen. In der Regel sind die Bischöfe für ihre Priester nicht oder nur mit Mühe erreichbar.

Die Zeiten Don Camillos sind lange vorbei. Guaresci müßte seinen Roman um- und den Bischof rausschreiben. Ihn gäbe es nicht. Wozu auch?

Die wahren Entscheidungsorte sind auf einer anders Ebene. In den Bistümern sind das die Diözesangremien und die hinter ihnen agierenden Bistumstheologen und Ordinariatsmitarbeiter.Personelle Querverbindungen und Seilschaften zu „Kirche von unten“ oder zur „KirchenVolksbewegung“ sind zuweilen offene Geheimnisse. Dementsprechend stark ist die Laienlobby, die schon rein zahlenmäßig dem Priester und seinem Stand überlegen ist.

Die strukturellen Veränderungen, die den Priester durch eine neue Verfassung des kirchlichen Lebens – zum Teil in offenem, zum Teil in subkutanem Widerspruch zum geltenden Recht – marginal bis überflüssig machen, werden nicht von den Bischöfen ersonnen, sondern von ihren Referaten, die in erster Linie dazu da sind, kirchliche Wirklichkeiten zu entwerfen, in denen sie selbst niemals werden arbeiten müssen.

Unter dem euphemistisch bis zynischen Stichwort der „Kooperativen Pastoral“ wird suggeriert, in Zeiten zurückgehender personeller und materieller Ressourcen, sei die Neubewertung der Rollenverständnisse das Gebot der Stunde. Damit aber verläßt die Kooperative Pastoral den Boden des Pragmatischen und bekommt einen deutlich reformatorischen Charakter.

Es geht um eine neue Kirche, in der alle Priester sind und in der nicht mehr der Kult, sondern eine „Pastoral“ Mittelpunkt ist, hinter der sich nichts anderes als ein flaches und religiös verbrämtes bürgerschaftliches Engagement verbirgt.

Es entspricht der Neuen Welt der Kooperativen Pastoral, daß Priester im Gesichtsfeld der Bischöfe nicht mehr wirklich vorkommen. Schon in den Werbeorganen der meisten Diözesanstellen für Geistliche Berufe   –  heute: „Informationsstellen Berufe der Kirche“  –  rangiert der Priester irgendwo zwischen Ärzten, Krankenschwestern, Lehrern, Gemeinde- und Pastoralreferenten als der Beruf mit dem unklarsten Profil.

Was soll man dem jungen Interessenten über seine künftigen Aufgaben im “Pastoralraum“ sagen? Wird er jemals die Dimensionen seiner Weihevollmachten ausüben können. Wird er m.a.W. jemals ohne demokratische Legitimation Hirte sein können? Nein, sicher nicht!

Entsprechend mager sind auch die Anmeldezahlen in den Priesterseminaren. Als Gradmesser für den Stand der Begriffsverwirrung kann ohne weiteres gelten, daß die Priesternachwuchszahlen desto besser sind sind, je klarer ein Bischof sich für die Berufungen vor und nach der Weihe engagiert und je besser die Aussichten für den Kandidaten sind, später als Priester in all seinen Wesenzügen gefordert zu sein und nicht nur als „Sakramentenkasper“.

Hinzu kommt die Nähe des Bischofs zu seinen Priestern. Dort, wo der Bischof ein Ohr und Zeit für seine Priester hat – und zwar auch ganz individuell – ist es auch um den Priesternachwuchs besser bestellt. In der Regel aber ist es anders.

Beispiel: Bischöfliche Visitationen. Klitzekleine feigenblatthafte Zeitfenster werden hier für persönliche Gespräche zwischen Bischof und Priester eingeräumt. Den Löwenanteil an Zeit investiert man für Spaziergänge durch die Gremienlandschaft. Dialog gilt weniger für´s Vis-à-vis der Einzelnen als für die Gruppe.

Priester unter Generalverdacht

Wäre es anders, gäbe es die wirkliche Sorge der Deutschen Bischöfe in ihrer Mehrheit um ihre Priester, wären spontane Begegnungen zwischen Priester und Bischof nicht nur für jene Fälle reserviert, wo Priester alkoholkrank geworden sind oder Kinder gezeugt haben, dann wäre es auch sicherlich nicht zu jenem Husarenritt der Deutschen Bischofskonferenz gekommen, ihre Priester innerhalb eines kriminologischen Forschungsprojekts methodisch unter den Generalverdacht des sexuellen Mißbrauchs zu stellen und damit den wilden Tieren eines hysterisierten Öffentlichkeitszirkus ausgerechnet jenen Teil ihres „Pastoralpersonals“ vorzuwerfen, um den sie sich bis auf wenige rühmliche Ausnahmen sonst so gut wie nicht kümmern.

Nur ein geradezu pathologischer Mangel an Erdhaftung und die Unkenntnis der Gesetze medialer Strukturen kann hier dazu geführt haben, daß sich die Prälaten von den Ideengebern aus dem Umfeld des Sekretariats der Deutschen Bischofskonferenz die Öffnung der Personalarchive und sogar der Bischöflichen Geheimarchive, die zum Schutz der Person strengster kanonischer Versiegelung unterliegen, als einen Freispruch vom Generalverdacht des sexuellen Mißbrauchs von Minderjährigen haben verkaufen lassen.

Daß damit unversehens die Spitze des Mißverhältnisses von Priestern und Bischöfen erreicht ist, haben sie offenbar nicht gesehen, was umgekehrt genau dies bestätigt: es gibt keinen Korpsgeist mehr im deutschen Klerus! Die Verwässerung der Sakramentalität der Kirche und die faktische Verbrennung des katholischen Priestertums auf den Altären einer synodal weichgespülten Wir-sind-Kirche-Reformation haben dafür gesorgt, daß das Immunsystem eines funktionierenden kirchlichen Organismus vollends zusammengebrochen ist.

Wo in den Zeiten des Nationalsozialismus und der moralischen Schauprozesse gegen Priester die Bischöfe sich generaliter hinter ihren Klerus stellten und damit auch eine Geschlossenheit in den Reihen der Gläubigen bewirkten, sind es heute die Bischöfe selbst, die die Priester solitär unter Absehung von allen anderen „kirchlichen Berufen“, die sie dem Forschungsvorhaben merkwürdigerweise nicht aussetzen, inkriminieren. Sieger sind in jedem Fall jene Kräfte aus dem Vorzimmer, die schon dem klassischen Filmpriester von Father Brown bis Don Camillo das Leben schwer gemacht haben.

Anders als dort arbeiten sie allerdings offenbar nicht nur an der Behinderung einzelner Priester, sondern gleich an der Vernichtung eines ganzen Standes.

Der Kriminaltango, den die Deutschen Bischöfe von ihren Klerikern durch das Forschungsprojekt zum Kindesmißbrauch auf öffentlicher Bühne zu tanzen verlangen, ist dabei kein Sonderfall. Im Gegenteil!

Er fügt nur dem Tanz auf dem Vulkan einer priesterfeindlichen Heterodoxie eine neue Spielart hinzu, passend zum Totentanz, den der deutsche Klerus schon seit langem vollführt. Einzige Rettung: die Standfestigkeit des Pfarrers Guido Braun gegen Monsignore Mühlich. Sie allein wird vielleicht Bischof Hemmelrath überzeugen, daß er den Rezepten aus seinem Vorzimmer nicht länger blind vertrauen darf.

Quelle: Newsletter des Netzwerks katholischer Priester

Wir empfehlen zu diesem Themenfeld das fundierte Buch des Kirchenrechtlers Dr. Wolfgang Rothe, das wir hier rezensiert haben:

http://charismatismus.wordpress.com/2011/06/24/keine-pastoral-ohne-pastor/


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