Papst Benedikt über die Bedeutung der Vernunft und das Licht des Glaubens

BENEDIKT XVI.

GENERALAUDIENZ in der Aula Paul VI.

Mittwoch, 21. November 2012

[Video]

Die Vernünftigkeit des Glaubens an Gott 

Liebe Brüder und Schwestern!

Wir schreiten im Jahr des Glaubens voran und tragen in unserem Herzen die Hoffnung, neu zu entdecken, wieviel Freude im Glauben liegt, und die Begeisterung wiederzufinden, allen die Glaubenswahrheiten zu vermitteln.

Diese Wahrheiten sind nicht einfach nur eine Botschaft über Gott, eine besondere Information über ihn. Vielmehr bringen sie das Ereignis der Begegnung Gottes mit den Menschen zum Ausdruck, eine heilbringende und befreiende Begegnung, die die tiefsten Bestrebungen des Menschen, sein Verlangen nach Frieden, nach Brüderlichkeit, nach Liebe verwirklicht.   Papst Benedikt XVI

Der Glaube führt zu der Entdeckung, daß die Begegnung mit Gott das Wahre, Gute und Schöne im Menschen zur Geltung bringt, vervollkommnet und erhebt.

So geschieht es, daß Gott sich offenbart und sich erkennen läßt und der Mensch gleichzeitig erfährt, wer Gott ist. Und indem er ihn erkennt, entdeckt er sich selbst, den eigenen Ursprung, die eigene Bestimmung, die Größe und die Würde des menschlichen Lebens.

Der Glaube ermöglicht ein freudiges Dasein auf der Welt

Der Glaube ermöglicht ein echtes Wissen über Gott, das die ganze menschliche Person einbezieht: Es ist ein »sapere«, also ein Erkennen, das dem Leben »sapor«, Geschmack, verleiht  –  einen neuen Geschmack am Leben, ein freudiges Dasein auf der Welt.

Der Glaube kommt in der Selbsthingabe für die anderen zum Ausdruck, in der Brüderlichkeit, die solidarisch und liebesfähig macht und die Einsamkeit, die traurig macht, überwindet.

Diese Erkenntnis Gottes durch den Glauben betrifft daher nicht nur den Verstand, sondern das ganze Leben. Sie ist die Erkenntnis Gottes, der die Liebe ist, durch seine eigene Liebe.

Gottes Liebe öffnet unsere Augen für die ganze Wirklichkeit

Die Liebe Gottes läßt erkennen, öffnet die Augen, gestattet es, die ganze Wirklichkeit zu erkennen, über die beschränkten Sichtweisen des Individualismus und des Subjektivismus hinaus, die dem Gewissen die Orientierung nehmen.

Die Erkenntnis Gottes ist daher Erfahrung des Glaubens und setzt gleichzeitig einen intellektuellen und einen moralischen Weg voraus: Zutiefst berührt von der Gegenwart des Geistes Jesu in uns überwinden wir die Horizonte unserer Egoismen und öffnen uns gegenüber den wahren Werten des Daseins.

In der heutigen Katechese möchte ich über die Vernünftigkeit des Glaubens an Gott sprechen.

Die katholische Tradition hat von Anfang an den sogenannten Fideismus abgelehnt, also den Willen, auch gegen die Vernunft zu glauben. »Credo quia absurdum«  (= ich glaube, weil es unvernünftig ist) ist keine Formel, die den katholischen Glauben zum Ausdruck bringt.DSC_0722-2-3

Das Geheimnis enthält nicht zu wenig, sondern zu viel Licht

Denn Gott ist nicht etwas Unvernünftiges, sondern allenfalls Geheimnis. Das Geheimnis wiederum ist nicht irrational, sondern Überfülle an Sinn, an Bedeutung, an Wahrheit. Wenn der Vernunft das Geheimnis dunkel erscheint, dann nicht, weil es im Geheimnis kein Licht gibt, sondern weil es vielmehr zuviel davon gibt.

So sehen die Augen des Menschen, wenn er sie direkt auf die Sonne richtet, um sie zu betrachten, nur Finsternis. Aber wer würde behaupten, daß die Sonne nicht leuchtet, ja sogar die Quelle des Lichts ist?

Der Glaube gestattet es, die »Sonne«, Gott, zu betrachten, weil er die Annahme seiner Offenbarung in der Geschichte ist. Er empfängt sozusagen wirklich die ganze Helligkeit des Geheimnisses Gottes und erkennt sein großes Wunder: Gott ist zum Menschen gekommen, er hat sich seiner Erkenntnis dargeboten, indem er sich zur kreatürlichen Grenze seiner Vernunft herabgelassen hat (vgl. 2. Vatikanum, Dogmatische Konstitution Dei Verbum, 13).

Die himmlische Gnade erleuchtet die menschliche Vernunft

Gleichzeitig erleuchtet Gott mit seiner Gnade die Vernunft, öffnet ihr neue, unermeßliche und unendliche Horizonte. Daher stellt der Glaube einen Ansporn dar, immer zu suchen, nie stehenzubleiben und sich in der unermüdlichen Entdeckung der Wahrheit und der Wirklichkeit nie zufriedenzugeben.

Das Vorurteil gewisser moderner Denker, denen zufolge die menschliche Vernunft von den Glaubenssätzen gleichsam blockiert werde, ist falsch. Genau das Gegenteil ist wahr, wie die großen Meister der katholischen Tradition gezeigt haben.

Der hl. Augustinus sucht vor seiner Bekehrung mit viel Unruhe die Wahrheit in allen verfügbaren Philosophien, und findet sie alle unbefriedigend. Sein mühsames rationales Suchen ist für ihn eine wichtige Lehre für die Begegnung mit der Wahrheit Christi.

Glaube, um zu erkennen  – und erkenne, um zu glauben

Wenn er sagt: »Glaube, um überhaupt verstehen zu können – Verstehe, um zu glauben« (Sermo 43,9; PL 38,258), dann ist es als teilte er seine eigene Lebenserfahrung mit. Verstand und Glaube sind angesichts der göttlichen Offenbarung einander nicht fremd und stehen nicht im Gegensatz zueinander, sondern beide sind Voraussetzungen, um ihren Sinn zu verstehen, ihre wahre Botschaft zu erfassen und sich der Schwelle des Geheimnisses zu nähern.

Der hl. Augustinus ist zusammen mit vielen anderen christlichen Autoren Zeuge für einen Glauben, der mit der Vernunft ausgeübt wird, der denkt und zum Denken einlädt. 

Foto: Petrusbruderschaft

Foto: Petrusbruderschaft

Auf derselben Linie sagt der hl. Anselm in seinem Proslogion, der katholische Glaube sei »fides quaerens intellectum«, wobei die Suche nach dem Verständnis ein dem Glauben innewohnender Akt ist.

Vor allem der hl. Thomas von Aquin stützt sich auf diese Tradition, setzt sich mit der Vernunft der Philosophen auseinander und zeigt, wieviel neue fruchtbare Lebenskraft dem menschlichen Denken aus der Verbindung mit den Prinzipien und den Wahrheiten des christlichen Glaubens erwächst. Der christliche Glaube ist also vernünftig und setzt auch Vertrauen in die menschliche Vernunft.

Die Vernunft kann Gottes Existenz sicher erkennen

Das Erste Vatikanische Konzil sagte in der Dogmatischen Konstitution Dei Filius, daß über den Weg der Schöpfung die menschliche Vernunft die Existenz Gottes sicher erkennen kann, während nur dem Glauben die Möglichkeit innewohnt, »ohne Schwierigkeit, mit sicherer Gewißheit und ohne Beimischung eines Irrtums« (DS 3005) die Wahrheiten über Gott im Licht seiner Gnade zu erkennen.

Die Glaubenserkenntnis steht außerdem der aufrichtigen Vernunft nicht entgegen. Der sel. Papst Johannes Paul II. faßt es in der Enzyklika Fides et ratio folgendermaßen zusammen:

»Die Vernunft nimmt sich durch ihre Zustimmung zu den Glaubensinhalten weder zurück noch erniedrigt sie sich; zu den Glaubensinhalten gelangt man in jedem Fall durch freie Entscheidung und das eigene Gewissen«(Nr. 43).

Im unwiderstehlichen Verlangen nach Wahrheit ist nur eine harmonische Beziehung zwischen Glauben und Vernunft der richtige Weg, der zu Gott und zur vollen Selbsterfüllung führt.

Diese Lehre läßt sich im ganzen Neuen Testament leicht erkennen. Der hl. Paulus schreibt, wie wir gehört haben, an die Christen in Korinth:

»Die Juden fordern Zeichen, die Griechen suchen Weisheit. Wir dagegen verkündigen Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit« (1 Kor 1,22–23).

Denn Gott hat die Welt nicht mit einem machtvollen Eingriff erlöst, sondern durch die Erniedrigung seines eingeborenen Sohnes:

Nach menschlichen Maßstäben steht die ungewöhnliche Vorgehensweise Gottes den Ansprüchen der griechischen Weisheit entgegen. Dennoch wohnt dem Kreuz Christi eine Vernunft inne; der hl. Paulus nennt sie »ho lògos tou staurou«, »das Wort vom Kreuz« (1 Kor 1,18).

Hier bezeichnet das Wort »lògos« sowohl das Wort als auch die Vernunft, und wenn es Bezug nimmt auf das Wort, dann weil es in Worten zum Ausdruck bringt, was die Vernunft hervorbringt.

Das Kreuz Christi im Licht von Glaube und Vernunft

Paulus sieht also im Kreuz kein irrationales Ereignis, sondern ein Heilsgeschehen, das eine eigene Vernünftigkeit besitzt, die im Licht des Glaubens erkennbar ist. Gleichzeitig hat er ein solches Vertrauen in die menschliche Vernunft, daß er sich sogar darüber wundert, daß viele, obwohl sie die Werke sehen, die Gott vollbringt, darauf beharren, nicht an ihn zu glauben.   035-2

Im Brief an die Römer sagt er: »Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit« (1,20).

So ermahnt auch der hl. Petrus die Christen in der Diaspora: »Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt« (1Petr 3,15).

In einer Atmosphäre der Verfolgung und der dringenden Notwendigkeit, den Glauben zu bezeugen, wird von den Gläubigen verlangt, ihre Zustimmung zum Wort des Evangeliums mit Vernunftgründen zu rechtfertigen, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die uns erfüllt.

Auf diesen Voraussetzungen hinsichtlich der fruchtbaren Verbindung zwischen Verstehen und Glauben gründet auch die positive Beziehung zwischen Wissenschaft und Glaube.

Die wissenschaftliche Forschung führt zur Erkenntnis immer neuer Wahrheiten über den Menschen und über den Kosmos, das sehen wir. Das wahre Wohl der Menschheit, das im Glauben zugänglich ist, öffnet den Horizont, in dem sich ihr Weg der Entdeckung bewegen muß.

So müssen zum Beispiel die Forschungen gefördert werden, die im Dienst am Leben stehen und darauf abzielen, Krankheiten zu bekämpfen. Wichtig sind auch die Untersuchungen, die darauf ausgerichtet sind, die Geheimnisse unseres Planeten und des Universums zu entdecken, im Bewußtsein, daß der Mensch die Krone der Schöpfung ist  –  nicht um sie sinnlos auszubeuten, sondern um sie zu bewahren und bewohnbar zu machen.

Kein Konflikt zwischen Glaube und Wissenschaft

So gerät der wirklich gelebte Glaube nicht in Konflikt mit der Wissenschaft, sondern wirkt vielmehr mit ihr zusammen, indem er ihr Grundkriterien bietet, damit sie das Wohl aller fördern kann, und sie bittet, nur auf jene Versuche zu verzichten, die  –  da sie sich dem ursprünglichen Plan Gottes widersetzen  –  Wirkungen hervorrufen können, die sich gegen den Menschen kehren.

Auch aus diesem Grund ist es vernünftig zu glauben: Während die Wissenschaft eine wertvolle Verbündete des Glaubens ist, um Gottes Plan im Universum zu verstehen, sorgt der Glaube dafür, daß der wissenschaftliche Fortschritt stets dem Wohl und der Wahrheit des Menschen dient, indem er diesem Plan treu bleibt.

Daher ist es entscheidend für den Menschen, sich für den Glauben zu öffnen und Gott und seinen Heilsplan in Jesus Christus zu erkennen.

Im Evangelium wird ein neuer Humanismus eingeführt, eine echte »Grammatik« des Menschen und der ganzen Wirklichkeit.

Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es:

»Die Wahrheit Gottes ist auch seine Weisheit, die die ganze Ordnung der Schöpfung und den Lauf der Welt bestimmt. Gott, der Einzige, der Himmel und Erde erschaffen hat, ist auch der Einzige, der die wahre Erkenntnis alles Geschaffenen in seinem Bezug zu ihm schenken kann«

Ohne Gott verliert der Mensch sich selbst

Vertrauen wir also darauf, daß unser Bemühen um die Evangelisierung dazu beitragen möge, das Evangelium im Leben vieler Männer und Frauen unserer Zeit wieder in den Mittelpunkt zu stellen. Und beten wir darum, daß alle in Christus den Sinn des Lebens und die Grundlage der wahren Freiheit finden mögen: Denn ohne Gott verliert der Mensch sich selbst.

Die Zeugnisse derer, die uns vorausgegangen sind und dem Evangelium ihr Leben gewidmet haben, bestätigen das für immer. Es ist vernünftig zu glauben, unsere Existenz steht auf dem Spiel.

Es lohnt sich, sich für Christus hinzugeben, er allein stillt das Verlangen nach der Wahrheit und dem Guten, das in der Seele eines jeden Menschen verwurzelt ist: jetzt, in der vergänglichen Zeit und am nie endenden Tag der ewigen Glückseligkeit.

* * *

Von Herzen grüße ich alle Pilger und Gäste deutscher Sprache. An Gott zu glauben ist, wie gesagt, unserer Vernunft nicht entgegengesetzt, sie wartet darauf. Der Glaube helfe uns, in Christus den Sinn und die Fülle unseres Daseins und den Garant wahrer menschlicher Freiheit zu erkennen. Er ist die Erfüllung unseres Strebens nach dem Wahren und nach dem Guten. Der Herr segne euch alle.

Quelle: Libreria Editrice Vaticana: http://www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/audiences/2012/documents/hf_ben-xvi_aud_20121121_ge.html

Foto 2 und 4: Dr. Bernd F. Pelz

 


Charles Scicluna, “Anwalt der Gerechtigkeit”, wird neues Mitglied der römischen Glaubenskongregation

Charles Scicluna (siehe Foto) wird neues Mitglied der Glaubenskongregation. Dazu hat ihn Papst Benedikt am heutigen Samstag ernannt. images

Der Malteser war in der Vergangenheit bereits als „Anwalt der Gerechtigkeit“ in der Glaubenskongregation tätig und leitete in dieser Funktion die Recherchen im Mißbrauchsskandal.

Im 2005 hatte Erzbischof Scicluna im Auftrag des damaligen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, die Mißbrauchsfälle von  Pater Marcial Maciel (Gründer der “Legionäre Christi”) untersucht.

Berits am 6. Oktober 2012 ernannte Papst Benedikt XVI. Scicluna zum Titularbischof von San Leone und Weihbischof von Malta.

Quelle: Radio Vatikan

PS: In diesem Artikel wird der “Anwalt der Gerechtigkeit” bereits ausführlich gewürdigt: http://charismatismus.wordpress.com/2012/11/10/gibt-es-eine-verstarkte-einflusnahme-homosexueller-seilschaften-im-katholischen-klerus/


Buch-TIP: “Michelangelo & Raffael – Rivalen im Rom der Renaissance” von Kia Vahland

Buch-Daten: Kia Vahland: Michelangelo & Raffael – Rivalen im Rom der Renaissance. C.H. Beck-Verlag, München, ca. 22 Euro.

Rezensiert von Stefan v. Kempis (Radio Vatikan)

Vor genau fünfhundert Jahren stellte Michelangelo der Öffentlichkeit seine Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle vor  –  ein Jubiläum, das Papst Benedikt in diesem November zum Anlass nahm, die Vesper in der Sixtina zu feiern. Wohl selten ist ein Künstler so intensiv und bildmächtig ins Gespräch mit den großen Themen der Bibel eingetreten wie Michelangelo.  1_0_643668

Die Journalistin und Kunsthistorikerin Kia Vahland führt uns in diese Jahre im Vatikan ein, als die zwei größten Künstler ihrer Zeit, nämlich Michelangelo und Raffael, gleichzeitig für den Papst arbeiteten und sich dabei einen erbitterten Wettstreit lieferten.

An dem farbigen Panorama bestechen vor allem die klugen Bilddeutungen: Vahland weist an kleinen Details nach, wie aufmerksam die beiden Genies sich gegenseitig kopierten und dabei noch zu übertreffen versuchten. Dabei erwachen Raffaels Gemälde in den Vatikanischen Stanzen, seine Sixtinische Madonna und Wandteppiche sowie Michelangelos Fresken in der Sixtina  –  alles weltberühmte Werke, die man eigentlich zu kennen glaubte  –  zu überraschendem Leben.

Mit diesem Buch in der Hand entdeckt man auf einmal, dass der von Michelangelo an die Decke gemalte Noah, der am Opferaltar steht, tatsächlich ein „Nachgänger Gottes“ ist: schwächere Kopie des ein paar Meter weiter durch die Schöpfungsgeschichte wirbelnden Gottes. Man versteht, was Michelangelo beim Malen alles so gelernt hat: nicht zuviele Menschen in ein Bildfeld zu packen, zum Beispiel.

Man entdeckt plötzlich die Ähnlichkeit zwischen dem Porträt Gottes und dem Auftraggeber, Papst Julius II. Und man staunt, welche Freiheiten sich der Maler mit der Zeit herausnimmt, etwa als er den fliegenden Gott von hinten zeigt. Und das sind nur Beispiele, die sich auf Michelangelos Deckenfresken beziehen, man könnte zu ihm und auch zu Raffael viele weitere Erkenntnisse auflisten, die einem dieses Buch erlaubt. Es ist ein unglaubliches Erlebnis, in diese Zeit einzutauchen!

Je mehr man erfährt, desto mehr möchte man allerdings noch wissen. Warum zum Beispiel sieht die von Michelangelo gemalte Arche wie ein schwimmender Tempel aus? Was bedeutet es theologisch, dass an der Sixtina-Decke auf den Sündenfall nicht chronologisch exakt die Sintflut folgt, sondern das Opfer des Noah? Wie kam es genau zu den guten Beziehungen zwischen Raffael und Bramante bzw. zwischen Michelangelo und Sebastiano del Piombo?

Manchmal sind die Informationen, die Vahland uns bietet, doch etwas zu knapp gehalten: Sie erwähnt zum Beispiel, dass das Fresko des Propheten Sacharja über dem Eingang der Sixtina platziert ist, weil er eine Tempel-Vision hatte; dazu hätte aber auch der Hinweis gehört, dass Papst Sixtus die Kapelle nach den alttestamentlichen Massen des Jerusalemer Tempels hatte bauen lassen.

Einmal wird der frühchristliche Osternachtshymnus mit seinem berühmten „Oh felix culpa“ fälschlich als Werk der Renaissance eingestuft –  und bei der Schilderung von Michelangelos Sixtina-Deckenfresken wäre es vielleicht besser gewesen, nach Genesis-Chronologie zu erzählen und nicht gegen den Strich, nur weil Michelangelo mit den spätesten Darstellungen angefangen hat. Auch die Schilderung „Michelangelo malt das Jüngste Gericht“ ist eindeutig zu knapp ausgefallen.

Aber diese kleineren Kritikpunkte können den überwältigenden Gesamteindruck nicht beeinträchtigen: Ein umwerfendes, kenntnisreiches Buch, das einem die Türen zu Michelangelo, Raffael und ihrer Zeit weit aufstößt!

Quelle (Text/Foto): Radio Vatikan


Universum: Entdeckung eines riesigen Schwarzen Lochs mit 17 Milliarden Sonnenmassen

Neue Erkenntnisse rütteln an bisherigen Vorstellungen über Galaxien-Entwicklung

Eine Gruppe um Astronomen um Remco van den Bosch vom Max-Planck-Institut für Astronomie haben ein Schwarzes Loch entdeckt, das an den Grundlagen heutiger Modelle der Galaxienentwicklung rüttelt.

Mit 17 Milliarden Sonnenmassen ist das Schwarze Loch im Vergleich zur Masse seiner Heimatgalaxie deutlich massereicher, als es diese Modelle vorhersagen. Dies könnte sogar das massereichste bislang bekannte Schwarze Loch überhaupt sein.

standardNach bestem Wissen der heutigen Astronomen sollte jede Galaxie in ihrer Zentralregion ein sogenanntes supermassereiches Schwarzes Loch aufweisen: ein Schwarzes Loch mit einer Masse zwischen einigen hunderttausend und Milliarden von Sonnenmassen.

Das am besten untersuchte Exemplar mit rund vier Millionen Sonnenmassen sitzt im Zentrum unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße.

Untersuchungen der Massen von Galaxien und ihrer Schwarzen Löcher haben einen interessanten Zusammenhang aufgedeckt: eine direkte Verbindung zwischen der Masse des zentralen Schwarzen Lochs einer Galaxie und der Masse ihrer Sterne. Typischerweise kommt das Schwarze Loch dabei auf einen winzigen Bruchteil der Gesamtmasse der Galaxie.

Jetzt hat freilich eine systematische Suche, die von Remco van den Bosch (MPIA) geleitet wird, ein supermassereiches Schwarzes Loch ausfindig gemacht, das die allgemein akzeptierte Beziehung zwischen Schwarzloch- und Galaxienmasse aushebeln könnte – eine Beziehung, die eine wichtige Rolle in allen derzeit gängigen Modellen der Galaxienentwicklung spielt.

Der Fund gelang mit Hilfe von Beobachtungen mit dem Hobby-Eberly Telescope und archivierten Bildern des Weltraumteleskops Hubble.

Mit 17 Milliarden Sonnenmassen könnte das neuentdeckte Schwarze Loch im Zentrum der Scheibengalaxie NGC 1277 sogar das größte überhaupt bekannte Schwarze Loch sein.

Die Masse des derzeitigen Rekordhalters wird auf zwischen 6 und 37 Milliarden Sonnenmassen geschätzt (McConnell et al. 2011); liegt der wahre Wert am unteren Ende, bricht NGC 1277 diesen Rekord. Wenn nicht, wäre das Schwarze Loch in NGC 1277 immerhin noch das zweitgrößte bekannte Schwarze Loch.

Die große Überraschung besteht darin, dass die Masse des zentralen Schwarzen Lochs 14% der Gesamtmasse von NGC 1277 ausmacht  –  im Vergleich mit üblichen Werten rund um 0,1 %.

Das schlägt den bisherigen Rekord um einen Faktor von mehr als zehn. Astronomen hätten ein Schwarzes Loch dieser Größe in einer mindestens zehn Mal größeren strukturlosen (»elliptischen«) Galaxie erwartet – nicht in einer kleinen Scheibengalaxie wie NGC 1277.

Ist das überraschend massereiche Schwarze Loch eine seltene Laune der Natur  –  eine absolute Ausnahme?

Vorläufige Analysen weiterer Daten weisen in eine andere Richtung: Bis dato hat die Suche von van den Bosch und seinen Kollegen noch fünf weitere Galaxien zu Tage gefördert, die vergleichsweise klein sind, aber dennoch ungewöhnlich massereiche zentrale Schwarze Löcher beherbergen dürften. Definitiv wird sich dies aber erst sagen lassen, wenn detaillierte Abbildungen dieser Galaxien vorliegen.

Bestätigen sich diese weiteren Fälle und gibt es in der Tat noch mehr Schwarze Löcher wie das von NGC 1277, dann müssen die Astronomen ihre Modelle der Galaxienentwicklung grundlegend überdenken.

Quelle (Text/Foto): Max-Planck-Institut für Astronomie (idw) – siehe hier: http://www.mpg.de/6638469/Schwarzes_Loch_und_Galaxienmodell?filter_order=L


Volker Becks ganz neues und erstaunliches Feingefühl für innerkirchliche Stilfragen

Der grüne Politiker attackiert gerne den Papst, aber wehe, ein Priester kritisiert einen Bischof…

Volker Beck, bekannter Parlamentarier und bekennender Homosexueller, ist nicht gerade als Vertreter einer sanften Tonlage bekannt, sondern gilt selbst in seiner Partei eher als der “Mann fürs Grobe”, der selten um eine neue Provokation verlegen ist.

So war der Bundes-Geschäftsführer der Grünen beispielsweise von vornherein strikt dagegen, daß Papst Benedikt im Bundestag sprechen darf  –  in diesem Punkt mochten ihm selbst Angehörige seiner eigenen Fraktion nicht unbedingt folgen, von antikirchlichen Politikern wie Trittin und Co. abgesehen.

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Weil sich der römische Pontifex getreu der katholischen Lehre, die er zu verkünden hat, gegen die Gleichstellung von homosexuellen “Paaren” mit der normalen Ehe aussprach, warf ihm der rabiate Bundestagsabgeordnete Beck nichts weniger als einen “Angriff auf den säkularen Verfassungsstaat” vor.

Hinsichtlich der Annäherungsversuche und Gespräche, die der Vatikan mit der traditionsverbundenen Priesterbruderschaft St. Pius führte,  erklärte der grüne Abgeordnete,  der Papst dulde damit zugleich auch eine “Ideologie der Ungleichwertigkeit innerhalb der katholischen Kirche, die Juden, Muslime, Homosexuelle und emanzipierte Frauen zu Menschen zweiter Klasse degradiert”.

Selbst Erzbischof Woelki aus Berlin widersprach seinerzeit den Rundumschlägen Becks und erklärte, es stehe diesem frei, den Papst zu kritisieren, aber: “Ein wenig mehr an Differenzierung und weniger an Polemik wären aber angemessen”.

Von den noch extremeren Entgleisungen gegen katholische Bischöfe,  für die seine umtriebige Parteivorstandskollegin Claudia Roth ebenso berühmt wie berüchtigt ist, einmal ganz zu schweigen.

Doch man lese und staune, wie feinsinnig sich der eifrige Polemiker Beck plötzlich um den innerkirchlichen Umgangsstil besorgt zeigt, wenn es nicht um seine eigenen provokanten Äußerungen, sondern um einige flapsige Bemerkungen des konservativen Priesters Hendrick Jolie geht.

Gegen diesen hessischen Priester zieht Beck gemeinsam  mit dem “schwulen Theologen” Dr. David Berger schon seit Wochen eifrig zu Felde, wobei der Geistliche durch seinen leichtfertigen Umgang mit dem unseriösen Radauportal “kreuz.net” sicher einen ernsten Fehler begangen hat, sich hierfür aber auch klar entschuldigt hat.

Der für Jolie zuständige Bischof Karl Lehmann nahm die Entschuldigung des Geistlichen an und dankte ihm ausdrücklich “für seine Bereitschaft zur selbstkritischen Umkehr”. Der bußfertigte Priester wurde daher von der Kirche zwar gerüffelt, aber nicht amtsenthoben  – und das ist auch gut so.

Volker Beck hält die Causa Jolie weiter am Köcheln

Damit könnte das Thema abgehakt sein, müßte man meinen, aber Hustekuchen!

Jetzt berichtete “Spiegel-online”, Volker Beck habe  die Kardinäle Lehmann und Zollitsch in Briefen zur Causa Jolie aktuell aufgefordert, “doch kirchen- und arbeitsrechtliche Konsequenzen aus diesem Fehlverhalten zu ziehen”.

Zudem heißt es dort: “Jolie habe andere Nutzer von kreuz.net mehrfach in Kommentaren als “Spacko” und “Gehirngnome” bezeichnet, also eine “diffamierende und diskriminierende Sprache” verwendet. Zudem habe er sich in Richtung des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz unflätig geäußert.”

Welch neue Sensibilität des Volker Beck wir hier bestaunen dürfen!

Der grüne Geschäftsführer selber attackiert gerne öffentlich den Papst und will ihn nicht einmal im Bundestag sehen und hören.

Aber wenn sich ein katholischer Pfarrer im Chat-Kommentarbereich zwischen Tür und Angel des Internets in einer vielleicht  flapsigen bis unangemessenen Sprache artikuliert, dann findet dies Herrn Becks scharfe Mißbilligung  –  und ausgerechnet der bewährte Herr Polemiker verteidigt den “Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz” vor den angeblich “unflätigen” Meinungsäußerungen des Gemeindegeistlichen.

Viele Katholiken sehen sicherlich ganz hoffnungsfroh der weiteren Entwicklung des Beckschen Feingefühls entgegen und erwarten gerne den Tag und die Stunde, wo er diese lobenswerte Tugend auch in eigener Sache und Person anzuwenden gedenkt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


FDP-Politiker Frank Schäffler im Parlament: “Welches Europa wollen wir?”

Bundestags-Rede vom 30.11.2012 anläßlich der Änderung des zweiten Anpassungsprogramms für Griechenland

Herr Präsident!   

Bei der Frage, die wir heute diskutieren, geht es auch um die Situation Griechenlands; das ist ganz klar. Es ist sehr einschneidend, was in Griechenland passiert. Es geht aber aus meiner Sicht um viel mehr.  0000001313_3

Es geht um die Frage: Welches Europa wollen wir?

Der heutige Finanzminister hat 1996 ein Buch geschrieben mit dem Titel „Und der Zukunft zugewandt“. Zur Rolle Deutschlands in Europa hat er formuliert: „Wir müssen uns davor hüten, als Besserwisser und Moralerzieher aufzutreten.“

Ich glaube, genau um dieses Spannungsfeld geht es. Es stellt sich jetzt die Frage in Europa: Welches Europa wollen wir? Wollen wir ein Europa der 17? Wollen wir ein Europa der 27? Oder wollen wir ein Europa der 50? Das ist die Frage, um die es jetzt geht.

Das Europa der 17 führt am Ende, wie die aktuelle Entwicklung zeigt, dazu, dass es sich abschottet, dass es einen eigenen Weg geht, dass es die anderen am Katzentisch sitzen lässt. Das ist ein anderes Europa als das Europa, das die Gründungsväter nach dem Krieg aufgebaut haben.

Wir erleben in Europa, dass einige Länder schon nicht mehr dabei sind oder an den Katzentisch gedrängt werden. Schauen Sie sich England an. England zieht sich sukzessive aus dem Integrationsprozess in Europa zurück.

Die Schweiz liegt mitten in Europa und ist ein Beispiel für ein föderales Europa. Tschechien und Polen gehören ebenfalls zu Europa. Sie sind Teil unserer langen Geschichte.

Es sind viele Länder in Europa, die nicht am Euro partizipieren und beim Euro nicht mitmachen. Dies alles belegt, um welche Kernfrage es geht, nämlich um die Frage: Welches Europa wollen wir?

An dieser Stelle möchte ich noch einmal den Finanzminister zitieren. Der Finanzminister hat in seinem Buch Lord Ralf Dahrendorf zitiert: Kein zentralistisches, sondern ein föderal aufgebautes Europa, organisiert nach dem Prinzip der Vielfalt, wird das Europa der Zukunft sein.

Genau um diese Frage geht es. Ich glaube, Europa hat nur dann eine Zukunft, wenn es föderal und vielfältig aufgebaut wird und wenn es sich nicht auf wenige Staaten konzentriert, die ein anderes Europa wollen als der Rest. Vielen Dank.
(Beifall bei Abgeordneten der FDP)

Rede auf Youtube


ECCLESIA-Plakat mit Mariengebet: “Blick mild auf uns hernieder”

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MARIENPOSTER des KOMM-MiT-Verlags im Rahmen seines ECCLESIA-Plakatdienstes in Münster  -   Foto: Dr. Bernd F. Pelz


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