Freispruch für Ex-Staatsoberhaupt Wulff widerlegt Medien-Schlammschlacht

Der ehem. Bundespräsident und frühere niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) ist am heutigen Donnerstag, den 27.2.2014, durch das Landgericht Hannover vom Verdacht der Vorteilsnahme bzw. Korruption freigesprochen worden. Dieses positive Urteil kommt für Kenner der Causa Wulff allerdings wenig überraschend.

English: President of Germany Christian Wulff ...Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft Hannover dem ehem. deutschen Staatsoberhaupt vorgeworfen, vor 6 Jahren von dem Filmproduzenten Groenewold 720 Euro für Hotel- und Bewirtungskosten erhalten zu haben. Zwei Monate später habe Wulff bei Siemens-Chef Peter Löscher um Unterstützung für Groenewold geworben.

Das Landgericht sah es keineswegs als erwiesen an, daß Wulff damals illegale Zuwendungen erhalten und deshalb sein Amt als Ministerpräsident rechtswidrig für eine Unterstützung Groenewolds genutzt habe. Auch der Filmproduzent selbst wurde vom Vorwurf der Vorteilsgewährung freigesprochen.

Christian Wulff war im Februar 2012 nach einer monatelangen Medienkampagne, an der sich vor allem die BILD-Zeitung beteiligte, als Bundespräsident zurückgetreten.

Hinweis:
Unser CHRISTLICHES FORUM hatte sich in fast vierzig Artikeln und Berichten gegen jene Presse-Schlammschlacht ausgesprochen:
hier eine chronologische Auflistung: http://charismatismus.wordpress.com/category/causa-christan-wulff/

Foto: Wikipedia

 


Souverän und mutig: Glaubenspräfekt Gerhard Ludwig Müller und die Causa Christian Wulff

Von Felizitas Küble

Erzbischof Gerhard L. Müller   -  er ist  Chef der römischen Glaubenskongregation  -  stellt bei vielen Themen unter Beweis, daß er mutig, standpunktfest und geistig souverän auf aktuelle Ereignisse, Streitthemen und grundsätzliche Herausforderungen zu reagieren vermag.

Dies zeigt sich z.B. auch angesichts diverser Debatten um Ex-Bundespräsident Christian Wulff:

Zu einem Zeitpunkt, als dieser auf dem Höhepunkt seiner Macht und Beliebtheit stand, als er sich zudem noch der besonderen Gunst der BILD-Zeitung erfreute, die das “Traumpaar” Christian und Bettina ständig in Jubelpose präsentierte  -  genau damals, als die Medien-Sonne äußerst freundlich über dem Präsidenten leuchtete, besaß der damalige Bischof von Regensburg den Mut, das deutsche Staatsoberhaupt daran zu erinnern, daß er als Katholik durchaus keine Sonderrechte beanspruchen kann.

In jener Zeit  -  Mitte September 2011  -  ging es in der öffentlichen Diskussion u.a. darum, daß Wulff als geschieden-Wiederverheirateter nicht zum Tisch des HERRN geladen ist.

Reformorientierte Katholiken wandten sich wie üblich gegen den vermeintlich “starren” Standpunkt der katholischen Kirche   -  und auch der Bundespräsident selbst brachte beim amtlichen Empfang von Papst Benedikt in Berlin sein persönliches Eheschicksal indirekt zur Sprache, was durchaus nicht zu seiner Aufgabe als Staatsoberhaupt gehörte.

Der damalige Bischof von Regensburg, Gerhard L. Müller, hatte seinerzeit öffentlich daran erinnert, daß geschieden-Wiederverheiratete nicht zu den Sakramenten zugelassen sind   –   und wir berichteten darüber. Der Untertitel unseres Beitrags lautete: „Der Bundespräsident hat als Katholik keine besonderen Vorrechte.“

Der damalige Oberhirte von Regensburg hatte öffentlich klargestellt: „Wir Katholiken gehen von dem hohen Gut, ja, dem Geschenk der Unauflöslichkeit der Ehe aus.” 

Das gelte auch für den Katholiken Christian Wulff, so der Bischof: „Als Bundespräsident hat Christian Wulff im staatlichen Sektor Anspruch auf besondere Achtung. Als Katholik hat er keine besonderen Vorrechte.“

Als sich Christian Wulff noch in Glanz und Gloria, in Glamour und Glück sonnen konnte, zeigte Bischof Müller klaren Mut zum Widerspruch  -  und genauso beweist er ihn jetzt, wenn er jene unfaire, geradezu verleumderische Pressekampagne vom Vorjahr kritisiert, die Christian Wulff zum Rücktritt veranlaßte.

Medienkritik hört man von Kirchenführern sonst eher selten  -  viele Bischöfe wollen es sich mit dieser mächtigen “vierten Gewalt” im Staate wohl nicht verderben (mitunter gewinnt man den Eindruck, als hätten die Medien längst schon die “erste Gewalt” inne).

Glaubenspräfekt Gerhard L. Müller hat sich jetzt zum Korruptionsprozeß gegen Ex-Präsident Wulff geäußert: “Wer nur ein wenig Gerechtigkeitssinn hat, kann den juristischen und finanziellen Aufwand um 700 Euro nicht verstehe”, stellte er in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazins FOCUS klar. 

Er fügte hinzu: “Es ist auch nicht zu tolerieren, dass Personen in ihrer Menschenwürde so verletzt und gekränkt werden dürfen, besonders wenn die Vorwürfe gar nicht bewiesen sind.”

Damit dokumentiert Erzbischof Müller erneut seinen wachen Gerechtigkeitssinn und seine zeitgeistkritische Courage, die allen Bischöfen zu wünschen wäre.

Foto: Bistum Regensburg


Der Katholik Christian Wulff und der ewige Wert der ehelichen Treue

Erst verließ er (Wulff) sie (seine rechtmäßige erste Frau) – und jetzt verläßt sie (Bettina) ihn (den Ehebrecher)

Viel Schadenfreude über das  -  zumindest vorläufige  -  Scheitern der Zweit-Ehe von Christian Wulff ist allenthalben vernehmbar, das Internet quillt davon über  -  und wohl bald auch die “restliche” Medienlandschaft, wenngleich vielleicht etwas dezenter als im weniger geordneten Netz.

“Bettina gehört zu Wulff wie der Islam zu Deutschland”   – “Der Wulff ohne Schlafpelz”  –   solche und ähnliche Scherze machen nun die Runde.

Doch mit flapsigen Sprüchen, so trefflich sie auch erscheinen,  ist es nicht getan.

Vielmehr sollte jetzt eine ernsthafte Werte-Debatte in Gang kommen; eine Diskussion über ewige Werte  -  genau: zeitlose, immer gültige Grundsätze.

Dazu gehört auch und vor allem die eheliche Treue, die kein leerer Wahn sein darf.

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: Evita Gründler

Christian Wulff hatte in seiner Amtszeit als niedersächsischer Ministerpräsident seine ihm angetraute Ehefrau Christiane und die gemeinsame Tochter verlassen und sich eine weitaus jüngere Lebedame angelacht; die Geliebte wurde bereits schwanger, als Wulffs Ehe noch nicht einmal geschieden war.

Der CDU-Politiker Christian Wulff ist katholisch, seine erste Ehe bleibt gültig, auch nach Scheidung und standesamtlicher zweiter Heirat, denn das sakramentale Band der Ehe ist unauflöslich  -  das gilt auch für Politiker, Staatsoberhäupter usw.

Wie wurde doch damals anläßlich von Wulffs Ehebruch mit seiner jungen Strahlefrau vielfach über die angeblich so altmodische katholische Ehe-Moral hergezogen. 

Wie wurde der Bundespräsident von Presseleuten noch und nöcher gelobt, nachdem er bei seiner Begrüßungs-Ansprache anläßlich des Papst-Besuches  2011 indirekt an der katholischen Haltung gegenüber geschiedenen Wiederverheirateten herummäkelte:

Wulff hatte dem Oberhaupt der kath. Kirche in seiner Rede provokativ die Frage gestellt, wie „barmherzig“ denn diese Kirche mit den „Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen“ umgehe. Er hätte sich besser selber der Frage gestellt, wie “barmherzig” er als Ehebrecher mit Frau und Tochter umgegangen ist.

Am 22. Dezember 2011 schrieb ich im CHRISTLICHEN FORUM in einem Artikel über Wulffs “Fettnäpfchen” Folgendes hierzu:

“Nicht zu vergessen seine fast schon peinliche Ansprache beim diesjährigen Papstempfang, wo er dem hohen Gast indirekt seine Privatprobleme servierte  –  und sich damit eher spätpubertär als staatsmännisch verhielt…

Folgendes kann angesichts der aktuellen Wulff-Debatte vielleicht auch bedacht werden: Hätte er nicht seine Ehefrau verlassen und sich eine Geliebte namens Bettina an Land gezogen, die heute als “First Lady” durchs Land flaniert, dann hätte er kein neues Haus benötigt  -  und den jetzigen Skandal gäbe es schlichtweg nicht.

“Das ist der Fluch der bösen Tat, die fortzeugend Böses muß gebären“, schrieb Schiller einst in seinem Drama “Wallenstein” – wie wahr!”

Bereits am 30. September 2011 haben wir die deutliche Kritik von Prälat Wilhelm Imkamp  -  Direktor der Wallfahrtsstätte “Maria Vesperbild”   – veröffentlicht, der u.a. erklärte:

“Wenn der katholische Christ Wulff sein politisches Amt und dessen Möglichkeiten dazu benutzt, seine persönlichen Probleme mit und in der Kirche zu thematisieren, könnte man durchaus von einer gewissen Grenzüberschreitung sprechen.” 

Auch Bischof Gerhard L. Müller sprach damals Klartext

Noch früher, am 19. September, hatten wir Bischof Gerhard L. Müllers klare Äußerungen zitiert, der daran erinnerte, daß geschieden-Wiederverheiratete grundsätzlich nicht zum Tisch des HERRN geladen sind.  -  Der Untertitel unseres Beitrags lautete: „Der Bundespräsident hat als Katholik keine besonderen Vorrechte.“

Der damalige Oberhirte von Regensburg hatte öffentlich klargestellt: „Wir Katholiken gehen von dem hohen Gut, ja, dem Geschenk der Unauflöslichkeit der Ehe aus.” 

Das gelte auch für den Katholiken Christian Wulff, so der Bischof: „Als Bundespräsident hat Christian Wulff im staatlichen Sektor Anspruch auf besondere Achtung. Als Katholik hat er keine besonderen Vorrechte.“

Diese beiden Kirchenmänner, die wir beispielhaft erwähnen,  zeigten Standfestigkeit und Mut in einer Zeit, als das “Traumpaar” Christian und Bettina die Fotoserien der Illustrierten prägte  -  und alles in Glanz und Gloria, in Glamour und Glück erstahlte.

Und jetzt?

Die Frage stellen heißt sie beantworten.

Immerhin wird jetzt sogar  die links-alternative Berliner “taz” etwas nachdenklich. In ihrem Kommentar “Ein bürgerliches Trauerspiel” schreibt die “Tageszeitung” heute Folgendes:

“So aber wird Christian Wulff in steigendem Maße zum Sinnbild einer Gesellschaft, die unsicher ist hinsichtlich ihres eigenen Wertesystems: Reichtum und Glamour werden bewundert  –  und zugleich beneidet… Schicke, möglichst junge Lebenspartnerinnen zeugen von der eigenen Potenz. So lange – und nur so lange – sie bleiben.

Erstaunlich, dass die Unionsparteien noch immer so hohe Umfragewerte verbuchen können, obwohl vieler ihrer Repräsentanten das, wofür Konservative einstmals standen, im Privaten längst nicht mehr vertreten. Man blicke auf Horst Seehofer, auf Ole van Beust oder auf Karl-Theodor zu Guttenberg.”

Mit dem “bürgerlichen Lager” kann es wohl kaum zum besten stehen, wenn es jetzt ausgerechnet von linker Seite an konservative Werte erinnert wird.

Von diesen Grundsätzen will Frau Bettina Noch-Wulff offenbar nicht allzu viel wissen. Bereits in ihrem Buch “Jenseits des Protokolls”, in dem sie ihren Mann ohnehin unverblümt blamierte, hatte sie klargestellt:

“Ich will mich endlich einmal um meinen eigenen Kern kümmern, um mich selbst, meine Träume und Wünsche. Auch Christian muss sich diesbezüglich umstellen, denn ich fordere jetzt mehr Zeit für mich ein.”

Es geht also um die liebe “Selbstverwirklichung”  -  nicht gerade der beste Baustein für die ewige Treue….

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 
 

Ex-Bundespräsident Christian Wulff: nach wie vor kein Tatverdacht

Im Ermittlungsverfahren gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff hat die Staatsanwaltschaft Hannover nach Informationen des Nachrichtenmagazins “Focus” zurzeit keinen hinreichenden Tatverdacht. Dieser ist die Voraussetzung für eine Anklage.

Eine Entscheidung darüber, ob Anklage erhoben wird, solle frühestens im September fallen.

Auch im Verfahren gegen Wulffs Ex-Sprecher Olaf Glaeseker gibt es laut “Focus” zurzeit keinen ausreichenden Tatverdacht.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Wulff wegen des Verdachts der Vorteilsannahme, gegen Glaeseker wegen des Verdachts der Bestechlichkeit.

Quelle: dts /Fulda-Info

Im Mai dieses Jahres hatte die Berliner Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Christian Wulff mangels Tatverdacht eingestellt: http://charismatismus.wordpress.com/2012/05/24/ermittlungsverfahren-gegen-ex-bundesprasident-christian-wulff-wird-eingestellt/

Hinweis: Das CHRISTLICHE FORUM äußerte sich in dutzenden Artikeln  g e g e n  die unfaire Schlammschlacht, die in der Causa Wulff von Medien- und Politikerseite geführt wurde – siehe hier:

http://charismatismus.wordpress.com/category/causa-christan-wulff/


Ermittlungsverfahren gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff wird eingestellt

Die Staatsanwaltschaft Berlin wird ihr Ermittlungsverfahren wegen Vorteilsannahme gegen den zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff einstellen.  Dies erfuhr die Berliner Zeitung “Tagesspiegel” aus Justizkreisen.

Eine offizielle Bestätigung gab es allerdings noch nicht. “Die Ermittlungen sind abgeschlossen”, sagte Justizsprecher Matthias Rebentisch.

Quelle hierfür:  http://www.tagesspiegel.de/politik/ex-bundespraesident-berliner-staatsanwaltschaft-stellt-ermittlungen-gegen-wulff-ein-/6665872.html

Damit ist der Bundespräsident teil-entlastet. In Hannover läuft ein weiteres Ermittlungsverfahren, das vermutlich länger dauert und dessen Ausgang noch offen ist.

Hinweis: Unser CHRISTLICHES FORUM äußerte sich in dutzenden Artikeln und Berichten  g e g e n  die Schlammschlacht, die in der Causa Wulff von Medien- und Politikerseite geführt wurde – siehe hier:

http://charismatismus.wordpress.com/category/causa-christan-wulff/


Martin Mosebach stellt klar: Der Islam gehört nicht zu Deutschland

Gestern veröffentliche die Tageszeitung “Die Welt” (online) ein Interview mit dem bekannten Schriftsteller und Büchner-Preisträger Martin Mosebach über die Situation des christlichen Glaubens in Deutschland und der Welt.

Dabei stellte ihm die Redaktion auch die Frage: “Gehört der Islam zu Deutschland, wie es Christian Wulff gesagt hat und wie es Volker Kauder jetzt in Abrede stellt?”

Mosebachs Antwort:

“Wenn ein Politiker sich über den Islam äußert, kann er sagen: Die Deutschen, die sich zum Islam bekennen, haben dieselben Bürgerrechte wie die anderen Deutschen. Das ist eine Selbstverständlichkeit. Aber der Satz “Der Islam gehört zu Deutschland” ist eine verantwortungslose und demagogische Äußerung. Was hat der Islam zu unserer politischen und gesellschaftlichen Kultur bisher beigetragen?

Unser Grundgesetz fußt auf dem Christentum, auf der Aufklärung und auf weit in die deutsche Geschichte zurückreichenden Konstanten, wie etwa dem Partikularismus. Da gibt es kein einziges islamisches Element – woher sollte das auch kommen?

Wenn die muslimischen Deutschen die kulturelle Kraft besitzen sollten, der deutschen Kultur islamische Wesenszüge einzuflechten, dann mag man in hundert Jahren vielleicht einmal sagen: der Islam gehört zu Deutschland.”

Quelle und vollständiges Interview hier:   http://www.welt.de/kultur/article106207333/Der-Unglaube-im-Osten-ist-ein-Erbe-Preussens.html


Staatsrechtler Martin Kriele beanstandet Medien-Übermacht bei Kampagnen

Scharfe Kritik an der Rolle der Medien bei den Rücktritten der Bundespräsidenten Horst Köhler (2010) und Christian Wulff (2012) übt der Staatsrechtler Prof. Martin Kriele.

Er vermißt die Kontrolle der Medien durch andere Medien, insbesondere durch die seriöse Presse und die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. In diesen beiden Kampagnen habe sich gezeigt: „Presse kritisiert nicht Presse.“

In einem Artikel der “Zeitschrift für Rechtspolitik”, deren Mitherausgeber der emeritierte Professor ist, bekräftigt Kriele den Grundsatz, daß alle Machtausübung Kontrolle durch eine freie Presse brauche.

Die Medien besäßen in der Demokratie viel Macht: „Sie können die Inhaber der Staatsgewalt um Vertrauen und Amt bringen.“  -Doch auch diese Macht bedürfe der Kontrolle durch die jeweils anderen Medien.

Prof. Kriele: „Bleibt ihr die Kritik erspart, wird sie zu einer übermächtigen Manipulations-Instanz, die die gewählten Amtsinhaber zum Machtkampf herausfordert.“  – Köhler habe mit seinem überraschenden Rücktritt sofort  davor „kapituliert“.

Im Fall Wulff sei in den Medien zwei Monate lang zur alles beherrschenden Frage geworden: „Was lässt sich dem Bundespräsidenten Übles nachsagen?“

Dabei habe man zu Mutmaßungen, Andeutungen und Unterstellungen gegriffen, aber die juristischen Voraussetzungen etwa für Vorteilsnahme im Amt vernachlässigt.

Bei den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen werde es darauf ankommen, ob eine Verknüpfung von Leistung und Gegenleistung gegeben war. Wenn nicht, werde es nach rechtsstaatlichen Prinzipien zu einer Einstellung des Verfahrens oder Freispruch kommen.

Prof. Kriele fragt: „Wieso fühlten sich nicht auch die anklagenden Medien diesen Grundsätzen verpflichtet? Wieso haben nicht wenigstens einige widersprochen?“ Journalisten hätten den Grundsatz „erdacht“, dass nicht einmal der „Anschein“ eines Delikts entstehen dürfe. Kriele: „Ob er entsteht, haben die Medien in der Hand. Sie erzeugen ihn, indem sie ihn unterstellen.“

Freilich habe auch Wulff dazu beigetragen, dass er angreifbar geworden sei. So habe er nicht immer die „ganze“ Wahrheit gesagt. Als Bundespräsident Johannes Rau umstritten war, sei Wulff selbst als „übertriebener Moralist“ aufgetreten: „Das wird ihm jetzt heimgezahlt.“

Das grundsätzliche Problem sei aber: „Boulevard- und Kampfpresse bedürfen der Ergänzung durch eine seriöse Presse, das private Fernsehen der Ergänzung durch öffentlich-rechtliche Anstalten, die den Bürger verlässlich informieren.“

Diese Kontrolle der Medien durch die Medien funktioniere aber nicht. Dieses Problem sei nicht durch eine Änderung des Grundgesetzes zu lösen. Prof. Kriele hierzu: „Es ist ein Problem der politischen Kultur unserer Demokratie.“

Die Medien könnten sich zwar freuen, daß sie diesen Machtkampf gewonnen hätten: „Aber sie haben wenig Anlass zu moralischer Selbstgerechtigkeit. Wir sind darauf angewiesen, dass sie uns verlässlich informieren.“

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur IDEA

 


“Ich bete an die Macht der Liebe” – und der Große Zapfenstreich

Beim Großen Zapfenstreich zur Verabschiedung des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff am 8. März in Berlin werden auch zwei christliche Lieder erklingen. Das ehemalige Staatsoberhaupt hat sich vier Musikstücke für das militärische Abschiedszeremoniell gewünscht.

Darunter ist das bei Evang.  Kirchentagen und Katholikentagen gesungene Lied „Da berühren sich Himmel und Erde“. Das von dem katholischen Theologen Thomas Laubach getextete Werk (Komponist Christoph Lehmann) stammt aus dem Jahr 1989.

Wulff hat sich zudem die „Ode an die Freude“ von Ludwig van Beethoven (1770-1827), den „Alexandermarsch“ von Andreas Leonhardt (1800-1866) und das Lied „Over the rainbow“ (Über dem Regenbogen) von Harold Arlen (1905-1986) ausgesucht.

Fester Bestandteil des Großen Zapfenstreichs ist seit jeher der Choral „Ich bete an die Macht der Liebe“ des pietistischen Kirchenlieder-Dichters Gerhard Tersteegen (1697-1769). Bei der Zeremonie geht dem Lied stets der Befehl voraus „Helm ab zum Gebet!“.

Der Große Zapfenstreich ist das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur IDEA

Hier die erste Strophe des langen Liedes “Ich bete an die Macht der Liebe”:

Ich bete an die Macht der Liebe,
Die sich in Jesus offenbart;
Ich geb’ mich hin dem freien Triebe,
Wodurch ich Wurm geliebet ward;
Ich will, anstatt an mich zu denken,
Ins Meer der Liebe mich versenken.

“Tugendterror”: Über die Kluft zwischen den “hohen” Medien und dem “kleinen” Mann

Warum wird nicht auch die “Macht der Medien” in ihre “Grenzen” gewiesen?

Unter dem Titel „Nach dem Skandal ist vor dem Skandal“ befaßt sich WELT-Redakteur Thomas Schmid heute in WELT-online ausführlich mit den grundsätzlichen Mechanismen politischer Affären und Medienkampagnen.

Obgleich der Autor seine journalistische Zunft weitgehend in ein helles Licht rückt und Zeitungsleser offenbar als „kleine Leute“ wahrnimmt, ist die Analyse insgesamt aufschlußreich und vielfach zutreffend. Immerhin findet Schmid auch einige kritische Töne über das „Pathos rückhaltloser Aufklärung“, das auch in einem mentalen „Tugendterror“ enden könne.

Gleich eingangs räumt der Autor ein, daß in der Causa Wulff eine Kluft zwischen den meisten Medien und dem Volk bzw den Lesern erkennbar sei   – das gilt auch für die Tageszeitung DIE WELT aus dem Springer-Verlag; er schreibt hierzu:

„Selten hat eine Berichterstattung viele Leser dieser Zeitung so empört wie die über Bundespräsident Christian Wulff und die Finanzierung seines Hauses in Großburgwedel (und viele Leser anderer Publikationen reagierten ganz ähnlich). Wie schon zu der Zeit, als Kritik an Wulffs Amtsvorgänger Horst Köhler laut wurde, tat sich auch diesmal eine beträchtliche Kluft zwischen öffentlicher Meinung und veröffentlichter Meinung, genauer: zwischen Volksempfinden und Presse auf. Die meisten Leser, die ihre Unzufriedenheit äußerten, warfen der Zeitung und ihren Journalisten vor, sie überschritten ihre Kompetenz, seien unnachsichtig und führten eine Kampagne. Von Diffamierung, Hetzjagd, Treibjagd war die Rede.“

Damit ist die Sachlage durchaus zutreffend umrissen. Natürlich erwähnt der Redakteur nun „die Pflicht von Journalisten, zu recherchieren und zu enthüllen“. Diese Aufgabe stellt kein Vernünftiger in Abrede, es geht allerdings um das „Wie“, um die Methoden und deren Ausmaß, um Fairneß und Sachlichkeit auch beim „Enthüllen“.

Sodann schreibt Schmid, „dass der Journalist zwar der Wahrheit, nicht aber dem Gemeinwohl verpflichtet ist und es natürlich auch um Auflage geht.“  – Um Auflage geht es meist in weitaus größerem Ausmaß als um „Wahrheit“  – und auch die „Wahrheit“ hat meist zwei Seiten, doch bei „Enthüllungs“-Feldzügen kommt nur jene „Wahrheit“ zum Tragen, die den Angegriffenen belastet.

Immerhin gibt der Autor zu: „Die Formen, die das annimmt, mögen nicht immer die feinen sein – am Ende steht aber der schöne Effekt, der im Zweifelsfall auch ein unintended effect sein kann: Licht kommt ins Dunkel übler Machenschaften, die Macht wird in ihre Grenzen verwiesen.“

Die Macht der Politiker zweifellos  – aber wäre es nicht längst an der Zeit, daß die Macht der Medien „in ihre Grenzen gewiesen“ wird? Mitunter könnte man fast von “Allmacht” reden. Oder ist hier eine gewisse Machtkontrolle plötzlich nicht nötig?

Der Autor versucht sich sodann, in die Seelenlage seiner von Pressekampagnen angenervten Leser einzufühlen:

„Wenn ich ihren Blickwinkel einnehme, kann ich die empörten Leser verstehen. Dass die Berichterstattung über die Causa Wulff neben kräftiger Zustimmung auch wütende Proteste auslöste, hat einen tiefen Grund. Es ging in diesem Streit um etwas, was für die ganz große Mehrheit der Bürger – erst recht für jene, die über keine großen Mittel verfügen – von existenzieller Bedeutung ist: um Beziehungen und Freundschaft.(…) Da wir aber – wie man “draußen im Lande” gut weiß – nicht in der besten aller Welten, vermutlich nicht einmal in der zweitbesten aller Welten leben, werden wir diesen unverzichtbaren Normen nicht gerecht. “Man kennt sich, man hilft sich” (Konrad Adenauer) – das ist die alltägliche Erfahrung von Millionen…Deshalb ist der kleine Mann nicht bereit, das schützende Gehäuse der Freundschaften, des Milieus und der wechselseitigen Vorteilsnahme zu verlassen.“

Diese Argumentation verfrachtet den kritischen Leser in eine moralisch nicht ganz niet- und nagelfeste Position nach der Devise: Bei einem Volk von Schnäppchenjägern kann der oberste Schnäppchenjäger so unbeliebt nicht sein.

Der Herr Journalist vergißt freilich, zu erwähnen, daß gerade die Zunft der Journalisten über viele Schnäppchen-Vorteile (von freien Eintritten bis hin zu Rabatten beim Autokauf) verfügt, worüber der „kleine Mann“ (wie der WELT-Redakteur ihn zu benennen pflegt) vor Neid erblassen würde. Freilich sind diese Berufsvorzüge durchaus nicht Gegenstand der Berichterstattung….

Stattdessen wird dem „kleinen Mann“ huldvoll zugestanden, daß er „auch Mensch“ sei:

„Der Bürger ist auch Mensch. Als um- und einsichtiger Bürger hält er sich an die Regeln und weiß auch, dass das einem guten Zweck dient. Als schlauer Mensch, der durchkommen muss, ist er von der fast anthropologischen Gewissheit getragen, dass eine Hand die andere waschen soll, dass es gar nicht anders geht und dass froh sein kann, wer Freunde hat, die ihm beispringen. Was Christian Wulff widerfahren ist, wird – zu Unrecht, aber aus gutem Grund – als Freundschaftsverbot, als Versuch wahrgenommen, Freundschaft zu kriminalisieren und das stützende Geflecht der Alltagsbindungen in der ätzenden Säure unerbittlicher Öffentlichkeit zu zersetzen.“

Immerhin beginnt nun ein leicht kritischer Ton beim Journalisten Schmid: „Seit der Französischen Revolution ist der Jakobinismus samt seiner Schrecken eine Möglichkeit, die nicht mehr wegzudenken ist. Der kleine Mann mag den Jakobiner nicht, hinter seinen Vernunftargumenten spürt und riecht er den Tugendterror.“

Damit wollen wir es für heute gut sein lassen  -  den „Rest“ des langen Artikels, der analytisch durchaus interessant ist, können Sie hier lesen:  http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article13907734/Nach-dem-Skandal-ist-vor-dem-Skandal.html


NZZ übt heftige Kritik an deutschen Medien in der Causa Wulff: “Zur Strecke gebracht”

Die angesehene Tageszeitung “Neue Zürcher Zeitung” befaßt sich am 20.2.2012 sehr kritisch mit der Rolle vieler Medien und “Meinungsmacher” in der Affäre Wulff.

Ohne die Fehler des ehem. Bundespräsidenten zu beschönigen, wendet sich die Schweizer Zeitung unter dem Titel “Zur Strecke gebracht” gegen das teils hysterische, teils heuchlerische Kesseltreiben, das im Blätterwald wochenlang veranstaltete wurde, wobei gerade dem Berufszweig der Journalisten beim Thema Schnäppchenjägerei eine selbstkritische Haltung gut angestanden hätte.

Der NZZ-Kommentar von Jürg Dedial beginnt mit den Worten:

“Der Fall Wulff ist ein unrühmliches Kapitel politischer und medialer Auseinandersetzung in Deutschland. (…) Ein Trost ist immerhin, dass die Selbstgerechtigkeit der Saubermänner bei der Bevölkerung mit sichtlicher Zurückhaltung quittiert wird.”

Sodann heißt es unter einem Blickwinkel, der weltweite Horizonte abmißt:

“Andere führen Krieg und rotten ganze Völker aus. Deutschland hingegen leistet sich den Luxus, sich über der Harmlosigkeit seines Staatsoberhauptes wochenlang selbst zu lähmen. Während draussen in der Welt Millionen um ihr Überleben kämpfen, ihr soziales Gefüge zerbrechen sehen und Seuchen, Wirbelstürme und Schlächtereien zu erdulden haben, ergehen sich die politische Klasse und die Medien in unserem Nachbarland in eitlen Balzritualen und Empörungsexerzitien in einem Fall, der an Trivialität und Biederkeit fast nicht mehr zu überbieten ist.”

Die geharnischte Medienschelte führt den Autor gar zu einem frommen Stoßzeufzer:

“Wer dieses Getöse und Gezeter nun monatelang zu ertragen hatte, kann nur sagen: Gott erbarm Dich unser und lass uns gründlich darüber nachdenken, was wir der Welt für ein Schmierenstück geliefert haben. Christian Wulff, der ungelenke und glücklose Bundespräsident, ist zur Strecke gebracht worden. Damit kann man leben. Aber es wäre eine Schande, würde dieses würdelose Stück Zeitgeschichte nun mit einem «Geschafft!» zu den Akten gelegt. Jetzt gilt es erst recht, über einiges nachzudenken.”

Quelle und Fortsetzung dieses lesenswerten NZZ-Kommentar hier:

http://www.nzz.ch/nachrichten/startseite/zur_strecke_gebracht_1.15125869.html


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