Der Geist des HERRN erfüllt das All

Das PFINGST-Poster des ECCLESIA-Plakatdienstes in Münster

ECCLESIA-Plakat des KOMM-MiT-Verlags in Münster

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Anmerkungen zu einer Ansprache von Sr. Margaritha Valappila (“Haus Raphael”)

Das Anprangern heimlicher Sünden anderer Menschen stammt nicht aus Gottes Geist

Im hessischen Bad Soden-Salmünster befindet sich das “Evangelisationszentrum” der aus Indien stammenden Nonne Sr. Margaritha Valappila.

Im dortigen Haus Raphael  – das sich laut bischöflicher Verfügung nicht “katholisch” nennen darf  –  finden seit vielen Jahren charismatische Gebetstage und Exerzitien statt.

Die  –  eigenen Angaben zufolge  – “geistgeführte” Ordensfrau hält dort regelmäßige Ansprachen am Predigtpult neben dem Altar, vor allem im Rahmen sogenannter Gebetstage, die oft gut besucht sind, zumal auch katholische Kreise zunehmend von einer “charismatischen Welle” erfüllt sind, wie man dies früher vor allem aus pfingstlerisch-protestantischen Konfessionen kennt.

Im Internet sind einige Vorträge von Sr. Valappila verfügbar, darunter ihre Ansprache vom 12.5.2008 in Bad Soden-Salmünster; diese Rede enthält einige typisch schwarmgeistige Merkmale, weshalb es sinnvoll sein mag, sie beispielhaft aufzugreifen und zu analysieren:

Die Ansprache der teilweise durchaus charmant wirkenden, mitunter recht salopp daherredenden und ständig schmunzelnden Nonne steht unter dem bezeichnenden Motto “Sende aus Deinen Geist”.

Rückwärtskippen und “Zungenrede”

Dabei spricht sie mehrfach von einer “Geistaussendung”, meint aber damit nicht etwa das Sakrament der Firmung, sondern vielmehr spezifisch charismatische Phänomene wie das von ihr ausdrücklich erwähnte “Ruhen im Geist” (Rückwärtskippen in einer Art Trance) oder das Zungenreden.

So fragt sie auch in diesem Vortrag ihre Zuhörer direkt, wer von ihnen denn diese “Geistesgabe” des Zungenredens besitze, worauf sich etwa ein dutzend Personen melden, denen sie zusagt, hier sei der Heilige Geist wirksam.

Es geht dieser Ordensfrau also ersichtlich nicht um die  – in der Firmung sakramental geschenkten  –  Sieben Gaben des Heiligen Geistes, die  bereits der Prophet Jesaja als Eigenschaften des Messias erwähnt   –  und die da lauten:   PAX

Geist der Weisheit,
des Verstandes,
des Rates,
der Stärke,
der Erkenntnis (Wissenschaft),
der Frömmigkeit
und der Gottesfurcht.

Von diesen doch recht verstandesbetonten, “vernunftfreundlichen” Gaben ist in Sr. Valappilas Vortrag kein einziges Mal die Rede.

Im Gegenteil:

Sr. Valappila  weist ihre Zuhörer mehrfach eindringlich darauf hin, daß man diese “Geistesgaben” (also charismatische Phänomene) nur empfangen könne, wenn  man  –  so wörtlich  – “die Intelligenz abschaltet”.

Das sei Voraussetzung für eine echte “Offenheit” gegenüber den Gaben von oben. Es sei  daher für “studierte Leute” schwerer, so die Nonne, die Gaben des Hl. Geistes zu erhalten.

Damit widerspricht sie de facto der kirchlichen Lehre über den Heiligen Geist und seine Gaben, die den Verstand bzw. die Intelligenz nicht aus- oder abschalten, sondern vielmehr erleuchten und stärken (siehe die Auflistung der Sieben Gaben des Hl. Geistes).

Schwester Valappila selber sieht sich als geistgeführte Prophetin und sagt wörtlich von sich (auch in dieser Ansprache):Der Heilige Geist lehrt mich!”  – und zwar tags und nachts, wie sie ausdrücklich versichert. 

Wozu bedarf diese Ordensfrau dann eigentlich noch der Lehre der Kirche? Wird sie doch direkt von “oben” belehrt und geleitet!

Sr. Valappila pflegt zudem eine recht eigenwillige Bibelauslegung, wobei schnell deutlich wird, daß sie die Heilige Schrift ganz durch ihre charismatische Brille betrachtet.

Charismatischer Mißbrauch von “Joel 3″

So zitiert sie  –  typisch für die Schwärmerszene  –  mehrfach “Joel 3″ aus dem Alten Testament,  seit langem  d i e  TOP-Bibelstelle protestantischer Charismatiker  – doch seit ca 20 Jahren erfreut sich “Joel 3″ auch in der katholischen Euphoriker-Bewegung wachsender Beliebtheit.
D
ie erwähnte biblische Aussage lautet wie folgt:

“Ich werde meinen Geist ausgießen über alles Fleisch. Eure Söhne und Töchter werden weissagen,  eure Greise werden Träume haben, eure jungen Männer werden Visionen sehen   –  und selbst über Knechte und Mägde werde ich in jenen Tagen meinen Geist ausgießen” (Joel 3,1 f.)

Sr. Valappila bezieht diese AT-Prophetie ausdrücklich auf die heutige Zeit mit ihren weitverbreiteten charismatischen Vorgängen.

Derartige Phänomene sind aber keineswegs eine Erfüllung von Joel 3, denn diese biblische Ankündigung wurde durch Pfingsten bereits im wesentlichen erfüllt. Der hl. Apostel Petrus selber verweist auf diese AT-Verheißung (Apg. 1,16 f) zur Erklärung der damaligen Geistausgießung in Jerusalem.

An den Pranger stellen anderer Menschen

Sodann plaudert Sr. Valappila während ihres Vortrags mehrfach auf dem Nähkästchen ihrer Erfahrungen. Dabei stößt es unangenehm auf, daß sie bestimmte Personen –  wenngleich ohne Namensnennung  –  gleichsam an den Pranger stellt und sich über sie lustig macht, wobei viele Zuhörer mitlachen bzw. hörbar kichern.

So berichtet sie beispielsweise von einem jungen Mann, dem sie in einer Gebetsgruppe aufgrund einer  – wie sie meint – Eingebung des Heiligen Geistes direkt zugesagt habe, daß er sich einmal in einen Hindu-Tempel begeben habe. Der Betroffene habe die Ohren zugehalten und ausgerufen, woher Gott das denn wissen könne…?!   –  Worauf die Nonne nun in ihrer Ansprache bekräftigt: “Gott weiß alles! – Halleluja!”  –  was  sodann von vielen Zuhörern dreimal laut wiederholt wird.

Freilich stellt sich hier  –  bei Licht betrachtet  –  die Frage: Warum sollte ausgerechnet der “Geist Gottes” solch unnötige Anprangerungen vor versammelter Mannschaft bewirken?

Derartige hellseherische bzw. ähnlich irrgeistige Phänomene gab es immer schon in sektiererischen und schwarmgeistigen Bewegungen, etwa bei den sog. “Inspirierten” im 18. Jahrhundert  –  oder in der Pfingstbewegung und ihren Ausläufern.

Die kath. Kirche praktizierte aus gutem theologischen Gründen und aus pastoraler Feinfühligkeit niemals eine “öffentliche Beichte”   – es gab sie auch nicht in den ersten Jahrhunderten der Kirchengeschichte (sondern lediglich eine öffentliche Exkommunikation bzw. Buße bei besonders schweren Vergehen wie Mord, Glaubensabfall oder Ehebruch).

Erst recht ist es respektlos und lieblos, sich über persönliche Fehler anderer Menschen und ihre beschämte Reaktion bei deren “hellseherischer” Aufdeckung  öffentlich zu belustigen und derlei Vorgänge zwecks eigener Selbstdarstellung zu präsentieren. Mag diese (Un-)Art der Anprangerung auch in eher salopper Form geschehen, so finde ich dies gleichwohl unfair bis unverfroren.

Unangemessen erscheint mir zudem in Sr. Valappilas Ansprache das flapsige Sprücheklopfen und die Tendenz zum Dauergrinsen bei ernsten Themen wie Hölle, Tod und Teufel.

Daß dieser charismatische Vortrag abschließend mit der unvermeidlichen “Lobpreismusik” endet, versteht sich am Rande  – wobei sich viele Teilnehmer klatschend und tänzelnd um den Altar versammeln. 

Halleluja-Christentum ohne Kreuz

Die vielgerühmten charismatischen Lobpreislieder sind inhaltlich oft sehr dünn, mitunter bestehen sie aus einer bl0ßen Aneinanderreihung von ca 50 Wiederholungen eines Halleluja-Rufens  –  siehe zB. hier den letzten Song beim Auftritt dieser Lobpreisgruppe Rexband im “Haus Raphael”: http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=0Y0KhXYM0Oo

Außerdem ist die Lobpreiswelle theologisch einseitig, denn sie orientiert sich oberflächlich an einem euphorischen Halleluja-Christentum ohne Kreuz: vom Leiden, vom Opfer Christi ist selten die Rede, die triumphalistisch-gefühlsseligen Lieder berauschen sich lieber an den “Herrlichkeiten” des Glaubens, die sicher auch ihre Berechtigung haben – aber nicht ohne das Kreuz, denn dort auf Golgotha geschah der wahre Sieg unseres Erlösers über Hölle, Tod und Teufel!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Link zum zitierten Vortrags-Video:  http://de.gloria.tv/?media=142816

 


PFINGSTPREDIGT Papst Benedikts vom 27.5.2012 im vollen Wortlaut

Zum Gegensatz zwischen Babel und Pfingsten

Liebe Brüder und Schwestern!
Ich freue mich, mit Euch diese heilige Messe zu feiern, die heute auch vom Chor der „Akademie Santa Cecilia“ und dem Jugendorchester begleitet wird. Ich danke dafür!

Foto: Radio VatikanHeute ist Pfingsten; dieses Geheimnis bedeutet die Taufe der Kirche, es ist ein Ereignis, das ihr sozusagen die ursprüngliche Form gegeben hat und den Anstoß zu ihrer Mission. Und diese „Form“ und dieser „Anstoß“ bleiben gültig, bleiben aktuell und erneuern sich vor allem in der Liturgie.

Ich möchte heute morgen vor allem über einen wesentlichen Aspekt des Pfingstgeheimnisses sprechen, das bis in unsere Tage von großer Bedeutung ist. Pfingsten ist das Fest der Einheit, des Verständnisses und der Gemeinschaft unter den Menschen.

Wir können alle feststellen, wie in unserer Welt – trotz der wachsenden Nähe, die uns die Entwicklung der Medien erlaubt, und auch wenn die geografischen Entfernungen zu schrumpfen scheinen – das Verständnis und die Gemeinschaft unter den Menschen oft oberflächlich und schwierig ist.

Ungleichgewichte bestehen weiter, die nicht zufällig zu Konflikten führen; das Gespräch zwischen den Generationen wird mühsam, und manchmal nimmt der Streit überhand; wir erleben im Alltag Dinge, die uns den Eindruck vermitteln, als ob die Menschen aggressiver und streitsüchtiger würden; es sieht fast so aus, als wäre es zu anstrengend, sich um Verständigung zu bemühen, und als sollte man sich besser an sein eigenes Ich, an seine eigenen Interessen halten.

Wie können wir in einer solchen Lage denn diese Einheit finden und dann leben, die wir so sehr brauchen?

Die Pfingsterzählung in der Apostelgeschichte, die wir in der Ersten Lesung gehört haben (Apg 2,1-11), bezieht sich auf eines der großen Fresken, das wir am Anfang des Alten Testaments vorfinden: Auf die alte Geschichte vom Turmbau zu Babel nämlich (Gen 11,1-9).

Aber was ist Babel?  – Es ist die Beschreibung eines Reiches, in dem die Menschen soviel Macht konzentriert haben, dass sie auf den Gedanken verfallen, sie bräuchten keinen Bezug mehr zu einem fernen Gott, sie wären schon stark genug, um ganz allein einen Weg zum Himmel zu bauen, um seine Tore aufzustoßen und sich selbst an die Stelle Gottes zu setzen.

Doch ausgerechnet in dieser Lage passiert etwas Seltsames und Einzigartiges: Während die Menschen gemeinsam an ihrem Turm bauen, merken sie auf einmal, dass sie ihn nicht mit-, sondern gegeneinander bauen.

Während sie versuchen, wie Gott zu sein, laufen sie Gefahr, in Wirklichkeit nicht einmal mehr Menschen zu sein, weil ihnen etwas Wesentliches vom menschlichen Wesen verlorengegangen ist: die Fähigkeit, sich untereinander abzusprechen, sich zu verstehen, zusammenzuarbeiten.

Diese biblische Erzählung enthält eine ewige Wahrheit; wir können das an allen Epochen der Geschichten ablesen, aber auch an unserer eigenen Welt.

Mit dem wissenschaftlich-technischen Fortschritt sind wir in die Lage versetzt worden, Kräfte der Natur zu beherrschen, die Elemente zu manipulieren, lebendige Wesen  –  ja sogar nahezu Menschen selbst  –  herzustellen.

In dieser Lage scheint es etwas Überholtes, Unnützes, zu Gott zu beten, denn wir können doch selbst alles bauen und realisieren, was wir wollen!

Dabei machen wir uns nicht klar, dass wir die alte Erfahrung von Babel neu erleben.

Es stimmt schon, wir haben die Möglichkeiten multipliziert, untereinander zu kommunizieren, an Informationen heranzukommen, Nachrichten zu übermitteln – aber können wir behaupten, dass auch unsere Fähigkeit gewachsen wäre, uns zu verstehen?

Oder ist es  –  paradoxerweise  –  nicht eher so, dass wir uns immer weniger untereinander verstehen? Herrscht unter den Menschen nicht eher Misstrauen, Verdacht, Furcht vor dem anderen, so dass sie sich gegenseitig geradezu gefährlich werden?

Kommen wir also zu unserer Ausgangsfrage zurück: Kann es wirklich Einheit, Eintracht geben? Und wenn ja – wie denn?

Die Antwort auf diese Frage finden wir in der Heiligen Schrift: Einheit kann es nur geben durch das Geschenk des Geistes Gottes, der uns ein neues Herz geben wird und eine neue Zunge, eine neue Fähigkeit zu kommunizieren. Das ist es, was an Pfingsten geschehen ist.

An diesem Morgen fünfzig Tage nach dem Osterfest brauste ein heftiger Wind über Jerusalem, und die Flamme des Heiligen Geistes kam auf die versammelten Jünger herab, ließ sich auf jedem von ihnen nieder und entzündete in ihnen das göttliche Feuer – ein Feuer der Liebe, das fähig ist zur Verwandlung.

Die Angst verschwand, das Herz fühlte eine neue Kraft, die Zungen lösten sich und begannen, offen zu reden, so dass alle die Verkündigung von Jesus Christus, dem Toten und wieder Auferstandenen, verstehen konnten. Wo zuvor Spaltung und Fremdeln war, da sind an Pfingsten Einheit und Verstehen aufgekommen.

“Der Hl. Geist wird euch in alle Wahrheit einführen”

Aber schauen wir auch auf das Evangelium von heute. Dort sagt Jesus: „Wenn er kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in die ganze Wahrheit einführen” (Joh 16,13).

Während er vom Heiligen Geist spricht, erklärt uns Jesus hier, was die Kirche ist und wie sie leben sollte, um sie selbst zu sein: um der Ort der Einheit und der Gemeinschaft in der Wahrheit zu sein.

ER sagt uns: Als Christen handeln heißt, nicht länger ins eigene Ich eingeschlossen zu sein, sondern sich auf das Ganze auszurichten. Es heißt, die ganze Kirche in sich selbst aufzunehmen bzw.  –  besser noch  –  es zuzulassen, dass sie uns in sich aufnimmt.

Wenn ich also als Christ spreche, denke, handle, dann tue ich es nicht durch Verschließen in mein eigenes Ich, sondern ich tue es immer im Ganzen und vom Ganzen ausgehend: So kann der Heilige Geist, der Geist der Einheit und der Wahrheit, weitertönen in den Herzen und Köpfen der Menschen und sie dazu bewegen, anderen zu begegnen und sich gegenseitig aufzunehmen.

Der Hl. Geist führt zum “WIR” der Kirche

Gerade indem er so handelt, führt uns der Geist in die ganze Wahrheit ein, die Jesus ist  –  er führt uns dazu, sie zu vertiefen und zu verstehen: Wir nehmen nicht an Kenntnis zu, wenn wir uns in unser Ich einigeln, sondern nur, wenn wir fähig werden, zuzuhören und mit anderen zu teilen; nur im „Wir“ der Kirche und mit einer Haltung tiefer innerer Demut.

Und so wird dann auch klarer, warum Babel Babel und Pfingsten Pfingsten ist. Wo die Menschen sich zu Göttern aufschwingen, da können sie sich nur einer gegen den anderen stellen.

Wo sie sich hingegen in die Wahrheit des HERRN stellen, da öffnen sie sich für das Wirken seines Geistes, der sie unterstützt und zusammenführt.

Der Gegensatz Babel-Pfingsten findet auch in der Zweiten Lesung ein Echo, wenn der Apostel Paulus sagt: „Lasst euch vom Geist leiten, dann werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen“ (Gal 5,16).

Der heilige Paulus erklärt uns, dass unser persönliches Leben von einem inneren Konflikt bestimmt ist, von einem Hin-und-Her-Gerissensein – zwischen den Wünschen des Fleisches und denen des Geistes.

Und wir können nicht allen beiden Folge leisten. Wir können ja nicht gleichzeitig Egoisten sein und großzügig, gleichzeitig der Tendenz des Herrschens über andere folgen und die Freude fühlen, uneigennützig zu dienen.

Wir müssen immer wählen, welchem Anstoß wir folgen wollen – und wir können es nur mit der Hilfe des Geistes Christi wirklich tun.

Der heilige Paulus listet die Werke des Fleisches auf: Es sind die Sünden des Egoismus und der Gewalt, etwa Feindseligkeit, Zwietracht, Eifersucht, Uneinigkeit; es sind Gedanken und Taten, die die einen nicht wirklich auf menschliche und christliche Weise leben lassen, nämlich in der Liebe.

Es ist eine Richtung, die einen dazu führt, sein Leben zu verlieren. Der Heilige Geist dagegen führt uns zu den Höhen Gottes, damit wir schon auf dieser Erde im Keim das göttliche Leben leben können, das in uns ist.

Dementsprechend bekräftigt der heilige Paulus ja: „Die Frucht des Geistes ist Liebe, Freude, Friede“ (Gal 5,22).Wir bemerken da, dass der Apostel den Plural nutzt, um die Werke des Fleisches zu beschreiben, die zum Sichverlieren des Menschen führen, während er den Singular benutzt, um das Wirken des Geistes zu beschreiben – er spricht von der „Frucht“, genau so, wie der Zerstreuung von Babel die Einheit durch Pfingsten entgegensteht.

Liebe Freunde, wir müssen dem Geist der Einheit und der Wahrheit entsprechend leben  –  und darum beten wir darum, dass der Geist uns erleuchte und führe: damit wir nicht mehr fasziniert unseren eigenen Wahrheiten folgen, sondern die Wahrheit Christi aufnehmen, die von der Kirche weitergetragen wird.

Die lukanische Fassung der Pfingsterzählung sagt uns, dass Jesus vor seiner Auffahrt zum Himmel die Apostel bittet, zusammenzubleiben und sich auf die Gabe des Heiligen Geistes vorzubereiten. Und so kamen sie im Gebet mit Maria im Abendmahlssaal zusammen, um auf das versprochene Ereignis zu warten (vgl. Apg 1,14).

Vereint mit Maria betet die Kirche wie im Moment ihrer Geburt auch heute: Veni Sancte Spiritus! Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen –  und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe!  – Amen.


Apostolat im Supermarkt: „Schmuddelware – nein, danke!“

Unsere Leserin, die Familienmutter Cordula Mohr, schickte uns folgenden interessanten Erlebnisbericht, der hoffentlich viele Christen dazu anregt, auch selber für die Ideale von Glaube und Sittlichkeit einzutreten:

„Kürzlich betrat ich unseren Lebensmittel-Supermarkt. Bereits im letzten Jahr beschwerte ich mich dort über Sexkalender, die schamlos nackte Frauen darstellten.  –  und sich noch dazu genau in Augenhöhe der Kinder befanden. Der Geschäftsführer stimmte meiner Kritik zu und versprach, derartiges in Zukunft zu unterlassen.

Nun wurden in diesem Jahr tatsächlich keine „nackten“ Kalender mehr angeboten, allerdings Adventskalender mit ganz knapp bekleideten Damen und Herren, die bei den üblichen Kinder-Adventskalendern lagen.  Ich beschwerte mich erneut beim Geschäftsführer.

Doch er fand es nicht so schlimm, da die abgebildeten Leute ja etwas anhatten  –  gerade mal eine Mütze und einen Streifen in roten Plüsch über Brüste und Unterleiber.  Immerhin versicherte er mir: „Wir werden diese Kalender nach hinten verlagern.“

Danach fragte er mich, ob ich gläubig sei, was ich bejahte. Er fragte weiter: „Katholisch gläubig?“   – Auch hier stimmte ich zu. Nun wollte er es noch genauer wissen: „Streng katholisch?“ –  Dieses beantwortete ich mit „Richtig katholisch!“

Er erzählte mir sodann, daß er nicht gefirmt sei und deshalb aus der Kirche ausgeschlossen. Ich erwiderte ihm, er sei nicht ausgeschlossen, da er ja getauft sei. Nun erkundigte er sich nach dem Sinn der Firmung. Ich erklärte ihm kurz etwas über die Gaben und Früchte des Heiligen Geistes.

So kamen wir in ein intensives Glaubensgespräch. Zwischendurch wurde der Dauerbrenner „Mißbrauch“ diskutiert. Ich wies ihn darauf hin, daß in den Medien vieles, was die Kirche betrifft, aufgebauscht wird.  Ich hätte die Zeit lieber genutzt, um ihm noch einiges über Glaubenslehre und Sakramente nahezubringen.

Als ich den Laden verließ, dachte ich bei mir: „Bring ihm doch den Katechismus. Dort kann er alles Wichtige über die Sakramente lesen.“

Als ich ihm mittlerweile das Büchlein brachte, nahm er es gerne an. Es handelte sich um den kleinen Katechismus von Pater Martin Ramm (Petrusbruderschaft). Nun meinte er aber, man müsse die Kinder selber entscheiden lassen, ob sie die Sakramente empfangen wollen  – er hatte selber zwei Kinder im Schulalter.

Ich konterte, daß man doch nur über etwas entscheiden kann, was man kennt. Dieses notwendige Wissen sollen die Eltern ihren Kindern weitergeben.  Wenn dies unterlassen wird, können Sekten die Unwissenheit der jungen Leute für ihre Zwecke ausnutzen.  Ich hatte den Eindruck, daß er nachdenklich und ernsthaft zuhörte.

Es war sicherlich eine etwas außergewöhnliche Begegnung.

Ich meine, daß wir Christen die Kaufhäuser kritisch auf Schmuddelware aufmerksam machen müssen, erst recht, wenn Kinder sie sehen können. Gerade zur Adventszeit kommt viel seichter Mist in die Regale. Mich hat diese Begegnung ermutigt, weiterhin die Geschäftsführer anzusprechen, wenn es nötig ist.“


Katholischer Glaube: Leben und Wahrheit in Fülle

Die Kirche ist der “fortlebende  Christus” und ein Werk des Heiligen Geistes

Alle Jahre wieder hören wir dasselbe Lied, genauer gesagt Klagelied: sobald von vatikanischer Seite ein Wort ertönt, aus dem hervorgeht, daß die katholische Kirche als einzige im Vollsinn „Kirche“ ist, die anderen sog. „Kirchen“ jedoch  –  genau genommen –  allenfalls kirchenähnliche „Gemeinschaften“, dann ertönt ein Aufschrei allenthalben, nicht etwa nur von protestierenden Protestanten, sondern auch von „ökumenisch“ gesinnten Katholiken, zumal von vielen Theologen.

Dabei vergessen diese Kritiker, daß sich die zahllosen protestantischen Konfessionen selbst keineswegs als „Heilsinstitution“ betrachten, daß sie also ein ganz anderes Selbstverständnis vertreten als die kath. Kirche, die sich als „Ursakrament“ oder „Grundsakrament“ ansieht und somit  als Vermittlerin jenes Heiles wahrnimmt, das von Christus kommt und vor allem in den 7 Sakramenten wirksam wird.

Wie wenig sich der Protestantismus selber als „Kirche“ versteht, läßt sich auch an vermeintlichen Kleinigkeiten buchstäblich „ablesen“. Eine der umfangreichsten und angesehensten evangelischen Bibel-Konkordanzen ist die  großformatige „Elberfelder Bibelkonkordanz“ mit fast 1900 Seiten im Kleindruck, erschienen im Brockhaus-Verlag (Wuppertal).

Es gibt kaum ein Alltagswort (vom „Platzregen“ bis zum „Käuzchen“), das man dort entbehren müßte, doch den Ausdruck „Kirche“ sucht man vergebens. Offenbar wird „Kirche“ für Protestanten erst dann interessant, wenn die kath. Kirche diesen Begriff für sich selbst beansprucht.

Nun gibt es nicht wenige Katholiken,  zumal in konservativen Kreisen, die sich relativ innig zur Orthodoxie hingezogen fühlen und ernsthaft die These vertreten, die römische Kirche sei quasi der westliche Teil der Gesamtkirche Christi  –  und die orthodoxe Kirche sei ihr östlicher Teil (oder „Lungenflügel“).

Demnach hätte Christus also wohl einen Kirchenverband in zwei Teilen gegründet oder gar zwei Kirchen, die zwar getrennt, aber auf einer höheren Ebene  doch wiederum vereint sind. Solche Vorstellungen sind biblisch und dogmatisch gesehen aber unsinnig.

Wenngleich nicht bestritten werden kann, daß die orthodoxen Konfessionen dem katholischen Glauben  –  zumal in der Sakramentenlehre  – sehr viel näher stehen als die protestantischen Konfessionen, so ändert dieser unterschiedliche „Entfernungsgrad“ nichts an der grundlegenden Tatsache, daß die Orthodoxie keineswegs eine Stiftung Christi ist, sondern eine vor ca. 1000 Jahren erfolgte  Abspaltung von der Kirche des HERRN.

Warum sind wir Christen?

Weil wir uns auf die Zusage Christi verlassen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben in Fülle.“ (Joh.10,11)

Dazu gehört nicht allein ein gelingendes Dasein im Diesseits, sondern vor allem die Verheißung ewigen Lebens im Jenseits:  dort werden wir einst das Leben in seiner ganzen Fülle erfahren, weil wir in GOTT die Quelle des Lebens schauen.

Warum sind wir Katholiken?

Weil zur Fülle des Lebens auch die Fülle der Wahrheit gehört.

In Joh. 20,31 heißt es, daß wir „durch den Glauben das Leben haben“.

Der Glaube ist die Annahme der Wahrheit Gottes, das JA zur „Offenbarung“, zur Selbstmitteilung Gottes durch die Propheten des Alten Bundes und besonders durch Christus, seinen eingeborenen Sohn.

Der Glaube kommt von Hören“, wie das bekannte Apostelwort erklärt  –  also nicht vom Fühlen oder rein menschlichen Denken; das sind nur Begleiterscheinungen. Entscheidend ist unser Hören auf Gottes Wort, auf seine Selbstoffenbarung in Christus, die uns die Kirche in Wort und Sakrament verkündet.

Wir sind also Katholiken, weil Christus selbst die Kirche gegründet hat, „damit sie die Wahrheit haben in Fülle“.  

Auch diese Aussage finden wir der Sache nach im Neuen Testament: So bezeichnet Paulus die „Kirche des lebendigen Gottes“  als „Haus Gottes“ und als eine „Säule und Grundfeste der Wahrheit“ (1 Tim 3,15).

Der hl. Apostel nennt die Christen sodann „Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“, die auferbaut sind „auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau zusammengefügt ist zu einem heiligen Tempel im Herrn.“(Eph 2,19)

Aus diesen Worten geht hervor, daß Christus der Kirche vor allem zwei Aufgaben verliehen hat: sie soll als „Haus Gottes“ und „Tempel im Herrn“ die Wahrheit in Fülle verkünden und zugleich das Leben in Fülle vermitteln, also die Menschen durch „Wort und Sakrament“ zum Himmel führen.

Paulus bezeichnet die Apostel als „Diener Christi und Verwalter seiner Geheimnisse“ (1 Kor 4,1). Christus gab seinen Aposteln den Lehrauftrag: „Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.“ (Mk 16,15)

WORT und SAKRAMENT in ihrer HARMONIE

Dieser doppelte Auftrag in Wort und Sakrament wird allein in der kath.  Kirche in seiner ganzen Vielfalt, Fülle und Harmonie wahrgenommen.

Während die protestantischen Konfessionen insgesamt gesehen sehr „wortlastig“ sind, ist die Orthodoxie genau das Gegenteil, gewissermaßen „sakramentenfixiert“.

Allein die kath. Kirche hält hier eine gesunde Mitte ein, getreu jener vom Heiligen Geist getragenen Vernunft und Einsicht, die  Einseitiges und Extremes vermeidet.

Die „Wortlastigkeit“ des Protestantismus ist offensichtlich und in den reformierten Bekenntnissen, vor allem bei den Calvinisten, besonders ausgeprägt.

Hingegen haben die Lutheraner vergleichsweise mehr von der „sakramentalen“ Denkweise der kath. Kirche beibehalten. Immerhin vertrat Luther in der „Abendmahlsfrage“  – im Streit um die „Realpräsenz Christi“  – gegenüber Calvin und Zwingli einen Standpunkt, der dem katholischen Glauben relativ nahesteht. Auch die „Bilderstürmerei“ durch Reformierte bzw. „Wiedertäufer“ lehnte Luther ab.

Es handelt sich gleichwohl nur um graduelle Unterschiede innerhalb des Protestantismus. Im Wesentlichen  ist man sich darin einig, daß es in erster Linie Aufgabe kirchlicher Vertreter sei, das Wort Gottes zu verkünden  – die Sakramente dienen eher als Begleitmusik, gelten mit Ausnahme der Taufe als nicht heilsnotwendig, wobei sogar die Heilsnotwendigkeit der Taufe von einigen protestantischen Konfessionen bestritten wird (zB. Freikirchen, Baptisten, Mennoniten, Adventisten).

Die Orthodoxie hingegen vertritt genau das andere Extrem: Dort ist das kirchliche Leben weitgehend auf Gottesdienst und Sakramente konzentriert  – man könnte inso-fern von einem „Sakristei-Christentum“ sprechen. Im orthodoxen Gottesdienst, der sich stundenlang hinziehen kann, fehlt normalerweise die Predigt, ebenso vermißt man Lesungen aus dem Alten Testament (die es nur ausnahmsweise gib).

Bezeichnenderweise gibt es in der Orthodoxie kein  eigentliches, verbindliches  “Dogmengebäude”,  keine präzise,  systematische, klarumrissene, “amtliche”  Glaubenslehre. (Insoweit ist es auch bezeichnend, daß die katholische “Scholastik” abgelehnt wird  – und das nicht nur deshalb, weil diese zeitlich erst nach der Abspaltung der Orthodoxie auftrat; vielmehr wird die Verstandesbetontheit der Scholastik kritisiert.)

Der orthodoxe Glaube wirkt weniger vernunftorientiert,  er  erscheint mitunter eher wie eine weihrauch-umschwängerte Mysterienreligion, geprägt von spirítuellen Weisheiten und geheimnisvollen Betrachtungen über das „geistliche Leben“ usw.   – Im Vergleich zur Orthodoxie sind sselbst Protestanten mit ihren lehrhaften “Bekenntnisschriften“ strukturell noch stärker dogmatisch und systematisch orientiert.

Allein die kath. Kirche versteht es aber, erleuchtet vom Heiligen Geist, die beiden Grundpfeiler „Wort und Sakrament“ in ihrer ausgewogenen Bedeutung zu erkennen und zu gewichten.

So werden Einseitigkeiten vermieden, die ganze Wahrheit in ihrer Fülle  präsentiert und zur Harmonie eines umfassenden (und daher eben „katholischen“) Glaubens geführt.

Von der KRIPPE über das KREUZ zur HERRLICHKEIT

Diese Ausgewogenheit der Wahrheiten zeigt die kath. Kirche auch auf einer anderen Ebene, nämlich in „heilsgeschichtlicher“ Hinsicht:

Während die lutherische Mentalität bekanntlich auf die „Kreuzestheologie“ fixiert ist (weshalb z.B. der Karfreitag für Evangelische der höchste kirchliche Feiertag ist), konzentriert sich die Orthodoxie auf eine „Theologie der Herrlichkeit“, stark bezogen auf Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten, auf die glorreichen Heilsgeheimnisse also.

Aus dieser Glaubensweise ergibt sich in spiritueller Hinsicht eine intensive Sehnsucht nach einer „Vergöttlichung“ des Menschen, was in manchen orthodoxen Werken derart stark betont wird, daß der Eindruck entstehen könnte, der grundlegende Abstand zwischen Gott und Mensch, der Abgrund zwischen Schöpfer und Geschöpf werde nicht mehr ausreichend beachtet, der Himmel gewissermaßen „vorweggenommen“. Aber hienieden wandeln wir eben im Glauben und durchaus nicht im Schauen, wie Paulus betont (2 Kor 5).

Allein die kath. Kirche knüpft hier wieder das Band der Harmonie: sie betont auch die „Inkarnations-Theologie“, also das Wunder der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus.

Daher die hohe Bedeutung von Weihnachten, daher die Verehrung der Gottesmutter, daher die vielen Darstellungen der seligen Jungfrau mit dem Christuskind, daher auch die Innigkeit und Wärme einer gesunden katholischen Marienfrömmigkeit.

Nicht zu vergessen der „Angelus“, das Gebet vom „Engel des Herrn“, der Maria die Botschaft brachte, wobei fromme Katholiken das Knie beugen, wenn es im Angelus heißt: „Und das Wort ist Fleisch geworden  – und hat unter uns gewohnt.“

Dasselbe geschieht beim „Großen Credo“ im überlieferten Ritus der hl. Messe: Beim Abschnitt „ER hat Fleisch angenommen vom Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau und ist Mensch geworden“ kniet sich die Christenschar hin, um das zentrale Heilsgeheimnis der Menschwerdung Gottes zu ehren.

Gleichwohl weiß auch die kath. Kirche die Bedeutung von Kreuz und Auferstehung zu würdigen. Das Kreuzzeichen, das Freitagsgebot, das Kruzifix, der Kreuzweg und besonders das Meßopfer orientieren sich an Christi Opfertod auf Golgotha, Dreh- und Angelpunkt unserer Erlösung.

Auch von einer Vernachlässigung des Osterglaubens kann nicht die Rede sein, ist Ostern doch das höchste Fest im katholischen Kirchenjahr  – und auch durch Sonntagsheiligung und Sonntagskirchgang feiern wir die Auferstehung des HERRN.

Ergebnis also: Allein die Katholische Kirche gibt allen drei heilsgeschichtlichen Stufen (Inkarnation, Kreuzestheologie, Auferstehung)  den ihnen gebührenden Rang, verfällt in keine Übertreibungen, praktiziert keine Einseitigkeiten, sondern läßt auch hier alles in geordneter Harmonie an seinem richtigen Platz, verkündet und feiert die Heilsgeschichte in ihrer ganzen Vielfalt und Fülle von der Krippe über das Kreuz zur Herrlichkeit.

Von diesen drei Etappen der neutestamentlichen Heilsgeschichte zeugt auch der Rosenkranz, der einen betenden Bogen spannt von der Verkündigung des HERRN über Golgotha bis hin zur himmlischen Glorie.

Während die protestantische Glaubenswelt sehr christozentrisch orientiert ist gemäß dem reformatorischen Prinzip „Christus allein“ (solus Christus), ist die orthodoxe Spiritualität stark auf den Heiligen Geist bezogen, also pneumatisch geprägt.  Das zeigt sich dort auch in der Liturgie, etwa bei der Epiklese, der Herabrufung des Heiligen Geistes vor der hl. Wandlung.

Merkwürdig ist allerdings, daß das Sakrament der Firmung bei den Orthodoxen meist an die Kindertaufe „drangehängt“ wird und dadurch viel an eigenständiger Bedeutung einbüßt.

Auch in der Anbetung der heiligsten Dreifaltigkeit verzichtet die Katholische Kirche auf einseitige Fixierungen; sie läßt die drei göttlichen Personen quasi alle zu ihrem Recht kommen, auch Gott-Vater, den Schöpfer und „Gesetzgeber“. Keine Konfession betont die Bedeutung der göttlichen Gebote so stark wie die Katholische Kirche. Dabei verweist sie auf das zeitlos gültige Wort des HERRN: „Willst Du zum Leben eingehen, so halte die Gebote!“ (Mt 19,17)

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münste


Bischof Peric über die wirkliche Gottesmutter und die “Erscheinungen” von Medjugorje

Firm-Predigt von Bischof Ratko Peric am  1.7.2000 in Medjugorje

Liebe Firmlinge
und alle anderen frommen Gläubigen!

Gestern wurde der Tag des Heiligsten Herzens Jesu an mehreren Orten in unseren Diözesen festlich gefeiert.  Heute feiert die Kirche den Gedenktag des Unbefleckten Herzens Mariens.

Früher war dieser Gedenktag am 22. August (ich erinnere mich mit Dankbarkeitsgefühl Gott gegenüber daran, dass ich 1969 gerade diesen Mariengedenktag für meine Primiz ausgewählt habe)  –  und seit mehreren Jahren wird er am Tag nach dem Feiertag des Herzens Jesu gefeiert  – nebeneinander: und es ist auch recht so. Der heutige Gedenktag regt uns an, über die Heilige Jungfrau Maria, die vom Heiligen Geist erfüllt war, insbesondere über ihr mütterliches Herz, einige Worte zu sagen.

In der Heiligen Schrift wird zweimal das mütterliche Herz Mariens erwähnt:

1)   Nach allem, was sich um die Geburt Jesu abspielte, schreibt der hl. Lukas: “Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen” (Lk 2, 19).

2)  Nach der Begegnung im Tempel, als Jesus 12 Jahre alt war, schreibt wieder der hl. Lukas: “Seine Mutter bewahrte alle diese Worte in ihrem Herzen” (Lk 2,51)

Es ist eine einfache, mütterliche, menschliche Geste und Ausdrucksweise: sie bewahrte mit Dankbarkeit und erwog mit Liebe alle diese Worte  bzw. alle Erinnerungen in ihrem mütterlichen Herzen.

Sowohl in einem wie im anderen Fall wird nicht nur über die Worte geredet, die die Heilige Jungfrau gehört hat, denn in der ursprünglichen griechischen Sprache rhemata heißt Worte: Nachrichten, Lehre, Ereignisse, Erinnerungen.

Die Heilige Jungfrau erwägt es in ihrem Herzen, wie wenn man an den Perlen des Rosenkranzes die freudenreichen Geheimnisse erwägt, bewahrt es wie einen großen Schatz, bedankt sich bei Gott und bittet ihn, all das in ihrem Kopf und Herzen sinnig einzubinden.

Maria erzählte alles höchstwahrscheinlich dem HERRN, nachdem er erwachsen war; von IHM konnte sie den Sinn dessen hören und während seiner und ihrer Lebenszeit den vollen und verwirklichten Sinn all dieser Erinnerungen und Ereignisse erleben.

In den Evangelien erfahren wir einige Male, dass Maria etwas sagte, Fragen stellte, Gebete sprach. In den Evangelien nach Matthäus und  Markus gibt es keine direkte Rede Mariens. In den Evangelien des hl. Lukas und hl. Johannes gibt es einige direkte Äußerungen von ihr:

1)  In Nazareth fragte sie den Engel der Verkündigung: “Wie wird dies geschehen, da ich keinen Mann erkenne?” (Lk 1, 34). Und nachdem der Engel es auf eigene Art und Weise erklärt hatte

2) nahm sie es an und sagte: “Mir geschehe nach deinem Wort.” (Lk 1,38).

Diese Aussage Mariens wiederholen wir Katholiken täglich wenigstens einmal, wenn nicht dreimal, im Angelus-Gebet (Engel des Herrn).

3) Gottverherrlichend ist ihr Danklied aus zehn Zeilen, das Magnificat, ähnlich dem Gebet der alttestamentlichen Mutter Hannah:

“Hochpreiset meine Seele den Herrn –  und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland…Seine Barmherzigkeit währet von Geschlecht zu Geschlecht über denen, die ihn fürchten…” (Lk 1, 46-56).

Diesen Lobgesang beten oder singen wir Priester und Ordensleute jeden Abend aus unserem offiziellen Brevier als Pflichtgebet.

Danach zwei Worte, die Maria zu Christus sprach:

4)  Als er 12 Jahre alt war, damals im Tempel, als man ihn fand, sagte sie: “Kind, warum hast du uns das angetan? Siehe, dein Vater und ich suchten dich mit Schmerzen” (Lk 2, 48), was heute im Evangelium gelesen wurde.

5)  Am Anfang des öffentlichen Wirkens Jesu bei der Hochzeit zu Kana in Galiläa: “Sie haben keinen Wein mehr” (Joh, 2,3). Und gleich danach

6) sagte sie zu den Dienern: “Alles, was ER euch sagt, das tut” (Joh 2,5). Möglicherweise ähnlich bei noch weiteren Gelegenheiten.

Über diese Bibelstellen, in denen Maria direkt und ausdrücklich etwas fragt, sagt, betet, und über andere Stellen, wo sie zuhört, wo sie als Jungfrau und Mutter beschrieben und dargestellt wird, wurden tonnenweise theologische Bücher geschrieben, unzählige marianische Tagungen und Abhandlungen abgehalten, ernsthafte mariologische Magister- und Doktorprüfungen abgelegt.

Aus diesen biblischen Worten sprießt auch unser Glaube, unsere Beziehung zu Maria als Mutter Jesu und Leitbild im Glauben; hier ist sie uns Vorbild und Hilfe.

Besonders lieben wir das Wort Mariens, dass die Barmherzigkeit Gottes über denen währet, die ihn fürchten, denen, die in sich die Gabe der Ehrfurcht vor Gott und vor seinen Geboten haben.

Firmlinge, betet heute und immer besonders um die Geistesgabe der Ehrfurcht!

Wenn man das berücksichtigt, wenn man durch die Heilige Schrift Maria als fromme und schweigsame Jungfrau, als sorgsame und besonnene Mutter kennenlernt, die alles in ihrem Herzen erwägt und sehr wenig darüber erzählt, dann kann ein Gläubiger über die Geschichte nur staunen, dass sie hier in Međugorje schon seit fast zwanzig Jahren  –  ein Jahr weniger  –  von Tag zu Tag angeblich “erscheine” und jeweils fünf, zehn oder fünfzehn Minuten lang den sogenannten “Sehern” etwas übertrage: entweder in Form von sogenannten “Botschaften” oder in Form von “zehn Geheimnissen” (…)

Bedeutet dies, dass diese “Erscheinung, die bis vor kurzem etwa 6.940 Male geschah bzw.19 Jahre mal 365/6 Tage? Und dass sie ständig alltäglich erzählt und sich nur einmal im Monat mit einer öffentlichen “Botschaft” meldet, sich bei den angeblichen “Sehern” bedankend, ihrem Ruf gefolgt zu sein? Und dies zwanzig Jahre lang, und es würde so weiterhin in den nächsten zehn-zwanzig Jahren  –  oder wie lange auch immer  –  fortgesetzt.

Die offizielle Kirche, von den lokalen Bischöfen bis zur Bischofskonferenz, hat in diesem Fall nie eine “Erscheinung” als authentisch (echt) anerkannt.

Es wurde klar und deutlich erklärt, dass es nicht möglich ist, festzustellen, dass es sich überhaupt um übernatürliche Erscheinungen handelt.

Deswegen habe ich seelenruhig, entschlossen und deutlich am 14. Februar 1998 an den lokalen Pfarrer geschrieben: “Für die angeblichen sogenannten phantasiereichen und von der Katholischen Kirche weder anerkannten noch akzeptierten ‘Erscheinungen’ sollen den ‘Sehern’ für deren „Privatgebrauch’ keine offiziellen kirchliche Räumlichkeiten im Eigentum des Pfarramtes zur Verfügung gestellt werden”.

Der Pfarrer hat dies bereitwillig und gehorsam angenommen. Deswegen gebe ich hier die eindeutige Erklärung ab  –  und zwar als zuständiger Ordinarius bzw. Bischof, dass mich keine sogenannte “Erscheinung”, keine sogenannte “Botschaft” davon überzeugt, dass es sich um eine übernatürliche Erscheinung handelt.

Die Botschaften über Frieden und Gnade, über Fasten und Gebet, über Liebe und Buße sind ohnehin sowohl auf der biblischen als auch auf der Ebene der Kirchenlehre auf offizielle Weise ausgedrückt.

Und was ist mit den berühmten “Geistesgaben”?

Liebe Gläubige,

immer, indem ihr eine Kirche betretet und gläubig zu Gott betet, eure Sünden aufrichtig bekennt und bereut sowie mit Andacht die hl. Kommunion empfangt, könnt ihr diese Geistesgaben empfangen.

Die Firmlinge empfangen die Siebenfache Gabe des Heiligen Geistes  –  nicht weil sie in Međugorje oder in Mostar oder in Rom sind, sondern weil dies Sakrament von einem rechtmäßigen Amtsträger gültig gespendet wird.

Kein Mensch, der vernünftig ist und an Gott glaubt, würde sagen, dass es in den Pfarreien in der Welt, wo heilige Sakramente gültig und dem Kirchenrecht gemäß gespendet werden, keine Geistesgaben gibt.

Wo der Geist Gottes wirkt, dort gibt es auch die Geistesgaben!

Die Katholische Kirche läßt sich in ihrer Lehre und Bewahrung der heilbringenden Wahrheit nicht von der Anzahl  – ob viel oder wenig  –  der Menschen oder Völker leiten. Die Kirche Christi hält sich daran, was Gott verkündete, sowohl über sich selbst als auch über den Menschen und so auch über Maria, von der wir im Glauben festhalten

dass sie makellos empfangen wurde,
dass sie Muttergottes ist, d. h. dass sie nach dem Heilsplan des Vaters durch den Heiligen Geist unseren Erlöser Jesus Christus, den Sohn Gottes, die zweite Person der Heiligsten Dreifaltigkeit empfing und gebar
dass sie für immer Jungfrau blieb,
dass sie mit Seele und Leib in den Himmel aufgenommen wurde.

Die Kirche hält daran fest und glaubt, dass die hl. Jungfrau Maria erscheinen kann, dass sie im Laufe der Geschichte erschienen ist  –  dass es aber bis heute weder Beweise noch überzeugende Argumente gibt, dass sie in Međugorje jemals übernatürlich erschienen ist.

Wir alle, sowohl ihr Firmlinge als auch wir, beten zur hl. Jungfrau Maria, zur Mutter Jesu und unserer geistlichen Mutter, daß sie mit der Liebe ihres makellosen Herzens bei Gott für uns Fürbitte einlege. Möge sie mit ihrer mütterlichen Fürsorge über uns, über diese Ortschaft, über unser Bistum und die ganze Welt wachen. Amen.

QUELLE:  Internet-Portal des Bistums MOSTAR:

http://www.cbismo.com/index.php?mod=vijest&vijest=429


Die Sieben Gaben des Heiligen Geistes

Der Prophet Jesaja kündigt in einer messianischen Vorschau an, daß Christus auch in seinem Menschsein ganz von den Gaben des Heiligen Geistes erfüllt sein wird. In der Septuaginta  –  der jüdisch-antiken Übersetzung des Alten Testamentes ins  Griechische  –  heißt es in Jesaia 11,2 f.:

„Der Geist des HERRN ruht auf IHM: der Geist der Weisheit und der Einsicht, der Geist des Rates und der Stärke, der Geist der Erkenntnis, der Frömmigkeit und der Gottesfurcht.” big_33825650_0_1000-666

Aus dieser prophetischen Aussage der Heiligen Schrift hat die katholische Kirche ihre Lehre von den „Sieben Gaben des Heiligen Geistes“ entfaltet, die im Sakrament der Firmung vermittelt werden.

Dies geschieht durch Gottes Gnade und den Dienst der Kirche, nicht aus eigener Anstrengung, denn der Mensch kann sich die Gaben des Heiligen Geistes nicht eigenmächtig „aneignen“, geschweige kann er über den Heiligen Geist, „verfügen“, der nicht etwa nur eine „Kraft“ ist, sondern die anbetungswürdige dritte Person des dreieinigen Gottes.

Die katholische Lehre von den Sieben Gaben des Heiligen Geistes ist also keine selbstgebastelte „Zahlensymbolik“, sondern geht auf den Propheten Jesaja zurück.

Zugleich entspricht die Siebenzahl der Geistesgaben auch der Siebenzahl der Sakramente  – und der Siebenzahl der Tugenden.

7 Sakramente  –  7 Tugenden  –  7 Geistesgaben

Die 7 Sakramente lauten: Taufe, Buße (Beichte), Hl. Kommunion, Firmung, Ehe, Priesterweihe und Krankensalbung.

Die 7 Tugenden teilen sich auf in die drei göttlichen Tugenden (Glaube, Hoffnung, Liebe) und die vier Kardinaltugenden (Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigkeit.)

Zurück zu den Sieben Gaben des Heiligen Geistes, über die leider kaum noch gepredigt oder im Religionsunterricht informiert wird, was zur Folge hat, daß zuweilen nicht einmal die Firmlinge darüber Bescheid wissen.

Die Sieben Gaben, die das Wirken des Heiligen Geistes im Menschen zum Ausdruck bringen, sind also folgende:

Der Geist der WEISHEIT
und des VERSTANDES (der Einsicht),
der Geist des RATES
und der STÄRKE,
der Geist der WISSENSCHAFT (Erkenntnis),
der FRÖMMIGKEIT
und der GOTTESFURCHT.

Mit WEISHEIT ist keine Ansammlung bloßen Wissens gemeint, sondern die Gabe, Gottes Wort zu erforschen und seinen Willen zu erkennen  – und ins eigene Herz aufzunehmen.

Bei der Gabe des VERSTANDES bzw. der EINSICHT geht es nicht allein um die natürlich-menschliche Vernunft, obwohl diese dazugehört, zumal sie von Gott geschaffen ist: Die Gnade baut auf der Natur auf und vollendet sie!  –  Hier ist vielmehr vor allem jene Einsicht gemeint, die immer tiefer in die Glaubensgeheimnisse eindringt und die fähig ist, Gutes und Böses, Wahrheit und Irrtum zu unterscheiden (Gabe der Unterscheidung der Geister).

Die Gabe des RATES hilft uns, den Willen Gottes in unserem Alltagsleben und vor wichtigen Entscheidungen zu erkennen. Wichtig ist es, guten Rat sowohl annehmen wie auch geben zu können   –  dazu hilft uns z.B. das Lesen der Heiligen Schrift, eine ernsthafte Gewissensbildung und die Wahl guter Freunde.

Die Gabe der STÄRKE entspricht in etwa der Kardinaltugend der Tapferkeit: hier geht es um die Bereitschaft, für Gott, seinen Gebote und unseren Glauben falls nötig auch Nachteile, Spott und Verfolgung in Kauf zu nehmen, um standhaft und unerschütterlich dem Willen Gottes gemäß zu sprechen und zu handeln.

Die Gabe der WISSENSCHAFT bzw. der ERKENNTNIS schenkt uns die Fähigkeit, menschliche Vernunft und Wissenschaft in den Dienst des Glaubens und eines sittlich guten Lebens  zu stellen und auf diese Weise der eigenen Ethik und dem Gemeinwohl zu dienen.

Die Gabe der FRÖMMIGKEIT meint keine abgehobene, weltfremde Einstellung, sondern die bewußte Gestaltung unseres alltäglichen Lebens aus einer tiefen Verbindung mit Gott  – etwa durch Gebet, Gottvertrauen, Sakramente, Werke der Nächstenliebe, Einsatz für Glaube und Kirche.

Die Gabe der GOTTESFURCHT hat nichts mit panischer Angst oder irdischer Furcht zu tun, sondern mit der nötigen Ehrfurcht vor Gott und seiner vollkommenen Heiligkeit, Erhabenheit und Herrlichkeit   –   wie dies dem Geschöpf gegenüber seinem Schöpfer geziemt. Die Gottesfurcht ist verwandt mit der Demut, der Bescheidenheit vor dem Ewigen im Bewußtsein unserer geschöpflichen Armseligkeit und unserer Anfälligkeit für die Sünde.

Diese Sieben Gaben des Heiligen Geistes sollen unser Christenleben prägen, gestalten und stärken. Wie wir sehen, geht es hier nicht um „Außergewöhnliches“, nicht um enthusiastische Schwärmerei, nicht um weltfremde Verstiegenheiten, sondern um einen besonnenen, vernünftigen und starkmütigen Glauben, der sich im Alltag bewährt und der auch in Leiden und Nöten standhält und treu bleibt.

Um diese Gedanken zusammenfassend auf einen Nenner zu bringen, können wir feststellen: der Heilige Geist ist ein Geist der Besonnenheit und der Nüchternheit, der Erkenntnis und der Selbstbeherrschung.  Der glaubensstarke Völkerapostel Paulus schreibt in diesem Sinne an seinen Schüler bzw Mitarbeiter Timotheus, daß Gott uns „einen Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit geschenkt“ hat (2 Tim 1,17).

Daher bringt der Heilige Geist keine unnüchternen, schwarmgeistigen Früchte hervor, die seiner Natur widersprechen, zu der eben auch die Besonnenheit gehört. Der heilige Paulus ruft mehrfach dazu auf, auch in seinem Brief an die Römer, worin es heißt, jeder solle „darauf achten, besonnen zu sein“ (Röm 12,3).

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

Foto-Quelle: http://www.klosterstudio.de/pfingst-novene.html

 


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