Papst Franziskus über die Madonna: Maria ist unsere Mutter und Erzieherin; sie sorgt sich um unsere geistliche Gesundheit
Veröffentlicht: 12. Mai 2013 Einsortiert unter: Maria in der Heiligen Schrift | Tags: Madonna, Maria, Papst Franziskus, Salus Populi Romani Schreibe einen Kommentar »In dieser allgemein verständlich formulierten, aber gehaltvollen und tiefsinnigen Predigt am 6. Mai 2013 vor der bekannten Madonnen-Ikone „Salus Populi Romani“ (Beschützerin des römischen Volkes) erläuterte Papst Franziskus die freudenreichen Glaubensgeheimnisse des Rosenkranzes, die uns im Neuen Testament bezeugt werden; vor allem die Menschwerdung Gottes in Christus.
Zu ihrem und unserem göttlichen Erlöser will die selige Jungfrau uns alle führen mit jenem Leitwort, mit dem sie einst bei der Hochzeit zu Kana die Diener aufforderte: “Was ER euch sagt, das tut!” - Hier folgt nun die marianische Predigt im vollen Wortlaut, worin der Papst vor allem Mariens Aufgabe als unsere geistliche Erzieherin erläutert:
Liebe Brüder und Schwestern!
Heute Abend stehen wir vor Maria. Unter ihrem mütterlichen Schutz haben wir sie darum gebeten, uns zu einer immer tieferen Einheit mit ihrem Sohn Jesus zu führen; wir haben unsere Freuden und Sorgen, unsere Hoffnungen und Schwierigkeiten zu ihr hingetragen.
Unter dem schönen Titel „Salus Populi Romani“ haben wir sie um Gesundheit für uns alle, für Rom und für die gesamte Welt angerufen, denn Maria schenkt uns Gesundheit; sie ist unsere Gesundheit.
Durch seine Passion, seinen Tod und seine Auferstehung bringt Jesus Christus uns die Rettung. ER schenkt uns die Gnade und die Freude an der Gotteskindschaft und daran, Gott in Wahrheit als Vater bezeichnen zu dürfen.
Maria ist die Mutter; eine Mutter ist vor allem um die Gesundheit ihrer Kinder besorgt und versteht es, diese stets mit großer Liebe und Zärtlichkeit zu pflegen. Die Gottesmutter schützt unsere Gesundheit - doch was bedeutet das?
Ich denke dabei vor allem an drei Aspekte: Sie unterstützt uns in unserem Wachstum, bei der Bewältigung unseres Lebens und in unserer Freiheit.
Eine Mutter hilft ihren Kindern dabei, groß zu werden und möchte, dass sie gut gedeihen. Daher erzieht sie ihre Kinder dazu, sich nicht von der – nicht zuletzt einem gewissen Wohlstand entspringenden - Bequemlichkeit leiten zu lassen, sich nicht an ein angenehmes Leben zu gewöhnen, das allein auf den Besitz von Habseligkeiten ausgerichtet ist.
Die Mutter trägt Sorge dafür, dass die Kinder immer weiter wachsen, stark werden und die Fähigkeit zur Verantwortung, zum Einsatz und zum Streben nach großen Idealen erlangen.
Im Evangelium nach dem hl. Lukas lesen wir folgendes über Jesus in der Familie von Nazareth: „Das Kind wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit und seine Gnade ruhte auf ihm“ (Lk 2,40).
Maria hilft uns, stark im Glauben zu werden
Genau dies vollbringt die Gottesmutter an uns: Sie unterstützt uns in unserem Wachstum als Menschen und im Glauben - und sie hilft uns dabei, stark zu werden und nicht der Versuchung eines oberflächlichen Mensch- und Christseins zu erliegen, sondern vielmehr ein verantwortungsvolles und immer weiter nach oben strebendes Leben zu verbringen.
In zweiter Hinsicht denkt eine Mutter auch insofern an die Gesundheit ihrer Kinder, indem sie diese dazu erzieht, den Schwierigkeiten des Lebens entgegenzutreten. Die Erziehung und die Sorge um das Wohl der Kinder bestehen nicht darin, Probleme zu vermeiden, als sei das Leben eine Autobahn ohne Hindernisse.
Eine Mutter hilft ihren Kindern dabei, die Problemen des Lebens realistisch zu betrachten, sich nicht in ihnen zu verlieren, sondern sich ihrer mit Mut anzunehmen, nicht schwach zu sein, sondern sie in einem gesunden Gleichgewicht zu überwinden, das eine Mutter zwischen den Bereichen der Sicherheit und den Gefahrenzonen „spürt“.
Es gibt kein Leben ohne Herausforderungen. Wenn ein Junge oder ein Mädchen diesen nicht zu begegnen weiß, indem er bzw. sie sich selbst ins Spiel bringt, dann ist er bzw. sie ohne Rückgrat!
Erinnern wir uns an das Gleichnis vom barmherzigen Samariter: Jesus empfiehlt nicht die Haltung des Priesters und des Leviten, die dem unter die Räuber geratenen Mann keine Hilfe zuteil werden lassen, sondern jene des Samariters, der die Lage dieses Mannes erfasst und sich seiner auf konkrete Weise annimmt.
Maria weist uns den Weg ihres Sohnes
Maria begegnete vielen schweren Momenten in ihrem Leben: von der Geburt Jesu, als „in der Herberge kein Platz für sie war“ (Lk 2,7) bis hin zum Kalvarienberg (vgl. Joh 19,25). Wie eine gute Mutter ist sie uns nahe, damit wir angesichts der widrigen Umstände des Lebens, unserer Schwäche und unserer Sünden den Mut nicht verlieren: Sie gibt uns die Kraft und weist uns den Weg ihres Sohnes.
Auf Johannes zeigend, sagt Jesus vom Kreuz herab zu Maria: „Frau, siehe, dein Sohn!“ – und zu Johannes: „Siehe, deine Mutter!“ (vgl. Joh 19,26-27). Dieser Jünger ist der Inbegriff für uns alle: Der HERR vertraut uns voller Liebe und Zärtlichkeit den Händen der Mutter an, so dass wir uns bei der Bewältigung der - auf unserem menschlichen und christlichen Weg vorhandenen - Hindernisse getragen fühlen.
Schließlich begleitet eine gute Mutter ihre Kinder nicht allein in ihrem Wachstum, wobei die Probleme und Herausforderungen des Lebens nicht vermieden werden, sondern hilft auch, die endgültigen Entscheidungen in Freiheit zu treffen.
Freiheit ermöglicht gute Entscheidungen
Doch was ist Freiheit? - Gewiss besteht sie nicht darin, alles zu tun, was man will, sich von Leidenschaften beherrschen zu lassen, unreflektiert von einer Erfahrung zur anderen überzugehen, den Moden der Zeit zu folgen; Freiheit bedeutet nicht, gleichsam alles, was einem nicht gefällt, aus dem Fenster zu werfen. Die Freiheit ist uns geschenkt, damit wir es verstehen, die guten Entscheidungen im Leben zu treffen!
Als gute Mutter erzieht uns Maria dazu, wie sie selber zu sein und endgültige Entscheidungen zu treffen, in jener vollkommenen Freiheit, mit der sie dem göttlichen Plan für ihr Leben mit Ja zugestimmt hat (vgl. Lk 1,38).
Wir dürfen nicht immer “Jugendliche” bleiben
Liebe Brüder und Schwestern, wie schwierig ist es in unserer Zeit, endgültige Entscheidungen zu treffen! Das Vorläufige verführt uns. Wir sind Opfer einer Tendenz, die uns zur Vorläufigkeit führt, als wollten wir unser ganzes Leben lang Jugendliche bleiben!
Lasst uns keine Angst vor dem verbindlichen Engagement haben; vor jenen Verpflichtungen, die das gesamte Leben betreffen und einschließen! So wird unser Leben fruchtbar sein!
Die gesamte Existenz Mariens ist ein Hymnus auf das Leben, ein Hymnus der Liebe zum Leben: Sie hat Jesus aus ihrem Fleisch hervorgebracht und die Geburt der Kirche am Kalvarienberg und im Abendmahlsaal begleitet.
Die „Salus Populi Romani“ ist die Mutter, die uns im Wachstum und bei der Bewältigung der Probleme Gesundheit schenkt und uns für die endgültigen Entscheidungen frei macht. Sie ist die Mutter, die uns lehrt, fruchtbar und offen zu sein für das Leben, stets Früchte des Guten, der Freude und der Hoffnung zu tragen und den anderen leibliches und geistliches Leben zu schenken.
Darum bitten wir dich, O Maria, „Salus Populi Romani“, Beschützerin des römischen Volkes und unser aller Beschützerin: Schenke uns die Gesundheit, die du allein uns geben kannst, auf dass wir stets Zeichen und Werkzeuge des Lebens seien.
Quelle: kath. Nachrichtenagentur ZENIT.org
Antikes Mariengebet aus frühchristlicher Zeit
Veröffentlicht: 1. Mai 2013 Einsortiert unter: Maria in Dogma und Kirche | Tags: 3. Jahrhundert, Gebet, Maria, Schutz und Schirm, Schutzmantelmadonna Schreibe einen Kommentar »HOCHFEST der Verkündigung des HERRN: “Der Engel des HERRN brachte Maria die Botschaft”
Veröffentlicht: 8. April 2013 Einsortiert unter: Maria in der Heiligen Schrift | Tags: Elisabeth, Engel Gabriel, Jesus, Jungfrau Maria, Lukas, Verkündigung des Herrn Schreibe einen Kommentar »Aus der heutigen Festlesung der kath. Kirche: Lukas 1,26-38:
Im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazaret zu einer Jungfrau gesandt. Sie war einem Mann namens Josef anverlobt, der aus dem Hause David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.
Der Engel trat bei ihr ein und sprach: Sei gegrüßt, du Gnadenvolle, der HERR ist mit dir. 
Maria erschrak über diese Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sprach der Engel zu ihr:
Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. ER wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der HERR, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. ER wird über das Haus Jakob herrschen in Ewigkeit – und seiner Herrschaft wird kein Ende sein.
Maria fragte den Engel: “Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?“
Der Engel antwortete ihr:
Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.
Und Maria sprach: “Siehe, ich bin die Magd des HERRN; mir geschehe nach Deinem Wort.” - Danach verließ sie der Engel.
Buchklassiker über die europaweite Wallfahrt zum Gnadenbild „Maria vom Blut“
Veröffentlicht: 21. März 2013 Einsortiert unter: BÜCHER / Publikationen, BRAUCHTUM, Folklore (relig.), Maria und ihre Wallfahrtsstätten | Tags: Alexander Hepp, Bergatreute, Klattau, Madonna, Maria vom Blut, Re, Sitz der Weisheit, Wallfahrt 1 Kommentar »Gediegene Volksfrömmigkeit und Brauchtum jenseits aller Schwärmerei
Buchdaten: Alexander Hepp – MARIA VOM BLUT. - Ursprung, Geschichte und Wunder der Wallfahrt im oberschwäbischen Bergatreute. – Fe-Medienverlag, Kisslegg 2009. (Die 2., überarbeitete und erw. Auflage erschien 2011) – 448 Seiten. 29,80 €. – ISBN-10: 3863570103Seit einigen Jahrzehnten werden auch katholische Kreise von schwarmgeistigen Bewegungen und ihren enthusiastischen Begleiterscheinungen heimgesucht, die früher weitgehend in der vielfältigen protestantischen Charismatikerszene beheimatet waren.
Doch die Sehnsucht nach dem Wunder(baren), nach „übernatürlichen“ Gaben, nach außergewöhnlichen Glaubenserfahrungen, nach Heilungen und besonderen religiösen Erlebnissen wächst geradezu enorm in einer Zeit, die theologisch stark von einem „seelenlosen“, kalten Rationalismus geprägt ist, oftmals auch innerhalb der Kirche. 
Umso mehr suchen verunsicherte Menschen nach den Quellen wahrer Frömmigkeit, nach dem „Herz“ des Glaubens, weil jene überzogene Verkopfung zu innerer Ausdürrung geführt hatte.
Freilich besteht nun die naheliegende Gefahr, daß das Pendel in die andere Richtung ausschlägt: hin zum Irrationalismus, zu einem irrgeistigen Mystizismus, zur Suche nach Erscheinungen, angeblichen Himmelsoffenbarungen, ja zur Sucht nach „Zeichen und Wundern“. Mag die Sehnsucht auch verständlich sein, so darf sie doch nicht zur Sucht entarten.
In einer vernünftigen und soliden Mitte zwischen diesen Extremen, die beide dem gesunden Glauben und Denken abträglich sind, steht jene bewährte katholische Volksfrömmigkeit, die das Herz am rechten Fleck hat, aber gleichwohl nicht „kopflos“ wird, sondern bei aller Gemütsinnigkeit des Glaubens doch zugleich nüchtern und bodenständig bleibt.
Zu dieser gediegenen Volksfrömmigkeit mit ihrem vielfältigen, lebensnahen Brauchtum gehören auch die katholischen Wallfahrtsorte: große und kleine, bedeutende und unbekannte. Solche Pilgerstätten beinhalten durchaus mehr als nur „Folklore“: sie verwurzeln die Menschen stärker im Glauben und zeigen ihnen im Rahmen bewährter Traditionen immer wieder neu das Licht der Liebe Christi und den Abglanz seiner Heiligen, vor allem eine feste Geborgenheit unter dem „Schutzmantel“ der Madonna.
Zugleich sind solche altehrwürdigen und liebreichen Stätten der Frömmigkeit ein lebendiges Zeugnis der Kirche Christi, ihrer hohen Kunst und ihrer tiefen Volksverbundenheit durch die Jahrhunderte hindurch.
Ein imposantes Werk deutscher Gründlichkeit
Zu den „kleinen“, eher unscheinbaren Pilgerstätten dieses soliden „Volksglaubens“ gehört auch der oberschwäbische Wallfahrtsort Bergatreute im Kreis Ravensburg, nicht weit vom Allgäu entfernt.
Der noch recht junge, 1974 geborene Autor Alexander Hepp erforschte zehn Jahre lang mit Präzision, unermüdlicher Freude am Detail und solider Sorgfalt die interessanten Ursprünge, die vielseitige Geschichte und erstaunliche europaweite Verbreitung des Madonnenbildes von Re (Norditalien, Diözese Novara), von dem auch in Bergatreute ein eindrucksvolles Abbild von herber Schönheit verehrt wird.
Der geborene Bergatreuter, der heute mit seiner Familie im nahegelegenen Fürstentum Wolfegg lebt, verfaßte ein fast 450 Seiten umfassendes, im besten Sinne „erschöpfendes“ und zudem über 1,3 kg. schweres Standardwerk, das selbst einem Fachhistoriker oder professionellen Chronisten zur Ehre gereichen würde.
Der junge Verfasser des faktenstarken Marienbuches ist kernkatholischer Christ und profunder Geschichtsschreiber aus innerer Leidenschaft, der bereits seit 1989 – er war damals 15-jähriger Ministrant - in Bergatreute ehrenamtlich das Pfarrarchiv hütet.
Sein ansprechend und gediegen gestaltetes Werk ist intensiv vom Geist der vielgerühmten „deutschen Gründlichkeit“ durchdrungen – bis hinein in die zahlreichen akribischen Fußnoten, das ausführliche Sach- und Personen-Register im Anhang oder die präzisen Bildbeschreibungen von 172 Fotos, grafischen Dokumenten und Abbildungen.
Das imposante Werk mit zwei roten Lesebändchen, einer Leinenprägung mit Marienbild und vierfarbigem Schutzumschlag wird abgerundet durch wichtige Urkunden, alte Gebete und Lieder zur Wallfahrtsmadonna, die unter dem Titel „Maria vom Blut“ seit Jahrhunderten vom gläubigen Kirchenvolk verehrt wird. 
Die Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ würdigte in ihrer Ausgabe vom 14. Oktober 2011 das fundierte Werk des gläubigen Familienvaters, illustriert durch ein Foto, das Papst Benedikt zeigt, wie er im Anschluß an eine Generalaudienz das Buch des schwäbischen Autors entgegennimmt, der als „ehrenamtlicher Pfarrarchivar“ vorgestellt wird.
Neben ihm steht sein engagierter Gemeindepfarrer Dr. Claus Blessing, der dem Wallfahrtsbuch Hepps ein ausführliches, theologisch erhellendes Geleitwort beisteuerte, das bestens in die Gesamtthematik einführt. Außerdem wurde der Druck des Buches durch die Bergatreuter Pfarrei unterstützt.
In einem Interview mit dem PUR-Sonderheft „Sitz der Weisheit“ (Fe-Medienverlag) berichtet Alexander Hepp im Herbst 2011, dass er “immer schon die Wurzeln meiner Heimatwallfahrt in Bergatreute kennenlernen wollte“. Er fügt hinzu: „Natürlich hat mich auch als Ministrant die absolute Nähe zu dem Gnadenbild fasziniert.“ – Das Gnadenbild gehöre „zum christlichen Lebensmittelpunkt unserer Familie“, erläutert er. 
Das Motiv des Pilgerns sei „die Suche nach der christlichen Wahrheit“.
Man begebe sich auf die Spuren Jesu, „der auch vor unserer Haustür, beispielsweise an Wegekreuzen und Bildstöcken, seine Botschaft offenbart“.
Mit seinem Buch wolle er „die wahren Quellen des Muttergottesbildes objektiv erfassen“, erklärte der Autor, „um so eine wissenschaftlich einwandfreie Dokumentation der Gnadenorte von Re, Klattau, Bergatreute und all den anderen Orten seiner Verehrung zu erhalten“.
Das Gnadenbild im italienischen Re (1494)
Der Ausgangspunkt all dieser glaubensinnigen Pilgerstätten ist das malerische Gebirgsdorf Re im oberitalienischen Bistum Novara:
Dort geschah am Dienstag, dem 29. April 1494, um 23 Uhr folgendes Ereignis: Das Madonnenfresko an der Außenwand der Mauritiuskirche beginnt zu bluten – verursacht durch den Steinwurf eines betrunkenen Frevlers namens Giovanni Zucone, der beim Würfelspiel verloren hatte und aus Wut darüber einen Stein gegen das Marienbild schleuderte, wobei er die dargestellte Madonna an der Stirne traf. Schon bald danach soll sich der Zornentbrannte reumütig bekehrt haben.
Am nächsten Tag wurde der Blutguß erkannt, der sich bis Mitte Mai mehrmals erneuert haben soll. Der Bürgermeister des Gebirgsdorfs zweifelte zunächst, ließ aber alles kritisch untersuchen und bestätigte sodann, daß „dieses Blut auf wunderbare Weise und nicht durch menschliche Kunst herabgeflossen ist“.
Das Blut wurde in Kelchen und Tüchern gesammelt, wobei sich Reliquien davon noch heute auf der Rückseite des barocken Hochaltars der Sankt-Mauritius-Kirche befinden, die mehrfach umgebaut und sodann im Jahr 1958 zu einer monumentalen Basilika im neo-byzantinischen Stil erweitert wurde. Am Originalfresko in Re sind nach wie vor Spuren des Steinwurfs und des Blutes erkennbar.
Aus dem kleinen Dorf wurde eine beliebte Wallfahrtsstätte, wobei die thronende Gottesmutter als „Madonna del Sangue“ (Maria vom Blut) verehrt wird, die bis heute tausende Pilger anzieht. Fast fünfhundert gemalte Votivtafeln aus vielen Jahrhunderten bezeugen wunderbare Gebetserhörungen, Bekehrungen und Heilungen.
Ursprung der Wallfahrt von Bergatreute
Durch Kaminkehrer und andere Handwerker wurden Abbilder des wundersamen Gnadenbildes, das von unbekannter Hand stammt, weit über die Grenzen des Landes verbreitet. In Europa entstanden dort, wo sich fromm gesinnte Handswerksleute niederließen, kleinere und größere Wallfahrtsorte, in denen eine Kopie des ikonenartigen Madonnenbildes verehrt wurde, vor allem in Deutschland und Tirol, aber auch in Slowenien, Ungarn und Tschechien.
In der böhmischen Stadt Klattau ereignete sich 1685 an einem Abbild de Re-Freskos ein neues Blutwunder: Der Schneider Andreas Hirschberger, dessen Frau das Gemälde als Erbstück mit in die Ehe brachte, nahm nach einer schweren Erkrankung seiner Gattin Zuflucht zum Gnadenbild, worauf dieses an der Stirn zu bluten begann. Der Prager Erzbischof Johann F. Waldstein anerkannte zwei Monate später in einem Dekret das wunderbare Ereignis, worauf das Bild zur allgemeinen Verehrung in die dortige Pfarrkirche gebracht wurde.
Ein weiteres Gemälde der blutenden Maria mit dem ernsten Blick und dem hoheitsvollen Christuskind auf ihrem Schoß gelangte ein Jahr später in die oberschwäbische Pfarrei Bergatreute, was in dieser geradezu idyllischen Region eine dauerhafte Wallfahrtsbewegung auslöste, die bis heute anhält. 
Der damalige Pfarrer Michael Mietinger war ein Schwager des Ratsherrn Johann Jakob Teplitz in Klattau, der ihm ein hochwertiges Abbild der „Maria vom Blut“ schenkte (siehe Foto).
Der Geistliche bewahrte das Mariengemälde, das eine etwas hoheitsvolle Schönheit und Würde ausstrahlt, zunächst zur privaten Andacht jahrelang in seinem Pfarrhaus auf.
Doch auf Drängen der Gläubigen ließ er das herrliche Bild in seiner Pfarrkirche St. Philippus und Jakobus aufstellen, was schon bald eine breite Pilgerwelle auslöste, die im 18. Jahrhundert ihre größte Blütezeit erreichte. So waren z.B. 1794 achtzehn Pfarrer zum jährlichen Wallfahrtsfest nach Bergatreute gekommen.
Aber auch in der 2. Hälfte des 17. Jahrhunderts konnte die Verehrung des Bergatreuter Gnadenbildes bereits Wurzeln fassen. Nach den Schrecken des 30-jährigen Krieges suchten die Menschen wieder nach Heimat und Geborgenheit im Glauben, so daß eine wahre Aufbruchstimmung in der Frömmigkeit entstand.
Pfarrer Mietinger blieb angesichts des anhaltenden Pilgerstroms nichts übrig, als eine neue Kirche errichten zu lassen, die 1697 eingeweiht wurde. 20% der gesamten Baukosten bezahlte der seeleneifrige Hirte aus seiner eigenen Tasche. Er war neben seiner Marienfrömmigkeit besonders auch dem hl. Josef zugetan und gründete eine Bruderschaft zu seinen Ehren.
Pfarrer Mietinger wurde 1688 - also bereits zwei Jahre nach der Ankunft des Klattauer Gnadenbilds - von seinem Bischof beauftragt, alle Berichte über angebliche Heilungen und wunderbare Gebetserhörungen notariell vernehmen zu lassen und die Gläubigen auf die Folgen eines falschen Eides hinzuweisen. Auch im 17. Jahrhundert war die Kirche hierbei sehr nüchtern, präzise und vorsichtig, um keine bedenkliche Wundersucht im Volke aufkommen zu lassen.
Die Taufe “unfröhlicher” Kinder
Zu den „Wunderzeichen vor dem Gnadenbild“ gehörte neben zahlreichen Heilungen nicht selten auch die Befreiung von Besessenheit. Eine besondere pastorale Schwierigkeit stellte freilich das vielfache Verlangen nach einer Taufe totgeborener Kinder dar:
Verzweifelte Mütter aus nah und fern brachten akut verstorbene Neugeborene nach Bergatreute zur Madonna und erflehten vom Dorfpfarrer die Taufe ihres Kindes. Der Priester war hin und hergerissen zwischen Mitleid und berechtigten kirchlichen Vorschriften, wonach keine Sakramentenspendung bei Toten erlaubt ist.
So befanden sich Bergatreuter Pfarrer – auch Mietingers Amtsnachfolger – bei der sehnlichst erflehten, sogenannten „Taufe unfröhlicher Kinder“ ständig im Dilemma – es sei denn, das Neugeborene gab wenigstens noch minimale Lebenszeichen von sich.
Die „Taufe von Verstorbenen“ ist kein neuzeitliches Phänomen; es gab diesen Brauch bereits bei gnostisch-esoterischen Gruppen der ersten christlichen Jahrhunderte; später außerdem bei den „Neuapostolischen“ und vor allem bis heute systematisch bei den Mormonen, wobei diese Sekte sich – neben den „Offenbarungen“ ihres „Gründerpropheten“ Joseph Smith – auf Christi Predigt im jenseitigen „Gefängnis“ (1 Petr 3,18 f. und 4,6) beruft.
So heißt es zum Beispiel in 1 Petrus 4,6: „Denn dazu ist auch den Toten das Evangelium verkündigt, dass sie zwar nach Menschenweise gerichtet werden im Fleisch, aber nach Gottes Weise das Leben haben im Geist.“
Diese beiden Bibelstellen können als Hinweis gesehen werden auf den Abstieg Jesu in die Unterwelt (mit der Erlösung der Gerechten des Alten Bundes), aber sie taugen nicht als Begründung für eine Totentaufe, die dort auch gar nicht erwähnt ist.
In diesem Punkt hat also der sonst sicherlich vorbildlich wirkende Wallfahrtspfarrer Mietinger, der hunderte „unfröhlicher“ Kinder taufte, sicherlich geirrt bzw. allzu zu sehr seinen „pastoralen“ Mitleidsgefühlen nachgegeben.
Eine bewegte und bewegende Geschichte
Es gab später allerdings für Bergatreute zudem noch schwerwiegende Probleme von staatlicher Seite, denn die Wallfahrt wurde in den Wirren von „Aufklärung“ und Säkularisation über ein halbes Jahrhundert lang durch die weltliche Obrigkeit untersagt.
Im „Namen des Königs“ wurde 1811 verfügt, daß das Dorf „nach den neuen Religionsgrundsätzen nicht mehr als Wallfahrt behandelt“ werde. Das als liberal bekannte Konstanzer Generalvikariat unter Wessenberg fand diese königliche Anordnung freilich „ganz entsprechend“ und genehmige sie offenbar gerne.
Erst ab 1866 konnte das glaubensfrohe Pilgerleben in Bergatreute wieder zu neuem Leben erwachen, wobei die stattliche Pfarrkirche das passende Ambiente bot. Das festlich wirkende Bauwerk mit Zwiebelturm gilt heute geradezu als Juwel der oberschwäbischen Barockstraße.
Von Bergatreute aus verbreitete sich die Andacht zu „Maria vom Blut“ mit jeweils ähnlichen Gemälde-Kopien in Schwaben und Vorarlberg, so etwa in Dillingen und Sonderhofen.
1889 wurde die Bergatreuter Kirche restauriert, wobei die Entfernung der wunderschönen Barock-Altäre vor allem durch den entschiedenen Widerstand von Bürgermeister Feuerstein (nomen est omen) verhindert wurde.
Während der NS-Diktatur kam es erneut zu staatlichen Repressalien: 1940 wurde die Prozession am Wallfahrtsfest durch die NSDAP verboten. Passend dazu sprach ein als Prediger angereister Stadtpfarrer über das Thema „Des Glaubens Licht, des Glaubens Nacht.“
In der ländlichen Pfarrgemeinde wird bis heute jährlich am 2. Juli, dem Hochfest der Heimsuchung Mariens, der traditionelle Wallfahrtstag „Maria vom Blut“ begangen. Pilger aus nah und fern strömen zur Festmesse und zur glaubensfrohen Prozession.
Die Madonna als „Sitz der Weisheit“
Die Gottesmutter wird hier vor allem mit dem altkirchlichen, bewährten Ehrentitel als „Sitz der Weisheit“ (sedes sapientiae) verehrt. Ein geistliches Schauspiel aus dem 18. Jahrhundert, das dem Bergatreuter Gnadenbild gewidmet ist, trägt ebenfalls diesen Titel.
Kein Geringerer als Kardinal Giovanni Lajolo verfaßte am 23.8.2008 ein eigenes Gebet zum Gnadenbild „Maria vom Blut“, das mit den Worten beginnt: „Maria, Mutter der Weisheit!“ – Diese Anrufung erinnert an das Heilszeichen ihres göttlichen Sohnes: „Sein Kreuz sei unsere Weisheit und unser Stärke.“
Der italienische Kardinal hat dem Buch eine ausführliche, theologisch vertiefende Betrachtung zum Thema „Maria als sedes sapientiae“ beigesteuert, ebenso der em. Erzbischof Dr. Karl Braun aus Bamberg.
Der Artikel des Kardinals ist betitelt mit jenen tiefsinnigen Worten, die auch auf dem Gnadenbild zu Bergatreute in einer dargestellten antiken Schriftrolle enthalten sind: „In gremio matris sedet sapientia patris“ – Im Schoß der Mutter sitzt die Weisheit des Vaters.
Zu den Co-Autoren des Buches zählt zudem Alt-Abt Dr. Emmeram Kränkl OSB aus Schäftlarn, der dort unter dem Leitwort „Glaube und Wunder“ über das „blutende Marienbild von Klattau“ schreibt. Dabei unterscheidet er sorgfältig zwischen einer ungesunden Wundersucht und jenem gläubigen Vertrauen auf unseren allmächtigen Gott, „der Wunder tut“.
Früher wurden Gebetserhörungen und Heilungen in einem „Mirakelbuch“ der Pfarrei aufgezeichnet. Heute gibt es Anliegenbücher, die in der Wallfahrtskirche ausgelegt sind, worin Gläubige ihre Sorgen, Bitten und ihren Dank niederschreiben können.
Auch das offizielle Wallfahrtslied von Pfarrer Wilhelm Scholter aus Bergatreute ist ganz von einem bodenständigen, starken und zuversichtlichen katholischem Glauben durchdrungen. Das dreistrophige Lied mit festlicher Melodie wendet sich an „Maria, du vom Blute, du Mutter treu und mild“ und fleht vertrauensvoll:
„Erbitt von Gott uns Frieden, erfleh uns Glaubensmut, deck uns mit deinem Mantel, Maria du vom Blut. Und hilf uns in den Stürmen, wenn sich die Wogen türmen, Maria, Maria, Maria du vom Blut.“In echt katholischer Haltung wird auch die Sterbestunde nicht verdrängt, wird der Tod mitten ins Leben und in den Glauben hineingeholt und der Fürsprache der Gottesmutter anvertraut:
„Maria voll der Gnaden, oh Mutter, du vom Blut: des Vaters Weisheit selber in deinem Schoße ruht. Zu ihm wollst uns geleiten, wenn wir vom Leben scheiden: Maria, Maria, Maria du vom Blut.“Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks und KOMM-MIT-Verlags in Münster
ERSTVERÖFFENTLICHUNG dieser Rezension in der Zeitschrift “Theologisches” (Nr. 1-2/2013)
Eine BESTELLUNG des Buches ist direkt hier möglich.
Erstes Madonnengemälde: http://germania-catholica.blogspot.de/2006/09/das-gnadenbild-maria-vom-blute-in.html
Unser neuestes Marienposter: “Führ Du uns zu CHRISTUS, dem Heiland und HERRN”
Veröffentlicht: 12. März 2013 Einsortiert unter: LYRIK: Gedichte / Gebete / Lieder, Maria in Dogma und Kirche | Tags: Ecclesia-Plakatdienst, KOMM-MiT-Verlag, Marienposter 5 Kommentare »
Kardinal Newman über Marias Diskretion und Bescheidenheit auf Erden – und im Himmel !
Veröffentlicht: 6. März 2013 Einsortiert unter: Maria in der Heiligen Schrift | Tags: Apostel, Bescheidenheit, Christus, John-Henry Newman, Maria 1 Kommentar »Als Christus zu predigen begann, zog sich seine Mutter zurück; sie mischte sich nicht in sein Werk ein; ebenso begann sie nicht zu lehren und zu predigen, nachdem Jesus in den Himmel zurückgekehrt war; sie setzte sich auch nicht auf den päpstlichen Stuhl; sie nahm am priesterlichen Dienst nicht teil; sie beschränkte sich darauf, ihrem Sohn demütig in der von den Aposteln täglich gefeierten hl. Messe zu begegnen. Die Apostel sind nun ihre Diener im Himmel aber auf Erden waren sie ihre Oberen in der Kirche.
Selbst damals, nach ihrem Tod und den der Apostel, als sie Königin wurde und zur Rechten ihres Sohnes Platz genommen hatte, wandte sie sich nicht an das gläubige Volk, damit es ihren Namen bis an die Enden der Erde bekannt mache und die Welt auf sie blicke, sondern wartete geduldig auf den Zeitpunkt, an dem ihre Glorie dazu beitragen konnte, der Glorie ihres Sohnes zu dienen. (…)
Als man gegen ihre Verehrung Einwände vorbrachte, hat sie geduldig auf den Tag gewartet, an dem man ihr ihre Rechte nicht mehr streitig machte; ja, sie hat bis heute gewartet, um endlich, wenn Gott es erlaubt, und ohne jeden Widerspruch, die prächtigste ihrer Kronen zu erhalten, indem man unter dem Jauchzen der ganzen Kirche die makellose Reinheit ihrer Empfängnis anerkennt.
Quelle: John-Henry Newman (1801 – 1890): “Konferenzen für Protestanten und Katholiken”, 17. Konferenz, Die Glorie Mariens hat die Glorie ihres Sohnes zum Gegenstand
Das beliebteste Marienlied des Frankenlandes: “O himmlische Frau Königin”
Veröffentlicht: 29. Dezember 2012 Einsortiert unter: LYRIK: Gedichte / Gebete / Lieder, Maria in Dogma und Kirche | Tags: Franken, Frau Königin, Marienlied Schreibe einen Kommentar » O himmlische Frau Königin, du aller Welten Herrscherin. Du willst uns allen Mutter sein. Wer dir vertraut, ist nie allein. Wir geben dir in deine Hand die Heimat, unser Frankenland. 2. Du breitest deinen Mantel aus, behütest Land und Stadt und Haus. Du sorgst für uns in jedem Leid am Throne der Barmherzigkeit. Du voll der Gnad‘ und Liebe bist. Ave Maria, sei gegrüßt! 3. Dem Gottesvolk du Mutter bist durch unsern Heiland Jesus Christ. Du nimmst dich unser aller an und führst uns auf die rechte Bahn. Du voll der Gnad‘ und Liebe bist. Ave Maria, sei gegrüßt! 4. Mit Jesus sehn wir dich im Leid, mit ihm in seiner Herrlichkeit. Dort trittst du bittend für uns hin, du unsere Fürsprecherin. Du voll der Gnad‘ und Liebe bist. Ave Maria, sei gegrüßt! 5. Es soll im weiten Erdenrund dich seligpreisen jeder Mund! Wer einst den HERRN will ewig sehn, darf nicht an dir vorübergehn. Wir geben dir in deine Hand die Heimat, unser Frankenland.Altes fränkisches Marienlied, Neufassung 1975 von Pater Paschalis Streidel OFM
Lobpreis Mariens im ostkirchlichen Akathistos-Hymnus aus dem christlichen Altertum
Veröffentlicht: 29. Dezember 2012 Einsortiert unter: Advent / Christfest, Maria in Dogma und Kirche | Tags: Akathistos-Hymnus, Gottesmutter, Maria, Ostkirche Schreibe einen Kommentar »Zur byzantinischen Liturgie gehört der klassische Akathistos-Hymnus, entstanden in der ausgehenden Antike (7.Jahrhundert) - es ist dies ein feierlicher Lobpreis auf die jungfräuliche Mutter, der von biblischen Ereignissen ausgeht und dann jeweils einen Hymnus auf die Madonna anstimmt:
Die den Stern deuten, sahen in den Händen der Jungfrau DEN, der mit seiner Hand die Menschen gebildet. Eingedenk dessen, daß ER in Knechtsgestalt jedoch ihr Gebieter sei, trachteten sie, mit ihren ehrenden Gaben IHM zu dienen und der Gesegneten zu huldigen:
Sei gegrüßt, Mutter des allerheiligsten Sternes;
sei gegrüßt, Morgenglanz des mystischen Lebens.
Sei gegrüßt, den glühenden Irrtum löschest du aus;
sei gegrüßt, allen der Dreifaltigkeit Geweihten zeigst du ihre Majestät.
Sei gegrüßt, Gewalt verwirfst du und Unmenschlichkeit;
sei gegrüßt, in Christus schauen wir den Menschenfreund als HERRN.
Sei gegrüßt, du befreist uns von heidnischem Götzendienst;
sei gegrüßt, du bewahrst uns vor der Ausgeburt der Zwietracht.
Sei gegrüßt, du setzest der Anbetung des Feuers ein Ende;
sei gegrüßt, du befreist die von Begierden Besessenen.
Sei gegrüßt, den Gläubigen weisest du den Weg zur Weisheit;
sei gegrüßt, alle Wesen erfüllst du mit Seligkeit.
Sei gegrüßt, du jungfräuliche Mutter!
Als Simeon bestimmt war, vor der Schwelle zwischen Zeit und Ewigkeit zu stehen, da wurdest du, o HERR, als Kind ihm dargereicht. Er aber schaute zudem den vollkommenen Gott in dir. Außer sich vor Staunen über dein unvorstellbares Dasein rief er aus: Halleluja, Halleluja, Halleluja!
Ganz war ER eins mit uns bis in den Tod und war seiner Gottheit doch gar nie entkleidet. Nicht dass ER etwa von einem Ort hin zu einem andern ging; sondern hernieder kam das unumschränkte Wort in der Niederkunft der Jungfrau. Uns neigt sie sich zu:
Sei gegrüßt, Raum Gottes, den der Raum nicht zu fassen vermag;
sei gegrüßt, Zugang zum unverfügbaren Geheimnis.
Sei gegrüßt, den Ungläubigen ein widersprüchliches Gerücht;
sei gegrüßt, den Gläubigen ein unwidersprochenes Rühmen.
Sei gegrüßt, du auserwähltes Gefährt dessen über den Cherubim;
sei gegrüßt, du erlesenes Gefäß dessen über den Seraphim.
Sei gegrüßt, Unversöhnliches hast du versöhnt;
sei gegrüßt, jungfräulich hast du geboren.
Sei gegrüßt, vergänglich geworden ist durch dich unser Vergehen;
sei gegrüßt, das Paradies hast du wieder zugänglich gemacht.
Sei gegrüßt, du bist der Schlüssel zu Christi Königreich;
sei gegrüßt, du nährst die Hoffnung auf die ewige Güte.
Sei gegrüßt, du jungfräuliche Mutter!
Durch und durch erschauerten die Engel vor dem gewaltigen Geschehen deiner Menschwerdung; sie nämlich schauten den Unzugänglichen vordem als Gott, nun aber als Menschen zugänglich allen, wie ER mitten unter uns wohnt und von uns allen hört: Halleluja, Halleluja, Halleluja!
Der hl. Beda über zwei prophetische Mütter: die Madonna und ihre Kusine Elisabeth
Veröffentlicht: 23. Dezember 2012 Einsortiert unter: Maria in der Heiligen Schrift | Tags: Elisabeth, hl. Beda, Israel, Magnificat, Maria Schreibe einen Kommentar »Der Hl. Beda lebte im Frühmittelalter (um 673 – 735), er war Mönch und Kirchenlehrer. Über den Lobgesang der Gottesmutter, das im Lukas-Evangelium bezeugte Magnificat, das Maria bei der Begegnung mit ihrer Kusine Elisabeth anstimmte, schrieb der hl. Beda folgende Betrachtung:
Maria sprach: „Meine Seele preist die Größe des HERRN und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“.
Sie sagt damit: Der HERR hat mir eine so große, unerhörte Gnade erwiesen, daß sie in keiner Sprache Ausdruck finden kann; allein die Liebe - und auch sie nur im Herzensgrund – kann sie erfassen. Deshalb will ich mit der ganzen Kraft meiner Seele durch Lobpreis danken…
“Der HERR hat Großes an mir getan und sein Name ist heilig.“ – Nur sie, an der Gott Großes getan hat, kann IHN in rechter Weise erheben und uns dazu einladen, ihren Willen und Wunsch zu teilen und mit dem Psalmisten zu beten: „Verherrlicht mit mir den HERRN, lasst uns gemeinsam seinen Namen rühmen“ (Ps 34,4).
„Er nimmt sich seines Knechtes Israel an und denkt an sein Erbarmen.“ - Trefflich ist es, Israel den “Knecht des HERRN” zu nennen, Israel, das der Herr erhoben hat und es rettet, weil es gehorsam und demütig ist.
So spricht Hosea: „Als Israel noch ein Kind war, habe ich ihn geliebt“ (3,1; vgl. 11,4). Wer sich nicht demütigen will, kann offensichtlich nicht gerettet werden: “Wer aber klein wie ein Kind sein kann, der ist im Himmelreich der Größte“ (Mt 18,4).
„ER denkt an sein Erbarmen, das ER unseren Vätern verheißen hat, Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.“
Es handelt sich hier nicht um leibliche Nachkommen Abrahams, sondern um seine geistlichen Nachkommen, um Menschen, die den Spuren seines Glaubens folgen.
Das Kommen des HERRN ist Abraham und seinem Stamm auf ewig verheißen, den Söhnen der Verheißung, die der hl. Paulus meint, wenn er sagt: „Wenn ihr also zu Christus gehört, dann seid ihr Abrahams Nachkommen, Erben kraft der Verheißung“ (Gal 3,29).
Schließlich ist es auch ein glücklicher Umstand, daß die Geburt des HERRN und jene des Johannes durch ihre Mütter prophetisch angekündigt worden ist.
Durch das Versagen einer einzigen Frau war einst das Leben zugrunde gerichtet worden, es sollte aber der Welt durch zwei Frauen zurückgegeben werden, die im Lobpreis Gottes miteinander wetteifern.
Maria ist die “Mutter unseres HERRN” – und deshalb “Gottesmutter”
Veröffentlicht: 23. Dezember 2012 Einsortiert unter: Maria in der Heiligen Schrift | Tags: Elisabeth, Gottesmutter, Heilige Schrift, Kyrios, Madonna, Martin Luther 1 Kommentar »Die meisten evangelischen Christen vermeiden den Ehrentitel “Gottesmutter” für die seligste Jungfrau Maria. Oft begründen sie dies damit, daß dieser Ausdruck in der Heiligen Schrift nicht zu finden sei. Doch dies trifft keineswegs zu.
Abgesehen davon hat Martin Luther den Begriff “Gottesmutter” für die Madonna zeitlebens entschieden verteidigt. Es ist also durchaus “unlutherisch”, ihn bewußt zu vermeiden oder gar abzulehnen.
Da Christus der menschgewordene GOTT selbst ist, der göttliche Erlöser, die zweite Person der heiligsten Dreieinigkeit, ist seine Mutter logischerweise Gottesmutter. 
Maria ist selbstverständlich nicht die Mutter der göttlichen Dreifaltigkeit, die ewig ist und keiner Mutter bedarf, sondern sie ist vielmehr ein Geschöpf des Höchsten - und wurde doch als sein edelstes Geschöpf zur Mutter des Heilands auserwählt.
Daher würdigt Elisabeth (die Mutter von Johannes dem Täufer) die Madonna als die “Mutter meines HERRN”.
Da der Ausdruck “HERR” (Kyrios) in der Heiligen Schrift allein für GOTT vorkommt, bedeutet dies nichts anderes als “Gottesmutter”. Dieser kirchliche Ehrentitel für Maria ist also eindeutig biblisch belegt.
Betrachten wir nun den entspechenden Abschnitt im Lukas-Evangelium 1,39-45, der am heutigen vierten Advent-Sonntag in den katholischen Gottesdiensten vorgelesen wurde:
Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabeth.
Als Elisabeth den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabeth vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du unter den Frauen - und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, daß die Mutter meines HERRN zu mir kommt?
In jenem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Selig ist die, die geglaubt hat, daß sich erfüllt, was der HERR ihr sagen ließ. Foto: Paul Badde








