Unsinnige Verheißungen hinsichtlich des “Goldenen Vater-Unser”

Derzeit wird in einigen fromm-katholischen Webseiten vermehrt auf ein sog. Goldenes Vater-Unser hingewiesen, das man ab Palmsonntag in  der Karwoche täglich dreimal beten solle; im erscheinungsseligen Blog “Adorare”  und auf ähnlichen Seiten (zB. “Marienforum”, “Arme-Seelen-Kreuz-Jesus”) heißt es außerdem:

“Wer dieses “Goldene Vaterunser” in der Karwoche alle Tage dreimal betet,  dem wird Gott seine Seele retten und 77 Seelen aus der Pein der Läuterung befreien.”

So einfach ist das also  –  frei nach dem Motto:  “Die(se) Andacht allein macht selig”….

Natürlich keineswegs.  Wer dergleichen “Verheißungen” verbreitet, die nicht aus dem kirchlichen Gebetsschatz stammen, belegt nur sein mangelndes Glaubenswissen.

Denn aus der kath. Lehre ergeben sich zwei wesentliche Einschränkungen zu solchem Unfug:

1. Es gibt keine absolute Heilsgewißheit, zumal unser Seelenheil in der Hand Gottes liegt – und wir nicht wissen können, ob wir Christus bis zuletzt treu bleiben werden und ob wir im “Stand der Gnade” sterben.

2. Die Kirche kann gegenüber “Armen Seelen” (die sich im Zustand der jenseitigen Läuterung befinden) lediglich im Sinne der Fürbitte tätig werden, aber keine unmittelbare “richterliche” Wirksamkeit entfalten, denn diese kirchlichen “Vollmachten” hören mit dem Tod des Menschen auf.

Das gilt selbstverständlich auch für den “vollkommenen Ablaß”; dieser kann Verstorbenen nur fürbittweise zugewendet werden. (Vgl. hierzu den kirchlichen Klassiker “Beringer: Die Ablässe”, S.34 f. )  – Daher können nach dem Tod auch keine Sakramente mehr gespendet werden.

Wenn also sogar die “amtliche” Kirche mit ihren vom HERRN geschenkten Vollmachten die “Grenze des Todes” beachtet, dann gilt das erst recht für den einzelnen Christen.  –  Also: Fürbittgebete für Verstorbene JA, aber die Art und Weise der Erhörung liegt bei GOTT selbst. Daher sind derartige Zusagen (noch dazu mit Zahlenangaben versehen) über Fegefeuer-Befreiungen aufgrund eines Gebets haltlos.

Nun folgt dieses “verheißungsstarke” Gebetchen, das sich eher auf Kindergarten-Niveau befindet. Der Titel “Goldenes Vaterunser” ist schon fragwürdig, denn er erweckt den Eindruck, als sei das wirkliche, von Christus gelehrte Vater-Unser etwa nur “silbern”, mithin weniger wert als diese  kindlichen Reime…

Das Goldene Vater-unser

Als Jesus von seiner Mutter ging
und die große heilige Woch anfing
da hatte Maria viel Herzeleid
und sie fragte den Sohn mit Traurigkeit:

Ach Sohn, Du lb. Jesu mein,
was wirst Du am hl. Palmsonntag sein?
Am hl. Palmsonntag werd ich ein König sein,
da wird man mir Kleider und Palmen streun.

Ach Sohn, Du lb. Jesu mein,
was wirst Du am hl. Montag sein?
Am hl. Montag bin ich ein trauriger Wandersmann,
der nirgends ein Obdach finden kann!

Ach Sohn, Du lb. Jesu mein,
was wirst Du am hl. Dienstag sein?
Am hl. Dienstag bin ich der Welt ein Prophet,
verkünde wie Himmel und Erde vergeht.

Ach Sohn, Du lb. Jesu mein,
was wirst Du am hl. Mittwoch sein?
Am hl. Mittwoch bin ich gar arm und gering,
verkauft um 30 Silberling.

Ach Sohn, Du lb. Jesu mein,
was wirst Du am hl. Donnerstag sein?
Am hl. Donnerstag bin ich im Speisesaal,
das Opferlamm beim Abendmahl.

Ach Sohn, Du lb. Jesu mein,
was wirst Du am hl. Karfreitag sein?
Ach liebste Mutter mein,
könnt Dir der hl. Karfreitag verborgen sein?

Ach Sohn, Du lb. Jesu mein,
was wirst Du am hl. Karsamstag sein?
Am hl. Karsamstag bin ich ein Weizenkorn,
das in der Erde wird neu geborn.

Ach Sohn Du lb. Jesu mein,
was wirst Du am hl. Ostertag sein?
Am Sonntag freu Dich o Mutter mein,
da werd ich vom Tod erstanden sein,
dann trag ich das Kreuz mit der Fahn in der Hand,
dann siehst Du mich wieder im Glorienstand. Amen.

 


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