Manduria: Erscheinungen, heiliges Öl, geweihte Erde und Bluttränen-Rosenkranz

Im italienischen Manduria erscheint angeblich die Gottesmutter seit Jahrzehnten einer Seherin namens „Deborah”. Die mittelgroße Stadt Manduria liegt im äußersten Süden Italiens in der Provinz Tarent in Apulien.

Die Madonna soll der Visionärin einen „Bluttränen-Rosenkranz“ diktiert haben; überdies vertrauen Manduria-Anhänger auf ein gnadenwirkendes „heiliges Öl“ und „geweihte Erde“ von dort.

Die Botschaften und Vorgänge ähneln teilweise jenen von Medjugorje, weshalb es fromme Fanclubs gibt, die sowohl Medjugorje wie auch Manduria verbreiten.

Die besondere Andacht der Anhänger gilt den „Tränen der Madonna“.

So heißt es in der nächtlichen „Botschaft“ vom 5. auf den 6. Juni 1997:  „Lasst meine Verehrung der Tränen nicht im Dunkeln: Sie sollen für euch die Kraft und der Mut sein, um auf den Ruf meines göttlichen Sohnes zu antworten…”

Die angebliche Gottesmutter hat sich bei den dortigen Erscheinungen den Ehrentitel „Hl. Jungfrau von der Eucharistie“ zugelegt (dem Phantasiereichtum solcher Titel sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt, wie die Erscheinungsszene immer wieder dokumentiert).

Auch Christus soll sich der Seherin Debora gezeigt und als „König der Offenbarung“ bezeichnet haben.

In der Botschaft der „Muttergottes“  vom 25.03.2011 heißt es in erscheinungstypischer Weise:

„Es ist spät, meine Kinder und ich komme mit der Bitte als Mutter: sühnt, denn ein schmerzliches Ereignis kommt auf Euer Land zu. Ich bitte für Euch und halte Fürsprache für Euch: ich segne im Namen meines Sohnes Jesus diese Diözese und von hier aus meine Kirche, meinen Papst.“

Die kath. Kirche ist die Kirche Christi, der Papst ist der irdische Stellvertreter unseres göttlichen Erlösers.

Die Madonna ist die edelste Tochter der Kirche und die größte Heilige, doch es handelt sich gleichwohl nicht um „ihre“ Kirche und nicht um „ihren“ Papst; vielmehr sind Kirche und Papstamt eindeutig Stiftungen Christi und damit göttlichen Ursprungs.

Die „Botschaft“ vom 17.6.1993 lautet:

„Liebe Kinder, eines Tages werdet ihr mich alle sehen, wie ihr auch meinen Sohn sehen werdet, aber heute zählt in den Augen Gottes nur das Gebet, die vollkommene Bekehrung des Herzens, die ständigen Gebetswachen sowie das Fasten und die andauernden Opfer. Liebe Kinder, ich fordere euch noch einmal auf, den heiligen Rosenkranz zu beten: Ich, die Mutter Jesu, kann euch nur durch ihn wieder lebendig machen.“

Bei aller Wertschätzung des Rosenkranzgebets ist festzuhalten:

Hier wird ein einseitiger, überzogener Akzent gesetzt, der die Sakramente verdrängt, die weitaus wichtiger sind:  Unser Gnadenleben, unsere Seele wird lebendig durch die hl. Sakramente, vor allem durch Beichte und hl. Kommunion.

Zudem trifft es nicht zu, daß „in den Augen Gottes nur das Gebet, die vollkommene Bekehrung des Herzens, die ständigen Gebetswachen sowie das Fasten und die andauernden Opfer“ zählen.

Dies setzt einen einseitigen Schwerpunkt auf Gebet und Askese (Verzichtübungen). Worauf es im Christenleben neben Gebet und Gottesliebe vor allem ankommt: auf die Einhaltung der Gebote Gottes, gute Werke und  Nächstenliebe.

Warum werden diese entscheidenden Voraussetzungen unseres Heils nicht genannt?

In der Nacht vom 20. auf den 21. April 1993 soll Jesus der Seherin gesagt haben: „Debora, meine kleine Tochter, wach auf!“  – Er lehrte sie dann ein neues Gebet, das er mit „Verheißungen“ verknüpfte:

„Meine Kleine Tochter, in dieser schrecklichen Stunde der Finsternis sollt ihr für das Heil der Seelen folgendermaßen zu Mir beten:

Liebendes Herz Jesu, in dieser Stunde der Finsternis sei durch Deine Leiden am Kreuz das Licht für die Menschheit!

Ich verspreche jenen, die mir jeden Abend dieses Gebet mit ihren Leiden aufopfern, dass die Seelen, die sich diesem Gebet widmen, gerettet werden, und dass Ich all jene, die im Zustand der Gnade sind, auf eine höhere Stufe der Spiritualität heben werde.“

„Höhere Stufe der Spiritualität“ klingt eher nach Esoterik und New Age als nach Christentum.

Zudem gibt es für die Gläubigen laut katholischer Lehre (Konzil von Trient) zwar Heilshoffnung und Heilszuversicht, aber keine Heilsgewißheit. Eine Sicherheit für das eigene Heil kann auch nicht durch bestimmte Andachtsformen oder Gebete herbeigezaubert werden, schon gar nicht durch Stoßgebete aus kirchlich nicht anerkannten „Privatoffenbarungen“ wie jene in Manduria.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


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