Erschien die Himmelskönigin in Marpingen?

Von Felizitas Küble

Zu jenen “Botschaften”, die in der erscheinungsbewegten Szene hierzulande oft und gern zitiert werden, gehören auch die Worte der “Madonna” zu Marpingen.

In jener saarländischen Gemeinde, in der schon einst zur Bismarckzeit angebliche (kirchlich nicht anerkannte) “Erscheinungen” stattgefunden haben,  soll sich die Gottesmutter Ende der 90er Jahre erneut einigen Mädchen im Erwachsenenalter gezeigt und ihnen “Botschaften” übermittelt haben. Diese Privatoffenbarungen aus dem vorigen Jahrhundert wurden kirchlich ebenfalls nicht bestätigt. 1069810

Doch das ficht die Schar der Getreuen nicht an, unter denen sich auffallend viele Medjugorje-Anhänger befinden, zumal hinsichtlich des Schrifttums über Marpingen, darunter zB. Pater Jörg Müller oder Pfarrer Albrecht von Raab-Straube.

Ein immer wiederkehrendes Plädoyer für die Marpingen-Visionen findet sich in einem Buch, das den rational klingenden Titel trägt: “Visionen und die Frage ihrer Echtheit”.

Diesen Sammelband mit sechs Autoren hat der erscheinungsgeneigte Oros-Verlag in Münster-Altenberge herausgebracht.

Wer nun aufgrund des Buchtitels ein eher distanziertes, zumindest wissenschaftlich zurückhaltendes Werk erwartet, sieht sich weitgehend enttäuscht, geht es doch vor allem um Empfehlungen für Medjugorje und Marpingen, stellenweise sogar um Zustimmung für Heroldsbach.

Diese “Marienerscheinung” (Bistum Bamberg) aus dem 50er Jahren des 20. Jahrh. wurde kirchlich strikt abgelehnt  –  und dieses Nein des zuständigen Bischofs und der vatikanischen Glaubenskongregation damals sogar von Papst Pius XII. (siehe Abbildung) persönlich bestätigt. pabst-pius-xii-

So gibt Pater Jörg Müller in seinem Beitrag (S. 11 ff) schon nach wenigen Einleitungssätzen zu verstehen, daß die “Gottesmutter” auch in Heroldsbach “Botschaften” verkündet habe, darunter der “Gehorsam dem Papst gegenüber”  – was gerade im Zusammenhang mit Heroldsbach wohl etwas drollig wirkt.

Reichlich merkwürdig überdies die Behauptung Müllers schon auf der nächsten Seite, angeblich hätten sich die “Behörden und der Bischof” gegen die Seherkinder von Medjugorje gestellt, “drohen mit Gefängnis und streuen Lügen unters Volk.”  –  Der haltlose Lügen-Vorwurf gegen den Bischof wird freilich ebenso wenig belegt wie die angebliche Gefängnisdrohung.

“Die Sonne verwandelte sich in ein Herz”

Natürlich ist auch Pater Müller ein begeisterter Anhänger der Erscheinungen zu Marpingen, schrieb er doch ein eigenes Buch hierüber mit dem nicht leicht nachvollziehbaren Titel: “Von Maria zu reden ist gefährlich”.

Für den Autor ist gleichwohl alles klar, zumal es in dieser saarländischen Gemeinde ein phänomenales “Sonnenwunder” zur Bestätigung der Erscheinungen gab:

“In Marpingen zeigte das französische Fernsehen das halbstündige Drehen der Sonne mit dem Sprühen kleiner Sternchen und der Verwandlung der Sonne in ein Herz.”   media-372515-2

Herz, was will man mehr?!  – Die Frage nach der theologischen Bedeutung derartiger Mirakel wird verständlicherweise gleich gar nicht gestellt. Oder wie sollte eine einleuchtende Antwort aussehen?

Die “Botschaften” von Marpingen sind mit den weichgespülten Dauersprüchen von Medjugorje eng verwandt bzw. kompatibel.

So läßt uns Pater Müller erfreut wissen, daß es keinen 3. Weltkrieg geben wird, weil das “Jesus” der Marpinger Seherfrau Marion am 6.9.1991 offenbarte: “Hab keine Angst, es wird keinen dritten Weltkrieg geben…Ich bin kein strafender Gott.”

Zweifellos ein merkwürdiger Zusammenhang: Gott ist sehr wohl laut biblischem Zeugnis und kirchlicher Lehre auch ein strafender Gott (der das Gute belohnt und das Böse bestraft) –  und zwar unabhängig von der Frage nach einem 3. Weltkrieg.

Freilich vergißt der Verfasser nicht zu erwähnen, daß auch die Madonna zu Medjugorje am 12.7.1982 verkündet habe: “Es wird keinen dritten Weltkrieg geben.”

Wohlgemerkt: Unsererseits wird nicht das Gegenteil behauptet, sondern diese Frage vielmehr offen gelassen.

Immer dasselbe: Zuckerbrot oder Peitsche?

Es fällt freilich bei der Betrachtung der immer zahlreicher werdenden “Erscheinungen” auf, daß die meisten davon entweder nach Zuckerbrot (“Gott straft nicht…”) oder nach Peitsche (Drohbotschaften) klingen  –  es fehlt der gediegene, bodenständige Glaube jenseits von Panikmache und Süßholzgeraspel.

Ebenfalls auf S. 14 zitiert Pater Müller folgende Medju-Botschaft vom 12.10.1981: “Rußland verehrt Gott am meisten.”  – Abgesehen davon, daß der Allmächtige (im Unterschied zu den Heiligen) nicht nur “verehrt”, sondern angebetet wird, ist dieser Superlativ für Rußland angesichts der Realitäten nicht nachvollziehbar: Die Kirchenbesucherzahlen sind dort auch Jahrzehnte nach dem Ende der kommunistischen Diktatur sehr niedrig, die Faszination des Aberglaubens, der Scharlatanerie und der Esoterik aber umso stärker.

Natürlich hadert der Autor wie so viele Erscheinungsbegeisterte mit den “kirchlichen Behörden”, weil diese sich in aller Regel gegenüber außergewöhnlichen “mystischen” Vorkommnissen reserviert geben.

Wenngleich er ihre grundsätzliche Berechtigung bejaht, beanstandet er, daß viele  Untersuchungskommissionen von vornherein “von Ablehnung und Widerstand geprägt” seien: “Hier zeigt sich aber regelmäßgi das Unvermögen der Geistlichkeit im Umgang mit Mystik und Prophetie.

Der Geistliche ist davon überzeugt: “Das Volk hat die bessere Nase”   – und er zitiert den früheren israelischen Ministerpräsidenten David Ben Gurion mit seinem bekannten Spruch: “Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist.”

Weder Wundersucht noch Wunderflucht

Offenbar ist dem Verfasser nicht klar, daß es zwischen Wundersucht und Wunderflucht eine gediegene Grundhaltung gibt, welche sehr wohl die biblisch bezeugten Wunder bejaht, aber gleichwohl nicht bald jeder nachbiblischen Privatoffenbarung oder Vision hinterherläuft.

Sodann befaßt sich Pfarrer Albrecht von Raab-Straube ebenfalls mit der kirchlichen Einordnung von Erscheinungen unter dem sachlich-nüchternen Titel “Kriterien der Unterscheidung” (S. 18 ff). 023_20A

Viele Passagen seines Beitrags, vor allem seine einleitenden Ausführungen sind  –  soweit sie das Thema allgemein beleuchten  –  größtenteils zutreffend. 

Immerhin wird Kardinal Prosper Lambertini (siehe Abbildung) zitiert, der spätere Papst Benedikt XIV., der bekanntlich auf klassische Weise die kirchliche Stellung gegenüber Privatoffenbarungen festlegte.  

Dabei stellte Lambertini schon vor vielen Jahrhunderten klar, daß auch kirchlich genehmigte Erscheinungen durchaus nicht verbindlich für die Gläubigen sind:

“Eine Zustimmung des katholischen Glaubens wird anerkannten Privatoffenbarungen in diesem Sinne nicht geschuldet und sie ist auch nicht möglich.”

Natürlich gilt dieses Prinzip erst recht für kirchlich nicht-anerkannte Erscheinungen.

Warum ist nun ein katholischer verpflichtender Glaube auch bei “anerkannten” (gebilligten, genehmigten) Privatoffenbarungen weder nötig noch “möglich”? 

Weil die Kirche jene Privatoffenbarungen nicht mit ihrer übernatürlichen bzw. unfehlbaren Autorität bestätigt, sondern lediglich aufgrund von sog. “Regeln der Klugheit”, welche jene Erscheinungen als glaubwürdig und “wahrscheinlich” darstellen, wie Lambertini erläuterte.

Kann Maria die Welt “retten”?

Ab S. 68 zitiert der Autor  eine Reihe “Botschaften” von Marpingen, wobei er sicherlich jene Worte des “Himmels” auswählte, die ihm theologisch besonders gut und ansprechend erscheinen.  media-443490-2

So soll Maria z.B. am 26.5.1999 der jungen Seherin Judith gesagt haben, daß der Rosenkranz ihr (der Madonna) “viel Macht in die Hand gebe” – und zwar “um die Welt zu retten, um die Welt dem Vater zurückzugeben”.  

Maria ist aber keine “Retterin”, sondern als Königin der Heiligen unsere größte Fürsprecherin. Die Welt “gerettet” hat allein Christus, der HERR, durch seinen Opfertod am Kreuz.

Sodann erfolgt die häufige Aufforderung, für die “Bekehrung der Sünder” zu beten, wobei sich die Frage stellt: Sind wir etwa nicht alle “Sünder”? – Wäre daher nicht besser von einer Bekehrung der “Ungläubigen” die Rede?!

Am 5.9. desselben Jahres soll die Himmelsmutter gesagt haben: “Ihr habt zwei sehr schlimme Kriege erlebt. Ich habe dies zugelassen, um zu zeigen, was geschieht, wenn ihr euch euch selbst überlaßt.”  – Etwas “zulassen” (oder nicht zulassen) kann allein der allmächtige Gott, nicht jedoch ein Geschöpf wie die selige Jungfrau, selbst wenn sie das am meisten begnadete Geschöpf ist.

Am 8.8.1999 wendet sich die Erscheinungsmadonna von Marpingen wie folgt an die Seherin Judith: “Ich kenne auch jede Einzelheit eures Lebens, jeden Augenblick, jeden Herzschlag, jeden Atemzug, alles, alles was ihr tut, um all das weiß ich.”  –  Hierbei ist aber daran zu erinnern, daß die Gottesmutter als Geschöpf nicht allwissend ist, denn diese Eigenschaft ist allein göttlicher Natur.

Keine Angst mehr vor dem Tod?

Während Christus seinen Aposteln wirklichkeitsgetreu gesagt hat: In dieser Welt habt ihr Angst, aber siehe: Ich habe die Welt überwunden”  –  womit ER die kreatürliche (geschöpfliche) Angst bestätigt  – klingt dieser Punkt in Marpingen ganz anders, noch dazu ausgerechnet hinsichtlich der stärksten, einer existentiellen Furcht des Menschen: seiner Angst vor dem Tod.

Hierzu heißt es ganz locker durch die Visionärin Marion: “Man braucht keine Angst vor dem Tod zu haben, das ist so schön! Wir brauchen nichts zu fürchten.”

Die ebenfalls noch junge Seherin Judith bläst in dasselbe Horn mit folgender “Botschaft” vom 17.10.1999: “Vor dem Tod braucht man keine Angst zu haben. Der Tod ist nur ein Übergang, ein Hinübergehen… Es gibt einen Himmel und es gibt eine Hölle, nur die Entscheidung, wo jeder einmal sein wird, trifft jeder Mensch selbst, Gott verdammt niemanden.”   0018

Abgesehen davon, daß es vor dem Endgericht neben Himmel und Hölle auch noch ein Fegefeuer gibt,  heißt es in der Heiligen Schrift ganz realistisch, daß der Tod ein großer Feind des Menschen ist. So stehen die Aktien! 

Und in 1. Kor 15,26 ist hinsichtlich der Wiederkunft Christi davon die Rede, daß “der letzte Feind, der vernichtet wird, der Tod ist”.   –  Es handelt sich also sehr wohl um einen “Feind”  – und vor einem solchen hat die Kreatur (dsa Geschöpf) eine ganz natürliche Furcht, Christen nicht ausgenommen, wenngleich sie durchaus von zuversichtlicher Himmelshoffnung geprägt sein dürfen und sollen. Das hebt aber die “existentielle” Angst vor dem Tod nicht einfach auf.

Damit soll keineswegs Panik erzeugt, sondern nur die Lebenswirklichkeit der Menschen (auch der Gläubigen) nüchtern zur Sprache kommen.

Endzeitlicher Chiliasmus läßt grüßen!slider3-640x360

Typisch für diese weichgespülte Erscheinungtheologie ist dann auch die Irrlehre vom christlichen Paradies auf Erden, von einem universalen irdischen Friedensreich noch vor der Wiederkunft Christi.

Auch dieser  – von der Kirche seit jeher abgelehnte  –  Millenarismus bzw. Chiliasmus wird in Marpingen am 8.9.1999 verkündet:

“Ihr dürft euch dann auf die “neue” alte Welt freuen. Dann nämlich wird es keine Gottlosen mehr geben. Alles wird im Einklang mit den 10 Geboten sein und das Böse wird es eine Zeitlang nicht mehr geben. Habt keine Angst.”

Abschließend kommt das viel strapazierte Wort von den “Früchten” der Erscheinungen, wobei es aufschlußreich ist, was der Autor hauptsächlich unter “Früchten” versteht, nämlich auffallende Phänomene und Schauwunder, die kirchlicherseits zu prüfen seien, wie er schreibt: “….oft behauptete Wunder, Heilungen und Sensationen wie Veränderungen an der Sonne, tränende Figuren, Düfte usw.”

Schon die bisherige Auswahl an Erscheinungs-Zitaten (die noch dazu allesamt von der Pro-Marpingen-Seite ausgewählt wurden!) zeigt zur Genüge, daß diese “Botschaften” nicht vom Himmel kommen können, weshalb dort auch keine Madonna erschienen ist.

Felizitas Küble leitet den katholischen KOMM-MiT-Jugend-Verlag und das Christoferuswerk in Münster

 


Erscheinungsbewegter “Gebetstag” in Marpingen am 18. August 2012

Im Sommer und Herbst 1999 machte der kleine Ort Marpingen im Saarland deutschlandweit von sich reden, denn es sollen sich dort im Härtelwald mehrfach Erscheinungen ereignet haben, die drei jungen Frauen zuteil wurden: Christine Ney, Judith Hiber und Marion Guttmann.

Dabei “sahen” sie nicht allein die Madonna, sondern zahlreiche Engelscharen, den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube, das Christkind auf dem Arm Mariens sowie natürlich Pater Pio.

Zu den “Erscheinungstagen” kamen tausende von Pilgern und Schaulustigen in die völlig überlaufene Gemeinde Marpingen im Bistum Trier.

Diese “Privatoffenbarung” ist kirchlich nicht anerkannt.

Nach 13 Jahren ist es ruhiger geworden im Härtelwald, doch die “Unentwegten” fahren nach wie vor jährlich zu ihrem “internationalen Gebetstag” an die dortige Grotte und zu einem Brunnen, der – so wörtlich!  – “Gnadenwasser” spendet, das Kranken an Leib und Seele helfen könne.

Im Vorjahr sollen es 700 Pilger gewesen sein, die dort jener aufsehenerregenden Ereignisse Ende der 90er Jahre gedachten und sich in einem gemeinsamen Gebetsakt der “Miterlöserin der ganzen Menschheit” geweiht haben, wie Wallfahrtsorganisator Pater Dominique die Gottesmutter nennt.

Freilich waren die “Botschaften des Himmels”  im Härtelwald zu Marpingen von ähnlich banaler Naivität wie jene in Medjugorje, wobei die “übernatürlichen” Kundgaben im Saarland zum Teil selbst den kindlichen Sinn und Unsinn zu Medjugorje noch übertrafen, was in gewisser Hinsicht eine stramme Leistung darstellt  – denn auch ein derart putziger Unfug will “gekonnt” sein.

Zudem war die Stimmungslage der “Himmlischen” dort offenbar sehr abwechslungsreich: von tränenreichen Auftritten bis hin zu “lustigen”.

Als Beispiel für diese wahrlich weltbedeutenden “Botschaften” seien einige Auszüge aus der Erscheinunge vom 6.9.1999 wiedergegeben:

Eine der drei Visionärinnen wurde gefragt:  “Was siehst du denn?”

“Die Mutter Gottes, die ist ganz lieb. Die ist heut so ganz so bisschen lustig und der Pater Pio ist so ganz lustig. Die sind richtig gut drauf – richtig lustig”.

Den Fans gefällt dieses Niveau offenbar, denn es heißt im Protokoll der Marpingen-Webseite wörtlich:  “Ein heiteres Lachen und Schmunzeln geht durch die Reihen der Pilger.”

Die Seherdamen bekommen freilich nicht allein die Madonna geboten, sondern auch einen ganz gutgelaunten Jesus:

“Und Jesus auch, richtig, richtig lustig – aber im positiven Sinn, richtig freundlich, richtig gut gelaunt, voller Freude, unheimliche Freude  –  was die ausstrahlen, unheimlich schön.”

Danach sehen die begnadeten Mädels wieder die “Taube”: 

“Die Taube steht wieder dort über uns und strahlt….und die Taube dreht sich, um die Taube gehen Stahlen und die drehen sich wie eine Sonne. Wie sonst sollen sie sich drehen – wie ein Rad so schön, sie drehen sich.

Auch die himmlische Engelschar gibt sich im Härtelwald ein Stelldichein. Eine Seherin berichtet:

Ich sehe nur, dass die Grotte wieder voller Engel ist,  die mitkommen. Sie haben …. so goldene Panzer an und goldene Helme … aber die sehen ganz gütig aus – ganz gütig.”

Aber auch bei diesen überirdischen Boten gibt es solche von einfacherem Zuschnitt  –  ohne goldene Helme und Panzer, aber dafür mit wehendem Haar bei windstiller Wetterlage: 

Und dann gibt es noch Engel, die ganz normal sind. Ganz viele  –  und die Haare wehen, als würde Wind gehen, die Haare gehen sogar vor die Augen, so als würde Wind gehen – verstehe ich nicht.”

Wenn selbst die mystisch begnadete Seherin das “nicht versteht”, dann wollen wir uns dem voll und ganz anschließen.

Die Zitate haben wir dieser Fan-Webseite entnommen: http://www.gottesmutter.de/  (Dort auf die Rubrik “neue Erscheinung” klicken.)

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

 


Großer „Gebetstag“ in Marpingen am 12. August 2011

Pater Dominique Gastineau, Leiter einer „Pater-Pio-Gruppe“,  lädt derzeit zu einem „großen Gebetstag“ am Freitag, den 12. August 2011,  in den Härtelwald nach Marpingen ein. Der Priester sucht regelmäßig mit seinem Kreis diesen „Erscheinungsort“ auf.

Am 12. August soll, so kündigt der Geistliche an,  „das ganze Land  dem  unbefleckten Herzen Mariens geweiht werden, der Königin von Deutschland und der ganzen Welt“.

Marpingen ist eine kirchlich nicht anerkannte „Erscheinungsstätte“ im Saarland. Dort gibt es eine sog. „Heilquelle“: an eben dieser findet am 12. August 2011 ein Vortrag statt, danach Rosenkranz und „Abschlußsegen mit der Reliquie vom Heiligen Pater Pio“, wie es in der Ankündigung heißt. (Weshalb, so fragt man sich, erhalten die Pilger von Pater Gastineau keinen sakramentalen Segen? Keine Reliquie der Welt  ist mit dem Allerheiligsten auch nur annäherend  zu vergleichen!)

In seiner Einladung stellt Pater Gastineau den Anhängern von Marpingen ein Gebet vor, damit es verbreitet wird und als Vorbereitung dient „für  den großen Tag des Triumphes des Unbefleckten Herzens Mariens und  des Göttlichen Herzens Jesu am  12  August“.   –  Dieser Gebetstag am 12. August wird wie ein Glorientag verherrlicht  und es stllt sich die Frage:  Warum sollte gerade er den „Triumph“ der Herzen Jesu und Mariens darstellen oder einleiten? Zudem wird nicht erklärt, worin dieser „Triumph“ bestehen wird.

Sodann wird folgendes Vorbereitungsgebet empfohlen:

Ewiger Vater, Vater aller Güte, ich opfere dir durch die Hände Mariens, der Miterlöserin der ganzen Menschheit, all die Heiligen Wunden und das Kostbare Blut auf, das Dein geliebter Sohn Jesus bei seiner Passion vergossen hat, in Vereinigung mit allen Heiligen Messen, die heute in der ganzen Welt gefeiert werden, damit der Tag des Triumphes des unbefleckten Herzens Mariens und des Göttlichen Herzens Jesus sich schnell ausbreiten möge von Marpingen aus, in Deutschland und in der ganzen Welt.    –  Himmlische Mutter Maria, ich bitte dich, vervollkommne diese Aufopferung durch deine Verdienste und vervielfältige sie so viel mal, wie es Blätter auf den Bäumen und Sandkörner auf der Erde gibt. Amen.“

Abgesehen vom Kuriosum des letzten Satzes („Blätter auf den Bäumen…“) wird hier der kirchlich nicht anerkannte Erscheinungsort Marpingen als zentraler Punkt hervorgehoben, von dem aus sich angeblich der „Triumph“ der Herzen Mariens und Jesu (in dieser Reihenfolge dort aufgeführt!) „ausbreiten“ solle. Überdies gehört die Bezeichnung Mariens als „Miterlöserin“ nicht zur kirchlichen Lehre.

Danach wird eine „Novene an die Gottes Mutter“ präsentiert, die mit den Worten beginnt:  

 „Komm Heiliger Geist, komm durch die mächtige Fürsprache des Unbefleckten Herzens Mariens, Deiner so geliebten Braut!“

Diese Anrufung stammt  wörtlich aus dem „Blauen Buch“ des italienischen „Visionärs“ und Priesters Don Gobbi.

Die Novene lautet sodann:

„O Maria, unbefleckte Jungfrau und Gottesmutter, mit allen Engeln und Heiligen grüßen wir Dich als die Königin des Himmels und der Erde, als Mutter des Lebens für Europa und für die ganze Welt. Wir rufen zu Dir: Sei Du unsere Königin als Frau aller Völker und Mutter der barmherzigen Liebe!“

Nachdem bereits Anleihen bei „Don Gobbi“ gemacht  wurden, folgt nun eine Anrufung aus dem „Amsterdamer Botschaften“, nämlich der umstrittene Titel „Frau aller Völker“, der in der Lauretanischen Litanei der Kirche nicht enthalten ist.

Einige Zeilen später heißt es:

„O Mutter des Lebens und Mutter vom Sieg, lass doch bald das Friedensreich Deines Sohnes erstehen, auf dass der Triumph Gottes auf Erden bald anbreche. Barmherziger Vater: im Namen Jesu erhöre unser Flehen. Amen.“

Die Anrufung „Mutter vom Sieg“ stammt aus den Privatoffenbarungen von Wigratzbad, die ebenfalls kirchlich nicht anerkannt sind.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

PS: Infos über die irrgeistigen “Botschaften” von Marpingen finden sich in unserem Artikel: “Pater Jörg Müller zwischen Mystik und Magie”:  http://charismatismus.wordpress.com/category/charismatik-und-visionen/p-jorg-muller/


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