Neue Methoden der Auseinandersetzung um das Lebensrecht der Ungeborenen

Mathias von Gersdorff

Mitte September wurde in dieser Kolumne gezeigt, wie sich der „Kampf um das Leben“, also die Auseinandersetzungen zwischen Lebensrechtlern und Abtreibungslobby, in den letzten Jahren radikalisiert hat.  Podium5

Diese Auseinandersetzung findet natürlich auch seit Jahren im Internet statt, zuweilen in einer Art und Weise, die noch grotesker ist, als was sich auf den Straßen aufgrund der Angriffe linksradikaler Chaoten abspielt.v

Spitzenreiter in dieser Hinsicht sind die Vereinigten Staaten. Die Abtreibungsbefürworter betreiben zuweilen Propaganda für ihre Position mit makabren Methoden, die man in Deutschland wohl als skandalös oder exhibitionistisch bezeichnen würde.

So ließ die 25jährige Emily Letts im Sommer ihre Abtreibung filmen und auf Youtube hochladen. Das Video zeigt allerdings nicht die Abtreibung an sich, also das Eindringen der Instrumente in den Körper, um das Kind zu töten und dessen Reste zu entfernen, sondern „nur“ ihr eigenes Gesicht.

Im Vorspann erklärt die junge Frau lakonisch, wieso sie das Kind abtreibt: „Ich bin nicht so weit, Kinder zu kriegen.“ –  In der folgenden Einstellung sagt sie lachend, sie würde eine Abtreibung haben. Das Ganze wirkt seltsam unecht, fast surrealistisch. Man fragt sich zwangsläufig, wie man eine solche Situation emotional bewältigen kann, ohne Drogen genommen zu haben.P1020483

Während der Aufnahme des „Eingriffs“ gibt es Einblendungen, in denen Emily Letts erklärt, es gäbe positive „Abtreibungsgeschichten“. Das Video wurde äußerst bekannt und erzeugte eine riesige öffentliche Diskussion.

Auf Video aufgenommene Zeugnisse über eigene Abtreibungen sind auf Youtube zahlreich zu finden. Bei vielen hat man den Eindruck, die Frau käme über ihre Tat nicht hinweg und müsse sich irgendwie aussprechen oder gar rechtfertigen. Dem modernen Zeitgeist entsprechend, demzufolge das Private in der Öffentlichkeit zu geschehen hat, praktizieren sie das in einem Video für Youtube.

Geld für Abtreibung mittels Crowdfunding

Ganz im Stile des Web 2.0 wurde das Facebook-Profil Emily Letts’ zu einer Diskussionsplattform. Wie bei Justin Bieber auch, zog die Frau mit der Zeit vom Web 2.0 zum Mainstream. Massenpublikationen wie Cosmopolitan gaben ihr die Möglichkeit, sich breit über ihre Tat auszulassen. CNN nutzte den Fall, um die Reportage „Can abortion be de-stigmatized?“ zu produzieren. Elle wird gleich 25 Frauen berichten lassen, die Abtreibungen hinter sich haben. iStock_000014086034XSmall

Noch extremer und aus politischer und ideologischer Perspektive auch interessanter ist das etwas unbekanntere Beispiel der 23jährigen Bailey: Sie sammelte auf der Crowdfundigseite „GoFundMe“ Geld, um ihre Abtreibung zu finanzieren.

De facto sind das Spenden an eine private Person, die sich in schriller, brutaler und das persönliche Schicksal einbindenden Form für die Abtreibung einsetzt. Solche Zuwendungen setzen eine hohe Identifikation des Spenders mit dem Empfänger voraus. Die Spende ist somit ein finanzielles Bekenntnis zur Abtreibung; sie ist das finanzielle Pendant zum „Gefällt mir“ oder zum „Teilen“ in Facebook.

Propaganda-Wirkung bringt Nachahmer hervor

Sie brauchte 2.500 US-Dollar, doch als sie 2.100 gesammelt hatte, wurde ihr Profil gelöscht. „GoFundMe“ hätte zu viele Protestschreiben bekommen, und dieses Anliegen sei sowieso nicht im Sinne des Betreibers. Kurz nach dem Fall wurden sogar die Nutzungsbedingungen geändert. media-389705-4

Diese Aktion zog auch die Aufmerksamkeit der Fachpresse auf sich. Der Economist bemerkte zum Rückzieher von „GoFundMe“: „Given the outpouring of financial support Bailey received, there is good reason to believe another platform may be more hospitable towards women who need help paying for an abortion.“

Dieses Vorgehen könnte zu einer Konkurrenz für Abtreibungsorganisationen wie „Planned Parenthood“ (die US-amerikanische Mutterorganisation von Pro Familia) erwachsen.

Aufgrund der starken propagandistischen Wirkung ist davon auszugehen, daß viele Frauen Emily Letts oder Bailey nachahmen werden, bis es zu einer Professionalisierung kommt, etwa wie Justin Biber ab einem bestimmten Bekanntheitsgrad von Usher gecoached wurde.

Mittel der psychologischen Kriegsführung

Diese Form der Propaganda für Abtreibung erinnert an Alices Schwarzers Aktion „Wir haben abgetrieben!“ im Jahr 1971. Dennoch gibt es erhebliche Unterschiede. Alice Schwarzers Aktion stand unter dem großen Motto der Frauenemanzipation. baby_hand_abtreibg_cdl11_a4357ad790

Die Feministinnen argumentierten mit dem Arsenal des marxistischen Klassenkampfes: Frauen seien in einer männerdominierten Welt den Männern völlig untergeordnet, die über ihre Schicksale verfügten, wie sonst nur die Herren über ihre Sklaven. Die Männer hätten sogar Besitz über ihre Körper, und durch eine Schwangerschaft würden sie die Frauen völlig unter ihre Kontrolle bringen.

Im Grunde wurde in der marxistischen Klassenanalyse das Proletariat durch die Frau ersetzt. So entstanden Sprüche wie „Mein Bauch gehört mir“ (und nicht dem Mann). John Lennon formulierte es in „Woman is the nigger of the world“ so: „We make her bear and raise our children.“

Die Bekenntnisse zur Abtreibung im Web 2.0 folgen einem ganz anderen Muster. Man kann behaupten, sie entstammen nicht mehr dem Arsenal des Klassenkampfes, sondern der psychologischen Kriegführung.

Neue Formen der Auseinandersetzung

Auf eine ideologische Rechtfertigung der Entscheidung zugunsten der Abtreibungen wird in den Web-2.0-Beispielen komplett verzichtet. Man argumentiert rein stimmungsmäßig und erwartet gar nicht, eine Diskussion anzuregen.

Es geht ausschließlich um die Bildung von Empathie bzw. Mitgefühl. Damit dies gelingt, wird in krasser Form das persönliche Schicksal der weiten Öffentlichkeit präsentiert – ein Seelen-Striptease. So wirken diese Fälle sehr authentisch, besonders „echt“.  imagesCAHIF86C

Anhand einer Fokussierung auf extreme Einzelfälle und einer grenzenlose Zurschaustellung der psychologischen Aspekte des Konflikts wird wohl die Bildung eines Prototyps angestrebt, der als Leitmodel für die Generationen Y und Z dienen könnte, die in einer poststrukturalistischen Gesellschaft aufgewachsen ist.

Solche Fälle könnten zu Archetypen und damit zu lebendigen Katalysatoren für die Empfindungen der „Digital Natives“ werden.

Die Lebensrechtler müssen sich auf diese neue Form der öffentlichen Auseinandersetzung einstellen, um die jungen Generationen erreichen zu können.

In der Tat versuchen einige US-Lebensrechtler, Gegenstrategien zu entwickeln. So mehren sich die Videos mit emotional vorgetragenen Reuebekenntnissen von Frauen, die ihr Kind abgetrieben haben. Andere berichten in rührender Weise, wie sie das Kind, das sie zunächst abtreiben wollten, trotz großer gesundheitlicher, finanzieller oder sozialer Probleme trotzdem zur Welt brachten.

Für das Leben rocken bis zur Erschöpfung

Vor allem Organisationen mit jungen Aktivisten verbinden vollen persönlichen Einsatz und Kommunikation über die sozialen Netzwerke. Ich nenne zwei recht gegensätzliche Beispiele: „Stand True Pro Life Outreach“ und die „TFP-Student Action“.

„Stand True Pro Life Outreach“ wird geleitet von Bryan Kemper, einer schillernden Figur voller Piercings und Tätowierungen. Diese Attribute sind noch aus seiner Zeit, als er „Rock for Life“ gründete und leitete. „Rock for Life“ trägt Trikots in der Öffentlichkeit, in denen ein Fötus E-Gitarre spielt. Irgendwann konvertierte er zum katholischen Glauben und gründete „Stand True“. images (2)

In beiden Gruppen waren vorwiegend junge Menschen aktiv, die sich Tag und Nacht im ganzen Land in allen möglichen Aktionen bis zur Erschöpfung für die Ungeborenen einsetzten. Diese Intensität erleichtert die Bildung einer Fangemeinde. Das äußere Auftreten dieser beiden Gruppen ist alles andere als konservativ. In Deutschland würden sie zumindest äußerlich als „Autonome“ eingestuft werden.

Betont unangepaßt gegenüber dem Zeitgeist tritt die „TFP-Student Action“, die Jugendorganisation der „American Society for the Defense of Tradition, Familiy and Property“, auf. Sie gehören dem katholisch-konservativen Milieu an. Sie tragen Blazer und Krawatte und scheuen auch nicht davor zurück, an den linkesten Universitäten für das Recht auf Leben einzutreten. Nicht selten werden sie von linken Abtreibungsbefürwortern tätlich angegriffen.

Online-Kampagne pro Gedenktag für die Ungeborenen

Die Fangemeinden beider Gruppen können die Aktionen fast zeitgleich durch Twitter, Facebook, Instagramm usw. verfolgen.

Deutschland ist noch nicht so weit. Hier gibt es zwar auch Gruppen, die sich sehr intensiv auf der Straße für die Ungeborenen einsetzen, wie etwa die „Helfer für Gottes kostbare Kinder“, die die Gehsteigberatungen organisieren, doch sie haben noch nicht so richtig den Weg ins Internet gefunden.

Doch auch bei uns tut sich etwas in dieser Hinsicht. So schreiben die Autoren Eike Sanders, Ulli Jentsch und Felix Hansen im soeben erschienenen, ultralinken Buch „Organisierter Lebensschutz – christlicher Fundamentalismus und Antifeminismus“ zum Online-Aktivismus in Deutschland:

„In manchen Fällen werden die SympathisantInnen der Bewegung aufgefordert, an Online-Kampagnen, E-Mail-Aktionen oder Petitionen teilzunehmen. Besonders aktiv in dem Feld ist die Aktion SOS Leben der DVCK, sie sammelt u.a. Unterschriften für die Einführung eines ‘Gedenktages für die ungeborenen Kinder’.“

Mit der Zeit wird es dazu aus Deutschland sicherlich noch viel mehr zu berichten geben.

Unser Autor Mathias v. Gersdorff ist Leiter der Frankfurter Aktion “Kinder in Gefahr” und des Webmagazins “Kultur und Medien online”

Erstveröffentlichung des Beitrags in der Wochenzeitung “Junge Freiheit”


Ein betroffenes Ehepaar kämpft für die Würde der „Sternenkinder”

Neuerscheinung “Fest im Herzen lebt ihr weiter”

Endlich “guter Hoffnung” –  die Vorfreude der Eltern ist groß. Doch ein erheblicher Teil aller Schwangerschaften endet mit einer Fehlgeburt.

„Sternenkinder“ werden die tot geborenen Babys genannt. 1416097_Barbara-Mario-MartinFür die betroffenen Eltern ist der Schicksalsschlag eine Tragödie.

Daß totgeborene Kinder seit Mai 2013 standesamtlich mit ihrem Namen registriert und individuell bestattet werden können, auch wenn sie weniger als 500 Gramm wiegen, verdanken die Betroffenen dem Ehepaar Barbara und Mario Martin.

Die Eltern haben selbst drei Kinder während oder kurz nach der Geburt verloren und eine Gesetzesänderung initiiert. Derzeit erscheint im adeo-Verlag ihr Ratgeber „Fest im Herzen lebt ihr weiter“ (adeo Verlag).

Das ansprechende Buch ist gebunden, mit Schutzumschlag, 8-seitiger. Bildteil, 296 Seiten, es kostet 17,99 Euro.

Aktuell setzen sich Martins dafür ein, dass auch den Frauen Mutterschutz gewährt wird, deren Kind mit weniger als 500 Gramm tot zur Welt kommt. Diese Fehlgeburt entspricht nach aktueller Gesetzeslage keiner Entbindung.

„Deshalb gibt es auch keine Geburtsurkunde und die Mutter hat kein Anrecht auf Mutterschutz – egal, wie es ihr nach dem Verlust körperlich oder seelisch geht“, erklärt das Ehepaar und ergänzt: „An diesem wichtigen Thema ist die Politik dran. Der Bundestag beschäftigt sich aktuell und intensiv mit dem Mutterschutz, und auch uns ist es ein wichtiges Anliegen, dass diese Regelung wesentlich verbessert wird.“ 835028_Barbara-Mario-Martin-Fest-im-Herzen-lebt-ihr-weiter

Mit ihrem biografischen Ratgeber wollen Martins Betroffenen Trost zusprechen und für eine gesellschaftliche Veränderung eintreten: Jedes ungeborene Kind hat einen würdevollen Umgang verdient.

Der adeo-Verlag vor Drucklegung des Buches eine einmalige Aktion gestartet:

Eltern von Sternenkindern erhielten die Chance, ihren „Stern“ auf dem Vorsatzpapier des Buches mit Datum und Namen zu verewigen. Die Aktion war auf 1400 Namen begrenzt. Innerhalb kürzester Zeit war der Platz erschöpft. 

Barbara & Mario Martin:

Jahrgang 1973 und 1975. Gemeinsam betreibt das Ehepaar einen Friseursalon in Niederbrechen bei Limburg. Bundesweit bekannt wurden sie durch ihre Gesetzesinitiative für Sternenkinder. Ihre Homepage zählt mittlerweile über 800.000 Besucher: http://jltfpw.jimdo.com/

Weitere Infos und Bestellung hier: http://www.adeo-verlag.de/index.php?id=details0&sku=835028

Foto: Sophie Kröher

 


Bundesversammlung der CDL in Köln bestätigt Mechthild Löhr als Vorsitzende

Lebensrecht für alle: “Es gibt kein gutes Töten”

Zu ihrer jährlichen Bundesversammlung trafen sich die Christdemokraten für das Leben e.V. (CDL) am vergangenen Samstag in Köln.
._DSC4662
Die CDL-Vorsitzende Mechthild Löhr (siehe Foto) stellte ihren Bericht über die Arbeit des Vorstandes in der vergangenen Amtsperiode unter ein Zitat des Philosophen Robert Spaemann: „Es gibt kein gutes Töten“.
 .
Damit richtete sie das Augenmerk der Versammlung auf jene Bereiche, in denen inzwischen eine rechtliche Legitimierung der Tötung aus sozialen Gründen, aus Mitleid, wegen Unzumutbarkeit oder Krankheit gefordert wird.
 .
Nach Aussage der CDL-Chefin gehe es dabei nicht nur um die aktuelle Diskussion zur Sterbehilfe und Euthanasie, sondern auch um Abtreibung und jede Form der Embryonenselektion.
 .
Alle Debatten, in denen das Leben von Menschen zur Disposition gestellt wird, werfen grundsätzlich die gleiche Frage auf: Ist es erlaubt, einen anderen Menschen zu töten und an einer Tötung mitzuwirken?
 .
Löhr erinnerte daran, dass unsere Kultur entscheidend auf dem Menschenrecht auf Leben für alle basiert, dieses Recht aber immer mehr bedroht sei: „Die Gefährdungen am Lebensanfang und Lebensende nehmen zu“, zog Mechthild Löhr ihr Fazit. „Die CDL und andere aber leisten Widerstand gegen eine Kultur, die immer selbstverständlicher euphemistisch die Tötung aus Mitleid oder Nächstenliebe propagiert und legitimiert.“csm_20140512_MfL_One_of_us_2014_01_3cccf472a8
 .
Der Gynäkologe Dr. Michael Kiworr referierte über die frühe Entwicklung des Kindes im Mutterleib und die Gefahren, denen es gerade in der Schwangerschaft durch das hohe Abtreibungsrisiko  ausgesetzt ist. Kiworr gab u.a. einen Überblick über die Bedrohungen durch die „Pille danach“, die Präimplantationsdiagnostik und auch die wachsende Zahl vorgeburtlicher Gentests, die zur Selektion der Ungeborenen führen.
.
Auch bei den CDL werden die neuen Medien immer wichtiger: Nachdem erst kürzlich erst die Internetseite grundlegend überarbeitet worden ist, wurde der Bundesversammlung der kürzlich neu aufgebaute, offizielle Facebook-Auftritt vorgestellt.
 .
Bei den anschließenden Vorstandswahlen wurde Mechthild Löhr eindrucksvoll mit 93,5 Prozent der Stimmen in ihrem Amt als Bundesvorsitzende  bestätigt.
 .
Stellvertretende Vorsitzende bleiben in den kommenden zwei Jahren die Landesvorsitzende der CDL-NRW, Odila Carbanje, der Bundestagsabgeordnete Hubert Hüppe und Sophia Kuby, Geschäftsführerin von „European Dignity Watch“ in Brüssel. imagesCA4JYFAC
 .
Auch die anderen  Mitglieder des geschäftsführenden Vorstandes wurden in ihren Ämtern bestätigt: Jürgen Boyxen als Schatzmeister, Hildegard Bosch als Schriftführerin, und Susanne Bajog als Pressesprecherin.
.
In ihrem Schlusswort unterstrich die CDL-Bundesvorsitzende noch einmal, wie wichtig das Engagement jedes einzelnen Mitglieds sei und dass die Bedeutung der Arbeit der CDL weiter wachse.
 .
„Robert Spaemann hat Recht: Es darf in unserem Land kein „gutes“ Töten geben, weder am Lebensanfang noch am Lebensende.“, griff Löhr noch einmal ihr Eingangszitat auf:
„Die CDL will dazu beitragen, dass möglichst viele Menschen das Recht auf Leben in jeder Lebensphase schützen und verteidigen. Jeder „Tod auf Bestellung“ ist kein Ausdruck von Selbstbestimmung, sondern das definitive Ende menschlicher Solidarität.”
 .
Christdemokraten für das Leben e.V.
Kantstr. 18 in 48356 Nordwalde
Tel.: 0 25 73 – 97 99 391 / Fax: 0 25 73 – 97 99 392

E-Mail: info@cdl-online.de
Internet: www.cdl-online.de

 


“Patientenautonomie”: Bischof Voderholzer für eine “Kultur des Wohlwollens”

Am vergangenen Mittwoch (15. Oktober) sprach Bischof Rudolf Voderholzer (siehe Foto) über die Bedeutung der Selbstbestimmung von Patienten  – einem Schlüsselprinzip der modernen Medizin.  borMedia1840101

Der Vortrag fand im Rahmen der “Regensburger Gespräche zur Medizinethik” im Großen Hörsaal des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Regensburg statt.

Was bedeutet “wahre” Patientenautonomie und was sind ihre Voraussetzungen? Wo muss die Autonomie des Patienten gestärkt werden und wo gibt es – möglicherweise – Grenzen?

Keine “Autonomie” um jeden Preis

Anhand dieser Fragen und herausgestellt an den Beispielen der vorgeburtlichen Diagnostik und der in der Gesellschaft viel diskutierten Möglichkeit von assistertem Selbstmord unterschied Bischof Rudolf zwischen einem (auch durch Vordenker der Aufklärung geteilten) Autonomieverständnis, das den Menschen dazu befähigen solle, das sittlich Richtige zu tun, und einem Autonomieverständnis “um jeden Preis”, wodurch das Recht zur selbstbestimmten Entscheidung isoliert und verabsolutiert wird.

Hierzu entgegnete der Regensburger Oberhirte, dass der Mensch nicht nur ein autonomes, sondern auch ein soziales Wesen sei, welches einerseits selber Verpflichtungen gegenüber der Gemeinschaft habe, umgekehrt aber auch Hilfe und Beistand von dieser erfahren solle – vor allem in Zeiten von Krankheit und Not.

Ebensowenig wie ein Patient sich in absoluter Selbstermächtigung ergehen könne, dürfe eine Gesellschaft Druck auf hochbetagte oder auch (erb)kranke und behinderte Menschen ausüben und ihnen suggerieren, dass sie eine “Last” darstellten.

Druck auf Schwangere, die ein behindertes Kind erwarten

Diesem Druck können Menschen ausgesetzt sein, wenn diese sich beispielsweise dafür entscheiden, ein (erwartbar) erbkrankes oder behindertes Kind zur Welt zu bringen (und es nicht abzutreiben) oder, wenn diese älter und krank sind und es ein Recht auf assistierten Selbstmord gäbe, sie sich fragen lassen müssten, warum sie dieses “Angebot” nicht annähmen. nodbild

Letztlich geht es laut Bischof Voderholzer auch um die grundsätzliche Frage, in welcher Art von Gesellschaft man leben wolle.

Die Enzyklika “Evangelium Vitae” von Johannes Paul II. zitierend, stellte er den Grundwiderspruch einer Gesellschaft heraus, die sich zwar Werten wie Menschenwürde, Gerechtigkeit und Frieden verschreibe, gleichzeitig jedoch Missachtung und Verletzung menschlichen Lebens dulde, vor allem wenn es sich hierbei um schwaches oder ausgegrenztes Menschenleben handelt.

Er plädierte deshalb am Schluss seines Vortrags für eine intensivierte “Kultur der Achtsamkeit” gegenüber der seelischen und existentiellen Not der Mitmenschen und stellte dem “Prinzip der Autonomie” das “Prinzip des Wohlwollens” zur Seite.

Nur so könne der Mensch auch in seiner Abhängigkeit, Bedürftigkeit und Verletztlichkeit wahrgenommen und über Methoden nachgedacht werden, die ihn nach besten Kräften schützen.

Stichwort “Regensburger Gespräche zur Medizinethik”:
Bischof Dr. Rudolf Voderholzer ist der bereits vierte Referent in dieser Vortragsreihe, die 2011 vom Ethikkomitees des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder mit einem Vortrag des Bioethikers Professor Giovanni Maio (Uni Freiburg) initiiert worden ist. Weitere Redner zu medizinethischen Themen waren in der Vergangenheit der Journalist und Jurist Professor Heribert Prantl

Quelle: http://www.bistum-regensburg.de


Dr. Stapfs Abtreibungsklinik vor dem Aus?

In der Region Stuttgart drohe bei Abtreigungen eine „gravierende Versorgungslücke“. Dies meint die Leitende Ärztin der abtreibungsfreundlichen Organisation „Pro Familia“ in der baden-württembergischen Landeshauptstadt, Marion Janke. csm_20140512_MfL_One_of_us_2014_01_3cccf472a8

Anlaß für diese Äußerung ist die Mitteilung des Abtreibungsarztes Dr. Friedrich Stapf, zum Jahresende seine Frauenklinik in Stuttgart schließen zu müssen. Dort werden laut Stapf jährlich mehr als 2000 Abtreibungen vorgenommen. Im vorigen Jahr waren das etwa 18 Prozent der 11.200 in Baden-Württemberg registrierten vorgeburtlichen Kindestötungen.

Stapf hatte seine Klinik von der Stadt Stuttgart gemietet. Einen Antrag auf Verlängerung des Mietvertrags hatte Stapf versäumt, so dass die Kündigung wirksam wurde. Einen Ersatz zu finden, sei „extrem schwer“, sagte der 68-jährige Arzt. Niemand wolle eine Abtreibungsklinik im Haus haben.

Nach Angaben von „Pro Familia“ können kleinere Praxen den Wegfall der Stuttgarter Praxis nicht ausgleichen. Janke will deshalb mit der Stadtverwaltung reden. Der zuständige Bürgermeister Werner Wölfle von den Grünen hat bereits seine Bereitschaft bekundet, “helfen” zu wollen. Auch Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) hofft auf eine befriedigende Lösung. kleber der katholischen kirche rettet menschenbaby christoferuswerk

Ein ähnliches Problem hat Stapf im München, wo er täglich 18 bis 25 Abtreibungen vornimmt. Auch dort ist er auf der Suche nach neuen Räumen.

„Gute Nachricht“ für ungeborene Kinder

Der baden-württembergische Landesvorsitzende der CDL (Christdemokraten für das Leben), der Jurist Josef Dichgans (Überlingen), nennt die Entwicklung „eine gute Nachricht“. Jährlich bekämen dadurch rund 2000 Babys die Chance auf ein glückliches Überleben, sagte er der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

Kritik übte er am Eifer, mit dem die Stadt und das Sozialministerium die mögliche Schließung der Abtreibungsklinik beklagen. Von den getöteten Babys sei keine Rede: „Da scheint das Bewusstsein vom Töten als Menschenrecht des Stärkeren schon tief eingedrungen zu sein.“

Quelle: http://www.idea.de


Rheine: Lebensrechts-Aktion mit störender “Begleitmusik” und bewegenden Gesprächen

Die “Aktion Lebensrecht für Alle” (ALfA) informierte am Samstag, den 11. Oktober, interessierte Passanten an ihrem Infostand auf dem Borneplatz in Rheine über Abtreibung, bioethische Themen und Euthanasie. 010_7

Vom ALfA-Kreisverband Rheine waren u.a. deren Vorsitzende Cordula Mohr sowie ihre Stellvertreterin Mechthild Brüning persönlich anwesend.

BILD: Cordula Mohr im Gespräch mit Martin Lohmann, dem Leiter des BVL (Bundesverband Lebensrecht), auf dem diesjährigen Katholikentag in Regensburg

Als der angemeldete Stand um 10 Uhr in der Innenstadt aufgebaut wurde, kamen bereits mehrere Fußgänger und führten zum Teil ausführliche Gespräche, so daß die ALfA schon neue Mitglieder erhielt, bevor der Stand überhaupt fertig aufgebaut war.

Erfolgreich lief zudem auch eine Unterschriftenaktion, die von ALfA und CDL (Christdemokraten für das Leben) gemeinsam organisiert wird und die für einen Ausstieg aus der staatlichen Finanzierung der Abtreibung eintritt. Viele Passanten unterschrieben den Appell, andere nahmen den Aufruf mit, um ihn zuhause genauer zu lesen oder um ihn weiter zu verbreiten.baby

Als störend erwies sich zum einen eine Baustelle neben dem Infostand in Rathausnähe und zum anderen Lieferwagen für den Markt auf dem Borneplatz  –  und erst recht eine Festaktion direkt neben der ALfA-Gruppe. Dabei wurde mit lautstarkem Gescheppere der 30. Geburtstag eines Junggesellen gefeiert. Dadurch wurden intensive Gespräche mit Passanten erheblich erschwert.

Die Lebensrechtler versuchten, aus dieser unbefriedigenden Situation das Beste zu machen. Cordula Mohr ging auf die feuchtfröhliche Runde zu, erzählte von ihrem Anliegen und verteilte an etliche Männer dort einen Aufkleber, in dem es heißt: “Steh zu deinem Kind.” – Ein jüngerer Familienvater aus der Festgruppe klebte ihn sogleich auf seine Jacke. Andere Männer, denen er den Aufkleber überreichte, taten es ihm gleich. Zudem gab es auch hier einige Unterschriften für den Appell gegen die staatliche Abtreibungsfinanzierung.
iStock_000014086034XSmall
Die Geburtstagsrunde zeige sich dann bereit, etwas mehr Abstand zur ALfA-Gruppe einzuhalten, damit die Lebensrechtler sich besser mit den interessierten Fußgängern unterhalten konnten. Das Themenspektrum war sehr breit, es reichte von Abtreibung über Sterbebegleitung bis zur Behindertenpolitik in unserem Land. Dabei wurde deutlich, daß Schwangere nicht selten in Kliniken tendenziell zur Abtreibung gedrängt werden, wenn sie ein behindertes Baby erwarten. Es gab hierüber auch Gespräche mit Betroffenen.

Ein Pädagoge, der an einer Einrichtung für geistig behinderte Kinder im Münsterland unterrichtet, bedauerte es sehr, daß in den letzten Jahren auffallend weniger Down-Syndrom-Kinder in seiner Schule zu sehen seien. Diese Kinder werden heutzutage fast alle vor ihrer Geburt “ausgemerzt”, wie er deutlich zu verstehen gab.

Dabei seien es gerade diese Kinder, so berichtete er aus seiner praktischen Erfahrung, die mit ihrer Lebensfreude und Spontanität eine fröhliche, unbeschwerte Stimmung verbreiten und andere  – sowohl Lehrer wie Mitschüler  –  damit anstecken.

Es sei für ihn schmerzlich, daß diese Kinder, die für eine Behinderteneinrichtung eine solch positive Hilfe darstellen, nun immer stärker ausbleiben würden. Diese und viele andere Gespräche waren sehr eindrucksvoll und bewegend, so daß die Lebensrechtler ihren Infostand bis 14,30 Uhr aufrechterhalten haben.


Niederlande: Die Euthanasie gerät außer Rand und Band

In den Niederlanden gerät die aktive Sterbehilfe außer Kontrolle. Im vorigen Jahr haben Ärzte 4829 Fälle gemeldet; das waren 15 Prozent mehr als 2012.

Demenz wurde in 97 Fällen als Grund angegeben, das waren etwa doppelt so viele wie im Vorjahr. Diese Patienten befanden sich in der Regel in einem frühen Stadium der Erkrankung, als sie noch einwilligungsfähig waren. vaccine_2_360_250_s_c1

Die Zahl der psychisch Kranken, die durch eine Injektion auf eigenen Wunsch getötet wurden, verdreifachte sich auf 42. Das geht aus der jetzt veröffentlichten Jahresstatistik der Regionalen Prüfungskommission für Sterbehilfe hervor.

Die Hilfe zur Selbsttötung wurde meist von Hausärzten ausgeführt. Der Vorsitzende der niederländischen Regulierungsbehörde, Prof. Theo Boer, erwartet, dass die Zahl der Sterbehilfefälle in diesem Jahr die Marke 6000 erreicht oder überschreitet.

In Holland wurde die Euthanasie im Jahr 2001 unter strengen Auflagen legalisiert. Wie Boer jetzt sagte, haben er und einige Kollegen damals angenommen, dass die Kontrollmechanismen ausreichten. Doch sie hätten sich geirrt.

Die Legalisierung habe auf eine schiefe Bahn geführt, wie die ansteigenden Zahlen zeigten. Boer ist Ethikprofessor an der Protestantischen Universität von Groningen.

Nach Ansicht des Vorsitzenden der Christlichen Mediziner-Vereinigung in Großbritannien, Peter Saunders (London), ist es unmöglich, die ärztlich unterstützte Tötung auf Verlangen wirksam zu regulieren. Das Beispiel der Niederlande zeige, dass „Euthanasie außer Kontrolle gerate“, sagte er der Zeitung Daily Mail. In der Vereinigung sind rund 4000 Ärzte zusammengeschlossen.

Quelle: http://www.idea.de


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 271 Followern an