GEDICHT über das christliche Sterben

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Das ist ein gläubig Sterben
zu seinem Gott zu gehn,                                Duccio
der dunkeln Erd’ entfliehen
und zu der Heimat ziehen
in reine Sternenhöh’n!
 
Das ist ein gläubig Sterben,
ein Himmelsbürger sein,
beim Glanz der ew’gen Kronen
in seliger Ruhe wohnen,
befreit von Kampf und Pein.
 
Das ist ein gläubig Sterben,
der Gnadenstimme Ton
voll Majestät zu hören: 
“Komm, Kind, und schau mit Ehren
mein Antlitz auf dem Thron!”
 
Das ist ein gläubig Sterben,
dem Hirten nachzugehn.
ER führt sein Schaf zu Freuden,
ER wird dich ewig weiden,
wo Lebensbäume stehn.
 
Das ist ein gläubig Sterben,
mit Herrlichkeit gekrönt
zu Gottes Volk sich schwingen
und Jesu Sieg besingen,
der uns mit Gott versöhnt.
 
Nach Hedwig von Redern

 


Hymnus zum Fest der Geburt Marias

Du große Herrin, schönste Frau,
hoch über Sternen steht dein Thron.
Du trugst den Schöpfer, der dich schuf,   DSC_0045_k
und nährtest ihn an deiner Brust.

Was Eva einst verloren sah,
gibst du im Sohne reich zurück.
Der Himmel öffnet sich in dir;
zur Heimkehr steht der Weg uns frei.

Du Pforte für den Königssohn,
des neuen Lichtes helles Tor,
in dir grüßt jauchzend alle Welt
das Leben, das du ihr geschenkt.

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Preis,
Gott, den die Jungfrau uns gebar,
Lob auch dem Vater und dem Geist
durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.


Heimgang der Madonna in die Herrlichkeit

Auch Du mußt schreiten durch des Todes Tor,

doch schmerzlos trittst Du in des Lichtes Fülle.

Mit Deiner Seele reinen Körperhülle

trägt Dich der Engel Schar zu Gott empor.

.

Und Jubel füllt den weiten Himmelssaal.

Du bist daheim, daheim bei Deinem Sohne.

Nun schmückt ER Dich mit seiner schönsten Krone

zu aller Engel Königin zumal.

 

Erfüllt hat sich, was einst im Kämmerlein

zu Nazareth Dein gläubig Ohr vernommen:

Dein Sohn hat Vater Davids Thron bekommen,

und seines Reiches wird kein Ende sein.

Adolf Schön

 


WIEGENFEST: Alles Gute zum Hundertsten

Die erste Zehn vergeht mit Spielen,
die zweite strebt dann schon nach Zielen,
die dritte Zehn gilt meist der Planung,
die vierte sammelt an Erfahrung.

Die fünfte nennt sich “stolzes Alter“,
jedoch mit Sechster geht’s noch weiter;
auch sieben Zehner sind kein Zeichen,
könn’ viele sie doch noch erreichen.

Die achte Zehn wird dann schon schwierig,
doch wer ihr trotzt, der wird begierig,
will auch die neunte gern noch schaffen,
bevor die Glieder ganz erschlaffen.

Doch Wenige nur machens rund:
die zehnmal Zehn  –  und noch gesund!

Arne Gabriel

Quelle: “Rundblick” Nr. 106 (Cohaus-Vendt-Stift, Münster)


“Du bist wie eine Blume…”

Du bist wie eine Blume

so hold und schön und rein;

ich schau’ dich an, und Wehmut

schleicht mir ins Herz hinein.a (1)

Mir ist, als ob ich die Hände

aufs Haupt dir legen sollt’,

betend, dass Gott dich erhalte

so rein und schön und hold.

Heinrich Heine


Nun geht das Wandern an!

 
Vom Grund bis zu den Gipfeln,
soweit man sehen kann,                           iMA00397101
jetzt blühts in allen Wipfeln,
nun geht das Wandern an:
 
Die Quellen von den Klüften,
die Ström auf grünem Plan,
die Lerchen hoch in Lüften,
der Dichter frisch voran.
 
Und die im Tal verderben
in trüber Sorgen Haft,
er möcht sie alle werben
zu dieser Wanderschaft.
 
Und von den Bergen nieder
erschallt sein Lied ins Tal,
und die zerstreuten Brüder
faßt Heimweh allzumal.
 
Da wird die Welt so munter
und nimmt die Reiseschuh,
sein Liebchen mitten drunter,
sie nickt ihm heimlich zu.
 
Und über Felsenwände
und auf dem grünen Plan,
das wirrt und jauchzt ohn Ende -
nun geht das Wandern an!
 
Joseph Freiherr von Eichendorff

Foto: Bistum Regensburg


Goethe: “Bleibe nicht am Boden haften”

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Bleibe nicht am Boden haften!

Frisch gewagt und frisch hinaus!
Kopf und Arm mit heitern Kräften
überall sind sie zu Haus;
wo wir uns der Sonne freuen,
sind wir jede Sorge los,
daß wir uns in ihr zerstreuen,
darum ist die Welt so groß.

Johann Wolfgang v. Goethe

Gemälde: Helga Pelz-Wagner


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