Heimgang der Madonna in die Herrlichkeit

Auch Du mußt schreiten durch des Todes Tor,

doch schmerzlos trittst Du in des Lichtes Fülle.

Mit Deiner Seele reinen Körperhülle

trägt Dich der Engel Schar zu Gott empor.

.

Und Jubel füllt den weiten Himmelssaal.

Du bist daheim, daheim bei Deinem Sohne.

Nun schmückt ER Dich mit seiner schönsten Krone

zu aller Engel Königin zumal.

 

Erfüllt hat sich, was einst im Kämmerlein

zu Nazareth Dein gläubig Ohr vernommen:

Dein Sohn hat Vater Davids Thron bekommen,

und seines Reiches wird kein Ende sein.

Adolf Schön

 


WIEGENFEST: Alles Gute zum Hundertsten

Die erste Zehn vergeht mit Spielen,
die zweite strebt dann schon nach Zielen,
die dritte Zehn gilt meist der Planung,
die vierte sammelt an Erfahrung.

Die fünfte nennt sich “stolzes Alter“,
jedoch mit Sechster geht’s noch weiter;
auch sieben Zehner sind kein Zeichen,
könn’ viele sie doch noch erreichen.

Die achte Zehn wird dann schon schwierig,
doch wer ihr trotzt, der wird begierig,
will auch die neunte gern noch schaffen,
bevor die Glieder ganz erschlaffen.

Doch Wenige nur machens rund:
die zehnmal Zehn  –  und noch gesund!

Arne Gabriel

Quelle: “Rundblick” Nr. 106 (Cohaus-Vendt-Stift, Münster)


“Du bist wie eine Blume…”

Du bist wie eine Blume

so hold und schön und rein;

ich schau’ dich an, und Wehmut

schleicht mir ins Herz hinein.a (1)

Mir ist, als ob ich die Hände

aufs Haupt dir legen sollt’,

betend, dass Gott dich erhalte

so rein und schön und hold.

Heinrich Heine


Nun geht das Wandern an!

 
Vom Grund bis zu den Gipfeln,
soweit man sehen kann,                           iMA00397101
jetzt blühts in allen Wipfeln,
nun geht das Wandern an:
 
Die Quellen von den Klüften,
die Ström auf grünem Plan,
die Lerchen hoch in Lüften,
der Dichter frisch voran.
 
Und die im Tal verderben
in trüber Sorgen Haft,
er möcht sie alle werben
zu dieser Wanderschaft.
 
Und von den Bergen nieder
erschallt sein Lied ins Tal,
und die zerstreuten Brüder
faßt Heimweh allzumal.
 
Da wird die Welt so munter
und nimmt die Reiseschuh,
sein Liebchen mitten drunter,
sie nickt ihm heimlich zu.
 
Und über Felsenwände
und auf dem grünen Plan,
das wirrt und jauchzt ohn Ende -
nun geht das Wandern an!
 
Joseph Freiherr von Eichendorff

Foto: Bistum Regensburg


Goethe: “Bleibe nicht am Boden haften”

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Bleibe nicht am Boden haften!

Frisch gewagt und frisch hinaus!
Kopf und Arm mit heitern Kräften
überall sind sie zu Haus;
wo wir uns der Sonne freuen,
sind wir jede Sorge los,
daß wir uns in ihr zerstreuen,
darum ist die Welt so groß.

Johann Wolfgang v. Goethe

Gemälde: Helga Pelz-Wagner


Ich ging im Walde so vor mich hin…

Ich ging im Walde
so vor mich hin,
und nichts zu suchen,  Christrose-DSC_0305-2
das war mein Sinn.

Im Schatten sah ich
ein Blümlein stehn,
wie Sterne leuchtend,
wie Äuglein schön.

Ich wollt es brechen,
da sagt’ es fein:
Soll ich zum Welken
gebrochen sein?

Mit allen Wurzeln
grub ich es aus,
und trugs zum Garten
am hübschen Haus.

Und pflanzt es wieder
am stillen Ort;
nun zweigt und blüht es
mir immerfort.

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

 


“Zu Pfingsten sang die Nachtigall…”

DER NACHTIGALL PFINGSTGESANG

Zu Pfingsten sang die Nachtigall,
nachdem sie Tau getrunken;
die Rose hob beim hellen Schall
das Haupt, das ihr gesunken!

O kommt ihr alle, trinkt und speist,
ihr Frühlingsfestgenossen,
weil übers ird`sche Mal der Geist
des HERRN ist ausgegossen.

Die Himmelsjünger, groß und klein,
sind von der Kraft durchdrungen,
man hört sie reden insgemein
zu wunderbaren Zungen.

Und da ist kein Zung` am Baum.
kein Blatt ist da so kleines,
es redet auch mit drein im Traum,
als sei`s voll süßen Weines.

Oh, ihr Apostel gehet aus
und predigt allen Landen
mit Säuselluft und Sturmesbraus
von dem, der ist erstanden!

Legt aus sein Evangelium,
auf Frühlingsau`n geschrieben,
daß ER uns lieben will darum,
wenn wir einander lieben.

Wer liebend sich ans nächste hält
und will nur das gewinnen,
umfaßt darin die ganze Welt,
und Gott ist mitten drinnen!

Friedrich Rückert


Der MAI im Gedicht: die liebliche Zeit

 
Im Maien, im Maien, da ist es so schön,
Da blüht es im Tal und da grünt‘s auf den Höh‘n;             Neresheim-DSC_0129
Es singen die Vögel in jubelnder Lust,
Was lebet, das ist sich des Lebens bewußt.
 
Im Maien, im Maien, o liebliche Zeit!
Der Frühling hat alles mit Blüten beschneit,
Er bringet die Hoffnung in jegliches Herz,
Er mehret die Freuden und lindert den Schmerz.
 
Im Maien, im Maien, o freu‘ dich, mein Herz!
Und steig‘ wie die Lerchen auch himmelwärts,
Dank‘ Gott so wie sie auch mit Jubelgetön:
Im Maien, im Maien, da ist es so schön!
 
Hoffmann von Fallersleben (1798-1874)
 

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

 

 


Gebet junger Christen aus Afrika

HERR, ich werfe meine Freude
wie Vögel an den Himmel.
Die Nacht ist verflattert
und ich freue mich am Licht.
So ein Tag, HERR, so ein Tag!

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Deine Sonne hat den Tau weggebrannt
vom Gras und von unseren Herzen.
Was aus uns kommt und was in uns ist:
alles ist Dank.

HERR, ich bin fröhlich heute am Morgen.
Die Vögel und die Engel singen,
und ich jubiliere auch.
Das All und unsere Herzen
sind offen für deine Gnade.

Die Psalmen reden von deiner Liebe,
die Propheten verkündigen sie,
und wir erfahren sie.

HERR, ich werfe meine Freude
wie Vögel an den Himmel.
Ein neuer Tag, der glitzert und knistert,
knallt und jubiliert von deiner Liebe.
Halleluja, HERR!

 

 


Erstanden bist du, HERR, vom Grab!

 
O wahrhaft wertes Opferlamm,
durch das der Hölle Macht zerbrach!    1548
Den Kerker hast du aufgesprengt,
zu neuem Leben uns befreit.
 
Am Kreuze gabst du deinen Leib
für alle Welt zum Opfer dar,
und wer von deinem Blute trinkt,
erstarkt in dir und lebt für Gott.
 
Erstanden bist Du, HERR, vom Grab,
kehrst siegreich aus dem Tod zurück,
gefesselt ist der Fürst der Welt,
und offen steht das Paradies.
 
Nun bitten wir dich, HERR und Gott,
zur österlichen Freudenszeit:
Bewahre dein befreites Volk
vor aller Drangsal und Gefahr.

Altchristlicher Hymnus

 

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


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