Die Natur und der Mensch auf seiner Bahn

Die Blumen schwanden, auch die letzten,

die Mensch und Tier und Flur ergötzten

mit Blütenduft und Farbengold.

Doch alle keimten, wuchsen, blühten,

und ehe sie im Herbst verglühten,

erfüllten sie, was sie gesollt.

Dr. Pelz.

Laß meines Lebens Herbst erst kommen,

o HERR, wenn ich zu Nutz und Frommen

der Welt gewirkt auf meiner Bahn.

Ruf mich zu Dir an jenem Tage,

wo ich mit Zuversicht mir sage:

Was ich gesollt, hab ich getan!

Ludwig Kossarski

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Herbstgedicht von Theodor Storm

Oktoberlied

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
vergolden, ja vergolden!

Und geht es draußen noch so toll,
unchristlich oder christlich,
ist doch die Welt, die schöne Welt,
so gänzlich unverwüstlich!

Und wimmert auch einmal das Herz -
stoß an und laß es klingen!
Wir wissen’s doch, ein rechtes Herz
ist gar nicht umzubringen.

Der Nebel steigt, es fällt das Laub;
schenk ein den Wein, den holden!
Wir wollen uns den grauen Tag
vergolden, ja vergolden!

Wohl ist es Herbst; doch warte nur,
doch warte nur ein Weilchen!
Der Frühling kommt, der Himmel lacht,
es steht die Welt in Veilchen.

Die blauen Tage brechen an,
und ehe sie verfließen,
wir wollen sie, mein wackrer Freund,
genießen, ja genießen!

Theodor Storm


WIR dienen dem himmlischen KÖNIG

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GEDICHT über das christliche Sterben

.
Das ist ein gläubig Sterben
zu seinem Gott zu gehn,                                Duccio
der dunkeln Erd’ entfliehen
und zu der Heimat ziehen
in reine Sternenhöh’n!
 
Das ist ein gläubig Sterben,
ein Himmelsbürger sein,
beim Glanz der ew’gen Kronen
in seliger Ruhe wohnen,
befreit von Kampf und Pein.
 
Das ist ein gläubig Sterben,
der Gnadenstimme Ton
voll Majestät zu hören: 
“Komm, Kind, und schau mit Ehren
mein Antlitz auf dem Thron!”
 
Das ist ein gläubig Sterben,
dem Hirten nachzugehn.
ER führt sein Schaf zu Freuden,
ER wird dich ewig weiden,
wo Lebensbäume stehn.
 
Das ist ein gläubig Sterben,
mit Herrlichkeit gekrönt
zu Gottes Volk sich schwingen
und Jesu Sieg besingen,
der uns mit Gott versöhnt.
 
Nach Hedwig von Redern

 


Hymnus zum Fest der Geburt Marias

Du große Herrin, schönste Frau,
hoch über Sternen steht dein Thron.
Du trugst den Schöpfer, der dich schuf,   DSC_0045_k
und nährtest ihn an deiner Brust.

Was Eva einst verloren sah,
gibst du im Sohne reich zurück.
Der Himmel öffnet sich in dir;
zur Heimkehr steht der Weg uns frei.

Du Pforte für den Königssohn,
des neuen Lichtes helles Tor,
in dir grüßt jauchzend alle Welt
das Leben, das du ihr geschenkt.

Herr Jesus, dir sei Ruhm und Preis,
Gott, den die Jungfrau uns gebar,
Lob auch dem Vater und dem Geist
durch alle Zeit und Ewigkeit. Amen.


Heimgang der Madonna in die Herrlichkeit

Auch Du mußt schreiten durch des Todes Tor,

doch schmerzlos trittst Du in des Lichtes Fülle.

Mit Deiner Seele reinen Körperhülle

trägt Dich der Engel Schar zu Gott empor.

.

Und Jubel füllt den weiten Himmelssaal.

Du bist daheim, daheim bei Deinem Sohne.

Nun schmückt ER Dich mit seiner schönsten Krone

zu aller Engel Königin zumal.

 

Erfüllt hat sich, was einst im Kämmerlein

zu Nazareth Dein gläubig Ohr vernommen:

Dein Sohn hat Vater Davids Thron bekommen,

und seines Reiches wird kein Ende sein.

Adolf Schön

 


WIEGENFEST: Alles Gute zum Hundertsten

Die erste Zehn vergeht mit Spielen,
die zweite strebt dann schon nach Zielen,
die dritte Zehn gilt meist der Planung,
die vierte sammelt an Erfahrung.

Die fünfte nennt sich “stolzes Alter“,
jedoch mit Sechster geht’s noch weiter;
auch sieben Zehner sind kein Zeichen,
könn’ viele sie doch noch erreichen.

Die achte Zehn wird dann schon schwierig,
doch wer ihr trotzt, der wird begierig,
will auch die neunte gern noch schaffen,
bevor die Glieder ganz erschlaffen.

Doch Wenige nur machens rund:
die zehnmal Zehn  –  und noch gesund!

Arne Gabriel

Quelle: “Rundblick” Nr. 106 (Cohaus-Vendt-Stift, Münster)


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