Krippe und Kreuz: “Bethlehem und Golgatha” von Friedrich Rückert

ER ist in Bethlehem geboren,
der uns das Leben hat gebracht,             Schneeflocke-DSC_0409-3
und Golgatha hat ER erkoren,
durchs Kreuz zu brechen Todes Macht.

Ich fuhr vom abendlichen Strande
hinaus, hin durch die Morgenlande;
und Größeres ich nirgends sah
als Bethlehem und Golgatha.

Wie sind die sieben Wunderwerke
der alten Welt dahingerafft,
wie ist der Trotz der ird’schen Stärke
erlegen vor der Himmelskraft!

Ich sah sie, wo ich mochte wallen,
in ihre Trümmer hingefallen,
und steh’n in stiller Gloria
nur Bethlehem und Golgatha.

O Herz, was hilft es, dass du kniest
an seiner Wieg’ im fremden Land!
Was hilft es, dass du staunend siehst
das Grab, aus dem ER längst erstand!

Dass ER in dir geboren werde
und dass du sterbest dieser Erde
und lebest ihm, nur dieses JA
ist Bethlehem und Golgatha.

Friedrich Rückert (1788 – 1866)

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


“Weihnacht” von Emanuel Geibel

WEIHNACHT
Wie bewegt mich wundersam
Euer Hall, ihr Weihnachtsglocken,
Die ihr kündet mit Frohlocken,
Dass zur Welt die Gnade kam.
Weihnacht 2013.001
Überm Hause schien der Stern,
Und in Lilien stand die Krippe,
Wo der Engel reine Lippe
Hosianna sang dem Herrn.

Herz, und was geschah vordem,
Dir zum Heil erneut sich’s heute:
Dies gedämpfte Festgeläute
Ruft auch dich nach Bethlehem.

Mit den Hirten darfst du ziehn,
Mit den Königen aus Osten,
Und in ihrer Schar getrosten
Muts vor deinem Heiland knien.

Hast du Gold nicht und Rubin,
Weihrauch nicht und Myrrhenblüte:
Schütt’ aus innerstem Gemüte
Deine Sehnsucht vor ihm hin!

Sieh, die Händchen zart und lind
Streckt er aus, zum Born der Gnaden,
Die da Kinder sind, zu laden:
Komm! Und sei auch du ein Kind!


Wunderweiche Winternacht…

Dämmerstille Nebelfelder,
Schneedurchglänzte Einsamkeit,
Und ein wunderbarer weicher
Weihnachtsfriede weit und breit.

Nur mitunter, windverloren,
Zieht ein Rauschen durch die Welt.
Und ein leises Glockenklingen
Wandert übers stille Feld.

Und dich grüßen alle Wunder,
Die am lauten Tag geruht,
Und dein Herz singt Kinderlieder,
Und dein Sinn wird fromm und gut.

Und dein Blick ist voller Leuchten,
Längst Entschlaf´nes ist erwacht…
Und so gehst du durch die stille
Wunderweiche Winternacht.

Wilhelm Lobsien (1872 – 1947)


ADVENTSgedicht von Theodor Fontane

Noch ist Herbst nicht ganz entflohn,
Aber als Knecht Ruprecht schon
Kommt der Winter hergeschritten,
Und alsbald aus Schnees Mitten
Klingt des Schlittenglöckleins Ton.

Und was jüngst noch, fern und nah,
Bunt auf uns herniedersah,
Weiß sind Türme, Dächer, Zweige,
Und das Jahr geht auf die Neige,
Und das schönste Fest ist da.

Tag du der Geburt des HERRN,
Heute bist du uns noch fern,
Aber Tannen, Engel, Fahnen
Lassen uns den Tag schon ahnen,
Und wir sehen schon den Stern.


Weihnachten im Medienzeitalter

Sie wollen die Frohe Botschaft

-  saisongemäß  -                                             Akelei-DSC_0789-3-2

in Anspruch nehmen.

Obwohl ihnen

der Gottes- und Mariensohn

das ganze Jahr über

ein geläufiges Spott-Thema ist.

 

Der Frechheit ihrer Gottlosigkeit

setzen sie

- alle Jahre wieder -

die Kling-Glöckchen-Krone auf.

 

In den Hohen Domen der Christenheit:

Das Evangelium des Zweifels,

mit dem Zuckerguß

globaler Mitmenschlichkeit.

So mutiert das Gewissen

zum gemütlichen Hort

der GutMenschen.

 

Abgesegnet

-  von der UNO -

singt die Menschheit sich

vor den Mattscheiben

in den Seelenschlaf

der Scheintoten.   

Christel Koppehele

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Die STILLE NACHT: künstlerisch wertvoll und zugleich das Weihnachtslied einfacher Menschen

Von Lucia Tentrop

Warum haben  kluge Leute in unserem Land nicht selten eine Abneigung gegen das beliebteste Weihnachtslied  der  Welt?

Das Lied „Stille Nacht“, das in über 300 Sprachen aus dem Deutschen übersetzt und  sogar international als immaterielles Kulturerbe anerkannt worden ist, wird auch von manchen Gottesdienst-Besuchern  als Zugeständnis empfunden, für das man sich fast schon entschuldigt. afc127c26a

Warum?  Was ist daran nicht gut genug  oder sogar „kitschig“?   -  Handelt es sich bei dieser Abwehrhaltung  nur um eine deutsche Selbstablehnung des Volkstümlichen, des Volkslieds bzw. des eigenen Gemüts?

Oder fühlt man sich  als intelligenter Mensch über Gefühls-Seligkeit erhaben? Warum hat man es nötig,  über etwas,  was nicht  auf wissenschaftlichen Stelzen geht,  die Nase zu rümpfen?

Als geborene Sängerin hat mich dieses  Lied seit meiner frühesten Kindheit berührt und durch mein Leben begleitet. In unserer Familie wurde es alljährlich unter dem Weihnachtsbaum gesungen.

Für mich ist das Lied ein Wurf.  Und der musikalische Leiter der Bayerischen Staatsoper, Professor Meinhard von Zallinger-Thurn, mit dem ich noch Jahre nach meiner Opernzeit in Verbindung blieb, schrieb mir zu dem Lied sogar: „Nicht mal Mozart hätte sich dazu eine bessere Melodie einfallen lassen können!“ 

Bild: Evita Gründler

Bild: Evita Gründler

Allerdings wies er mich darauf hin, dass  das Lied ursprünglich im 6/8-Takt steht und die Wiederholung des letzten Verses jeder Strophe eine zusätzlich auflockernde Verzierung enthält. Im  Unterschied zu unserer meist getragenen Singweise ist das Lied „Stille Nacht“ also eigentlich ein heiter beschwingtes Weihnachtslied, wie es für die Volksmusik  des  süddeutschen bzw. österreichischen Raumes, vielleicht  aber auch für Joseph Haydn,  typisch ist.

Diesem  anrührenden und zugleich beschwingten Duktus fehlt  die zusätzliche melodische „Träne“ der langsameren hochdeutschen Singweise, die einerseits als besonders schön empfunden, andererseits aber auch sentimental werden kann  –  zumal in einer Zeit, in der es sich gehört,  „cool“ zu sein und Gefühle der Innerlichkeit bereits vor dem Entstehen zu unterdrücken.

Ob unsere Gemüts-Prüderie  auf die Dauer gesund ist? Für die Kunst jedenfalls nicht. Denn immerhin  ist  das eigentlich Musische, der Melos, zunächst und vor allem eine emotionale Ausströmung.  Die Orgien der Musen  sind die sinnliche  Basis gesanglicher  Äußerung  –  und werden  erst durch das Hinzutreten der apollinischen Gestaltungskraft  bis in höchste Ebenen hinauf zur Kunst,  nicht nur in der Musik.

Was  wäre unsere Kunst ohne  ihre emotionale Substanz?  Welche seelische Wirkung  haben theologisch perfekte Liedtexte,  wenn sie nicht über  Poesie und Melodie zu Herzen gehen? Welchen Wert haben so manche von jeglicher Innigkeit  sterilisierte künstlerische Produktionen der Gegenwart  für uns Menschen   –  abgesehen von Ihrem Diskussions- und Marktwert?

Für mein Empfinden erfüllt das Lied „Stille Nacht“ die Kriterien für Kunst im Sinne unserer kulturellen Tradition:  Ein normalerweise unaussprechlicher seelischer Zustand der Rührung und des tiefsten Vertrauens wird  in eine bildhafte Poesie gefasst  und in eine klare musikalische Form gebracht, um den  Menschen sinnlich erfahrbar über Bild, Sprache und Melodie aus seiner alltäglichen Realität heraus zu gesteigertem Erleben seiner Innerlichkeit zu führen  und in eine höhere Welt des Friedens und der Liebe zu erheben.

Eigentlich eine heilsame Sache  -  was kann man nur dagegen haben?

Lucia Tentrop, Wundtstraße 40-44 in 14057 Berlin 

HIER unser Beitrag über die ENTSTEHUNG dieses Liedes: http://charismatismus.wordpress.com/2011/12/19/ein-lied-geht-um-die-welt/


Unser neues ADVENTs-Plakat

ECCLESIA-Poster des KOMM-MIT-Verlags in Münster:

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Lobpreis Mariens im ostkirchlichen Akathistos-Hymnus aus dem christlichen Altertum

Zur byzantinischen Liturgie gehört der klassische Akathistos-Hymnus, entstanden in der ausgehenden Antike (7.Jahrhundert)  -  es ist dies ein feierlicher Lobpreis auf die jungfräuliche Mutter, der von biblischen Ereignissen ausgeht und dann jeweils einen Hymnus auf die Madonna anstimmt:

Die den Stern deuten, sahen in den Händen der Jungfrau DEN, der mit seiner Hand die Menschen gebildet. Eingedenk dessen, daß ER in Knechtsgestalt jedoch ihr Gebieter sei, trachteten sie, mit ihren ehrenden Gaben IHM zu dienen und der Gesegneten zu huldigen:

Sei gegrüßt, Mutter des allerheiligsten Sternes;media-374638-2
sei gegrüßt, Morgenglanz des mystischen Lebens.
Sei gegrüßt, den glühenden Irrtum löschest du aus;
sei gegrüßt, allen der Dreifaltigkeit Geweihten zeigst du ihre Majestät.
Sei gegrüßt, Gewalt verwirfst du und Unmenschlichkeit;
sei gegrüßt, in Christus schauen wir den Menschenfreund als HERRN.
Sei gegrüßt, du befreist uns von heidnischem Götzendienst;
sei gegrüßt, du bewahrst uns vor der Ausgeburt der Zwietracht.
Sei gegrüßt, du setzest der Anbetung des Feuers ein Ende;
sei gegrüßt, du befreist die von Begierden Besessenen.
Sei gegrüßt, den Gläubigen weisest du den Weg zur Weisheit;
sei gegrüßt, alle Wesen erfüllst du mit Seligkeit.
Sei gegrüßt, du jungfräuliche Mutter!

Als Simeon bestimmt war, vor der Schwelle zwischen Zeit und Ewigkeit zu stehen, da wurdest du, o HERR, als Kind ihm dargereicht. Er aber schaute zudem den vollkommenen Gott in dir. Außer sich vor Staunen über dein unvorstellbares Dasein rief er aus: Halleluja, Halleluja, Halleluja!

Ganz war ER eins mit uns bis in den Tod und war seiner Gottheit doch gar nie entkleidet. Nicht dass ER etwa von einem Ort hin zu einem andern ging; sondern hernieder kam das unumschränkte Wort in der Niederkunft der Jungfrau. Uns neigt sie sich zu:

Sei gegrüßt, Raum Gottes, den der Raum nicht zu fassen vermag;
sei gegrüßt, Zugang zum unverfügbaren Geheimnis.
Sei gegrüßt, den Ungläubigen ein widersprüchliches Gerücht;
sei gegrüßt, den Gläubigen ein unwidersprochenes Rühmen.
Sei gegrüßt, du auserwähltes Gefährt dessen über den Cherubim;
sei gegrüßt, du erlesenes Gefäß dessen über den Seraphim.
Sei gegrüßt, Unversöhnliches hast du versöhnt;
sei gegrüßt, jungfräulich hast du geboren.
Sei gegrüßt, vergänglich geworden ist durch dich unser Vergehen;
sei gegrüßt, das Paradies hast du wieder zugänglich gemacht.
Sei gegrüßt, du bist der Schlüssel zu Christi Königreich;
sei gegrüßt, du nährst die Hoffnung auf die ewige Güte.
Sei gegrüßt, du jungfräuliche Mutter!

Durch und durch erschauerten die Engel vor dem gewaltigen Geschehen deiner Menschwerdung; sie nämlich schauten den Unzugänglichen vordem als Gott, nun aber als Menschen zugänglich allen, wie ER mitten unter uns wohnt und von uns allen hört: Halleluja, Halleluja, Halleluja!


Pater Alfred Delps dichterische Betrachtungen: Glaubenskraft mit gefesselten Händen

Der von den Nationalsozialisten hingerichtete Jesuitenpater Alfred Delp schrieb in der Haft  -  oftmals mit gefesselten Händen   -  seine tiefsinnigen und gehaltvollen Betrachtungen über die Fundamente des Christenlebens und der gläubigen Hoffnung, die uns trägt auch in schwerer Zeit.  BILD0191

Der Geistliche hat diese Haltung selbst glaubensstark vorgelebt. Im Gefängnis schrieb er 1944 folgenden Text von dichterischer Dichte über christliche “Adventsgestalten” damals und heute.

Möge der gottvertrauende Geist dieses Beitrags uns in das bald beginnende Neue Jahr geleiten, damit es eine segensreiche Zeit mit Christus sein kann:

Noch erfüllt der Lärm der Verwüstung und Vernichtung,
das Geschrei der Selbstsicherheit und Anmaßung,
das Weinen der Verzweiflung und Ohnmacht den Raum.
 
Aber ringsherum am Horizont
stehen schweigend die ewigen Dinge
mit ihrer uralten Sehnsucht.
Über ihnen liegt bereits das erste milde Licht
der kommenden strahlenden Fülle.
 
Von dorther erklingen erste Klänge
wie von Schalmeien und singenden Knaben.
Sie fügen sich noch nicht zu Lied und Melodie;
es ist alles noch zu fern -  und erst verkündet und angesagt.
Aber es geschieht. Dies ist heute.
 
Und morgen werden die Engel laut jubelnd erzählen,
was geschehen ist
und wir werden es wissen und werden selig sein,
wenn wir im Advent geglaubt und getraut haben.   
 

Gottes Sohn ist Mensch geworden und hat unter uns gewohnt

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PROLOG des Johannes-Evangeliums 1,1-18:

Im Anfang war das Wort
und das Wort war bei Gott
und das Wort war Gott.
Im Anfang war es bei Gott.
Alles ist durch das Wort geworden,
und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.
 
In ihm war das Leben  - 
und das Leben war das Licht der Menschen.
Und das Licht leuchtet in der Finsternis,
und die Finsternis hat es nicht erfaßt.
 
Es trat ein Mensch auf, der von Gott gesandt war;
sein Name war Johannes.
Er kam als Zeuge, um Zeugnis abzulegen für das Licht,
damit alle durch ihn zum Glauben kommen.
Er war nicht selbst das Licht, er sollte nur Zeugnis ablegen für das Licht.
 
Das wahre Licht, das jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt.
Er war in der Welt, und die Welt ist durch ihn geworden,
aber die Welt erkannte ihn nicht.
Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf.
 
Allen aber, die ihn aufnahmen, gab er Macht,
Kinder Gottes zu werden,
allen, die an seinen Namen glauben,
die nicht aus dem Blut, nicht aus dem Willen des Fleisches,
nicht aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren sind.
 
Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt,
und wir haben seine Herrlichkeit gesehen,
die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater,
voll Gnade und Wahrheit.
 
Johannes legte Zeugnis für ihn ab und rief:
Dieser war es, über den ich gesagt habe:
Er, der nach mir kommt, ist mir voraus, weil er vor mir war.
Aus seiner Fülle haben wir alle empfangen, Gnade über Gnade.
Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben,
die Gnade und die Wahrheit kamen durch Jesus Christus.
 
Niemand hat Gott je gesehen.
Der Eingeborene, der Gott ist und am Herzen des Vaters ruht,
er hat Kunde gebracht.

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