Erstanden bist du, HERR, vom Grab!

 
O wahrhaft wertes Opferlamm,
durch das der Hölle Macht zerbrach!    1548
Den Kerker hast du aufgesprengt,
zu neuem Leben uns befreit.
 
Am Kreuze gabst du deinen Leib
für alle Welt zum Opfer dar,
und wer von deinem Blute trinkt,
erstarkt in dir und lebt für Gott.
 
Erstanden bist Du, HERR, vom Grab,
kehrst siegreich aus dem Tod zurück,
gefesselt ist der Fürst der Welt,
und offen steht das Paradies.
 
Nun bitten wir dich, HERR und Gott,
zur österlichen Freudenszeit:
Bewahre dein befreites Volk
vor aller Drangsal und Gefahr.

Altchristlicher Hymnus

 

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Jesus lebt! Christ ist erstanden!

Ostermorgen

Als das Glühn des Morgenrotes
sacht am Himmel aufgezogen,
und die Nachtschatten des Todes
wie im Frühlingswind verflogen,

Frauen ihre Schritte lenkten,
in den Töpfen Spezereien,
zu der Gruft hin des Gehenkten,
den zerschundnen Leib zu weihen.

„Wer wird von des Grabes Felsen“,
die verweinten Augen fragen,
„uns den Stein herunterwälzen“?
Langsam gehn sie voller Zagen.

Doch der Eingang ist schon offen,
abgetan der Stein, der schwere.
Und die Frauen, tief betroffen,
starren in des Grabes Leere.

Nur die Tücher, die ihn deckten,
liegen da, gelegt in Falten.
Plötzlich schauen die Erschreckten
in der Höhle zwei Gestalten,

lichtumstrahlte Osterboten,
Gottes Engel, die sie mahnten:
„Was sucht ihr Den bei den Toten,
der wahrhaftig auferstanden?!

Gehet! Eilet und verkündet
seinen Brüdern das Geschehen!
Jesus Christus überwindet
Tod und höllisches Vergehen!“

Fast wollt´ da ihr Herz zerspringen.
Zitternd bebten Knie und Hände,
Leid und Trauer, sie vergingen
in der ungeheuren Wende.

Ostermorgen! Gottes Handeln,
Einbruch himmlischer Gewalten,
will von Grund auf uns verwandeln
und die Erde neu gestalten!

Wer will da am Grab verweilen
unsrer selbstsüchtigen Sünden?
Laßt uns mit den Frauen eilen,
Osterjubel zu verkünden!

Jesus lebt! Christ ist erstanden!
Hört die Lobgesänge klingen,
wie sie heute allen Landen
Gottes Osterbotschaft bringen.

Siegfried Ernst

Aus dem Bild-und Gedichtband:
“Die Botschaft des Ulmer Münsters an unsere Zeit:
Sprechende Steine, Lebendiges Glas, Vermächtnis aus Holz“


Im Licht erstrahlt das Morgenrot

Oster-Hymnus aus dem 9. Jahrhundert:

Im Licht erstrahlt das Morgenrot,
der ganze Himmel tönt von Lob,
in Jubel jauchzt die Erde auf
und klagend stöhnt die Unterwelt.

Der starke, königliche Held
zerbrach des Todes schweren Bann.
Sein Fuß zertrat der Hölle Macht:
Aus harter Fron sind wir befreit.

ER, den der Stein verschlossen hielt
und den man noch im Grab bewacht,
ER steigt als Sieger aus dem Grab,
fährt auf in strahlendem Triumph.

Schon werden alle Klagen stumm,
in Freude wandelt sich der Schmerz,
denn auferstanden ist der HERR;
ein lichter Engel tut es kund.

Dem HERRN sei Preis und Herrlichkeit,
der aus dem Grabe auferstand,
dem Vater und dem Geist zugleich
durch alle Zeit und Ewigkeit.


Max von Schenkendorfs Osterjubel

1523 - Kopie


Goethes “Osterspaziergang”: Vom Eise befreit sind Strom und Bäche…

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,

Im Tale grünet Hoffnungsglück;

Der alte Winter, in seiner Schwäche,

Zog sich in rauhe Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur

Ohnmächtige Schauer körnigen Eises

In Streifen über die grünende Flur.

Aber die Sonne duldet kein Weißes,

Überall regt sich Bildung und Streben,

Alles will sie mit Farben beleben;

Doch an Blumen fehlts im Revier,

Sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen

Nach der Stadt zurück zu sehen!

Aus dem hohlen finstern Tor

Dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,

Denn sie sind selber auferstanden:

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,

Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,

Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,

Aus der Straßen quetschender Enge,

Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht

Sind sie alle ans Licht gebracht.

Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge

Durch die Gärten und Felder zerschlägt,

Wie der Fluß in Breit und Länge

So manchen lustigen Nachen bewegt,

Und, bis zum Sinken überladen,

Entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges fernen Pfaden

Blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,

Hier ist des Volkes wahrer Himmel,

Zufrieden jauchzet groß und klein:

Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!

Johann Wolfgang von Goethe (in “Faust” I)

Hier folgt eine moderne PARODIE auf dieses klassische Gedicht:

VOM EISE BEFREIT SIND CHROM UND BLECHE: http://blog.zeit.de/zeit-der-leser/2012/04/12/osterspaziergang-2012-nach-johann-wolfgang-von-goethe-faust-i/


Friedrich Klopstocks Ostergedicht: “Preis dem Todesüberwinder!”

Preis dem Todesüberwinder!

Sieh, ER starb auf Golgatha!

Preis dem Retter aller Sünder!

Was ER uns verhieß, geschah.

Laßt des Dankes Harfe klingen,

bis das Herz vor Freude bebt!

Laßt uns mächtig singen jenem,

der da starb und ewig lebt.

2. Überwunden, überwunden

hat der HERR der Herrlichkeit.

Sieh, ER schlummerte nur Stunden

in des Grabes Dunkelheit!

Singt dem HERRN,

singt Ihm mit Psalmen! 

Jesus Christus hat gesiegt!

Streut dem Überwinder Palmen,

die ihr bang und weinend schwiegt!

3. Ich will gerne hier noch wallen,

HERR, solange Du es willst.

Knieend will ich niederfallen,

flehn, bis Du Dich mir enthüllst.

Jetzt, da ich an Dich nur glaube,

seh ich dunkel und von fern,

ich, ein Wandrer noch im Staube,

Dich, die Herrlichkeit des HERRN.

4. Die Gemeinschaft Deiner Leiden

sei an mir hier stets zu sehn.

Schenke mir die Kraft beizeiten,

HERR, von Deinem Auferstehn,

dass ich mich schon hier recht willig

in der Sünde Tötung schick,

bis bei Dir mir einst auch völlig

wird zuteil mein ewges Glück!

 Friedrich Gottlieb Klopstock (1724 – 1803)


Christian F. Gellerts Osterjubel: “JESUS lebt – mit ihm auch ich!”

JESUS lebt, mit ihm auch ich;
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Jesus lebt und wird auch mich
Von den Toten auferwecken.
ER verklärt mich in sein Licht:
Dies ist meine Zuversicht.
 
2. JESUS lebt! Ihm ist das Reich
Über alle Welt gegeben.
Mit ihm werd’ ich auch zugleich
Ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was ER verspricht:
Dies ist meine Zuversicht.
 
3. JESUS lebt! Wer nun verzagt,
Lästert Ihn und Gottes Ehre.
Gnade hat ER zugesagt,
Daß der Sünder sich bekehre.
So verstößt ihn Christus nicht;
Dies ist meine Zuversicht.
4. JESUS lebt. Sein Heil ist mein:
Sein sei auch mein ganzes Leben;
Reines Herzens will ich sein
Und der Sünde widerstreben.
ER verläßt den Schwachen nicht:
Dies ist meine Zuversicht.
 
5. JESUS lebt. Ich bin gewiß:
Nichts soll mich von Jesus scheiden,
Keine Macht der Finsternis,
Keine Herrlichkeit, kein Leiden.
ER gibt Kraft zu jeder Pflicht:
Dies ist meine Zuversicht.
 
6. JESUS lebt. Nun ist der Tod
Mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in jeder Not
Wird ER meiner Seele geben,
Wenn sie gläubig zu ihm spricht:
HERR, Du meine Zuversicht.

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