“Zu Pfingsten sang die Nachtigall…”

DER NACHTIGALL PFINGSTGESANG

Zu Pfingsten sang die Nachtigall,
nachdem sie Tau getrunken;
die Rose hob beim hellen Schall
das Haupt, das ihr gesunken!

O kommt ihr alle, trinkt und speist,
ihr Frühlingsfestgenossen,
weil übers ird`sche Mal der Geist
des HERRN ist ausgegossen.

Die Himmelsjünger, groß und klein,
sind von der Kraft durchdrungen,
man hört sie reden insgemein
zu wunderbaren Zungen.

Und da ist kein Zung` am Baum.
kein Blatt ist da so kleines,
es redet auch mit drein im Traum,
als sei`s voll süßen Weines.

Oh, ihr Apostel gehet aus
und predigt allen Landen
mit Säuselluft und Sturmesbraus
von dem, der ist erstanden!

Legt aus sein Evangelium,
auf Frühlingsau`n geschrieben,
daß ER uns lieben will darum,
wenn wir einander lieben.

Wer liebend sich ans nächste hält
und will nur das gewinnen,
umfaßt darin die ganze Welt,
und Gott ist mitten drinnen!

Friedrich Rückert


Altes Gedicht über die Gaben des Hl. Geistes

 
Taube Gottes, schwebe nieder,  afc127c26a
Rühr mit heiligem Gefieder
Unser Auge, unser Ohr,
Zieh das Herz zu Gott empor.
 
Gieß aus ewig-klarer Quelle
Siebenfache Geisteshelle,
Daß des Glaubens Wissenschaft
Unseren Kampf zum Siege macht.
 
Öffne unsere dunklen Sinne, PAX
Daß die schwarze Nacht zerrinne,
Die mit Schleiern sie bedeckt
Und des Zweifels Geister weckt.
 
Laß es dämmern, laß es tagen,
Laß des Glaubens Flammen schlagen,
Bis in’s hohe Firmament,
Wo der Wahrheit Sonne brennt. thumb_gemeinde
 
Wenn der Kampf der Welt zu Ende,
Führ’ uns in des Vaters Hände,
Mach’ uns gleich der heil’gen Schaar,
Die vor Gott keimt immerdar.

Wilhelm Herchenbach am 3. Juli 1852


Mai-Lied: “Da wehet Gottes Atem!”

In dem bekannten Wanderlied „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus” heißt es in der letzten Strophe (und das paßt wunderbar zu Pfingsten):

O Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Atem so frisch in unsere Brust;
da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt:
Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

 

 

 


Hl. Edith Stein: Lobgebet zum Heiligen Geist

 DES GEISTES FÜLLE

Bist Du der Strahl,
der von des ew’gen Richters Thron herniederzuckt
Und einbricht in die Nacht der Seele,
Die nie sich selbst erkannt?
Barmherzig-unerbittlich dringt er in verborg’ne Falten.
Erschreckt vom Anblick ihrer selbst,
Gewährt sie Raum heiliger Furcht,
Dem Anfang jener Weisheit,
Die aus der Höhe kommt und in der Höhe uns fest verankert,
Deinem Wirken, das neu uns schafft:
Heiliger Geist  –  alldurchdringender Strahl.

Bist Du des Geistes Fülle und der Kraft,
Womit das Lamm die Siegel löst
Von Gottes ew’gem Ratschluss?
Von Dir getrieben reiten des Gerichtes Boten durch die Welt
Und scheiden mit scharfem Schwert
Das Reich des Lichtes von dem Reich der Nacht.
Dann wird der Himmel neu und neu die Erde,
Und alles kommt an seinen rechten Ort
Durch Deinen Hauch:
Heiliger Geist  –  siegende Kraft.

Edith Stein


Komm, o heiliger Geist, hernieder

Pfingstlied nach der  Melodie “Freu Dich sehr, Du meine Seele”

1. Komm, o heiliger Geist, hernieder,
komm, der Pfingsten Tag ist heut´,
leucht mit heilgen Flammen wieder,
schenke Frieden, Kraft und Freud!
Und gleichwie in Flur und Wald
neuen Lebens Jubel schallt,
also werd´ mit neuen Zungen
frohes Lied dem Herrn gesungen!

2. Komm und walle durch die Herzen,
die gar finster, tot und kalt;
voll von Trotz und Furcht und Schmerzen,
ohne Trost und ohne Halt;
rausch hinein mit Gottesmacht,
die vertreibet alle Nacht.
Und laß leuchten deine Sonne
voller Klarheit, Trost und Wonne!

3. Komm, erfülle du die Hütten,
wandle sie zum Gotteshaus,
sammle stets zu Dank und Bitten
alle, die gehn ein und aus,
halt sie eins in Freud und Leid
und versöhn, was sich entzweit;
fördere auch das Werk der Hände,
und die Trübsal gnädig wende!

4. Komm und rausche durch die Lande,
zeig das Kreuz als höchsten Hort;
und daß starker Treue Bande
fest nun ruhn in Gottes Wort,
mache Fürst und Völker gleich,
treu zu bauen Gottes Reich
und in Krieg- und Friedenstagen
sein Panier voranzutragen!

5. Erleuchte du die ganze Erde
bis zum letzten Sünderzelt,
ruf hinein das neue “Werde”
in das bleiche Totenfeld!
Schaffe, daß doch balde wird
eine Herde und ein Hirt,
und dann unter Friedenspalmen
alle jauchzen Freudenpsalmen!

Wilhelm Kritzinger

 


Pfingstlied von Paul Gerhardt: Was alle Weisheit in der Welt…

Was alle Weisheit in der Welt,
bei uns hier kaum kann fassen,
das läßt Gott aus dem Himmelszelt
in alle Welt erschallen,
daß er alleine König sei,
hoch über alle Götter,
groß, mächtig, freundlich, stark und treu,
der Frommen Schutz und Retter.
Ein Wesen, drei Personen.

Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist
heißt sein hochheiliger Name;
so kennt, so nennt, so rühmt und preist
ihn der gerechte Name,
Gott Abrahams, Gott Isaaks,
Gott Jakobs, den er liebt,
Herr Zebaoth, der Nacht und Tag
uns alle Gaben gibt
und Wunder wirkt alleine.

Der Vater hat von Ewigkeit
den Sohn, sein Bild, erzeuget;
der Sohn hat in der Füll der Zeit
im Fleische sich gezeiget;
der Geist geht ohne Zeit hervor
vom Vater und vom Sohne,
mit beiden gleicher Ehr und Zier,
gleich ewig, gleicher Krone
und ungeteilter Stärke.

Auf daß wir also allzugleich
zur Himmelspforte dringen
und dermaleins in deinem Reich
ohn alles Ende singen,
daß du alleine König seist,
hoch über alle Götter,
Gott Vater, Sohn und heilger Geist,
der Frommen Schutz und Retter.
Ein Wesen, drei Personen.

Paul Gerhardt

 


Komm zu mir mit Kraft und Stärke!

Pfingst-Bitte

Sehnend blicke ich nach oben, dürstend wie ein dürres Land;

halte segnend aufgehoben, Vater, deine treue Hand!

 Kehre wieder, Geist der Pfingsten, senk dich wieder erdenwärts;

der du kommst zu den Geringsten, komm auch in mein müdes Herz!

 Komm zu mir, mein treuer Leiter! Zagend, bangend steh ich hier.

Mit dir geh ich stille weiter, folgend Jesu Kreuzpanier.

 Komm zu mir, du scharfer Prüfer, füll mein Herz mit deinem Licht!

Leuchte heller, strahle tiefer, bis das letzte Dunkel bricht!

 Komm zu mir mit deinen Freuden, deinem Frieden, deinem Trost!

Schenke mir Geduld im Leiden, draus ein ew’ger Segen sprosst!

 Komm zu mir mit Kraft und Stärke, zu besiegen Sünd’ und Welt!

Fahre fort in deinem Werke, schaffe, was dir wohlgefällt!

 Komm zu mir und laß dein Feuer mächtig brennen, nie vergeh’n;

dass ich stets als ein getreuer Jünger Jesu mög’  besteh’n.

 Komm zu mir, ach komm und bleibe ewiglich mein Morgenstern!

Komm mit Macht zu mir und treibe alles eigene Wesen fern!

Friedrich Traub


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