Sehnsucht nach Unsterblichkeit: Sind “Nahtod-Erlebnisse” ein Beweis fürs Jenseits?

Von Felizitas Küble

Diese Frage läßt sich nicht mit einem Satz beantworten, denn Nahtoderlebnisse sind eine differenzierte Angelegenheit.

Das Thema ist seit Jahrzehnten aktuell, vor allem durch Erlebnis-Berichte oder Sachbücher von Experten, die solche Sterbe-Erfahrungen gesammelt haben.

In den 70er Jahren gab es z.B. bereits das bekannte Buch von Moody “Leben nach dem Tod”, danach weitere Werke, die allerdings vielfach aus der esoterischen Szene kamen.  cropped-buxheim-dsc_1168-2-2.jpg

Insgesamt meine ich, daß derlei Nahtod-Erlebnisse zwar keine Auskunft über das objektive Jenseits vermitteln (können), denn die betreffenden Personen waren noch nicht endgültig tot (sonst hätten sie nicht mehr zurückkommen können); sie standen vielmehr an der Schwelle des Todes, selbst wenn sie bereits “klinisch tot” waren bzw. als tot galten. 

Von daher kann man Nahtoderfahrungen in objektiver Hinsicht nicht ohne weiteres “eins zu eins” nehmen, was aber ihre subjektive Glaubwürdigkeit nicht schmälert.

Denn eines ist klar: Durch diese zahlreichen, zu allen Zeiten und in allen Kulturen (!)  – auch bei Naturvölkern  –  vorkommenden Phänomene erweist sich die Seele des Menschen als existent.

Der Erdenbürger empfindet eine tiefsitzende Sehnsucht nach dem Ewigen, die sich durch diese Sterbe-Erlebnisse eindrucksvoll ausdrückt. Auf der bewußten Ebene ist dieser Wunsch ohnehin klar, siehe die Jenseitsvorstellungen der Völker schon in grauer Vorzeit, Grab-Beigaben für ihre “Jenseitsreise”, Totengebete bereits in heidnischen Religionen etc.

Die Nahtoderlebnisse bezeugen nun, daß der Wesenskern des Menschen auch auf quasi “unbewußter” Ebene von diesem Bewußtsein des Ewigen, also des Fortlebens nach dem Tod geprägt ist.

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: Evita Gründler

Nun ist es im alltäglichen Leben immerhin so, daß es für alle wichtigen Grundbedürfnisse eine objektive “Entsprechung” gibt  –  hierzu einige beliebige Beispiele:

Das Bedürfnis nach Nahrung: hierfür haben wir etwas zu essen und trinken.
Das Bedürfnis nach Schutz vor Unwetter: hierfür gibts ein Dach überm Kopf bzw. der Mensch hat die Fähigkeit, eines zu errichten.  Holz, Stroh und Steine gab es als Rohmaterial immer schon etc.
Das Bedürfnis nach Fortpflanzung: siehe die Fähigkeit von Zeugung und Geburt.
Das Bedürfnis nach Liebe wird erfüllt z.B. durch die Elternliebe, Verlobung, Ehe, Geschwisterliebe, Liebe zu Gott, Freundschaft etc.

So ließe sich die Liste fortsetzen. Nun kann man folgerichtig weiter überlegen:

Wenn für alle wesentlichen Sehnsüchte und Bedürfnisse ein objektives “Gegenüber” besteht, wenn also grundsätzlich eine Möglichkeit der Erfüllung gegeben ist  – warum sollte es dann beim existentiellen Wunsch nach einer jenseitigen Fortdauer, nach ewigem Leben nicht auch so sein?

Da nun diese Nahtod-Erlebnisse zwar nicht im naturwissenschaftlichen Sinne “beweisen”, sondern eher bezeugen, eben “erweisen”, daß die menschliche Natur diese Sehnsucht nach Ewigkeit in ihrem Wesenskern besitzt, ist es zwar deshalb alleine noch nicht hundertprozent zwingend, aber sehr naheliegend und logisch, daß auch dieses Grundbedürfnis eine “Entsprechung” findet, daß ewiges Leben also tatsächlich existiert.

Das Ergebnis dieser Überlegungen lautet:

Auch wenn diese Sterbe-Erfahrungen keine eigentlichen (objektiven) “Jenseits-Erlebnisse” sind, sondern eher grenzpsychologische Schwellenerfahrungen, so sind sie doch ein “Indiz” für den tiefsitzenden menschlichen Glauben an die Ewigkeit  –  und damit natürlich auch an Gott, denn die Existenz einer Ewigkeit ohne das Göttliche, ohne GOTT als den absoluten Geist wäre absurd.

Wenn schon der Mensch als geschaffenes Wesen eine hohe Geistigkeit besitzt, dann muß jener Schöpfer, der den Menschen “nach seinem Bild und Gleichnis” erschuf, erst recht und im höchsten Maße eine unendliche, eine vollkommende Geistigkeit in sich tragen, ja der personifizierte Geist an sich sein  – und erst recht natürlich ewig lebend.


Blick in den Himmel? – Eigene Nahtoderfahrung führt amerikanischen Neuro-Chirurgen zum Jenseitsglauben

Ein US-amerikanischer Neurochirurg will einen Blick in den Himmel geworfen haben. Nach einer Nahtoderfahrung ist der frühere Harvard-Dozent, Prof. Eben Alexander, fest davon überzeugt, daß es ein Leben nach dem Tod gibt.

Der 58-Jährige, der jetzt als Arzt in Lynchburg (Bundesstaat Virginia) arbeitet, hatte im November 2008 aufgrund einer schweren Hirnhautentzündung sieben Tage im Koma gelegen.

Die Computertomographie zeigte, wie er später erfuhr, keinerlei Aktivität im Neocortex, das das Bewußtsein kontrolliert.

Doch habe er dabei eine „Odyssee“ erlebt, wie er u.a. der Zeitung Sunday Times mitteilte:

Zunächst habe er die Welt aus der Sicht eines Wurms wahrgenommen; alles um ihn herum sei schmutzig, trüb und dunkelbraun gewesen.

Dann sei er  –  von einer Melodie angezogen  –  auf dem Flügel eines Schmetterlings mit Millionen anderer bunter Schmetterlinge aufgestiegen über eine Welt voller Wiesen, Wasserfälle und Wasserflächen in unbeschreiblichen Farben.

Über ihm standen weiße Wolken an einem dunkelblauen Himmel. Millionen durchscheinende Wesen – wahrscheinlich Engel – seien in goldenen und silbernen Formationen über dem Himmel geflogen. Eine junge Frau habe ihn durch die neuen Dimensionen geleitet.

Als er im Krankenhaus aufgewacht sei, sei er wütend und verwirrt gewesen und habe zurück in die andere Welt gewollt.

Früher habe er seinen Patienten nicht geglaubt, die von ähnlichen Nahtod-Erfahrungen berichteten; er habe dies als Halluzination abgetan. Professor Alexander: „Jetzt weiß ich, dass es anders ist  –  ganz anders.“

Er hat seine Erlebnisse in einem Buch aufgeschrieben, das Ende Oktober unter dem Titel „Proof of Heaven“ (Beweis des Himmels) in den USA erscheint.  

Der Mediziner stellt vermeintlich feststehende “wissenschaftliche” Thesen jetzt infrage   –  etwa  jene Vorstellung, daß Bewußtsein und Gehirntätigkeit untrennbar verknüpft seien. Für ihn zeigen sich „erste Risse“ im Gebäude dieser Theorie.

Soweit unser Auszug aus der Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur www.idea.de

Die seit Jahrzehnten debattierten “Nahtod-Erfahrungen” sind aus unserer Sicht kein eigentlicher “Beweis” für ein Leben nach dem Tod, zumal sich der Betreffende eben noch nicht objektiv im Jenseits befindet, sondern lediglich subjektiv in einer anderen als seiner üblichen Erlebniswelt, gleichsam in einer Grenzerfahrung.

Freilich sind diese Nahtod-Berichte durchaus ein Hinweis darauf, daß in der höheren Bewußtseinsebene des Menschen der Jenseitsglaube fest verankert ist, daß er gleichsam zur Natur des Menschen gehört.

Daher findet sich dieser Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod (zumindest eine Ahnung davon) in allen Kulturen, bei den Naturvölkern und ebenso bei den Zivilisationen.

Derartige Erfahrungen sagen also mehr über die menschliche Natur aus als über die Wirklichkeit der jenseitigen Welt.

Allerdings stellt sich zugleich die Frage: Woher kommt diese “Konstante” unseres Bewußtseins? Wer hat sie in den Menschen hineingelegt?

Ist es nicht so, daß die anderen existentiellen Wünsche und Bedürfnisse durchaus eine Entsprechung in der Realität finden?  – So gibt es für den Hunger die Erfüllung in der Nahrung, für den Wunsch nach Fruchtbarkeit die Sexualität, für die Sehnsucht nach dauerhafter Bindung die Ehe usw.  – Die existentiellen Wünsche des Menschen finden also stets eine Erfüllungsmöglichkeit  – warum sollte dies für das so grundlegende “Jenseits-Bedürfnis” nicht auch gelten?

Das bedeutet: Nahtod-Erfahrungen vermitteln uns kein konkretes Wissen über das “Jenseits”, doch sie bestätigen, daß die Sehnsucht nach Ewigkeit in der menschlichen Natur tief verankert ist und immer sein wird.

Felizitas Küble


Veronika Ferres trat nach einem Nahtod-Erlebnis wieder in die kath. Kirche ein

Ein Tropenvirus führte die Schauspielerin zum Glauben

Veronica Ferres (47 J.) glaubt an Gott. Beinahe erlag sie einem Tropenvirus. In einer Nahtod-Erfahrung vor 13 Jahren hatte sie ein Glaubenserlebnis, sagte die Schauspielerin kürzlich in einem Interview.Zoom

Im Fernsehen spielt sie die Polizeiseelsorgerin Lena Fauch. Im wirklichen Leben stand Ferres beinahe in der Ewigkeit: “Ich war irgendwo zwischen dem Hier und dem Jenseits. Da habe ich Gott gespürt”, sagte Ferres in einem Interview mit Bild.

Mehrere Tage lag sie im Koma. Es war nicht sicher, ob sie zurückkommen würde. Einst war sie aus der katholischen Kirche ausgetreten. Heute ist sie wieder Mitglied. Ihre Mutter starb an den Folgen eines Schlaganfalls: “Ohne Gott hätte ich den Verlust meiner Mutter nicht verarbeiten können.”

“Der Glaube lehrt uns, dass der Tod nicht das Ende bedeutet. Das ist ein tröstlicher Gedanke”, sagte Ferres. 

Veronica Ferres erhielt für ihr Werk als Schauspielerin zahlreiche Ehrungen, u.a. den Adolf-Grimme-Preis in Gold für ihre Rolle der Nelly Mann in “Die Manns – ein Jahrhundertroman”, zwei Bambi und zweimal die Goldene Kamera. Zudem setzt sie sich für soziale Projekte ein, zB. für das christliche Kinderhilfswerk Die Arche.

Autor: Daniel Gerber
Quelle: evangelikale Nachrichtenseite www.jesus.ch 

Nina Hagen: „Eine Nacht mit Jesus“?

Die Punkerin und ihr „Nahtoderlebnis“

Nina Hagen ist heute 56 Jahre alt und will mit 17 Jahren eine Art übernatürliche Jesuserfahrung gemacht haben, genauer: ein Nahtoderlebnis.

In einem Gespräch mit dem „Kultur-SPIEGEL“ vom 29.12.2011 erzählt die Rocksängerin, wie sie als Teenager „Gott gefunden“ habe.

Auf die Frage des Interviewers Jörg Böckem Wie ist Ihnen das gelungen?“ gibt sie folgende Antwort:

“Durch ein Nahtod-Erlebnis. Ich bin gestorben, kurz mal im Heimatland der Seele aufgetaucht, habe Gott um Hilfe gerufen, und er hat geantwortet und mich gerettet. Diese eine Nacht mit Jesus Christus bestimmt mein ganzes Leben. Die Sängerin, der Mensch, der ich geworden bin, bin ich geworden, weil ich mich danach gesehnt habe, mit dem lieben Gott eine Beziehung einzugehen.“

Doch die Redaktion hakt nach: „Bei Ihrer Nahtod-Erfahrung ist auch LSD im Spiel gewesen.“

Nina Hagen räumt dies ein: „Stimmt. Da sieht man mal wieder, dass Gottes Wege mysteriös sind!“

Äh? “Gottes Wege”?  – Die Wege des HERRN mögen manchmal unergründlich sein, doch der Ewige wirkt sicher nicht durch LSD, Hasch oder Heroin usw.

GOTT handelt nicht gegen den menschlichen Verstand, den ER selber geschaffen hat  – zudem gehört zu den biblisch bezeugten  “Sieben Gaben des Heiligen Geistes” auch die Gabe des Verstandes.

Drogen können freilich religiös erscheinende Pseudo-Erlebnisse vermitteln: aufregende Empfindungen,  schöne Gefühle, “himmlische” Musik, herrliche Farben und-so-weiter, aber keine wirkliche übernatürliche, von Gott her bewirkte Erfahrung.

Das spätere Leben der Punkerin  –  nach ihrem jugendlichen „Nahtoderlebnis“   – war ohnehin alles andere als fromm und seriös.

Inzwischen ließ sie sich in einer evangelischen Gemeinde taufen und vertritt nach wie vor unreife und unbiblische Ansichten (zB. pro Homosexualität).  Auf solche exzentrischen “Wanderpredigerinnen” können wir verzichten!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 


Gelang Helmut Lungenschmid ein „Blick ins Jenseits“?

Nahtod-Erlebnisse sind keine Jenseits-Trips

Immer wieder wird in Berichten über Nahtod-Erlebnisse zumindest indirekt der irreführende Eindruck erweckt, als ob die Betreffenden doch irgendwie im „Jenseits“ gewesen seien oder ihnen jedenfalls ein „Einblick“ in die Ewigkeit möglich war. Doch der Schein oder Anschein trügt. kleines-rituale

Nahtoderlebnisse sind zwar ein Indiz dafür, daß der Mensch mehr ist als ein höher entwickeltes Tier, daß er eine natürlich-übernatürliche (von Gott geschaffene) „Antenne“ für die geistige Welt besitzt  –  doch sie gewähren keinen wirklichen „Blick ins Jenseits“.

Warum nicht?  –  Ganz einfach: weil sie sich im Diesseits abspielen, wenngleich auf einer anderen Bewußtseinsstufe als der üblichen.

Sobald sich jemand wirklich im Jenseits befindet, kommt er nicht mehr ins irdische Leben zurück. Das bestätigt auch die Heilige Schrift: „Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, danach folgt das Gericht.“ (Heb 9,27)  – Man kann also nicht zweimal sterben!

Wir haben uns hier im CHRISTLICHEN FORUM bereits kritisch mit den „Jenseits-Visionen“ der bekannten Gloria Polo befaßt, die in ihren Vorträgen allerlei Richtiges mit viel Merkwürdigem und Irrtümlichen vermischt: http://charismatismus.wordpress.com/2011/06/10/gloria-polo-und-ihre-erlebnisse-im-%e2%80%9ejenseits%e2%80%9c/

Nun zieht auch Helmut Lungenschmid durch die Lande, demnächst  – am 6. November 2011 – referiert er in Altötting im Rahmen einer charismatischen Veranstaltung (mit „Lobpreis“), wobei seine Vorträge zweieinhalb  bis drei Stunden dauern. Er will als 14-Jähriger ein Nahtoderlebnis beim Zahnziehen gehabt haben. Wie dem auch sei: im Jenseits befand er sich gewiß nicht.

Hingegen glaubt diese Schwärmerseite an die „Prophetien“ des Vortragsreisenden, aber auch an die weiteren Nahtod-Visionäre Gloria Polo und Josef Atzmüller:  http://www.jesusmaria-proph.net/HelmutKurzcharakt-index.html

Angeblich wurde Helmut Lungenschmid damals als Knabe nebst persönlichen Ankündigungen sogar Zukünftiges aus Kirche und Welt gezeigt.

Mag sein, wie diese naive Webseite uns rührend versichert, daß er mit „Sekten“ nichts zu tun hat, doch ist dies nicht der springende Punkt. Es geht vielmehr darum, daß man zwischen Nahtod-Erlebnissen (die meist bei Herzstillstand eintreten) und „Kenntnissen aus dem Jenseits“ klar unterscheiden sollte.

Dies gilt umso mehr, als sog. “Jenseitsreisen” und scheinbar übersinnliche Visionen etwa bei einem Drogen-Trip nicht selten sind.  Entsprechende Halluzinationen per LSD, Meskalin oder Haschisch sind diversen Berichten über Nahtoderlebnisse verwandt bis vergleichbar, darunter auch der “ablaufende Film” über das eigene Leben sowie “Treffen” mit verstorbenen Verwandten, Freunden usw.

Die evangelikale Webseite “www.jesus.ch” berichtet außerdem Folgendes zum Thema Nahtoderlebnisse:

Eine Studie von slowenischen Forschern der Universität Maribor hat eine Verbindung zwischen Nahtod-Erfahrungen und einem Anstieg der Kohlendioxid-Konzentration im Blut ergeben.

Demnach wiesen Patienten, die während eines Herzstillstands Nahtod-Erfahrungen machten, eine signifikant höhere CO2-Konzentration im Blut auf als jene ohne solche Erlebnisse. Dies könne ungewöhnliche Eindrücke hervorrufen wie etwa Lichtblitze, Visionen oder eine scheinbare Trennung vom Körper, erläutern die Forscher.

Laut “Spiegel-online” gelang es dem schwedischen Forscher Henrik Ehrsson, im Labor eine außerkörperliche Erfahrung zu erzeugen: Mit Hilfe von Kameras und Videobrillen vermittelte er gesunden Freiwilligen das Gefühl, sich außerhalb ihres eigenen Körpers zu befinden und sich selbst von dieser Position aus zu betrachten. Verantwortlich für diese   –  auch als “Out-of-Body-Experience” bezeichnete   –   Illusion ist seiner Ansicht nach ein multisensorischer Konflikt, also die Unfähigkeit des Gehirns, widersprüchliche Sinneseindrücke miteinander zu verbinden.

In der Zeitschrift “Science” berichtete ein Team aus deutschen und Schweizer Forschern um Bigna Lenggenhager von der Polytechnischen Hochschule in Lausanne über einen ähnlichen Ansatz. Auch hier gelang es, das gefühlte “Ich” von der Position des Körpers zu trennen, wenn auch die Illusion hierbei nicht ganz so ausgeprägt war.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 


Die Visionärin Gloria Polo und ihre Erlebnisse im „Jenseits“

Anfangs galt sie als „Geheimtip“, danach war sie recht schnell in frommen Gruppen und Gebetskreisen bekannt und fuhr vortragsreisend durch die Lande, auch durch die deutschsprachigen:

Gloria Polo, eine hübsche Zahnärztin aus Kolumbien, die 1995 einen Blitzschlag überlebte, dies als Wunder betrachtet und sich dadurch bekehrte. Zugleich berichtet sie im Zusammenhang mit diesem Unfall von Nahtod-Erfahrungen, die sie freilich als Jenseits-Visionen deutet.

Sie ist davon überzeugt, der Himmel habe sie beauftragt, ihre visionären Erlebnisse durch Wort und Schrift zu verbreiten. Die Wertschätzung, die Gloria Polos Berichte in glaubenskonservativen Kreisen erfahren, hängen vor allem damit zusammen, daß sie in moraltheologischer Hinsicht von A – Z (von Abtreibung bis Zölibat) die Lehre der kath. Kirche vertritt.

Das ist zweifellos zunächst erfreulich  –  aber erhalten dadurch ihre Ausführungen  über Himmel, Hölle, Fegefeuer etc. automatisch das Siegel der Echtheit?   – Doch wohl kaum, weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.

Auch rechtgläubige Menschen können sich in visionärer Hinsicht leicht irren, erst recht nach einem solch traumatischen  Unfall, der durchaus mentale oder psychologische Beeinträchtigungen zur Folge haben kann.

Was ist  also „dran“ an diesen  – wie manche glauben  –  Botschaften aus dem Jenseits?

Um dies herauszufinden, müssen wir Gloria Polos Aussagen näher unter die Lupe nehmen, ausgehend zB.  von ihrem Lebensbericht „Von der Täuschung zur Wahrheit“, einem Vortrag, den sie am 5. Mai 2005 in einer Kirche in Caracas (Venezuela) hielt und der schriftlich verbreitet wurde.

Über ihre Eindrücke aus der „Hölle“ (und wen sie dort „antraf“) schreibt Polo beispielsweise:

„Es waren Selbstmörder, die sich in einem Augenblick der Verzweiflung umgebracht haben und nun waren sie in diesen Qualen, in dieser Not, in dieser Folter. Umgeben von diesen fürchterlichen Dingen, eingekreist von Dämonen, die sie quälten. Aber das schrecklichste an der ganzen Tortur war die völlige Abwesenheit Gottes. Und ich verstand, daß jene, die sich das Leben nehmen, dort so lange bleiben müssen, so viele Jahre, als sie auf Erden noch zu leben gehabt hätten.“

In dieser Darstellung finden sich folgende Irrtümer:

  1. Wenn sich jemand nicht aus voller Erkenntnis und freiem Willen umbringt, sondern (wie von Polo beschrieben)  per Kurzschlußhandlung „in einem Augenblick der Verzweiflung“, so kommt er allein deshalb nicht ohne weiteres in die Hölle  – es sei denn, der Betreffende befindet sich beim Selbstmord sowieso nicht im Zustand der Gnade, sondern der unbereuten schweren Sünde.  Die Kirche hat immer schon gelehrt, daß eine objektive Todsünde (wie sie der Selbstmord zweifellos darstellt) erst durch volle Erkenntnis und  uneingeschränkte Zustimmung des Willens zu einer subjektiven, persönlichen Todsünde wird. Gott allein weiß also, wie sich hier die jeweilige Situation eines Selbstmörders darstellt.
  2. Polo behauptet, daß menschliche Seelen in der Hölle durch Dämonen gequält werden. Hierfür gibt es weder in der Heiligen Schrift noch in der amtlichen Lehre der Kirche einen Beleg. Es stellt sich überdies grundsätzlich die Frage: Warum sollten die Dämonen als „Strafende“ agieren, wo sie doch selber „Bestrafte“ sind.
  3. Völlig unsinnig ist Polos Ansicht, daß Selbstmörder so lange in der Hölle (!) bleiben müßten, wie sie ihr Leben verkürzt haben. Selbst wenn sie das hinsichtlich des Fegefeuers behaupten würde, wäre es lediglich eine Spekulation. Betreffs der Hölle ist es kompletter Unfug, da diese ewig ist  – und überdies nicht unserer „Zeitrechnung“ angepaßt („Jahre“…), denn die Dimensionen der Ewigkeit befinden sich außerhalb von Raum und Zeit nach irdischem Verständnis.

Theologisch absurd ist auch Polos folgendes Höllen-Erlebnis:

„Als ich wieder schrie, ich sei katholisch, hörte ich eine Stimme, so süß, so mild, so unvorstellbar gut und schön, daß alles in mir voll Freude und Liebe war und meine Seele erbebte. Diese furchtbaren Geschöpfe, die sich an mich angeklebt hatten, als sie diese Stimme hörten, fielen sie augenblicklich in Anbetung nieder…Als ich das sah, wie sich diese fürchterlichen Dämonen flach hinwarfen, nachdem sie nur die Stimme des HERRN hörten  –  ich war erstaunt.“

Erstaunt darf man hier wahrlich sein, denn Satan und die Dämonen befinden sich eben deshalb in der völligen Gottesferne, weil sie den Allmächtigen  eben  n i c h t  dienen, weil sie IHN  n i c h t  anbeten wollen. In dieser Verweigerungshaltung besteht gerade deren selbstgewählte Verdammnis.  –   Diese Vision kann also auch nicht stimmen.

Frau Polo wiederholt diesen Unsinn noch öfter, auch im Zusammenhang mit der hl. Messe: „Wenn der Priester die Hostie hebt, fühlt man die Gegenwart des HERRN und alle fallen auf die Knie, selbst die Dämonen.“  – Erstens soll man an die Gegenwart Christi glauben, ob man sie „fühlt“ oder nicht  –  und zweitens knien die Dämonen gewiß nicht während der hl. Messe, wo sie ohnehin nichts zu suchen haben.

Abschließend berichtet die „Visionärin“, daß sie vom Jenseits ins Diesseits zurückkehrte und Christus ihr ein besonders Apostolat aufgetragen habe:

„Der Herr sandte mich zu meiner Mission auf Erden: „Du wirst zurückkehren, um Zeugnis abzulegen  – und Du wirst es immer wiederholen, nicht tausend, sondern 1000 mal 1000 mal.“

Das wäre dann eine millionenfache Wiederholung ihres „Zeugnisses“  – also schlicht unmöglich, es sei denn, sie wird mindestens so alt wie Methusalem…

Zudem soll Christus zu ihr Folgendes gesagt haben:

„Wehe dem, der dies hört und sich nicht ändert. Er wird mit größerer Strenge gerichtet werden…Meine Gesalbten, die meine Priester sind, oder sonst jemand, der Dir nicht Gehör schenkt, der sein Leben nicht ändert, wird ein strenges Gericht erfahren.“

Derlei „Drohbotschaften“ sind aus dem Bereich der irrgeistigen „Mystik“ zur Genüge bekannt. Damit soll der jeweiligen „Privatoffenbarung“ ein besonders hohes Gewicht beigemessen werden, als sei sie quasi das „fünfte Evangelium“. Daher die Drohung: „Wehe dem, der Dir nicht Gehör schenkt…“

Solche unseriösen und emotionalen Einschüchterungen sind ein typisches Merkmal der Falschmystik.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

Kontakt: felizitas.kueble@web.de

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 272 Followern an