Eine „Fern-Taufe“ abgetriebener Kinder ist nicht möglich

Wiederholte Vorstöße aus der Pseudo-Mystik sind haltlos

In der jüngsten Ausgabe der österreichischen katholischen Monatszeitschrift “Der 13.” (März 2012) wurde eine kritische Stellungnahme von mir (Felizitas Küble) veröffentlicht, die sich mit den immer wiederkehrenden Vorstellungen befaßt, wonach man ungeborene (abgetriebene) Kinder oder auch Fehlgeburten gewissermaßen im nachhinein “taufen” könne.

Entsprechende “Gebetszettel” und Anleitungen werden seit Jahrzehnten in erscheinungsseligen Kreisen sowie besonders in der Anhängerschaft des “Engelwerks” verbreitet.

Oft berufen sich diese Schriften und Traktate auf angebliche “Visionen” von “begnadeten” Personen  – so auch im jüngsten Falle, wovon in der folgenden Stellungnahme die Rede ist:

“In der Februar-Ausgabe des „13.“ ist auf Seite 26 ein Artikel mit dem Titel „Schreiben einer Opferseele und Reaktion eines Lesers“ von Mag. M. Schobesberger veröffentlicht.

Dort ist von einer „schlichten Frau unserer Tage“ die Rede, die „hoher mystischer Gnaden gewürdigt“ worden sei. Diese „Opferseele“ habe in der Straßenbahn eine Vision von Christus erlebt, der sie zur Taufe der abgetriebenen bzw. totgeborenen Kinder aufforderte.

Diese kirchlich nicht anerkannte „Übung“ ist aber nicht neu, auf entsprechenden Gebetszetteln und Broschüren findet man sie seit Jahrzehnten, doch sie wird immer wieder in leicht veränderter Version aufgewärmt – diesmal eben durch eine angebliche Christuserscheinung.

Doch die Taufe von getöteten Ungeborenen oder Totgeburten ist sakramententheologisch gesehen unsinnig, wenngleich sicherlich gut gemeint  – aber gut gemeint ist noch lange nicht gut gemacht.

Die Spendung von Sakramenten an Verstorbene ist nicht möglich. Im Falle der Krankensalbung bzw. letzten Ölung geht dies in Zweifelsfällen lediglich bedingungshalber für den Fall, daß der Betreffende noch lebt.

Selbst wenn dem nicht so wäre, ist der ordentliche Spender der Taufe immer noch der Priester, der Laie nur im Notfall. Doch in dieser „Vision“ werden alle Laien zur ständigen „Taufe der Ungeborenen“ aufgefordert, statt dies dem Priester zu übertragen  – doch wie gesagt: die Kirche kennt ohnehin keine Sakramentenspendung an Verstorbene

Zudem wird in dieser Vision dazu aufgefordert: „Dann nimm Weihwasser, sprenge es nach allen Richtungen und sprich diese Worte: „Euch alle, die ihr am Tag und in der Nacht tot geboren wurdet und noch tot geboren werdet, euch alle, die ihr im Leib eurer Mutter getötet wurden und noch getötet werdet…taufe ich im Namen des Vaters…“

Hier sind zwei weitere theologische Denkfehler enthalten: Man kann ein Sakrament weder nach dem Tod noch vor dem Lebensbeginn eines Menschen spenden („euch alle, die ihr noch tot geboren werdet…und noch getötet werdet….).

Zudem kann man nicht in einem Akt „alle“ Betreffenden taufen. Die vorgeschlagene „Taufe“  ist schon deshalb unlogisch, weil einerseits dazu aufgerufen wird, diese Handlung ständig zu wiederholen, andererseits dem Wortlaut nach doch in einem Akt „alle“ getauft werden, die tot geboren oder im Mutterleib ermordet wurden (und noch werden).

Die ganze Vision ist folglich in mehrfacher Hinsicht in sich selbst widersprüchlich. Zudem entspricht bereits das Grundanliegen einer Taufe von Verstorbenen nicht der kirchlichen Lehre. Es ist daher als theologischer Irrweg abzulehnen.

Überlassen wir die abgetriebenen Kinder doch der Weisheit und Gnade Gottes und vertrauen wir darauf, daß der Ewige weiß, wie er das Problem der fehlenden Taufe am besten regelt.

Eine große Wahrscheinlichkeit spricht für die altvertraute kirchliche Vorstellung vom „Limbus“, also jenem jenseitigen Zustand natürlicher Zufriedenheit, dem jedoch die Anschauung Gottes fehlt, die uns durch die Taufe ermöglicht wird. Diese Lehre vertrat auch der hl. Thomas von Aquin und mit ihm die meisten bewährten Theologen der Kirche.”

Felizitas Küble, D-48167 Münster


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