Italien: Medjugorje-Pater Tomislav Vlašić und Stefania Caterina verbreiten esoterische Visionen

Das Phänomen Medjugorje ist wesentlich von einem Ordensgeistlichen geprägt, der schon vor Beginn der dortigen “Marienerscheinungen” in der schwarmgeistigen Szene aktiv war: Pater Tomislav Vlašić.

Die bekannte irische Vortragsreisende und Charismatiker-Nonne Briege McKenna erzählte ihm schon vor den dortigen Ereignissen von einer Vision, die sie erlebt habe, derzufolge P. Vlašić in einer zweitürmigen Kirche (Medjugorje) sitze, wobei Wasserströme (der göttlichen Gnade) von ihm ausgehen etc.

Tatsächlich wurde der Franziskaner schon ab Sommer 1981 Pfarrer von Medjugorje und Seelenführer der “Seher”, was die angebliche Madonna ein Jahr später in einer “Erscheinung” zu würdigen weiß: “Ihr habt Tomislav sehr viel zu verdanken, weil er euch so gut führt.”

Der dortige Bischof Zanic ist freilich anderer Ansicht als die “Gospa”: er setzt Pater Tomislav drei Jahre später als Pfarrer ab; außerdem erteilt er ihm Zelebrationsverbot. 

Die bischöflichen Verfügungen werden danach vom Vatikan bestätigt und noch verstärkt, denn der Geistliche wurde wegen sexueller Vergehen und theologisch-pastoralen Fehlverhaltens aus dem Franziskanerorden ausgeschlossen und sogar laiisiert (in den Laienstand zurückversetzt).

Es wurde ihm zudem verboten, irgendwelche Erklärungen “zu religiösen Sachverhalten, insbesondere zum “Phänomen Medjugorje” abzugeben.”

Doch der erscheinungsbewegte Ex-Pfarrer von Medjugorje fand in Italien ein neues Betätigungsfeld und gibt ständig Erklärungen “zu religiösen Sachverhalten” ab, wenngleich  – typisch charismatisch –  durch den Umweg über “Visionen”, die er und seine neue Weggefährtin Stefania Caterina verbreiten. Dabei werden die Ereignisse von Medjugorje mehrfach erwähnt und “bestätigt”.

Gemeinsam mit weiteren Enthusiasten bilden  sie –  eigenen Angaben zufolge  – einen “Nukleus”, also eine geistliche Zelle, die dann jeweils spontan an verschiedenen Orten entstehen soll: durch den  “Hl. Geist” selbstverständlich, der auch direkt zu den Visionsbewegten spricht und ihnen  – allerdings reichlich esoterisch anmutende  – “Botschaften” übermittelt, wie die Beiden in öffentlichen Stellungnahmen erklären, zB. auf ihrer Internetseite, die den bezeichnenden Titel trägt:  “Unterwegs zur neuen Schöpfung”.

Dort heißt es in einem von beiden Geistbewegten unterzeichneten Aufruf vom 14. August 2012 an die Leser gleich eingangs:

“Liebe Leser, wenn ihr diese Webseite besucht und unsere Bücher gelesen habt, werdet ihr sicher bemerkt haben, dass Gott durch uns viele Dinge offenbarte mit dem Ziel, unsere Horizonte zu erweitern. Wir sagen euch das nicht, um uns selbst in den Mittelpunkt zu stellen; denn wir halten uns für einfache Werkzeuge in den Händen Gottes.”

Nach dieser “bescheidenen” Vorstellung wird nichts weniger als der einzigartige “Zugangsschlüssel” zu den Geheimnissen des “Universums” verkündet:

“Wir lieferten euch einen ZUGANGSSCHLÜSSEL, der ein einziger ist und der es uns ermöglicht, das zu verstehen, was im Universum gerade geschieht und was geschehen wird: JESUS CHRISTUS.

Jesus Christus, der Löwe aus dem Stamm Juda, der Gesandte des Vaters, wurde auf die Erde gesandt, um die gesamte Schöpfung Gott Vater unterzuordnen, indem Er sie den Gesetzen des reinen Geistes unterwirft, damit alle Geschöpfe in neue Geschöpfe umgewandelt werden mögen. Wir luden euch deshalb ein, am Werk Jesu als Priester, Propheten und Könige teilzunehmen, immer durch das Unbefleckte Herz Mariens.”

Das klingt auf den ersten Blick fromm-katholisch, ist aber in Wirklichkeit esoterisch, denn Christus ist keineswegs gekommen, um die gesamte Schöpfung “den Gesetzen des reinen Geistes zu unterwerfen”, sondern um die verlorenen Menschen von Sünde, Tod und Teufel zu erlösen.

Christi Heilswerk wird freilich klugerweise nicht direkt geleugnet, aber durch Weglassen und Neu-Interpretationen verdrängt. 

Esoterische Umdeutung des Erlösungswerkes Christi

Sodann heißt es in dem Aufruf der beiden Geisterleuchteten:

“In den vergangenen Tagen sprachen die Allerheiligste Jungfrau Maria und Jesus zu uns über die Zeiten, die uns erwarten. In der Folge vertiefte der Hl. Erzengel Raffael einige Aspekte, die Jesus und Maria angesprochen hatten. (…) Gott erwartet eine Antwort vor allem von der Menschheit der Erde, die immer langsam ist, auf die Aufrufe Gottes zu antworten, soweit, dass sie den Weg der anderen Menschheiten verlangsamt. Gott kann nicht bis in Ewigkeit auf unsere Entscheidungen warten. Es ist Zeit, sich zu entscheiden!”

Hört, hört: es gibt also mehrere “Menschheiten”, wo immer sich die “anderen” auch befinden mögen.

Abschließend schreiben die beiden Visionäre:

“Wir legten Zeugnis ab von dem, was uns geoffenbart wurde. Wir laden euch noch einmal zu einer klaren und endgültigen Entscheidung ein, um bereit zu sein für das, was uns ab dem nächsten Jahr erwarten wird. Wir opfern uns Gott auf und beten für euch. Wir segnen euch in Christus.  – Stefania Caterina und Tomislav Vlašić.”

Außerdem präsentiert die esoterisch-charismatische Webseite eine “Botschaft der Muttergottes vom 4. August 2012″, wobei es heißt, es handle sich um denVorabend des Geburtstags der Allerheiligsten Jungfrau Maria. In Medjugorje offenbarte die Muttergottes, dass sie am 5. August geboren wurde und bestätigte wiederholt dieses Datum als Tag ihrer Geburt.”

Damit weiß es die Medjugorje-Erscheinung wieder einmal besser als die Kirche, die das Fest der Geburt Mariens am 8. September feiert (womit die Kirche sich aber nicht auf einen bestimmten historischen Geburtstermin festlegen will, ebensowenig wie etwa bei Weihnachten.)

Derartige Datums-Offenbarungen sind ohnehin theologisch unnötig, aber geeignet, eine gewisse ungeistliche Neugier zu befriedigen.

Die “Botschaft” der “Muttergottes” vom 4. August ähnelt den Gospa-Aussagen von Medjugorje:

„Liebe Kinder, vor allem danke ich euch, dass ihr gemeinsam mit mir den Tag meiner Geburt feiern möchtet. In Wirklichkeit ist das ein Fest für euch alle, denn ich werde in jedem von euch geboren und jeder von euch wird in mir geboren, er wird für das Leben Gottes geboren. Wisst Kinder, dass meine einzige, wahre und große Freude jene ist, euch Gott darbringen zu können. Wenn ein Mensch akzeptiert, sich durch mich Gott hinzugeben, macht er mich froh; und mit Freude opfere ich euch heute dem Herrn auf, ich opfere euch wie eine Blume vor dem Thron Gottes auf.”

Es bleibt unklar, was es wohl genau bedeuten soll, daß die Gottesmutter die “lieben Kinder” vor dem Throne Gottes “wie eine Blume” aufopfert. Zudem wird die Madonna keineswegs “in jedem von euch geboren”; durch die Taufe wird vielmehr der dreieinige Gott in uns “geboren”: Gott nimmt gleichsam Wohnung in der erlösten Seele  –  und unser Leib wird zum “Tempel des Hl. Geistes”.

Ergibt die “Botschaft”  auch keinen vernünftigen theologischen Sinn, so klingt sie immerhin sehr erbaulich-fromm und “geheimnisvoll”, ist aber in Wirklichkeit esoterisch   –  so wie das ganze Unternehmen der beiden Visionäre mit ihrer “Nukleus”.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Beleg-Link für die Zitate: http://unterwegszurneuenschoepfung.org/2012/08/14/seid-wachsamhaltet-euch-bereit-mt-2442-44/

 


„Visionen“ der charismatischen Nonne Briege Mc Kenna

Zu den besonders bekannten Gestalten in der katholisch-charismatischen Szene zählt die in Irland geborene Nonne Briege McKenna, die zu den „Schwestern der hl. Klara“ gehört. Sie reist weltweit durch die Lande, hält Vorträge und gibt Exerzitien, vor allem für Priester. Auf Großversammlungen nimmt sie über tausende katholischer Geistlicher eine charismatische „Geistausgießung“ vor, etwa bei jährlichen „Priestertagen“ in Ars.

Die sendungsbewußte Nonne glaubt überdies daran, daß der Himmel ihr die „Gabe der Heilung“ geschenkt hat. Entsprechend klingt auch der Titel ihres Buches: „Wunder geschehen wirklich“ – und angeblich vor allem durch ihren eigenen „Heilungsdienst“.

Schaut man sich ihr Buch freilich genauer an, stellen sich etliche Fragen angesichts einiger Merkwürdigkeiten – hier ein paar Beispiele:

Unter dem Mäntelchen scheinbarer „Demut“ beschreibt sie auf S. 35 diese selbstgefällige Vision:

Sie fährt eines Nachts aus dem Schlaf hoch, öffnet die Augen und sieht an der Decke das Bild eines „wunderschönen (!) Gartens“, der viele Blumen enthält – und dazwischen „kleine (!) Unkräuter“. – Dann heißt es: „Der HERR sagte mir: „Briege, dies ist deine Seele.“

Theologisch unausgegoren heißt es zwei Seiten später:

Wenn ich über unseren Kampf gegen die Sünde nachdenke, werde ich häufig an Christi Weg nach Golgotha erinnert. Er fiel mehrmals hin, aber er stand immer wieder auf. Dies ist unsere Berufung, ständig nach Heiligkeit zu streben.“

Dieser Vergleich ist denkbar unpassend angesichts der absoluten Heiligkeit Christi, die stets uneingeschränkt vorhanden war: seiner Gottheit nach sowieso, aber auch Christi menschliche Seele war von Anfang an vollkommen heilig.

Weitere zwei Seiten danach schreibt sie:

Ich erklärte ihm, daß das Sakrament der Versöhnung nicht dazu da ist, die bereits begangenen Vergehen fortzuwischen, sondern daß die Gnade des Sakramentes den Menschen die Kraft gibt, sündige Gewohnheiten aus ihrem Leben auszumerzen.“

Hier wird die Beichte an sich, die sehr wohl vor allem dazu dient, „begangene Vergehen fortzuwischen“, mit einer zusätzlichen Frucht bzw Wirkung der Beichte verwechselt: Dieses Sakrament schenkt neben der Sündenvergebung auch helfende Gnaden, die uns im Kampf gegen die Sünde unterstützen. Gleichwohl besteht in der Sündenvergebung die wesentliche Wirksamkeit des Bußsakramentes.

Erneut zwei Seiten weiter schreibt sie, daß sie „in Sprachen betet“, gemeint ist die schwarmgeistige Zungenrede – dies Phänomen nennt sie übrigens „Lobpreis“ wie bei Charismatikern üblich.

Zwei Seiten danach schildert sie erneut eine scheindemütige Vision, wo sie sich als „zerrissenes Zelt“ sieht, weil sie die Nacht zuvor von vielen Versuchungen geplagt gewesen sei und sich am nächsten Morgen sich „wie zerschlagen und entmutigt fühlt“. – Warum „zerschlagen“? Hat sie den Versuchungen nachgegeben?

Gleichwohl ging sie – eigenen Angaben zufolge – danach zur hl. Kommunion.

Daraufhin „sieht“ sie angeblich Christus selbst, wobei sie „ihn“ einlädt, in dieses „zerrissene Zelt“ ihrer Seele zu kommen, „er“ aber erklärt, er säße schon mittendrin….

Christus“ erklärt ihr sodann, sie brauche sich mit ihrem zerrissenen Zelt nicht zu befassen, denn es genüge, wenn sie sich nur mit „ihm“ beschäftige, dann werde er das zerrissene Zelt schon heil kriegen.

Dergleichen ist theologisch fragwürdig bis irreführend, zumal es beim Kampf gegen die Sünde sehr wohl auch auf unsere Mitwirkung ankommt, freilich auf dem Fundament der Gnade Gottes.

 

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags in Münster


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