Bekenntnis eines Irrwegs: Gefangen in den “Botschaften” von Vassula Ryden

Auf der mehrsprachigen Webseite  “info.vassula.ch”  berichtet eine Betroffene sehr eindringlich von ihrem jahrelangen Trip in die falschmystische Zauberwelt von Vassula Ryden,  einer bekannten “Seherin”, die der griechischen Orthodoxie entstammt, wobei sich sowohl die orthodoxe Kirchenleitung wie auch bereits früher die vatikanische Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger von Vassulas “Botschaften” deutlich distanziert hat.

Vassulas Visionen sind in mehreren Bänden mit dem bezeichnenden Titel “Das Wahre Leben in Gott” (WLiG) zusammengetragen, die der erscheinungsbewegte Miriam-Verlag herausbringt.

Wir zitieren nachfolgend einige Passagen aus dem aufrichtigen und klarsichtigen Zeugnis von Maria Laura Pio, wobei wir mitunter eigene Bemerkungen dazufügen:

“Bis 1996 lebte ich in Genf (Schweiz), ungefähr 50 Kilometer von der Region Lausanne entfernt, wo zur damaligen Zeit auch Vassula wohnte.

Ich bin seit meiner Geburt katholisch und ich wollte schon immer mein Leben treu nach dem Evangelium gestalten. Als ich in Genf lebte, war ich in meiner zuständigen Pfarre sehr aktiv, wo ich auch als Katechetin gern willkommen war, während ich meine Universitätsstudien absolvierte.

Im Laufe der Jahre 1993 bis 1994 stellte mir mein geistlicher Leiter Frau G. vor, die sehr aktiv Vassula unterstützte. Diese Frau G. war die erste Person, die mir über Vassula erzählte und mir auch das erste Buch ihrer Botschaften gab. Sie lud mich auch zu einem Vortrag ein, den Vassula vor dem ÖRK (Ökumenischer Rat der Kirchen) mit Sitz in Genf halten sollte.”

Anmerkung: Es hätte bereits etwas stutzig machen können,  daß eine angeblich “gotterleuchtete Seherin” vor dem als linkslastig und zeitgeistig bekannten ÖRK zum Vortrag eingeladen wird. Einer wirklich glaubenskonservativen Persönlichkeit könnte dies wohl kaum “passieren”.

“Die Botschaften in dem Buch „Das Wahre Leben in GOTT“ kamen zwar etwas komisch vor, aber da ich zuvor nie Texte von Privatoffenbarungen gelesen hatte, ging ich mit einem offenen Geist an die ganze Sache heran. Nach dem Vortrag von Vassula  vor dem ÖRK war ich sehr begeistert und kaufte mehr Bücher von ihr. Und beim Lesen dieser Botschaften hatte ich das erste Mal so ein Gefühl, dass GOTT mich wirklich gern hatte und liebte. (Das Haupt-Thema im ersten Band  ist ja die „LIEBE GOTTES“)

So bat ich also GOTT, dass ER mir ein Zeichen geben soll. Da ich an dem Vortrag zusammen mit meiner Mutter teilnahm, bat ich GOTT, ER möge mir die Echtheit dieser Botschaft durch ein Zeichen mittels meiner Mutter kundtun. Und von ihr bekam ich auch dann das erbetene Zeichen. Gleich anschließend an den Vortrag gab mir meine Mutter zu erkennen, dass sie von Vassula sehr positiv beeindruckt war.

Im Gegensatz dazu wurde sie nach dem Lesen der Bücher immer skeptischer und bekam Zweifel an der Echtheit. Und trotz dieses Ablaufes nahm ich in diesem Augenblick den Wechsel in ihrer Einstellung nicht mehr als Teil der Antwort GOTTES zur Kenntnis …

(Jetzt bitte ich GOTT schon gar nicht mehr um Zeichen; und zwar nicht deshalb, weil er keine Antwort geben würde  –  ER reagiert nämlich immer auf Gebete  -  sondern weil wir einfach die Neigung haben, in allen Ecken und Enden Zeichen zu sehen und diese dann nach unserem Gutdünken zu interpretieren und nach unserem Willen auszulegen…)

Anmerkung: Gott hört sicherlich alle unsere Gebete und er er-hört sie auch  -  und zwar nach SEINEM Willen (und das ist gut so), aber wir sollten uns   g r u n d s ä t z l i c h  vor dem gefährlichen Unfug hüten, Gott um ein bestimmtes “Zeichen” zu bitten, wenn wir vor Entscheidungen stehen.

Christus selbst hat dem Versucher in der Wüste das biblische Wort entgegengeschleudert: “Du sollst den HERRN, Deinen Gott, nicht versuchen!”

Im Gleichnis vom reichen Prasser wünscht dieser im Totenreich, daß seine Brüder auf Erden durch eine Erscheinung gewarnt werden, damit sie nicht ebenso trostlos enden wie er, aber dies wird strikt abgelehnt, denn Christus sagt dazu: “Sie haben Moses und die Propheten  -  das genügt!”  -  Das gilt auch heute: Wir haben die Heilige Schrift und das Lehramt der Kirche, es bedarf  durchaus keiner Zeichen und Wunder, um Gottes Willen zu erkennen.

Das natürliche “Zeichen”, das Gott selbst uns geschenkt ist, ist der eigene Verstand, den wir anwenden sollen  -  dies wäre ja nicht nötig, wenn Gott uns ständig durch direkte Zeichen den Weg weisen würde. Zudem gibt es die Kirche als Wegweiserin, die uns zur VORSICHT vor Privatoffenbarungen mahnt!

Zudem hat die Autorin recht:  Selbst wenn Gott uns ein “Zeichen” schicken würde, dann würden wir es durch unsere eigene Brille betrachten und in unserem Wunsch-Sinne auslegen….wie sie ja damals auch!

“Sehr rasch wurde ich ganz abhängig von und süchtig nach diesen Botschaften. Mit dem Ausdruck „abhängig und süchtig“ möchte ich darstellen, dass ich einfach den inneren Zwang spürte, jeden Tag in diesen Botschaften zu lesen.  Ich begann zu glauben, es wäre der WILLE GOTTES, dass ich die Botschaften lesen und auch verbreiten sollte. (…)

In jener Zeit war ich auch ein aktives Mitglied einer Vereinigung, die gegen die Pornografie und besonders auch gegen die Kinder-Pornografie kämpfte. Ich hatte den Einsatz in dieser Gruppe immer als eine Verpflichtung eines echten Christen gesehen. Aber nach der Lektüre des WLIG (“Wahres Leben in Gott”, Vassulas Bände)  schien mir dieser Einsatz sinnlos, und ich begann die Zusammenkünfte dieser Vereinigung zu schwänzen, um mehr Zeit zur Verfügung zu haben zur Verbreitung der Botschaften des WLIG.

Ich las auch nicht mehr die Heilige Schrift, das Evangelium, weil ich zur Überzeugung gelangte, dass diese Botschaften des WLIG wichtiger und höher einzuschätzen sind als die Bibel, weil nämlich in diesen Botschaften des WLIG JESUS in der JETZT-Zeit zu uns spricht.”

Anmerkung:  Die Vernachlässigung und indirekte Verachtung der Heiligen Schrift ist im Schwärmerlager und in erscheinungsbewegten Kreisen tatsächlich weit verbreitet. Ich kenne mehrere Personen (noch dazu relativ gemäßigte), die ihre Bücherregale vollgestopft haben mit visionärer und charismatischer Literatur, aber im ganzen Haus ist keine einzige Bibel, nichtmal ein NT aufzufinden. Wie mag es dann erst bei Fanatikern zugehen!

Typisch ist auch folgende Reaktion eines Pfarrers, der unsere Redaktion hier in Münster vor längerer Zeit besuchte  – und der seine Schäflein ständig zu allen (un)möglichen Erscheinungsorten karrte. Als ich ihm dies mittels Bibelstellen ausreden wollte und gerade dabei war, die Heilige Schrift aus dem Regal zu holen, winkte er ab und sagte zu mir: “Die Bibel ist ein totes Buch, aber die Marienerscheinungen sind das lebendige Wort Gottes!”

Dieser Priester ist immer mehr in die falschmystische Szene abgerutscht und inzwischen im radikal-charismatischen Lager gelandet, wo er fleißig den irrgeistigen “Hammersegen” verteilt (das ohnmächtige Rückwärtsfallen, das auch Vassula seit Jahrzehnten praktiziert).

Zudem versuchte ich vor ein paar Jahren, eine  kath. Religionslehrerin von ihrem Vassula-Trip herunterzuholen, nachdem sie mir erklärt hatte, daß sie Vassula-Bücher sogar im Religionsunterricht ständig einsetzt. Als ich nun sagte, sie solle mit ihren Schülern lieber die Bibel und den Katechismus erarbeiten, widersprach sie mir, das sei staubtrocken und langweilig. Ich erwiderte, es sei doch gerade ihre Aufgabe als Religionslehrerin, die Glaubenslehre lebendig und anschaulich zu erklären, doch sie beharrte sie auf ihrem Vassula-Fanatismus und untersagte mir weitere Anrufe.

“Nach drei bis vier (3-4) Monaten, in denen ich in die Lektüre des “WLIG” vertieft war, hatte ich mich in meinem Benehmen schon so arg und so wesentlich verändert, dass es auch meinen Eltern aufgefallen ist.  Ich war nicht mehr fähig, auch nur die geringste Kritik an Vassula gelten zu lassen oder zu ertragen. Und deshalb hatte ich häufige und fürchterliche Auseinandersetzungen und Diskussionen mit meiner Mutter. Ich habe überhaupt auf einmal auf jede Kleinigkeit sehr empfindlich reagiert und brach deshalb sehr leicht und immer häufiger in Tränen aus. Ich bekam große Schuldgefühle, wenn ich keine Lust hatte, in den Botschaften zu lesen. (…)

Nach zirka acht bis neun Monaten, in denen ich regelmäßig diese Botschaften gelesen hatte, forderte mich meine Mutter heraus, indem sie mir sagte, dass ich sicherlich nicht imstande wäre, einen Tag zu verbringen, ohne in den Botschaften zu lesen.

Und ich antwortete ihr darauf, dass es für mich ein Leichtes wäre, nicht nur einen Tag, sondern einen ganzen Monat auf diese Botschaften zu verzichten. Und dies wollte ich ihr auch beweisen. Und tatsächlich brachte ich es zusammen.

Ich fühlte mich aber dabei sehr schuldig und es schien mir, als wenn ich in meinem Innern eine Stimme sagen hörte, dass dieses eigensinnige Benehmen von mir ein offener Ungehorsam, eine Rebellion gegen GOTT sei. Aber wenn ich es richtig bedenke, dann habe ich das Ganze damals nur deshalb so konsequent durchgezogen, nicht weil ich selbst gedacht hätte, dass die Botschaften nicht echt und falsch wären, sondern weil ich meine Mutter sehr lieb hatte und ich ihr auf diese Art und Weise beweisen und sie überzeugen wollte, dass das WLIG eine sehr gute und positive Angelegenheit wäre.

Auf jeden Fall fühlte ich mich in der Folge weiterhin sehr schuldig  –  diese ganze Zeit hindurch  –  aber ich betete auch immer und regelmäßig zu GOTT, dass ER mir doch beistehen und mir helfen möge. Ich begann das Leben der Heiligen Theresa von Avila und des Heiligen Johannes vom Kreuz zu lesen. Und diese tiefgehende Mystik war für mich überraschenderweise eine sehr erfrischende und erholsame Angelegenheit. Ich fühlte auch eine gewisse Erleichterung, da ich mich nicht mehr gezwungen sah, jeden Tag in den Schriften des WLIG zu lesen.

Und schon in der dritten Woche der „Abstinenz“ von den Schriften des WLIG gab mir GOTT die Kraft und auch den klaren Kopf, um selbst zu bemerken, was mit mir während der letzten Monate geschehen war. Es war das erste Mal, dass ich ganz EHRLICH und auch TATSÄCHLICH zweifelte an der Echtheit dieser Botschaft.

Und so betete ich zu GOTT, er möge mir doch die WAHRHEIT über das WLIG aufzeigen.

Am Ende dieses Monats der „Abstinenz“ von der Lektüre dieser Schriften begann ich von Neuem in de Botschaften zu lesen. Aber nun sprangen mir auf einmal die offensichtlichen Widersprüche zwischen dem WLIG und der Heiligen Schrift direkt ins Auge.

Ja  ich es kam sogar soweit, dass ich den Zeitpunkt erreichte, von dem an ich nicht mehr in den Schriften des WLIG las. Weniger als ein Jahr später wurde die “Mitteilung (Notifikation) der Kongregation für die Glaubenslehre betreffend Vassula Ryden” vom Vatikan veröffentlicht.

Als Folge meiner Abhängigkeit von den Botschaften überkamen mich Schuldgefühle und Angstzustände  für fast zwei ganze Jahre hindurch, da ich mich praktisch selbst einer Gehirnwäsche unterzogen hatte, um die Echtheit der Botschaften glaubhaft zu machen, obwohl ich ganz im Gegenteil nicht an die Echtheit der Botschaften glaubte. Ich bekam immer mehr den Eindruck, dass ich weder GOTT, noch der Kirche und noch weniger mir selbst trauen und vertrauen konnte.

Ich fühlte mich von den Priestern, die mich nicht davor gewarnt hatten oder noch mehr von denen, die mir geraten haben, diese Botschaften zu lesen, ohne dass sie selbst die Texte jemals gelesen hatten, zutiefst verletzt und verraten…Ich fuhr also damit fort, GOTT zu fragen, warum ER es denn zugelassen hatte, dass man mich in dieser verräterischen Art und Weise hinters Licht geführt hat, da ich doch immer nur IHN SELBST und IHN, Unseren HERRN JESUS CHRISTUS ganz allein gesucht hatte.”

Anmerkung: Die Kritik an jenen Priestern ist berechtigt, enthebt aber nicht der eigenen Verantwortung.  Die Frage an Gott “warum er es denn zugelassen hatte”, ist unberechtigt, da Gott unsere Freiheit zugelassen hat, weil auch die Liebe zu IHM nur in Freiheit möglich ist  -  für den Mißbrauch dieser Freiheit sind wir selbst verantwortlich.

Zudem trifft es objektiv nicht zu, daß die Autorin “immer nur IHN selbst ganz allein gesucht” hatte; sie hat zB. die vernünftigen, wohlmeinenden Warnungen ihrer Mutter in den Wind geschlagen und sich heftige Auseinandersetzungen mit ihr geliefert. Es gab also auch mahnende Stimmen, vor denen sie ihre Ohren eigenwillig verstopfte! – Schon das vierte Gebot “Du sollst Vater und Mutter ehren!” hätte sie zumindest veranlassen sollen, die Argumente ihrer Mutter wenigstens ernsthaft in Erwägung zu ziehen, zumal aus ihrer Mutter in diesem Falle zugleich die Stimme der “Mutter Kirche” sprach, was die Autorin als studierte  Akademikerin an sich hätte wissen dürfen.

“Während einer bestimmten Periode dieser Zeit habe ich sogar an mir selbst erlebt, dass ich einfach nicht mehr zu JESUS beten konnte, weil sich sein Bild und SEINE Persönlichkeit in mir drinnen komplett verändert hatten. Denn die Botschaften des WLIG – genauso wie jede andere mystische Botschaft, die nicht echt ist – ändern die Wahrnehmung, die unsere Seele vom Bild und der Persönlichkeit von Unserem HERRN JESUS CHRISTUS hat.

Wenn ich an „JESUS“ dachte, kam mir das Bildnis in den Sinn von JESUS als dem Autor der Botschaften des WLIG. Und dieses JESUS-Bild als Autor der WLIG-Botschaften war jener „JESUS“, der alle jene verurteilte, die nicht an die Echtheit dieser Botschaften glaubten. (Obwohl ja die Kirche lehrt, dass Privat-Offenbarungen, die nicht von dafür zuständigen kirchlichen Stellen geprüft und genehmigt worden sind, nicht als echt dargestellt, weder gelesen noch verbreitet werden dürfen.)

Aber durch das Gnaden-Mittel des GEBETES, hat GOTT VATER das Bild SEINES SOHNES CHRISTUS in mir wiederhergestellt.

Abschließend und zusammenfassend will ich betonen, dass ich die persönliche Erfahrung gemacht habe, ohne Bedingung und ohne zu hinterfragen an eine nicht anerkannte Privatoffenbarung wie das WLIG zu glauben.

Mit diesen Hintergrund der persönlichen Erfahrung kann ich mit größtmöglicher Glaubwürdigkeit bezeugen, wie so ein bedingungsloser und teilweise fanatischer Glaube die Seele schädigen, ersticken und sogar zerstören kann.”

Die Fortsetzung dieses Glaubenszeugnisses von Maria Laura Pio finden Sie hier:

http://www.infovassula.ch/tliggerman.htm#TESTIMONY_1

 


Vassula Ryden und ihr „visionäres“ Gebet

Die „Seherin“ und das falschmystische Prinzip der Verdrängung

Die ebenso  bekannte wie umstrittene Visionärin Vassula Ryden (die von der orthodoxen Kirchenleitung exkommuniziert wurde)  schreibt auf ihrer Webseite, daß die folgenden drei Gebete aufgrund eines angeblichen Wunsches Jesu täglich gebetet werden sollen:

http://www.tlig.org/de/spirituality/prayers/threedaily/

Das Gebet zum hl. Erzengel Michael sowie das „Memorare“ des hl. Bernhard („Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria“) sind seit Jahrhunderten bekannt und bedürfen insoweit keiner Vassula-Visionen.

Das einzig neue dieser „drei täglich zu verrichtenden Gebete“ ist das folgende, das sich „Novene des Vertrauens an das Heiligste Herz Jesu“ nennt.  Der Titel und das Gebet klingen natürlich sehr fromm.

Allerdings stellt sich die grundsätzliche Frage: Warum fehlen bei diesen „täglichen drei Gebeten“ das Vaterunser und das Ave-Maria?

Soll hier wieder  – wie  so oft bei falschmystischen Visionen  -  das Bessere durch das Gute verdrängt werden?  Ist nicht das von Christus selbst gelehrte Vater-Unser-Gebet an oberster Stelle, also das beste aller Gebete?

Kommt nicht an zweiter Stelle das Ave-Maria? Dies umso mehr, als es zu zwei Dritteln aus wörtlichen Aussagen des Neuen Testamentes besteht (Gruß des Engels, Gruß der hl. Elisabeth).

Beim Michaels-Gebet und dem „Memorare“ des hl. Bernhard handelt es sich zweifellos um gute Gebete  – aber dürfen sie die noch besseren Gebete (Paternoster und Ave) als tägliche Gebete etwa verdrängen?

Nun zum völlig neuen Gebet, das Vassula uns im angeblichen Auftrag Jesu täglich zu verrichten empfiehlt; dort heißt es eingangs:

„Oh, Herr, Jesus Christus,
Deinem Heiligsten Herzen übergebe ich
dieses Anliegen
(Erwähne hier deine Anliegen)

Schau mich nur an,
und dann lasse Dein Herz walten,
Möge Dein Heiligstes Herz entscheiden
Ich rechne mit Ihm, ich vertraue Ihm,
ich werfe mich Seinem Erbarmen zu Füssen.“

Dieses Gebet hat durchaus etwas Drängendes und Beschwörendes an sich, das unangemessen klingt, zumal diese Wendung „Schau mich nur an  – und dann lasse Dein Herz walten!“ so verstanden werden könnte, als ob wir selber so großartig seien, daß ein Blick Jesu auf uns sein Herz in Richtung unseres Anliegens „bewegen“ müßte.

Dieser drängende Ton setzt sich im nächsten Abschnitt fort:

„Herr Jesus! Du wirst mich nicht im Stich lassen.
Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue auf Dich.
Heiligstes Herz Jesu, ich glaube
an Deine Liebe zu mir
Heiligstes Herz Jesu, Dein Königreich komme.“

Es heißt hier: „Du wirst mich nicht im Stich lassen.“  – Das ist weniger eine demütige Bitte, wie sie sich für sündige Geschöpfe geziemt  -  als vielmehr eine Art Aufforderung in eigener Sache (eigene Anliegen).  -  Sodann heißt es weiter:

„O Heiligstes Herz Jesu, ich habe bereits
um viele Gunsterweise gebeten und
Deine Hilfe erfahren, dafür danke ich Dir.
Nun bitte ich Dich wiederum inständig:
Nimm mein Anliegen und lege es
in Dein Heiligstes Herz.
Wenn der Ewige Vater es
von Deinem Kostbaren Blut bedeckt sieht,
bedeckt sieht, wird er nichts verweigern.
Es ist dann nicht mehr meine Bitte,
sondern Deine.

O Jesus, o Heiligstes Herz Jesu,
ich setze mein Vertrauen auf Dich.
Lass mich niemals verloren sein.
Amen.“

Erneut wird hier bei diesem Vers die Erhörung der Gebetsbitte als selbstverständlich vorausgesetzt, wenngleich mit frommen Worten garniert:

„Wenn der Ewige Vater mein Anliegen
von Deinem Kostbaren Blut bedeckt sieht,
bedeckt sieht, wird er nichts verweigern.“

Diese beschwörende Gebetssprache ist kennzeichnend für viele führende Charismatiker und angeblich „Begnadete“, die offenbar glauben, den Himmel durch ihre drängenden Worte zugunsten eigener Anliegen „bewegen“ zu können. Natürlich dürfen wir uns mit intensiven Bittgebeten an Gott bzw. Christus wenden, doch stets in einer Haltung der Bescheidenheit und Demut  – gemäß dem Vorbild des HERRN, der auf dem Ölberg betete: „Vater, nicht mein, sondern Dein Wille geschehe!“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Der Millenarismus und die Kirche

Was sagt die Kirche zum „Tausendjährigen Reich“?

Ergänzend zum biblisch orientierten Artikel über die falschgeistige Erweckungs-Erwartung im Pfingstlerspektrum („zweites Pfingsten“, weltweite Erweckung, kommendes „Friedensreich“ etc),  folgt hier der  Standpunkt unserer katholischen Kirche zum Thema Chiliasmus oder Millenarismus (gemeint ist die Lehre vom Tausendjährigen Reich in der Endzeit).

Wir unterscheiden zwei unterschiedliche “Endzeit-Schwärmereien” (Chiliasmus-Modelle):

A Prä-Millenarismus (Millennium  = tausendjähriges Reich, prä =  vor):

Dieser Standpunkt geht davon aus, daß Christus  v o r  dem tausendjährigen Reich erscheint, das er dann glorreich auf  E r d e n  errichten wird (diese Sicht entspricht einer wortwörtlichen Auslegung der Johannesoffenbarung). PAX

Die kath. Kirche glaubt, daß sich dieses Reich des HERRN nicht auf das Diesseits bezieht, doch sie toleriert die prä-millenaristische Ansicht, zumal sie auch von einigen frühen Kirchenvätern des 2. Jahrhunderts vertreten wurde, freilich meist in einer sehr gemäßigten Variante.  Wer also unbedingt daran glauben möchte, kann das tun, befindet sich aber theologisch auf unsicherer Ebene.

B. Post-Millenarismus (post = nach):

Dieser Standpunkt geht davon aus, daß durch christliche Predigt, Geist-Aussendung oder ein gewisses Eingreifen Gottes ein weltweites Friedensreich entsteht und Christus erst d a n a c h  als Weltenrichter kommen wird  -  also erst das “Millennium”, dann erst Christi Wiederkunft.

Diese These, die vor allem in Charismatikerkreisen oder bestimmen marianischen Richtungen weit verbreitet ist,  wird von der kath. Kirche  a b g e l e h n t, da sie der Heiligen Schrift eindeutig widerspricht, vor allem 2 Thess 2,1 ff.

Ein praktisches Beispiel sei erwähnt:

Unser Papst hatte, als er noch Kardinal Joseph Ratzinger war, als Chef der Glaubenskongregation im Oktober 1995 eine Notifikation zur orthodoxen “Seherin” und angeblichen “Stigmatisierten” Vassula Ryden erlassen.

Darin werden eine Reihe theologischer Irrtümer der “Visionärin” aufgelistet, darunter auch ihre post-millenaristischen bzw “chiliastischen” Vorstellungen; so heißt es wörtlich in der Vatikan-Note über Vassulas “Botschaften”.

“In chiliastischer Weise wird ein entscheidendes und glorreiches Eingreifen Gottes prophezeit, der im Begriff sei, auf Erden noch  v o r  der endgültigen Ankunft Christi ein Zeitalter des Friedens und des allgemeinen Wohlergehens zu errichten.”

Dieser Punkt war also einer der Gründe für die Ablehnung der “Botschaften” Vassulas, die übrigens im Frühjahr 2011 seitens ihrer griechisch-orthodoxen Kirche exkommuniziert wurde, was überfällig war, denn auch die Apostel verstanden einst keinen Spaß, wenn Irrlehren verbreitet wurden – noch dazu im mißbrauchten Namen des “Glaubens” oder des “Heiligen Geistes”.

Auch früher hatte die Kirche post-millenaristische Thesen verurteilt, so etwa die Endzeitschwärmerei des italienischen Abtes Joachim von Fiore, der ein großartiges Heilig-Reist-Reich vor der Wiederkunft Christi ankündigte.

Auch im Zusammenhang mit den späteren “Botschaften” von La Salette (die von der Kirche  im Unterschied zum ersten Teil nicht anerkannt wurden) wurde deren postmillenaristische Richtung kritisiert. (Melanie hatte endzeitschwärmerisch von einem Friedensreich vor der Wiederkunft Christi fabuliert, von “Aposteln der letzten Tage” usw).

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Orthodoxe und katholische Kirchenleitungen contra “Seherin” Vassula Ryden

Die griechisch-orthodoxe “Seherin” Vassula Ryden wird von der orthodoxen Kirchenleitung theologisch klar abgelehnt, ihre angeblichen Visionen wurden im Jahr 2010 ausdrücklich verworfen und die Charismatiksche Bewegung allgemein als verfehlte “Neuerung” kritisiert.

Bereits 1995 stellte  zudem die katholische “Kongregation für die Glaubenslehre”  unter Leitung von Kardinal Ratzinger, dem heutigen Papst,  in einer Notifikation fest:

“Viele Bischöfe, Priester, Ordensmänner, Ordensfrauen und Laien wenden sich an diese Kongregation mit der Bitte um ein maßgebendes Urteil über die Tätigkeit der in der Schweiz ansässigen griechisch-orthodoxen Frau Vassula Ryden, die weltweit in katholischen Gebieten ihre Worte und ihre Schriften als angeblich vom Himmel offenbarte Botschaften verbreitet. Eine von dieser Kongregation vorgenommene aufmerksame und objektive Untersuchung in der Absicht, ‘die Geister zu prüfen, ob sie aus Gott sind’ (vgl. 1 Joh. 4,1) hat … ein Gesamtbild von wesentlichen Elementen gezeigt, die im Lichte der katholischen Lehre als negativ betrachtet werden müssen.”

Die Glaubenskongregation urteilt zusammenfassend, “daß es sich bei den angeblichen himmlischen Botschaften nur um die Frucht privater Meditation handelt.”

Die Kongregation fordert, “daß die Bischöfe einschreiten, ihre Gläubigen angemessen informieren und in ihren Diözesen keine Ausbreitung der Ryden’schen Ideen gestatten. Sie fordert schließlich alle Gläubigen auf, die Schriften und die Interventionen von Frau Vassula Ryden nicht als übernatürlich zu betrachten und den Glauben, den der HERR der Kirche anvertraut hat, rein zu bewahren”

Quelle: Vatikanzeitung  “L’Osservatore Romano” vom 23./24. Oktober 1995


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