PAPST: Deutschlandbesuch

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“Ich bete für eine gute Zukunft unseres Landes in Frieden und Freiheit!”

Abschiedsworte des Papstes in Lahr am 25.9.2011

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!                                 
Verehrte Vertreter des Bundes, des Landes
Baden-Württemberg und der Gemeinden!
Liebe Mitbrüder im Bischofsamt!
Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Bevor ich nun Deutschland verlasse, drängt es mich, Dank zu sagen für die vergangenen erlebnisreichen und bewegenden Tage in der Heimat.

Mein Dank gilt Ihnen, Herr Bundespräsident Wulff, der Sie mich in Berlin im Namen des deutschen Volkes empfangen und jetzt zum Abschied erneut durch Ihre freundlichen Worte geehrt haben. Ich danke den Vertretern der Bundes- und der Landesregierung, die zur Verabschiedung gekommen sind.

Einen herzlichen Dank sage ich ebenfalls Erzbischof Zollitsch von Freiburg, der mich während der ganzen Reise begleitete. Gern schließe ich auch Erzbischof Woelki von Berlin und Bischof Wanke von Erfurt in meinen Dank ein, die mir ebenfalls ihre Gastfreundschaft gezeigt haben, sowie dem gesamten deutschen Episkopat.1_0_668126

Besonderer Dank gilt schließlich den vielen, die diese vier Tage im Hintergrund vorbereitet und für deren reibungslosen Ablauf Sorge getragen haben: den kommunalen Einrichtungen, den Sicherheitskräften, dem ärztlichen Dienst, den Verantwortlichen für die öffentlichen Verkehrsmittel wie auch den zahlreichen freiwilligen Helfern.

Allen Menschen danke ich für die eindrucksvolle Zeit und für die vielfältigen persönlichen Begegnungen sowie für die unzähligen Aufmerksamkeiten und Zeichen der Verbundenheit, die mir erwiesen wurden.

In der Bundeshauptstadt Berlin hatte ich die besondere Gelegenheit, vor den Abgeordneten des deutschen Bundestags zu sprechen und ihnen Gedanken über die geistigen Fundamente des Staates vorzutragen. Gerne denke ich auch an die fruchtbaren Gespräche mit dem Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin über die augenblickliche Situation des deutschen Volkes und der Völkergemeinschaft zurück.

Besonders berührt haben mich die freundliche Aufnahme und die große Begeisterung so vieler Menschen in Berlin.

Im Land der Reformation bildete naturgemäß die Ökumene einen Schwerpunkt der Reise. Hier möchte ich die Begegnung mit den Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland im Augustinerkloster in Erfurt hervorheben. Für den brüderlichen Austausch und das gemeinsame Gebet bin ich von Herzen dankbar. Bedeutungsvoll war aber auch das Zusammentreffen mit orthodoxen und orientalischen Christen sowie mit Juden und Muslimen.

Dieser Besuch galt natürlich besonders den Katholiken in Berlin, in Erfurt, im Eichsfeld und in Freiburg. Gerne erinnere ich mich an die gemeinsamen Gottesdienste, an die Freude, an das gemeinsame Hören des Wortes Gottes und das vereinte Beten – vor allem auch in den Teilen des Landes, in denen über Jahrzehnte hinweg versucht wurde, Religion aus dem Leben der Menschen zu drängen. ebay

Dies stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft des Christentums in Deutschland. Wie schon bei den früheren Besuchen war erfahrbar, wie viele Menschen hier ihren Glauben bezeugen und seine gestaltende Kraft in der heutigen Welt gegenwärtig werden lassen.

Nicht zuletzt habe ich mich sehr gefreut, nach dem eindrucksvollen Weltjugendtag in Madrid auch in Freiburg bei der gestrigen Jugendvigil wieder mit vielen jungen Menschen zusammen zu sein.

Ich ermutige die Kirche in Deutschland, mit Kraft und Zuversicht den Weg des Glaubens weiterzugehen, der Menschen dazu führt, zu den Wurzeln, zum wesentlichen Kern der Frohbotschaft Christi zurückzukehren.

Es wird kleine Gemeinschaften von Glaubenden geben – und es gibt sie schon –, die in die pluralistische Gesellschaft mit ihrer Begeisterung hineinstrahlen und andere neugierig machen, nach dem Licht zu suchen, das Leben in Fülle schenkt. „Es gibt nichts Schöneres, als Christus zu kennen und den anderen die Freundschaft mit ihm zu schenken“ (Predigt zur Amtseinführung, 24. April 2005).

Aus dieser Erfahrung wächst schließlich die Gewissheit: „Wo Gott ist, da ist Zukunft!“

Wo Gott zugegen ist, da ist Hoffnung und da eröffnen sich neue, oft ungeahnte Perspektiven, die über den Tag und das nur Kurzlebige hinausreichen. In diesem Sinne begleite ich in Gedanken und im Gebet den Weg der Kirche in Deutschland.

Erfüllt von den eindrucksvollen Erlebnissen und Erinnerungen an diese Tage in der Heimat kehre ich nun nach Rom zurück. Mit der Zusicherung meines Gebets für Sie alle und für eine gute Zukunft unseres Landes in Frieden und Freiheit sage ich zum Abschied ein herzliches Vergelt’s Gott. Der HERR segne Sie alle!

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“Es ist an der Zeit, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen!”

Papst-Ansprache im Konzerthaus Freiburg am 25.9.2011 vor 1500 geladenen Gästen

Liebe Mitbrüder im Bischofs- und Priesteramt! Sehr geehrte Damen und Herrn!

Ich freue mich über diese Begegnung mit Ihnen, die Sie sich in vielfältiger Weise für die Kirche und für das Gemeinwesen engagieren. Dies gibt mir eine willkommene Gelegenheit, Ihnen hier persönlich für Ihren Einsatz und Ihr Zeugnis als „kraftvolle Boten des Glaubens an die zu erhoffenden Dinge” ganz herzlich zu danken. In Ihrem Arbeitsumfeld treten Sie bereitwillig für Ihren Glauben und für die Kirche ein, was in der heutigen Zeit nicht immer leicht ist.

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Seit Jahrzehnten erleben wir einen Rückgang der religiösen Praxis, stellen wir eine zunehmende Distanzierung beträchtlicher Teile der Getauften vom kirchlichen Leben fest.

Es kommt die Frage auf: Muss die Kirche sich nicht ändern? Muss sie sich nicht in ihren Ämtern und Strukturen der Gegenwart anpassen, um die suchenden und zweifelnden Menschen von heute zu erreichen?

Die selige Mutter Teresa wurde einmal gefragt, was sich ihrer Meinung nach als erstes in der Kirche ändern müsse. Ihre Antwort war: Sie und ich!

An dieser kleinen Episode wird uns zweierlei deutlich. Einmal will die Ordensfrau dem Gesprächspartner sagen: Kirche sind nicht nur die anderen, nicht nur die Hierarchie, der Papst und die Bischöfe; Kirche sind wir alle, wir, die Getauften.

Zum anderen geht sie tatsächlich davon aus: ja, es gibt Anlass, sich zu ändern. Es ist Änderungsbedarf vorhanden. Jeder Christ und die Gemeinschaft der Gläubigen sind zur stetigen Änderung aufgerufen.

Wie soll diese Änderung nun konkret aussehen? Geht es hier um eine Erneuerung, wie sie etwa ein Hausbesitzer durch die Renovierung oder den neuen Anstrich seines Anwesens durchführt? Oder geht es hier um eine Korrektur, um wieder auf Kurs zu kommen sowie schneller und geradliniger einen Weg zurückzulegen?

Sicher spielen diese und andere Aspekte eine Rolle. Was die Kirche betrifft, ist das grundlegende Motiv der Änderung aber die apostolische Sendung der Jünger und der Kirche selbst.

Dieser ihrer Sendung muss sich die Kirche nämlich immer neu vergewissern. Die drei synoptischen Evangelien lassen verschiedene Aspekte des Sendungsauftrags aufleuchten: Die Sendung gründet in der persönlichen Erfahrung: „Ihr seid meine Zeugen“ (Lk 24,48); sie kommt zum Ausdruck in Beziehungen: „Macht alle Menschen zu meinen Jüngern“ (Mt 28,19); und sie gibt eine universale Botschaft weiter: „Verkündet das Evangelium allen Geschöpfen“ (Mk 16,15).

Durch die Ansprüche und Sachzwänge der Welt wird aber immer wieder das Zeugnis verdunkelt, werden die Beziehungen entfremdet und wird die Botschaft relativiert. Wenn nun die Kirche, wie Papst Paul VI. sagt, „danach trachtet, sich selbst nach dem Typus, den Christus ihr vor Augen stellt, zu bilden, dann wird sie sich von der menschlichen Umgebung tief unterscheiden, in der sie doch lebt oder der sie sich nähert“ (Enzyklika Ecclesiam Suam, 60). per ebay

Um ihre Sendung zu verwirklichen, wird sie immer wieder auf Distanz zu ihrer Umgebung gehen, sie hat sich gewissermaßen zu „ent-weltlichen“.

Die Sendung der Kirche kommt ja vom Geheimnis des Dreieinigen Gottes her, dem Geheimnis seiner schöpferischen Liebe. Die Liebe ist nicht nur irgendwie in Gott, er selbst ist vom Wesen her die Liebe. Und die göttliche Liebe will nicht für sich sein, sie will sich verströmen. Sie ist in der Menschwerdung und Hingabe des Sohnes Gottes in besonderer Weise auf die Menschen zugekommen. Er ist aus dem Rahmen seines Gottseins herausgetreten, hat Fleisch angenommen und ist Mensch geworden; und zwar nicht nur, um die Welt in ihrer Weltlichkeit zu bestätigen und ihr Gefährte zu sein, der sie ganz so läßt, wie sie ist.

Zum Christusgeschehen gehört das Unfassbare, dass es  –  wie die Kirchenväter sagen  –  ein commercium, einen Tausch zwischen Gott und den Menschen gibt, in dem beide – wenn auch auf ganz verschiedene Weise – Gebende und Nehmende, Schenkende und Empfangende sind.

Der christliche Glaube weiß, dass Gott den Menschen in eine Freiheit gesetzt hat, in der er wirklich Partner sein und mit Gott in Tausch treten kann. Zugleich ist dem Menschen klar, dass dieser Tausch nur dank der Großmut Gottes möglich ist, der die Armut des Bettlers als Reichtum annimmt, um das göttliche Geschenk erträglich zu machen, dem der Mensch nichts Gleichwertiges zu bieten vermag.

Auch die Kirche verdankt sich ganz diesem ungleichen Tausch. Sie hat nichts Eigenständiges gegenüber dem, der sie gestiftet hat. Sie findet ihren Sinn ausschließlich darin, Werkzeug der Erlösung zu sein, die Welt mit dem Wort Gottes zu durchdringen und die Welt in die Einheit der Liebe mit Gott zu verwandeln.

Die Kirche taucht ganz ein in die Hinwendung des Erlösers zu den Menschen. Sie selbst ist immer in Bewegung, sie muss sich fortwährend in den Dienst der Sendung stellen, die sie vom Herrn empfangen hat. Die Kirche muss sich immer wieder neu den Sorgen der Welt öffnen und sich ihnen ausliefern, um den heiligen Tausch, der mit der Menschwerdung begonnen hat, weiterzuführen und gegenwärtig zu machen.

In der geschichtlichen Ausformung der Kirche zeigt sich jedoch auch eine gegenläufige Tendenz, dass nämlich die Kirche sich in dieser Welt einrichtet, selbstgenügsam wird und sich den Maßstäben der Welt angleicht. Sie gibt Organisation und Institutionalisierung größeres Gewicht als ihrer Berufung zur Offenheit. per ebay (2)

Um ihrem eigentlichen Auftrag zu genügen, muss die Kirche immer wieder die Anstrengung unternehmen, sich von der Weltlichkeit der Welt lösen. Sie folgt damit den Worten Jesu nach: „Sie sind nicht von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt bin“ (Joh 17,16).

Die Geschichte kommt der Kirche in gewisser Weise durch die verschiedenen Epochen der Säkularisierung zur Hilfe, die zu ihrer Läuterung und inneren Reform wesentlich beigetragen haben.

Die Säkularisierungen  –  sei es die Enteignung von Kirchengütern, sei es die Streichung von Privilegien oder ähnliches  – bedeuteten nämlich jedes Mal eine tiefgreifende Entweltlichung der Kirche, die sich ja dabei gleichsam ihres weltlichen Reichtums entblößte und wieder ganz ihre weltliche Armut annahm.

Damit teilte die Kirche das Schicksal des Stammes Levi, der nach dem Bericht des Alten Testamentes als einziger Stamm in Israel kein eigenes Erbland besaß, sondern allein Gott selbst, sein Wort und seine Zeichen als seinen Losanteil gezogen hatte. Mit ihm teilte sie in jenen geschichtlichen Momenten den Anspruch einer Armut, die sich zur Welt geöffnet hat, um sich von ihren materiellen Bindungen zu lösen  -  und so wurde auch ihr missionarisches Handeln wieder glaubhaft.

Die geschichtlichen Beispiele zeigen: Das missionarische Zeugnis der entweltlichten Kirche tritt klarer zutage. Die von ihrer materiellen und politischen Last befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein. Sie kann ihre Berufung zum Dienst der Anbetung Gottes und zum Dienst des Nächsten wieder unbefangener leben. Die missionarische Pflicht, die über der christlichen Anbetung liegt und die ihre Struktur bestimmen sollte, wird deutlicher sichtbar. Sie öffnet sich der Welt, nicht um die Menschen für eine Institution mit eigenen Machtansprüchen zu gewinnen, sondern um sie zu sich selbst zu führen, indem sie zudem führt, von dem jeder Mensch mit Augustinus sagen kann: Er ist mir innerlicher als ich mir selbst (vgl. Conf. 3, 6, 11).

Er, der unendlich über mir ist, ist doch so in mir, dass er meine wahre Innerlichkeit ist. Durch diese Art der Öffnung der Kirche zur Welt wird damit auch vorgezeichnet, in welcher Form sich die Weltoffenheit des einzelnen Christen wirksam und angemessen vollziehen kann.

Es geht hier nicht darum, eine neue Taktik zu finden, um der Kirche wieder Geltung zu verschaffen. Vielmehr gilt es, jede bloße Taktik abzulegen und nach der totalen Redlichkeit zu suchen, die nichts von der Wahrheit unseres Heute ausklammert oder verdrängt, sondern ganz im Heute den Glauben vollzieht, eben dadurch daß sie ihn ganz in der Nüchternheit des Heute lebt, ihn ganz zu sich selbst bringt, indem sie das von ihm abstreift, was nur scheinbar Glaube, in Wahrheit aber Konvention und Gewohnheiten sind.

Sagen wir es noch einmal anders: Der christliche Glaube ist für den Menschen allezeit, nicht erst in unserer Zeit, ein Skandal. Dass der ewige Gott sich um uns Menschen kümmern, uns kennen soll, dass der Unfassbare zu einer bestimmten Zeit fassbar geworden sein soll, dass der Unsterbliche am Kreuz gelitten haben und gestorben sein soll, dass uns Sterblichen Auferweckung und Ewiges Leben verheißen ist  –  das zu glauben ist nun einmal für uns Menschen eine Zumutung.

Dieser Skandal, der unaufhebbar ist, wenn man nicht das Christentum selbst aufheben will, ist leider gerade in jüngster Zeit überdeckt worden von den anderen schmerzlichen Skandalen der Verkünder des Glaubens. Gefährlich wird es, wenn diese Skandale an die Stelle des primären skandalon des Kreuzes treten und ihn dadurch unzugänglich machen, also den eigentlichen christlichen Anspruch hinter der Unbotmäßigkeit seiner Boten verdecken. per ebay (3)

Umso mehr ist es wieder an der Zeit, die Weltlichkeit der Kirche beherzt abzulegen.

Das heißt nicht, sich aus der Welt zurückzuziehen. Eine vom Weltlichen entlastete Kirche vermag gerade auch im sozial-karitativen Bereich den Menschen, den Leidenden wie ihren Helfern, die besondere Lebenskraft des christlichen Glaubens vermitteln. „Der Liebesdienst ist für die Kirche nicht eine Art Wohlfahrtsaktivität, die man auch anderen überlassen könnte, sondern er gehört zu ihrem Wesen, ist unverzichtbarer Wesensausdruck ihrer selbst” (Enzyklika Deus caritas est, 25).

Allerdings haben sich auch die karitativen Werke der Kirche immer neu dem Anspruch einer angemessenen Entweltlichung zu stellen, sollen ihr nicht angesichts der zunehmenden Entkirchlichung ihre Wurzeln vertrocknen. Nur die tiefe Beziehung zu Gott ermöglicht eine vollwertige Zuwendung zum Mitmenschen, so wie ohne Zuwendung zum Nächsten die Gottesbeziehung verkümmert.

Offensein für die Anliegen der Welt heißt demnach für die entweltlichte Kirche, die Herrschaft der Liebe Gottes nach dem Evangelium durch Wort und Tat hier und heute zu bezeugen -  und dieser Auftrag weist zudem über die gegenwärtige Welt hinaus; denn das gegenwärtige Leben schließt die Verbundenheit mit dem Ewigen Leben ein.

Leben wir als einzelne und als Gemeinschaft der Kirche die Einfachheit einer großen Liebe, die auf der Welt das Einfachste und Schwerste zugleich ist, weil es nicht mehr und nicht weniger verlangt, als sich selbst zu verschenken.

Liebe Freunde! Es bleibt mir, den Segen Gottes und die Kraft des Heiligen Geistes für uns alle zu erbitten, dass wir in unserem jeweiligen Wirkungsbereich immer wieder neu Gottes Liebe und sein Erbarmen erkennen und bezeugen können. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

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Verbinden wir uns mit dem JA-Wort der Madonna!

Der ANGELUS: Das Abschlußgebet bei der Sonntagsmesse des Papstes

Zum Abschluß der hl. Messe am Sonntag, den 25.9.2011 in Freiburg, betete der Papst gemeinsam mit ca 100.000 versammelten Gläubigen den Angelus, das Gebet  vom “Engel des Herrn”, der Maria die Botschaft brachte, die unser Heil eröffnete.

Hier die einladenden Worte des Papstes vor dem Angelus:

Liebe Brüder und Schwestern!

Diese feierliche heilige Messe wollen wir gemeinsam mit dem „Engel des Herrn” beschließen. Dieses Gebet erinnert uns immer wieder aufs Neue an den geschichtlichen Anfang unseres Heils.

Der Erzengel Gabriel unterbreitet der Jungfrau Maria den Heilsplan Gottes, nach dem sie Mutter des Erlösers werden soll. Maria erschrickt. Doch der Engel spricht ihr ein Wort des Trostes zu: „Fürchte dich nicht, Maria, denn Du hast bei Gott Gnade gefunden.”  – So kann Maria ihr großes Jawort sprechen.

Dieses Ja, Magd des Herrn zu sein, ist das vertrauensvolle Ja zum Plan Gottes, zu unserer Erlösung. Und sie spricht das Ja schließlich zu uns allen, die sie unter dem Kreuz als Kinder anvertraut bekommt (vgl. Joh 19,27).

Nie nimmt sie diese Zusage zurück. Und deshalb ist sie selig, ja glückselig zu preisen, denn sie hat geglaubt, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ (vgl. Lk 1,45).

Wenn wir nun den Engelsgruß beten, dürfen wir uns mit dem Jawort Marias verbinden, voller Vertrauen einstimmen in die Schönheit des Planes Gottes und der Vorsehung, die er uns in seiner Huld zugedacht hat. Dann wird die Liebe Gottes auch in unserem Leben gleichsam Fleisch werden, immer mehr Gestalt annehmen.

In allen Sorgen brauchen wir keine Angst haben. Gott ist gut. Zugleich dürfen wir uns getragen wissen von der Gemeinschaft der vielen Gläubigen, die jetzt in dieser Stunde auf der ganzen Welt mit uns zusammen über Fernsehen und Rundfunk den „Engel des Herrn” beten.

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Das 800 Jahre alte Angelusgebet, das stark von wesentlichen Aussagen der Bibel geprägt ist, hat folgenden Wortlaut:

Der Engel des HERRN brachte Maria die Botschaft
und sie empfing vom Heiligen Geist.
Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade, der HERR ist mit Dir…..
Und Maria sprach: “Siehe, ich bin eine Dienerin des HERRN  –
mir geschehe nach Deinem Wort.”
Gegrüßet seist Du, Maria, voll der Gnade, der HERR ist mir Dir….
Und das Wort ist Fleisch geworden
und hat unter uns gewohnt.
Gegrüßet seist Du Maria, voll der Gnade, der HERR ist mir Dir….
 
Bitte für uns, heilige Gottesmutter,
auf daß wir würdig werden der Verheißungen Christi.
 
Allmächtiger Gott, gieße Deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, Deines Sohnes erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung.  Darum bitten wir durch Christus, unseren HERRN.  Amen.
 
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“Gott sehnt sich nach dem Heil seines Volkes”

Papst-Predigt bei der Sonntagsmesse in Freiburg am 25.9.2011

Liebe Brüder und Schwestern!

Es ist für mich bewegend, hier mit so vielen Menschen aus verschiedenen Teilen Deutschlands und aus seinen Nachbarländern noch einmal Eucharistie, Danksagung, zu feiern. Wollen wir vor allem Gott Dank sagen, in dem wir leben und uns bewegen.

Danken möchte ich aber auch euch allen für euer Gebet zugunsten des Nachfolgers Petri, dass er seinen Dienst weiter in Freude und Zuversicht verrichten und die Geschwister im Glauben stärken kann.

„Großer Gott, du offenbarst deine Macht vor allem im Erbarmen und im Verschonen”, so haben wir im Tagesgebet gesprochen.

In der ersten Lesung hörten wir, wie Gott in der Geschichte Israels die Macht seines Erbarmens zu erkennen gab. Die Erfahrung des babylonischen Exils hatte das Volk in eine Glaubenskrise gestürzt: Warum war dieses Unheil hereingebrochen? War Gott nicht wirklich mächtig?

Angesichts alles Schrecklichen, was in der Welt geschieht, gibt es heute Theologen, die sagen, Gott könne nicht allmächtig sein. Demgegenüber bekennen wir uns zu Gott, dem Allmächtigen, dem Schöpfer des Himmels und der Erde. Wir sind froh und dankbar, dass er allmächtig ist.

Aber wir müssen zugleich uns bewusst werden, dass er seine Macht anders ausübt, als Menschen es zu tun pflegen. Er hat seiner Macht selbst eine Grenze gesetzt, indem er die Freiheit seiner Geschöpfe anerkennt. Wir sind froh und dankbar für die Gabe der Freiheit.

Aber wenn wir das Furchtbare sehen, das durch sie geschieht, dann erschrecken wir doch. Trauen wir Gott, dessen Macht sich vor allem im Erbarmen und Verzeihen zeigt. Und seien wir sicher, liebe Gläubige: Gott sehnt sich nach dem Heil seines Volkes. Er sehnt sich nach unserem Heil.

Immer, und vor allem in Zeiten der Not und des Umbruchs, ist er uns nahe, schlägt sein Herz für uns, wendet er sich uns zu. Damit die Macht seines Erbarmens unsere Herzen anrühren kann, bedarf es der Offenheit für ihn, braucht es die Bereitschaft, vom Bösen abzulassen, aus der Gleichgültigkeit aufzustehen und seinem Wort Raum zu geben. Gott achtet unsere Freiheit. Er zwingt uns nicht.

Jesus greift dieses Grundthema der prophetischen Predigt im Evangelium auf. Er erzählt das Gleichnis von den beiden Söhnen, die vom Vater eingeladen werden, im Weinberg zu arbeiten. Der eine Sohn antwortete: „Ja, Herr!, ging aber nicht” (Mt 21,29). Der andere hingegen sagte zum Vater: „Ich will nicht. Später aber reute es ihn, und er ging doch” (Mt 21,30). Auf die Frage Jesu, wer von beiden den Willen des Vaters getan hat, antworten die Zuhörer: „Der zweite” (Mt 21,31).

Die Botschaft des Gleichnisses ist klar: Nicht auf das Reden, sondern auf das Tun kommt es an, auf die Taten der Umkehr und des Glaubens. Jesus richtet diese Botschaft an die Hohepriester und die Ältesten des Volkes, also an die religiösen Experten des Volkes Israel. Sie sagen zuerst ja zu Gottes Willen. Aber ihre Religiosität wird Routine und Gott beunruhigt sie nicht mehr.

Die Botschaft Johannes des Täufers und die Botschaft Jesu empfinden sie darum als störend. So schließt der Herr mit drastischen Worten sein Gleichnis: „Zöllner und Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. Denn Johannes ist gekommen, um euch den Weg der Gerechtigkeit zu zeigen, und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen, und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.” (Mt 21,31-32).

In die Sprache unserer Gegenwart übersetzt könnte das Wort etwa so lauten: Agnostiker, die von der Frage nach Gott umgetrieben werden; Menschen, die unter unserer Sünde leiden und Sehnsucht nach dem reinen Herzen haben, sind näher am Reich Gottes als kirchliche Routiniers, die in ihr nur noch den Apparat sehen, ohne dass ihr Herz vom Glauben berührt wäre.

So muss das Wort Jesu uns alle nachdenklich machen, ja, uns erschüttern. Dies bedeutet aber wahrhaftig nicht, dass nun alle, die in der Kirche leben und für sie arbeiten, eher als fern von Jesus und Gottes Reich einzustufen wären. Ganz und gar nicht!

Nein, dies ist vielmehr der Augenblick, um den vielen haupt- und nebenamtlichen Mitarbeitern, ohne die das Leben in den Pfarreien und in der Kirche als ganzer nicht denkbar wäre, ein Wort sehr herzlichen Dankes zu sagen.

Die Kirche in Deutschland hat viele soziale und karitative Einrichtungen, in denen die Nächstenliebe in einer auch gesellschaftlich wirksamen Form und bis an die Grenzen der Erde geübt wird. Allen, die sich im Deutschen Caritas-Verband oder in anderen kirchlichen Organisationen engagieren oder die ihre Zeit und Kraft großherzig für Ehrenämter in der Kirche zur Verfügung stellen, möchte ich meinen Dank und meine Wertschätzung bekunden. Zu diesem Dienst gehört zunächst sachliche und berufliche Kompetenz.

Aber im Sinn der Weisung Jesu gehört mehr dazu: das offene Herz, das sich von der Liebe Christi treffen lässt und so dem Nächsten, der unser bedarf, mehr gibt als technischen Service: die Liebe, in der dem anderen der liebende Gott – Christus – sichtbar wird.

Fragen wir uns dann: Wie steht es mit meiner persönlichen Gottesbeziehung  –  im Gebet, in der sonntäglichen Messfeier, in der Vertiefung des Glaubens durch die Betrachtung der Heiligen Schrift und das Studium des Katechismus der Katholischen Kirche?

Liebe Freunde! Die Erneuerung der Kirche kann letztlich nur durch die Bereitschaft zur Umkehr und durch einen erneuerten Glauben kommen.

Im Evangelium dieses Sonntags ist von zwei Söhnen die Rede, hinter denen geheimnisvoll aber noch ein dritter Sohn steht. Der erste Sohn sagt ja, tut aber das ihm Aufgetragene nicht. Der zweite Sohn sagt nein, erfüllt jedoch den Willen des Vaters.

Der dritte Sohn sagt ja, und tut auch, was ihm aufgetragen wird. Dieser dritte Sohn ist Gottes eingeborener Sohn Jesus Christus, der uns alle hier zusammengeführt hat. Jesus sprach bei seinem Eintritt in die Welt: „Ja, ich komme, … um deinen Willen, Gott, zu tun” (Hebr 10,7).

Dieses Ja hat er nicht nur gesagt, sondern getan. Es heißt im Christushymnus aus der zweiten Lesung: „Er war Gott gleich, hielt aber nicht daran fest, wie Gott zu sei, sondern entäußerte sich und wurde wie ein Sklave und den Menschen gleich. Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz” (Phil 2,6-8).

In Demut und Gehorsam hat Jesus den Willen des Vaters erfüllt, ist er für seine Brüder und Schwestern am Kreuz gestorben, hat er uns von unserem Hochmut und Eigensinn erlöst. Danken wir ihm für seine Hingabe, beugen wir die Knie vor seinem Namen und bekennen wir mit den Jüngern der ersten Generation: „Jesus Christus ist der Herr – zur Ehre Gottes, des Vaters” (Phil 2,10).

Christliches Leben muss stets neu an Christus Maß nehmen: „Seid untereinander so gesinnt, wie es dem Leben in Christus Jesus entspricht” (Phil 2,5), schreibt Paulus in der Einleitung zum Christushymnus.

Einige Verse vorher ruft er auf: „Wenn es Ermahnung in Christus gibt, Zuspruch aus Liebe, eine Gemeinschaft des Geistes, herzliche Zuneigung und Erbarmen, dann macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, einander in Liebe verbunden, einmütig und einträchtig” (Phil 2,1-2).

Wie Christus ganz dem Vater verbunden und gehorsam war, so sollen seine Jünger Gott gehorchen und untereinander eines Sinnes sein.

Liebe Freunde! Mit Paulus wage ich euch zuzurufen: Macht meine Freude dadurch vollkommen, daß ihr fest in Christus geeint seid! Die Kirche in Deutschland wird die großen Herausforderungen der Gegenwart und der Zukunft bestehen und Sauerteig in der Gesellschaft bleiben, wenn Priester, Gottgeweihte und christgläubige Laien in Treue zur jeweils spezifischen Berufung in Einheit zusammenarbeiten; wenn Pfarreien, Gemeinschaften und Bewegungen sich gegenseitig stützen und bereichern; wenn die Getauften und Gefirmten die Fackel des unverfälschten Glaubens in Einheit mit dem Bischof hochhalten und ihr reiches Wissen und Können davon erleuchten lassen.

Die Kirche in Deutschland wird für die weltweite katholische Gemeinschaft weiterhin ein Segen sein, wenn sie treu mit den Nachfolgern des heiligen Petrus und der Apostel verbunden bleibt, die Zusammenarbeit mit den Missionsländern in vielfältiger Weise pflegt und sich dabei auch von der Glaubensfreude der jungen Kirchen anstecken lässt.

Mit der Mahnung zur Einheit verbindet Paulus den Ruf zur Demut: Tut „nichts aus Ehrgeiz und nichts aus Prahlerei… Sondern in Demut schätze einer den andern höher ein als sich selbst. Jeder achte nicht nur auf das eigene Wohl, sondern auch auf das der anderen” (Phil 2,3-4).

Christliche Existenz ist Pro-Existenz: Dasein für den andern, demütiger Einsatz für den Nächsten und das Gemeinwohl.

Liebe Gläubige! Demut ist eine Tugend, die in der Welt von heute nicht hoch im Kurs steht. Aber die Jünger des Herrn wissen, dass diese Tugend gleichsam das Öl ist, das Gesprächsprozesse fruchtbar, Zusammenarbeit einfach und Einheit herzlich macht.

Humilitas, das lateinische Wort für Demut, hat mit Humus, Erdnähe zu tun. Demütige Menschen stehen mit beiden Beinen auf der Erde. Vor allem aber hören sie auf Christus, auf Gottes Wort, das die Kirche und jedes Glied in ihr unaufhörlich erneuert.

Bitten wir Gott um den Mut und um die Demut, den Weg des Glaubens zu gehen, aus dem Reichtum seines Erbarmens zu schöpfen und den Blick unablässig auf Christus gerichtet zu halten, auf das Wort, das alles neu macht, das für uns „der Weg und die Wahrheit und das Leben” (Joh 14,6) und das unsere Zukunft ist. Amen.

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FOTOs von der Jugendvigil mit dem Papst in Freiburg:

Die Badische Zeitung hat eindrucksvolle Bilder veröffentlicht:

http://www.badische-zeitung.de/fotos-jugendvigil-mit-papst-benedikt-in-freiburg?id=49823190

Auch diese Fotogalerie läßt sich sehen:

http://fudder.de/artikel/2011/09/24/foto-galerie-warten-auf-papst-benedikt/

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“Wagt es, glühende Heilige zu sein!”

Papst-Predigt bei der Jugendvigil in Freiburg am 24.9.2011

Liebe jungen Freunde!

Ich habe mich den ganzen Tag auf diesen Abend gefreut, hier mit euch zusammen zu sein und Gemeinschaft im Gebet mit euch zu haben.

Einige von euch werden schon beim Weltjugendtag dabei gewesen sein, wo wir die besondere Atmosphäre der Ruhe, der tiefen Gemeinschaft und der inneren Freude erleben durften, die über einer abendlichen Gebetsvigil liegt.

Diese Erfahrung wünsche ich uns auch für diesen Moment: dass der Herr uns anrühre und zu frohen Zeugen mache, die miteinander beten und füreinander einstehen, nicht nur heute Abend, sondern unser ganzes Leben.

In allen Kirchen, in den Domen und Klöstern, überall wo sich die Gläubigen zur Feier der Osternacht versammeln, wird die heiligste aller Nächte mit dem Entzünden der Osterkerze eröffnet, deren Licht an alle Anwesenden weitergereicht wird. Eine winzige Flamme verbreitet sich im Kreis vieler Lichter und erhellt das dunkle Gotteshaus.

In diesem wunderbaren liturgischen Ritus, den wir in dieser Gebetsvigil nachgeahmt haben, offenbart sich uns in Zeichen, die mehr sagen als Worte, das Geheimnis unseres christlichen Glaubens.

Er, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12), bringt unser Leben zum Leuchten, damit wahr wird, was wir soeben im Evangelium gehört haben: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14).

Es sind nicht unsere menschlichen Anstrengungen oder der technische Fortschritt unserer Zeit, die Licht in diese Welt bringen. Immer wieder müssen wir es ja erleben, dass unser Mühen um eine bessere und gerechtere Ordnung an seine Grenzen stößt.

Das Leiden der Unschuldigen und letztlich der Tod eines jeden Menschen sind ein undurchdringliches Dunkel, das vielleicht von neuen Erfahrungen her für einen Moment, wie durch einen Blitz in der Nacht, erhellt werden mag. Am Ende bleibt aber doch eine beängstigende Finsternis.

Es mag um uns herum dunkel und finster sein   -  und doch schauen wir ein Licht: eine kleine, winzige Flamme, die stärker ist als die so mächtig und unüberwindbar scheinende Dunkelheit.

Christus, der von den Toten auferstanden ist, leuchtet in dieser Welt und gerade dort am hellsten, wo nach menschlichem Ermessen alles düster und hoffnungslos ist. Er hat den Tod besiegt  –  Er lebt  –  und der Glaube an ihn durchbricht wie ein kleines Licht all das, was finster und bedrohlich ist.

Wer an Jesus glaubt, hat sicherlich nicht immer Sonnenschein im Leben, so als ob ihm Leiden und Schwierigkeiten erspart bleiben könnten, aber stets gibt es da einen hellen Schein, der ihm einen Weg zeigt, der zum Leben in Fülle führt (vgl. Joh 10,10). Wer an Christus glaubt, dessen Augen schauen auch in der dunkelsten Nacht ein Licht und sehen schon das Leuchten eines neuen Tages.

Das Licht bleibt nicht allein. Rings herum flammen weitere Lichter auf. In ihrem Schein erhält der Raum Konturen, so dass man sich orientieren kann. Wir leben nicht allein auf der Welt. Gerade in den wichtigen Dingen des Lebens sind wir auf Mitmenschen angewiesen. S

o stehen wir besonders im Glauben nicht allein, wir sind Glieder in der großen Kette der Gläubigen. Niemand kann glauben, wenn er nicht durch den Glauben der anderen gestützt wird  – und durch meinen Glauben trage ich wiederum dazu bei, die anderen in ihrem Glauben zu stärken.

Wir helfen uns, einander Vorbilder zu sein, lassen die anderen am Unsrigen teilhaben, unseren Gedanken, unseren Taten, unserer Zuneigung. Und wir helfen einander, uns zurechtzufinden, unseres Standpunkts in der Gesellschaft gewahr zu werden.

Liebe Freunde: „Ich bin das Licht der Welt – Ihr seid das Licht der Welt“, sagt der Herr. Es ist geheimnisvoll und großartig, dass Jesus von sich selbst und von jedem von uns das gleiche sagt, nämlich „Licht zu sein“.

Wenn wir glauben, dass Er der Sohn Gottes ist, der Kranke geheilt und Tote erweckt hat, ja selbst aus dem Grabe erstanden ist und wirklich lebt, so verstehen wir, dass er das Licht, die Quelle aller Lichter dieser Welt ist.

Wir dagegen erleben doch immer wieder das Scheitern unserer Bemühungen und das persönliche Versagen trotz bester Absichten. Die Welt, in der wir leben, wird trotz des technischen Fortschritts scheinbar letztlich nicht besser. Noch immer gibt es Krieg und Terror, Hunger und Krankheit, bittere Armut und erbarmungslose Unterdrückung.

Und auch die, die sich in der Geschichte als „Lichtbringer“ verstanden haben, ohne aber von Christus, dem einzigen und wahren Licht entzündet zu sein, haben gerade kein irdisches Paradies geschaffen, sondern Diktaturen und totalitäre Systeme errichtet, in denen selbst der kleinste Funke wahrer Menschlichkeit erstickt wurde.

An diesem Punkt dürfen wir nicht darüber schweigen, dass es das Böse gibt. Wir sehen es an so vielen Orten in dieser Welt; wir sehen es aber auch  – und das erschreckt uns  –  in unserem eigenen Leben.

Ja, in unserem eigenen Herzen gibt es die Neigung zum Bösen, den Egoismus, den Neid, die Aggression. Mit einer gewissen Selbstdisziplin lässt sich das vielleicht einigermaßen kontrollieren.

Schwieriger wird es aber mit einem eher verborgenen Schlechtsein, das sich wie ein dumpfer Nebel auf uns legen kann, und das ist die Trägheit, die Schwerfälligkeit, das Gute zu wollen und zu tun.

Immer wieder in der Geschichte haben aufmerksame Zeitgenossen darauf hingewiesen: Der Schaden der Kirche kommt nicht von ihren Gegnern, sondern von den lauen Christen. Aber wie kann Christus dann sagen, die Christen und damit wohl auch diese schwachen und oft so lauen Christen seien das Licht der Welt?

Vielleicht verstünden wir, wenn er uns zuriefe: Bekehrt euch! Seid das Licht der Welt! Ändert euer Leben, macht es hell und strahlend!  -  Müssen wir nicht staunen, dass der Herr keinen Appell an uns richtet, sondern sagt: Wir sind das Licht der Welt, wir leuchten, wir strahlen im Dunkeln?

Liebe Freunde, der heilige Apostel Paulus scheut sich nicht, in vielen seiner Briefe seine Zeitgenossen, die Mitglieder der Ortsgemeinde, „Heilige” zu nennen. Hier wird deutlich, dass jeder Getaufte  –  noch ehe er gute Werke oder besondere Leistungen tun kann  –  geheiligt ist von Gott.

In der Taufe entzündet der Herr gleichsam ein Licht in unserem Leben, das der Katechismus die heiligmachende Gnade nennt. Wer dieses Licht bewahrt, wer in der Gnade lebt, der ist in der Tat heilig.

Liebe Freunde, immer wieder ist das Bild der Heiligen karikiert und verzerrt worden, so als ob heilig zu sein bedeute, weltfremd, naiv und freudlos zu sein. Nicht selten meint man, ein Heiliger sei nur der, der asketische und moralische Höchstleistungen vollbringe und den man daher wohl verehren, aber im eigenen Leben doch nie nachahmen könne. Wie falsch und entmutigend ist diese Meinung! Es gibt keinen Heiligen, mit Ausnahme der seligen Jungfrau Maria, der nicht auch die Sünde gekannt und niemals gefallen wäre.

Liebe Freunde, Christus achtet nicht so sehr darauf, wie oft ihr im Leben strauchelt, sondern wie oft ihr wieder aufsteht. Er fordert keine Glanzleistungen, sondern möchte, dass Sein Licht in euch scheint.

Er ruft euch nicht, weil ihr gut und vollkommen seid, sondern weil Er gut ist und euch zu seinen Freunden machen will. Ja, ihr seid das Licht der Welt, weil Jesus euer Licht ist. Ihr seid Christen  –  nicht weil ihr Besonderes und Herausragendes tut, sondern weil Er, Christus, euer Leben ist. Ihr seid heilig, weil seine Gnade in euch wirkt.

Liebe Freunde, an diesem Abend, an dem wir uns im Gebet um den einen Herrn versammeln, ahnen wir die Wahrheit des Wortes Christi, dass die Stadt auf dem Berg nicht verborgen bleiben kann.

Diese Versammlung leuchtet im mehrfachen Sinn des Wortes  –  im Schein unzähliger Lichter, im Glanz so vieler Jugendlicher, die an Christus glauben.

Eine Kerze kann nur dann Licht spenden, wenn sie sich von der Flamme verzehren lässt. Sie bliebe nutzlos, würde ihr Wachs nicht das Feuer nähren. Lasst es zu, dass Christus in euch brennt, auch wenn das manchmal Opfer und Verzicht bedeuten kann.

Fürchtet nicht, ihr könntet etwas verlieren und sozusagen am Ende leer ausgehen. Habt den Mut, eure Talente und Begabungen für Gottes Reich einzusetzen und euch hinzugeben  –  wie das Wachs einer Kerze  –  damit der Herr durch euch das Dunkel hell macht.

Wagt es, glühende Heilige zu sein, in deren Augen und Herzen die Liebe Christi strahlt und die so der Welt Licht bringen.

Ich vertraue darauf, dass ihr und viele andere junge Menschen hier in Deutschland Leuchten der Hoffnung sind, die nicht verborgen bleiben: „Ihr seid das Licht der Welt.“  – Amen.

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“Gott schenke uns viele gute Priester!”

Diese Ansprache hielt der Papst am 24.9.2011 im Freiburger Priesterseminar ohne Manuskript aus dem Stegreif:

Liebe Seminaristen, liebe Schwestern und Bruder!

Für mich ist es eine große Freude, dass ich hier mit jungen Menschen zusammen kommen darf, die sich auf den Weg machen, um dem Herrn zu dienen, die auf seinen Ruf horchen und ihm folgen wollen.

Besonders herzlich möchte ich danken für den schönen Brief, den der Herr Regens und die Seminaristen mir geschrieben haben. Es hat mich wirklich ins Herz berührt, wie Sie meinen Brief bedacht und daraus Ihre Fragen und Ihre Antworten entwickelt haben, mit welchem Ernst Sie aufnehmen, was ich da vorzustellen versucht habe, und von daher Ihren eigenen Weg entwickeln.

Das Schönste wäre natürlich, wenn wir ein Gespräch miteinander führen könnten, aber der Reiseplan, unter dem ich stehe und dem ich gehorchen muss, lasst leider solche Sachen nicht zu.

So kann ich nur ein paar Gedanken versuchen, im Anschluss an das, was ihr geschrieben habt und was ich geschrieben hatte, noch einmal herauszustellen.

Bei der Frage: Wozu gehört das Seminar? Was bedeutet diese Zeit?, bewegt mich eigentlich immer wieder am meisten,   wie der heilige Markus im Kapitel 3 des Evangeliums das Werden der Apostelgemeinschaft beschreibt. Er sagt: „Der Herr machte 12“, er schafft etwas, er tut etwas, es ist ein schöpferischer Akt.

„Und er machte sie, damit sie mit ihm seien und damit er sie sende“: Das ist ein doppelter Wille, der manchen in sich widersprüchlich scheint. Damit sie mit ihm seien: sie sollen bei ihm sein, um ihn kennenzulernen, um von ihm zu hören, von ihm sich formen zu lassen; mit ihm gehen, mit ihm auf den Weg, um ihn herum und hinter ihm.

Aber gleichzeitig sollen sie Gesandte sein, die weggehen, die hinaustragen, was sie gelernt haben, die es zu den anderen Menschen bringen, die unterwegs sind, in die Peripherie, ins Weite hinein, auch in das, was weit von ihm entfernt ist.

Und doch gehört diese Paradoxie zusammen: Wenn sie wirklich mit ihm sind, dann sind sie immer auch unterwegs zu den anderen, dann sind sie auf der Suche nach dem verlorenen Schaf, dann gehen sie hin, dann müssen sie weitergeben, was sie gefunden haben, dann müssen sie ihn bekannt machen, Gesandte werden. Und umgekehrt: wenn sie rechte Gesandte sein wollen, dann müssen sie immer bei ihm sein.

Der heilige Bonaventura hat einmal gesagt: Die Engel, wo immer sie sich auch hinbewegen, wie weit auch, sie bewegen sich immer im Inneren Gottes.

So ist es da auch: Als Priester müssen wir hinausgehen in die vielfältigen Strassen, an denen Menschen stehen, die wir einladen sollen zu seinem Hochzeitsmahl. Aber wir können es nur tun, indem wir dabei immer bei ihm bleiben.

Und dies zu lernen, dieses Miteinander von Hinausgehen, von Sendung und von mit-ihm-sein, von bleiben bei ihm, das  ist  –  glaube ich  –  das, was wir gerade im Priesterseminar zu erlernen haben.

Das rechte Bleiben mit ihm, das tiefe in ihm Eingewurzeltwerden, immer mehr mit ihm sein, immer mehr ihn kennen, immer mehr sich nicht von ihm trennen und zugleich immer mehr hinausgehen, Botschaft bringen, weitergeben, nicht für sich behalten, sondern das Wort zu denen bringen, die fern sind  -  und die doch alle als Geschöpfe Gottes und als von Christus Geliebte die Sehnsucht nach ihm im Herzen tragen.

Seminar ist also eine Zeit der Einübung; natürlich auch des Unterscheidens, der Erlernens: Will er mich dafür? Die Sendung muss geprüft werden und dazu gehört dann das Miteinander und gehört natürlich das Gespräch mit den geistlichen Führern, die Sie haben, um unterscheiden zu lernen, was sein Wille ist.

Und dann das Vertrauen zu lernen: Wenn er es wirklich will, dann darf ich mich ihm anvertrauen. In der heutigen Welt, die sich so unerhört ändert und in der alles immer wieder anders wird, in der menschliche Bindungen zerfallen, weil neue Begegnungen auftreten, wird es immer schwerer zu glauben:  ich werde ein leben lang standhalten.

Es war schon für uns in unserer Zeit nicht ganz leicht, sich vorzustellen, wie viele Jahrzehnte vielleicht Gott mir zudenkt, wie anders die Welt werden wird; werde ich es durchhalten mit ihm, so wie ich es versprochen habe…

Es ist eine Frage, die eben das Prüfen der Sendung verlangt, aber dann auch, je mehr ich erkenne “Er will mich”  das Vertrauen: Wenn er mich will, dann hält er mich auch, dann wird er in der Stunde der Verführung, in der Stunde der Not da sein und wird mir Menschen geben, die mir Wege geben, wird mich halten.

Und Treue ist möglich, weil er immer da ist und weil er gestern, heute und morgen ist, weil er nicht nur dieser Zeit zugehört, sondern Zukunft ist und in jeder Stunde uns tragen kann.

Eine Zeit der Unterscheidung, des Erlernens, der Berufung … Und dann, natürlich, als Zeit des Mit-ihm-seins, eine Zeit des Betens, des Hörens auf ihn. Hören, wirklich ihn hören lernen, im Wort der Heiligen Schrift, im Glauben der Kirche, in der Liturgie der Kirche und das Heute in seinem Wort erlernen.

In der Exegese lernen wir viel über das Gestern: Was da alles war, welche Quellen das sind, welche Gemeinden waren und so weiter  – ist auch wichtig.

Aber noch wichtiger ist, dass wir in diesem Gestern das Heute erlernen, dass er jetzt mit diesen Worten spricht  -  und dass Sie alle Ihr Heute in sich tragen und dass Sie über den historischen Anfang hinaus eine Fülle in sich tragen, die zu allen Zeiten spricht.

Und diese Gegenwärtigkeit seines Redens erlernen, hören lernen und damit den anderen Menschen sagen zu können, ist wichtig. Natürlich, wenn man die Predigt für den Sonntag vorbereitet, ist es oft … mein Gott, es ist so weit weg!

Aber wenn ich mit dem Wort lebe, dann sehe ich, es ist gar nicht weit weg, es ist höchst aktuell, es ist jetzt da, es geht mich an und geht die anderen an. Und dann lerne ich auch, es auszulegen. Aber dazu ist ein beständiger innerer Weg mit dem Wort Gottes nötig.

Das persönliche Sein mit Christus, mit dem lebendigen Gott ist das eine; das andere ist, dass wir immer nur im „wir“ glauben können. Ich sage manchmal, der heilige Paulus hat geschrieben: „Glaube kommt vom Hören, nicht vom Lesen“.

Er braucht auch das Lesen, aber vom Hören, das heißt vom lebendigen Wort, vom Zuspruch des Anderen, den ich hören kann, vom Zuspruch der Kirche durch alle Zeiten, von ihrem jetzigen, durch die Priester und Bischöfe, durch die Mitmenschen, die mir das Wort geben  –  zum Glauben gehört das „du“ und zum Glauben gehört das „wir“.

Und gerade das Sich-ertragen üben ist etwas ganz Wichtiges; das Lernen, den anderen anzunehmen als den andern in seiner Andersheit  -  und zu erlernen, dass er mich ertragen muss in meiner Andersheit  -  und „wir“ zu werden,damit wir einmal auch in der Pfarrei eine Gemeinschaft bilden können, Menschen in die Gemeinsamkeit des Wortes hineinrufen können und miteinander auf dem Weg zum lebendigen Gott sind.

Dazu gehört dieses ganz konkrete „wir“, wie es das Seminar ist, wie es dann die Pfarrei ist. Aber dann auch immer das Hinausschauen über das konkrete, beschrankte „wir“ ins große „wir“ der Kirche aller Orte und Zeiten hinein; dass wir uns nicht allein zum Maß nehmen.

Wenn wir sagen: “Wir sind Kirche”  – ja, es ist wahr. Wir sind es, nicht irgendjemand.

Aber das „wir“ ist weiter als die Gruppe, die das gerade sagt. Das „wir“ ist die ganze Gemeinschaft der Gläubigen, heute und die aller Orten und Zeiten.

Und ich sag dann immer: In der Gemeinschaft der Gläubigen, ja da gibt es sozusagen den Spruch der gültigen Mehrheit, aber es kann nie eine Mehrheit gegen die Apostel, gegen die Heiligen geben: Das ist dann eine falsche Mehrheit.

Wir sind Kirche: Seien wir es, seien wir es gerade dadurch, dass wir uns öffnen und hinausgehen über uns selber und es mit den anderen sind.

Ja, ich glaube vom Plan her muss ich wahrscheinlich Schluss machen jetzt. Ich möchte Ihnen nur einen Punkt noch sagen.

Zum Bereitwerden für das Priestertum, zum Weg dahin, gehört vor allem auch das Studieren. Das ist nicht eine akademische Zufälligkeit, die sich in der westlichen Kirche ausgebildet hat, sondern wesentlich.

Wir alle wissen, dass der heilige Petrus gesagt hat: „Seid jederzeit bereit, die Vernunft, den Logos eures Glaubens als Antwort denen zu geben, die danach fragen“.

Unsere Welt  heute ist eine rationalistische und verwissenschaftlichte Welt, wenn oft auch sehr scheinwissenschaftlich. Aber der Geist der Wissenschaftlichkeit, des Verstehens, der Erklärens, des Wissenkönnens, des Ablehnens des Nichtrationalen ist beherrschend in unserer Zeit.

Das hat auch sein Grosses, wenn auch viel Anmaßung und Verkehrtheit dahinter sich oft verbirgt.

Und der Glaube ist nicht eine Gefühlsnebenwelt, die wir uns dann auch noch leisten, sondern er ist das, was das Ganze umgreift und ihm Sinn gibt und es deutet und ihm auch die innere ethische Weisung gibt, dass es auf Gott hin und von Gott her verstanden und gelebt sei.

Deswegen ist es wichtig, Bescheid zu wissen, zu verstehen, die Vernunft geöffnet zu haben, zu lernen. Natürlich werden in 20 Jahren schon wieder ganz andere philosophische Theorien Mode sein als heute: Wenn ich denke, was bei uns höchste, modernste Mode war und wie vergessen das alles ist …

Trotzdem ist es nicht umsonst, dies zu lernen, denn es sind auch beständige Erkenntnisse dabei. Und vor allem, lernen wir darin überhaupt zu urteilen, mitzudenken – kritisch mitzudenken – und zu helfen, dass in dem Denken das Licht Gottes uns erleuchtet und nicht erlischt.

Studieren ist wesentlich: Nur so können wir dieser Zeit standhalten und in ihr den Logos unseres Glaubens verkünden. Auch kritisch studieren, eben in dem Wissen, morgen wird ein anderer Anderes sagen; aber wach und offen und demütig Lernende zu sein, um immer mit dem Herrn, vor dem Herrn und für ihn Lernende zu bleiben.

Ja, ich könnte noch manches sagen, sollte ich vielleicht … Aber ich danke für das Zuhören  -  und im Gebet sind alle Seminaristen der Welt in meinem Herzen präsent. Nicht so schon einzelne Namen, wie ich sie jetzt hier empfangen habe, aber doch in dem inneren Hingehen zum Herrn, dass er alle segnet, allen Licht gibt und den rechten Weg zeigt  -  und dass er uns schenkt, viele gute Priester zu bekommen. Herzlichen Dank.

Quelle: Radio Vatikan

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Papst Benedikt hat ein “hörendes Herz”

Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) über den Papstbesuch

Radio Vatikan veröffentlichte am 24.9.2011 ein Interview mit der evangelischen Theologin und Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen, Christine Lieberknecht.  -  Wir dokumentieren hier die wesentlichen Aussagen:

“Frau Ministerpräsidentin, was ist Ihr persönliches Resümee von dieser Reise des Papstes und dem Besuch Benedikts in Ihrem Land?

Der Besuch war ein ganz großartiges Ereignis. Ich bin mir ganz sicher, dass es eine wichtige Nachwirkung geben wird. Es hat historische Begegnungen gegeben. Diese werden um die Welt gehen.

Das Treffen von katholischer und evangelischer Kirche im Augustinerkloster ist von globaler Wichtigkeit. Immer wieder stand die Frage im Mittelpunkt nach der Grundlegung unserer ethischen Normen. Das gilt auch für die Grundlegung der Ökumene. 

Darüber hinaus gab es eine Hinwendung und Liebe gegenüber den Menschen. Der Papst lebt das, was er von den hörenden Herzen erwartet, in einer sehr berührenden Weise. Das haben auch die Menschen gespürt.

Der Papst hat angesprochen, dass dieses Land jahrelang dem Kommunismus unterworfen war und das Christentum unterdrückt wurde. Sie sind evangelische Theologin und Ministerpräsidentin von Thürigen. Wieviel hat sich geändert?

Wir haben eine Revolution erlebt. Es war eine friedliche Revolution, die zunächst zu dem Mauerfall geführt hat. Das galt nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa.

Ein wichtiger Beitrag kam auch vom Vorgänger Benedikts, Johannes Paul II., der den polnischen Christen Mut gemacht hat, Solidarnosc zu gründen. Dieser unvergessene Spruch „Habt keine Angst“ von Papst Johannes Paul II. war einer der Schlüsselbegriffe, die zum Fall der Grenzen in Europa geführt hat.

Auf diesem Hintergrund   – mit allen Zwängen und Absurditäten des Alltags -  ist es etwas Besonders, dass ein solcher Besuch in Erfurt stattfinden konnte. Das ist ja ein Land, das es zu DDR-Zeiten gar nicht gab. Es war zentralistisch abgeschafft. Dass ich dazu noch als Ministerpräsidentin und als evangelische Theologin den Papst am Rollfeld des Flughafens begrüßen durfte, ist etwas Besonderes.”

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Haben wir zu viele Strukturen  -  und zu wenig Geist und Glaube?

Papst-Ansprache vor Vertretern des ZdK (Zentralkomitee der dt. Katholiken) am 24.9.2011

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich bin dankbar für die Gelegenheit, mit Ihnen, den Präsidiumsmitgliedern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, hier in Freiburg zusammenzukommen.

Gerne bekunde ich Ihnen meine Wertschätzung für Ihr Engagement, mit dem Sie die Anliegen der Katholiken in der Öffentlichkeit vertreten und Anregungen für das apostolische Wirken der Kirche und der Katholiken in der Gesellschaft geben. Zugleich danke ich dem Präsidenten des ZdK, Herrn Alois Glück, für die freundliche Begrüßung.

Liebe Freunde! Seit Jahren gibt es in der Entwicklungshilfe die sogenannten exposure-Programme. Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft und Kirche leben eine gewisse Zeit in Afrika, Asien oder Lateinamerika mit den Armen und teilen ihren konkreten Alltag. Sie setzen sich der Lebenssituation dieser Menschen aus, um die Welt mit deren Augen zu sehen und daraus für das eigene solidarische Handeln zu lernen.

Stellen wir uns vor, ein solches exposure-Programm fände hier in Deutschland statt. Experten aus einem fernen Land würden sich aufmachen, um eine Woche bei einer deutschen Durchschnittsfamilie zu leben. Sie würden vieles hier bewundern, z. B. den Wohlstand, die Ordnung und die Effizienz. Aber sie würden mit unvoreingenommenen Blick auch viel Armut feststellen: Armut, was die menschlichen Beziehungen betrifft -  und Armut im religiösen Bereich.

Wir leben in einer Zeit, die weithin durch einen unterschwelligen, alle Lebensbereiche durchdringenden Relativismus gekennzeichnet ist. Manchmal wird dieser Relativismus kämpferisch, wenn er sich gegen Menschen wendet, die behaupten, sie wüssten, wo die Wahrheit oder der Sinn des Lebens zu finden ist.

Und wir beobachten, wie dieser Relativismus immer mehr Einfluss auf die menschlichen Beziehungen und auf die Gesellschaft ausübt. Dies schlägt sich auch in der Unbeständigkeit und Sprunghaftigkeit vieler Menschen und einem übersteigerten Individualismus nieder.

Mancher scheint überhaupt keinen Verzicht mehr leisten oder ein Opfer für andere auf sich nehmen zu können. Auch das selbstlose Engagement für das Gemeinwohl, im sozialen und kulturellen Bereich oder für Bedürftige nimmt ab.

Andere sind überhaupt nicht mehr in der Lage, sich uneingeschränkt an einen Partner zu binden. Man findet kaum noch den Mut zu versprechen, ein Leben lang treu zu sein; sich das Herz zu nehmen und zu sagen, ich gehöre jetzt ganz dir, oder entschlossen für Treue und Wahrhaftigkeit einzustehen und aufrichtig die Lösung von Problemen zu suchen.

Liebe Freunde! Im exposure-Programm folgt auf die Analyse die gemeinsame Reflexion. Diese Auswertung muss das Ganze der menschlichen Person im Blick haben, und dazu gehört – nicht nur implizit, sondern ganz ausdrücklich – ihre Beziehung zum Schöpfer.

Wir sehen, dass in unserer reichen westlichen Welt Mangel herrscht. Vielen Menschen mangelt es an der Erfahrung der Güte Gottes.

Zu den etablierten Kirchen mit ihren überkommenen Strukturen finden sie keinen Kontakt. Warum eigentlich? Ich denke, dies ist eine Frage, über die wir sehr ernsthaft nachdenken müssen.

Sich um sie zu kümmern, ist die Hauptaufgabe des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung. Aber sie geht natürlich uns alle an.

Lassen Sie mich hier einen Punkt der spezifischen Situation in Deutschland ansprechen. In Deutschland ist die Kirche bestens organisiert. Aber steht hinter den Strukturen auch die entsprechende geistige Kraft  –  Kraft des Glaubens an einen lebendigen Gott?

Ehrlicherweise müssen wir doch sagen, dass es bei uns einen Überhang an Strukturen gegenüber dem Geist gibt. Ich füge hinzu: Die eigentliche Krise der Kirche in der westlichen Welt ist eine Krise des Glaubens. Wenn wir nicht zu einer wirklichen Erneuerung des Glaubens finden, wird alle strukturelle Reform wirkungslos bleiben.

Kommen wir zurück zu den Menschen, denen die Erfahrung der Güte Gottes fehlt. Sie brauchen Orte, wo sie ihr inneres Heimweh zur Sprache bringen können. Hier sind wir gerufen, neue Wege der Evangelisierung zu suchen.

Ein solcher Weg können kleine Gemeinschaften sein, wo Freundschaften gelebt und in der regelmäßigen gemeinsamen Anbetung vor Gott vertieft werden. Da sind Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz und im Verbund von Familie und Bekanntenkreis von diesen kleinen Glaubenserfahrungen erzählen und so eine neue Nähe der Kirche zur Gesellschaft bezeugen.

Ihnen zeigt sich dann auch immer deutlicher, dass alle dieser Nahrung der Liebe bedürfen, der konkreten Freundschaft untereinander und mit dem Herrn. Wichtig bleibt die Rückbindung an den Kraftstrom der Eucharistie, denn getrennt von Christus können wir nichts vollbringen (vgl. Joh 15,5).

Liebe Brüder und Schwestern, möge der Herr uns stets den Weg weisen, gemeinsam Lichter in der Welt zu sein und unseren Mitmenschen den Weg zur Quelle zu zeigen, wo sie ihr tiefstes Verlangen nach Leben erfüllen können.

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Maria führe uns auf den Weg zur Einheit

Papst-Ansprache vor orthodoxen Geistlichen am 24.9.2011

Begegnung mit S.H. Papst Benedikt XVI in Freiburg am 24. Sept.

Eminenzen, Exzellenzen!
Sehr geehrte Vertreter der orthodoxen und orientalischen Kirchen!

Es ist mir eine große Freude, dass wir uns heute hier zusammengefunden haben. Von Herzen danke ich Ihnen allen für Ihr Kommen und für die Möglichkeit dieses freundschaftlichen Austauschs.

Einen besonderen Dank sage ich Metropolit Augoustinos für seine vertrauensvollen Worte. Gern wiederhole ich in diesem Kreis, was ich schon an anderer Stelle gesagt habe: unter den christlichen Kirchen und Gemeinschaften steht uns die Orthodoxie theologisch am nächsten; Katholiken und Orthodoxe haben beide die gleiche altkirchliche Struktur.

So dürfen wir hoffen, dass der Tag nicht zu ferne ist, an dem wir wieder gemeinsam Eucharistie feiern können.

Mit Interesse und Sympathie verfolgt die katholische Kirche die Entwicklung der orthodoxen Gemeinden in Westeuropa, die in den letzten Jahrzehnten merklichen Zuwachs verzeichnen. In Deutschland leben heute ca. 1,6 Millionen orthodoxe und orientalische Christen. Sie sind ein fester Bestandteil der Gesellschaft geworden, der den Schatz der christlichen Kulturen und des christlichen Glaubens Europas belebt.

Ich begrüße die Intensivierung der panorthodoxen Zusammenarbeit, die in den letzten Jahren wesentliche Fortschritte erzielt hat. Die Gründung orthodoxer Bischofskonferenzen dort, wo die orthodoxen Kirchen in der Diaspora sind, ist Ausdruck der gefestigten innerorthodoxen Beziehungen. Ich freue mich, dass auch in Deutschland im vergangenen Jahr dieser Schritt vollzogen wurde. Mögen die Erfahrungen, die in diesen Bischofskonferenzen gemacht werden, den Verbund zwischen den orthodoxen Kirchen stärken und die Bestrebungen zu einem panorthodoxen Konzil weiter voranschreiten lassen.

Seit meiner Zeit als Professor in Bonn und dann besonders auch als Erzbischof von München und Freising habe ich durch persönliche Freundschaft mit Vertretern der orthodoxen Kirchen die Orthodoxie immer tiefer kennen- und lieben gelernt.

Es begann damals auch die Arbeit der Gemeinsamen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Kirche. Mit ihren Texten zu pastoral-praktischen Fragen fördert sie seither das gegenseitige Verständnis und trägt zu einer Festigung und Weiterentwicklung der katholisch-orthodoxen Beziehungen in Deutschland bei.

Ebenso wichtig bleibt die Weiterarbeit an der Klärung theologischer Differenzen, weil deren Überwindung für die Wiederherstellung der vollen Einheit, die wir erhoffen und um die wir beten, unerlässlich ist.

Hier ist es vor allem die Primatsfrage, um deren rechtes Verständnis wir weiter ringen müssen. Dabei können uns die Gedanken zur Unterscheidung zwischen Wesen und Form der Ausübung des Primates, die Papst Johannes Paul der II. in der Enzyklika Ut unum sint (N. 95) vorgenommen hat, weiterhin fruchtbare Anstöße geben.

Dankbar blicke ich auch auf die Arbeit der Gemischten Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Katholischen Kirche und den Orientalisch-orthodoxen Kirchen. Ich freue mich, verehrte Eminenzen und Vertreter der orientalischen Kirchen, in Ihnen Repräsentanten jener Kirchen zu treffen, die an diesem Dialog beteiligt sind. Die Ergebnisse, die dort erreicht wurden, lassen das Verständnis füreinander wachsen und uns einander näher kommen.

In der gegenwärtigen Zeitströmung, in der nicht wenige Menschen das öffentliche Leben von Gott sozusagen „befreien” wollen, gehen die christlichen Kirchen in Deutschland – unter ihnen gerade auch die orthodoxen und orientalischen Christen – vom Glauben an den einen Gott und Vater aller Menschen her Hand in Hand den Weg eines friedlichen Zeugnisses für Verständigung und Völkergemeinschaft.

Dabei lassen sie nicht davon ab, das Wunder der Menschwerdung Gottes in das Zentrum der Verkündigung zu stellen. Im Bewusstsein, dass auf ihm jede Würde des Menschen beruht, treten sie gemeinsam für den Schutz des menschlichen Lebens von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod ein.

Der Glaube an Gott, den Schöpfer des Lebens, und das unbedingte Festhalten an der Würde jedes Menschen bestärken gläubige Christen, jedem manipulativen und selektiven Eingriff am menschlichen Leben vehement entgegenzutreten.

Im Wissen um den Wert von Ehe und Familie ist es uns zudem als Christen ein sehr wichtiges Anliegen, die Integrität und die Einzigartigkeit der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau vor jeglicher Missdeutung zu schützen.

Hier leistet das gemeinsame Engagement der Christen, darunter vieler Orthodoxer und Orientalen, einen wertvollen Beitrag zum Aufbau einer zukunftsfähigen Gesellschaft, in der der menschlichen Person der ihr geschuldete Respekt entgegengebracht wird.

Richten wir zum Schluss unseren Blick auf Maria, die Hodegetria, die „Wegführerin”, die auch im Westen unter dem Titel „Unserer Lieben Frau vom Weg” verehrt wird.

Die Allerheiligste Dreifaltigkeit hat der Menschheit die jungfräuliche Mutter Maria geschenkt, auf dass sie uns Menschen mit ihrer Fürbitte durch die Zeiten führe und uns den Weg weise in die Vollendung. Ihr wollen wir uns anvertrauen und unser Anliegen vorlegen, eine immer innigere Gemeinschaft in Christus zu werden zum Lob und zur Ehre seines Namens. Gott segne euch alle!

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“Ich bitte euch um euer Gebet!”

Begrüßungsansprache des Papstes bei seiner Ankunft in Freiburg am 24.9.2011

Liebe Freunde!

Mit großer Freude grüße ich euch alle und danke euch für den herzlichen Empfang. Ich bin glücklich, nach den schönen Begegnungen in Berlin und Erfurt nun auch bei euch in Freiburg zu sein. Ein besonderer Dank gilt dabei dem hochwürdigsten Herrn Erzbischof Dr. Robert Zollitsch für seine Einladung und seinen freundlichen Willkommensgruß.

„Wo Gott ist, da ist Zukunft”, so lautet das Motto dieses Pastoralbesuchs.

Als Nachfolger des Apostels Petrus, dem der Herr aufgetragen hat, seine Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), bin auch ich gerne zu euch gekommen, um mit euch gemeinsam zu beten, das Wort Gottes zu verkünden und die Eucharistie zu feiern.

Ich bitte euch um euer Gebet, daß diese Tage fruchtbar werden, daß Gott unseren Glauben stärke, unsere Hoffnung festige und unsere Liebe groß werden lasse.

In diesen Tagen möge uns erneut bewußt werden, wie sehr Gott uns liebt und wie gut er ist, um so voller Vertrauen uns selbst und alles, was uns bewegt und wichtig ist, in seine Hände zu legen.

In ihm ist unsere Zukunft gesichert, er schenkt unserem Leben Sinn und kann es zur Fülle führen. Der Herr geleite euch in Frieden und mache euch zu Boten der Freude!

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“Ein Hochamt der öffentlichen Religion”

Der FAZ-Leitartikel vom 24.9.2011 zum Papstbesuch in Deutschland

In einem Leitartikel der “Frankfurter Allgemeinen” äußert sich Daniel Deckers unter dem Titel “Öffentliche Religion” zum Papstbesuch in Deutschland. Er beginnt seinen Kommentar mit den Worten:

“Ein Mann in Weiß mit roten Schuhen am Rednerpult des Bundestages, die Spitzen der Verfassungsorgane dieser Republik Seit an Seit Choräle singend, auf den Rängen des Olympia-Stadions Menschen aller Generationen und Hautfarben lateinische Worte rezitierend….”

Wurde nicht seitens mancher Intellektueller schon das “Ende der Religion” eingeläutet?  -  Hörte man nicht zunehmend die Forderung, daß Glaube nur Privatsache sei und aus dem öffentlichen Leben zu verschwinden habe?  – Wurde nicht immer wieder eine strikte “Trennung” von Religion und Staat angemahnt?

“Totgesagte leben länger”, sagt der Volksmund  – das gilt auch und gerade für den angeblich nicht mehr “zeitgemäßen” christlichen Glauben, zumal in seiner katholischen Ausprägung, die besonders zum Widerspruch reizt und insofern auch die Geister scheidet.

Im FAZ-Leitartikel heißt es weiter: “Die Bilder vom Besuch des Papstes Benedikt XVI. in Deutschland wollen so gar nicht zu der Erzählung passen, nach der die Modernität eines Staates und einer Gesellschaft sich darin erweist, daß sich die Sphären von Politik und Religion trennen und religiöse Überzeugungen bestenfalls Privatsache sind… Jetzt zelebriert Benedikt XVI. ein Hochamt der öffentlichen Religion.”

Daniel Deckers fährt fort: “Die Idee der unverfügbaren Würde des Menschen ist aus dem Christentum hervorgegangen und hat in allen westlichen Ländern Verfassungsrang.” 

Danach befaßt er sich mit der zunehmenden Verweltlichung  und Anpassung an den Zeitgeist innerhalb der Christenheit, zumal des Protestantismus. Sodann heißt es in seinem Kommentar weiter:

“Nur in dieser Herkunft liegt Zukunft.”

“Was haben die Bilder dieser Tage angesichts der fortschreitenden Entkernung der Kirchen dann zu bedeuten? Zeigen sie nicht absurdes Theater auf öffentlicher Bühne, wie das private Festhalten an einer Verwurzelung im Glauben manchmal Züge des “credo quia absurdum” trägt?

Nein, die Szenen aus Berlin und aus Erfurt, so anachronistisch sie auch zunächst anmuten, sind mittlerweile das einzige Antidot gegen die Zerstörung des kulturellen Gedächtnisses eines ganzen Kontinents   -  und gegen eine Amnesie hinsichtlich der Herkunft Europas aus dem Geist von Glaube, Vernunft und Recht. Nur in dieser Herkunft liegt Zukunft.”

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

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Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet

Papst-Predigt auf dem Domplatz in Erfurt am 24.9.2011

Liebe Brüder und Schwestern!

„Preiset den Herrn zu aller Zeit, denn er ist gut”.  – So haben wir gerade vor dem Evangelium gesungen. Ja, wir haben wirklich Grund, Gott von ganzem Herzen zu danken.

Wenn wir uns in dieser Stadt zurückversetzen in das Elisabethjahr 1981 vor 30 Jahren, zur Zeit der DDR – wer hätte geahnt, dass wenige Jahre später Mauer und Stacheldraht an den Grenzen fallen würden?

Und wenn wir noch weiter zurückgehen, etwa 70 Jahre, bis in das Jahr 1941, zur Zeit des Nationalsozialismus  –  wer hätte voraussagen können, dass das sogenannte „Tausendjährige Reich” schon vier Jahre später in Schutt und Asche versinken sollte?

Liebe Brüder und Schwestern, hier in Thüringen und in der früheren DDR habt ihr eine braune und eine rote Diktatur ertragen müssen, die für den christlichen Glauben wie saurer Regen wirkte.

Viele Spätfolgen dieser Zeit sind noch aufzuarbeiten, vor allem im geistigen und religiösen Bereich. Die Mehrzahl der Menschen in diesem Lande lebt mittlerweile fern vom Glauben an Christus und von der Gemeinschaft der Kirche. Doch zeigen die letzten beiden Jahrzehnte auch gute Erfahrungen: ein erweiterter Horizont, ein Austausch über Grenzen hinweg, eine gläubige Zuversicht, daß Gott uns nicht im Stich lässt und uns neue Wege führt: „Wo Gott ist, da ist Zukunft”.

Wir alle sind davon überzeugt, dass die neue Freiheit geholfen hat, dem Leben der Menschen größere Würde und vielfältige neue Möglichkeiten zu eröffnen. Viele Erleichterungen dürfen wir auch seitens der Kirche dankbar hervorheben, seien es neue Möglichkeiten der pfarrlichen Aktivitäten, seien es Renovierung und Erweiterung von Kirchen und Gemeindezentren, seien es diözesane Initiativen pastoraler oder kultureller Art.

Aber haben diese Möglichkeiten uns auch ein Mehr an Glauben gebracht? Ist der Wurzelgrund des Glaubens und des christlichen Lebens nicht ganz wo anders als in der gesellschaftlichen Freiheit zu suchen?

Viele entschiedene Katholiken sind gerade in der schwierigen Situation einer äußeren Bedrängnis Christus und der Kirche treu geblieben. Sie haben persönliche Nachteile in Kauf genommen, um ihren Glauben zu leben.

Danken möchte ich hier den Priestern und ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aus jener Zeit. Erinnern möchte ich besonders an die Flüchtlingsseelsorge unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg: Da haben viele Geistliche und Laien Großartiges geleistet, um die Not der Vertriebenen zu lindern und ihnen eine neue Heimat zu schenken.

Aufrichtiger Dank gilt nicht zuletzt den Eltern, die inmitten der Diaspora und in einem kirchenfeindlichen politischen Umfeld ihre Kinder im katholischen Glauben erzogen haben. Mit Dankbarkeit sei beispielsweise an die Religiösen Kinderwochen in den Ferien sowie an die fruchtbare Arbeit der katholischen Jugendhäuser „Sankt Sebastian” in Erfurt und „Marcel Callo” in Heiligenstadt erinnert.

Besonders im Eichsfeld widerstanden viele katholische Christen der kommunistischen Ideologie. Gott möge die Treue im Glauben reich vergelten. Das mutige Zeugnis und das geduldige Vertrauen auf die Führung Gottes sind wie ein kostbarer Same, der für die Zukunft eine reiche Frucht verheißt.

Die Gegenwart Gottes zeigt sich besonders deutlich in seinen Heiligen. Ihr Glaubenszeugnis kann uns auch heute Mut machen zu einem neuen Aufbruch.

Denken wir hier vor allem an die Schutzheiligen des Bistums Erfurt: die Heiligen Elisabeth von Thüringen, Bonifatius und Kilian. Elisabeth kam aus einem fremden Land, aus Ungarn, auf die Wartburg nach Thüringen. Sie führte ein intensives Leben des Gebets, verbunden mit dem Geist der Buße und der Armut des Evangeliums. Regelmäßig stieg sie aus ihrer Burg hinab in die Stadt Eisenach, um dort persönlich Arme und Kranke zu pflegen.

Ihr Leben auf dieser Erde war nur kurz  –  sie wurde nur vierundzwanzig Jahre alt  – , aber die Frucht ihrer Heiligkeit war gewaltig. Die heilige Elisabeth wird auch von evangelischen Christen sehr geschätzt; sie kann uns allen helfen, die Fülle des überlieferten Glaubens zu entdecken und in unseren Alltag zu übersetzen.

Auf die christlichen Wurzeln unseres Landes weist auch die Gründung des Bistums Erfurt im Jahre 742 durch den heiligen Bonifatius. Dieses Ereignis bildet gleichzeitig die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Erfurt.

Der Missionsbischof Bonifatius war aus England gekommen und wirkte in enger Verbindung mit dem Nachfolger des hl. Petrus. Wir verehren ihn als „Apostel Deutschlands”; er starb als Märtyrer. Zwei seiner Gefährten, die das Blutzeugnis für den christlichen Glauben mit ihm teilten, sind hier im Erfurter Dom begraben: die Heiligen Eoban und Adelar.

Schon vor den angelsächsischen Missionaren hat der heilige Kilian in Thüringen gewirkt, ein Wandermissionar aus Irland. Gemeinsam mit zwei Gefährten starb er in Würzburg als Märtyrer, weil er das moralische Fehlverhalten des dort ansässigen thüringischen Herzogs kritisierte.

Nicht vergessen wollen wir schließlich den hl. Severus, den Schutzheiligen der Severi-Kirche hier am Domplatz: Im vierten Jahrhundert war er Bischof von Ravenna; seine Gebeine wurden im Jahre 836 nach Erfurt gebracht, um den christlichen Glauben in dieser Gegend tiefer zu verankern.

Was haben diese Heiligen gemeinsam? Wie können wir das Besondere ihres Lebens beschreiben und für uns fruchtbar machen?

Ja, die Heiligen zeigen uns, daß es möglich und gut ist, die Beziehung zu Gott radikal zu leben, sie an die erste Stelle zu setzen, nicht unter „ferner liefen”.

Die Heiligen verdeutlichen uns die Tatsache, daß Gott sich uns zuerst zugewandt hat, sich uns in Jesus Christus gezeigt hat und zeigt. Christus kommt auf uns zu, er spricht jeden einzelnen an und lädt ihn ein, ihm nachzufolgen.

Diese Chance haben die Heiligen genutzt, sie haben sich gleichsam von innen her ausgestreckt auf ihn – in der beständigen Zwiesprache des Gebets – und von ihm das Licht erhalten, das ihnen das wahre Leben erschließt.

Glaube ist immer auch wesentlich Mitglauben. Daß ich glauben kann, verdanke ich zunächst Gott, der sich mir zuwendet und meinen Glauben sozusagen „entzündet”.

Aber ganz praktisch verdanke ich meinen Glauben auch meinen Mitmenschen, die vor mir geglaubt haben und mit mir glauben. Dieses „mit”, ohne das es keinen persönlichen Glauben geben kann, ist die Kirche.

Und diese Kirche macht nicht vor Ländergrenzen halt, das zeigen uns die Nationalitäten der Heiligen, die ich vorhin genannt habe: Ungarn, England, Irland und Italien. Hier zeigt sich, wie wichtig der geistliche Austausch ist, der sich über die ganze Weltkirche erstreckt.

Wenn wir uns dem ganzen Glauben in der ganzen Geschichte und dessen Bezeugung in der ganzen Kirche öffnen, dann hat der katholische Glaube auch als öffentliche Kraft in Deutschland eine Zukunft. Zugleich zeigen uns die genannten Heiligengestalten die große Fruchtbarkeit eines heiligen Lebens, dieser radikalen Liebe zu Gott und zum Nächsten. Heilige, auch wenn es nur wenige sind, verändern die Welt.

So waren die politischen Veränderungen des Jahres1989 in eurem Land nicht nur durch das Verlangen nach Wohlstand und Reisefreiheit motiviert, sondern auch entscheidend durch die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit.

Diese Sehnsucht wurde unter anderem durch Menschen wachgehalten, die ganz im Dienst für Gott und den Nächsten standen und bereit waren, ihr Leben zu opfern. Sie und die erwähnten Heiligen geben uns Mut, die neue Situation zu nutzen.

Wir wollen uns nicht in einem bloß privaten Glauben verstecken, sondern die gewonnene Freiheit verantwortlich gestalten. Wir wollen  - wie die Heiligen Kilian, Bonifatius, Adelar, Eoban und Elisabeth von Thüringen  – als Christen auf unsere Mitbürger zugehen und sie einladen, mit uns die Fülle der Frohen Botschaft zu entdecken.

Dann gleichen wir der berühmten Glocke des Erfurter Domes, die den Namen „Gloriosa” trägt, die „Glorreiche”. Sie gilt als größte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt. Sie ist ein lebendiges Zeichen für unsere tiefe Verwurzelung in der christlichen Überlieferung, aber auch ein Signal des Aufbruchs und der missionarischen Einladung. Sie wird auch heute erklingen am Ende der Festmesse. Sie möge uns dann ermuntern, nach dem Beispiel der Heiligen das Zeugnis Christi sichtbar und hörbar zu machen in der Welt, in der wir leben. Amen.

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Gebete und Lieder der Papstmesse im Olympia-Stadion

Auf der Webseite des Erzbistums Berlin gibt es als PDF-Datei jenes Lieder-Gebets-Heft, das an die ca 80.000 Teilnehmer der Hl. Messe mit Papst Benedikt im Olympia-Stadion am 22.9.2011 verteilt wurde:

http://www.erzbistumberlin.de/fileadmin/user_mount/PDF-Dateien/Erzbistum/Papst%20in%20Berlin/Liedheft.pdf

Daraus geht auch hervor, daß der Papst Teile des Hochgebets und die Worte der hl. Wandlung in Latein gesprochen hat.

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MARIA als Modell für Selbsthingabe statt „Selbstverwirklichung“

Papst-Predigt in Etzelsbach (Eichsfeld) am 23.9.2011

Liebe Brüder und Schwestern!

Nun geht mein Wunsch in Erfüllung, das Eichsfeld zu besuchen und hier in Etzelsbach mit euch zusammen Maria zu danken. „Hier im trauten stillen Tal”  -  wie es in einem Wallfahrtslied heißt  -  und „unter den alten Linden” schenkt uns Maria Geborgenheit und neue Kraft.

In zwei gottlosen Diktaturen, die es darauf anlegten, den Menschen ihren angestammten Glauben zu nehmen, waren sich die Eichsfelder gewiss, hier am Gnadenort Etzelsbach eine offene Tür und eine Stätte inneren Friedens zu finden. Die besondere Freundschaft zu Maria, die daraus gewachsen ist, wollen wir  –  auch mit der heutigen Marienvesper  –  weiter pflegen.

Wenn sich Christen zu allen Zeiten und an allen Orten an Maria wenden, dann lassen sie sich dabei von der spontanen Gewissheit leiten, dass Jesus seiner Mutter ihre Bitten nicht abschlagen kann; und sie stützen sich auf das unerschütterliche Vertrauen, dass Maria zugleich auch unsere Mutter ist – eine Mutter, die das größte aller Leiden erfahren hat, alle unsere Nöte mitempfindet und mütterlich auf ihre Überwindung sinnt.

Wie viele Menschen sind Jahrhunderte hindurch zu Maria gepilgert, um vor dem Bild der Schmerzensreichen  –  wie hier in Etzelsbach  –  Trost und Stärkung zu finden!

Schauen wir ihr Bildnis an: Eine Frau mittleren Alters mit schweren Augenlidern vom vielen Weinen, den Blick zugleich versonnen in die Ferne gerichtet, als bewegte sie alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.

Auf ihrem Schoß liegt der Leichnam ihres Sohnes, sie fasst ihn behutsam und liebevoll, wie eine kostbare Gabe. Wir sehen die Spuren der Kreuzigung auf seinem entblößten Leib. Der linke Arm des Toten weist senkrecht nach unten. Vielleicht war die Skulptur der Pietà  -  wie oft üblich  –   ursprünglich über einem Altar aufgestellt. Der Gekreuzigte weist so mit seinem ausgestreckten Arm auf das Geschehen auf dem Altar hin, wo das heilige Opfer, das er vollbracht hat, in der Eucharistie zur Gegenwart wird.

Eine Besonderheit des Gnadenbilds von Etzelsbach ist die Lage des Gekreuzigten. Bei den meisten Pietà-Darstellungen liegt der tote Jesus mit dem Kopf nach links. Der Betrachter kann so die Seitenwunde des Gekreuzigten sehen. Hier in Etzelsbach jedoch ist die Seitenwunde verdeckt, weil der Leichnam gerade nach der anderen Seite ausgerichtet ist.

Mir scheint, dass sich in dieser Darstellung eine tiefe Bedeutung verbirgt, die sich erst in ruhiger Betrachtung erschließt: Im Etzelsbacher Gnadenbild sind die Herzen Jesu und seiner Mutter einander zugewandt; sie kommen einander nahe. Sie tauschen einander ihre Liebe aus. Wir wissen, dass das Herz auch das Organ der feinsten Sensibilität für den anderen wie auch des innigsten Mitgefühls ist. Im Herzen Marias ist Platz für die Liebe, die ihr göttlicher Sohn der Welt schenken will.

Die Marienverehrung konzentriert sich auf die Betrachtung der Beziehung zwischen der Mutter und ihrem göttlichen Sohn. Die Gläubigen fanden immer wieder neue Aspekte und Attribute, die uns dieses Geheimnis besser erschließen könnten, z.B. im Bild des Unbefleckten Herzens Marias als Symbol der tiefen und vorbehaltlosen Einheit der Liebe mit Christus.

Nicht die Selbstverwirklichung schafft wahre Entfaltung des Menschen, wie es heute als Leitbild des modernen Lebens propagiert wird, das leicht in einen verfeinerten Egoismus umschlagen kann. Vielmehr ist es die Haltung der Hingabe, die auf das Herz Marias und damit auch auf das Herz des Erlösers ausgerichtet ist.

„Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind” (Röm 8,28), so haben wir eben in der Lesung gehört. Gott hat bei Maria alles zum Guten geführt  -  und er hört nicht auf, durch Maria das Gute sich weiter ausbreiten zu lassen in der Welt.

Vom Kreuz herab, vom Thron der Gnade und der Erlösung, hat Jesus seine Mutter Maria den Menschen zur Mutter gegeben. Im Moment seiner Aufopferung für die Menschheit macht er Maria gleichsam zur Vermittlerin des Gnadenstroms, der vom Kreuz ausgeht.

Unter dem Kreuz wird Maria zur Gefährtin und Beschützerin der Menschen auf ihrem Lebensweg. „In ihrer mütterlichen Liebe trägt sie Sorge für die Brüder und Schwestern ihres Sohnes, die noch auf der Pilgerschaft sind und in Gefahren und Bedrängnissen weilen, bis sie zur ewigen Heimat gelangen” (Lumen Gentium, 62). Ja, wir gehen durch Höhen und Tiefen, aber Maria tritt für uns bei ihrem Sohn ein und vermittelt uns die Kraft der göttlichen Liebe.

Unser Vertrauen auf die wirksame Fürsprache der Gottesmutter und unsere Dankbarkeit für die immer wieder erfahrene Hilfe tragen in sich selbst gleichsam den Impuls, über die Bedürfnisse des Augenblicks hinauszudenken. Was will Maria uns eigentlich sagen, wenn sie uns aus der Not errettet?

Maria will uns helfen, die Weite und Tiefe unserer christlichen Berufung zu erfassen. Sie will uns in mütterlicher Behutsamkeit verstehen lassen, dass unser ganzes Leben Antwort sein soll auf die erbarmungsreiche Liebe unseres Gottes.

Begreife  –  so scheint sie uns zu sagen  – , dass Gott, der die Quelle alles Guten ist und der nie etwas anderes will als dein wahres Glück, das Recht hat, von dir ein Leben zu fordern, das sich rückhaltlos und freudig seinem Willen überantwortet und danach trachtet, dass auch die anderen ein Gleiches tun.

„Wo Gott ist, da ist Zukunft” – in der Tat: Wo wir Gottes Liebe ganz über unser Leben wirken lassen, dort ist der Himmel offen. Dort ist es möglich, die Gegenwart so zu gestalten, dass sie mehr und mehr der Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus entspricht. Dort haben die kleinen Dinge des Alltags ihren Sinn  -  und dort finden die großen Probleme ihre Lösung. Amen.

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“Ob es uns gefällt oder nicht: Wir Abendländer entstammen alle ihrem Schoß.”

Jakob Augstein würdigt katholische Kirche und Papst

Der Verlagsleiter der politischen Wochenzeitung „Der Freitag“, Jakob Augstein, betrachtet den Papst als wichtige Instanz in puncto Ethik, denn Politik und Moral seien nicht immer deckungsgleich, so der Publizist in einem aktuellen Beitrag auf „Spiegel“-online.

Dabei befaßt sich Augstein kritisch mit gentechnischen Selektionen ungeborener Kinder wegen der Fahndung nach Mißbildungen -  und meint hierzu: „Es kann nicht schaden, in Rom einen sitzen zu haben, der mit uns über die „Conditio Humana“ spricht.“  – Dies gelte erst recht in einer Zeit, „in der wir glauben, uns mit nichts abfinden zu müssen, in der wir für alles vorsorgen wollen und keine Gefahr mehr laufen mögen  – und am Ende doch alle sterben“.

Den Boykott der Papstrede im Parlament durch linksgerichtete Abgeordnete findet Augstein „pubertär“. Immerhin sei die katholische Kirche die älteste Institution der Welt und verdiene Respekt:  „Ob es uns gefällt oder nicht: wir Abendländer entstammen alle ihrem Schoß.“

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Widersetzen wir uns der Gefahr, den Glauben zu verdünnen!

Papst-Ansprache vor evangelischen Repräsentanten am 23.9.2011

Liebe Brüder und Schwestern!
Wenn ich hier das Wort ergreife, möchte ich zunächst für diese Gelegenheit danken, mit
Ihnen zusammenzukommen. Mein besonderer Dank gilt dabei Präses Schneider, der mich
willkommen geheißen und mich durch seine freundlichen Worte in Ihre Runde aufgenommen hat.

Danken möchte ich zugleich für das besondere Geschenk, daß unsere Begegnung an diesem
historischen Ort stattfinden kann.

Es ist für mich als Bischof von Rom ein bewegender Augenblick, hier im alten Augustinerkloster zu Erfurt mit Vertretern der EKD zusammenzutreffen. Hier hat Luther Theologie studiert. Hier ist er 1507 zum Priester geweiht worden. Gegen den Wunsch seines Vaters ist er nicht beim Studium der Rechte geblieben, sondern hat Theologie studiert und sich auf den Weg zum Priestertum in der Ordensgemeinschaft des heiligen Augustinus gemacht.

Auf diesem Weg ging es ihm nicht um dies oder jenes. Was ihn umtrieb, war die Frage nach Gott, die die tiefe Leidenschaft
und Triebfeder seines Lebens und seines ganzen Weges gewesen ist. „Wie kriege ich einen gnädigen
Gott“: Diese Frage hat ihn ins Herz getroffen und stand hinter all seinem theologischen Suchen und
Ringen. Theologie war für ihn keine akademische Angelegenheit, sondern das Ringen um sich selbst  -
und dies wiederum war ein Ringen um Gott und mit Gott.

„Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“  -  Daß diese Frage die bewegende Kraft seines ganzen
Weges war, trifft mich immer neu. Denn wen kümmert das eigentlich heute – auch unter
Christenmenschen?

Was bedeutet die Frage nach Gott in unserem Leben? In unserer Verkündigung? Die meisten Menschen, auch Christen, setzen doch heute voraus, daß Gott sich für unsere Sünden und Tugenden letztlich nicht interessiert. Er weiß ja, daß wir alle nur Fleisch sind. Sofern man heute überhaupt an ein Jenseits und ein Gericht Gottes glaubt, setzen wir doch praktisch fast alle voraus, daß Gott großzügig sein muß und schließlich mit seiner Barmherzigkeit schon über unsere kleinen
Fehler hinwegschauen wird.

Aber sind sie eigentlich so klein, unsere Fehler? Wird nicht die Welt verwüstet durch die Korruption der Großen, aber auch der Kleinen, die nur an ihren eigenen Vorteil denken? Wird sie nicht verwüstet durch die Macht der Drogen, die von der Gier nach Leben und nach Geld einerseits, andererseits von der Genußsucht der ihr hingegebenen Menschen lebt?

Wird sie nicht bedroht durch die wachsende Bereitschaft zur Gewalt, die sich nicht selten religiös verkleidet?
Könnten Hunger und Armut Teile der Welt so verwüsten, wenn in uns die Liebe zu Gott und von ihm her die Liebe zum Nächsten, zu seinen Geschöpfen, den Menschen, lebendiger wäre?   – So könnte man
fortfahren.

Nein, das Böse ist keine Kleinigkeit. Es könnte nicht so mächtig sein, wenn wir Gott wirklich in die Mitte unseres Lebens stellen würden. Die Frage: Wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott – diese brennende Frage Martin Luthers muß wieder neu und gewiß in neuer Form auch unsere Frage werden. Ich denke, daß dies der erste Anruf ist, den wir bei der Begegnung mit Martin Luther hören sollten.

Und dann ist wichtig: Gott, der eine Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, ist etwas anderes als eine philosophische Hypothese über den Ursprung des Kosmos. Dieser Gott hat ein Gesicht und er hat uns angeredet. Er ist im Menschen Jesus Christus einer von uns geworden – wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich.

Luthers Denken, seine ganze Spiritualität war durchaus christozentrisch: „Was Christum treibet“, war für Luther der entscheidende hermeneutische Maßstab für die Auslegung der Heiligen Schrift. Dies aber setzt voraus, daß Christus die Mitte unserer Spiritualität und daß die Liebe zu ihm, das Mitleben mit ihm unser Leben bestimmt.

Nun werden Sie vielleicht sagen: Schön und gut, aber was hat dies alles mit unserer ökumenischen Situation zu tun? Ist dies alles vielleicht nur ein Versuch, sich an den drängenden Problemen vorbeizureden, in denen wir auf praktische Fortschritte, auf konkrete Ergebnisse warten?

Ich antwortete darauf: Das Notwendigste für die Ökumene ist zunächst einmal, daß wir nicht unter dem Säkularisierungsdruck die großen Gemeinsamkeiten fast unvermerkt verlieren, die uns überhaupt zu Christen machen und die uns als Gabe und Auftrag geblieben sind.

Es war der Fehler des konfessionellen Zeitalters, daß wir weithin nur das Trennende gesehen und gar nicht existentiell
wahrgenommen haben, was uns mit den großen Vorgaben der Heiligen Schrift und der altchristlichen
Bekenntnisse gemeinsam ist.

Es ist der große ökumenische Fortschritt der letzten Jahrzehnte, daß uns diese Gemeinsamkeit bewußt geworden ist und daß wir sie im gemeinsamen Beten und Singen, im gemeinsamen Eintreten für das christliche Ethos der Welt gegenüber, im gemeinsamen Zeugnis für den Gott Jesu Christi in dieser Welt als unsere unverlierbare Grundlage erkennen.

Die Gefahr, daß wir sie verlieren, ist leider nicht irreal. Ich möchte zwei Gesichtspunkte hier notieren. Die Geographie des Christentums hat sich in jüngster Zeit tiefgehend verändert und ist dabei, sich weiter zu ändern. Vor einer neuen Form von Christentum, die mit einer ungeheuren und in ihren Formen manchmal beängstigenden missionarischen Dynamik sich ausbreitet, stehen die klassischen Konfessionskirchen oft ratlos da. Es ist ein Christentum mit geringer institutioneller Dichte, mit wenig rationalem und mit noch weniger dogmatischem Gepäck, auch mit geringer
Stabilität.

Dieses weltweite Phänomen stellt uns alle vor die Frage: Was hat diese neue Form von Christentum uns zu sagen, positiv und negativ? Auf jeden Fall stellt es uns neu vor die Frage, was das bleibend Gültige ist und was anders werden kann oder muß  –  vor die Frage unserer gläubigen Grundentscheidung.

Tiefgehender und in unserem Land brennender ist die zweite Herausforderung an die ganze Christenheit, von der ich sprechen möchte: der Kontext der säkularisierten Welt, in dem wir heute als Christen unseren Glauben leben und bezeugen müssen. Die Abwesenheit Gottes in unserer Gesellschaft wird drückender, die Geschichte seiner Offenbarung, von der uns die Schrift erzählt, scheint in einer immer weiter sich entfernenden Vergangenheit angesiedelt.

Muß man dem Säkularisierungsdruck nachgeben, modern werden durch Verdünnung des Glaubens?

Natürlich muß der Glaube heute neu gedacht und vor allem neu gelebt werden, damit er Gegenwart wird. Aber nicht Verdünnung des Glaubens hilft, sondern nur ihn ganz zu leben in unserem Heute. Dies ist eine zentrale ökumenische Aufgabe.

Dazu sollten wir uns gegenseitig helfen: tiefer und lebendiger zu glauben. Nicht Taktiken retten uns, retten das Christentum, sondern neu gedachter und neu gelebter Glaube, durch den Christus und mit ihm der lebendige Gott in diese unsere Welt hereintritt. Wie uns die Märtyrer der Nazizeit zueinander geführt und die erste große ökumenische Öffnung bewirkt haben, so ist auch heute der in einer säkularisierten Welt von innen gelebte Glaube die stärkste
ökumenische Kraft, die uns zueinander führt, der Einheit in dem einen Herrn entgegen.

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Wahre Ökumene besteht im gemeinsamen Zeugnis für den  lebendigen Gott!

Wortlaut der Papst-Predigt beim ökumenischen Gottesdienst in Erfurt am 23.9.2011

Liebe Brüder und Schwestern!

„Nicht nur für diese hier bitte ich, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben“ (Joh 17,20) – so hat Jesus nach dem Johannes-Evangelium im Abendmahlssaal zum Vater gesagt. Er bittet für die künftigen Generationen von Glaubenden. Er blickt über den Abendmahlssaal hinaus in die Zukunft hinein. Er hat gebetet auch für uns. Und er bittet um unsere Einheit.

Dieses Gebet Jesu ist nicht einfach Vergangenheit. Immer steht er fürbittend für uns vor dem Vater  –  und so steht er in dieser Stunde mitten unter uns und will uns in sein Gebet hineinziehen. Im Gebet Jesu ist der innere Ort unserer Einheit. Wir werden dann eins sein, wenn wir uns in dieses Gebet hineinziehen lassen.

Sooft wir uns als Christen im Gebet zusammenfinden, sollte uns dieses Ringen Jesu um uns und mit dem Vater für uns ins Herz treffen. Je mehr wir uns in dieses Geschehen hineinziehen lassen, desto mehr verwirklicht sich Einheit.

Ist das Gebet Jesu unerhört geblieben? Die Geschichte der Christenheit ist sozusagen die sichtbare Seite dieses Dramas, in dem Christus mit uns Menschen ringt und leidet. Immer wieder muß er den Widerspruch zur Einheit erdulden, und doch auch immer wieder vollzieht sich Einheit mit ihm und so mit dem dreieinigen Gott. Wir müssen beides sehen: Die Sünde des Menschen, der sich

Gott versagt und sich in sein Eigenes zurückzieht, aber auch die Siege Gottes, der die Kirche erhält durch ihre Schwachheit hindurch und immer neu Menschen in sich hineinzieht und so zueinander führt.

Deshalb sollten wir bei einer ökumenischen Begegnung nicht nur die Trennungen und Spaltungen beklagen, sondern Gott für alles danken, was er uns an Einheit erhalten hat und immer neu schenkt. Und diese Dankbarkeit muß zugleich Bereitschaft sein, die so geschenkte Einheit nicht zu verlieren mitten in einer Zeit der Anfechtung und der Gefahren.

Die grundlegende Einheit besteht darin, daß wir an Gott, den Allmächtigen, den Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde glauben. Daß wir ihn als den Dreifaltigen bekennen – Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Die höchste Einheit ist nicht monadische Einsamkeit, sondern Einheit durch Liebe.

Wir glauben an Gott – den konkreten Gott. Wir glauben daran, daß Gott zu uns gesprochen hat und einer von uns geworden ist. Diesen lebendigen Gott zu bezeugen ist unsere gemeinsame Aufgabe in der gegenwärtigen Stunde.

Braucht der Mensch Gott, oder geht es auch ohne ihn ganz gut? Wenn in einer ersten Phase der Abwesenheit Gottes sein Licht noch nachleuchtet und die Ordnungen des menschlichen Daseins zusammenhält, scheint es, daß es auch ohne Gott geht. Aber je weiter die Welt sich von Gott entfernt, desto klarer wird, daß der Mensch in der Hybris der Macht, in der Leere des Herzens und im Verlangen nach Erfüllung und Glück immer mehr das Leben verliert.

Der Durst nach dem Unendlichen ist im Menschen unausrottbar da. Der Mensch ist auf Gott hin erschaffen und braucht ihn.

Unser erster ökumenischer Dienst in dieser Zeit muß es sein, gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen und damit der Welt die Antwort zu geben, die sie braucht.

Zu diesem Grundzeugnis für Gott gehört dann natürlich ganz zentral das Zeugnis für Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, der mit uns gelebt hat, für uns gelitten hat und für uns gestorben ist und in der Auferstehung die Tür des Todes aufgerissen hat.

Liebe Freunde, stärken wir uns in diesem Glauben! Helfen wir uns, ihn zu leben. Dies ist eine große ökumenische Aufgabe, die uns mitten ins Gebet Jesu hineinführt.

Die Ernsthaftigkeit des Glaubens an Gott zeigt sich im Leben seines Wortes. Sie zeigt sich in unserer Zeit ganz praktisch im Eintreten für das Geschöpf, das er als sein Ebenbild wollte  –  für den Menschen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Maßstäbe des Menschseins fraglich geworden sind.

Ethik wird durch das Kalkül der Folgen ersetzt. Demgegenüber müssen wir als Christen die unantastbare Würde des Menschen verteidigen, von der Empfängnis bis zum Tod – in den Fragen von PID bis zur Sterbehilfe.

„Nur wer Gott kennt, kennt den Menschen“, hat Romano Guardini einmal gesagt. Ohne Erkenntnis Gottes wird der Mensch manipulierbar. Der Glaube an Gott muß sich in unserem gemeinsamen Eintreten für den Menschen konkretisieren.

Zum Eintreten für den Menschen gehören nicht nur diese grundlegenden Maßstäbe der Menschlichkeit, sondern vor allem und ganz praktisch die Liebe, wie sie uns Jesus im Gleichnis vom Weltgericht lehrt (Mt 25): Der richtende Gott wird uns danach beurteilen, wie wir den Nächsten, wie wir den Geringsten seiner Brüder begegnet sind.

Die Bereitschaft, in den Nöten dieser Zeit über den eigenen Lebensrahmen hinaus zu helfen, ist eine wesentliche Aufgabe des Christen.

Dies gilt zunächst im persönlichen Lebensbereich jedes einzelnen. Es gilt dann in der

Gemeinschaft eines Volkes und Staates, in der alle füreinander einstehen müssen. Es gilt für unseren Kontinent, in dem wir zur europäischen Solidarität gerufen sind. Und es gilt endlich über alle Grenzen hinweg: Die christliche Nächstenliebe verlangt heute auch unseren Einsatz für die Gerechtigkeit in der weiten Welt.

Ich weiß, daß von den Deutschen und von Deutschland viel getan wird, damit allen Menschen ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht wird  –  und möchte dafür ein Wort herzlichen Dankes sagen.

Schließlich möchte ich noch eine tiefere Dimension unserer Verpflichtung zur Liebe ansprechen. Die Ernsthaftigkeit des Glaubens zeigt sich vor allem auch dadurch, daß er Menschen inspiriert, sich ganz für Gott und von Gott her für die anderen zur Verfügung zu stellen. Die großen Hilfen werden nur konkret, wenn es vor Ort diejenigen gibt, die ganz für den anderen da sind und damit die Liebe Gottes glaubhaft werden lassen. Solche Menschen sind ein wichtiges Zeichen für die Wahrheit unseres Glaubens.

Im Vorfeld des Papstbesuchs war verschiedentlich von einem ökumenischen Gastgeschenk die Rede, das man sich von diesem Besuch erwarte. Die Gaben, die dabei genannt wurden, brauche ich nicht einzeln anzuführen.

Dazu möchte ich sagen, daß dies ein politisches Mißverständnis des Glaubens und der Ökumene darstellt.

Wenn ein Staatsoberhaupt ein befreundetes Land besucht, gehen im allgemeinen Kontakte zwischen den Instanzen voraus, die den Abschluß eines oder auch mehrerer Verträge zwischen den beiden Staaten vorbereiten: In der Abwägung von Vor- und Nachteilen entsteht der Kompromiß, der schließlich für beide Seiten vorteilhaft erscheint, so daß dann das Vertragswerk unterschrieben werden kann.

Aber der Glaube der Christen beruht nicht auf einer Abwägung unserer Vor- und Nachteile. Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben.

Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.

Auf solche Weise ist in den letzten 50 Jahren, besonders auch seit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. vor 30 Jahren viel Gemeinsamkeit gewachsen, für die wir nur dankbar sein können.

Ich denke gern an die Begegnung mit der von Bischof Lohse geführten Kommission zurück, in der solches gemeinsames Hineindenken und Hineinleben in den Glauben geübt wurde.

Allen, die daran mitgewirkt haben, besonders von katholischer Seite Kardinal Lehmann, möchte ich meinen herzlichen Dank aussprechen. Ich versage mir, weitere Namen zu nennen  –  der Herr kennt sie alle.

Miteinander können wir alle nur dem Herrn danken für die Wege der Einheit, die

er uns geführt hat, und in demütigem Vertrauen einstimmen in sein Gebet: Laß uns eins werden, wie du mit dem Vater eins bist, damit die Welt glaube, daß er dich gesandt hat (vgl. Joh 17,21).

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 “Beziehungen zwischen Kirche und Judentum haben sich dramatisch verbessert”

Aus der Ansprache von Dr. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, am 22.9.2011

Hochverehrter Papst Benedikt,

es ist uns eine große Ehre und Freude, dass es im Rahmen Ihrer Deutschlandreise, anknüpfend an Ihren bemerkenswerten, historischen Besuch in der Kölner Synagoge im Jahr 2005, der, soweit ich weiß, der aller erste Besuch eines Papstes in einer Synagoge außerhalb von Italien gewesen war, heute hier zu dieser Begegnung zwischen uns kommt.

Sie haben heute hier schließlich ein mehr als anspruchsvolles, ein ehrgeiziges, ein fast schon: sportlich forderndes, intensives und höchst straffes Besuchsprogramms.

Dass Sie dennoch Zeit für dieses Treffen gefunden haben, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben, zeigt uns, dass Ihnen der Dialog mit dem Judentum eine wirkliche Herzensangelegenheit ist. Wir begrüßen Sie daher ganz besonders herzlich mit dem traditionellen jüdischen Gruß und dem jüdischen Willkommens-Segen: „Baruch Haba!“

Schön ist es, zu Recht feststellen zu können: Die Beziehungen zwischen der Katholischen Kirche und dem Judentum haben sich in den vergangenen Jahrzehnten wirklich ganz dramatisch verbessert. So viele Menschen auf allen Seiten haben daran ganz großen Anteil.

Und wir wissen sehr wohl, dass gerade Ihnen ganz persönlich die Versöhnung mit dem Judentum immer schon wichtig, ja absolute Herzenssache war und ist. (…)

Die Kontakte zwischen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und der katholischen Kirche hier im Land sind inzwischen ganz besonders vielfältig, vertrauensvoll, verlässlich und eng. Das spüren wir immer wieder besonders deutlich, gerade auch einmal in schwierigen Situationen. Aber gerade dann soll sich Freundschaft doch schließlich bewähren  –  und das erleben wir auch immer wieder hier auf wirklich bewegende Art und Weise. Für diese gelebte Solidarität und gewachsene Loyalität will ich mich hier ausdrücklich von Herzen bedanken.

Unser Dialog bleibt uns so wichtig, er ist aber auch kein Selbstzweck. Und wir alle müssen uns an dessen Ergebnissen messen lassen. Und dass unser gutes Verhältnis sogar noch besser, noch enger, noch herzlicher werden möge – das ist es doch, was wir im Innersten eigentlich alle gemeinsam hoffen und wünschen!

Hochverehrter Papst Benedikt, ich möchte deshalb die heutige Gelegenheit nutzen und für einen lebendigen, offenen, vertrauensvollen, temperamentvollen und auch lebensbejahenden Dialog miteinander werben. Für einen Dialog der kurzen Wege, der engen Freundschaft, der vertrauten Partnerschaft und der freundschaftlichen Herzlichkeit  – für einen Dialog, in dem das offene Wort geschätzt und gefordert wird und das tief begründete Vertrauen immer noch weiter wachsen möge. (…)

Wir sollten im Geiste wissen und in unseren Herzen auch immerzu spüren: Uns verbindet doch so viel. Uns verbindet doch so viel mehr als uns je trennen kann. Wir haben schließlich so starke gemeinsame Wurzeln  –  vielleicht sollten wir das gelegentlich gemeinsam noch häufiger und noch stärker nach außen kommunizieren. Denn: Wir haben doch wirklich so starke gemeinsame Wurzeln – wie sollten sie denn nicht gemeinsam Früchte tragen können?

Und das wünschen wir uns doch: Dass die Fülle und die Früchte der Gemeinsamkeiten wachsen und blühen mögen. Sicher: auch dann werden, weil die Welt so ist, wie sie ist, unsere gemeinsamen Bäume noch immer nicht in den Himmel wachsen. Vielleicht kommen wir alle aber denn doch dem Himmel so ein ganz klein wenig näher.

Und wir selbst wachsen vielleicht so gemeinsam am dem, was uns bindet und verbindet  –  wie schön wäre das doch!

Wir sind hier zusammen, wir glauben zusammen – und wir gehören ganz einfach auch zusammen! Lassen Sie uns daher gemeinsam die Verantwortung dafür tragen, dass dieses gemeinsame Fundament von herzlicher Freundschaft, von verstärktem Vertrauen und von neuer Nähe immer weiter und immer noch mehr gestärkt und gefestigt wird.

Wir jedenfalls wünschen uns das von ganzem Herzen.

Die vollständige Rede Dr. Graumanns finden Sie auf http://www.domradio.de

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Der Papst sprach jenseits der “Doppelfalle”

Benedikts Bundestagsrede war zeitlos, souverän  -  und sie trotzte allen “Erwartungen”

Wenn Benedikt XVI. den Negativ-Erwartungen bzw. Befürchtungen jener hätte gerecht werden wollen, die ihn früher als “Panzerkardinal” und heute als “reaktionären Moralhüter” und dergleichen bezeichnen, hätte er sich im deutschen Parlament zu einer Art markiger Gardinenpredigt aufgeschwungen und dem Zeitgeist ordentlich und pointiert die Leviten gelesen  – daß er dazu gerne willens und fähig ist, hat er mehrfach gezeigt.

Doch der deutsche Pontifex aus Rom wußte zu gut, daß der Bundestag nicht der passende Ort für solche  – wenngleich der Sache nach berechtigten  – “Rundumschläge”  ist.

Es gab aber auch eine gegenteilige “Falle” für den Papst: daß er auf jene “reformeifrigen”  Stimmen hört,  die von ihm “Antworten” (natürlich “zeitgemäße”) auf  angebliche “gesellschaftlichen Anfragen” und “Herausforderungen von heute” erhofften und ihn am liebsten in Richtung Modernismus “umerziehen” möchten.  Diesem Ansinnen hat sich der Papst erst recht verweigert, obgleich die Begrüßungsansprache des Bundespräsidenten hierauf abzielte, innerkirchliche “Reformen” anmahnte  – und insofern eher oberflächlich und wenig “staatsmännisch” wirkte.

Das Kirchenoberhaupt dachte freilich überhaupt nicht daran, sich auf diese typischen “Dauerbrenner”-Themen von Medien, Talkshows und diverser “Dialogprozesse” (auch aus bundesdeutsch-bischöflichen Amsstuben) einzulassen.

Der Papst hat zudem keine nichtssagende, rhetorische Allerweltsrede gehalten und Nettigkeiten in alle Richtungen verteilt, auf daß jede(r) zufrieden sei und keinerlei Angriffsflächen mehr möglich.

Stattdessen hielt der Pontifex eine Art Grundsatzrede über die Philosophie des Rechts, über die Fundamente der Gerechtigkeit im Leben der Völker, der Staaten, der Politik, auch hinsichtlich des einzelnen Menschen und seiner Gewissensentscheidungen.

Was ist gut?
Was ist gerecht?
Was ist immer gültig?
Worauf gründet das staatliche Recht?

Auf solche grundlegenden Fragen hatte es der Papst abgesehen.

Woran hat jeder Mensch, auch jeder Staatslenker sich zu orientieren? An seinen persönlichen Bedürfnissen und Wünschen? Dürfen Politiker sich allein an Nützlichkeitserwägungen orientieren? Sind Gesetze automatisch immer “rechtens”, wie es vor allem der Rechtspositivismus (irr)lehrt? Oder gibt es ein überzeitliches “Recht”, das über dem irdischen Gesetz steht?

Worauf beruhren Recht und Gerechtigkeit? Auf irdischen Instanzen allein? Auf dem demokratischen Mehrheitsprinzip? Auf Volksabstimmungen? Auf Kompromissen und Konsensentscheidungen?

Der Papst hat den demokratischen und freiheitlichen Rechtsstaat ausdrücklich gewürdigt, aber er hat auch an die christlichen Wurzeln von Recht und Gerechtigkeit erinnert: an eine übernatürliche Instanz nämlich, die letztlich allein das überzeitliche Fundament für eine gelingende Rechtsordnung sein kann: Gott und seine Schöpfungsordnung, das “Naturrecht” und seine Prinzipien, die keiner Zustimmung von Mehrheiten bedürfen, die auch ohne irdische Gesetze gelten, darunter vor allem die Menschenwürde und das Grundrecht auf Leben für alle (ob geboren oder ungeboren, gesund oder behindert).

Damit hat der Papst sich in des Wortes doppelter Bedeutung als “Souverän” erwiesen: nicht nur als der Souverän des Vatikanstaates, als “Staatsmann” gewissermaßen, auch nicht allein als Kirchenoberhaupt von 1, 2 Milliarden Katholiken, sondern auch als “souverän” über den vermeintlichen Bedürfnissen aktueller “Anforderungen” und Zumutungen. Jenseits des Zeitgeistes vertrat er den Anspruch des Ewigen  – auch in unserer Zeit, auch in der Politik.

Der Papst hat gezeigt, was er sich und seinem Amt, was er vor allem Gott schuldig ist: die Wahrheit!

Denn in Wahrheit gründen Recht und Gerechtigkeit vor allem in Gott und in seiner Schöpfungsordnung.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

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Evangelikaler Dachverband begrüßt den Papst

„Internationale Konferenz bekennender Gemeinschaften“  wendet sich gegen „Papstschelte“

Die „Internationale Konferenz bekennender Gemeinschaften“  – ein Dachverband glaubenskonservativer evangelischer Christen  –  richtete ein freundliches Grußwort an Papst Benedikt:

„Es ist für uns eine große Freude und Ehre, dass Sie das Land der Reformation besuchen und diesen Besuch nicht nur zur Stärkung der Gläubigen Ihrer Kirche nutzen wollen, sondern auch dazu, die geistlichen Beziehungen zu den Christen anderer Kirchen zu pflegen und zu vertiefen.“

Zugleich kritisieren die bibelorientierten Protestanten eine antikatholische Kampagne in Fernsehen und Presse. Mit einer „nie dagewesenen Hetze und Gehässigkeit“ hätten Medien und Teile der Politik Benedikt XVI. in die Nähe eines Diktators und Menschenrechtsverletzers gerückt,  sagte der Vorsitzende der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), am 21. September gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur „idea“.

Diese Angriffe richteten sich nicht allein gegen die römisch-katholische Kirche, sondern gegen „alle Christen, die ihren Glauben gegen den Hauptstrom des Zeitgeistes klar bekennen“.

Pastor Rüß kritisiert auch jene Bundestagsabgeordneten von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Partei „Die Linke“, die der Rede des Papst am 22. September im Deutschen Bundestag fernblieben. Dies sei „schlechter demokratischer Stil und peinlich“, da der Papst mit Zustimmung aller Fraktionen zu der Rede eingeladen worden sei. Selbsternannte „Gralshüter der Toleranz“ entlarvten sich in ihrer „puren Kirchenfeindlichkeit und Intoleranz“.

Die Bekennenden Gemeinschaften begrüßen die „leider oft verkannten Bemühungen“ des Papstes „um eine nachhaltige und volle Einheit aller, die an den dreieinigen Gott und an Jesus Christus als Herrn und Erlöser glauben“. Besonders die beiden Jesusbücher von Benedikt XVI. hätten „einen tiefen und überaus positiven Eindruck auch bei vielen Christen hinterlassen“, die der katholischen Kirche nicht angehören.

Viele bekennende Christen unterschiedlichster Konfessionen unterstützen auch den Einsatz des Papstes für eine Neuevangelisierung Europas, den Schutz von Ehe und Familie und das unantastbare Lebensrecht aller Menschen.

Abschließend heißt es in dem Grußwort des Dachverbands an das katholische Kirchenoberhaupt:

„Wir wünschen Ihnen von Herzen einen reich gesegneten, frohen und bewahrten Aufenthalt in Deutschland. Mögen durch Ihren Dienst der Verkündigung und Lehre hier und anderswo noch viele Menschen gesegnet, im Glauben gestärkt und zum Glauben geführt werden!“

Unterzeichner der Grußbotschaft sind neben dem Vorsitzenden der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaft, Pastor Rüß, dessen Stellvertreter Andreas Späth, der Ehrenvorsitzende Prof. Dr. Peter Beyerhaus und der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Konferenz, Pastor Dr. Werner Neuer.

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Papst Benedikt bestätigt die Grenzen des Mehrheitsprinzips

Recht auf Leben und Menschenwürde sind unantastbar!

Pressemeldung der “Aktion Leben” vom 23.9.2011

Mit Freude und Dankbarkeit begrüßen deutsche Lebensrechtler die Rede von Papst Benedikt XVI. vor dem Deutschen Bundestag am 22.9.2011. In einem anspruchsvollen Vortrag machte er auf die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates aufmerksam. Grundlagen, deren Kenntnis und Beachtung man in den letzten Monaten und Jahren bei so mancher Bundestagsentscheidung schmerzlich vermißte.

Nun aber kann sich kein Abgeordneter mehr entschuldigen, er habe es nicht gewußt. Immerhin folgert aus den Ausführungen des Papstes, was die deutsche Lebensrechtsbewegung (z.B. die Aktion Leben e.V.) schon immer vertreten hat:

Es gibt Unabstimmbares! Über Lebensrecht und Menschenwürde kann und darf nicht abgestimmt werden.

Kein Parlament der Welt hat das Recht, das Leben eines seiner Bürger durch Gesetze dem Tod preiszugeben, denn das würde gegen Naturrecht und damit gegen Gottes Gebote verstoßen.

Sehr wohl aber haben Parlamente die Pflicht, Gesetze zu schaffen, die das Leben und die Würde jedes Menschen bestmöglich schützen. Das zu beachten wäre Pflicht des deutschen Bundestages gewesen -  bei früheren Abstimmungen wie z.B. der zur PID oder zu den sog. Reformen des § 218.

Nach der Papstrede, ist es erst Recht Pflicht bei künftigen Debatten, z.B. in den anstehenden Fragen von Hirntod und Organspende und der Euthanasie/Sterbehilfe die mahnenden Worte des Papstes zu beherzigen.

Aktion Leben e.V.
Walter Ramm
Postfach 61
69518  Abtsteinach
Tel:06201-2064
Fax:06201-23848
post@aktion-leben.de
www.aktion-leben.e

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David Bergers unfaire Schmähkritik gegen Papst Benedikt

Ein Hauptredner der Anti-Papst-Proteste verstrickt sich in Falschbehauptungen

Dr. David Berger, der sich selbst als „schwulen Theologen“ bezeichnet und zu den Hauptrednern der Anti-Papst-Kundgebung am 22.9.2011 in Berlin gehörte, gab der linksgerichteten Illustrierten „Stern“ ein Interview, das diese am 22.9.2011 online unter dem Titel „Kaum einer hört ihm zu“ (bezogen auf den Papst) veröffentlichte.

Fakt ist freilich, daß dem Papst in Berlin am 22. September 2011 etwa zehnmal mehr Menschen im Olympiastadion zuhörten als den Protestlern um Dr. David Berger und Uta Ranke-Heinemann etc.

Dieser Aspekt wäre nicht weiter erwähnenswert, würde sich Berger in seinem antikirchlichen Zorn nicht zu Falschbehauptungen gegen Papst Benedikt versteigen.

Berger ist grundsätzlich dagegen, daß dem Papst im deutschen Parlament überhaupt ein “Forum“ geboten wurde  –  und diese Ablehnung begründet er folgendermaßen:

„Der Bundestag gründet seine Existenz auf ein klares Bekenntnis zur Demokratie. Der Papst hat die Demokratie und die offene Gesellschaft mehrfach als “Diktatur des Relativismus” bezeichnet  -  und stattdessen die “Diktatur der Wahrheit” gefordert.“

Weder hat der Papst die Demokratie als solche bzw die demokratische Staatsform mit der „Diktatur des Relativismus“ bezeichnet oder gleichgesetzt  – noch hat er je eine „Diktatur der Wahrheit“ gefordert; Berger bringt für seine steilen Behauptungen auch keinen einzigen Beleg.

Bezeichnend ist sodann die für einen „Theologen“ ungewöhnliche Oberflächlichkeit, mit der Berger das päpstliche „Wort zum Sonntag“ kommentiert:

In dieser Ansprache hatte Benedikt XVI. in verständlicher Weise erläutert, wie der Mensch das Dasein Gottes erkennen kann: durch das Werk der Schöpfung, die Heilige Schrift und durch gläubige Menschen.

Daß dieses Glaubens-ABC den Horizont eines Sensationsblatts  -  wie es der “Stern“ nun einmal darstellt  -  überfordern mag, erstaunt wenig.

Wundern darf man sich, daß ein jahrzehntelang philosophierender, sich z.B. mit den Gottesbeweisen des Thomas von Aquin beschäftigender Theologie wie Berger in dieselbe dümmliche Kerbe schlägt.

Auf den „Stern“-Hinweis, der Papst habe in dieser Kurzansprache „über Gotteserkenntnis gesprochen, aber keine Silbe zu aktuellen Fragen gesagt“, reagierte Berger folgendermaßen:

„Es ist nicht zu übersehen, dass Benedikt XVI und seine Getreuen die Fühlung für das, was Menschen bewegt, verloren haben. Der Papst vertritt Positionen des 19. Jahrhunderts, die keiner mehr versteht.“

Was hat, so fragt man sich, die für viele Menschen wesentliche Frage nach dem Dasein Gottes mit „Positionen des 19. Jahrhunderts“ zu tun?

„Die junge Garde ist bewußt konservativ“

Aufschlußreich ist freilich die verärgerte Beschwerde Bergers über den heutigen Priesternachwuchs, dessen  – wie er meint  -  konservative Ausrichtung ihm mißfällt, wobei er den Seminaristen pauschal Karrierestreben unterstellt:

„Die Alten kennen wenigstens noch die Zeiten des reformfreudigen Zweiten Vatikanischen Konzils. Die junge Garde nicht; sie ist bewusst konservativ bis sehr konservativ und kokettiert sogar damit. Sie weiß, dass sie mit dieser Haltung Karriere machen kann.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

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Gottes Heilsgeschichte mit den Menschen im Alten und Neuen Bund

Ansprache des Papstes vor der jüdischen Gemeinde in Berlin am 22.9.2011

Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ich freue mich über diese Zusammenkunft mit Ihnen hier in Berlin. Ganz herzlich danke ich Präsident Dr. Dieter Graumann für die freundlichen Worte der Begrüßung.

Sie machen mir deutlich, wie viel Vertrauen gewachsen ist zwischen dem jüdischen Volk und der katholischen Kirche, die einen nicht unwesentlichen Teil ihrer grundlegenden Traditionen gemeinsam haben.

Zugleich ist uns allen klar, dass ein liebendes verstehendes Ineinander von Israel und Kirche im jeweiligen Respekt für das Sein des anderen immer noch weiter wachsen muss und tief in die Verkündigung des Glaubens einzubeziehen ist.

Bei meinem Besuch in der Kölner Synagoge vor sechs Jahren sprach Rabbiner Teitelbaum über die Erinnerung als eine der Säulen, die man braucht, um darauf eine friedliche Zukunft zu gründen.

Und heute befinde ich mich an einem zentralen Ort der Erinnerung, der schrecklichen Erinnerung, dass von hier aus die Shoah, die Vernichtung der jüdischen Mitbürger in Europa geplant und organisiert wurde.

In Deutschland lebten vor dem Naziterror ungefähr eine halbe Million Juden, die einen festen Bestandteil der deutschen Gesellschaft bildeten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg galt Deutschland als das „Land der Shoah”, in dem man eigentlich nicht mehr leben konnte. Es gab zunächst kaum Anstrengungen, die alten jüdischen Gemeinden neu zu begründen, auch wenn von Osten her stetig jüdische Einzelpersonen und Familien einreisten. Viele von ihnen wollten auswandern und sich vor allem in den Vereinigten Staaten oder in Israel eine neue Existenz aufbauen.

An diesem Ort muss auch erinnert werden an die Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Nur wenige sahen die ganze Tragweite dieser menschenverachtenden Tat, wie der Berliner Dompropst Bernhard Lichtenberg, der von der Kanzel der Sankt-Hedwigs-Kathedrale den Gläubigen zurief: „Draußen brennt der Tempel  –  das ist auch ein Gotteshaus”.

Die nationalsozialistische Schreckensherrschaft gründete auf einem rassistischen Mythos, zu dem die Ablehnung des Gottes Abrahams, Isaaks und Jakobs, des Gottes Jesu Christi und der an ihn glaubenden Menschen gehörte.

Der „allmächtige” Adolf Hitler war ein heidnisches Idol, das Ersatz sein wollte für den biblischen Gott, den Schöpfer und Vater aller Menschen. Mit der Verweigerung der Achtung vor diesem einen Gott geht immer auch die Achtung vor der Würde des Menschen verloren.

Wozu der Mensch, der Gott ablehnt, fähig ist, und welches Gesicht ein Volk im Nein zu diesem Gott haben kann, haben die schrecklichen Bilder aus den Konzentrationslagern bei Kriegsende gezeigt.

Angesichts dieser Erinnerung ist dankbar festzustellen, dass sich seit einigen Jahrzehnten eine neue Entwicklung zeigt, bei der man geradezu von einem Aufblühen jüdischen Lebens in Deutschland sprechen kann. Es ist hervorzuheben, dass sich die jüdische Gemeinschaft in dieser Zeit besonders um die Integration osteuropäischer Einwanderer verdient gemacht hat.

Anerkennend möchte ich auch auf den sich vertiefenden Dialog der katholischen Kirche mit dem Judentum hinweisen. Die Kirche empfindet eine große Nähe zum jüdischen Volk. Mit der Erklärung „Nostra aetate“ des Zweiten Vatikanischen Konzils wurde ein „unwiderruflicher Weg des Dialogs, der Brüderlichkeit und der Freundschaft” eingeschlagen (vgl. Rede in der Synagoge in Rom, 17. Januar 2010).

Dies gilt für die katholische Kirche als ganze, in der der selige Papst Johannes Paul II. sich besonders intensiv für diesen neuen Weg eingesetzt hat. Es gilt selbstverständlich auch für die katholische Kirche in Deutschland, die sich ihrer besonderen Verantwortung in dieser Sache bewusst ist.

In der Öffentlichkeit wird vor allem die „Woche der Brüderlichkeit” wahrgenommen, die von den lokalen Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit jedes Jahr in der ersten Märzwoche organisiert wird.

Von katholischer Seite gibt es zudem jährliche Treffen zwischen Bischöfen und Rabbinern sowie strukturierte Gespräche mit dem Zentralrat der Juden. Schon in den 70er Jahren trat das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) mit der Errichtung eines Gesprächskreises „Juden und Christen” hervor, der in fundierter Weise im Laufe der Jahre viele hilfreiche Verlautbarungen hervorgebracht hat.

Nicht unerwähnt bleiben soll das historische Treffen im März 2006 für den jüdisch-christlichen Dialog unter Beteiligung von Kardinal Walter Kasper. Diese Zusammenkunft hat bis in jüngste Zeit reiche Früchte getragen.

Neben diesen lobenswerten konkreten Initiativen scheint mir, dass wir Christen uns auch immer mehr unserer inneren Verwandtschaft mit dem Judentum klar werden müssen. Für Christen kann es keinen Bruch im Heilsgeschehen geben. Das Heil kommt nun einmal von den Juden (vgl. Joh 4,22).

Wo der Konflikt Jesu mit dem Judentum seiner Zeit in oberflächlicher Manier als eine Loslösung vom Alten Bund gesehen wird, wird er auf die Idee einer Befreiung hinauslaufen, die die Thora nur als sklavische Befolgung von Riten und äußeren Observanzen betrachtet.

Tatsächlich hebt die Bergpredigt das mosaische Gesetz nicht auf, sondern enthüllt seine verborgenen Möglichkeiten und lässt neue Ansprüche hervortreten. Sie verweist uns auf den tiefsten Grund menschlichen Tuns, das Herz, wo der Mensch zwischen dem Reinen und dem Unreinen wählt, wo sich Glaube, Hoffnung und Liebe entfalten.

Die Hoffnungsbotschaft, die die Bücher der hebräischen Bibel und des christlichen Alten Testaments überliefern, ist von Juden und Christen in unterschiedlicher Weise angeeignet und weitergeführt worden.

„Wir erkennen es nach Jahrhunderten des Gegeneinanders als unsere heutige Aufgabe, dass diese beiden Weisen der Schriftlektüre  –  die christliche und die jüdische  –  miteinander in Dialog treten müssen, um Gottes Willen und Wort recht zu verstehen” (Jesus von Nazareth. Zweiter Teil: Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung, S. 49)

Dieser Dialog soll die gemeinsame Hoffnung auf Gott in einer zunehmend säkularen Gesellschaft stärken. Ohne diese Hoffnung verliert die Gesellschaft ihre Humanität.

Insgesamt dürfen wir feststellen, dass der Austausch der katholischen Kirche mit dem Judentum in Deutschland schon verheißungsvolle Früchte getragen hat.

Beständige vertrauensvolle Beziehungen sind gewachsen. Juden und Christen haben gewiss eine gemeinsame Verantwortung für die Entwicklung der Gesellschaft, die immer auch eine religiöse Dimension hat. Mögen alle Beteiligten diesen Weg gemeinsam weitergehen.

Dazu schenke der Einzige und Allmächtige, Ha Kadosch Baruch Hu, seinen Segen.

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Papst Benedikt: “Kulturell ist mein Deutschsein sehr stark.”

“Doch als Kirche sind wir ein Volk aus allen Völkern”

Während seines Fluges nach Deutschland wurden dem Papst einige Fragen von Journalisten gestellt, darunter die folgende: 

“Wie deutsch fühlt sich Papst Benedikt noch? Und woran bemerkt er, wie sehr oder zunehmend wenig seine deutsche Herkunft eine Rolle spielt?“

Papst Benedikt XVI. antwortete hierauf:

„Hölderlin hat gesagt: Am meisten vermag doch die Geburt  -  und das spüre ich natürlich auch. Ich bin in Deutschland geboren und die Wurzel kann nicht abgeschnitten werden und soll nicht abgeschnitten werden.

Ich habe meine kulturelle Formung in Deutschland empfangen. Meine Sprache ist Deutsch und die Sprache ist die Weise, in der der Geist lebt und wirksam wird. Meine ganze kulturelle Formung ist dort geschehen.

Wenn ich Theologie treibe, tue ich das aus der inneren Form heraus, die ich an den deutschen Universitäten gelernt habe und leider muss ich gestehen, dass ich immer noch mehr deutsche als andere Bücher lese, so dass in meiner kulturellen Lebensgestalt dieses Deutschsein sehr stark ist.

Die Zugehörigkeit zu dieser eigenen Geschichte mit ihrer Größe und ihrer Schwere kann und soll nicht aufgehoben werden.

Aber bei einem Christen kommt noch etwas anderes hinzu; er wird in der Taufe neu geboren, in ein neues Volk aus allen Völkern hinein, in ein Volk, das alle Völker und Kulturen umfasst und in dem er nun wirklich ganz zu Hause ist, ohne seine natürliche Herkunft zu verlieren.

Wenn man dann eine große Verantwortung wie ich die oberste Verantwortung in diesem neuen Volk übernimmt, ist klar, dass man immer tiefer in dieses hinein wächst.

Die Wurzel wird zum Baum, der sich vielfältig erstreckt und das Daheimsein in dieser großen Gemeinschaft eines Volkes aus allen Völker der katholischen Kirche wird lebendiger und tiefer, prägt das ganze Dasein, ohne das Vorherige aufzuheben.

So würde ich sagen: Es bleibt die Herkunft, es bleibt die kulturelle Gestalt, es bleibt natürlich auch die besondere Liebe und Verantwortung, aber eingebettet und ausgeweitet in die große Zugehörigkeit, in die Civitas Dei hinein, wie Augustinus sagen würde, das Volk aus allen Völkern, in dem wir alle Brüder und Schwestern sind.“

                                                                                                                                                                     Quelle: Radio Vatikan, 22.9.2011

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Die Kirche  – eine Lebensgemeinschaft mit Christus

Wortlaut der Predigt des Papstes bei der hl. Messe im Olympiastadion Berlin am 22.9.2011

Liebe Mitbrüder im Bischofsamt!
Liebe Brüder und Schwestern!

Der Blick in das weite Rund des Olympiastadions, das ihr in so großer Zahl heute füllt, weckt
in mir große Freude und Zuversicht. Sehr herzlich grüße ich euch alle  –  die Gläubigen aus dem
Erzbistum Berlin und den Diözesen Deutschlands wie auch die vielen Pilger aus den benachbarten
Ländern.

15 Jahre ist es her, daß erstmals ein Papst in die Bundeshauptstadt Berlin gekommen ist. Der
Besuch meines verehrten Vorgängers, des seligen Johannes Paul II., und die Seligsprechung des
Berliner Dompropstes Bernhard Lichtenberg  –  zusammen mit Karl Leisner  –  eben hier an diesem Ort
ist uns allen in lebendiger Erinnerung.

Wenn wir an diese Seligen und an die Schar der Heiligen und Seligen insgesamt denken,
können wir begreifen, was es heißt, als Rebzweige des wahren Weinstocks Christus zu leben und
reiche Frucht zu bringen.

Das heutige Evangelium hat uns das Bild neu vergegenwärtigt, dieses im
Orient üppig rankenden Gewächses und Sinnbilds von Lebenskraft, eine Metapher für die Schönheit
und Dynamik der Gemeinschaft Jesu mit seinen Jüngern und Freunden.

Im Gleichnis vom Weinstock sagt Jesus nicht: „Ihr seid der Weinstock“, sondern: „Ich bin der
Weinstock, ihr seid die Reben“ (Joh 15,5). Das heißt: „So wie die Rebzweige mit dem Weinstock
verbunden sind, so gehört ihr zu mir! Indem ihr aber zu mir gehört, gehört ihr auch zueinander.“

Und dieses Zueinander- und Zu-ihm-Gehören ist nicht irgendein ideales, gedachtes, symbolisches
Verhältnis, sondern  –  fast möchte ich sagen  –  ein biologisches, lebensvolles Zu-Jesus-Christus-
Gehören.

Das ist die Kirche, diese Lebensgemeinschaft mit ihm und füreinander, die durch die Taufe
begründet und in der Eucharistie von Mal zu Mal vertieft und verlebendigt wird. „Ich bin der wahre
Weinstock“, das heißt doch eigentlich: ‚Ich bin ihr und ihr seid ich‘ – eine unerhörte Identifikation des
Herrn mit uns, seiner Kirche.

Christus selbst hat damals vor Damaskus den Kirchenverfolger Saulus gefragt: „Warum
verfolgst Du mich?“ (Apg 9,4). Damit drückt der Herr die Gemeinsamkeit des Schicksals aus, die sich
aus der innigen Lebensgemeinschaft seiner Kirche mit ihm, dem auferstandenen Christus, ergibt.

Er lebt in seiner Kirche in dieser Welt fort. Er ist bei uns und wir mit ihm. – „Warum verfolgst du mich?“
– Es ist also Jesus, den die Verfolgungen seiner Kirche treffen. Und zugleich sind wir, wenn wir um
unseres Glaubens willen bedrängt werden, nicht allein. Jesus ist bei uns.

Jesus sagt im Gleichnis: „Ich bin der wahre Weinstock, und mein Vater ist der Winzer“ (Joh
15,1), und er führt aus, daß der Winzer zum Messer greift, die dürren Reben abschneidet und die
fruchttragenden reinigt, so daß sie mehr Frucht bringen.

Gott will  –  um es mit dem Bild des Propheten Ezechiel zu sagen, das wir in der ersten Lesung gehört haben  –  das tote, steinerne Herz aus unserer Brust nehmen, um uns ein lebendiges Herz aus Fleisch zu geben (vgl. Ez 36,26). Er will uns neues, kraftvolles Leben schenken.

Christus ist gekommen, die Sünder zu rufen. Sie brauchen den Arzt, nicht die Gesunden (vgl. Lk 5,31f). Und so ist, wie das Zweite Vatikanische Konzil sagt, die Kirche das „universale Heilssakrament“ (LG 48), das für die Sünder da ist, um ihnen den Weg der Umkehr, der Heilung und des Lebens zu eröffnen. Das ist die eigentliche und große Sendung der Kirche, die ihr von Christus übertragen ist.

Manche bleiben mit ihrem Blick auf die Kirche an ihrer äußeren Gestalt hängen. Dann
erscheint die Kirche nur mehr als eine der vielen Organisationen innerhalb einer demokratischen
Gesellschaft, nach deren Maßstäben und Gesetzen dann auch die so sperrige Größe „Kirche“ zu
beurteilen und zu behandeln ist.

Wenn dann auch noch die leidvolle Erfahrung dazukommt, daß es in
der Kirche gute und schlechte Fische, Weizen und Unkraut gibt, und der Blick auf das Negative fixiert
bleibt, dann erschließt sich das große und tiefe Mysterium der Kirche nicht mehr.

Dann kommt auch keine Freude mehr über die Zugehörigkeit zu diesem Weinstock „Kirche“
auf. Es verbreiten sich Unzufriedenheit und Mißvergnügen, wenn man die eigenen oberflächlichen
und fehlerhaften Vorstellungen von „Kirche“, die eigenen „Kirchenträume“ nicht verwirklicht sieht!

Da verstummt dann auch das frohe „Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad’ in seine Kirch’ berufen
hat“, das Generationen von Katholiken mit Überzeugung gesungen haben.

Weiter fährt der Herr in seiner Rede fort: „Bleibt in mir, dann bleibe ich in euch. Wie die Rebe
aus sich keine Frucht bringen kann, sondern nur, wenn sie am Weinstock bleibt, so könnt auch ihr
keine Frucht bringen, wenn ihr nicht in mir bleibt, … denn getrennt von mir – wir könnten auch
übersetzen: außerhalb von mir – könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh 15,4f).

Vor diese Entscheidung ist jeder von uns gestellt. Wie ernst sie ist, sagt uns der Herr
wiederum in seinem Gleichnis: „Wer nicht in mir bleibt, wird wie die Rebe weggeworfen, und er
verdorrt. Man sammelt die Reben, wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen“ (Joh 15,6) Dazu meint der
heilige Augustinus: „Eines von beiden kommt der Rebe zu, entweder der Weinstock oder das Feuer;
wenn sie nicht im Weinstock ist, wird sie im Feuer sein; damit sie also nicht im Feuer sei, möge sie im
Weinstock sein“ (In Ioan. Ev. tract. 81,3 [PL 35, 1842]).

Die hier geforderte Wahl macht uns eindringlich die existentielle Bedeutung unserer
Lebensentscheidung bewußt. Zugleich ist das Bild vom Weinstock ein Zeichen der Hoffnung und
Zuversicht. Christus selbst ist durch seine Menschwerdung in diese Welt gekommen, um unser
Wurzelgrund zu sein.

In aller Not und Dürre ist er die Quelle, die das Wasser des Lebens schenkt, die
uns nährt und stärkt. Er selbst nimmt alle Sünde, Angst und Leid auf sich und reinigt und verwandelt
uns schließlich geheimnisvoll in guten Wein.

Manchmal fühlen wir uns in solchen Stunden der Not wie in die Kelter geraten, wie Trauben, die völlig ausgepreßt werden. Aber wir wissen, mit Christus verbunden werden wir zu reifem Wein.

Auch das Schwere und Bedrückende unseres Lebens weiß Gott in Liebe zu verwandeln. Wichtig ist, daß wir am Weinstock, bei Christus „bleiben“. Der Evangelist verwendet das Wort „bleiben“ in dieser kurzen Perikope ein dutzendmal. Dieses „In-Christus-Bleiben“ prägt das ganze Gleichnis.

In unserer Zeit der Rastlosigkeit und Beliebigkeit, wo so viele Menschen Orientierung und Halt verlieren, wo die Treue der Liebe in Ehe und Freundschaft so zerbrechlich und kurzlebig geworden ist, wo wir in unserer Not wie die Emmausjünger rufen wollen: „Herr bleibe bei uns, denn es ist Abend (vgl. Lk 24,29), ja, es ist Dunkel um uns!“, da schenkt uns der Auferstandene eine Bleibe, einen Ort des Lichtes, der Hoffnung und Zuversicht, der Ruhe und
Geborgenheit. Wo den Rebzweigen Dürre und Tod drohen, da ist in Christus Zukunft, Leben und Freude.

In Christus bleiben heißt, wie wir bereits gesehen haben, auch in der Kirche bleiben. Die ganze Gemeinschaft der Gläubigen ist in den Weinstock Christus fest hineinverfügt. In Christus gehören wir zusammen. In dieser Gemeinschaft trägt er uns und zugleich tragen alle Glieder sich gegenseitig. Sie halten gemeinsam Stand gegen den Sturm und geben einander Schutz.

Wer glaubt ist nicht allein. Wir glauben nicht alleine, sondern wir glauben mit der ganzen Kirche.
Die Kirche als Verkünderin des Wortes Gottes und Spenderin der Sakramente verbindet uns
mit Christus, dem wahren Weinstock.

Die Kirche als „Fülle und Ergänzung des Erlösers“ (Pius XII., Mystici corporis, AAS 35 [1943] S. 230: „plenitudo et complementum Redemptoris“) ist uns Unterpfand des göttlichen Lebens und Vermittlerin der Früchte, von denen das Gleichnis des Weinstocks spricht.

Die Kirche ist das schönste Geschenk Gottes. Daher sagt auch der heilige Augustinus: „In dem Maß, wie einer die Kirche Christi liebt, hat er den Heiligen Geist“ (In Ioan. Ev. tract. 32, 8 [PL 35, 1646]). Mit der Kirche und in der Kirche dürfen wir allen Menschen verkünden, daß Christus die Quelle des Lebens ist, daß er da ist, daß er das Große ist, nach dem wir uns sehnen. Er schenkt sich selbst.

Wer an Christus glaubt, hat Zukunft. Denn Gott will nicht das Dürre, das Tote, das Gemachte, das am Ende weggeworfen wird, sondern das Fruchtbare und Lebendige, das Leben in Fülle.

Liebe Brüder und Schwestern! Das wünsche ich euch allen, daß ihr immer tiefer die Freude entdeckt, in der Kirche mit Christus verbunden zu sein, daß ihr in eurer Not Trost und Erlösung findet und immer mehr zum köstlichen Wein der Freude und Liebe Christi für diese Welt werdet. Amen.

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Über die Fundamente des freiheitlichen Rechtsstaats

Wortlaut der Papst-Rede im Deutschen Bundestag vom 22.9.2011

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!
Herr Bundestagspräsident!
Frau Bundeskanzlerin!
Herr Bundesratspräsident!
Meine Damen und Herren Abgeordnete!

Es ist mir Ehre und Freude, vor diesem Hohen Haus zu sprechen – vor dem Parlament meines deutschen Vaterlandes, das als demokratisch gewählte Volksvertretung hier zusammenkommt, um zum Wohl der Bundesrepublik Deutschland zu arbeiten. Dem Herrn Bundestagspräsidenten möchte ich für seine Einladung zu dieser Rede ebenso danken wie für die freundlichen Worte der Begrüßung und Wertschätzung, mit denen er mich empfangen hat.

In dieser Stunde wende ich mich an Sie, verehrte Damen und Herren  –  gewiss auch als Landsmann, der sich lebenslang seiner Herkunft verbunden weiß und die Geschicke der deutschen Heimat mit Anteilnahme verfolgt.

Aber die Einladung zu dieser Rede gilt mir als Papst, als Bischof von Rom, der die oberste Verantwortung für die katholische Christenheit trägt. Sie anerkennen damit die Rolle, die dem Heiligen Stuhl als Partner innerhalb der Völker- und Staatengemeinschaft zukommt. Von dieser meiner internationalen Verantwortung her möchte ich Ihnen einige Gedanken über die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaats vorlegen.

Lassen Sie mich meine Überlegungen über die Grundlagen des Rechts mit einer kleinen Geschichte aus der Heiligen Schrift beginnen. Im ersten Buch der Könige wird erzählt, dass Gott dem jungen König Salomon bei seiner Thronbesteigung eine Bitte freistellte. Was wird sich der junge Herrscher in diesem wichtigen Augenblick erbitten?

Erfolg – Reichtum – langes Leben – Vernichtung der Feinde? Nicht um diese Dinge bittet er. Er bittet: „Verleih deinem Knecht ein hörendes Herz, damit er dein Volk zu regieren und das Gute vom Bösen zu unterscheiden versteht“ (1 Kön 3,9). Die Bibel will uns mit dieser Erzählung sagen, worauf es für einen Politiker letztlich ankommen muss. Sein letzter Maßstab und der Grund für seine Arbeit als Politiker darf nicht der Erfolg und schon gar nicht materieller Gewinn sein. Die Politik muss Mühen um Gerechtigkeit sein und so die Grundvoraussetzung für Friede schaffen. Natürlich wird ein Politiker den Erfolg suchen, der ihm überhaupt die Möglichkeit politischer Gestaltung eröffnet.

Aber der Erfolg ist dem Maßstab der Gerechtigkeit, dem Willen zum Recht und dem Verstehen für das Recht untergeordnet. Erfolg kann auch Verführung sein und kann so den Weg auftun für die Verfälschung des Rechts, für die Zerstörung der Gerechtigkeit. „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“, hat der heilige Augustinus einmal gesagt.1 Wir Deutsche wissen es aus eigener Erfahrung, dass diese Worte nicht ein leeres Schreckgespenst sind.

Wir haben erlebt, dass Macht von Recht getrennt wurde, dass Macht gegen Recht stand, das Recht zertreten hat und dass der Staat zum Instrument der Rechtszerstörung wurde – zu einer sehr gut organisierten Räuberbande, die die ganze Welt bedrohen und an den Rand des Abgrunds treiben konnte. Dem Recht zu dienen und der Herrschaft des Unrechts zu wehren ist und bleibt die grundlegende Aufgabe des Politikers. In einer historischen Stunde, in der dem Menschen Macht zugefallen ist, die bisher nicht vorstellbar war, wird diese Aufgabe besonders dringlich. Der Mensch kann die Welt zerstören. Er kann sich selbst manipulieren.

Er kann sozusagen Menschen machen und Menschen vom Menschsein ausschließen. Wie erkennen wir, was recht ist? Wie können wir zwischen Gut und Böse, zwischen wahrem Recht und Scheinrecht unterscheiden? Die salomonische Bitte bleibt die entscheidende Frage, vor der der Politiker und die Politik auch heute stehen. In einem Großteil der rechtlich zu regelnden Materien kann die Mehrheit ein genügendes Kriterium sein.

Aber dass in den Grundfragen des Rechts, in denen es um die Würde des Menschen und der Menschheit geht, das Mehrheitsprinzip nicht ausreicht, ist offenkundig: Jeder Verantwortliche muss sich bei der Rechtsbildung die Kriterien seiner Orientierung suchen.

Im 3. Jahrhundert hat der große Theologe Origenes den Widerstand der Christen gegen bestimmte geltende Rechtsordnungen so begründet: „Wenn jemand sich bei den Skythen befände, die gottlose Gesetze haben, und gezwungen wäre, bei ihnen zu leben …, dann würde er wohl sehr vernünftig handeln, wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist, zusammen mit Gleichgesinnten auch entgegen der bei jenen bestehenden Ordnung Vereinigungen bilden würde …“

Von dieser Überzeugung her haben die Widerstandskämpfer gegen das Naziregime und gegen andere totalitäre Regime gehandelt und so dem Recht und der Menschheit als ganzer einen Dienst erwiesen. Für diese Menschen war es unbestreitbar evident, dass geltendes Recht in Wirklichkeit Unrecht war. Aber bei den Entscheidungen eines demokratischen Politikers ist die Frage, was nun dem Gesetz der Wahrheit entspreche, was wahrhaft recht sei und Gesetz werden könne, nicht ebenso evident. Was in Bezug auf die grundlegenden anthropologischen Fragen das Rechte ist und geltendes Recht werden kann, liegt heute keineswegs einfach zutage.

Die Frage, wie man das wahrhaft Rechte erkennen und so der Gerechtigkeit in der Gesetzgebung dienen kann, war nie einfach zu beantworten, und sie ist heute in der Fülle unseres Wissens und unseres Könnens noch sehr viel schwieriger geworden.

Wie erkennt man, was recht ist? In der Geschichte sind Rechtsordnungen fast durchgehend religiös

begründet worden: Vom Blick auf die Gottheit her wird entschieden, was unter Menschen rechtens ist. Im Gegensatz zu anderen großen Religionen hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben. Es hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt.

Die christlichen Theologen haben sich damit einer philosophischen und juristischen Bewegung angeschlossen, die sich seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. gebildet hatte. In der ersten Hälfte des 2. vorchristlichen Jahrhunderts kam es zu einer Begegnung zwischen dem von stoischen Philosophen entwickelten sozialen Naturrecht und verantwortlichen Lehrern des römischen Rechts.

In dieser Berührung ist die abendländische Rechtskultur geboren worden, die für die Rechtskultur der Menschheit von entscheidender Bedeutung war und ist. Von dieser vorchristlichen Verbindung von Recht und Philosophie geht der Weg über das christliche Mittelalter in die Rechtsentfaltung der Aufklärungszeit bis hin zur Erklärung der Menschenrechte und bis zu unserem deutschen Grundgesetz, mit dem sich unser Volk 1949 zu den „unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt“ bekannt hat.

Für die Entwicklung des Rechts und für die Entwicklung der Humanität war es entscheidend, dass sich die christlichen Theologen gegen das vom Götterglauben geforderte religiöse Recht auf die Seite der Philosophie gestellt, Vernunft und Natur in ihrem Zueinander als die für alle gültige Rechtsquelle anerkannt haben. Diesen Entscheid hatte schon Paulus im Brief an die Römer vollzogen, wenn er sagt: „Wenn Heiden, die das Gesetz (die Tora Israels) nicht haben, von Natur aus das tun, was im Gesetz gefordert ist, so sind sie… sich selbst Gesetz. Sie zeigen damit, dass ihnen die Forderung des Gesetzes ins Herz geschrieben ist; ihr Gewissen legt Zeugnis davon ab…“

Hier erscheinen die beiden Grundbegriffe Natur und Gewissen, wobei Gewissen nichts anderes ist als das hörende Herz Salomons, als die der Sprache des Seins geöffnete Vernunft. Wenn damit bis in die Zeit der Aufklärung, der Menschenrechtserklärung nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Gestaltung unseres Grundgesetzes die Frage nach den Grundlagen der Gesetzgebung geklärt schien, so hat sich im letzten halben Jahrhundert eine dramatische Veränderung der Situation zugetragen.

Der Gedanke des Naturrechts gilt heute als eine katholische Sonderlehre, über die außerhalb des katholischen Raums zu diskutieren nicht lohnen würde, so dass man sich schon beinahe schämt, das Wort überhaupt zu erwähnen. Ich möchte kurz andeuten, wieso diese Situation entstanden ist.

Grundlegend ist zunächst die These, dass zwischen Sein und Sollen ein unüberbrückbarer Graben bestehe. Aus Sein könne kein Sollen folgen, weil es sich da um zwei völlig verschiedene Bereiche handle. Der Grund dafür ist das inzwischen fast allgemein angenommene positivistische Verständnis von Natur und Vernunft. Wenn man die Natur – mit den Worten von H. Kelsen – als „ein Aggregat von als Ursache und Wirkung miteinander verbundenen Seinstatsachen“ ansieht, dann kann aus ihr in der Tat keine irgendwie geartete ethische Weisung hervorgehen.

Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissenschaft sie erklärt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen, sondern wiederum nur funktionale Antworten hervorrufen. Das Gleiche gilt aber auch für die Vernunft in einem positivistischen, weithin als allein wissenschaftlich angesehenen Verständnis.

Was nicht verifizierbar oder falsifizierbar ist, gehört danach nicht in den Bereich der Vernunft im strengen Sinn. Deshalb müssen Ethos und Religion dem Raum des Subjektiven zugewiesen werden und fallen aus dem Bereich der Vernunft im strengen Sinn des Wortes heraus. Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewusstsein weithin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede ist.

Das positivistische Konzept von Natur und Vernunft, die positivistische Weltsicht als Ganzes ist ein großartiger Teil menschlichen Erkennens und menschlichen Könnens, auf die wir keinesfalls verzichten dürfen. Aber es ist nicht selbst als Ganzes eine dem Menschsein in seiner Weite entsprechende und genügende Kultur. Wo die positivistische Vernunft sich allein als die genügende Kultur ansieht und alle anderen kulturellen Realitäten in den Status der Subkultur verbannt, da verkleinert sie den Menschen, ja sie bedroht seine Menschlichkeit.

Ich sage das gerade im Hinblick auf Europa, in dem weite Kreise versuchen, nur den Positivismus als gemeinsame Kultur und als gemeinsame Grundlage für die Rechtsbildung anzuerkennen, alle übrigen Einsichten und Werte unserer Kultur in den Status einer Subkultur verwiesen und damit Europa gegenüber den anderen Kulturen der Welt in einen Status der Kulturlosigkeit gerückt und zugleich extremistische und radikale Strömungen herausgefordert werden.

Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen. Und dabei können wir uns doch nicht verbergen, dass wir in dieser selbstgemachten Welt im Stillen doch aus den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten. Die Fenster müssen wieder aufgerissen werden, wir müssen wieder die Weite der Welt, den Himmel und die Erde sehen und all dies recht zu gebrauchen lernen.

Aber wie geht das? Wie finden wir in die Weite, ins Ganze? Wie kann die Vernunft wieder ihre Größe finden, ohne ins Irrationale abzugleiten? Wie kann die Natur wieder in ihrer wahren Tiefe, in ihrem Anspruch und mit ihrer Weisung erscheinen? Ich erinnere an einen Vorgang in der jüngeren politischen Geschichte, in der Hoffnung, nicht allzu sehr missverstanden zu werden und nicht zu viele einseitige Polemiken hervorzurufen. Ich würde sagen, dass das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er-Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseite schieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet.

Jungen Menschen war bewusst geworden, dass irgendetwas in unserem Umgang mit der Natur nicht stimmt. Dass Materie nicht nur Material für unser Machen ist, sondern dass die Erde selbst ihre Würde in sich trägt und wir ihrer Weisung folgen müssen. Es ist wohl klar, dass ich hier nicht Propaganda für eine bestimmte politische Partei mache – nichts liegt mir ferner als dies. Wenn in unserem Umgang mit der Wirklichkeit etwas nicht stimmt, dann müssen wir alle ernstlich über das Ganze nachdenken und sind alle auf die Frage nach den Grundlagen unserer Kultur überhaupt verwiesen.

Erlauben Sie mir, bitte, dass ich noch einen Augenblick bei diesem Punkt bleibe. Die Bedeutung der Ökologie ist inzwischen unbestritten. Wir müssen auf die Sprache der Natur hören und entsprechend antworten. Ich möchte aber nachdrücklich einen Punkt noch ansprechen, der nach wie vor weitgehend ausgeklammert wird: Es gibt auch eine Ökologie des Menschen. Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.

Kehren wir zurück zu den Grundbegriffen Natur und Vernunft, von denen wir ausgegangen waren. Der große Theoretiker des Rechtspositivismus, Kelsen, hat im Alter von 84 Jahren – 1965 – den Dualismus von Sein und Sollen aufgegeben. Er hatte gesagt, dass Normen nur aus dem Willen kommen können. Die Natur könnte folglich Normen nur enthalten, wenn ein Wille diese Normen in sie hineingelegt hat. Dies wiederum würde einen Schöpfergott voraussetzen, dessen Wille in die Natur mit eingegangen ist. „Über die Wahrheit dieses Glaubens zu diskutieren, ist völlig aussichtslos“, bemerkt er dazu.5 Wirklich? – möchte ich fragen. Ist es wirklich sinnlos zu bedenken, ob die objektive Vernunft, die sich in der Natur zeigt, nicht eine schöpferische Vernunft, einen Creator Spiritus voraussetzt?

An dieser Stelle müsste uns das kulturelle Erbe Europas zu Hilfe kommen. Von der Überzeugung eines Schöpfergottes her ist die Idee der Menschenrechte, die Idee der Gleichheit aller Menschen vor dem Recht, die Erkenntnis der Unantastbarkeit der Menschenwürde in jedem einzelnen Menschen und das Wissen um die Verantwortung der Menschen für ihr Handeln entwickelt worden. Diese Erkenntnisse der Vernunft bilden unser kulturelles Gedächtnis.

Es zu ignorieren oder als bloße Vergangenheit zu betrachten, wäre eine Amputation unserer Kultur insgesamt und würde sie ihrer Ganzheit berauben. Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas.

Sie hat im Bewusstsein der Verantwortung des Menschen vor Gott und in der Anerkenntnis der unantastbaren Würde des Menschen, eines jeden Menschen Maßstäbe des Rechts gesetzt, die zu verteidigen uns in unserer historischen Stunde aufgegeben ist.

Dem jungen König Salomon ist in der Stunde seiner Amtsübernahme eine Bitte freigestellt worden. Wie wäre es, wenn uns, den Gesetzgebern von heute, eine Bitte freigestellt wäre? Was würden wir erbitten? Ich denke, auch heute könnten wir letztlich nichts anderes wünschen als ein hörendes Herz – die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden und so wahres Recht zu setzen, der Gerechtigkeit zu dienen und dem Frieden.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

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„Wie die Religion der Freiheit bedarf, so bedarf auch die Freiheit der Religion.”

Ansprache des Papstes beim staatlichen Empfang in Berlin am 22.9.2011

Sehr geehrter Herr Bundespräsident!

Meine Damen und Herren!

Liebe Freunde!

Durch den liebenswürdigen Empfang, den Sie mir hier in Schloss Bellevue bereiten, fühle ich mich sehr geehrt. Ihnen, Herr Bundespräsident Wulff, bin ich besonders dankbar für die Einladung zu diesem offiziellen Besuch, der mein dritter Aufenthalt als Papst in der Bundesrepublik Deutschland ist. Von Herzen danke ich Ihnen für die freundlichen Begrüßungsworte, die Sie an mich gerichtet haben.

Ebenso gilt mein Dank den Vertretern der Bundesregierung, des Bundestages und des Bundesrates sowie der Stadt Berlin für ihre Anwesenheit, mit der sie ihren Respekt gegenüber dem Papst, dem Nachfolger des Apostels Petrus, zum Ausdruck bringen.

Und nicht zuletzt danke ich den drei gastgebenden Bischöfen  –  Erzbischof Woelki von Berlin, Bischof Wanke von Erfurt und Erzbischof Zollitsch von Freiburg  –  sowie allen, die auf verschiedenen kirchlichen und öffentlichen Ebenen an der Vorbereitung dieser Reise in mein Heimatland mitgewirkt haben und so zu ihrem Gelingen beitragen.

Auch wenn diese Reise ein offizieller Besuch ist, der die guten Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Heiligen Stuhl weiter festigen wird, so bin ich nicht in erster Linie hierher gekommen, wie es andere Staatsmänner zu Recht tun, um bestimmte politische oder wirtschaftliche Ziele zu verfolgen, sondern um den Menschen zu begegnen und über Gott zu sprechen.

Der Religion gegenüber erleben wir eine zunehmende Gleichgültigkeit in der Gesellschaft, die bei ihren Entscheidungen die Wahrheitsfrage eher als ein Hindernis ansieht und statt dessen Nützlichkeitserwägungen den Vorrang gibt. Es bedarf aber für unser Zusammenleben einer verbindlichen Basis, sonst lebt jeder nur noch seinen Individualismus.

Die Religion ist eine dieser Grundlagen für ein gelingendes Miteinander. „Wie die Religion der Freiheit bedarf, so bedarf auch die Freiheit der Religion“. Dieses Wort des großen Bischofs und Sozialreformers Wilhelm von Ketteler, dessen zweihundertsten Geburtstag wir in diesem Jahr feiern, ist heute nach wie vor aktuell. Freiheit braucht die Rückbindung an eine höhere Instanz.

Dass es Werte gibt, die durch nichts und niemand manipulierbar sind, ist die eigentliche Gewähr unserer Freiheit. Der Mensch, der sich dem Wahren und dem Guten verpflichtet weiß, wird dem sofort beipflichten: Freiheit entfaltet sich nur in der Verantwortung vor einem höheren Gut. Dieses Gut gibt es nur für alle gemeinsam; deshalb muss ich immer auch meine Mitmenschen im Blick haben.

Freiheit kann nicht in Beziehungslosigkeit gelebt werden. Im menschlichen Miteinander geht Freiheit nicht ohne Solidarität. Was ich auf Kosten des anderen tue, ist keine Freiheit, sondern schuldhaftes Handeln, das den anderen und auch mich selbst beeinträchtigt.

Wirklich frei entfalten kann ich mich nur, wenn ich meine Kräfte auch zum Wohl der Mitmenschen einsetze. Das gilt nicht nur für den Privatbereich, sondern auch für die Gesellschaft. Diese hat gemäß dem Subsidiaritätsprinzip den kleineren Strukturen ausreichend Raum zur Entfaltung zu geben und zugleich eine Stütze zu sein, damit sie einmal auf eigenen Beinen stehen können.

Hier am Schloß Bellevue, das seinen Namen dem schönen Blick auf das Spreeufer verdankt, unweit der Siegessäule, des Bundestags und des Brandenburger Tors gelegen, stehen wir mitten im Zentrum Berlins, der Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland.

Das Schloß ist – wie viele Gebäude der Stadt – mit seiner bewegten Vergangenheit ein Zeugnis deutscher Geschichte. Der klare Blick auch auf ihre dunklen Seiten ermöglicht uns, aus der Vergangenheit zu lernen und Anstöße für die Gegenwart zu erhalten.

Die Bundesrepublik Deutschland ist durch die von der Verantwortung vor Gott und voreinander gestaltete Kraft der Freiheit zu dem geworden, was sie heute ist. Sie braucht diese Dynamik, die alle Bereiche des Humanen einbezieht, um unter den aktuellen Bedingungen sich weiter entfalten zu können. Sie braucht dies in einer Welt, die einer tiefgreifenden kulturellen Erneuerung und der Wiederentdeckung von Grundwerten bedarf, auf denen eine bessere Zukunft aufzubauen ist.

Ich wünsche mir, daß die Begegnungen an den verschiedenen Stationen meiner Reise hier in Berlin, in Erfurt, im Eichsfeld und in Freiburg dazu einen kleinen Beitrag leisten können. In diesen Tagen schenke Gott uns allen seinen Segen.

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David Berger gegen Papstansprache im Bundestag

Unter dem Titel „Ein Land verliert den Glauben“ analysiert die „Mainpost“ vom 21.9.2011 die katholische Lage in Deutschland vor dem Papstbesuch. Die Würzburger Zeitung berichtet, daß der „kirchenkritische Theologe David Berger aus Köln“ die Papstrede im Bundestag auf Einladung der Grünen von der Besuchertribüne aus anhören wird.

Vermutlich sammelt er hierbei aktuellen „Stoff“ für seine Rede, die er danach bei der Kundgebung des Anti-Papst-Bündnisses halten will, an dem sich auch linksextreme Gruppen beteiligen, darunter die Partei „Die Linke“ und die militant-staatsfeindliche  „Antifaschistische Aktion“.

Laut „Mainpost“ ist der homosexuelle Theologe Berger der Ansicht, daß „der Bundestag nicht der richtige Ort“ sei, um „dem Papst ein Forum zu bieten“. Benedikt XVI. sei, so Berger, ein „Gegner der Toleranz, vor allem wenn es um das Thema Homosexualität geht“.

Offenbar ist Dauer-Protestierer Berger nicht darüber im Bilde, daß der Papst auf Einladung des Deutschen Bundestages spricht, wobei dieser Einladung  a l l e  Fraktionen zugestimmt  hatten, also auch jene, aus deren Reihen jetzt zahlreiche Parlamentarier die Papstansprache boykottieren wollen.

Felizitas Küble

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“Pro familia” und “amnesty international” aktiv im Anti-Papst-Bündnis

Die Berliner Aktionsfront, die Proteste gegen den Papstbesuch plant, will dem Pontifex offenbar auch den Schlaf rauben, denn sie demonstriert am Donnerstag-Abend ausgerechnet vor der Apostolischen Nuntiatur in Berlin-Neukölln, wo der Papst zu übernachten gedenkt.

Als Redner hat das Aktionsbündnis die für ihre antikirchlichen Sprüche bekannte Uta Ranke-Heinemann sowie den homosexuellen Theologen Dr. David Berger engagiert.

Zum Anti-Papst-Bündnis in Berlin gehören  – neben zahlreichen homosexuellen Gruppen  -  folgende Verbände,  politischen Parteien und Gewerkschaften:

Pro Familia
Amnesty international
Die Grünen
Jusos/Schwusos (SPD)
Partei „Die Linke“
Antifaschistische Aktion (linksextrem)
Humanistische Union
Deutscher Gewerkschaftsbund DGB (!)
GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft)
und außerdem eine Initiative namens „Sittenstrolche“
 
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Berliner CDU freut sich auf Papstbesuch

“Wie hier mit einem Staatsoberhaupt umgegangen wird, ist würde- und respektlos.“

Zum Besuch von Papst Benedikt XVI. in Deutschland erklärt der Fraktions- und Landesvorsitzende der Berliner CDU, Frank Henkel in einer Pressemitteilung:

„Die Berliner CDU-Fraktion freut sich auf den Besuch des Papstes in unserer Stadt. Wir heißen ihn herzlich willkommen in Berlin.

Wir sind überzeugt, dass Papst Benedikt VXI. mit seinen Auftritten im Bundestag und im Olympiastadion Geist und Seele der Menschen bewegen und dem christlichen Leben in Deutschland neue Impulse und Orientierung geben wird.

Vom Oberhaupt der katholischen Kirche wird sicher auch ein Signal zum Bau von Brücken, auch was die Entwicklung der Ökumene betrifft, ausgehen. Wir sollten dem Papst mit Offenheit und Respekt begegnen und genau auf seine Worte hören.

In diesem Zusammenhang würde ich mir ein größeres Maß an Toleranz und Anstand wünschen. Für den angekündigten Boykott von etlichen Mitgliedern des Deutschen Bundestags kann ich kein Verständnis aufbringen. Wie hier mit einem Staatsoberhaupt umgegangen wird, ist würde- und respektlos.“

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“Die Kritik am Papstauftritt im Bundestag ist peinlich.”

Das “Hamburger Abendblatt” meldet sich mit einem interessanten Kommentar zur Debatte über die Papst-Rede im Bundestag zu Wort:

„Es ist in einer Demokratie angemessen zu streiten, ob ausgerechnet  der Papst am Rednerpult des Deutschen Bundestages richtig aufgestellt ist. Und ob er dort als Repräsentant der katholischen Weltkirche  auftreten soll, als Staatsoberhaupt des Vatikans oder nur, weil er der erste deutsche Papst seit 1523 ist und wohl keiner der Parlamentarier eine ähnliche historische Chance noch mal erleben wird.

Die Debatte darüber ist spannend und sie ist richtig. Aber sie  ist völlig unangemessen in diesen Tagen, wenige Stunden vor dem  viertägigen Deutschlandbesuch von Benedikt XVI.

Mehr noch: Die Kritik am Papstauftritt ist peinlich. So peinlich wie das kurze Gedächtnis  der rund 100 Parlamentarier aus SPD, Grünen und Linken, die nicht mal die Geduld aufbringen wollen, sich anzuhören, was ihnen der Papst in 30 Minuten zu sagen hat.

Schließlich steht der Kirchenmann dort nicht aus eigener Gnade. Die Abgeordneten selbst haben ihn gebeten. Im Mai  haben Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und Vizepräsidentin  Katrin Göring-Eckardt (Grüne) in Rom den vor sechs Jahren von den  Kardinälen gewählten Papst zu eben dieser Rede eingeladen, “mit Zustimmung aller Fraktionen”, wie es da noch hieß. Im Nachhinein eine Rolle rückwärts zu machen sagt manches aus über das Haltbarkeitsdatum der Meinung von Politikern, die ihre Entscheidungen sonst gern mit  dem Siegel “nachhaltig” anpreisen.

Zu kurz gedacht ist es auch, die  notwendige Trennung von Staat und Kirche zu zitieren, um den Papst als Redner im Parlament abzulehnen. Neutralität im demokratischen  Staat heißt nicht, gegen Glaube und Religion aufzutreten, sondern den Gläubigen Freiraum zu bieten.

Die Bundestags-Vizepräsidentin ist  zugleich Präses der Synode der Evangelischen Kirche und im  Reichstagsgebäude in Berlin gibt es einen Andachtsraum, ohne dass wir gleich fürchten, in einem Kirchenstaat zu leben. Alle Fraktionen  haben religionspolitische Sprecher… Wer aus seiner Papstkritik gleich ein Dogma macht, ist vielleicht nur ein Ewiggestriger.”

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Hart, aber unfair  -  Talksendung als “Haifischbecken”…

Showmaster Frank Plasberg und die katholische Kirche

Mag Plasbergs Talkshow auch „Hart, aber fair“ heißen, so erwies sich die jüngste Sendung eindeutig als einseitig und unfair.

Dieses kritische Urteil fällt kein Kirchenvertreter, sondern das Nachrichtenportal “News“  (www.news.de) am 20.9.2011. Deren Redakteur Martin Walter schreibt bereits eingangs, Plasberg habe kurz vor dem Besuch von Papst Benedikt mit seinen Gästen die katholische Kirche auseinandergenommen“. 

Danach heißt es im News-Kommentar: „Dass die Sendung, wie kaum anders zu erwarten, zu einem munteren Haudrauf auf die katholische Kirche geriet, lag zum einen an der schwachen Besetzung der religiösen Seite, zum zweiten aber an einer einseitigen Aufbereitung durch Frank Plasberg.“

Die beiden anwesenden Katholiken hätten bald zur Kenntnis nehmen müssen, so Martin Walter, daß die Talkshow „keinem netten Kaffeeklatsch, sondern eher einem Haifischbecken gleichkommt.“  -  Dem sei die 25-jährige Larissa E. von der prokirchlichen „Generation Benedikt“ freilich „nicht gewachsen“ gewesen, so der Autor   –   wen wunderts?

Der News-Redakteur fügt hinzu: „Als Frank Plasberg auch noch den Einspieler über einen indischen Priester in einer alteingesessenen bayerischen Gemeinde einlegte, platzte dem so gepeinigten Bruder Paulus der Kragen. «Ich bin ziemlich entsetzt, dass sie so einen Beitrag zeigen und einen indischen Priester lächerlich machen», echauffierte sich der Kirchenmann.

So sehr Plasberg danach auch beteuerte, dass man damit lediglich «einen Tatbestand» habe zeigen wollen, so passte der Bericht doch in eine Sendung, die Plasberg mit einem Witz eröffnet hatte. «Wissen Sie, was der Papst und Mario Barth gemeinsam haben?», wollte er von Bruder Paulus da wissen. «Beide bekommen als einzige Stars das Olympiastadion voll», war die Antwort gewesen.

Gelacht hatte kaum jemand und mit Ruhm bekleckert hatte sich der Moderator mit dieser Sendung, in der er sich selbst zu eindeutig positionierte, erst recht nicht.“

Hier der vollständige News-Artikel: http://www.news.de/medien/855224603/frank-plasberg-und-der-verklemmte-sex/1/
 
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Evangelische Ministerpräsidentin von Thüringen (CDU) will den Papst mit “Heiliger Vater” begrüßen

„Ich schätze die dogmatische Klarheit des Papstes.“

Aus einem Bericht der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA vom 19.9.2011:

Mit „Heiliger Vater“ wird Thüringens Regierungschefin Christine Lieberknecht (CDU) den Papst bei seinem Besuch im Freistaat anreden. Zur Begründung sagte die evangelische Theologin der Tageszeitung „Die Welt“:

„Als Ministerpräsidentin halte ich mich streng an die protokollarischen Regeln. Ich tue es aber auch aus tiefem Respekt vor dem Gast, der mit der Kraft seiner Autorität und seines Wortes für die Bewahrung der Schöpfung, soziale Gerechtigkeit und Religionsfreiheit eintritt. Und dabei bleibe ich doch Protestantin.“

Die seit 2009 amtierende Ministerpräsidentin wurde 1984 als Pfarrerin ordiniert. Im „Welt“-Interview weist die 53-Jährige die Einschätzung zurück, der Papst wolle ein Zeichen katholischer Machtdemonstration setzen. Diese Erwartung sei völlig fern der Realität: „Der Heilige Vater kommt, um mit den Menschen zu beten, das Gotteslob anzustimmen.“  -  In einer hochkomplizierten Welt sehnten sich viele Menschen nach Orientierung.

Benedikt XVI. kommt am 23. und 24. September nach Thüringen, das historisch als Kernland der Reformation gilt. Er besucht das traditionell katholische Eichsfeld und die Landeshauptstadt Erfurt. Im Augustinerkloster, wo Reformator Martin Luther (1483-1546) von 1505 bis 1512 als Mönch lebte, trifft der Papst mit Vertretern der EKD zusammen.

Als „Riesenchance für den ökumenischen Dialog“ bezeichnet Lieberknecht gegenüber der „Welt“ theologische Bestrebungen, den „katholischen Luther“ zu entdecken. Als Geschenk will sie dem Papst ihre theologische Examensarbeit überreichen. Darin hatte sie sich 1981 mit dem Dialog der evangelisch-lutherischen Kirche und der römisch-katholischen Kirche über das Thema Rechtfertigung beschäftigt.

„Mir ging es darum, zu zeigen, wie nahe sich beide Seiten theologisch gesehen eigentlich sind“, sagte Lieberknecht; sie schätze die dogmatische Klarheit des Papstes: „Es ist wichtig, dass beide ehrlich miteinander umgehen. Ökumene lebt vom Verständnis für den anderen.“

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Der Papst  -  Stein des Anstoßes

Aktuelle Pressemitteilung des ZPV (Zusammenschluß papsttreuer Vereinigungen):

Wer dieser Tage die „Berichterstattung“ zum Papstbesuch in Deutschland durch das „Medien-Establishment“ verfolgt, gewinnt den Eindruck, daß niemand mehr an der Misere der heutigen Gesellschaft schuld ist als eben der Papst. Wenn es möglich wäre, würde man ihn sogar für das EURO-Desaster verantwortlich machen. Im Kern geht es aber um einen Generalangriff gegen die katholische Kirche.

Die Medien-Schaffenden, die sich gern informiert und „aufgeklärt“ geben, werden nicht müde, alle Vorurteile aufzutischen, die längst durch die historische Wissenschaft widerlegt sind. Da hört man z.B. in diversen Radio-/Fernseh-Beiträgen, daß die Kirche „eine Blutspur“ in der Geschichte hinterlassen habe. Oder man fällt über den Papst her, weil er wissenschaftlich exakt in Regensburg ein Zitat verwendet hatte, das manchen muslimischen Ohren eben nicht schmeichelt.

Die ökumenische Gesprächsbasis wird von niemandem mehr verletzt als von denjenigen, die auf ihre Anerkennung durch die katholische Kirche pochen. Die evangelischen Schwestern und Brüder sollten endlich zur Kenntnis nehmen, daß Luther ein abgefallener katholischer Priester war, der den Satz: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“ nie gesprochen hat. Hans Preuß überliefert in seinem Buch „Martin Luther – Der Prophet“ das Diktum Luthers in Schmalkalden: „Hoc unum me mortuo servate: odium in Pontificem Romanum“ (Nach meinem Tod bewahret dies eine: den Haß auf den römischen Papst).  – Von solcher historischer Wahrheit hört und liest man in den Medien nichts.

Es bleibt für den treu und fest zu seiner Kirche stehenden Katholiken der Eindruck zurück, daß die Medien ihrer seit vielen Jahren andauernden anti-katholischen Propaganda derzeit die Krone aufsetzen wollen. Die evangelische kirchliche Gemeinschaft ist zu einem „Christentum light“ verflacht. Wer sich aber von den Ursprüngen entfernt hat, legt begreiflicherweise Wert darauf, daß dieses anspruchslose Glaubenssystem anerkannt wird, weil eine Kirche, die sich der Offenbarung Jesu Christi verpflichtet fühlt, in den Augen der Menschen immer ein Ärgernis bleibt. Wer sich daran nicht ärgern will, kann jederzeit das Plagiat wählen, sollte aber so tolerant sein, der katholischen Kirche nicht seine eigenen (Vor-)Urteile zu unterstellen und von ihr die eigenen Fehlentscheidungen doktrinärer und struktureller Art als notwendige „Reformen“ zu verlangen.

Reinhard Dörner, Vorsitzender des ZPV (Zusammenschluß papsttreuer Vereinigungen e.V.)

www.papsttreue-vereinigungen.de

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Protestantismus soll Papstamt neu bewerten

Christan Schad, Kirchenpräsident der pfälzischen evangelischen Landeskirche,  erhofft sich vom Papstbesuch nichts weniger als eine „Neubewertung“ der Reformation durch die katholische Kirche.

Ökumene ist aber keine Einbahnstraße!

Wir erinnern uns: Der katholische Bischof Gerhard L. Müller (Regensburg) forderte im Frühjahr 2011  die evangelischen Kirchen dazu auf, sich offiziell von der Behauptung Martin Luthers zu distanzieren, wonach der Papst der Antichrist sei. (So veröffentlichte Luther zB. die Schmähschrift „Wider das Papsttum zu Rom, vom Teufel gestiftet“).

Für die „Süddeutsche Zeitung“ war dieser  – an sich selbstverständliche   -  Wunsch des Bischofs von Regensburg gleich ein Anlaß zum entsetzten Aufschrei. Unter dem Titel   „Herrgott, was soll das?“ regte sich die SZ am  27.4.2011 mächtig über Bischof Gerhard Ludwig Müller auf, der für das linksliberale Blatt ohnehin ein rotes bzw. schwarzes Tuch ist.

Felizitas Küble

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Wortlaut der päpstlichen “Wort zum Sonntag”-Ansprache

Am Samstagabend (17.9.2011 ) hat Papst Benedikt XVI. das „Wort zum Sonntag“ in der ARD gesprochen. Wenige Tage vor seiner Deutschlandreise betonte der Papst, bei seinem Besuch handle es sich nicht um religiösen Tourismus oder gar um eine Show. Es gehe vielmehr darum, „dass Gott wieder in das Blickfeld der Menschen trete.“

Hier die Ansprache im Wortlaut, wie sie von Radio Vatikan dokumentiert wird:

“Verehrte Damen und Herren, liebe Landsleute!

In wenigen Tagen werde ich zu meiner Reise nach Deutschland aufbrechen, und ich freue mich schon darauf. Ich freue mich besonders auf Berlin, wo es viele Begegnungen geben wird, und freue mich besonders natürlich auf die Rede im Bundestag und auf den großen Gottesdienst, den wir im Olympiastadion feiern dürfen.

Ein Höhepunkt der Reise wird Erfurt sein: Im Augustinerkloster, in der Augustinerkirche, in der Luther seinen Weg begonnen hat, darf ich mich mit Vertretern der Evangelischen Kirche Deutschlands treffen. Wir werden dort miteinander beten, auf das Wort Gottes hören, miteinander denken und noch sprechen. Wir erwarten keine Sensationen. Das eigentlich Grosse daran ist eben dies, dass wir miteinander an diesem Ort denken, das Wort Gottes hören und beten, und so inwendig beieinander sind und sich wahrhaft Ökumene ereignet.

Etwas Besonderes ist für mich die Begegnung mit dem Eichsfeld, diesem kleinen Landstrich, der durch alle Verwirrungen der Geschichte hindurch katholisch geblieben ist; und dann der Südwesten Deutschlands, mit Freiburg, der großen Stadt, mit vielen Begegnungen, die dort sein werden, besonders mit einer Vigil für die Jugend, mit dem großen Gottesdienst, der die Reise abschließt.

All dies ist nicht religiöser Tourismus, und noch weniger eine Show. Worum es geht, sagt das Leitwort dieser Tage: „Wo Gott ist, da ist Zukunft“. Es soll darum gehen, dass Gott wieder in unser Blickfeld tritt, der so oft ganz abwesende Gott, dessen wir doch so sehr bedürfen.

Sie werden mich vielleicht fragen: „Gibt es Gott überhaupt? Und wenn es ihn gibt, befasst er sich überhaupt mit uns? Können wir bis zu ihm vordringen?“.

Nun, es ist wahr: Wir können Gott nicht auf den Tisch legen, wir können nicht wie ein Gerät ihn anrühren oder wie irgendeine Sache in die Hand nehmen. Wir müssen die Wahrnehmungsfähigkeit für Gott, die in uns da ist, wieder neu entwickeln.

In der Größe des Kosmos können wir etwas ahnen von der Größe Gottes. Wir können die Welt technisch nützen, weil sie rational gebaut ist. In dieser großen Rationalität der Welt ahnen wir etwas von dem Schöpfergeist, von dem sie kommt, und wir können in der Schönheit der Schöpfung doch etwas von der Schönheit, Größe und auch von der Güte Gottes sehen.

Wir können im Wort der Heiligen Schrift Worte ewigen Lebens hören, die nicht einfach nur von Menschen kommen, sondern die von Ihm herkommen, in denen wir Seine Stimme hören.

Und endlich, in der Begegnung mit Menschen, die von Gott angerührt worden sind, sehen wir gleichsam Gott. Ich denke nicht nur an die Grossen: von Paulus über Franz von Assisi bis zu Mutter Theresa; sondern an die vielen einfachen Menschen, von denen niemand spricht. Und doch, wenn wir ihnen begegnen, geht von ihnen etwas von Güte, von Lauterkeit, von Freude aus, dass wir wissen, da ist Gott, und dass er uns anrührt.

Darum wollen wir uns in diesen Tagen mühen, dass wir Gott wieder zu Gesicht bekommen, dass wir selber Menschen werden, von denen ein Licht der Hoffnung in die Welt hereintritt, das Licht von Gott her ist und uns leben hilft.”

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Katechese des Papstes beim “Wort zum Sonntag”

Für alle, die Papst Benedikts “Wort zum Sonntag” (17.9., ARD, 22,55 Uhr) verpaßt haben bzw verhindert waren, gibt es diese kurze Papst-Ansprache auf Video online:
http://mediathek.daserste.de/sendungen_a-z/442936_das-wort-zum-sonntag/8231742_papst-benedikt-xvi–spricht-das-wort-zum-sonntag?buchstabe=D

Der Papst geht zunächst auf seine kommende Deutschlandreise ein, betont dann abschließend, daß es sich hierbei nicht um eine Art “religiöse Show” handelt   – und betreibt danach eine Art “Grund-Katechese“, die sich der Frage widmet:
Wie können wir Gott erkennen?

Es ist typisch für diesen Papst, daß er die Chance nutzt, um das ABC des Glaubens “schlicht”, verständlich und einprägsam zu verkünden:

Gott erkennen wir durch die wunderbare Ordnung, Großartigkeit, “Vernunft” und Schönheit der Schöpfung  -
sodann durch die Heilige Schrift, in der ER zu uns spricht  -
und außerdem durch gläubige Menschen, die von Gott geprägt sind.
Dies ist in Kurzfassung seine “Botschaft” in der Form einer einladenden, nachdenklichen Argumentation.

Felizitas Küble

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Alexander Kissler analysiert den Papstbesuch

Der Kulturjournalist und Buchautor Alexander Kissler spricht am Freitag, den 30. September 2011, in München zum Thema „Der Papst in Deutschland  –  Was bleibt?“.

Wenige Tage nach der Papstreise schildert der Historiker, wie er den Besuch von Benedikt XVI. erlebte und wie er seine Bedeutung für Kirche und Gesellschaft beurteilt. Die Veranstaltung in der Reihe „Domspatz-Soirée“ im Kulturzentrum Movimento (Neuhauser Straße 15) beginnt um 19,30 Uhr.

Kissler ist Redakteur beim FOCUS und Autor mehrerer Bücher, darunter „Der Deutsche Papst  –  Benedikt XVI. und seine schwierige Heimat“. Seine pointierten Kommentare sind auf vielen Radio- und Fernsehkanälen gefragt.

Das Kulturzentrum Movimento findet man in der Fußgängerzone gegenüber der Kirche St. Michael (Eingang durch die KULT-Passage.)

Jeder Interessierte ist herzlich eingeladen. Eintritt: 12,50 €. Anmeldung ist nicht erforderlich. Der Veranstalter empfiehlt aber eine formlose Platzreservierung unter: buero@raggs-domspatz.de oder Telefon: 0 89 / 44 45 45 05.  -  Nähere Infos gibt es unter http://www.raggs-domspatz.de.

Ragg’s Domspatz
Agentur für christliche Kultur 
Michael Ragg (Leiter)
82024 Taufkirchen, Hohenbrunner Weg 2 
buero@raggs-domspatz.de
http://www.raggs-domspatz.de 
Tel. 0 89 / 44 45 45 05
 
Beirat des „Domspatz“: Christa Meves, Daisy Gräfin von Arnim, Alexandra M. Linder, Prof. Dr. Rudolf Grulich, Prälat Prof. Dr. Obiora Ike, Ministerpräsident a.D. Prof. Dr. Werner Münch,  Prälat Bernhard Schröder, Prof. Dr. Paul Williams.

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Einladung zur Papstbuch-Präsentation

Das Bischöfliche Presseamt Regensburg teilt mit:

Hiermit möchten wir Sie recht herzlich zur Berichterstattung anlässlich der Buchpräsentation: “Benedikt XVI.- Mit Christus für die Menschen. 60 Jahre Dienst im Weinberg des Herrn” (inklusive DVD) einladen.

Der Band mit bisher unveröffentlichten Fotos und Texten des Heiligen Vaters entstand anlässlich der Feierlichkeiten zum 60. Priesterjubiläums von Papst Benedikt XVI. am 29. Juni 2011.

Für eine kurze Rückmeldung, ob Sie an diesem Tag Zeit haben, sind wir Ihnen sehr dankbar.

WO:                Institut-Papst-Benedikt XVI. (Bismarckplatz 2, 93047 Regensburg)
WANN:         Donnerstag, 15. September 2011, 16 Uhr
WER:             Mit dem Herausgeber (Direktor des IPB) sowie einem Grußwort von Bischof Gerhard L.  Müller

Bischöfliche Presse-  und Medienabteilung
Niedermünstergasse 2  /  93047 Regensburg

Telefon: 0941/597-1061         Fax: 0941/597-1063
Email: jschoetz.medien@bistum-regensburg.de

Buch-Daten:
 “Benedikt XVI.- Mit Christus für die Menschen. 60 Jahre Dienst im Weinberg des Herrn”
 Hrsg: Dr. Rudolf Voderholzer (Prof. für Dogmatik in Trier)
 Inklusive DVD (Tondokumente von Jubilaumspredigten Kardinal Ratzingers aus spateren Jahren kommentieren originale Filmsequenzen von 1951 und bilden zusammen ein Dokument von außergewohnlicher Authentizitat)
 Verlag Schnell und Steiner
 1. Auflage 2011
 136 Seiten
 77 Farb-, 33 s/w-Abbildungen
 21 x28 cm
 Hardcover, fadengeheftet
 Erscheint am 15. September 2011
 ISBN 978-3-7954-2560-9
 € 19,95
 
 

Linksradikale Aktionsfront gegen Papst in Freiburg

Eine Aktionsgemeinschaft „Freiburg ohne Papst“ will denselben nicht in Freiburg sehen und organisiert Proteste. Zu jenen, die diesen Boykott mittragen, gehören diverse Stadträte von links bis linksextrem (DKP), darunter Walter Krögner, Kreisvorsitzender der SPD Freiburg, Hendrijk Guzzoni, Stadtrat der Linken Liste (DKP Bundesvorstand), Coinneach McCabe, Stadtrat der Grün-Alternativen, Monika Stein von Greenpeace und Amnesty International, Irene Vogel, „Unabhängige Frauen“, aktiv beim linksextremen VVN, weitere drei grüne Stadträte etc….

Zu den Organisationen, die gegen den Papstbesuch in Freiburg demonstrieren, gehören zum Beispiel folgende linke bis linksradikale Vereine:

Evolutionäre Humanisten Freiburg. e.V.
Freiburger Lesbenfilmtage e.V.
habs, Homosexuelle AG Basel
LSVD 
- Landesverband Baden-Württemberg
GRÜNE JUGEND
Baden-Württemberg
Linke Liste
Konstanz
JUSO-Hochschulgruppe
Freiburg
VVN-BdA
Kreisverband Freiburg
DKP
Freiburg
Gewerkschaft ver.di
(Bundesarbeitskreis LSBT)
 
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Etwa Zweidrittel der Deutschen sind stolz auf den Papst als Landsmann

Die Deutschen sind mehrheitlich stolz darauf, daß Papst Benedikt XVI. ein Deutscher ist. Dies geht aus einer repräsentativen Umfrage der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) hervor. Mit 63 Prozent übersteigt die Wertschätzung im Land sogar den katholischen Bevölkerungsanteil.

44 Prozent befürworten den baldigen Besuch des Papstes in Deutschland. Die Ergebnisse zeugten von einer „positiven Grundhaltung“ gegenüber dem Papst, so die K-A-Stiftung.  Besonders überrascht hätten die Ergebnisse aus den neuen Bundesländern, wo 55 Prozent eine Stellungnahme des Papstes zu aktuellen Problemen befürworteten.

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Benedikts Protest gegen die Diktatur des Relativismus

Grundsätzliches vor dem Papstbesuch in Deutschland

Die Berichterstattung über das sechsjährige Pontifikat von Benedikt XVI. fällt im deutschen Blätterwald größtenteils kritisch bis düster aus, mitunter auch aggressiv und kirchenfeindlich.

Viele Kommentare befassen sich eher oberflächlich mit „Skandal-Themen“ von der islamkritischen Regensburger Rede des Papstes über die Affäre Williamson bis zur Mißbrauchs-Debatte etc.

Dabei kam die inhaltliche Linie des Papstes, quasi sein „Regierungsprogramm“ viel zu kurz, obwohl es kein Geheimnis sein dürfte, denn Kardinal Ratzinger hatte seine grundsätzliche Wegweisung schon vor seinem Amtsantritt schlaglichtartig beleuchtet:

Vor über 6 Jahren, am 18. April 2005, schlug eine geistige „Bombe“ in die allgemeine Medienlandschaft und den Rest der Welt ein: Joseph Ratzinger, damals Kardinal (einen Tag später war er Papst), wandte sich in einer aufsehenerregenden Predigt im Petersdom glasklar gegen die „Diktatur des Relativismus“.

Mit solch unerbittlichen, geradezu „provokativ“ erscheinenden Worten dem Zeitgeist die Stirne zu bieten, das war selbst für den – von linker Seite gern als „Panzerkardinal“ und „Großinquisitor“ diffamierten – Kardinal Joseph Ratzinger durchaus etwas ungewöhnlich.

Diese Überraschung mag für die „beinharte“ Deutlichkeit der Aussagen gelten, nicht jedoch für ihre grundsätzliche Ausrichtung, denn das theologische „Zauberwort“, gewissermaßen der Zentralbegriff im Denken Joseph Ratzingers kreiste immer schon um die „Wahrheit“ – genauer: die Freude an der Wahrheit.

Dabei konnte sich der geistreiche Denker auf den gewiß noch brillanteren Denker Paulus berufen, denn der Apostel verkündete im vielzitierten Schlußteil seines Briefs an die Korinther: „Die Liebe freut sich an der Wahrheit.“ (1 Kor 13).

Nun kommt der Clou: Die Freude an der Wahrheit setzt logisch voraus, daß es „die Wahrheit“ als solche tatsächlich gibt. Dieses Bestehen auf der „Wahrheit an sich“ stellt ein Gegenprogramm zum „modernen“ Relativismus dar, der jedes Festhalten an einer „objektiven“, unveränderlichen oder gar „absoluten“ Wahrheit“ infragestellt oder gar als „intolerant“ oder „fundamentalistisch“ verteufelt.

„Sollte Gott gesagt haben…?“

Dieser „Relativismus“ ist in Wirklichkeit nicht neu, sondern so alt wie die Menschheit bzw der „Sündenfall“ von Adam und Eva, dem die skeptische Frage der „Schlange“ vorausging: „Sollte Gott gesagt haben?“ – Für diesen Relativismus steht auch der römische Statthalter Pontius Pilatus mit seiner „kritischen“ Rückfrage an Christus: „Was ist Wahrheit?“

Von diesem kleinen „Ausflug“ in die Heils- bzw Unheils-Geschichte zurück zur kirchlichen Gegenwart:

Nicht von ungefähr veröffentlichte Kardinal Ratzinger 1990 im Echter-Verlag sein Buch „Mitarbeiter der Wahrheit“ – und auch dieser Titel kommt nicht von ungefähr, sondern entstammt wörtlich dem lateinischen, von ihm selbst gewählten bischöflichen Wahlspruch „Cooperatores veritatis“ (auf deutsch: „Mitarbeiter der Wahrheit“). Dieses Leitwort wiederum bezieht sich auf den 3. Johannesbrief (3 Joh 8) im Neuen Testament.

Der Paukenschlag gegen die „Diktatur des Relativismus“, den Kardinal Ratzinger am 18. April 2005 zum Besten gab, fand auch auf protestantischer Seite große Beachtung, wenngleich vielfach in ablehnender Hinsicht – anders hingegen in theologisch konservativen evangelischen Kreisen: Dort überwog die Zustimmung zu diesem zeitkritischen „Signalwort“.

Beispielhaft sei auf den namhaften evangelischen Philosophen Günter Rohrmoser verwiesen, der 2007 eine Publikation mit dem Titel „Diktatur des Relativismus“ veröffentlichte: 2 Jahre nach der betreffenden Ratzinger-Ansprache.

Auch die evangelikale KSSB (Kirchliche Sammlung für Bibel und Bekenntnis) engagierte sich in diesem Sinne, denn ihre Jahrestagung vom 11. bis 13. Juli 2008 in Riederau stellte sie unter das Leitwort: „Was ist Wahrheit?“

Einer der Redner war besagter Prof. Dr. Günter Rohrmoser; der Titel seines Vortrags lautete: „Warum wir die Wahrheit nicht mehr ertragen  – Über die Diktatur des Relativismus.“ – Nur zwei Monate später, am 15. September 2008, verstarb dieser bekannte schwäbische Philosoph.

Das Ratzinger-Schlüsselwort fand auch in politischen Kreisen Beachtung. Ein Jahr nach der Papstwahl veröffentlichte die Professorin Janne Haaland Matláry ihr Buch „Veruntreute Menschenrechte – Droht eine Diktatur des Relativismus?’ im Augsburger St-Ulrich-Verlag.

In dem 2006 erschienenen Werk wendet sich die norwegische Spitzenpolitikerin gegen eine (un)geistige Gleichschaltung durch die allgegenwärtige „Political Correctness“. Die 1957 geborene Mutter von vier Kindern, die von 1997 bis 2000 als stellv. Außenministerin Norwegens amtierte, ist Mitglied des „Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden“.

In ihrem Sachbuch beleuchtet die Politikwissenschaftlerin anhand zahlreicher Beispiele, wie das Schlagwort von den „Menschenrechten“ heute vielfach manipuliert wird, etwa wenn es als Hebel zur politischen Begünstigung von Minderheiten und zur Zerstörung von Ehe und Familie mißbraucht wird. Die Autorin warnt vor einer zunehmenden „Umwertung“ abendländischer Werte und entlarvt dies als „Diktatur des Relativismus“.

„Eine gefährliche Versuchung“

Auch der kath. Publizist Martin Lohmann, Sprecher des AEK (Arbeitskreis engagierter Katholiken in der CDU), verteidigte vehement die „umstrittene“ Ratzinger-Doktrin von der „Diktatur des Relativismus“ und bezeichnete den Relativismus als „gefährliche Versuchung“.

Im Rahmen der Initiative „Europa für Christus“ fragte er: „Gibt es Wahrheit? Gibt es heute noch Wahrheit? Gibt es gar so etwas wie d i e Wahrheit?“

Lohmanns Antwort: „Allen Unkenrufen zum Trotz sucht sie auch der moderne Mensch. Ja, auch und erst recht der aufgeklärte Mensch des dritten Jahrtausends trägt eine Sehnsucht nach der Wahrheit in sich.“

Der Autor unterscheidet dabei den ideologischen Relativismus von der Tugend der Toleranz und weist darauf hin, daß der Relativismus, der alles für „gleich gültig“ hält, letztlich zur Gleichgültigkeit führt. Die Toleranz hingegen bezieht sich nicht auf eine Verwässerung der Inhalte, sondern auf Personen, auf den zwischenmenschlichen Respekt unter Andersdenkenden:

„Und so dehnt sich der Irrtum aus, dass nur der tolerant ist, der alles für gleich gültig hält und hierbei noch seinen eigenen Standpunkt relativiert. Dabei kommt Toleranz vom lateinischen „tolerare“, was so viel heißt wie „tragen, ertragen“. Von „Relativie-ren“ ist da nicht die Rede. Im Gegenteil: Tolerant ist der, der den Irrtum seines Nächsten erträgt, ihm aber zugleich nicht verschweigt, dass er einem Irrtum erlegen ist.

Wenn aber alles wahr ist, selbst das Gegenteil, dann ist nichts mehr wahr. Dann gibt es nichts mehr, worauf man sich verlassen kann. Der christliche Denker René Girard weiß: „Wenn es keine objektive Wahrheit gibt, werden alle Wahrheiten gleich behandelt  –  und das zwingt den Menschen, banal und oberflächlich zu bleiben.“

Konsequenzen für das eigene Leben scheuen, sich nicht festlegen, alles für gültig halten und alles für ungültig – das mag bequem erscheinen. Letztlich ist es aber zutiefst unmenschlich und freiheitsberaubend…. Nur die Verankerung im Guten und Belastbaren öffnet Räume der Freiheit und macht fähig, in allem angstfrei und wirklich tolerant zu sein. Niemand braucht Angst vor Klarheit und Wahrheit zu haben. Wer die Gefahr des Relativismus erkennt, wird erwachsen und im wahrsten Sinn des Wortes aufgeklärt.“

Soviel zur „Wirkungsgeschichte“ des Ratzinger-Wortes von der „Diktatur des Relativismus“ – und nun zur Predigt selbst, jener als „sensationell“ empfundenen Ansprache Ratzingers vor den Kardinälen im Petersdom am 18. April 2005, einen Tag vor seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche:

Vor dem Hochalter stand der Chef der vatikanischen Glaubenskongregation, der 78-jährige deutsche Theologe Joseph Ratzinger. War er auch gewiß nicht der jüngste, so war er wohl doch der geistreichste unter den Versammelten.

Er predigte über die Lesung aus dem Brief des Apostels Paulus an die Epheser, worin es im 4. Kapitel heißt: „…daß wir nicht unmündig sein sollen, uns nicht umher-treiben und bewegen lassen von jeglichem Wind der Lehre, die durch Bosheit und Täuschungen von Menschen zustande kommen, womit sie uns einfangen und verführen.“

Kardinal Ratzinger bezeichnete diese biblischen Worte als „sehr aktuell“ und erläuterte sodann seine geistesgeschichtliche Sicht von Kirche und Welt:

„Wie viele Winde der Lehre haben wir in den letzten Jahrzehnten erlebt! Wie viele ideologische Strömungen! Wie viele Moden des Denkens… Das Schifflein des Denkens vieler Christen ist nicht selten von diesen Wellen bewegt worden, umhergeworfen von einem Extrem zum anderen: Vom Marxismus über den Liberalismus bis hin zur Libertinage; vom Kollektivismus zum radikalen Individualismus; vom Atheismus zu einer vagen religiösen Mystik; vom Agnostizismus zum Synkretismus und so weiter.“

Das waren bereits betont zeit(geist)kritische Worte – doch es kam noch „härter“:

„Jeden Tag entstehen neue Sekten – und es verwirklicht sich, was der hl. Paulus über den Betrug der Menschen sagt: über ihre Bosheit, in den Irrtum zu führen. Einen klaren christlichen Glauben gemäß dem Credo (Glaubensbekenntnis) der Kirche zu vertreten, wird häufig als „Fundamentalismus“ etikettiert.

Dabei erscheint der Relativismus, das Sich-treiben-lassen hierhin und dorthin von jedwedem Wind der Lehre, als die einzige Haltung auf der Höhe der Zeit. Es bildet sich eine Diktatur des Relativismus heraus, die nichts als definitiv anerkennt und die als letztes Maß nur das eigene Ich und seine Bedürfnisse gelten läßt.“

„Die Herde Christi führen“

Joseph Ratzinger, der Dekan des Kardinals-Kollegiums, setzte diesem weitverbreiteten Relativismus einen anderen, den soliden christlichen Standpunkt entgegen:

„Reif ist nicht ein Glaube, der den Wellen der Mode und der letzten Neuheit folgt. Erwachsen und reif ist ein Glaube, der zutiefst verwurzelt ist in der Freundschaft mit Christus; sie gibt uns das Kriterium zur Unterscheidung zwischen wahr und falsch, zwischen Betrug und Wahrheit. Diesen Glauben müssen wir reifen lassen, zu diesem Glauben müssen wir die Herde Christi führen.“

Diese Worte waren offensichtlich mehr als eine fromme Predigt, sie stellten vielmehr eine klare Kampfansage an den modernen Zeitgeist dar – und sie wurden auch so verstanden und daher vielfach bekämpft.

Doch damit nicht genug: Für jene, die sich in bewährter päpstlicher Wortwahl aus-kennen, war diese programmatische Ansprache sogar gewissermaßen eine Art „Wiedererweckung“ des „vorkonziliaren“ kirchlichen Geisteskampfes gegen den „Modernismus“.

Dieser Kampf ist vor allem mit dem Namen von Papst Pius X. verknüpft, der sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegen den theologischen „Modernismus“ der damaligen Zeit wandte. Dieser Modernismus offenbarte sich vor allem in der Leugnung zentraler Glaubenslehren und in der aufkommenden „Bibelkritik“, vor allem in der Infragestellung der in der Heiligen Schrift bezeugten göttlichen Wunder.

Mit der Enzyklika (dem päpstlichen Weltrundschreiben) „Pascendi“ vom September 1907 sorgte Pius X. für erhebliche Aufregung, weil er darin glasklar zahlreiche philosophische und theologische Irrtümer der Neuzeit verurteilte. Die Anfangsworte der Enzyklika „Pascendi dominici gregis“ (auf deutsch: „Die Herde des Herrn leiten“) gaben dem päpstlichen Rundschreiben seinen Namen „Pascendi“.

Mit genau diesen Worten „Die Herde Christi leiten“ beendete Kardinal Joseph Ratzinger seine Ansprache vor den versammelten Kardinälen, denen die geistig-theologische Brisanz seiner Ausführungen kaum entgangen sein dürfte. Am nächsten Tag wurde der Prediger zum Papst gewählt und nannte sich fortan Benedikt XVI.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

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Papsttreuer Dachverband kritisiert Wowereit

Berlins Bürgermeister befürwortet Proteste gegen Papstbesuch

Der „Zusammenschluß papsttreuer Vereinigungen“ (ZPV) in Bonn übt deutliche Kritik an jüngsten Äußerungen des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, der unlängst „großes Verständnis für Proteste gegen die Sexuallehre der katholischen Kirche“ während des Papstbesuchs äußerte.

Nach Ansicht Wowereits vertrete die kath. Kirche mit ihrer Lehre Thesen,  „die weit in die zurückliegenden Jahrtausende gehören, aber nicht in die Neuzeit“.  -   Hierzu erklärt ZPV-Vorsitzender Reinhard Dörner in einer Pressemitteilung von heute:

“Herr Wowereit hat als Katholik offensichtlich Nachholbedarf in Religionsunterricht und Geschichte. Sein eigenes Bekenntnis zum Schwulsein („Ich bin schwul, und das ist gut so“) hat in der Menschheitshistorie so viel Vorläufer, daß er doch nur einer unter vielen ist.

Das hat die Kirche nicht davon überzeugen können, aus der Praxis des Ungehorsams gegen Gottes Gebot und die Lehre der Kirche die Konsequenz zu ziehen, diese Form des Sexuallebens als allgemein gerechtfertigt anzuerkennen. Vielmehr hat sich die Kirche gegen die Bestrebungen vieler Gesellschaften über zwei Jahrtausende ihrer Geschichte hin geweigert, Gottes Gebot außer Kraft zu setzen.

Bezüglich des Nachholbedarfs im Religionsunterricht sollte ihm eigentlich bekannt sein, daß die Kirche nicht das Recht hat, die Offenbarung Gottes zu selektieren und ethische Normen festzulegen, die den Geboten Gottes entgegenstehen. Für diese Haltung hat sich die Kirche speziell in den Jahrhunderten seit der Aufklärung einem regelrechten Trommelfeuer von Kritik und Forderung nach Änderung der Morallehre ausgesetzt gesehen. Hier aber gilt Mt 5,19.“

 
Kontakt-Daten:
Zusammenschluß papsttreuer Vereinigungen e.V.
Bataverweg 21
53117 Bonn
Fax 02563-905269
Mail: zpv@papsttreue-vereinigungen.de
http://www.papsttreue-vereinigungen.de

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AEK: “Der Papst ist eine heilsame Provokation”

Geht mit dem Papstbesuch ein Ruck durch die Union?

Der kath. Verlagsleiter und Publizist Martin Lohmann, Sprecher des Arbeitskreises Engagierter Katholiken (AEK) in der CDU, erklärte heute in einer Pressemeldung vier Wochen vor dem Papstbesuch: „Benedikt XVI. ist eine heilsame Provokation für christliche Demokraten.“

In der Stellungnahme dieser christdemokratischen Initiative heißt es:  „In Zeiten der Verunsicherung und Verwirrung, von denen auch unsere Partei infiziert ist, hoffen wir auf viel Stärkung durch den Papst. Für christliche Demokraten und insbesondere für Christdemokraten und Christsoziale könnte sich der Papstbesuch als heilsame Provokation erweisen  –  vorausgesetzt, man hört einfach mal richtig hin.“

Der AEK sieht den Papstbesuch als Herausforderung auch für die Union:  „Schon jetzt wissen wir durch sein Pontifikat, dass hier jemand spricht, der einen weiten Durchblick hat und formulieren kann, worauf es ankommt. Benedikt XVI. wird so gesehen auch eine intensive Herausforderung für die CDU sein, die in weiten Teilen das C und seine Dynamik für die Humanität aus den Augen verloren hat und die belastbaren Koordinaten einer zukunftsweisenden Politik nicht mehr zu kennen scheint.

Mit dem Besuch des Papstes sollte endlich ein Ruck durch die Union gehen und neuer Mut zum Bekenntnis wachsen. Nicht zuletzt deshalb freuen wir als AEK uns ganz besonders auf den Besuch unseres Heiligen Vaters in Deutschland.“

Webseite des AEK:  www.aek-online.de


9 Kommentare on “PAPST: Deutschlandbesuch”

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  3. Jutta Freihof sagt:

    Sehr geehrter Herr Kendzia,

    Ihr Kommentar zeugt davon, dass Sie nicht in dieser Zeit angekommen sind. Der einzige Verein, der Hass schürt, ist die Katholische Kirche selbst. Und zwar gegen alle, die nicht in das Bild der Katholischen Kirche passen. Zum Beispiel Lesben und Schwule. Falls Sie es nicht wissen sollten: Diese Menschen haben sich nicht aus Partyspaß für ihren Lebensweg entschieden. Sie sind so geboren. So, wie auch Sie (wahrscheinlich) als heterosexueller Mensch geboren sind. Nur müssen SIE sich dafür in der Gesellschaft nicht rechtfertigen. Auch nicht dafür, dass Sie Kinder zeugen können. Sie haben überhaupt keine Ahnung, wie sehr auch heute noch in unserer aufgeklärten Welt Homosexuelle unter Verfolgung leiden müssen. Hier in unseren Breitengraden werden sie für ihr Leben zwar nicht mehr gehängt, sondern “nur” gedemütigt und geächtet – aber das ist in unserer Welt eine AUSNAHME!!! Wenn Sie wahrer Christ sind, dann informieren Sie sich bitte darüber.

    Die Katholische Kirche (und Sie) sollte vor ihrer eigenen Türe kehren. Ist es nicht so, dass sich nicht nur hochrangige Vertreter der Kirche damit schuldig gemacht haben, dass sie postnatales Leben vergewaltigt, misshandelt und missbraucht (hat) und damit zum Aussterben des Glaubens selbst beiträgt? Ich kann nur hoffen, dass Menschen mit Ihrer Ansicht keine Kinder haben. Nicht, dass ich Ihnen das nicht wünsche. Ihren Kindern auf keinen Fall. Möchte nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn Sie selbst Elternteil eines homosexuellen Kindes würden. Mich machen Ihre Zeilen tief betroffen – mit Menschen und Ansichten wie Ihren wird dies hier ganz bestimmt nicht eine bessere Welt, die sich Gott doch wünscht, oder?

    Jutta Freihof – Christin und Mutter eines schwulen Sohnes.

    PS: Ich kann nur hoffen, dass, so lange die Katholische Kirche AKTUELL Gräueltaten gegen die Menschlichkeit verübt, viele Austritte geschehen. Damit dieser Verein, der eigentlich etwas Gutes sein sollte, sich endlich von solchen Mitbrüdern und Mitschwestern trennt, die im Namen Gottes und unter dem Deckmantel des Glaubens kriminell sind. Ob homo- oder heterosexuell. Dafür müsste sich der Papst einsetzen.

    • Guten Tag, Frau Freihof,
      vielen Dank für Ihren freimütigen Kommentar, wenngleich ich Ihnen in einigen Punkten widersprechen möchte:
      1. Die katholische Kirche unterscheidet zwischen Person und Sache. Im kath. Weltkatechismus wird ausdrücklich betont, daß alle Christen fair und freundlich mit Homosexuellen umgehen sollen. Doch homosexuelle Handlungen kann das kath. Lehramt niemals gutheißen, weil diese Praxis der Schöpfungsordnung Gottes widerspricht, denn Gott hat die Sexualität zur Festigung der ehelichen Liebe und Treue zwischen Mann und Frau geschaffen – und für die Weitergabe des Lebens.
      2. Sie schreiben, Homosexuelle seien “so geboren”: Homosexualität ist nicht angeboren; es gibt kein “Homo-Gen” und auch sonst keine wissenschaftlichen Hinweise auf eine derartige “Veranlagung”. Zudem stammen ja auch Homos wie alle Menschen von Heteros ab – woher soll da eine erbliche “Veranlagung” kommen?
      3. Sie behaupten, “die katholische Kirche” würde “Gräueltaten gegen die Menschlichkeit verüben”. Das tut sie nicht. Einzelne Taten bzw Untaten von Priestern können sie nicht der Kirche als Ganzes anlasten, zumal jene Geistlichen g e g e n die christlich-katholische Morallehre handeln. Zudem dürfte Ihnen bekannt sein, daß der Anteil katholischer Priester an Mißbrauchsfällen weit unter dem statistischen Durchschnitt liegt. Näheres hierzu hat vor drei Jahren der evangelische Kriminalpsychologe Prof. Kröber aus Berlin öffentlich erläutert und belegt.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

  4. Peter sagt:

    Hallo Felizitas,

    hast Du schon einen Artikel über Jakob Lorber verfasst ?

    Viele Grüße

    Peter

    @ Wir kennen uns von Klaus und Claudi :-)

    • Lieber Peter,
      schön, Dich nun online zu “treffen” – gute Anregung mit Jakob Lorber, werde einen solchen Artikel gerne nachholen.
      Er war ein “Schreibmedium” (sog. “automatisches Schreiben”), wie man sie aus dem Spiritismus kennt; er hat auch heute noch seine Fankreise – aber Näheres folgt noch.
      Besten Gruß, auch an Klaus und Claudi!
      Felizitas

  5. feydbraybrook sagt:

    Bezeichne mich zwar als kritische (Kirchen-)Katholiken, finde aber den Boykott trotzdem peinlichst, seitdem Herr Ströbele meint, es ganz populistisch machen zu müssen:

    http://feydbraybrook.wordpress.com/2011/09/22/populist-strobele-pobelt-prollig-beim-papst/

  6. Kendzia, Juergen sagt:

    Es lebe der Papst!
    Es lebe die katholische Kirche!
    Wir freuen uns auf seinen Besuch in Deutschland, einem Land, das durch seine Gottferne
    keine Linie mehr hat. Vereine wie DIE GRUENEN oder SCHWUL-LESBEN-VEREIN vertiefen
    das Chaos und schueren Hass gegen alles Katholische. Dies zeigt, wie tolerant und plura-
    listisch diese Vereine sind. Sie sind es, die die postsozialistische und postkommunistische
    Christenverfolgung vorbereiten. Sie sind es auch, die behaupten zu wissen, dass prae-
    natales Leben keinen Wert ,da keine Empfindung hat. Mit Wowereit-Leuten wuerde die Welt
    aussterben, und vielleicht waere ihnen das recht, denn MIT Gott und MIT Achtung vor dem Leben traegt man Verantwortung fuer die Mitwelt und nicht nur fuer seinen Partyspass.
    Juergen Kendzia


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