Hl. Augustinus: Im Evangelium spricht der HERR selbst zu uns!

Gottes Wort birgt in sich eine besondere Gegenwart und Kraft Christi, die vor allem in der liturgischenVerkündigung zum Tragen kommt.  Dies beschreibt der hl. Kirchenlehrer Augustinus in seinen Predigten über das Johannes-Evangelium (Tractatus in Iohannis Euangelium 30,1):

Dr. Bernd F. Pelz„Meine Lieben, auf die Lesung des heiligen Evangeliums, über das wir kürzlich zu euch gesprochen haben, folgt die heutige, die soeben verlesen wurde. Sowohl Jünger wie nichtgläubige Juden hörten dem HERRN beim Reden zu; sowohl Wahrheitsliebende wie Lügner lauschten der Wahrheit; sowohl Freund wie Feind hörte die Liebe reden; sowohl Gut wie Böse lauschte dem Guten.

Jene hörten, ER aber unterschied sie voneinander: Wem seine Rede nützte und nützen würde, sah ER und sah ER voraus. In jenen nämlich, die damals lebten, sah ER es; in uns hingegen, die wir später kommen sollten, sah ER es voraus.

Lasst uns also das Evangelium so hören, als hörten wir dem HERRN selbst zu, der ja zugegen ist. Wir wollen nicht sagen: O jene Glücklichen, die ihn sehen konnten!   -  Denn viele unter denen, die ihn sahen, haben ihn dennoch getötet, viele aber unter uns, die ihn nicht sahen, sind dennoch gläubig geworden.

Denn die kostbare Wahrheit, die aus dem Mund des HERRN erklang, wurde unseretwegen aufgeschrieben und bewahrt, unseretwegen wurde sie vorgelesen und sie wird auch wegen unserer Nachkommen und bis zum Ende der Welt vorgelesen werden.

Der HERR ist in der Höhe, aber der HERR  –   d i e  Wahrheit  –  ist auch hier. Denn der Leib des HERRN, in dem ER von den Toten auferstanden ist, kann nur an einem Orte sein, seine Wahrheit aber ist überall verbreitet.

Lasst uns also den HERRN hören und was ER selbst uns von seinen Worten gegeben hat, das wollen wir auch sagen.“

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Die Demut des Allerhöchsten in Christus

Der Hl. Augustinus (354 – 430 n. Chr.) war Bischof von Hippo (Nordafrika) und ein großer Kirchenlehrer. In einer seiner Predigten befaßte er sich mit der “Demut” bzw. Herablassung des Ewigen, der in seinem Sohn die menschliche Natur angenommen hat und seinen Geschöpfen dadurch eine noch höhere Würde verlieh,  als dies schon bei ihrer Erschaffung geschah:

“Und wir schauten seine Herrlichkeit“

Christus sollte in unserem Fleisch erscheinen: kein anderer, weder ein Engel noch sonst ein Gesandter; Christus selber sollte kommen, um uns zu retten (Jes 35,4)…

ER sollte in sterblichem  Fleisch geboren werden: ein kleines Kind, das in eine Krippe gelegt wurde, in Windel gewickelt und gestillt wurde, das mit den Jahren heranwachsen und schließlich grausam sterben sollte. Das alles sind Zeugnisse tiefer Demut.

Wer gibt uns diese Beispiele von Demut?  -  Der Allerhöchste selbst.

Worin besteht seine Größe?

Die Antwort findest du nicht auf der Erde, steige hinauf, über die Sterne hinaus. Wenn du bei den Thronen und Herrschaften, Mächten und Gewalten (Kol 1,16) angekommen bist, wirst du sie sagen hören: „Steige höher hinauf, wir selber sind Geschöpfe“; denn „alles ist durch IHN geworden“ (Joh 1,3).

Erhebe dich also über alle Geschöpfe, über alles, was gebildet worden ist, über alles, was sein Dasein empfangen hat, über alles körperliche oder unkörperliche Sein, das dem Wandel unterworfen ist, kurz : über alles.

Dein Blick reicht noch nicht so weit; du mußt dich im Glauben dorthin aufschwingen, er muß dich bis zum Schöpfer führen…


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