Warum diese “Vision” von Pater Pio nicht himmlischen Ursprungs sein kann

Von Felizitas Küble

Auf der traditionsbewegten Internetseite “Katholisches.info” erschien am 29. Oktober 2014 ein Beitrag, welcher von einer Jesus-Erscheinung berichtet, die der berühmte Pater Pio schon in jungen Priesterjahren erlebt haben will. christus

Sofern jene Vision überhaupt korrekt überliefert wurde, sollten wir vorweg bedenken, daß selbstverständlich auch Heilige von unechten “Erscheinungen” und “Offenbarungen” genarrt werden können, denn Heiligkeit beinhaltet durchaus nicht Vollkommenheit oder gar Allwissenheit.

Zudem bedeutet eine Heiligsprechung keineswegs, daß das betreffende Vorbild immer schon heilig war und lebte, sondern daß jene Persönlichkeit zum Zeitpunkt des Todes einen heiligmäßigen, sog. “heroischen” bzw. heldenhaften Tugendgrad erreicht hat.

Es ist in der Religionswissenschaft seit langem bekannt, daß sich sogar große Heilige hinsichtlich scheinbar “übernatürlicher” Erfahrungen geirrt haben; bedenken wir zB. jene Marienerscheinung der hl. Kirchenlehrerin Katharina von Siena, bei der die seligste Jungfrau ihr erklärt haben soll, daß sie keineswegs unbefleckt empfangen worden sei. (Der Glaubenssatz von Mariens makelloser Empfängnis war damals im Hochmittelalter noch kein Dogma, sondern wurde unter Theologen kontrovers diskutiert.)

Warum sollte es nun bei Pater Pio nicht ebenfalls Visionen gegeben können, zumal in noch recht jungen Jahren, die offensichtlich nicht übernatürlichen Ursprungs sind?

Gerade die nun von “Katholisches.info”  –  freilich völlig unkritisch präsentierte  – “Jesus-Erscheinung” enthält zahlreiche typische Merkmal der Falschmystik, was in diesem Fall zudem bereits auf den ersten Blick erkennbar ist.

Doch zunächst zum Bericht von “Katholisches.info”. Dort wird jene Erscheinung als “prophetische Schau des hl. Pater Pio” gewürdigt und folgendermaßen eingeleitet:

“In unserer Zeit der Verwirrung, der Mystifizierungen, des Betrugs und des Irrtums, zu denen auch falsche „Propheten“ und eine falsche Flucht in zweifelhafte Prophezeiungen gehören, ist es besonders interessant, zu lesen, was der Heilige Pater Pio von Pietrelcina am 7. April 1913 seinem Beichtvater Pater Agostino schrieb. In diesem unter Leiden zustandegekommenen Brief beschreibt der Heilige eine Erscheinung, die er hatte.”

Zunächst hat die Redaktion natürlich recht, wenn sie allgemein vor falschen Propheten und “zweifelhaften Prophezeiungen” warnt. Merkwürdig aber, wenn diese nüchterne Vorsicht gänzlich unterbleibt, sobald es um Pater Pio und jene Erscheinung geht, welche dieses Traditionsportal so blauäugig präsentiert.

Nachfolgend zitieren wir diese “Offenbarung” Stück für Stück und kommentieren sie jeweils nach einem entsprechenden Abschnitt:

“Am Freitag morgen war ich noch im Bett, als mir Jesus erschien. Er war völlig entstellt und mitgenommen. Er zeigte mir eine große Zahl von Ordens- und Weltpriestern, unter ihnen hohe kirchliche Würdenträger. Ein Teil zelebrierte, ein Teil weigerte sich und ein anderer Teil legte die heiligen Gewänder ab.”

Warum ist Christus dem Geistlichen denn erschienen, als dieser noch im Bette lag?  –  Ist eine liegende Haltung wohl die passende dafür?  – Kann man sich liegend im Bett ohne weiteres hinknieen, um Christus anzubeten?  chrkn

Sodann: Warum war unser HERR denn “völlig entstellt und mitgenommen”?  Was heißt “entstellt” angesichts der Tatsache, daß Christus GOTT ist, daß er im Himmel als der auferstandene und verklärte König des Himmels regiert, der zur Rechten des Vaters sitzt und wiederkommen wird in Herrlichkeit?!

“Der Anblick Jesu im Seinem Leiden betrübte mich sehr, weshalb ich Ihn nach dem Grund Seines Leidens fragen wollte. Ich erhielt keine Antwort. Sein Blick richtete sich jedoch erneut auf jene Priester. Doch kurz darauf wandte Er geradezu entsetzt Seinen Blick ab und richtete ihn zu meinem großen Entsetzen auf mich. Ich sah zwei große Tränen, die über Seine Wangen flossen. Er entfernte sich von den betrübenden Priestern mit einem Ausdruck der Abscheu auf seinem Gesicht und rief: „Metzger!“.”

Die Heilige Schrift verheißt uns, daß es im Himmel keine Tränen mehr gibt, keine Leiden und keinen Schmerz, sondern vollkommene Glückseligkeit in der Gottes- und Nächstenliebe. Wenn dies schon die geretteten Menschen dieses unendliche Glück so freudenreich erleben dürfen, um wieviel mehr gilt dies dann für GOTT selbst in seinem Sohn Jesus Christus!

Warum sollte unser göttlicher Erlöser jene Priester auf Erden, die nicht nach seinem Willen leben, als “Metzger” bezeichnen? –  Eine völlig unsinnige Vorstellung, sowohl inhaltlich wie sprachlich!

“An mich gewandt sagte er: „Mein Sohn, glaube nicht, mein Todesleiden dauerte drei Stunden, nein; ich werde wegen der von mir besonders begünstigten Seelen bis zum Ende der Welt im Todesleiden sein. Während der Zeit meiner Agonie, mein Sohn, soll man nicht schlafen.”

Christus hat sein Heilsopfer ein für allemal auf Golgotha vollzogen; daher dauert sein “Todesleiden” keineswegs an. Auch die heilige Messe ist keine Wiederholung des Kreuzesopfers, sondern die sakramentale Vergegenwärtigung dieses  e i n e n  einzigen Opfers auf Golgotha!

Foto: E. Gründler

Foto: E. Gründler

Daß Jesus angeblich deshalb “bis zum Ende der Welt im Todesleiden” lebt wegen der von ihm “besonders begünstigten Seelen”, ist theologisch kompletter Unfug.

“Meine Seele ist auf der Suche nach einem Tropfen menschlicher Ehrfurcht und des Mitleids, aber sie lassen mich allein in ihrer Gleichgültigkeit. Der Undank und der Schlaf meiner Priester verstärken meine Agonie. Wie schlecht erwidern sie doch meine Liebe! Was mich am meisten betrübt ist, daß sie zu ihrer Gleichgültigkeit noch ihre Verachtung und ihre Ungläubigkeit hinzufügen.”

Diese “schmachtenden Seufzer” nach menschlichem Mitleid etc. sind des göttlichen Erlösers unwürdig und können daher nicht von IHM stammen, ebensowenig der offensichtlich unzutreffende, weil verallgemeinernde Satz: “Der Undank und der Schlaf meiner Priester….”  – Es müßte dann vielmehr heißen: “Eines Teils meiner Priester”.

“Wie viele Male war ich drauf und dran sie dahinzuraffen, wäre ich nicht durch die Engel und die mich liebenden Seelen zurückgehalten worden … Schreib Deinem [Beicht]Vater und berichte ihm, was Du an diesem Morgen von mir gesehen und gehört hast. Sag ihm, er soll Dein Schreiben dem Vater Provinzial zeigen …“

Eine geradezu lächerliche Vorstellung, daß der himmlische Heiland “viele Male drauf und dran” (!) war, die unwürdigen Priester “dahinzuraffen” (!)  – und daß sein Zorn von “liebenden Seelen” und Engeln “zurückgehalten” wurde. Welch ein primitives Bild wird hier vom göttlichen Erlöser gezeichnet, der sich noch dazu als GOTT angeblich von Geschöpfen (!)  – nämlich frommen Seelen und Engeln  – in seinem Verhalten leiten und lenken läßt.

Zudem entsteht der Eindruck, als würden diese Geschöpfe eine Art “Mittler-Funktion” zwischen dem Zornes-Jesus und uns sündigen Menschen einnehmen. In Wahrheit ist aber Christus selbst der Mittler zwischen dem himmlischen Vater und der ohne IHN verlorenen Menschheit.

“Jesus fügte noch anderes hinzu, aber das, was Er sagte, werde ich nie irgendeinem Geschöpf in dieser Welt enthüllen können. Diese Erscheinung verursachte mir solche Schmerzen im Körper, aber mehr noch in der Seele, daß ich den ganzen Tag liegenbleiben mußte und gedacht hätte, sterben zu müssen, wenn der süßeste Jesus mir nicht bereits enthüllt hätte.”

Das Christentum bietet keine “Geheimlehre”; es ist keine “Mysterienreligion” für höher Eingeweihte und besonders “Erleuchtete”, sondern gründet auf einer klaren, für jedermann verständlichen Verkündigung.  Warum sollte nun Christus einem jungen Geistlichen rätselhafte Geheimnisse mitteilen, die der Priester “nie irgendeinem Geschöpf in dieser Welt enthüllen” kann?

Fragen über Fragen, die aber eines enthüllen –  und das ist sicher kein Geheimnis: Diese Jesus-Erscheinung kann schon aus einfachen theologischen Gründen nicht vom Himmel selbst bewirkt sein.

Felizitas Küble leitet den KOMM-MIT-Verlag und das Christoferuswerk in Münster, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt.


Christus heilt einen kranken Mann am Sabbat

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Lk 14,1-6:

Als Jesus an einem Sabbat in das Haus eines führenden Pharisäers zum Essen kam, beobachtete man ihn genau. Da stand auf einmal ein Mann vor ihm, der an Wassersucht litt. media-390606-2

Jesus wandte sich an die Gesetzeslehrer und die Pharisäer und fragte: Ist es am Sabbat erlaubt zu heilen oder nicht?   –  Sie schwiegen. Da berührte ER den Mann, heilte ihn und ließ ihn gehen.

Zu ihnen aber sprach ER: Wer von euch wird seinen Sohn oder seinen Ochsen, der in den Brunnen fällt, nicht sofort herausziehen, auch am Sabbat?

Darauf konnten sie ihm nichts erwidern.

 


Der hl. Apostel Paulus empfiehlt den Christen die “Waffenrüstung Gottes”

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Eph 6,10-20:

Brüder! Werdet stark durch die Kraft und Macht des HERRN. Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. media-NTdG3gKCLTh-2

Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs.

Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt.

Seid also standhaft: Gürtet euch mit Wahrheit, zieht als Panzer die Gerechtigkeit an und als Schuhe die Bereitschaft, für das Evangelium vom Frieden zu kämpfen.

Vor allem greift zum Schild des Glaubens! Mit ihm könnt ihr alle feurigen Geschosse des Bösen auslöschen.

Nehmt den Helm des Heils und das Schwert des Geistes, das ist das Wort Gottes.

Hört nicht auf, zu beten und zu flehen! Betet jederzeit im Geist; seid wachsam, harrt aus und bittet für alle Heiligen, auch für mich: dass Gott mir das rechte Wort schenkt, wenn es darauf ankommt, mit Freimut das Geheimnis des Evangeliums zu verkünden, als dessen Gesandter ich im Gefängnis bin.

Bittet, dass ich in seiner Kraft freimütig zu reden vermag, wie es meine Pflicht ist.

 


Das vierte Gebot und seine Verheißung

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Eph 6,1-9:

Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern, wie es vor dem HERRN recht ist. Ehre deinen Vater und deine Mutter: Dies ist ein Hauptgebot  –   und ihm folgt die Verheißung: Damit es dir wohl ergehe und du lange lebest auf Erden. polskaweb

Ihr Väter, reizt eure Kinder nicht zum Zorn, sondern erzieht sie in der Zucht und Weisung des HERRN!

Ihr Sklaven, gehorcht euren irdischen Herren mit Furcht und Zittern und mit aufrichtigem Herzen, als wäre es Christus.
Arbeitet nicht nur, um euch bei den Menschen einzuschmeicheln und ihnen zu gefallen, sondern erfüllt als Sklaven Christi von Herzen den Willen Gottes! Dient freudig, als dientet ihr dem HERRN und nicht den Menschen.

Denn ihr wisst, dass jeder, der etwas Gutes tut, es vom HERRN zurückerhalten wird, ob er ein Sklave ist oder ein freier Mann.

Ihr Herren, handelt in gleicher Weise gegen eure Sklaven! Droht ihnen nicht! Denn ihr wisst, dass ihr im Himmel einen gemeinsamen HRRN habt. Bei IHM gibt es kein Ansehen der Person.

 


“Ihr seid Mitbürger der Heiligen”

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Eph 2,19-22:

Brüder! Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes.

Ihr seid auf das Fundament der Apostel und Propheten gebaut; der Schlußstein ist Christus Jesus selbst. Durch IHN wird der ganze Bau zusammengehalten und wächst zu einem heiligen Tempel im HERRN. Durch IHN werdet auch ihr im Geist zu einer Wohnung Gottes erbaut.


“Christus hat sich für uns hingegeben als Gabe und Opfer, das Gott gefällt”

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Eph 4,32.5,1-8:

Brüder! Seid gütig zueinander, seid barmherzig, vergebt einander, weil auch Gott euch durch Christus vergeben hat. Ahmt Gott nach als seine geliebten Kinder, und liebt einander, weil auch Christus uns geliebt und sich für uns hingegeben hat als Gabe und als Opfer, das Gott gefällt. bild-jesus-oben

Von Unzucht aber und Schamlosigkeit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein. Auch Sittenlosigkeit und albernes oder zweideutiges Geschwätz schickt sich nicht für euch, sondern Dankbarkeit.

Denn das sollt ihr wissen: Kein unzüchtiger, schamloser oder habgieriger Mensch – das heißt kein Götzendiener – erhält ein Erbteil im Reich Christi und Gottes.

Niemand täusche euch mit leeren Worten: All das zieht auf die Ungehorsamen den Zorn Gottes herab. Habt darum nichts mit ihnen gemein! Denn einst wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr durch den Herrn Licht geworden. Lebt als Kinder des Lichts!

 


“Halten wir uns in Liebe an die Wahrheit”

Aus der heutigen liturgischen Lesung der kath. Kirche: Eph 4,7-16:

ER gab den einen das Apostelamt, andere setzte ER als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihres Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. Herz-Jesu_01

So sollen wir alle zur Einheit im Glauben und in der Erkenntnis des Sohnes Gottes gelangen, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen.

Wir sollen nicht mehr unmündige Kinder sein, kein Spiel der Wellen, hin und her getrieben von jedem Widerstreit der Meinungen, dem Betrug der Menschen ausgeliefert, der Verschlagenheit, die in die Irre führt.

Wir wollen uns, von der Liebe geleitet, an die Wahrheit halten und in allem wachsen, bis wir IHN erreicht haben.

ER, Christus, ist das Haupt. Durch IHN wird der ganze Leib zusammengefügt und gefestigt in jedem einzelnen Gelenk. Jedes trägt mit der Kraft, die ihm zugemessen ist. So wächst der Leib und wird in Liebe aufgebaut.

 


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 271 Followern an