“Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch”

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: 1 Kol 3,12-21:

Brüder! Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld!   header_buch

Ertragt euch gegenseitig und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der HERR euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht.

In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!

Das Wort Christi wohne mit seinem ganzen Reichtum bei euch. Belehrt und ermahnt einander in aller Weisheit! Singt Gott in eurem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder, wie sie der Geist eingibt, denn ihr seid in Gottes Gnade.

Alles, was ihr in Worten und Werken tut, geschehe im Namen Jesu, des HERRN. Durch ihn dankt Gott, dem Vater!

Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter, wie es sich im HERRN geziemt. Ihr Männer, liebt eure Frauen und seid nicht aufgebracht gegen sie!  Ihr Kinder, gehorcht euren Eltern in allem; denn so ist es gut und recht im HERRN. Ihr Väter, schüchtert eure Kinder nicht ein, damit sie nicht mutlos werden.

 


Schweiz/Bistum Chur: Bischof Huonder übt scharfe Kritik am Genderismus

Wort des Bischofs

GENDER  -  DIE TIEFE UNWAHRHEIT EINER THEORIE

Wort zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 2013

Von Dr. Vitus Huonder, Bischof von Chur

Brüder und Schwestern im Herrn,

in meinem letztjährigen Wort zum Tag der Menschenrechte habe ich daran erinnert, dass die Menschenrechte ihren Grund in der Menschenwürde haben. Diese wiederum hängt mit der Schöpfungsordnung zusammen und ist gottgegeben. images

In diesem Jahr möchte ich diese Überlegungen konkretisieren und mich zur Ideologie des Genderismus, kurz Gender, äußern. Ich tue dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sich immer wieder Gläubige in dieser Sache an mich wenden. Sie sind beunruhigt durch die staatliche Vereinnahmung ihrer

Kinder zugunsten des Genderismus und durch die politische Infragestellung von Ehe und Familie.

Was bedeutet der Begriff Gender?

Der Begriff Gender leitet sich vom lateinischen Wort Genus ab, ein Begriff, der vor allem für das grammatische Geschlecht verwendet wird. Während der Begriff der Sexualität das biologische, von der Natur gegebene Geschlecht meint, soll der Begriff Gender das sogenannte soziale Geschlecht bezeichnen. Dieses sei vom biologischen Geschlecht unabhängig und bedeute, dass jeder Mensch sein

Geschlecht und seine sexuelle Orientierung frei wählen könne, ob er Mann oder Frau sein wolle, ob er hetero-, homo-, bi- oder transsexuell leben wolle.

Was ist das Ziel der Ideologie des Genderismus?

Das Ziel des Genderismus ist, dass jede “sexuelle Identität” als gleichwertig akzeptiert wird. In diesem Sinn geschieht die konkrete gesellschaftliche Durchsetzung dieser Ideologie unter anderem durch das vermeintliche Recht gleichgeschlechtlicher Paare, zu heiraten und Kinder zu adoptieren, oder durch die (Homo-)Sexualisierung der Kinder in Kindergarten und Schule.

Wie ist der Genderismus zu beurteilen?

Vordergründig geht es im Genderismus um die Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen.

Die Unterdrückung der Frau zum Beispiel, wie sie in manchen Gesellschaften und Kulturen noch immer vorherrscht, wird zu Recht beklagt. Sie entspricht nicht der Ebenbürtigkeit von Mann und Frau, die in der Schöpfungsordnung grundgelegt ist und in der Heilsordnung entfaltet wird. Insofern hat der Genderismus etwas Bestechendes an sich. Tatsächlich handelt es sich bei dieser Ideolgie aber um einen

Angriff auf Ehe und Familie als die tragenden Strukturen unserer Gesellschaft. Ungerechtigkeit im Verhältnis der Geschlechter kann durch die Leugnung der Geschlechterpolarität nicht behoben werden. Deshalb lehnt die Kirche die Ideologie des Genderismus ab. Dazu die folgenden Punkte:

Der Genderismus leugnet die Schöpfungsordnung

Die Erschaffung des Menschen als Mann und Frau ist eine Vorgabe des Schöpfers. Darüber kann und darf der Mensch nicht verfügen. Der Schöpfungsbericht sagt, dass Gott den Menschen in seiner Bipolarität erschaffen hat: “Als Mann und Frau schuf er sie” (Gen 1,27).

Er schließt mit der Feststellung, dass alles, das ganze Schöpfungswerk, sehr gut war, somit auch die Erschaffung des Menschen als Mann und Frau (Vgl. Gen 1,31).

Der Genderismus leugnet die Vorgabe der Natur

Der Mensch existiert, so die Schöpfungsordnung, als Mann oder Frau. Die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse sagen uns: Jede seiner Körperzellen ist entweder männlich oder weiblich. Dies ist eine klare Vorgabe seiner Existenz. Die unterschiedliche kulturelle Prägung als Mann oder Frau hebt diese Polarität nicht auf.

Der Genderismus ist wissenschaftlich unhaltbar

Obwohl sich der Genderismus wissenschaftlich gibt, halten seine Grundlagen der Wissenschaft nicht stand. Viele ausgewiesene Forscher widersprechen den Ergebnissen der “Gender-Studies”. Dass es psychische und physische Störungen der Geschlechtsidentität gibt, hebt die grundsätzliche Verschiedenheit von Mann und Frau nicht auf.

Der Genderismus zerstört Ehe und Familie

Darauf wurde bereits hingewiesen. Die Ehe beruht auf der gegenseitigen Ergänzung von Mann und Frau. Ehe und Familie sind die Grundeinheit der Gesellschaft (vgl. die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von 1948). Sie sind die Bedingung für den Erhalt der Gesellschaft und ihre kulturelle

Entfaltung. Sie setzen die verbindliche und dauerhafte Einheit von Mann und Frau voraus. Der Genderismus betrachtet jede sexuelle Praxis (lesbisch, schwul, bisexuell, transsexuell) als gleichwertig mit der Heterosexualität. Alle Lebensformen sollen zur “Ehe” und damit zu künstlichen Reproduktionsmethoden und zur Kinderadoption berechtigen.

Dem Menschen wird auf diese Weise die moralische Orientierung für den rechten Gebrauch seiner Freiheit genommen, der ihn zur Elternschaft befähigt, zur Aufgabe einer Mutter oder eines Vaters.

Der Genderismus schadet der Frau

Wie bereits angedeutet, kann die Geringachtung der Frau nicht durch das Verwischen der natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau überwunden werden, auch nicht durch ein Streben der Frau nach Gleichheit mit dem Mann.

Die Frau muss besonders auch in ihrer lebenserhaltenden Aufgabe der Mutterschaft von der Gesellschaft geachtet werden. Ihre Leistung darf nicht nur an ihrem beruflichen Einsatz gemessen werden. Sie muss vielmehr für ihr Muttersein anerkannt werden, zum Beispiel im Steuer- und Rentenrecht.

Der Genderismus schadet dem Mann

Im Machtkampf gegen den Mann stigmatisiert der feministische Genderismus den Mann als “Täter” und verklärt die Frau als “Opfer”. Dieser klischeehafte Dualismus entspricht nicht der Realität und beschädigt die Identität des Mannes sowie dessen Selbst- und Fremdwahrnehmung.

Der Genderismus schadet dem Kind

Das Kind muss sich in der stabilen Ehe seiner (biologischen) Eltern entfalten können. Die Zerstörung von Ehe und Familie durch den Genderismus führt bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger zu psychischen Störungen.

Man schafft staatliche Ersatzstrukturen, die Kindern und Jugendlichen aber niemals die gleiche Liebe und Geborgenheit geben können, wie dies in der Familie der Fall ist. Die Auslieferung von Kindern an gleichgeschlechtliche Paare beraubt sie der Grundlage einer gesunden psychischen Entwicklung.

Eine unmoralische sexuelle Aufklärung zerstört in den Heranwachsenden jedes Feingefühl.

Der Genderismus nimmt totalitäre Züge an

Mit großer Sorge sieht die Kirche, dass in öffentlichen Diskussionen und in den Medien mehr und mehr nur noch die Argumente des Genderismus toleriert werden. Wer anders denkt, wird gesellschaftlich ausgegrenzt und muss mit juristischen Sanktionen rechnen. Auf diese Weise werden die Grundrechte des Menschen bezüglich Religion und freier Meinungsäußerung zunehmend beschnitten.

Der Genderismus verdunkelt den göttlichen Sinn der Liebe zwischen Mann und Frau

Das Verhältnis Gottes zum Menschen, von Jesus Christus zur Kirche, wird in der Heiligen Schrift in der Sprache der ehelichen Liebe beschrieben. Gott liebt sein Volk wie der Bräutigam seine Braut. Jesus Christus ist seiner Braut, der Kirche, in treuer Liebe hingegeben bis zum Tod am Kreuz.

Die Braut erwartet voll Sehnsucht ihren Bräutigam. In der lebendigen Beziehung zu Christus und der Kirche können die Rivalität, die Feindschaft und die Gewalt, welche die Beziehung von Mann und Frau belasten und entstellen, überwunden werden. Diese Sicht des Glaubens wird durch den Genderismus verdunkelt.

Die Quintessenz75743_14122011

Papst Benedikt XVI. sagte in seiner Ansprache vor dem Kardinalskollegium und der Kurie am 21. Dezember 2012 zum Genderismus: 

“Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig … Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt.

Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, dass dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst. Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen.”

Ich ermutige alle Gläubigen, ihre gesellschaftlichen und politischen Rechte und Pflichten wahrzunehmen, damit die in der Schöpfungs- und Erlösungsordnung grundgelegte Würde des Menschen auch in der rechtlichen Ordnung unseres Gemeinwesens weiterhin und umfassend zum Ausdruck kommt.

Für jeden diesbezüglichen Einsatz danke ich herzlich.

Ich empfehle alle und alles der Mater divinae gratiae, der Mutter der göttlichen Gnade, und erteile allen meinen bischöflichen Segen

+ Vitus, Bischof von Chur

Quelle: http://www.bistum-chur.ch/Wort_des_Bischofs_VIII_2013.pdf


Hochfest der Immaculata: “Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau’”

Heutige liturgische Festlesung der kath. Kirche: Genesis 3,9-15.20:

Als Adam von Baum gegessen hatte, rief ihn Gott, der HERR, und sprach: Wo bist du?  0001
Er antwortete: Ich habe dich im Garten kommen hören; da geriet ich in Furcht, weil ich nackt bin, und versteckte mich.

Darauf fragte ER: Wer hat dir gesagt, daß du nackt bist? Hast du von dem Baum gegessen, von dem zu essen ich dir verboten habe?
Adam antwortete: Die Frau, die du mir beigesellt hast, sie hat mir von dem Baum gegeben, und so habe ich gegessen.
Gott, der HERR, sprach zu der Frau: Was hast du da getan?  -  Die Frau antwortete: Die Schlange hat mich verführt  -  und so habe ich gegessen.

Da sprach Gott, der HERR, zur Schlange: Weil du das getan hast, bist du verflucht unter allem Vieh und allen Tieren des Feldes. Auf dem Bauch sollst du kriechen und Staub fressen alle Tage deines Lebens. Feindschaft setze ich zwischen dich und die Frau, zwischen deinen Nachwuchs und ihren Nachwuchs. ER wird dir den Kopf zertreten  -  und du triffst ihn an der Ferse.

Adam nannte seine Frau “Eva” (Leben), denn sie wurde die Mutter aller Lebendigen.

Foto: Bischöfliches Presseamt Regensburg


Ehe und Familie, Mann und Frau in der Schöpfungsordnung Gottes

Von Jörgen Bauer

“Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann aber ist das Haupt der Frau; Gott aber ist das Haupt Christi.” (1 Kor 11,3)

Dies ist ein Text der geflissentlich umgangen wird  -  wegen der Passage vom Mann als Haupt der Frau. Das ist eine Aussage, mit der man in der Welt eines übersteigerten Feminismus, in einer Welt voller Gleichstellungsbeauftragten und Gleichberechtigungs-aposteln, die nie genug bekommen können, nur “Anstoß” erregen kann.

Foto: M. Löhr, CDL

Foto: M. Löhr, CDL

Der christliche Mann, der es besser wissen müsste, hält sich hier zurück, will er doch nicht als Macho, Frauenfeind, Unterdrücker der Frauen, rückständiger Patriarch, als einer der Frauen benachteiligt und diskriminiert usw. gelten.

Und hier gestehe ich  -  und das zu meiner Schande  -  dass auch ich mich hier vom Zeitgeist beeinflussen lasse.

Wenn die Sprache auf dieses Thema kommt, neige ich dazu, den Text zu relativieren, mich gleichermaßen dafür zu entschuldigen, dass ich als Mann Haupt der Frau sein soll, was ich ja gar nicht sein will usw. usf.

Aber wer bin ich, wer sind wir, dass wir uns dem Wort Gottes widersetzen? Ich habe mich nicht für das Wort Gottes zu entschuldigen, sondern dem Wort Gottes gegenüber gehorsam zu sein.

Und wenn Gott in seiner Weisheit Männer und Frauen unterschiedlich konstruiert hat und das mit einer Rangfolge versehen hat, dann ist das gut und soll zu unserem Besten dienen.

Und wer mit Gleichstellungs- und Gleichmacherideologien versucht, die göttliche Schöpfungsordnung zu “verbessern” und seinen Vorstellungen von Gerechtigkeit entsprechend hinzubiegen, wie es im Genderwahn geschieht, hat Gott zum Gegner.

Das gilt auch für den Mann, der die ihm zugewiesene Rolle als Haupt der Frau und Familienoberhaupt nicht ausfüllt. Darüber, wie das in den Ehepaaren und Familien im einzelnen gestaltet wird, sagt das Wort Gottes nichts aus. Demnach besteht ein großer Gestaltungsfreiraum.

Genannt wird nur der Grundsatz, dass der Mann das Haupt der Frau ist. Von einer Unterdrückung der Frau, der Frau als Sklavin, Magd oder Dienerin des Mannes steht nichts geschrieben.

Haupt zu sein hat etwas mit Verantwortung, Liebe und Fürsorge und auch mit richtig verstandener GleichbeRECHTigung zu tun.

Diese göttliche Schöpfungsordnung durchzieht die ganze Bibel und entspricht auch dem instinktiven natürlichen menschlichen Verhalten, an dem alle Weltverbesserungstheorien immer wieder scheitern müssen.

Wohin das zeitgeistliche Gleichberechtigung- und Gleichstellunggedöns führt, ist nicht zu übersehen: Verlust der Mütterlichkeit, gestresste Familien, Überalterung, verunsicherte Männer, verhaltensgestörte Kinder usw.

Deshalb: Widersteht auch hier der Lüge. Der Mann sei ein ganzer Mann und die Frau eine ganze Frau. Beide im Gehorsam gegenüber Gott, der mir meinen Wankelmut vergeben möge.

JÖRGEN BAUER, Am Jagdschlössle 15 in 89520 Heidenheim, Tel. 07321 / 739115


Frauen wollen mehrheitlich “erobert” werden, starke Minderheit der Männer auch

Deutsche Frauen wollen laut der Umfrage einer Online-Partnervermittlung mehrheitlich erobert werden. In der Erhebung des Unternehmens Edarling sagten 73 Prozent der Frauen, daß sie darauf warten, daß der Mann den ersten Schritt wagt und sie anspricht. Lediglich 14 Prozent würden selber aktiv den Erstkontakt suchen.

Rund 38 Prozent der Männer wünschen sich laut dieser Umfrage aber ebenfalls, erobert zu werden und verharren in Warteposition. Immerhin sind noch rund 40 Prozent der Männer bereit, die Auserwählte direkt von sich aus anzusprechen.

Quelle: dts-Nachrichtenagentur


Die frühchristlichen Diakonissen waren keine Diakoninnen

Klarstellungen zum sakramentalen Diakonat der Frau [1]

Von Prof. Dr. Manfred Hauke

1. Zum Ausgangspunkt der Diskussion

Zu den wichtigen Fragen der Gegenwart gehört die Bedeutung der Frau in der Gesellschaft und der Kirche. Unverzichtbar ist dabei freilich das Maßnehmen am Willen Gottes des Schöpfers und an der definitiven Offenbarung Gottes in Jesus Christus.

Bezüglich der Schöpfung bringt der Katechismus der Katholischen Kirche die Grundregel so auf den Punkt: Mann und Frau sind gleich in ihrer Würde als Person, aber sie ergänzen sich gegenseitig als Mann und Frau [2]. Advocata

Bezüglich der Offenbarung Gottes zeigt sich die Komplementarität der Geschlechter in den Gestalten Jesu und Mariens. Die einzigartige Würde Mariens als Gottesmutter ist heilsgeschichtlich und anthropologisch eng mit ihrem Frausein verknüpft. Die Sendung Jesu als Haupt der Kirche wiederum ist innig verbunden mit dem Geheimnis des Bundes zwischen Gott und seinem Volk, das schon die Propheten mit dem Bild der Ehe beschreiben.

Der Priester vertritt Christus

In der Beziehung des Bundes ist Christus, wie Paulus betont, der „Bräutigam“ und die Kirche die „Braut“ (Eph 5,21-33). Im Weihesakrament, das in der Berufung der Apostel wurzelt, ist der Priester Vertreter Christi als des Hauptes der Kirche.

Gerufen ist er freilich zum Dienst an allen Gliedern der Kirche, so wie Christus sich für seine Kirche hingegeben hat. In seinem Schreiben über die Würde der Frau, „Mulieris dignitatem“, spricht Johannes Paul II. von einer „marianischen Dimension“ der Kirche, die für alle grundlegend ist, aber sich auf besondere Weise in der Sendung Mariens ausdrückt, und von einer apostolisch-petrinischen Dimension im Sakrament der Weihe [3].

Die Diskussion um das Weihepriestertum der Frau ist von Seiten des päpstlichen Lehramtes geklärt durch das Apostolische Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“ (1994), das bereits vorbereitet wurde durch das Schreiben der Glaubenskongregation „Inter insigniores“ (1976).

Wer über diese Fragen mitreden will, sollte zuvor diese Dokumente und ihre Argumentation studiert haben. 1994 betonte Papst Johannes Paul II.:

„Damit … jeder Zweifel bezüglich der bedeutenden Angelegenheit, die die göttliche Verfassung der Kirche selbst betrifft, beseitigt wird, erkläre ich kraft meines Amtes, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), dass die Kirche keinerlei Vollmacht hat, Frauen die Priesterweihe zu spenden, und dass sich alle Gläubigen der Kirche endgültig an diese Entscheidung zu halten haben“ [4].

Eine ebenso definitive Klärung gibt es freilich nicht bezüglich der Weihe der Frau zum Diakonat, also zur dritten Stufe des Weihesakraments.

Forderungen pro Frauendiakonat werden lauter

Das „Zentralkomitee der Deutschen Katholiken“ hat deshalb auf ihrer Herbstvollversammlung gefordert, die Kirche möge das Amt des Diakons für Frauen öffnen. Der „Katholische Deutsche Frauenbund“ begeht sogar am 29. April, dem Fest der hl. Katharina von Siena, einen „Tag der Diakonin“. Auf dem Katholikentag in Mannheim gab es ein Podiumsgespräch des „Netzwerkes Diakonat der Frau“; dabei wurde der Eindruck erweckt, als ob die theologische Frage zugunsten eines sakramentalen Diakonates der Frau geklärt sei. Deshalb wolle man nun endlich Taten sehen [5].

Dieses Drängen ist freilich durch die geschichtlichen und theologischen Daten nicht begründet. Ein wichtiger Punkt der Diskussion ist erreicht durch die Veröffentlichung einer umfangreichen Studie über den Diakonat von Seiten der Internationalen Theologenkommission im Jahre 2003. Dieses für die Weltkirche bedeutsame Werk, das für ein zukünftiges Dokument des Lehramtes maßgebend sein könnte, existiert auch in deutscher Übersetzung [6].

Der Vortragende selbst hat einige Beiträge zum Thema verfasst [7], die nun in aller Kürze auf den Punkt gebracht werden sollen. Zu unterscheiden sind dabei die geschichtliche Bestandsaufnahme und die systematische Reflexion.

2. Die Zeugnisse vom NT bis zum 3. Jahrhundert

Das „Nein“ der Urkirche zum Frauenpriestertum ist verbunden mit einem „Ja“ zum aktiven Mitwirken in der Gemeinde. Schon in den Paulusbriefen lesen wir die Namen zahlreicher Frauen, die den Apostel in seinem seelsorglichen Wirken unterstützen. Eindrucksvolle Zeugnisse weisen auf das Engagement in den Taten der Liebe, auf den unerschöpflichen Bereich der Caritas. Eine spezifische Wirksamkeit entfalten die sich bildenden Standesgruppen der gottgeweihten Jungfrauen und der Witwen.

In dieses Umfeld sind auch die Zeugnisse einzuordnen, die für ein Diakonat der Frau angeführt werden. Über dessen Geschichte gibt es inzwischen ausführliche Untersuchungen, so insbesondere von dem Altmeister der Liturgiewissenschaft, Aimé Georges Martimort (1982) [8].

Nach Martimort gibt es ein fest etabliertes Frauenamt mit dem Titel „Diakon“ bzw. „Diakonisse“ erst seit dem 3. Jahrhundert. Martimort beruft sich dabei auf das Zeugnis der nachapostolischen Zeit, die auf das Vorhandensein weiblicher Diakone keine eindeutigen Hinweise gibt. Weder in der Kirche des Ostens (Ignatius von Antiochien, Polykarp) noch in der des Westens (Tertullian, Hippolyt) zeigen sich irgendwelche Spuren. Auch die Ägypter Klemens von Alexandrien und Origenes kennen keine weiblichen Diakone als Institution ihrer Zeit.

Martimort folgert aus diesem Befund: Hätte die apostolische Zeit weibliche Diakone eingesetzt, dann wäre eine solche Tradition in der darauffolgenden Zeit fortgesetzt und wahrscheinlich entfaltet worden. Bedenkenswert ist nicht zuletzt, dass der Westen von weiblichen Diakonen erst seit dem 4. Jh. weiß  -  und zwar als Neuerung aus dem Osten.

Zur Gemeindedienerin Phöbe aus Röm 16,1

Jedenfalls ist klar, dass die spärlichen Hinweise im Neuen Testament sehr verschieden interpretiert werden können und kein klares Zeugnis bilden für ein weibliches Diakonenamt. Die am häufigsten ins Spiel gebrachte Stelle, Röm 16,1, spricht von Phöbe, der „Dienerin der Gemeinde von Kenchreä“. Zweifellos handelt es sich hier um eine bleibende und von der Gemeinde anerkannte Aufgabe. polskaweb

Die Mehrzahl der Kommentatoren (jedweder Couleur) betont aber, es bleibe zweifelhaft, ob angesichts der beginnenden Entwicklung der kirchlichen Ämter bereits von einer „Diakonin“ im technischen Sinne gesprochen werden könne. Außerdem ist zu berücksichtigen, dass die Worte „Dienst“ und „dienen“ im Neuen Testament einen großen Bedeutungsumfang besitzen.

„Diákonos“ ist jedenfalls schon in neutestamentlicher Zeit Titel für ein spezifisches Amt, so im Philipperbrief, der von „Bischöfen und Diakonen“ spricht (Phil 1,1), und in den Pastoralbriefen, die einen eigenen Verhaltenskodex für Diakone präsentieren.

Der erste Timotheusbrief erwähnt im Abschnitt über die Diakone auch Frauen (1 Tim 3,11). Handelt es sich um Frauen im allgemeinen, um Frauen von Diakonen, um weibliche Mitarbeiter der Diakone oder um weibliche Diakone? All diese Möglichkeiten werden diskutiert. Die besten Gründe sprechen wohl für einen weiblichen Dienst, der in einer gewissen Verbindung steht zu den Diakonen.

Doch selbst wenn wir einmal hypothetisch davon ausgehen (in der älteren Forschung galt das als sicher), dass Frauen in der Bezeichnung „diakonoi“ mitgemeint seien: in jedem Fall gilt es zu berücksichtigen, dass männliche und weibliche Diakone eine unterschiedliche Position einnehmen und verschiedenen Aufgaben obliegen.

Zur Gemeindeordnung “Didaskalie” (3. Jh.)

Dies wird sehr deutlich in dem ältesten eindeutigen Zeugnis für ein weibliches Diakonenamt, in einer Gemeindeordnung aus dem 3. Jh., die den Namen „Didaskalie“ trägt („Lehre“) und vermutlich Verhältnisse in Syrien widerspiegelt. Der weibliche Diakon (he diákonos) erscheint als eine Neuerung, deren Einführung eigens gerechtfertigt werden muss.

Der Verfasser der Didaskalie führt den weiblichen Diakon nicht auf Phöbe und die Frauen in 1 Tim 3,11 zurück, sondern auf die dienenden Frauen um Jesus. Die Einführung der Diakonisse gilt als Empfehlung, nicht als zwingende Vorschrift.

Die Diakonisse hat im wesentlichen zwei Aufgaben: TochterZion

1. Die Hilfe bei der Taufe: Sobald der Bischof vor der Taufe des Haupt des Täuflings gesalbt hat, salben die Diakoninnen den nackten Körper der Frauen zu Ende, was aus Gründen des Anstandes keinem Mann übertragen werden konnte. Doch diese Aufgabe durfte auch von einer anderen Frau vollzogen werden, die nicht Diakonin war.

2. Die Betreuung kranker Frauen und der Besuch von Frauen in den Häusern der Heiden, wo das Erscheinen eines männlichen Diakons Anstoß erregen würde.

Diese beiden spezifischen Aufgaben der Diakonisse setzen voraus die Erwachsenentaufe mit ihrem spezifischen Salberitus sowie eine relativ starke Trennung zwischen Männer- und Frauenwelt. Das Diakonissenamt blieb daher im wesentlichen auf den Ostteil des Römischen Reiches beschränkt, während man im freizügigeren Westen und in Ägypten die Diakonisse entbehren konnte.

Dass die Diakonisse im Osten als institutionalisiertes Amt erst im 3. Jh. auftaucht, liegt wahrscheinlich an dem starken Wachstum der Gemeinden, die neue Dienste benötigten. Was zuvor eher „familiär“ ausgeübt wurde, bekam nun einen strukturellen Rahmen. Vorausgesetzt ist auch die starke Verbreitung der Erwachsenentaufe, deren Bedeutung später bei der zunehmenden Christianisierung der Gesellschaft in den Hintergrund treten musste.

Die syrische Didaskalie nennt männlichen und weiblichen Diakon oft nebeneinander. Andererseits werden sie deutlich unterschieden: der Diakon erscheint als Stellvertreter Christi, die Diakonisse als Stellvertreterin des Heiligen Geistes, der in der syrischen Sprache grammatikalisch weiblich war.

Außerdem haben beide Ämter ganz verschiedene Aufgabenbereiche: die Salbung des Hauptes bei der Taufe wie der Taufakt selbst ist auch bei den Frauen dem Diakon oder Presbyter vorbehalten. Auch das Predigen ist den Diakonissen untersagt.

3. Die konziliare Gesetzgebung

In der konziliaren Gesetzgebung werden die Diakonissen erwähnt auf den Konzilien von Nizäa (325) und Chalzedon (451). Der Kanon 19 des Nizänums setzt voraus, dass die Diakonissen des Bischofs von Antiochien (Paul von Samosata) Laien waren und keine Weihe mit Handauflegung empfangen hatten. Deshalb wurden sie im Unterschied zu den Diakonen nicht zur Weihe zugelassen.

Die Zugehörigkeit der Diakonissen zum Laienstand ist auch für die Kappadozier im 4. Jh. vorauszusetzen: Unzucht wird mit der gleichen Strafe belegt wie für Laien und nicht wie für Kleriker (Basilius, Ep. 199, 44).

Nach Epiphanius (4. Jh.) gehört der Diakon zur priesterlichen Hierarchie, nicht aber die Diakonisse (Exp. fidei 21). Das Konzil von Chalzedon erwähnt hingegen eine Weihe (Kanon 15), aber die dafür gebrauchte Terminologie beschränkt sich nicht auf die Hierarchie von Bischöfen, Presbytern und Diakonen. Die Stellung des Kanons (nach den Vorschriften für Lektoren und Sänger) unterstreicht den Unterschied zu den Ämtern, die wir heute als sakramental einordnen (Bischof, Priester und Diakon).

4. Diakonissen im Westen

Im Westen gibt es in den ersten Jahrhunderten keine Diakonissen. Einige gallische Synoden (4.-6. Jh.) wenden sich gegen einen weiblichen Diakonat, der dem „Levitenamt“ der Diakone entsprechen würde. In einigen mittelalterlichen Pontifikalien erscheinen Formulare für die Weihe von Diakonissen, aber die Texte unterscheiden sich stets von den Weihegebeten für die Diakone. Die liturgischen Formulare beschränken sich auf ein klösterliches Umfeld; sie bilden nicht einmal eine niedere Weihe als Vorstufe des hierarchischen Priestertums, sondern die Anerkennung einer Aufgabe im Ordensleben.

5. Die byzantinische Weiheliturgie

Die größten Ähnlichkeiten zwischen Diakon und Diakonisse finden wir im späteren byzantischen Ritus. Wie beim Diakon erfolgt die Weihe der Diakonisse im Altarraum und nach dem Hochgebet, während der Subdiakon schon früher und außerhalb des Altarraums geweiht wird.

Wie bei der Bischofs-, Priester- und Diakonenweihe gebraucht der Bischof eine feierliche Formel („die göttliche Gnade“, he theía cháris), die ebenfalls für Subdiakone und andere Dienste nicht mehr benutzt wird. Außerdem bekommt die Diakonisse wie der Diakon eine Stola und einen Kelch überreicht.

Diese Ähnlichkeiten haben bei einigen Autoren die These begründet, die Weihen des Diakons und der Diakonisse seien innerlich identisch. Es handele sich nur um zwei Zweige des gleichen Amtes. In diesem Fall wäre es kein Problem, auch heute Frauen zur sakramentalen Diakonenweihe zuzulassen.

Gewichtige Unterschiede zwischen den Weihen

Doch dieser These wird von namhaften Autoren widersprochen, nicht zuletzt in dem Standardwerk von Martimort. Zu sehen sind nämlich auch die gewichtigen Unterschiede zwischen den Weihen: die Stola, welche die Diakonisse im Weiheritus erhält, wird nicht nach Art des Diakons getragen, sondern nach Art des Subdiakons, der zur Kommunionausteilung nicht befugt war. Zudem wird die Stola unter dem Schleier angelegt.

Während der Diakon nach der Überreichung des Kelches auch das hl. Blut austeilen darf, stellt die Diakonisse den Kelch sofort wieder auf den Altar zurück. Im Gegensatz zum Diakon übernimmt sie auch keinerlei Dienst am Altar. Der Priester beugt bei der Weihe beide Knie sowie der Diakon eines; beide berühren dabei mit dem Kopf den Altar, was nach gängiger Deutung eine unterschiedliche Vollmacht bezüglich der Eucharistie andeutet; die Diakonisse dagegen bleibt bei der Weihe stehen. 5d56a7150a

Was schließlich die Formel „die göttliche Gnade“ betrifft: sie kann in anderen liturgischen Traditionen auch für den Subdiakon und Lektor angewandt werden, ist also nicht unbedingt auf das dreifache hierarchische Amt von Bischof, Priester und Diakon beschränkt.

Wie die äußere Gestalt der Diakonissenweihe Unterschiede zur Diakonenweihe aufweist, so auch die Deutung des Dienstes im Weihegebet. Das Gebet zur Weihe der Diakonisse erwähnt das Vorbild der Mutter Gottes, die Herabkunft des Hl. Geistes auch auf Frauen und das Beispiel Phöbes, welche die Gnade zum Dienst empfangen habe. Das Weihegebet für den Diakon ist dagegen anderen Inhalts.

Auch die Aufgaben sind unterschiedlich: das Predigen in der kirchlichen Versammlung, das Taufen und das Ausführen priesterlicher Pflichten ist der Diakonisse verboten. Ihr Arbeitsbereich ist neben der Taufhilfe vor allem die Caritas und die Betreuung der christlichen Frauen. Martimort zieht angesichts dieses Befundes den Schluss: „Wie groß auch die Feierlichkeit gewesen sein mag, die den Ritus (der byzantinischen Diakonenweihe) umgab, und die äußere Ähnlichkeit mit der Weihe zum Diakon, so ist die byzantinische Diakonisse doch kein Diakon: es ist ein völlig anderes Amt“ [9].

Oder formuliert mit Jean Galot: das Amt der Diakonissen ist tiefgreifend verschieden von den Ämtern der männlichen Hierarchie. Es liegt nicht auf der Linie des Weihepriestertums [10].

Der systematische Begriff des „Sakramentes“ (im Unterschied zu den „Sakramentalien“) klärt sich im 12. Jh. Trotz ihrer beschränkten geschichtlichen Kenntnisse waren die mittelalterlichen Kanonisten sich darin einig, einen sakramentalen Charakter der altkirchlichen Diakonissen auszuschließen. Nach dem „Decretum Gratianum“ können Frauen nicht zum Amt des Diakonates zugelassen werden, weil eine solche Weihe ungültig wäre (cap. 15, q. 3).

6. Die Wertung des geschichtlichen Befundes

Welche Folgerungen sind aus dem geschichtlichen Befund zu ziehen? Zunächst einmal wird deutlich, dass die Alte Kirche den Diakon auf einer Linie mit den Ämtern des Presbyters und Bischofs sieht, während sie die Diakonisse von der priesterlichen Weihehierarchie deutlich abhebt. Diese Beobachtung ist wichtig für die Frage, ob denn die altkirchliche Diakonissenweihe zum Weihesakrament gehörte oder nicht.     IMG_0594

Zweifellos handelt es sich um eine Weihe, um eine Konsekration, vergleichbar mit der späteren Weihe von Jungfrauen oder von Äbtissinnen. Doch nicht jede Weihe ist schon als sakramental zu qualifizieren. Ein sakramentaler Akt setzt voraus nicht nur das äußere Zeichen und die Vermittlung innerer Gnade, sondern auch die Einsetzung durch Jesus Christus, d. h. die Rückführung des Amtes auf den Stiftungswillen Jesu.

Für das hierarchische Amt, das auf Handauflegung und Gebet der Apostel zurückgeht und sich in der Apostolischen Nachfolge darstellt, ist zweifellos ein solcher Stiftungswille Jesu anzunehmen, wie schon das Konzil von Trient gegen die Reformatoren feststellt hat und wie auch das Zweite Vatikanum deutlich betont.

Diese historische Kontinuität und Verbindung zur Apostolischen Nachfolge ist für die altkirchlichen Diakonissen nicht gegeben. Die Geschichte ist darum kein Argument für die Übernahme des sakramentalen Diakonates durch Frauen.

Was von der Geschichte aus möglich ist, wäre eine Diakonissenweihe für Frauen, die eine feierliche Konsekration darstellt (ähnlich wie eine Weihe für Äbtissinnen), aber kein Sakrament. (In diesem Sinne ist der plakative Titel des Vortrages zu verstehen: „Die Diakonissen waren keine Diakoninnen“).

Eine nicht-sakramentale Weihe wird allerdings innerhalb der Bewegung für ein weibliches Diakonat weitgehend abgelehnt. Eine nicht-sakramental geweihte Diakonisse, der vielleicht auch noch die gleichen Aufgaben hätte wie ein Diakon, empfindet man in der heutigen Situation wohl zu Recht als eine Art „hölzernes Eisen“. Eine solchermaßen geweihte Diakonisse wäre so etwas wie ein „misslungener Diakon“. Der weibliche Dienst in der Kirche hat aber seine eigene Würde, die sich nicht von einem hierarchischen Amt abzuleiten braucht.

7. Der Diakonat als Teil des Weihesakraments

Von der Geschichte aus ist also die Einführung einer sakramentalen Diakonenweihe für Frauen nicht zu begründen. Doch die Frage ist, ob nicht eventuell systematische Gesichtspunkte zu einer positiven Antwort führen könnten.

Die Befürworter des sakramentalen Frauendiakonates ziehen oft einen scharfen Trennungsstrich zwischen Bischofs- und Priesteramt einerseits sowie dem Diakonat andererseits. Die Weihe von Frauen zu Diakonen sei keine Vorentscheidung für die Weihe zur Priesterin und Bischöfin, denn es handele sich um ein eigenständiges Amt. Boppard-Severus-DSC_0357-2-2

Der Hinweis auf die Eigenständigkeit des Diakonates wird gerne mit einem Hinweis auf das Zweite Vatikanum begründet. In der dogmatischen Konstitution über die Kirche heißt es, dass der Diakon nicht zum „Priestertum“ (sacerdotium), sondern zum „Dienst“ (ministerium) geweiht sei (Lumen gentium 29).

Selten bedacht wird der Ursprung der Formulierung, die auf die Hippolyt zugeschriebene „Traditio apostolica“ zurückgeht: „Bei der Weihe des Diakons soll allein der Bischof die Hände auflegen, weil er nicht zum Priestertum (sacerdoti­um) geweiht wird, sondern zum Dienst für den Bischof, um das zu tun, was dieser ihm aufträgt“ [11].

In Lumen gentium 29 wird nicht die „Traditio apostolica“ zitiert, sondern eine verkürzte Fassung der Formulierung in der späteren „Ägyptischen Kirchenordnung“. Während die Presbyter bei der Weihe von Presbytern die Hände mit auflegten, geschah dies bei der Diakonenweihe nicht.

Von der Sache her geht es darum, dass der Diakon nicht im Blick auf die Feier der Eucharistie (in ihrer Fülle) geweiht wird (wie der Presbyter), sondern auf den Dienst im Auftrag des Bi­schofs.

Der zitierte Satz aus der Kirchenkonstitution ist insofern zweideutig, als in den Konzilstexten einerseits der „Dienst“ kein Spezifikum des Diakons ausmacht und dieser andererseits als Mitglied des „besonderen Priestertums“ gilt. Im dritten Kapitel von Lu­men gentium über die Weihehierarchie können auch die anderen Weihestufen als „ministeri­um“/ „ministeria“ bezeichnet werden (als „Dienste” also) [12]; umgekehrt wird der Diakon implizit unter die Bezeich­nung des „sacerdotium“ (im Sinne des besonderen Priestertums) gefasst [13].

Zeugnisse in der alten Kirche benennen den Diakon als „Priester dritten Grades” [14]. Auch der „Kate­chis­mus der Katholischen Kirche“ führt den Diakon einerseits als unterste Stufe des hierarchi­schen Priestertums auf [15] und zitiert andererseits Lumen gentium 29 mit der Differenzie­rung zwischen Priestertum und Dienst [16].

Auch der Diakon ist kraft seiner Weihe Vertreter Christi. Kontrovers diskutiert wurde in den letzten Jahren die Frage, ob er auch „in der Person Christi des Hauptes“ (der Kirche) handelt. Das Motuproprio „Omnium in mentem“ (2009) führte eine Korrektur des kirchlichen Gesetzbuches ein, wonach das Handeln in der Person Christi des Hauptes nicht mehr auf den Diakon bezogen wird (can. 1008; 1009 §3).

Das Motiv war die Angleichung an die genannte Formulierung von „Lumen gentium“ 29. Dass der Diakon nicht in der Person des Hauptes handele, wird freilich auch nicht gesagt. Eine theologische Deutung der Formel „in persona Christi capitis“ muss jedenfalls betonen, dass auch der Diakon gemäß seinem Weihegrad an der Leitungsvollmacht Christi des Hauptes der Kirche teilhat [17].

Angesichts der gegenwärtigen Verwirrung über die Stellung des Diakons im Weihesakrament wäre es freilich empfehlenswert, wenn in der Zukunft die Glaubenskongregation oder der Heilige Vater selbst eine authentische Klärung beitragen könnten. Das gilt erst recht, wie von der Internationalen Theologenkommission erbeten, für den weiblichen Diakonat. 0010

Der Diakon kann demnach nicht vom besonderen Priestertum und dessen sakramenta­ler Weihevollmacht getrennt werden. Dies wird auch deutlich, wenn wir beachten, was das Konzil über die Einheit des Weihesakramentes schreibt: sowohl Diakonat wie Presbyterat sind Ausgliederungen aus der bischöflichen Vollmacht. Beide haben Anteil an dem einen Weihesakrament, an der einen Sendung der Apostel, die in vollem Umfang ausgeübt wird von den Bischöfen als Nachfolgern der Apostel (LG 20 f.28-29).

Empfangen Frauen die sakramentale Diakonenweihe, dann ist die logische Folge auch die Weihe zur Priesterin und Bischöfin. Das Beispiel der anglikanischen Kirche zeigt dies sehr deutlich, aber auch die Entwicklung bei den deutschen Altkatholiken: wenige Jahre nach Einführung der sakramental verstandenen Weihe von Frauen zu Diakoninnen folgte die Weihe der ersten Priesterinnen.

Diese Konsequenz gestehen denn auch trotz taktischer Zurückhaltung gelegentlich Befürworter des sakramentalen Frauendiakonates zu, wie Dirk Ansorge: zuerst betont er die Eigenständigkeit des Diakonates, meint dann aber schließlich, dass „die Einheit des Ordo letztlich wohl doch die Zulassung von Frauen zum sakramentalen Priesteramt fordert“ [18].

Mit anderen Worten: unser Thema ist nicht abzukoppeln von der Zulassungsfrage zum Priester- und Bischofsamt.

8. Eine „funktionale“ Begründung der Diakonenweihe?

Ein anderes Argument, das zugunsten eines Diakonates der Frau vorgebracht wird, bezieht sich auf faktisch ausgeübte Funktionen. Frauen übten „vielerorts in der Kirche eine Fülle von Tätigkeiten aus, die ihrem Inhalt nach dem Diakonenamt zukommen“ [19].

Die Würzburger Synode 1975 schloss daraus: „Der Ausschluss dieser Frauen von der Weihe bedeutet eine theologisch und pastoral nicht zu rechtfertigende Trennung von Funktion und sakramental vermittelter Heilsvollmacht“ [20]

Hierbei beruft man sich gerne auf eine analoge Aussage des II. Vatikanums zur Einführung des ständigen Diakonats für Männer:

„… es ist angebracht, dass Männer, die tatsächlich einen diakonalen Dienst ausüben, sei es als Katechisten …, sei es in der Leitung abgelegener christlicher Gemeinden im Namen des Pfarrers und des Bischofs, sei es in der Ausübung sozialer oder caritativer Werke, durch die von den Aposteln her überlieferte Handauflegung gestärkt und mit dem Altare enger ver­bunden werden, damit sie ihren Dienst mit Hilfe der sakramentalen Diakonatsgnade wirksa­mer erfüllen können“ [21]

Die Formulierung, es gebe einen „tatsächlichen“ diakonalen Dienst durch Laien, der nachträglich durch die sakramentale Gnade gestärkt werde, ist nicht unproblematisch. Das Weihesakrament ist kein notarieller Akt, der eine schon existierende Realität anerkennt, sondern schafft gerade erst die neue Wirklichkeit, indem es den Weihekandidaten auf spezifische Weise Christus dem Haupt der Kirche angleicht [22].

Von der „Funktion“ her ist ein spezifisch diakonales Handeln im übrigen auch gar nicht auszumachen, was der Theologie des Diakonates größte Schwierigkeiten bereitet, wenn sie das Typische dieses Amtes bestimmen will. Die einzigen Aufgaben des Diakons, die nach dem geltenden Kirchenrecht nicht Laien übertragen werden, sind die Homilie in der Eucharistiefei­er und die Spendung des sakramentalen Segens [23].

Und dass die beiden letztgenannten Auf­gaben nicht von Laien wahrgenommen werden, ist zwar in höchstem Maße angemessen, aber (wenigstens im zweiten Fall) nicht dogmatisch zwingend.Priesterweihe 2012 Dom St. Peter Foto: altrofoto.de

Zu Konfusionen in der gegenwärtigen Theologie des Diakonates hat gewiss die Tatsa­che beigetragen, dass das treibende Motiv zur Wiedereinführung des ständigen Diakons wohl eher pragmatischer Art war (Linderung des Priestermangels) und die theoretische Grundle­gung extrem stark ausbaufähig ist. 

Nicht ohne Grund hat die Internationale Theologenkommission die Aufgabe bekommen, diesem Mangel abzuhelfen. Ein besonderes Kuriosum besteht wohl darin, dass innerhalb der Kommission aufs heftigste diskutiert werden musste, um sich wenigstens tendenziell auf die sakramentale Eigenart des Diakonates zu einigen: „die sicherste und mit der kirchlichen Praxis kohärenteste Lehre (bildet) die Auffassung, die im Diakonat eine sakramentale Wirklichkeit sieht“ [24].

Um die typische Eigenart des Diakons zu bestimmen, darf nicht primär von der Funktion ausgegan­gen werden, zumal die Funktion in der Gegenwart stärker der Leitungsaufgabe des Priesters angeglichen worden ist: im vorkonziliaren Kirchenrecht (ebenso wie noch heute in der Ostkirche) hatte der Diakon beispielsweise keine Segensvollmacht, heute dagegen schon, bis hin zur Möglichkeit, den eucharistischen Segen zu spenden; im Unterschied zum früheren Kirchenrecht wird auch der Diakon (wie der Priester) als ordentlicher Ausspender der Kommunion genannt, während er früher als außerordentlicher Spender galt (CIC 1983, can. 910 § 1).

Auszugehen für die Wesensbestimmung des Diakons ist also nicht primär von der Funktion, sondern vom „Sein“ her, d. h. von der spezifi­schen sakramentalen Gleichformung mit Christus, die den Diakon innerlich und dauernd prägt, analog zum unauslöschlichen Merkmal kraft Taufe und Firmung. Abwegig ist die funktionalistische Engführung, wonach „das Diakonat kein Sakrament ist, da alles, was der Diakon macht, auch ein einfacher Laie tun kann“ [25].

Bei einer rein funktionalen Sicht könnte man auch „von Mann und Frau im Ehesakrament sagen, dass sie nichts anderes tun, als was auch andere tun ‘können’, die das Sakrament nicht empfangen haben …“ [26].

Das II. Vatika­num betont bezüglich des Diakons, dass er zu dem „aus göttlicher Einsetzung“ kom­menden kirchlichen Dienstamt gehört [27] und (kraft seiner Weihe) „mit sakramentaler Gna­de gestärkt“ wird [28].

Das „Handeln in der Person Christi des Hauptes“, das z.T. in der Taufe im Grenzfall selbst von Nichtchristen vollzogen werden kann (Männern und Frauen), bekommt beim Diakon eine sakramentale Stützung, die der Funktion vorausgesetzt ist und nicht im funktionellen Handeln aufgeht.

Ein sakramentales Diakonat der Frau ist theologisch nicht zu rechtfertigen. Ein nicht-sakramentales Diakonat dagegen wäre theologisch möglich, wirft aber (wie schon angedeutet) schwerwiegende praktische und psychologische Probleme auf.

9. Die gegenwärtige Aufgabe

Die Studie der Internationalen Theologenkommission bringt abschließend die geschichtliche und die systematische Untersuchung auf den Punkt:

„Was die Ordination von Frauen zum Diakonat betrifft, sei angemerkt, dass sich aus dem bisher Dargelegten zwei wichtige Hinweise ergeben: 1. Die Diakonissen, die in der Überlieferung der frühen Kirche erwähnt werden, sind – entsprechend dem, was der Ritus der Einsetzung und die ausgeübten Funktionen nahelegen – nicht schlicht und einfach mit den Diakonen gleich zu setzen; 2. die Einheit des Weihesakramentes, in der klaren Unterscheidung zwischen den Dienstämtern des Bischofs und der Presbyter auf der einen und dem diakonalen Dienstamt auf der anderen Seite, wird durch die kirchliche Tradition stark betont, vor allem durch die Lehre des II. Vatikanum und die nachkonziliare Lehre des Lehramts. Im Licht dieser Momente, die in der vorliegenden historisch-theologischen Untersuchung herausgestellt wurden, kommt es dem Amt der Unterscheidung, das der Herr in seiner Kirche eingerichtet hat, zu, sich mit Autorität zu dieser Frage zu äußern“ [29].

Nach den dargelegten Überlegungen zeigen sich die Aufgaben der Frau im Rahmen des gemeinsamen Priestertums aller Getauften und Gefirmten. Dessen Bedeutung wurde vom II. Vatikanum so sehr betont, dass es Zeichen eines seltsamen Klerikalismus wäre, die Würde die Frau von ihrer Priesterweihe abhängig zu machen.

Die Erneuerung des Ordenslebens, des Laienapostolates, die Mitwirkung in der Pastoral und nicht zuletzt die heute sehr vielfältigen Formen caritativen Wirkens bieten unzählige, noch lange nicht ausgeschöpfte Möglichkeiten für weibliches Engagement, ohne das Welt und Kirche zugrunde gehen würden. Die amtliche Hierarchie ist nicht zu verwechseln mit der „Hierarchie vor Gott“ in der Prägung durch die Gnade [30].

Nicht die Amtsträger sind die großen Gestalten der Kirche, sondern die Heiligen. Man möchte darum wünschen, dass nicht ein Konkurrenzkampf zwischen Mann und Frau die Kirche beherrscht, sondern eine fruchtbare Zusammenarbeit.

Im Dienst der Frau zeigt sich in besonderer Weise das Vorbild Mariens: Maria war kein Apostel, aber ihr Engagement für die Kirche ist grundlegend, angefangen bei der Menschwerdung Gottes. Die Zukunft der Kirche hängt entscheidend davon ab, ob und wie gläubige Frauen diese marianische Haltung verinnerlichen.

Erhellend ist ein jüdischer Midrasch zur Genesis: „Es geschah einmal, dass ein frommer Mann mit einer frommen Frau verheiratet war. Sie bekamen aber keine Kinder. Da sprachen sie: Wir sind unnütz vor Gott. Sie trennten sich voneinander. Er ging hin und nahm ein gottloses Weib und dieses machte ihn gottlos. Sie ging hin und nahm einen gottlosen Mann und machte diesen rechtschaffen. Da siehst du, wie alles von der Frau abhängt” [31].

Prof. Dr. Manfred Hauke, Via Roncaccio 7, CH-6900 Lugano

Erstveröffentlichung dieses Artikels in der Zeitschrift “Theologisches” vom Juli/August 2012


[1] Textgrundlage für einen Vortrag im Roncalli-Forum, Karlsruhe, Dienstag, 12. Juni 2012.
[2] Vgl. KKK 372.
[3] Vgl. Mulieris dignitatem 27.
[4] Johannes Paul II., Apost. Schreiben „Ordinatio Sacerdotalis“, Nr. 4 (VAS 117, S. 6).
[5] Vgl. http://www.diakonat.de/index.php?option=com_content&view=article&id=100:unterstuetzung-kt&catid=1:aktuelle-nachrichten&Itemid=37 (Podiumsgespräch vom 19. Mai 2012).
[6] Vgl. MÜLLER, G.L. (Hrsg.), Der Diakonat – Entwicklung und Perspektiven. Studien der Internationalen Theologischen Kommission zum sakramentalen Diakonat, Echter: Würzburg 2004.
[7] Vgl. HAUKE, Manfred, Die Problematik um das Frauenpriestertum vor dem Hintergrund der Schöpfungs‑ und Erlösungsordnung (Konfessionskundliche und kontroverstheologische Studien  XLVI), Bonifatius: Paderborn 41995; „Überlegungen zum Weihediakonat der Frau“: Theologie und Glaube 77 (1987) 108‑127; „Diakonin“: L. Scheffczyk/R. Bäumer (Hrsg.), Marienlexikon II, St. Ottilien 1989, 183f ; „Diakonat der Frau?“ Forum Katholische Theologie 12 (1/1996) 36-45; „Der Frauendiakonat als Hebel zur Veränderung der Kirche. Kritische Bilanz einer theologischen Tagung“: Forum Katholische Theologie 14 (1998) 132-147; „Die Diskussion um das Diakonat der Frau. Eine kritische Bilanz“: SCHEFFCZYK, Leo (Hrsg.), Diakonat und Diakonisse, Eos-Verlag: St. Ottilien 2002, 11-65; „Die Geschichte der Diakonissen. Nachwort und Literaturnachtrag zur Neuauflage des Standardwerkes von Martimort über die Diakonissen“: SCHEFFCZYK, Leo (Hrsg.), Diakonat und Diakonisse, Eos-Verlag: St. Ottilien 2002, 321-376.Zum systematischen Profil des Diakonates vgl. „Das spezifische Profil des Diakonates“: Forum Katholische Theologie 17 (2001) 81-127; „Diaconato“: G. Calabrese – P. Goyret – O.F. Piazza (Hrsg.), Dizionario di ecclesiologia, Città nuova: Roma 2010, 409-421.
[8] MARTIMORT, A. G., Les diaconesses. Essai historique, Rom 1982, 155 (englische Übersetzung: Deaconesses. A Historical Study, San Francisco 1986).
[9] MARTIMORT, A. G., Les diaconesses. Essai historique, Rom 1982, 155 (englische Übersetzung: Deaconesses. A Historical Study, San Francisco 1986).
[10] GALOT, Jean, Mission et ministère de la femme, Paris 1973, 61: Les ordres des diaconesses et des veuves „sont profondément différents de ce qu‘ils sont dans la hiérarchie masculine. Ils ne sont pas situés dans la ligne du ministère sacerdotal“.
[11] Traditio apostolica 8 (vgl. Fontes christiani 1, 232f).
[12] Lumen gentium 18a, 20b/c, 24a, 26a, 28a/b.
[13] Lumen gentium 10b; vgl. 41d.
[14] Papst Leo d. Gr., Ep. 12,5 (PG 54,652); vgl. Optatus von Mileve, Contra Parmen. 1,13 (CSEL 26,15). Im Osten vergleiche man etwa Epiphanius, der den Diakon (aber nicht die Diakonisse) zum „Priestertum” (ierosune) zählt (Expositio Fidei 21: PG 42, 824 B – 825 A), oder Gregor von Nazianz, der einen Diakon (der eine Kirche mit Gräbern der Blutzeugen verwaltet) als „Priester der Märtyrer” bezeichnen kann (Ep. 98: PG 37,172 B).
[15] KKK, Nr. 1539-1553.
[16] KKK, Nr. 1569; vgl. 1554.
[17] Dazu ausführlich: HAUKE, Manfred, „Der Diakonat und das Handeln in persona Christi capitis. Randbemerkungen zum Motuproprio Omnium in mentem“:  Forum Katholische Theologie 26 (2010) 191-205.
[18] ANSORGE, Dirk, „Der Diakonat der Frau. Zum gegenwärtigen Forschungsstand“: BERGER, Teresa/GERHARDS, Albert (Hrsg.), Liturgie und Frauenfrage, Stuttgart 1993, 31-65, hier 60.
[19] ANSORGE, aaO. 31.
[20] GEMEINSAME SYNODE, Beschluss “Dienste und Ämter”, 4. 2. 2.: Offizielle Gesamtausgabe I, Freiburg 61985, 617.
[21] Ad gentes 16.
[22] Vgl. auch die Fragezeichen bei MÜLLER, Diakonat (2004), 81.
[23] Vgl. CIC, can. 767 § 1; 943; ZARDONI, Serafino, I diaconi nella chiesa. Ricerca storica e teologia sul diaconato, Bologna 21991, 82.
[24] MÜLLER, Diakonat (2004), 77; vgl. 44-58.
[25] So der römische Kirchenrechtler Jean Beyer laut TORNIELLI, Andrea, “Frauen auf der Karriereleiter”: 30 Tage 4 (7/8, 1994) 16-19 (18). Vgl. MÜLLER, Diakonat (2004), 52.
[26] WEBER, Hermann, “Diakon – Diakonat – Diakonia: Zur Wesensbestimmung des Diakonenamtes”: Lebendiges Zeugnis 50 (1995) 62-77 (74).
[27] Lumen gentium 28a.
[28] Lumen gentium 29a.
[29] MÜLLER, Diakonat (2004), 92.
[30] Vgl. Inter Insigniores 6; Ordinatio Sacerdotalis 3.
[31] Midrasch “Bereschit Rabba”, par. 17, zu Gen 2,21: HAUKE, Manfred, Gott oder Göttin, Aachen 1993, 11.

Evangelische Klarstellung zur Ehe: Die Frau als Gehilfin des Mannes in der Schöpfungsordnung des Ewigen

Von Jörgen Bauer

“Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist; ich will ihm eine Gehilfin erschaffen, die um ihn sei.” (1 Mose 2,18)

Dieser Vers ist altbekannt. Es geht um die Erschaffung der Frau als Gehilfin des Mannes  -  und wenn man weiter liest, war Adam über die Frau hocherfreut, sieht er in ihr doch sein Gegenüber  -  und so ist das bis heute geblieben.

Aus dem Schöpfungsbericht geht hervor, dass Mann und Frau zusammengehören, eine Einheit bilden, fruchtbar sein und sich mehren sollen  -  und das wird seit jeher als ein wesentlicher Teil der göttlichen Schöpfungsordnung gesehen.

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: Evita Gründler

Dies aber bereitet seit Neuestem Probleme, weil man die Homo-Ehe erfunden hat  -  und die lässt sich in der göttlichen Schöpfungsordnung einfach nicht unterbringen.

Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder man akzeptiert die Schöpfungs- und damit die natürliche Ordnung oder man lässt sich etwas einfallen  -  und da ist der EKD mit einer “Orientierungshilfe” wieder etwas “ganz Besonderes” eingefallen.

Die EKD-”Orientierungshilfe” kürzt die entscheidende Bibelstelle

Dazu wird Vers 18 in 1. Mose 2 zerpflückt, indem der erste Halbsatz“Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei” vom zweiten Halbsatz “ich will ihm eine Gehilfin erschaffen, die um ihn sei” abgetrennt und isoliert wird, so dass nur noch “Es ist nicht gut dass der Mensch allein sei” übrigbleibt.

Folgt man dieser Methodik, kommt es auf die Frau, die Gott als Gehilfin für den Mann schuf, eigentlich gar nicht an. Sie ist dann eher zufällig, denn nach Auffassung der Verfasser der EKD-“Orientierungshilfe” geht es allein darum, dass der Mensch auf Gemeinschaft angelegt ist  -  und deshalb spielt es überhaupt keine Rolle, wie die Gemeinschaft jeweils strukturiert ist.

Deshalb kommt man in der EKD-”Orientierungshilfe” auch “folgerichtig” zu dem Schluss, dass die Ehe keine göttliche Stiftung ist...

Aber es geht noch weiter:
Das Scheidungsverbot Jesu
(“Was Gott zusammengefügt hat, das soll der Mensch nicht trennen”) ist nach Auffassung der EKD-“Orientierungshilfe” auch nicht mehr verbindlich, sondern dieses erinnere lediglich daran, wie wichtig Verlässlichkeit für jede Gemeinschaft ist  – in diesem Fall die Familie bzw. das, was man jeweils darunter versteht.

Demzufolge hat auch alles seine Berechtigung  –  vor allem die Homo-Ehe. Hauptsache, dass eine Gemeinschaft -  in Anlehnung an die herkömmliche Familie -  vorliegt, deren Mitglieder gegenseitige Verpflichtungen, ggf. einschließlich Verpflichtungen gegenüber Kindern, eingegangen sind und damit eine “Familie” bilden.

Umdeutung bewirkt falsche Weichenstellung

Dabei sind nach Auffassung der EKD biologische Verwandtschaftsverhältnisse nebensächlich…

Die Umdeutung von 1. Mose 2, 18 dürfte die entscheidende  – und falsche – Weichenstellung sein, auf der die weitere “Argumentation” der aus 160 Seiten bestehenden EKD “Orientierungshilfe” aufbaut, die eine vollständige Anpassung an den Zeitgeist beinhaltet.

Es ist nicht Aufgabe der Kirche, dem Zeitgeist theologische Alibis zu liefern. Kirche die glaubhaft sein will, muss gegen den Strom schwimmen und dem Zeitgeist widerstreben. Sie muss sich am Wort Gottes als Maßstab orientieren und nicht an den “Realitäten” in einer gefallenen Schöpfung.

Unsere Aufgabe ist es, unbeirrt für die biblische Wahrheit einzustehen.


Papst Benedikt verteidigt in seiner Weihnachtsansprache entschieden die Würde und Bedeutung von Ehe und Familie

Der Papst in brennender Sorge:Die Familie ist bis auf den Grund bedroht

Vollständiger Wortlaut seiner Rede vor der vatikanischen Kurie vom 21.12.2012:

Mit großer Freude begegne ich ihnen heute, liebe Mitglieder des Kardinalskollegiums sowie Vertreter der Römischen Kurie und des Governatoratos an diesem traditionellen Moment vor dem Weihnachtsfest.

Herzlich begrüße ich jeden einzelnen, angefangen bei Kardinal Angelo Sodano, dem ich für seine schönen Worte und die herzlichen Glückwünsche danke, die er auch in Ihrem Namen an mich gerichtet hat. RadioVatikan

Der Kardinal-Dekan hat uns an einen Satz erinnert, der in der lateinischen Liturgie in diesen Tagen häufig wiederkehrt: Prope est iam Dominus, venite, adoremus!  – Der Herr ist nahe, kommt, wir beten ihn an!

Auch wir machen uns bereit, in der Grotte von Bethlehem das Kind anzubeten, das Gott selber ist  –  der Gott, der uns so nahe gekommen ist, daß er ein Mensch wurde wie wir.

Gerne erwidere ich die Glückwünsche und danke allen von Herzen, einschließlich der Päpstlichen Vertreter in aller Welt, für ihre großherzige und qualifizierte Mitarbeit, mit der jeder von Ihnen zu meinem Dienst beisteuert.

Wir stehen am Ende eines Jahres, das wieder in Kirche und Welt von vielerlei Bedrängnissen, von großen Fragen und Herausforderungen, aber auch von Zeichen der Hoffnung geprägt war.

Ich nenne nur einige Einschnitte im Bereich des Lebens der Kirche und meines Petrusdienstes. Da waren zunächst die Reisen nach Mexiko und Kuba  –  unvergeßliche Begegnungen mit der tief im Herzen der Menschen verwurzelten Kraft des Glaubens und mit der Freude am Leben, die aus dem Glauben kommt.

Ich denke daran, wie nach der Ankunft in Mexiko auf dem langen Weg, der zu durchfahren war, endlose Scharen von Menschen grüßten und winkten. Ich denke daran, wie auf der Fahrt nach Guanajuato, der malerischen Hauptstadt des gleichnamigen Staates, junge Menschen ehrfürchtig an der Seite der Straße knieten, um den Segen des Petrusnachfolgers zu empfangen; wie der große Gottesdienst in der Nähe der Christkönigs-Statue zu einer Vergegenwärtigung von Christi Königtum wurde  –  seines Friedens, seiner Gerechtigkeit, seiner Wahrheit.  1_0_649565

Dies alles geschah auf dem Hintergrund der Probleme eines Landes, das unter vielfältigen Formen der Gewalt und unter den Nöten wirtschaftlicher Abhängigkeit leidet. Es sind Probleme, die gewiß nicht einfach durch Frömmigkeit gelöst werden können, aber erst recht nicht ohne jene innere Reinigung der Herzen, die aus der Kraft des Glaubens, aus der Begegnung mit Jesus Christus kommt.

Und da war das Erlebnis Kuba  –  auch hier die großen Gottesdienste, in deren Singen, Beten und Schweigen die Gegenwart dessen spürbar wurde, dem man den Platz im Land lange hatte verweigern wollen. Die Suche nach einem rechten Ansatz für das Verhältnis von Bindung und Freiheit in diesem Land kann gewiß nicht gelingen ohne einen Anhalt an jene Maßstäbe, die der Menschheit in der Begegnung mit dem Gott Jesu Christi aufgegangen sind.

Als weitere Haltepunkte des vergangenen Jahres möchte ich nennen: das große Fest der Familie in Mailand sowie den Besuch im Libanon mit der Übergabe des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens, das nun im Leben der Kirchen und der Gesellschaft des Nahen Ostens Wegweisung werden soll auf den schwierigen Wegen der Einheit und des Friedens.

Das letzte wichtige Ereignis dieses abgelaufenen Jahres war dann die Synode über die Neuevangelisierung, die zugleich ein gemeinsamer Beginn für das Glaubensjahr gewesen ist, mit dem wir der Eröffnung des II. Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren gedenken, um es in der veränderten Situation neu zu verstehen und neu anzueignen.

Mit all diesen Anlässen sind grundlegende Themen unseres geschichtlichen Augenblicks angesprochen: Familie (Mailand) – Dienst am Frieden in der Welt und Dialog der Religionen (Libanon) sowie die Verkündigung der Botschaft Jesu Christi in unserer Zeit an jene, die ihm noch nicht begegnet sind und an die vielen, die ihn nur von außen kennen und so gerade nicht er-kennen.

Foto: L. Börger

Von diesen großen Themenkreisen möchte ich vor allem das Thema Familie und das Wesen des Dialogs etwas näher beleuchten, um dann noch eine kurze Anmerkung über das Thema der Neu-Evangelisierung anzufügen.

In der Familie werden Grundformen des Menschseins weitergegeben

Die große Freude, mit der in Mailand Familien aus aller Welt einander begegnet sind, zeigt, daß die Familie trotz aller gegenteiligen Eindrücke auch heute stark und lebendig ist. Aber unbestreitbar ist doch auch die Krise, die sie  -  besonders in der westlichen Welt  –  bis auf den Grund bedroht.

Es war beeindruckend, daß in der Synode immer wieder die Bedeutung der Familie als der genuine Ort herausgestellt wurde, in dem die Grundformen des Menschseins weitergegeben werden. Sie werden erlernt, indem sie miteinander gelebt und auch erlitten werden.

So wurde deutlich, daß es bei der Frage nach der Familie nicht nur um eine bestimmte Sozialform geht, sondern um die Frage nach dem Menschen selbst  –  um die Frage, was der Mensch ist und wie man es macht, auf rechte Weise ein Mensch zu sein.

Die Herausforderungen, um die es dabei geht, sind vielschichtig.

Da ist zunächst die Frage nach der Bindungsfähigkeit oder nach der Bindungslosigkeit des Menschen. Kann er lebenslang sich binden? Ist das seinem Wesen gemäß? Widerspricht es nicht seiner Freiheit und der Weite seiner Selbstverwirklichung? Wird der Mensch er selber, indem er für sich bleibt und zum anderen nur Beziehungen eingeht, die er jederzeit wieder abbrechen kann? Ist Bindung für ein Leben lang ein Gegensatz zur Freiheit? Ist die Bindung auch des Leidens wert?

Flucht vor der Geduld des Leidens

Die Absage an die menschliche Bindung, die sich von einem falschen Verständnis der Freiheit und der Selbstverwirklichung her wie in der Flucht vor der Geduld des Leidens immer mehr ausbreitet, bedeutet, daß der Mensch in sich bleibt und sein Ich letztlich für sich selbst behält, es nicht wirklich überschreitet.

Aber nur im Geben seiner Selbst kommt der Mensch zu sich selbst  -  und nur indem er sich dem anderen, den anderen, den Kindern, der Familie öffnet, nur indem er im Leiden sich selbst verändern läßt, entdeckt er die Weite des Menschseins.

Mit der Absage an diese Bindung verschwinden auch die Grundfiguren menschlicher Existenz: Vater, Mutter, Kind; es fallen wesentliche Weisen der Erfahrung des Menschseins weg. Leben.usa

Der Großrabbiner von Frankreich, Gilles Bernheim, hat in einem sorgfältig dokumentierten und tief bewegenden Traktat gezeigt, daß der Angriff auf die wahre Gestalt der Familie aus Vater, Mutter, Kind, dem wir uns heute ausgesetzt sehen, noch eine Dimension tiefer reicht.

Hatten wir bisher ein Mißverständnis des Wesens menschlicher Freiheit als einen Grund für die Krise der Familie gesehen, so zeigt sich nun, daß dabei die Vision des Seins selbst, dessen, was Menschsein in Wirklichkeit bedeutet, im Spiel ist. Er zitiert das berühmt gewordene Wort von Simone de Beauvoir: „Man wird nicht als Frau geboren, sondern man wird dazu gemacht“. („On ne naît pas femme, on le devient“).

In diesen Worten ist die Grundlegung dessen gegeben, was man heute unter dem Stichwort „gender“ als neue Philosophie der Geschlechtlichkeit darstellt. Das Geschlecht ist nach dieser Philosophie nicht mehr eine Vorgabe der Natur, die der Mensch annehmen und persönlich mit Sinn erfüllen muß, sondern es ist eine soziale Rolle, über die man selbst entscheidet, während bisher die Gesellschaft darüber entschieden habe.

“Gender-Theorie ist zutiefst unwahr”

Die tiefe Unwahrheit dieser Theorie und der in ihr liegenden anthropologischen Revolution ist offenkundig. Der Mensch bestreitet, daß er eine von seiner Leibhaftigkeit vorgegebene Natur hat, die für das Wesen Mensch kennzeichnend ist.

Er leugnet seine Natur und entscheidet, daß sie ihm nicht vorgegeben ist, sondern daß er selber sie macht.

Nach dem biblischen Schöpfungsbericht gehört es zum Wesen des Geschöpfes Mensch, daß er von Gott als Mann und als Frau geschaffen ist. Diese Dualität ist wesentlich für das Menschsein, wie Gott es ihm gegeben hat.

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: Evita Gründler

Gerade diese Dualität als Vorgegebenheit wird bestritten. Es gilt nicht mehr, was im Schöpfungsbericht steht: „Als Mann und Frau schuf ER sie“ (Gen 1, 27).

Nein, nun gilt, nicht ER schuf sie als Mann und Frau; die Gesellschaft hat es bisher getan  -  und nun entscheiden wir selbst darüber. Mann und Frau als Schöpfungswirklichkeiten, als Natur des Menschen gibt es nicht mehr. Der Mensch bestreitet seine Natur. Er ist nur noch Geist und Wille.

Die Manipulation der Natur, die wir heute für unsere Umwelt beklagen, wird hier zum Grundentscheid des Menschen im Umgang mit sich selber. Es gibt nur noch den abstrakten Menschen, der sich dann so etwas wie seine Natur selber wählt.

Mann und Frau sind in ihrem Schöpfungsanspruch als einander ergänzende Gestalten des Menschseins bestritten. Wenn es aber die von der Schöpfung kommende Dualität von Mann und Frau nicht gibt, dann gibt es auch Familie als von der Schöpfung vorgegebene Wirklichkeit nicht mehr.

“Auch das Kind verliert seine ihm eigene Würde”

Dann hat aber auch das Kind seinen bisherigen Ort und seine ihm eigene Würde verloren. Bernheim zeigt, daß es nun notwendig aus einem eigenen Rechtssubjekt zu einem Objekt wird, auf das man ein Recht hat und das man sich als sein Recht beschaffen kann.

Wo die Freiheit des Machens zur Freiheit des Sich-selbst-Machens wird, dort wird notwendigerweise der Schöpfer selbst geleugnet und damit am Ende auch der Mensch als göttliche Schöpfung, als Ebenbild Gottes im Eigentlichen seines Seins entwürdigt.

Im Kampf um die Familie geht es um den Menschen selbst. Und es wird sichtbar, daß dort, wo Gott geleugnet wird, auch die Würde des Menschen sich auflöst.

Wer Gott verteidigt, verteidigt den Menschen.

Damit möchte ich zum zweiten großen Thema kommen, das sich von Assisi bis zur Synode über die Neuevangelisierung durch das vergangene Jahr hindurchzieht  –  zur Frage über Dialog und Verkündigung. Sprechen wir zunächst vom Dialog.

Ich sehe für die Kirche in unserer Zeit vor allem drei Dialogfelder, in denen sie im Ringen um den Menschen und sein Menschsein präsent sein muß: den Dialog mit den Staaten; den Dialog mit der Gesellschaft  -  und darin enthalten der Dialog mit den Kulturen und mit der Wissenschaft sowie schließlich den Dialog mit den Religionen.

Foto: KOMM-MiT-Verlag

Foto: KOMM-MiT-Verlag

“Die Kirche lebt vom Licht, das der Glaube schenkt”

In allen diesen Dialogen spricht die Kirche von dem Licht her, das ihr der Glaube schenkt. Sie verkörpert aber zugleich das Gedächtnis der Menschheit, das von den Anfängen her über die Zeiten hin Gedächtnis der Erfahrungen und der Erleidnisse der Menschheit ist, in denen sie das Menschsein gelernt, seine Grenzen und seine Größe, seine Möglichkeiten und seine Begrenzungen erfahren hat.

Die Kultur des Humanen, für die sie einsteht, ist aus der Begegnung zwischen Gottes Offenbarung und menschlicher Existenz gewachsen.

Die Kirche vertritt das Gedächtnis des Menschseins gegenüber einer Zivilisation des Vergessens, die nur noch sich selbst und ihre eigenen Maßstäbe kennt.

Aber wie ein Mensch ohne Gedächtnis seine Identität verloren hat, so verlöre auch eine Menschheit ohne Gedächtnis ihre Identität. Was der Kirche in der Begegnung von göttlicher Offenbarung und menschlicher Erfahrung gezeigt wurde, reicht zwar über den Bereich der eigenen Vernunft hinaus, ist aber nicht eine Sonderwelt, die den Nichtglaubenden nichts anginge.

Im Mitdenken und Mitverstehen des Menschen weitet es den Horizont der Vernunft und geht so auch diejenigen an, die den Glauben der Kirche nicht teilen können.

Im Dialog mit dem Staat und mit der Gesellschaft hält die Kirche für die einzelnen Fragen gewiß keine fertigen Lösungen bereit. Sie wird mit den anderen gesellschaftlichen Kräften um die Antworten ringen, die am meisten dem rechten Maß des Menschseins entsprechen.

“Grundwerte des Menschseins mit aller Klarheit vertreten”

Was sie als konstitutive und nicht verhandelbare Grundwerte des Menschseins erkannt hat, dafür muß sie mit aller Klarheit eintreten. Sie muß alles tun, um Überzeugung zu schaffen, die dann zu politischem Handeln werden kann.

In der heutigen Situation der Menschheit ist der Dialog der Religionen eine notwendige Bedingung für den Frieden in der Welt und darum eine Pflicht für die Christen wie für die anderen Religionsgemeinschaften. Dieser Dialog der Religionen hat verschiedene Dimensionen.

Er wird zuallererst einfach ein Dialog des Lebens, ein Dialog des Miteinanders sein. Dabei wird man nicht von den großen Themen des Glaubens sprechen  –  ob Gott trinitarisch ist oder wie Inspiration der Heiligen Schriften zu verstehen sei usw.

Es geht um die konkreten Probleme des Miteinander und um die gemeinsame Verantwortung für die Gesellschaft, für den Staat, für die Menschheit. Dabei muß man lernen, den anderen in seinem Anderssein und Andersdenken anzunehmen. Dafür ist es nötig, die gemeinsame Verantwortung für Gerechtigkeit und Frieden zum Maßstab des Gesprächs zu machen. Ein Dialog, in dem es um Friede und Gerechtigkeit geht, wird von selbst über das bloß Pragmatische hinaus zu einem ethischen Ringen um die Wertungen, die allem vorangehen.

Foto: Konrad Ruprecht

Foto: K. Ruprecht

So wird der zunächst rein praktische Dialog doch auch zu einem Ringen um das rechte Menschsein. Auch wenn die Grundentscheide als solche nicht zur Debatte stehen, wird das Mühen um eine konkrete Frage zu einem Prozeß, in dem durch das Hören auf den anderen beide Seiten Reinigung und Bereicherung empfangen können.

So kann dieses Mühen auch gemeinsame Schritte auf die eine Wahrheit hin bedeuten, ohne daß die Grundentscheide geändert werden. Wenn beide Seiten von einer Hermeneutik der Gerechtigkeit und des Friedens ausgehen, so wird die Grunddifferenz nicht verschwinden, aber es wächst doch auch eine tiefere Nähe zueinander.

Für das Wesen des interreligiösen Dialogs werden heute im allgemeinen zwei Regeln als grundlegend angesehen:

1) Der Dialog zielt nicht auf Bekehrung, sondern auf Verstehen. Dadurch unterscheidet er sich von der Evangelisierung, von der Mission.

2) Demgemäß verbleiben bei diesem Dialog beide Seiten bewußt in ihrer Identität, die sie im Dialog für sich und für den anderen nicht in Frage stellen.

Diese Regeln sind richtig, aber ich finde sie doch in dieser Form zu vordergründig formuliert. Ja, der Dialog zielt nicht auf Bekehrung, sondern auf gegenseitiges besseres Verstehen  –  das ist richtig.

Aber die Suche nach Erkennen und Verstehen will doch immer auch Annäherung an die Wahrheit sein. Beide Seiten sind so im stückweisen Zugehen auf Wahrheit auf dem Weg nach vorn und zu größerer Gemeinsamkeit, die von der Einheit der Wahrheit gestiftet wird.

Was das Festhalten an der eigenen Identität betrifft: Es wäre zu wenig, wenn der Christ mit seinem Identitätsentscheid sozusagen vom Willen her den Weg zur Wahrheit abbrechen würde. Dann wird sein Christsein etwas Willkürliches, bloß Positives. Er rechnet dann offenbar gar nicht damit, daß man es in der Religion mit Wahrheit zu tun bekommt.

Demgegenüber würde ich sagen, der Christ habe das große Grundvertrauen, ja, die große Grundgewißheit, daß er ruhig ins offene Meer der Wahrheit hinausfahren könne, ohne um seine Identität als Christ fürchten zu müssen.

“Wir haben die Wahrheit nicht, aber die Wahrheit hat uns: Christus, der die Wahrheit ist”

Gewiß, wir haben die Wahrheit nicht, aber sie hat uns: Christus, der die Wahrheit ist, hat uns bei der Hand genommen  -  und wir wissen auf dem Weg unseres Ringens um Erkenntnis, daß seine Hand uns festhält.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Das innere Gehaltensein des Menschen von der Hand Christi macht uns frei und zugleich sicher.

Frei  –  wenn wir von ihm gehalten sind, können wir offen und angstlos in jeden Dialog eintreten. Sicher sind wir, weil er uns nicht losläßt, wenn wir nicht selbst uns von ihm lösen. Mit ihm eins stehen wir im Licht der Wahrheit.

Am Schluß soll wenigstens noch ein kurzes Wort über die Verkündigung, die Evangelisierung stehen, über die ja das Postsynodale Dokument im Anschluß an die Vorschläge der Väter ausführlich sprechen wird.

Ich finde, daß die wesentlichen Elemente der Evangelisierung sehr sprechend in der Schilderung des hl. Johannes von der Berufung zweier Täufer-Jünger zum Vorschein kommen, die zu Jüngern Christi werden (Joh 1, 35 – 39):

“Wir haben den Messias gefunden!”

Da ist zunächst der einfache Akt der Verkündigung. Johannes der Täufer zeigt auf Jesus hin und sagt: „Seht, das Lamm Gottes!“

Der Evangelist erzählt wenig später ein ähnliches Geschehen. Diesmal ist es Andreas, der zu seinem Bruder Simon sagt:

Das erste und grundlegende Element ist die schlichte Verkündigung, das Kerygma, das seine Kraft aus der inneren Überzeugung des Verkündigers schöpft. In der Erzählung von den zwei Jüngern folgt dann das Hören und das hinter Jesus Hergehen, das noch nicht Nachfolge, sondern eher eine heilige Neugier, eine Suchbewegung ist.

Beide sind ja Menschen, die Suchende sind, Menschen, die über den Alltag hinaus in der Erwartung Gottes leben  –  in der Erwartung, daß er da ist und daß er sich zeigen wird. Von der Verkündigung angerührt, wird ihr Suchen konkret. Sie wollen den näher kennenlernen, den der Täufer als Lamm Gottes bezeichnet hatte.

Der dritte Akt kommt dadurch in Gang, daß Jesus sich umwendet, sich ihnen zukehrt und sie fragt: „Was sucht ihr?“

Die Antwort der beiden ist wiederum eine Frage, die die Offenheit ihres Wartens anzeigt, die Bereitschaft zu neuen Schritten. Sie fragen: „Rabbi, wo wohnst du?

Jesu Antwort: „Kommt und seht!“ ist eine Aufforderung mitzugehen und im Mitgehen mit ihm sehend zu werden.

Von der heiligen Neugier, Christus näher kennenzulernen

Das Wort der Verkündigung wird da wirksam, wo im Menschen die hörende Bereitschaft für die Nähe Gottes da ist; wo der Mensch innerlich auf der Suche und so unterwegs zum HERRN hin ist. Dann trifft ihn die Zuwendung Jesu ins Herz hinein -  und dann wird die Begegnung mit der Verkündigung zur heiligen Neugier, Jesus näher kennenzulernen.

Dieses Mitgehen führt dorthin, wo Jesus wohnt, in die Gemeinschaft der Kirche, die sein Leib ist. Es bedeutet Eintreten in die Weggemeinschaft der Katechumenen, die zugleich Lern- und Lebensgemeinschaft ist, in der wir im Mitgehen Sehende werden.

„Kommt und seht!“  -  Dieses Wort, das Jesus zu den beiden suchenden Jüngern sagt, sagt er auch zu den suchenden Menschen von heute.

Am Ende des Jahres wollen wir den HERRN darum bitten, daß die Kirche trotz all ihrer Armseligkeiten immer mehr als seine Wohnstatt erkennbar wird.

Wir bitten ihn, daß er auch uns im Hingehen zu seinem Haus immer mehr sehend macht; daß wir immer besser, immer überzeugender sagen können: Wir haben den gefunden, auf den alle Welt wartet, Jesus Christus, wahrer Sohn Gottes und wahrer Mensch.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen allen von Herzen gesegnete Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr.

Quelle (Text/Papst-Fotos): Radio Vatikan


Mann und Frau, Ehe und Familie sind Schöpfungsgrundlagen Gottes

Von Almut Rosebrock

Die Basis unseres Glaubens, das Wort Gottes, wird heute oft umgedeutet, “entschärft”, um jenen, die nicht nach seiner Botschaft leben, Geltung und Ansehen zu verschaffen.

Ich frage mich: Warum muss die Sexualität überhaupt derart ins Zentrum gerückt werden?  AlmutRosebrock

Grundlegend hat Gott den Mann und dann die Frau als “Gehilfin” geschaffen. Diese “Schöpfungsgrundlage” wird in der Argumentation vielfach ausgespart. Hier ist auch die EHE zwischen Mann und Frau gestiftet worden! Wäre das nicht die “NORM”, gäbe es uns Menschen längst nicht mehr!

“Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes” (1. Kor. 6,19; es lohnt, Vers 9-20 zu lesen!).

Außerdem sagte Jesus einmal: “An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.” (Mt.7,16)

Jeder normale Mensch, vor allem auch in der Ehe lebend, stößt sich täglich an den Unterschieden zwischen Mann und Frau, die manchmal wirklich “anstrengend zu ertragen” sind!

Und doch bereichert die (gottgegebene) Unterschiedlichkeit auch, sie führt zu gegenseitiger Ergänzung.  Wichtig ist die gegenseitige Achtung – auch zur Wahrnehmung der gemeinsamen Aufgaben:

Positive Gestaltung des Lebens zu Hause und im Umfeld (Beruf, Gesellschaft),
Familie aufbauen in Liebe zu- und Achtung füreinander,
Kinder in ein verantwortliches, selbstbestimmtes Leben hineinbegleiten.
Sorge für die vor- und nachkommende Generation, in LIEBE und Verantwortung.
Erhaltung, Weitergabe und Erlangung von Wissen, Fähigkeiten, Erfahrungen und positiven Traditionen.
Selbstbestimmt, verantwortlich und möglichst “frei” leben.

Diese Aufgaben sind wichtig, fordernd und erfüllend – und sie sind uns von Gott aufgetragen.
Verantwortlich ausgeführt, dienen sie dem Fortbestand des Lebens und der Gesellschaft,  zu erfülltem Leben für jeden Einzelnen – und zu des Schöpfers, zu Gottes Ehre!

Almut Rosebrock, Apothekerin und Mutter,
Aktionsbündnis “Gerne leben mit Kindern”, www.glmk.de


Vatikanische Museen laden zu Mutter-Tochter-Pilgerfahrt ein

Vatikan organisiert Wallfahrt über die “Wahre Schönheit der Frau in der Kunst”

Das Vatikanische Museum in Rom organisiert zum Ende dieses Jahres ein großes Pilger-Angebot für Frauen, besonders für Mütter und Töchter. Die 8-tägige Wallfahrt dauert vom 28. Dezember 2012 bis zum 4. Januar 2013.

Es geht dabei um die Frage, worin die wirkliche Schönheit der Frau besteht.

Gerade von der kirchlichen Kunst der Jahrtausende wurden weibliche Anmut und fraulicher Glanz hoch gewürdigt und gepriesen, wobei vor allem die “innere Schönheit” der dargestellten Frauen zum Leuchten kam.

In Vatikanischen Museen stehen 2500 Jahre antike und christliche Kunst zur Verfügung.  So hat man dort begonnen, einmal im Jahr eine Mutter-Tochter-Wallfahrt zum Thema Schönheit der Frau und Kunst im Vatikan und in der Stadt Rom zu organisieren.

Als Geistlicher für die Wallfahrerinnen ist Pater Mark Haydu vorgesehen, der in den Vatikanischen Museen als Internationaler Direktor der Kunstmäzene tätig ist.

Teresa Tomeo, eine katholische Radiosprecherin, wird eine der Rednerinnen sein, die über Schönheit und Anmut der Frau sprechen. Auch Pater Janet Morana, Direktor der „Priester fürs Leben“ (Priests for Life) wird mit dabei sein.

Nähere Infos hier:  http://www.vatican-patrons.org/femininebeauty/femininebeautybrochure2012.pdf

Quelle: Vatikanische Museen, kath. Nachrichtenagentur Zenit


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