CDU/CSU-Bundestagsfraktion: “Hände weg von Kinderbüchern!”

Auch für Kinderbücher und Märchen hat das Urheberrecht zu gelten

Derzeit wird eine öffentliche Debatte über strittige Wörter in den Klassikern der Kinderliteratur geführt. Aus erzieherischem Interesse sollen Begriffe geglättet werden.

Dazu erklärt der kultur- und medienpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Börnsen, in einer heutigen Pressemitteilung:  Sternsinger 3 Oberalteich

„In vielen klassischen Kinderbüchern und Märchen werden Gewalt verherrlicht, Minderheiten diskriminiert und Vorurteile aufgebaut. Natürlich gehört nach unserer heutigen Auffassung eine Hexe nicht in den Ofen, die Buben nicht in das Tintenfass und Max und Moritz wie Michel Lönneberga sollten sich stets friedlich, freundlich und pädagogisch beispielgebend verhalten.

Aber trotzdem ist es nicht angebracht, diese Kinderbücher begrifflich zu glätten und sogenannte Nachbesserungen vorzunehmen, damit sie unserem Zeitgeist entsprechen.

Auch für die Literatur für die junge Generation gilt ein Respekt vor den Originalen, eine Achtung vor der Autorin und dem Autor. Und auch für Kinderbücher und Märchen hat das Urheberrecht zu gelten.

Es gibt keinen Grund, aus erzieherischen Interessen eine „Säuberung“ vorzunehmen. Damit nimmt man eine Bevormundung der Eltern und Familien vor, weil offensichtlich Gutmeinende ihnen und ihrem Verantwortungsbewusstsein misstrauen.

Jene Moralisten, die der Kinderliteratur Vorschriften machen wollen, sollten mehr Toleranz zeigen.

Was wirklich von Schaden für Heranwachsende sein kann, sind die täglichen Begleiter in TV-Sendungen, in den Computerspielen, die voll von Gewalt, Vorurteilen und heute oft auch voll von Rassismus sind. Diese Bilder zeigen nachweislich Wirkung.“

CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
Platz der Republik 1  -  11011 Berlin
fraktion@cducsu.de
http://www.cducsu.de


Ausstellung in Marburg über den Einfluß der Märchen auf die Alltagskultur

Die Ausstellung „Echt hessisch? Land  – Leben -  Märchen“ im Marburger Landgrafenschloß dokumentiert deutsche Alltagskultur mit Hilfe der Grimmschen Märchen.

So läßt zum Beispiel die berühmte Zwergenfrage “Wer hat von meinem Tellerchen gegessen?” auf einen Wandel in der Tischkultur hin zum eigenen Teller und weg vom gemeinschaftlichen Topf in der Mitte des Tisches schließen.

Die Ausstellung ist bis zum 31.12.2014 zu sehen.   PICT0433

Die Brüder Grimm betonten den hessischen Ursprung der Märchen und deren Herkunft aus dem einfachen Volk; ingesamt gesehen ist der Ursprung dieser Märchen europäisch. 

„Wie nebenbei geben die Märchen Auskunft über das Leben und den Alltag im 19. Jahrhundert sowie die damaligen Wert- und Moralvorstellungen”, erklärt Prof. Dr. Harm-Peer Zimmermann vom Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich .

„Die Ausstellung ist daher eine Entdeckungsreise durch die Welt der Märchen und durch die Lebenswirklichkeit der hessischen Landbevölkerung im 19. Jahrhundert,“ sagt Dr. Christoph Otterbeck, Direktor des Museums für Kunst und Kulturgeschichte.

Insgesamt 156 Märchen umfassen die beiden Bände der Erst-Ausgabe der „Kinder- und Hausmärchen“ von 1812 und 1815. Viele von ihnen ließen sich die Brüder Grimm von jungen, gebildeten Damen am Teetisch erzählen. Manches entnahmen sie aber auch alten Schriften, die sie in Archiven und Bibliotheken in ganz Deutschland fanden.

In den späteren Ausgaben wurden Texte durch andere ersetzt und es kamen weitere Märchen hinzu. Die Ausgabe letzter Hand enthielt 211 Erzählungen. Nicht alle der gesammelten Texte gelangten auch zur Veröffentlichung.

Eine Entdeckungsreise für die Sinne in fünf Bereichen solle die Ausstellung werden und zähle daher zu den „7 Streichen“ des Grimm-Themenjahres der Stadt, erläuterte Karin Stichnothe-Botschafter vom Fachdienst Kultur der Universitätsstadt Marburg.

Die Ausstellung wird zu den üblichen Museums-Öffnungszeiten zu sehen sein:  Dienstag bis Sonntag von 10  –  16 Uhr;  Sommeröffnungszeiten 1. Apr. bis  31. Okt.: 10  – 18 Uhr).

Eintritt: 4 €  /  3 € (erm.), Familienkarte: 6 €
 
Weitere Infos:
http://www.uni-marburg.de/uni-museum
Nähere Informationen zur Ausstellung
 

Kritik am Weltbild-Verlag: Ist Christi Geburt etwa ein Märchen?

 Für Unmut unter Christen sorgt eine Werbung der katholischen Verlagsgruppe Weltbild. Sie bietet die biblische Weihnachtsgeschichte allen Ernstes in der Edition „Nostalgischer Märchenschatz“ an.

Die nach Angaben des Verlages in „kindgerechter Weise“ erzählte Geschichte steht damit in einer Reihe mit den Märchen Aschenputtel, Rotkäppchen und Schneewittchen.     DSC_0233

Der Vorsitzende des papsttreuen Forums Deutscher Katholiken, Prof. Hubert Gindert, übte scharfe Kritik an dem Buch. Damit werde „die unsägliche Skandalserie des Weltbild-Verlags  –  rechtzeitig vor Beginn der Adventszeit  –  fortgesetzt“.

Das Ärgernis liege besonders darin, dass das Unternehmen völlig in kirchlichem Besitz sei. Mit der angekündigten Umwandlung in eine Stiftung ändere sich „offensichtlich nicht das bedenkenlose Geschäft mit dem Mammon, der in Sonntagsreden angeprangert wird“.

Wieder einmal werde das völlige Versagen der Aufsichtsgremien und der Verantwortlichen des Verlags deutlich

„Verrat an der christlichen Wahrheit von Weihnachten“

Der verantwortliche Redakteur des katholischen PUR-Magazins, Bernhard Müller, bezeichnete die Werbung als einen „Verrat an der Botschaft und der christlichen Wahrheit von Weihnachten“. Der Programminhalt von „Weltbild“ stehe damit „im krassen Gegensatz zu dem, was seine Eigentümer, die katholischen Bischöfe, an Weihnachten von den Kanzeln predigen werden“, sagte Müller gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA.

Er erinnerte an die Diskussion über die Verlagsgruppe im vergangenen Jahr. Sie war wegen des Verkaufs pornographischer und esoterischer Bücher in die Kritik geraten. Müller: „Die versprochene inhaltliche Neuausrichtung von Weltbild lässt auf sich warten.“   -  Die von den katholischen Bischöfen vor einem Jahr angekündigte Rückbesinnung auf christliche Grundsätze sei offenbar nicht bis zur Geschäftsführung durchgedrungen.

Verlagsgruppe entschuldigt sich: ein „Fehler“

Die Dt. Bischofskonferenz wollte die Werbung nicht kommentieren und verwies auf den Verlag und den Aufsichtsratsvorsitzenden, den Generalvikar des Erzbistums München und Freising, Prälat Peter Beer. Dessen Büro wiederum wies auf eine Stellungnahme der Verlagsgruppe hin.

Darin heißt es: „Wir stimmen der Kritik zu, dass es sehr unglücklich ist, die Erinnerung an die Weihnachtsgeschichte, auch wenn sie biblisch korrekt ist, in einer Reihe ‚Nostalgischer Märchenschatz‘ zu platzieren.“ Dies sei ein Fehler gewesen: „Wir können uns dafür nur nachdrücklich entschuldigen.“

Nach Angaben der Unternehmenskommunikation enthält das Buch den Hinweis, dass es sich um eine „wahre Geschichte voll wundersamer Ereignisse“ handele, „die sich vor fast zweitausend Jahren tatsächlich zugetragen hat“.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur IDEA


Folgen

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 261 Followern an