Erfolgreiche „Demo für alle“ in Wiesbaden für Kinderschutz und Elternrecht

Hedwig von Beverfoerde

Eine großartige zweite DEMO FÜR ALLE in Wiesbaden liegt hinter uns. Viele Familien und Bürger sind heute unserem Aufruf gefolgt und unter dem Motto »Elternrecht achten – Indoktrinierende Sexualerziehung sofort stoppen« in Wiesbaden auf die Straße gegangen.

Nach unserer Auftakt-Kundgebung vor dem Kultusministerium auf dem Luisenplatz zogen wir mit fast 700 Demonstranten durch die Stadt und konnten dieses Mal trotz angekündigter Blockaden der knapp 200 Gegendemonstranten dank der hervorragenden Polizei die ganze Wegstrecke laufen.

Einen ersten Eindruck der fantastischen Stimmung bekommen Sie in unserer Bildergalerie.

Nach der musikalischen Eröffnung der Kundgebung durch die Sängerin Claudia Lemperle erläuterte der hessische Familienaktivist Mathias von Gersdorff in seiner Rede die Brisanz des frisch beschlossenen „Hessische Aktionsplan für Akzeptanz und Vielfalt“.

Die  Maßnahmen des Planes der schwarz-grünen Landesregierung »zementieren den Weg zum Gender-Staat, inklusive der Schulen«. Die absurde „Pädagogik der Vielfalt“ habe aber in der Schule nichts zu suchen.

Die gefragte  Publizistin und Gender-Expertin Birgit Kelle (siehe Foto), selbst Mutter von vier Kindern, mahnte in ihrer flammenden Rede: »Jetzt ist die Zeit zu kämpfen. Nicht später nicht morgen nicht nächste Woche. Jetzt. Denn wir haben schon viel zu lange diese Ideologen arbeiten lassen. Damit ist jetzt Schluss.«

Die CDU in Hessen forderte sie auf, dem grünen Koalitionspartner nicht das Feld zu überlassen, das »Thema ist zu ernst: Es geht um unsere Kinder.«

Eine besonders mutige und engagierte Rede hielt die stellv. Bundesvorsitzende der Aktion Lebensrecht für Alle, Cornelia Kaminski. Die Lehrerin und Mutter von drei Kindern aus Hessen attestierte der schulischen Sexualerziehung angesichts der Zunahme von sexualisierter Gewalt unter Jugendlichen »ein Versagen im großen Stil« und kritisierte die schamverletzende Erziehung zur „sexuellen Vielfalt“ in den Schulen.

Johannes Elverfeldt, Vater von 5 Kindern im Vorschul- und Schulalter, erinnerte in seiner Rede an das Erziehungsrecht der Eltern, das ihm vor allem auf dem Gebiet der Sexualerziehung mehr und mehr genommen werde. Er wolle seine Kinder nach seinen Werten erziehen und es sei seine Pflicht, seine Kinder zu schützen.

Die Vorsitzende der österreichischen Familienallianz, Leni Kesselstatt, berichtete von ihrem Kampf gegen Sexualisierung der Kinder in Österreich. Unter dem Deckmantel der Mißbrauchsprävention werden auch dort die Kinder immer früher mit dem Thema Sexualität konfrontiert. Bewusst werde kindliche Sexualität und Erwachsenensexualität verwechselt.

Ludovine de la Rochére von der französischen Protestbewegung La Manif Pour Tous machte in ihrer Rede deutlich, dass der Kampf gegen die Gender-Ideologie in der ganzen Welt gefochten werde. Zusammen aber sei man stark und könne sich gegenseitig unterstützen. Jede Errungenschaft beflügele den Erfolg der anderen. Deshalb werde man in Zukunft noch stärker gemeinsam für den Schutz der Ehe und der Kinder kämpfen.

 


Rechtspsychologin Dr. Julia Shaw: Wie objektiv sind unsere Erinnerungen?

Die deutsch-kanadische Rechtspsychologin Dr. Julia Shaw gehört zu den Gewinnerinnen der 25-Frauen-Awards 2017. Shaw ist u.a. Autorin des Buches „Das trügerische Gedächtnis“.

In der Award-Begründung für diese wissenschaftliche Auszeichnung heißt es:

„Wenn es darum geht, wem wir zu 100 Prozent vertrauen können, würden die meisten wahrscheinlich sich selbst und ihr Gedächtnis nennen. Denn wenn wir uns an eine Begebenheit erinnern können, muss es ja passiert sein.

Die Rechtspsychologin Dr. Julia Shaw hat das Gegenteil bewiesen und uns damit mehr oder weniger gezeigt, dass wir nicht mal uns selbst glauben können.

In einer von ihr und ihrem Team durchgeführten Studie überzeugte sie 70 Prozent ihrer Probanden davon, ein Verbrechen begangen zu haben, das tatsächlich niemals stattgefunden hat.

Damit lässt sie uns nicht nur an uns selbst zweifeln, sondern auch an der Richtigkeit vieler Verhörmethoden – und damit auch vieler Urteile.”

Shaw befasst sich in der Tradition von Elizabeth Loftus mit Erinnerungstäuschungen und dem “False Memory Syndrom”. Kürzlich sendete nano den Beitrag “Das Gedächtnis ist leicht zu manipulieren” über ihre Arbeit (ca 6 Min.).

Quelle und vollständiger Text hier: http://blog.gwup.net/2017/06/24/false-memory-syndrom-25-frauen-award-von-edition-f-fur-dr-julia-shaw/


Marienwallfahrtsort Telgte: Traditionelles Choralamt in der Gnadenkapelle

Von Felizitas Küble

Am heutigen Samstag-Vormittag (24. Juni) wurde in der westfälischen Kleinstadt Telgte in der Gnadenkapelle  – wie bereits in den Vorjahren  – eine heilige Messe in der überlieferten Liturgie und damit in lateinischer Sprache gefeiert  – mit Musik und Gregorianischem Choral inklusive.

Telgte ist seit Jahrhunderten der bekannteste Marienwallfahrtsort im Münsterland.

Der Zelebrant des Choralamts war Benediktinerpater Dr. Chrysostomus Ripplinger aus der Abtei Gerleve, der in Münster als Geistlicher für die altrituelle Gemeinde St. Ägidii amtiert.

Das Kirchlein war bis zum letzten Platz besetzt, die Gläubigen – jung und alt –  kamen aus nah und fern angereist.

Pater Ripplinger (siehe 2. Foto) predigte an diesem Johannestag (Hochfest von Johannes den Täufer) über diesen letzten Propheten des Alten Bundes  –  und zugleich Wegbereiter Christi und einer der größten Heiligen  – und auch Märtyrer  – des Neuen Bundes. So verbindet er in seiner Person das alte und das neue Gottesvolk.

Das Gnadenkapelle wird derzeit renoviert, doch die Pilger können trotzdem eintreten und beten, Kerzen anzünden – und in diesem Falle sogar an der hl. Messe teilnehmen.

In diesem Marienheiligtum ist Christus  –  genauer: der HERR im Altarsakrament – gegenwärtig. Daher auch das Ewige Licht (siehe links oben) als Zeichen und Hinweis für die Eucharistie bzw. das Allerheiligste. 

Die Wallfahrtsmadonna besteht aus einer großen Pieta (schmerzhafte Mutter), die ihren toten Sohn auf dem Schoß trägt. Die  holzgeschnitzte Marienstatue ist schon seit Jahrhunderten das Ziel vieler Pilger vor allem aus dem Münsterland.

Der selige Kardinal von Galen, ein großer und mutiger Prediger gegen die nationalsozialistische Diktatur, ist in seiner Amtszeit als Bischof von Münster regelmäßig von Münster nach Telgte gefahren (mit Roß und Wagen)  – oder vielfach auch zu Fuß gepilgert.

Hier verbindet sich ein idyllisches Städtchen wunderbar mit kirchlicher Tradition, gesunder Marienverehrung und volkstümlichen Bräuchen  – wie z.B. die jährliche prächtige Kutschenwallfahrt im Mai.

Aus vielen Städten und Dörfern kommen zudem Pfarrgemeinden, Vereine oder vertriebene Landsmannschaften wie die Schlesier aus der Grafschatz Glatz zu Fuß nach Telgte   –   auch aus größeren Städten wie Rheine und sogar Osnabrück (dort nehmen mehrere tausend Gläubige an der Fußwallfahrt teil!).

Mit unseren Praktikanten und Ferienhelfern sind wir  – unser Christoferuswerk, das dieses CHRISTLICHE FORUM betreibt  –  immer gerne nach Telgte gefahren oder geradelt, haben gleichsam einen „Betriebsausflug“ mit einer frommen Pilgerreise und einer fröhlichen Stadtbesichtigung verbunden. Das hat auch unseren evangelischen Helfern immer gut gefallen  –  nie hat sich eine(r) beschwert, dieser Ausflug sei doch „zu marianisch“.

Hier in Telgte findet man keine Überspanntheiten, keine Schwärmereien, keine selbsternannten „Seher“ auf Wolke 7 und sonstige Kuriosa   – das Städtchen und sein Milieu sind typisch münsterländisch und damit bodenständig, durchaus nüchtern – und zugleich freundlich und ansprechend.

Die beschauliche Gnadenkapelle ist vor allem ein Ort für stille Beter, die ihre Sorgen vor den HERRN und seine Mutter tragen, die Trost und seelische Kraft suchen, die für sich und andere beten und bitten. An den inneren Wänden des Gotteshauses bezeugen Votivgaben und Inschriften die Gebetserhörungen und Danksagungen der Gläubigen.


Justizminister Maas übernimmt die CSD-Schirmherrschaft in Köln: Neutralität ade?

Mathias von Gersdorff

Der Bundesjustizminister macht keinen Hehl daraus, wen er in der deutschen Gesellschaft als Feind und wen er als Freund betrachtet.

Eine besondere Präferenz zeigt er für die Homo-Lobby: Heiko Maas (SPD) hat sich bereit erklärt, die Schirmherrschaft des sog. „Christopher Street Days“ in Köln am 7. Juli 2017 zu übernehmen. (Der „CSD“ ist eine Art Parade in karnevalistischem Stil, in der die Homo-Bewegung ihre politischen Forderungen stellt). Außerdem wird er dieses Spektakel eröffnen.

Ist es angemessen, dass ein Mitglied der Bundesregierung, die eigentlich neutral sein und ALLE Menschen repräsentieren sollte, derart notorisch seine politischen Präferenzen für bestimmte politische Gruppierungen zeigt?

Solche Fragen scheinen dem Bundesjustizminister nicht zu kümmern. So bezeichnete er die Durchsetzung der „Ehe für alle“ als eine Bedingung für einen Koalitionsvertrag mit der SPD nach der Bundestagswahl: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die SPD einen Koalitionsvertrag unterschreibt, in dem die Ehe für alle nicht verankert ist“.

Die Einstellung zu diesem absurden Ehe-Zerstörungs-Projekt soll also bestimmen, wer Deutschland regieren darf und soll. Die Stellungnahme des Bundesjustizministers dokumentiert in eklatanter Weise, wie mächtig die Klientelpolitik in Deutschland inzwischen geworden ist.

Unser Autor Mathias von Gersdorff aus Frankfurt leitet die Aktion „Kinder in Gefahr“ und veröffentlicht seine aktuelle Kommentare hier: http://mathias-von-gersdorff.blogspot.de/


GOTT erwählt Israel: „Ihr seid das kleinste unter allen Völkern“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Dtm 7,6-11:

Moses sprach zum Volk: Du bist ein Volk, das dem HERRN, deinem Gott, heilig ist. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt, damit du unter allen Völkern auf der Erde das Volk wirst, das ihm gehört.

Nicht weil ihr zahlreicher als die anderen Völker wäret, hat euch der Ewige ins Herz geschlossen und erwählt; ihr seid das kleinste unter allen Völkern.

Weil der HERR euch liebt und weil ER auf den Schwur achtet, den ER euren Vätern geleistet hat, deshalb hat der HERR euch mit starker Hand herausgeführt und euch aus dem Sklavenhaus freigekauft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

Daran sollst du erkennen: Jahwe, dein Gott, ist der treue Gott; noch nach tausend Generationen achtet er auf den Bund und erweist denen seine Huld, die ihn lieben und auf seine Gebote achten.

 


John Knox: Der radikalste Prediger und Kirchengründer des Protestantismus

Von Felizitas Küble

Dieser Beitrag unserer CF-Redaktionsleiterin ist in der neuen Ausgabe der Zeitschrift „Theologisches“ (Juni 2017) erschienen – dort unter dem Titel: „John Knox: Vom katholischen Priester zum Wegbereiter der Reformation in Schottland“:

Wenn im Zuge des Reformationsgedenkens von den großen Gestalten des frühen Protestantismus die Rede ist, wird meist auf Luther, Calvin und Zwingli verwiesen, weniger auf den wortgewaltigen Prediger John Knox aus Schottland (siehe Foto: Buchtitelbild).

Der theologische Widersacher der katholischen Regentin Maria Stuart gilt als entscheidender Wegbereiter und Organisator der calvinistisch orientierten Reformation in Schottland.

Knox starb vor 450 Jahren, am 24. November 1572 in der bekannten schottischen Stadt Edinburgh. Das Online-Portal „Ökumenisches Heiligenlexikon“ verweist auf seinen Gedenktag am 24. November im evangelischen liturgischen Kalender. In seiner schottischen Wirkungsstätte Edinburgh erinnert eine Statue in der St.-Giles‘-Kathedrale an diese streitbare Schlüsselfigur der Reformation.

In Genf, wo sich Knox jahrelang aufhielt, wird er in einem Relief bzw. Reformationsdenkmal als markante Steinfigur verewigt: Es zeigt den vom katholischen Glauben abgefallenen Geistlichen predigend vor dem Hofstaat Maria Stuarts, deren tragisches Leben von viel Pech und Pannen geprägt war. In Deutschland ist das glücklose Schicksal dieser Herrscherin vor allem durch Schillers bewegendes Drama „Maria Stuart“ bekannt geworden   –  man kann wohl sagen, dass der schwäbische Dichter sie dadurch zur „Königin der Herzen“ etablierte.

Der rabiate Protestant, dessen Geburtsjahr nicht sicher feststeht (die Spekulationen reichen von 1505 bis 1514), wurde in der Nähe der schottischen Stadt Haddington als Sohn einer Handwerkerfamilie geboren. Nach dem Studium von Theologie und Kirchenrecht wurde er 1530 zum Priester geweiht. Er arbeitete zunächst als Hauslehrer in verschiedenen Adelsfamilien; wandte sich aber Anfang der 1540er Jahren mit zunehmendem Eifer und Übereifer einem rigiden Protestantismus zu.

Bereits 1547 erklärte er in Predigten, der Papst in Rom sei das dämonisch inspirierte „Tier“ und der Gegenspieler Gottes, wobei er sich auf seine Auslegung der Johannes-Apokalypse und des alttestamentlichen Buches Daniel berief.

Prof. Dr. Ronald G. Asch schreibt in der populärwissenschaftlichen historischen Zeitschrift „Damals“ (Nr.5/2017) über diesen Reformator: „Er ließ sich in der Schärfe seines Antikatholizismus von niemandem überbieten. Seine militante Haltung wurde noch gesteigert durch sein persönliches Schicksal.“

Tatsächlich kam der Prediger im Jahre 1547, als französische Truppen die schottische Garnison St. Andrew besetzten, für zwei Jahre als Galeerenhäftling auf ein Kriegsschiff. Nach seiner Freilassung wurde er Pfarrer in Berwick, einer englischen Stadt in der Grenzregion zu Schottland. Dort vertiefte er sich weiter in seine theologischen Studien und sah sich zunehmend in der Rolle eines alttestamentlichen Propheten, der dazu auserwählt war, „Götzendienst “und gottlose „Greuel“ radikal auszurotten, wozu er die heilige Messe und die katholische Marien- und Heiligenverehrung rechnete.

Der wachsende Einfluss des rigiden Reformators

Er gehörte zu den  –  von Martin Luther noch klar abgelehnten  –  „Bilderstürmern“ und rief dazu auf, religiöse Statuen und Gemälde in den katholischen Gotteshäusern zu zerstören, was vor allem im Süden Schottlands von einer aufgebrachten Volksmenge auch häufig durchgeführt wurde und natürlich zur künstlerischen Verarmung jener Gegenden führte. (Die nördlicheren schottischen Berglande, die sog. „Highlands“, wurden nicht so stark in den Strudel der Reformation hineingezogen; das dortige bodenständige Kirchenvolk hielt länger am katholischen Glauben fest – teils bis heute.)

Seine Predigten und Schriften blieben nicht ohne Wirkung auch auf die englische Krone. Während der König Heinrich VIII. weniger aus religiösen Gründen, sondern vor allem deshalb von der katholischen Kirche abfiel, weil er sich wegen Ehebruch und Ehescheidung im Konflikt mit dem Papst befand, wurde in der Folgezeit das Bekenntnis zum Protestantismus auch theologisch bekräftigt, wobei der Einfluss von John Knox, der mittlerweile zum Hofkaplan aufstieg, auf den jungen König Eduard VI. nicht zu unterschätzen ist.

Nach der Thronbesteigung der katholischen Maria Tudor war sein Wirken in London beendet. Knox floh nach Frankfurt und Zürich, reiste zwischendurch in seine frühere Gemeinde Berwick zurück, bis er sich ab 1559 für längere Zeit als Prediger in Genf niederließ.

Dort fand er in dem rigiden Reformator Johannes Calvin (1509 – 1564) einen inspirierenden Vor- und Weiterdenker, wobei er dessen radikale Prädestinationslehre bzw. das Dogma vom „doppelten Ausgang“ übernahm, wonach das jenseitige Schicksal jedes Menschen durch Gott von Ewigkeit her festgelegt und vorherbestimmt sei. Knox wirkte entscheidend an der sog. „Genfer Bibel“ (einer englischen Bibelübersetzung) mit, später gehörte er zu den maßgeblichen Verfassern der „Confessio Scotica“, einer schottischen Bekenntnisschrift, die 1560 vom dortigen Parlament verabschiedet wurde. Dieses Ereignis gilt als definitive Weichenstellung und Gründungsurkunde der reformierten „Church of Scotland“.

Knox ist der theologisch entschiedenste Widerpart der katholischen Königin Maria Stuart, die er vor allem deshalb verabscheute, weil sie persönlich an der katholischen Messe festhielt und sie weiterhin in ihrer Privatkapelle besuchte, wenngleich die Monarchin in ihrer amtlichen Regierungspolitik auf Toleranz und konfessionellen Ausgleich bedacht war; sie versuchte, im Sinne eines „Religionsfriedens“ zu wirken, um eine konfliktreiche Spaltung ihrer Untertanen und die Gefahr eines Bürgerkriegs zu verhindern.

Allerdings stand damals in Schottland auf Betreiben von Knox und weiteren protestantischen Eiferern allein schon auf den Besuch der heiligen Messe die Todesstrafe  –  daher der Zorn auf die Königin, weil diese sich in ihrem Privatleben über dieses Verbot hinwegsetzte.

Selbst das amtliche evangelische Internetportal „Evangelisch.de“ weiß nicht nur Positives über Knox zu berichten. Im dortigen Artikel „Die wichtigsten Reformatoren: John Knox“ heißt es beispielsweise: „John Knox ist unbeugsam und radikal. So predigt er heftig gegen Maria Stuart und fordert gar ihren Tod.“

Stefan Zweig: Fanatische Demagogie bei John Knox

Das Portal erinnert sodann an den jüdischen Dichter Stefan Zweig und dessen bekannte Romanbiographie über die katholische Regentin:

„Wohl deshalb beschreibt ihn der Schriftsteller Stefan Zweig in seinem Roman über Maria Stuart als einen „Meister der religiösen Demagogie“ und den „vielleicht vollendetsten Typ des religiösen Fanatikers, den die Geschichte kennt. Knox sei „der eisenköpfigste, zelotischste, unbarmherzigste aller Kirchengründer und seinen eigenen Lehrer Calvin an Unerbittlichkeit und Unduldsamkeit noch übersteigend.“

Man muß freilich nüchtern sehen, dass die Einführung der calvinistischen Reformation in Schottland und damit die Gründung der presbyterianischen Konfession (die auch in den USA weite Verbreitung fand) nicht ohne Mitschuld von katholischer Seite erfolgt ist. Der zunehmende Verfall kirchlicher Sitten und Strukturen war unübersehbar:

In jener Zeit befand sich der moralische Level und die Bildung des Klerus vielfach auf einem erbärmlichen Niveau, manche Geistliche konnten nicht einmal lesen und schreiben; die Kirchenpolitik der schottischen Hierarchie agierte von nachlässig bis machtgierig. Auch die rückschrittlichen sozialen Verhältnisse bargen eine revoluzzerische Sprengkraft in sich.

Dazu gehörten auch die halb-anarchischen Clan-Strukturen im Schottland des 16. Jahrhunderts, die vor allem die Hochlandregionen unsicher machten. Die katholischen Monarchen, seien sie weiblich oder männlich, waren in der vorreformatorischen Zeit meist schwache Figuren, viele starben eines gewaltsamen Todes.

Nicht selten wurden sie schon im kindlichen Alter in ihre königliche Rolle hineingedrängt und waren hoffnungslos überfordert; sie konnten sich gegen einflußreiche Adelscliquen und eigenmächtige Clanchefs nicht durchsetzen. Freilich erleichterte gerade dieses Feudalsystem zugleich die Einführung des Protestantismus, zumal viele Fürsten sich gerne am Kircheneigentum bereicherten und sich auch dort theologische Anliegen mit weltlichen Interesse verknüpften.

Die beiden katholischen Monarchinnen mit dem Vornamen „Mary“ sah John Knox als eine Art Wiedergeburt der Jesebel an, jener aus dem heidnischen Phönizien stammenden Königin aus dem Alten Testament, welche im alten Israel den Götzendienst wieder einführen wollte und den Propheten Elias bzw. Elija verfolgte. Er steigerte sich gleichsam in die Sendung eines neuen „Elias“ hinein, der Maria Stuart und ihrer königlichen Mutter Mary die „prophetische“ Stirn bieten musste, zumal ihm der Katholizismus als neuheidnische Greuelreligion erschien.

Daher sah er in einem Aufstand gegen von ihm als „frevelhaft“ empfundene Herrscher nicht nur kein Problem, sondern eine vom Himmel auferlegte Verpflichtung und erklärte: „Die Propheten Gottes lehren manchmal Verrat an Königen – und doch sündigt weder der Prophet gegen Gott,  noch derjenige, der seinem Wort gehorcht, das er im Namen Gottes gesprochen hat.“ 

Für eine moderate Haltung im Sinne eines erträglichen Konfessionsfriedens hatte er nichts übrig; er warnte stattdessen seine Anhänger: „Der Bund zwischen Gott und uns wird nicht unversehrt bleiben, wenn wir Götzendiener gutheißen, uns ihnen anschließen oder nachsichtig mit ihnen umgehen.“ (Quelle: Knox, Works, III. Band, S. 184,187).

Knox ließ sich selbst von dem ansonsten rigiden Johannes Calvin nicht mäßigen, der ihm in dieser Angelegenheit mehr Besonnenheit und Realitätssinn empfohlen hatte.

Zelotischer Aufruf gegen Frauen als Herrscherinnen

Wie wenig er bereit war, seinen vermeintlich „prophetischen“ Feuereifer zu zügeln, zeigte sodann sein nächster und zugleich bekanntester Paukenschlag, nämlich eine extrem frauenfeindliche Streitschrift mit dem Titel „The first blast of the Trumpet against the monstrous regiment of women“  –  zu deutsch: „Der erste Trompetenstoß gegen die entsetzliche Herrschaft der Frauen“ von 1558. 

Das rabiate Pamphlet war selbst für die damalige patriarchalisch geprägte Gesellschaft der frühen Neuzeit sehr gewöhnungsbedürftig, gab es doch seit Jahrtausenden – und zudem auch im Alten Testament – weibliche Regentinnen in nicht geringer Zahl, etliche davon wurden von der katholischen Kirche heilig gesprochen oder als Selige verehrt.

Knox ereiferte sich in seinem Rundumschlag grundsätzlich gegen die, wie er schrieb, „unnatürliche Herrschaft“ bzw. „schändliche Gynäkokratie“ von Frauen, denen weder „Vernunft“ noch „Besonnenheit, ihre Gefühle zu mäßigen“ eigen sei; er stritt ihnen den nötigen Verstand, die charakterliche Reife und alle Führungsqualitäten rundweg ab. Der Autor rief in diesem Falle sogar unverhohlen zum gewaltsamen Widerstand, ja zum „Tyrannenmord“ auf.

Sein Angriff auf die Monarchinnen zielte zwar in erster Linie gegen katholische Königinnen der Stuarts, richtete sich aber in seiner „theologischen“ Kampfansage prinzipiell gegen jede weibliche Regentschaft mit der Begründung, Frauen, die über Männer regieren, seien ein „Ungeheuer der Natur“.

Natürlich war die mächtige anglikanische Königin Elisabeth I. von diesem martialischen Werk wenig „amused“. Wenngleich sie mit Knox die katholische Kirche und das Papsttum zu Rom ablehnte, sägte der schottische Reformator mit dieser Streitschrift auch an dem Ast, auf dem sie immerhin selber sass. Zudem ging ihre Ära als „goldenes Zeitalter“ in die Geschichte ein  –  mag es sich dabei teils um ein verklärtes Bild im nachhinein handeln, so bewies die letzte Tudor-Königin jedenfalls, dass den Frauen die nötigen Regierungstalente durchaus nicht abgehen.

Knox hingegen war nicht zu bremsen, er wetterte weiter gegen die hl. Messe als „allerteuflischsten Götzendienst“ und rief in seinem „Trompetenstoß“ sogar zur Ermordung nicht „nur“ der Stuart-Monarchinnen, sondern aller katholischer Priester und aktiver „papistischer“ Laien auf:

„Ich scheue mich nicht zu bekräftigen, dass es die Pflicht der Adligen, Richter, Herrscher und des Volkes gewesen wäre, nicht nur Mary Widerstand zu leisten, jener Isebel, die sie ihre Königin nennen, sondern sie auch mit allen ihren Götzenpriestern mit dem Tod zu bestrafen, zusammen mit all denen, die ihr zu der Zeit Hilfe geleitet haben, als sie das Evangelium unterdrückten…“   (Quelle: Knox, Works, Band IV., S. 507).

Bei aller berechtigten Kritik an Knox soll freilich nicht übersehen werden, dass seine Reformation auch einige positive Wirkungen zeitigte, etwa jene „Bildungsoffensive“, die nicht zuletzt aus dem Knox-Aufruf zur persönlichen Bibellektüre entstand. Dadurch wurden zahlreiche Volksschulen errichtet und die Alphabetisierung der Bevölkerung vorangetrieben.

Im Vergleich zu manchen diesbezüglich stark zurückgebliebenen katholischen Regionen wie etwa Portugal war dies zweifellos ein zivilisatorischer Fortschritt. Zugleich begünstigte sein presbyterianisch geprägtes Kirchentum (Kirchengemeinden werden von den durch die Gläubigen gewählten Ältesten bzw. „Presbytern“ geleitet) die Beliebtheit demokratischer Prozesse auch im politischen Bereich. 

Sodann zur berühmten und teils als Geiz karikierten Sparsamkeit der Schotten: Diese dürfte nicht allein auf äußeren Notwendigkeiten beruhen (z.B. der Kargheit der Böden des Berglandes oder einer wenig ausgeprägten Stadtkultur), sondern auch mit jenem calvinistischen Arbeitsethos zusammenhängen, das auch den Protestantismus in den USA vielfach geprägt hat. Johannes Calvin sah den Arbeitseifer als strikte Pflicht aller Gläubigen an, Verschuldung wurde als Schande und Sparsamkeit als wichtige Tugend betrachtet. Bekanntlich begünstigte diese Haltung den Geist des Kapitalismus mit all seinen Vor- und Nachteilen.

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass es sich bei Knox zweifellos um den am  meisten fanatischen Theologen der Reformation handelt, der in seiner Wut und seinem Wahn nicht einmal vor einer extrem frauenfeindlichen Streitschrift und massenmörderischen Appellen zurückschreckte. Angesichts dessen erstaunt es nicht wenig, dass der evangelisch-kirchliche Kalender diesen militant denkenden Polemiker  – wie eingangs erwähnt –  mit einem eigenen Gedenktag am 24. November würdigt.

Felizitas Küble, Münster –  Mail: felizitas.kueble@web.de


Lina Barouch spricht am 13. Juli in Hamburg über deutsch-hebräische Sprachwelten

Am Donnerstag, den 13. Juli 2017,  hält Lina Barouch einen Vortrag über das Thema: „Zwischen Deutsch und Hebräisch. Über die „Gegensprachen“ von Gershom Scholem, Werner Kraft und Ludwig Strauss“. – Im Anschluß findet ein Gespräch statt.

Zwei Sprachen, zwei kulturelle Identitäten? So einfach ist es nicht. Es gibt ein „Dazwischen“, eine Zone des Unbenennbaren, des Schweigens zwischen den Sprachen. Umso mehr, wenn ein durch Emigration und Vertreibung erzwungener Sprachwechsel hinzukommt – ein heute wieder sehr aktuelles Thema.

Ausgehend von Paul Celans Rede vom „Gegenwort“ hat Lina Barouch mit dem Begriff einer „Gegensprache“ das Schreiben der drei deutsch-jüdischen Autoren Gershom Scholem, Werner Kraft und Ludwig Strauss  im sprachlichen Spannungsfeld zwischen Deutsch und Hebräisch untersucht.

Alle drei waren – wie Scholem 1923 freiwillig oder wie Kraft und Strauss nach 1933 gezwungenermaßen – aus Deutschland ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina ausgewandert.

Auf die damit verbundene Sprachkrise antworteten die Schriftsteller und Dichter auf jeweils sehr unterschiedliche Weise mit der einzigartigen Entwicklung einer „Gegensprache“, die dazu verhalf, die Erfahrung der eigenen sprachlichen Marginalisierung im spannungsvollen Verhältnis der zwei Sprachen kreativ zu gestalten. Dabei geht es sowohl um kulturelle Kontaktzonen als auch um Unüberbrückbares zwischen diesen Sprachen.

Lina Barouch ist Literaturwissenschaftlerin mit dem Schwerpunkt deutsch-jüdische Literatur; sie arbeitet im Franz-Rosenzweig-Minerva-Forschungszentrum für deutsch-jüdische Kultur an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Vortrag und Gespräch am Donnerstag, den 13. Juli 2017, um 20 Uhr

Ort: Jüdischer Salon am Grindel e.V.
Grindelhof 59 in 20146 Hamburg

Quelle: Israelische Botschaft in Berlin