Charismatische Handauflegung aus biblischer Sicht

Von Stefan Vucina

Eine der zentralen Praktiken der Pfingstbewegung und der weltweiten Charismatischen Erneuerung (CE) ist das Auflegen der Hände zum „Heilen“ von Krankheiten oder zur Ausgießung oder Vermittlung des „Heiligen Geistes“. In der Esoterik wird das Auflegen der Hände ebenso praktiziert, mit dem Ziel, durch „kosmische Energien“ bzw. „kosmische Heilkraft“ Kranke zu heilen.

Anhand der Heiligen Schrift will ich nun aufzeigen, dass das Auflegen der Hände von Gott her nur einem bestimmten Personenkreis innerhalb der Kirche vorbehalten und nicht für jedermann bestimmt ist.

Nach Mt. 19,13ff., Mk. 6,5, Mk. 8,23ff., Lk. 4,40, Lk. 13,13 praktizierte Jesus Christus als Apostel1, Bischof2 und Priester3 das Händeauflegen zur Heilung der Kranken. Nach Mk. 16,15-18 sagte Jesus zu seinen elf Aposteln für die Zeit nach dem Pfingstereignis (4):

 „Geht hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet werden; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. Nebenher aber werden den Glaubenden diese Zeichen folgen: In Meinem Namen werden sie Dämonen austreiben, in neuen Sprachen reden und Schlangen aufheben; wenn sie etwas Tödliches trinken, soll es ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, so daß Heilung erfahren.“

Wenn wir diesen Text genau lesen, dann erkennen wir drei Details, die den Personenkreis, den Jesus in Mk. 16,17f . bezeichnet, genau eingrenzen. Zunächst trägt der HERR seinen Aposteln auf, „in alle Welt“ zu gehen, „das Evangelium“ zu predigen und zu taufen – und die, die durch sie zum Glauben kommen und getauft sind, würden durch Auflegung der Hände Kranke heilen. Dazu müssen also drei Bedingungen erfüllt sein:

 1.) Sie müssen durch die Apostel bzw. die Kirche zum kirchlichen Glauben kommen bzw. von der Kirche im Glauben unterwiesen werden, ihn annehmen und ihn vertreten.

Das geschieht weder in der Esoterik noch in der Pfingstbewegung und der CE innerhalb des Protestantismus. Selbst innerhalb der „katholischen“ CE geschieht das nicht, weil auch hier Ansichten vertreten werden, die nicht mit der Lehre der Kirche und der Heiligen Schrift vereinbar sind, z.B. ein Verständnis von „Geistestaufe“, das letztlich wider den  Heiligen Geist gerichtet ist, den wir nur durch Taufe und Firmung erhalten (vgl. Apg. 8,12-17).

2.) Sie müssen nach Mt. 28,19 „im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ mit Wasser getauft sein (vgl. Apg. 8,35-39)

In der Esoterik, der Pfingstbewegung und in der protestantischen CE wird dagegen in der Regel nicht getauft; hier wird nur die sog. „Geisttaufe“ praktiziert. Selbst in der CE innerhalb der kath. Kirche gibt es Charismatiker, die meinen, die Wassertaufe sei nicht heilsnotwendig.

3.) Ihnen müssen die Zeichen und Wunder nebenher folgen!

Während bei denen, die Christus meint, die Zeichen und Wunder nebenher folgen, diese Zeichen und Wunder also nur eine Nebenerscheinung bleiben, stehen „Zeichen und Wunder“ bei den Esoterikern, Pfingstlern und in der weltweiten CE im Vordergrund und Mittelpunkt! Das genaue Gegenteil dessen, wovon Christus sprach.

Das bedeutet, dass Christus seine Aussage weder auf  Esoteriker noch auf  Pfingstler noch auf die CE bezogen hat. Christus hat in seiner Aussage die Grenzen genauestens abgesteckt.

Wenn wir im NT weiterforschen, stoßen wir auf insgesamt zehn Stellen, die vom Händeauflegen sprechen. Nach diesen Bibelstellen wurden die Hände immer von Personen aufgelegt, die Glieder der Kirche und dafür autorisiert waren. So zB. durfte niemals  ein Laie dem Getauften zur Firmung die Hände auflegen, weil er kein Apostel bzw. Bischof5 war!

Nach Apg. 8,12 war der auch Diakon lediglich dazu bevollmächtigt, zu evangelisieren und zu taufen, aber nicht zu firmen. Dies durften nach Apg. 8,14-17 nur die Bischöfe tun!

Das Auflegen der Hände wurden nach dem NT von autorisierten Personen der Kirche zum Zweck der Einsetzung von Personen in kirchliche Ämter (Apg. 6,6; 13,2f.; 1 Tim. 5,19-22), zum Zweck der Firmung (Apg. 8,14-17; 19,6; 1 Tim. 4,14 + 2 Tim. 1,6) und zum Zweck der Heilung (Apg. 9,12 + 17; 28,8) aufgelegt.

Der Firmung durch den Bischof ging immer die Wassertaufe voraus, mit Ausnahme beim Haus des Heiden Kornelius (Apg. 10,44-48)6!

Nach Apg. 9,10 gab es ebenso einen Ausnahmefall, dass ein Jünger der Kirche, ein Laie, die Hände zum Zweck der Heilung auflegen durfte. Das allerdings war gemäß dem NT kein Massenphänomen wie es in der Esoterik, in Pfingsbewegung und in der weltweiten CE der Fall ist!

An dieser Stelle zeigt sich wie auch in Apg. 8,14-17, dass der Laie nicht befugt war, die Firmung zu spenden, er durfte Paulus ausnahmsweise nur die Hände zur Heilung auflegen und ihn taufen, aber nicht firmen. Dass das Heilen (auch durch Händeauflegen) sonst nur den Bischöfen und Priestern vorbehalten war und ist, ersieht man aus Jak. 5,14f.:

Ist jemand krank unter euch, er rufe die Presbyter (Priester) der Gemeinde zu sich, und sie mögen über ihn beten und ihn mit Öl salben im Namen des Herrn. Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken heilen, und der Herr wird ihn aufrichten, und wenn er Sünden begangen hat, wird ihm vergeben werden.“

Jakobus, vom Heiligen Geist inspiriert, fordert die Gläubigen der Kirche nicht dazu auf, zu  Charismatikern zu gehen, oder dazu, sich gegenseitig die Hände aufzulegen, um wieder gesund zu werden, sondern er verweist ausdrücklich auf das Sakrament der Krankensalbung durch eingesetzte Priester und Bischöfe.

Mit dieser Aussage des hl. Jakobus wird deutlich, welche Personen Jesus in Mk.16,18 gemeint hat: die Priester und Bischöfe! Die Heilige Schrift zeigt uns also sehr genau, wer befugt ist, Hände aufzulegen und wer nicht:  befugt sind nur die Bischöfe und Priester im Sinne einer sakramentalen Handlung!

Wie aber das Beispiel Ananias zeigt, kann es vereinzelt kirchliche Laien geben, die vom HERRN dazu ausersehen werden, durch Händeauflegen zu heilen. Das bleiben aber sehr seltene Ausnahmen. Deshalb geht das, was wir in der Esoterik, Pfingstbewegung und in der Charismatischen Erneuerung sehen, nicht mit der Heiligen Schrift konform.

Hier wird das genaue Gegenteil von dem praktiziert, was die Bibel über das Auflegen der Hände sagt:

– Das Hände-Auflegen wird auch außerhalb der Kirche praktiziert
– Es wird massenweise von Laien praktiziert
– Es ist keine Nebenerscheinung, sondern steht im Vordergrund und im Mittelpunkt

Und die „Zeichen und Wunder“, die gewirkt werden, sind nicht göttlich bewirkt, sondern lediglich menschlich-psychologisch bedingt oder u.U. satanischen Ursprungs, weil Gott nicht außerhalb seiner eigenen, selbst eingesetzten Ordnung wirkt.

Die Heilige Schrift fordert Kranke nicht dazu auf, Charismatiker aufzusuchen, sondern den Priester, um von ihm die sakramentale Krankensalbung zu empfangen. Bitte beachten Sie, dass es auch charismatisch wirkende Priester gibt. Wenn Sie in Ihrer Gemeinde einen solchen Geistlichen haben, bestehen Sie nach Jak. 5,14f. auf der sakramentalen Krankensalbung!

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(1) Joh. 20,21; Hebr. 3,1.
(2) 1 Petr. 2,25.
(3) Hebr. 3,1.
(4) Apg. 1,1-8
(5) Nicht nur die Nachfolger der Apostel waren Bischöfe, sondern als Stellvertreter und Repräsentanten Christi auch die Apostel selbst: vgl. Apg. 1,20.
(6) Dass Gott den Heiligen Geist auf Kornelius und sein Haus noch vor der Taufe sandte, war nur ein Ausnahmefall, mit dem Gott den Judenchristen sagen wollte, dass auch die Heiden, die im Herzen an Christus glauben, von ihm angenommen sind und getauft und gefirmt werden sollen.