Satanismus und Exorzismus heute

Vortrag von Pater Lothar Groppe SJ am 6.7.2010  in Ratzeburg

Wenn wir über Exorzismus sprechen, müssen wir uns zunächst darüber klar sein, was ihm vorausgeht bzw. wann der Exorzismus zum Tragen kommt. Es handelt sich bei ihm darum, jemanden, der im weiteren Sinn von übernatürlichen Kräften, welche die Verfügungsgewalt über die eigenen psychischen Funktionen beschränkt, ergriffen ist, hiervon zu befreien.

Im engeren Sinn ist  Besessenheit der Zustand, der durch die teilweise Beherrschung der psychischen Tätigkeiten durch persönliche, menschen- und gottesfeindlichen Wesen herbeigeführt wird. Die Einwohnung  höherer Kräfte wird in Zauberei und Wahrsagen menschlichen Absichten dienstbar gemacht; der Besessene gilt sehr oft als zaubermächtig oder zum Schamanen oder Medizinmann   besonders befähigt  – so die Erklärung des LThuK (Lexikon für Theologie und Kirche).

Beim Thema Besessenheit, Teufel und Exorzismus scheiden sich bei Psychiatern, Psychotherapeuten, Psychologen und Theologen beider Konfessionen die Geister:

Manche lehnen dies Gebiet als „Quatsch“ ab, denn nach Ansicht nicht weniger „moderner“ Theologen und Wissenschaftler darf es Dämonen nicht geben. Andere bejahen die Tatsache der Besessenheit – so der Saarländer Theologe Markus Birkenheuer, der den Teufel für eine personale Realität hält.  Er vertritt die Ansicht, daß man das Böse mit rationalen und medizinisch-psychologischen Erklärungen  allein nicht überwinden kann. Der Freiburger Dogmatiker Joseph Schumacher, der in meinen Ausführungen weitgehend zu Wort kommt, vertritt ebenfalls die Realität des Teufels als persönliches Wesen.

Die katholische  Kirche hält nach dem Zeugnis des NT an der Möglichkeit der Besessenheit fest und versteht diese als einen außergewöhnlichen, von Gott zugelassenen Einfluß des Teufels über den menschlichen Leib.

Wie Sie vielleicht wissen, hat der katholische Theologe Herbert Haag dem Teufel  den Abschied gegeben, aber die Kirche hält an seiner Existenz fest. Die Berichte über Dämonenaustreibungen finden sich an zahlreichen Stellen des Evangeliums, so etwa Mt 12, 22 ff., Lk 11, 19, Mk 9, 38 usw.

Natürlich hat der biblische Teufel nichts mit dem Kasperletheater zu tun. Möglicher-weise hat dieses dazu geführt, dass der Teufel bzw. seine Realität von „fortschrittlichen“ Menschen nicht mehr ernst genommen wird.

Wie sieht die kirchliche Praxis zur Überwindung der Besessenheit aus?

In den ersten christlichen Jahrhunderten trieben nicht nur Priester, sondern auch einfache Gläubige den Teufel aus. Die Gabe der Teufelsaustreibung, des Exorzismus, wurde als besonderes Charisma betrachtet  – so heute noch in der Ostkirche

In der römischen Kirche wurde bereits im 3. Jahrhundert das Exorzistat eingeführt. Bis zum II. Vaticanum gehörte das Exorzistat zu den vier niederen Weihen. Ich selber habe diese noch während des Philosophiestudiums erhalten (3. Stufe der niederen Weihen).

Heute bedarf die Ausübung des Exorzismus der Genehmigung durch den Bischof. Sie wird grundsätzlich allein den Priestern erteilt  –  vgl. CIC c. 1151.

Erst im 15. Jahrh. wurden die Regeln über die Behandlung von Besessenen  durch Heinrich v. Gorkum niedergeschrieben. 1614 faßte das „Rituale Romanum“  die wichtigsten Regeln zusammen.

Zunächst wurde angemahnt, Krankheit und Besessenheit nicht zu verwechseln. Als Anzeichen der Bessenheit werden angegeben: Das Verstehen fremder Sprachen; das Wissen um geheime Dinge; das Verfügen über außergewöhnliche Kräfte; die Reaktion auf den Exorzismus sowie auf heilige und geweihte Dinge, z.B. Weihwasser. Sie kennen die Redeweise, dass jemand etwas fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.

Das einzelne Zeichen allein ist noch nicht eindeutig. So könnte das Wissen um geheime Dinge auf Hellseherei zurückgeführt werden, allerdings auch auf göttliche Erleuchtung oder dämonischen Einfluß.

Wie bei einer Krankheit die  richtige Diagnose oft erst möglich ist, wenn mehrere Anzeichen zusammentreffen, etwa bei der Frage, ob eine Gehirnerschütterung nach einem Unfall vorliegt, so auch bei der Besessenheit.

Man muß bei einem Besessenen zwei Zustände in seiner Person unterscheiden: In einem Zustand ist äußerlich alles normal, so dass er seiner gewohnten Arbeit nachgehen kann.

Im anderen Zustand schaltet sich der Teufel ein. Dieser Krisenzustand kann ohne besonderen äußeren Anlaß eintreten, wird aber vor allem durch den Exorzismus erzwungen, so daß der Teufel seine Anwesenheit im Körper verraten muß.

Es treten z.B. Lähmungen auf, Taubheit, Stummheit, Blindheit, Meteorismus (Blähungen), Schmerzen und Krankheitserscheinungen verschiedenster Art. Der Körper kann sogar emporgehoben werden oder wie in Ekstase strahlen.

Der Exorzist muß den Sachverhalt der Besessenheit sorgfältig klären. Ob es sich tatsächliche um böse Geister handelt, bedarf einer theologischen Prüfung, die sich auf die Regeln zur Unterscheidung der Geister im Exerzitienbuch des hl. Ignatius stützt.

Nach den Weisungen des Rituale soll er durch Fragen ermitteln, ob ein oder mehrere Teufel anwesend sind, wie ihre Namen heißen, warum es zu dieser Besessenheit kam, was der von Gott zugelassene Zweck derselben ist und an welchem Tag und zu welcher Stunde sie beendet sein wird.  Die kirchliche Praxis geht von der Voraussetzung aus, dass der oder die Teufel diese Fragen wahrheitsgemäß beantworten müssen.

Neugieriges Fragen nicht erlaubt

Alle anderen Fragen, die nicht zu dieser Klärung beitragen, etwa aus Neugier, verbietet das Rituale ausdrücklich.

Je nachdem, ob es sich bei Besessenheit um Strafe für eine Schuld oder um die Auswirkungen eines Fluches handelt, oder lediglich um eine Prüfung  (passive Reinigung), muß der Exorzist anders vorgehen.

Erst wenn der Zweck, zu dem Gott die Besessenheit zuließ, erreicht ist, kann der Schlußexorzismus gesprochen werden. Während des Ausfahrens wird der Körper des Besessenen heftig hin und her gezerrt.

Dies alles klingt möglicherweise  abstrus, aber es ist schon ein merkwürdiges Phänomen, daß Teufel und Dämonen innerhalb der Kirche mehr und mehr an die Peripherie gerückt  oder nur symbolisch verstanden werden, während das Interesse daran außerhalb der Kirche in auffallender Weise wächst.

Satanismus als neue Anti-Religion

Wie der Freiburger Dogmatikprofessor Joseph Schumacher in einem Vortrag (am 16.2.2000 in Meran) über „Das Wirken dämonischer Kräfte – Satanismus“ ausführt, bieten sich Satanskult und Satanismus als Alternative zum Christentum wie eine neue Religion an. Ich stütze mich nun weitgehend auf seinen Vortrag.

In der Hinwendung zum Teufel und zu Dämonen suchen viele Hilfe und Trost in der Monotonie des Alltags, in der Resignation und Verzweiflung angesichts der nicht beantworteten Sinnfrage.

Mats Wilander, einst großes Tennis-As aus Schweden, sagte in einem Interview: „Man hat das Gefühl, in einem Sandkasten herumzuspielen – und der, der das schönste Sandschloß baut, gewinnt. Wir trainieren und spielen, ohne zu wissen, wo wir sind. Es klingt natürlich toll, sich ein Schloß zu bauen, acht Stunden am Tag Golf zu spielen und teuer essen zu gehen, aber das ist alles so sinnlos.“

Nach Professor Schumacher ist für ungezählte Jugendliche, aber nicht nur für sie, der Satanismus zu einer geschätzten Droge geworden, die ekstatisches Erleben vermittelt.  In sog. „schwarzen Messen“ wird diese Art von Anti-Religion geradezu zelebriert.

In einem langen Gespräch mit ihm habe ich die Frage geklärt, ob Besessenheit und Satanismus identisch sind. Das sind sie nicht. Vielmehr liegt bei echtem Satanismus – also nicht etwa bei bloßer Neugier, was da vor sich geht – Besessenheit vor. Aber der Besessene ist nicht gleich Satanist.

Exorzismus nur bei einem Einzelnen erlaubt

Die Vornahme des Exorzismus darf nur in einer Kirche oder Sakristei vorgenommen werden und zwar  unter Ausschluß der Öffentlichkeit und dann nur bei einem Einzelnen.

Der Bischof kann die Anwesenheit eines Familienangehörigen genehmigen. Sonst erfolgt sie strikt unter Ausschluß der Öffentlichkeit, um Sensationsgier vorzubeugen. Ihnen ist vielleicht bekannt, daß der afrikanische Erzbischof Milingo sich als „Massenexorzist“ betätigte. Zu ihm kamen angeblich Besessene gleich in Omnibussen. Er wurde später vom Vatikan in den Laienstand versetzt.

1995 erschien in Augsburg das „Schwarzbuch Satanismus“, das den gegenwärtigen Satanismus in seinen verschiedenen Schattierungen untersucht und darstellt .Darin stellen die Autoren, die Brüder Guido und Michael Grandt, fest, dass die Satanismus-Szene zu wenig von der Öffentlichkeit beachtet  wird und daß es allgemein an der nötigen Aufklärung fehlt.

Nachdrücklich weisen die Verfasser auf den rituellen Mißbrauch von Kindern im Satanismus und auf die Kriminalität des Treibens von Satanisten hin. Es sind erschütternde Fakten bekannt. Guido und Michael Grandt sprechen geradezu von einer „organisierten Verschwörung der Satanisten.“:  „Im Dezember 1989 gab es in Köln eine groß angelegte Selbstdarstellung des Satanismus, die erste nationale Schwarze Messe.“

Immer wieder berichten Zeitungen von Verbrechen mit satanistischem Hintergrund. Angesichts der Leugnung von Teufeln und Dämonen bei Christen und angesichts des schwindenden Einflusses des Christentums in der Öffentlichkeit entsteht in der Hinwendung zum Satanismus so etwas wie eine religiöse Gegenkultur.  Viele verschließen die Augen davor.

Nach Professor Schumacher sollen sich in Deutschland rund 2 Millionen Jugendliche in Kulten und Sekten organisiert haben, von denen sich nicht wenige zu satanistischen Ideen bekennen.

Nach Einschätzung der „Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ treffen sich mehr als 10.000 Jugendliche regelmäßig zu „schwarzen Messen“. Sehr viel größer ist die Zahl der Jugendlichen, die irgendwann mit satanistischen Ritualen in Kontakt gekommen sind, sich jedoch wieder davon abgewandt haben.

Das mag Ihnen vielleicht allzu phantastisch vorkommen, aber bei meiner Beschäftigung mit Friedrich von Spee, dem mutigen Bekämpfer des Hexenwahns, stieß ich u.a. auf Berichte in der „Welt“ (8.8.1985), in denen es heißt, daß heutzutage Hexen, Hexenpriester und „neue Heiden“ nach einer Abkehr vom Christentum bei uns in Deutschland auf dem Vormarsch sind.

Bereits 1984  – und die Zahlen sind steigend  –  schätzten Experten die Zahl der aktiven Hexen und Satanspriester auf etwa 2500. Mehr als 25% der Deutschen seien von den übersinnlichen Kräften dieser Magier überzeugt („Welt“, 12.9.1984) Ein Jahr später berichtete „Die Welt“: „Das Heidentum ist zu einem Faktor geworden, mit dem alle Religionen  und politischen Kräfte rechnen müssen.“

„Eine Jugenddroge von heute“

In der „Welt am Sonntag“ vom 21.2.1988 heißt es: „Der Satanskult ist die Jugend-Droge von heute.“

Nach Prof. Schumacher gibt es in allen größeren Städten der westlichen Welt satanistische Gruppierungen, zum Teil auch in Entwicklungsländern, wenngleich dort in etwas anderer Färbung. In wachsendem Maß finden wir sie in den Ländern des früheren Ostblocks.

Diese Gruppen arbeiten stets mit Verächtlichmachung der Religion und Gottesverehrung, mit der Zerstörung religiöser Gegenstände und Symbole, mit Sex und Gewalt und mit Ritualisierung des Kriminellen; sie haben mitunter sogar perverse Freude am Foltern und Töten: zunächst an Tieren, dann aber auch an Menschen; ihr Weltbild ist okkult und magisch.

Satanisten sind davon überzeugt, dass der Mensch sich die jenseitige Welt verfügbar machen kann, speziell die bösen Geister. Denken Sie an „Faust“ und seinen Pakt mit dem Teufel.

Sie treten in Konkurrenz zu den etablierten Religionen – insbesondere dem Christentum –  auf. Deshalb nennen sich die Verantwortlichen in diesen Gruppen gern Priester oder Großpriester, inszenieren eine satanistische Liturgie und feiern schwarze Messen: in ihnen verbinden sie sexuelle Orgien mit grausamen Tieropfern und Kindesmißhandlungen bis hin zu sadistischen Morden. Häufig verwenden sie hierbei konsekrierte Hostien. Das ist auch einer der Gründe, warum z.B. in England  lange Zeit die Handkommunion in der kath. Kirche nicht erlaubt war.

Der Ritualmord ist in je verschiedener Gestalt ein zentrales Element des Satanismus. Vielleicht erinnern sich einige noch daran, daß am 9. August 1969 Sharon Tate, die schwangere Frau des Filmproduzenten Roland Polanski, bestialisch ermordet wurde.

1986 wurde in Lüdinghausen ein 15-jähriges Mädchen durch die satanistische Gruppe der „Luzifikaner“ ermordet, die Luzifer ein Opfer darbringen und den Einzug des Mädchens in dessen Reich beschleunigen wollten. Ein Siebzehnjähriger und eine Siebzehnjährige hatten dem Mädchen die Pulsadern aufgeschnitten (vgl. FAZ 17.10. 1987).

1993 starb in der thüringischen Kleinstadt Sondershausen ein 15-jähriger Junge unter grausamen Foltern als Opfer eines satanistischen Mordes.

1994 gingen in der Schweiz 53 Männer und Frauen der Sonnentempler-Sekte auf Geheiß ihres Anführers in den Tod, nachdem sie zuvor einen drei Monate alten Säugling geschlachtet hatten (Grandt, S. 16).

In England sollen es jährlich etwa 4000 Kinder sein, die dem „Satan“ geopfert werden. In Kalifornien sind 95% aller vermißten Kinder angeblich Opfer von satanistischen Entführungen und Morden.

Es wird von Frauen berichtet, die in das Netz der Satanisten gerieten, Jahre hindurch rituell mißbraucht und gezwungen wurden, ihre Kinder dem satanistischen Wahn zur Verfügung zu stellen. In dem 1967 in den USA erschienenen Buch „The Black Arts“ propagiert Richard Cavendish das Menschenopfer, speziell das Kindesopfer und bezeichnet es als das wirksamste Mittel zur Gewinnung des Wohlwollens des Teufels und der Dämonen.

Seit jeher gehört zum Teufelskult auch ein gewisser Vandalismus gegenüber heiligen Zeichen. Man zerstört Feldkreuze, besonders in der Karfreitagsnacht,   schändet die Eucharistie.

In Bad Schwartau wurde das Innere der Kirche mit Kot beschmiert. Im September 1987 wurden bei zwei Kirchen in Rom innerhalb von 48 Stunden Sakralgegenstände und konsekrierte Hostien entwendet.

Der „Großpriester“ der „Schwarzen Kirche Luzifers“ erklärte vor Journalisten, zwar verwende er mit seinen Leuten bei den schwarzen Messen auch konsekrierte Hostien, aber beschaffe sich diese auf legalem Wege. (DT 3.9.87)

Eine spezifische  Form des Satanismus ist der Hexenwahn. Unter „Hexen“ versteht man Frauen oder Männer, die mit dem Teufel angeblich einen Pakt geschlossen haben und denen der Teufel als Gegengabe außergewöhnliche Kräfte verleiht; sie erheben den Anspruch, mit Hilfe des Teufels und der Dämonen die Zukunft voraussagen und in Krankheit und seelischen Nöten helfen zu können.

Man hat von einem Hexenboom als einem charakteristischen Zeichen der Gegenwart gesprochen. 1984 sollen nach Angaben der „Welt“ mehr als 2500 Hexen praktiziert und ihre Dienste gegen Bezahlung angeboten haben (12.9.84)  – und 1990 bereits an die 10.000 (laut idea -Spektrum vom 26.7.90).

Ulla von Bernus aus Wüstefeld bei Rotenburg  empfiehlt sich in Zeitungsannoncen als Hexe und Satanspriesterin. Sogar im Fernsehen durfte sie auftreten. Für das Zusammenführen oder die Trennung von Menschen, insbesondere für das „Tothexen“ mit Hilfe des Satans berechnete sie bis zu 30.000 DM. Über 20 Ehemänner will sie schon „totgehext“ haben.

Zum Satanismus gehört auch der Konsum von Drogen. Der Griff nach ihnen ist heute weiter verbreitet als   gewöhnlich angenommen wird. Nach einer Umfrage in den USA sollen 50% der  befragten Teenager  sie zumindest schon ausprobiert haben, aus Spaß, aus Überredung oder um dem Alltag zu entfliehen.

Im Satanismus werden nicht nur illegale Drogen, sondern auch Medikamente als Drogen verwendet wie Amphetamine, Antidrepessiva, Beruhigungsmittel und Halluzinogene. Vor allem spielt der Alkohol im Satanismus eine große Rolle. Man darf nicht vergessen, dass auch  Alkohol  eine Droge ist, wenn auch eine gesetzlich erlaubte. Er ist am weitesten verbreitet, auch unter Jugendlichen. In Deutschland beträgt die Zahl der Alkoholkranken 3% der Bevölkerung.

Eine Langzeitstudie der Uni Bielefeld ergab, dass sich die Drogenszene in Deutschland  in bedenklichem Maß an den Schulen etabliert hat. Nach dieser Studie trinken zwei Drittel aller Neuntkläßler regelmäßig Alkohol. Jeder Dritte nimmt Haschisch oder Kokain oder starke Medikamente.

Für den Satanismus disponiert neben den Drogen der Hardrock, eine spezifische Form von überdimensional lauter Musik. Diese Musik erfreut sich heute allgemeiner Beliebtheit. Der Hardrock und seine Vorläufer (Rolling Stones) umgeben sich mit satanistischen Symbolen und in ihren Texten treten sie mehr oder weniger unverhohlen für den Satanismus ein, so jedenfalls  einige Zeit in „Bravo“. Ob dies heute noch zutrifft, konnte ich nicht erfahren.

Wenn junge Menschen in die satanistische Szene abgleiten, sind die Eltern oft ahnungs- und hilflos. Sie sind geneigt, die Anzeichen, die sie an ihren Kindern bemerken, zu bagatellisieren, etwa die Unbotmäßigkeit ihrer Tochter – oder die Verweigerungshaltung ihres Sohnes, dessen nachlassende Leistungen in der Schule als Auswirkungen der Pubertät zu betrachten. Dasselbe gilt  für eine gesteigerte Aggression und längeres Ausbleiben am Abend. Viele Eltern trösten sich damit, daß sich dies schon wieder geben werde.

Darüber hinaus gibt es fragwürdige Autoren, die den Satanismus herunterspielen. Professor Schumacher zitiert in seinem Vortrag einen Autor, der die Meinung vertritt, satanistische Rituale seien „weitaus weniger harmlos als Treppensteigen, Schwimmen oder Autofahren.“ (S. 12)

Für Jugendämter, Jugendseelsorger und Behörden des Strafvollzugs gilt, dass sie zu wenig über das Phänomen des Satanismus wissen und ihm zu wenig Bedeutung beimessen. Nicht selten glauben sie, Verbrechen im Namen des Teufels seien Handlungen von Geisteskranken. Die Geheimhaltungsdisziplin in den satanistischen Gruppierungen erschwert ungemein die Bekämpfung des Satanismus.

Nicht selten geraten Jugendliche in die satanistische Szene, weil ihre Eltern ihnen zwar alle Wünsche erfüllen, sich ihnen aber zu wenig zuwenden und niemals für sie Zeit haben. Anhänger des Satanismus kommen keineswegs nur aus zerbrochenen Familien. Neben mangelnder Zuwendung seitens der Eltern spielt das Fehlen einer religiösen Bindung eine Rolle.

Die Einführung in satanische Gruppen erfolgt für gewöhnlich über Partys, die sich wegen ihrer moralischen Schrankenlosigkeit als attraktiv erweisen. Von den entscheidenden Leuten wird dann die Angst der Neulinge vor der Öffentlichkeit in zynischer Weise ausgenutzt, um ihren Ausstieg zu verhindern

Im Satanskult ist alles erlaubt, was verboten ist

Ob der Satanismus in einer festen Gruppe existiert oder spontan und informell ist, stets stehen Sex und Gewalt im Mittelpunkt. Die Sexualität ist für den Teufel immer schon das entscheidende Medium der Zerstörung der Menschenwürde. Im Satanskult ist alles erlaubt, was verboten ist. Die Antimoral des Satanismus ist extrem egoistisch, primitiv und brutal. Jeder soll seine eigenen Wünsche egoistisch ausleben.

In einer Sendung des ZDF im April 1989 meinte ein Schüler: „Ist doch ganz logo – die einen glauben an Jesus, und die, die etwas erleben wollen, an Satan; also, was soll die ganze Aufregung?“  –  Ein anderer ergänzte: „Am besten dabei ist die geile Musik. Dafür gibt’s ja wohl keinen Ersatz.“

Spricht man junge Menschen, die dem Satanismus verfallen sind, darauf an, sagen sie, die Selbstzerstörung werde nicht weniger durch die Politik mit ihrer Korruption und ihrem heimlichen Terror sowie durch die allgemeine Gleichgültigkeit hinsichtlich des Umweltschutzes besorgt.

Sie meinen im Grunde den zerstörerischen Nihilismus, der weitgehend in der westlichen Welt herrscht und nicht wenige zugrunde richtet, unter dessen Einfluß die Satanisten selber stehen, ohne es zu wissen oder ohne es wahrhaben zu wollen.

Gerade der latente Nihilismus treibt Menschen in den Satanismus hinein. Wer sich dem Bösen überläßt, wie es im Satanismus geschieht, zerstört sein Menschsein

Im Satanismus kehrt der in der aufgeklärten Religion abgeschaffte Teufel wieder. Es ist nicht zuletzt die schwammige Religiosität, die das Christentum weithin pervertiert hat, die den Menschen jedoch letztlich in seinen Erwartungen nicht befriedigt. Viele veranlaßt er, sich enttäuscht vom Christentum abzuwenden – denken wir an die Massenaustritte aus den Kirchen – und sich seltsamen neuen oder neu-alten Kulten zuzuwenden, oft satanistisch geprägten Kulten.

Im Satanismus wird die überkommene christliche Lehre vom Teufel und den Dämonen pervertiert und verfälscht. Der Traktat über den Teufel und die bösen Geister ist gerade heute von großer Aktualität. Vgl. dagegen den Theologen Haag „Abschied vom Teufel“.

Aber das Dogma sagt: „Die Stammeltern verfielen dem Tod und der Herrschaft des Teufels.“  –  Die Herrschaft des Teufels  wird in Gen 3, 15 angedeutet und in Joh 12, 31; 14, 30; 2 Kor 4, 4; Heb 2, 14; 2 Petr 2, 19 ausdrücklich gelehrt.

Immer wieder wird – auch innerhalb der Kirche – behauptet, der Teufel sei keine Realität, sondern nur ein Bild, ein Stilmittel. Er sei nicht eine Person und es gebe keine bösen Geister. Der Teufel und die bösen Geister seien eine Metapher für das Böse in der Welt und im Herzen des Menschen.

Die eigentliche Wurzel der Leugnung der Existenz von guten und bösen Geistern liegt in der Aufklärung, die keinen Platz für Engel und Dämonen hatte. Die Leugnung hielt ihren Einzug zunächst in die evangelische (Rudolf Bultmann + 1976) und dann in die katholische Theologie. Haag argumentiert nicht exegetisch, sondern anthropologisch. Der Teufelsglaube sei anachronistisch und für den Bürger des 20. Jahrhunderts unzumutbar.

Wäre der Teufel nur eine mythische Gestalt, dann gälte dies auch für die Existenz der Hölle. Die Leugnung der Hölle widerspricht jedoch der göttlichen Offenbarung und der durchgängigen Glaubensüberzeugung der Kirche. Letztlich ist die Leugnung des Teufels so etwas wie ein Vorspiel der Leugnung Gottes.

Schon die Vernunft kann den Teufel erschließen: seine Existenz drängt sich auf angesichts der Abgründigkeit des Bösen und seiner Übermacht, speziell in der Gestalt der geistigen Destruktion, in der Gestalt der Verführung, der Desorientierung und der Selbstzerstörung des Menschen, der Verharmlosung des Bösen, der Eskalation der Gewalt, der wachsenden Brutalität und des Schwindens des Empfindens für sittliche Werte.

Es ist leicht, die Überzeugung von der Existenz des Teufels lächerlich zu machen und ihn in das Reich der Phantasie zu verweisen. Aber unleugbar ist die Flut der Unmenschlichkeit in der Welt, denken wir etwa an die zunehmende Bedrängnis und Verfolgung der Christen in islamischen Ländern, aber auch im Hinduismus…

Sie kann nur schwer allein mit der Schwachheit und Bosheit der Menschen erklärt werden. Bemerkenswert ist die weltweite Propagierung des Bösen, die mangels  Massenmedien früher so nicht möglich war.

Aus dem Drama von Carl Zuckmayer

Im Drama von Carl Zuckmayer („Des Teufels General“) fragt der junge Leutnant Hartmann sein Idol, den General  Harras: „Glauben Sie an Gott?“  – Harras muß nachdenken, die Frage kam zu unvermutet:

„Ich weiß es nicht. Er ist mir nicht begegnet. Aber das lag an mir. Ich wollte ihm nicht begegnen. Er hätte mich  vor Entscheidungen gestellt, denen ich ausweichen wollte. Ich habe an das Erdenkbare und an das Erkennbare geglaubt. An das, was man prüfen, entdecken, finden kann…Der Mensch träumt nichts, was nicht ist und war und sein wird. Wenn er Gott geträumt hat – dann gibt es Gott. Ich kenne ihn nicht. Aber ich kenne den Teufel. Den hab ich gesehen  –  Aug in Auge. Drum weiß ich, dass es Gott geben muß. Mir hat er sein Angesicht verhüllt. Dir wird er begegnen.“

Die Begegnung mit der Abgründigkeit des Bösen hat ihren Niederschlag in den meisten Religionen gefunden, sowohl in den Hoch- wie auch in den Stammesreligionen. In ihnen gibt es die Überzeugung von der Existenz und dem Wirken der Dämonen.

Thomas von Aquin (+ 1274) stellt nüchtern fest: „Die Erfahrung zeigt, dass vieles durch die Dämonen geschieht.“  (experimento enim scitur multa per daemones fieri (STh I q. 115 a.5) Die Dämonen entlasten den Menschen nicht von seiner Schuld, machen jedoch die Abgründigkeit des Bösen verständlich.

Wie man Gott nur aus seinen Wirkungen erkennen kann, so auch den Teufel und die bösen Geister. Diese Wirkungen kann man wahrnehmen, wenn man nicht die Augen vor ihnen verschließt.

Das spezifische Wesen des Teufels und der Dämonen besteht darin, dass sie eine geistige Natur haben, dass sie personal sind; sie sind mit Intellekt und Freiheit begabte Geschöpfe und im Unterschied zu den Menschen reine Geister.

Gewiss stehen  Teufel und  böse Geister nicht im Mittelpunkt der göttlichen Offenbarung, aber man kann von ihnen nicht absehen, wenn man die Botschaft der Kirche unverkürzt versteht.

Gott  hat nicht nur die sichtbare Welt geschaffen, sondern auch eine unsichtbare mit geistigen Wesen, von denen sich einige in freier Entscheidung gegen ihn gewandt haben und böse geworden sind. An ihrer Spitze steht Luzifer.

Wegen ihres vollkommeneren Seinszustandes, ihrer größeren Einsicht und Entschiedenheit gibt es für sie keine Reue und keine Umkehr, keine Vergebung und Erlösung. Sie sind verhärtet im Bösen und brennen von Haß und Neid und Verführungssucht gegenüber den Menschen

Gott hatte die Engel gut geschaffen; böse wurden sie durch eigene Schuld. Im 2. Petrusbrief heißt es: „Gott hat die Engel, die sündigten, nicht geschont, sondern in den Abgrund hinabgestürzt.“ (2,4)

Der Sündenfall der Engel ist die Geburtsstunde dessen, was wir Hölle nennen, die örtlich und zuständlich zu verstehen ist. In der bildhaften Sprache wird sie als das ewige Feuer bezeichnet. Die Kirche hat die Ewigkeit der Hölle in alter Zeit im Zusammenhang mit der Verurteilung der Apokatastsasis-Lehre (Allerlösung) des Origenes ausdrücklich definiert.

Das Zeugnis der Heiligen Schrift

Der Teufel und die bösen Geister begegnen uns immer wieder in der Hl. Schrift, besonders im NT. Das Ringen mit der Macht des Bösen gehört wesentlich zum religiösen Weg Jesu. Christus versteht sein messianisches Wirken in erster Linie als Auseinandersetzung mit dem Satan (Mk 1, 35 – 39)

Zum Kampf gegen die Dämonen bevollmächtigt er ausdrücklich seine Jünger (Mk 3, 14f.) In der Kraft des Hl. Geistes treibt er die Dämonen aus und erweist sich so als Gottes Gesandter (Mk 1, 23 – 28; 32 – 34. 3, 22 – 30.Mt 12, 28; Lk 11, 18; 10, 18)

Im KKK (Weltkatechismus) heißt es: „Das Kommen des Gottesreiches ist die Niederlage des Reiches Satans: „Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen.“ Die von Jesus vorgenommenen Exorzismen befreien die Menschen aus der Macht der Dämonen.“ (Nr. 550)

Jesus bezeichnet den Teufel als den Fürsten dieser Welt (Joh 12, 31; 14, 30; 16, 11) und als den Menschenmörder von Anbeginn  (Joh 8, 44). Vielfach wird der Anführer der gefallenen Engel (Mt 25, 41) auch Satan genannt.

Bei Matthäus Ist 11 mal vom Satan und seinen Engeln die Rede, bei Mk 13 mal, bei Lk 23 mal,  bei Joh 6 mal.  – Im Anschluß an Jes 14, 2 nennen ihn die Kirchenväter Luzifer.

Auf jeden Fall ist er nach dem Zeugnis der Hl. Schrift im Plural zu denken. Wenn er auch in der Bibel bildhaft dargestellt wird, so darf man nicht den Gehalt, die Sache, eliminieren. Man muß zwischen Aussageweise und Aussageinhalt unterscheiden (vgl. „Sonnenaufgang“ und „Sonnenuntergang“).

Nach dem Zeugnis der Hl. Schrift liegt die Wirksamkeit des Teufels zunächst im Bereich des Geistes, d.h. er wirkt in geistiger Weise auf den Willen des Menschen ein. Durch Verführung zur Sünde  versucht er dem einzelnen zu schaden, ihn zum Haß gegen Gott zu verleiten, gegen die Wahrheit, besonders gegen die Menschen und gegen alles von Gott Geschaffene. Sie verleiten dazu, sich den Trieben ungeordnet zu ergeben.

Ihr Bestreben ist es, die gute Schöpfung Gottes zu verderben. Als Widersacher Gottes und der Menschen führen sie vor allem einen unerbittlichen Kampf gegen Christus und seine Anhänger, denken wir an die Millionen Märtyrer des vergangenen Jahrhunderts.

Von ihrer Natur her sind die bösen Geister dem Menschen überlegen, aber Gott bewahrt den Gläubigen, wenn er sich an ihn wendet. Christus ist der Stärkere. Dennoch können die bösen Geister viel Unheil anrichten und sie tun es auch.

Dämonenangst  ist der Offenbarung fremd, wenngleich sie Wachsamkeit verlangt: „Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.“ (1 Petr, 5, 8 )

Eine intensivere Einwirkung des Teufels  auf einen Menschen ist die Besessenheit, die uns in den Evangelien recht häufig begegnet. Sie besteht darin, dass der böse Geist vom Leib eines Menschen gewaltsam Besitz ergreift, um die körperlichen Organe und die niederen Seelenkräfte zu beherrschen.

Nach außen wirkt der Besessene wie ein psychisch oder physisch Kranker, weshalb eine sichere Erkennung der Besessenheit schwierig, wenn nicht sogar fast unmöglich ist.

Christus hat nicht wenige Besessene geheilt. Mit Namen bekannt ist Maria Magdalena, aus der er sieben böse Geister ausgetrieben hat. Bei Mt 8, 16 lesen wir: „Am Abend brachte man viele Besessene zu ihm. Er trieb mit seinem Wort die Geister aus und heilte alle Kranken.“  – Jesus unterschied deutlich zwischen Krankheit und Besessenheit. Seinen Jüngern verlieh er die Vollmacht, böse Geister auszutreiben

Nach Überzeugung der Kirche gibt es auch heute noch Besessenheit Es ist nicht zu bestreiten, dass  es eine Nähe zwischen seelischen Krankheiten und parapsychologischen Gegebenheiten sowie der Besessenheit gibt. Das darf aber nicht dazu verleiten, allein nur noch rein natürlich zu erklären. Dagegen sprechen die Berichte der Evangelien.

Man muß sich vor kritikloser Leichtgläubigkeit ebenso wie vor rationalistischem Unglauben hüten. Nüchternheit und Skepsis sind in jedem Fall nötig. Deshalb schreibt das Kirchenrecht vor, dass beim Exorzismus in jedem Fall der Bischof einbezogen wird (CIC, can 1172).

Sodann wird im Fall einer möglichen oder vermutlichen Besessenheit immer eine Zusammenarbeit zwischen Priester und Arzt erfolgen. Handelt es sich wirklich um Besessenheit, kann man ihr nicht mit medizinisch-therapeutischen Maßnahmen begegnen, so wenig wie man mit dem Exorzismus eine physische oder psychische Krankheit heilen kann.

Es gibt dramatische und weniger dramatische Formen von Besessenheit, in der es keine physischen oder psychischen Krankheitsphänomene gibt, in der aber die Bosheit ungewöhnliche Formen annimmt. Diese Form von Besessenheit dürfte heute häufiger vorkommen als in der Vergangenheit.

Verständlicherweise kann man die Frage stellen, warum Gott die Besessenheit zuläßt. Mögliche Deutungen sind, dass sie der Läuterung der Frommen dienen, sowie der Offenbarung der göttlichen Macht. In  Einzelfällen kann sie wohl auch eine Strafe für persönliche Schuld sein. Diese Möglichkeit dürfte vor allem im Kontext mi dem modernen Satanismus zutreffen.

Wenn heutzutage die Meinung vertreten wird, die bösen Geister hätten eine übermenschliche Macht und könnten Menschen daran teilhaben lassen, was man traditionsgemäß als Teufelspakt bezeichnet  –  denken wir an Goethes „Faust“ – so trifft man diese Vorstellung in den verschiedensten Denominationen, die den Anspruch besonders intensiver Gläubigkeit erheben.

Im protestantischen Raum sind das jene Christen, die dem Pfingstlertum zuneigen, im katholischen jene, die eine starke Tendenz zu Privatoffenbarungen, Visionen und Wundern haben.

Weder Aberglaube noch Unglaube sind katholisch

In diesen Kreisen gilt oft die Devise: Je mehr man glaubt, umso frömmer.   – Aber das ist nicht die katholische Auffassung. Jener Glaube, der zu viel und zu leichtfertig glaubt, ist nicht weit vom Unglauben entfernt. Der Aberglaube gebiert den Unglauben und oft der Unglaube den Aberglauben.

Das entscheidende Existential des Teufels ist die Lüge. In seinem Dienst stehen die Pseudopropheten, die Gott sagen und seinen Widersacher meinen.

Paulus bezeichnet sie als „Lügenapostel, unehrliche Arbeiter; sie tarnen sich freilich als Apostel Christi. Kein Wunder, denn auch der Satan tarnt sich als Engel des Lichts.“ (2 Kor 11, 13).

Der engen Beziehung des Teufels und der bösen Geister zur Lüge entspricht es, dass die Wunder, die sie wirken, leetztlich nur Scheinwunder sind, wie es im 2. Thessalonicherbrief  hinsichtlich des Antichristen heißt; der Name Antichrist taucht erstmals im 1. Johannesbrief auf (2,18) – den „Sohn des Verderbens“, den „Widersacher, der sich über alles erhebt, was Gott oder Heiligtum heißt“ (2 Thess. 2, 3 f; 2,9–11).

Seltenere Vorkommnisse der Psychologie, der Psychopathologie und der Parapsychologie können tatsächlich mit echten Wundern verwechselt werden.

Mit der Vorstellung des Teufelpaktes verbindet sich auch die leidvolle Geschichte des Hexenwahns, dem auch weite Teile in der Kirche verfallen waren.

Er ist freilich nicht die Frucht des gern so genannten „finsteren Mittelalters“, sondern hat eine mehrtausendjährige Tradition. Wir finden ihn bei nahezu allen Religionen der orientalischen, griechisch-römischen und keltisch-germanischen Kulturkreise.

Neben dem einen Gott der Juden oder einer Vielzahl von Göttern und guten Geistern nahm man die Existenz dämonischer Wesen an, die man sich unter gewissen Bedingungen dienstbar machen konnte.

Wir wissen aus dem 1. Buch Samuel, wie Saul durch eine Totenbeschwörerin den Geist des Propheten Samuel heraufsteigen ließ (28,11). Im AT zählten

„Schwarze Magie“ und Totenbeschwörung zu den todeswürdigen Verbrechen: „Männer und Frauen, in denen ein Toten- oder Wahrsagegeist ist, sollen mit dem Tode bestraft werden.“ (Lev 20, 27)

Kirchenväter wie Tertullian und Augustinus erblickten in der Zauberei eine Art von Götzendienst. Albert der Große und Thomas von Aquin hielten Zauberei nicht für ein Produkt der Phantasie, sondern für Wirklichkeit.

Die großen Scholastiker schreiben den starken Einfluß der Dämonen auf den Menschen einen zugrundeliegenden Pakt zu, wie es schon Augustinus in seiner „doctrina christiana“ (II, 20) getan hatte.

Die Überzeugung vom Wirken des Teufels und der bösen Geister verbürgt uns letztlich die Hl. Schrift. Man darf sie nicht selektiv lesen und willkürlich deuten.

Wie der KKK (Weltkatechismus) ausführt, ist „die Macht Satans nicht unendlich Er ist bloß ein Geschöpf; zwar mächtig, weil er reiner Geist ist, aber doch nur ein Geschöpf ….Dass Gott das Tun des Teufels zuläßt, ist ein großes Geheimnis, aber „wir wissen, dass Gott denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt.“ (Nr 395)   –  „Die von Jesus vorgenommenen Exorzismen befreien die Menschen aus der Hand der Dämonen. Sie nehmen den großen Sieg Jesu über den „Herrscher dieser Welt“ (Joh 12, 31) vorweg.“ (Nr. 550)


“Hirntod“? – Menschenwürde gilt für alle!

Der Mensch ist kein Ersatzteil-Lager!

Der bayerische Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) wünscht eine offene Debatte darüber, ob der sog. „Hirntod“ wirklich der endgültige Tod des Menschen ist  –  und er kritisiert die aktuell angepeilte Erklärungs-Lösung in puncto Organspende, die zu einem Obrigkeitsstaat passen würde, weil sie jeden Bürger zwingt, sich als Ja-oder-Nein-Organspender festzulegen.

Bisher haben wir in Deutschland die erweiterte Zustimmungslösung (Organspende nur bei ausdrücklicher Zustimmung des Betreffenden oder ggf. seiner Angehörigen).

Derzeit befaßt sich der Dt. Bundestag mit diesen lebens-wichtigen Themen. Der springende Punkt ist aus Sicht der Organspenden-Kritiker,  daß die Organentnahme bei „Hirntoten“ in Wirklichkeit an Sterbenden vollzogen wird. (Anders steht es natürlich bei Lebend-Spenden, etwa einer Nierenspende unter Verwandten.)

Zum Singhammer-Standpunkt hier der Bericht aus einem evang. Nachrichtenportal:
http://www.jesus.de/index.php?id=885&tx_ttnews [tt_news]=178327&cHash=b423885d3f

Hier folgt ein weiterer Artikel dazu:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46425/Organspende_Singhammer_will_Debatte_ueber_Todeszeitpunkt.htm

Das ausführliche Interview mit dem CSU-Gesundheitspolitiker Singhammer gibts hier:
https://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/vermischtes/organspende-interview-singhammer/349562.php

Zum Thema „Hirntod“, Organtransplantation veröffentlichte das Christoferuswerk in Münster folgende Pressemeldung:

http://www.news4press.com/Meldung_502172.html

Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerk

 

 


Satan kann als „Engel des Lichtes“ erscheinen

Biblisch orientierte Hinweise von Pfr. Josef Stocker zu irrgeistigen Visionen und Wundersucht:

Wie viel Unsinn redete der „Herr“ bei vielen charismatischen Schwärmern!

Auf ihre Offenbarungen und Erfahrungen ist kein Verlass. Auf Visionen ist kein Verlass!

Wegen der sich häufenden Sünden und Gottlosigkeiten der Menschheit hat Satan das Recht, viele Menschen mit schönen Visionen zu betrügen: sie  öffnen ihm Tür und Tor.  Der Lügengeist erscheint in schönem Licht,  sagt viel Wahres und mischt etwas Lüge hinzu, das genügt für eine Vergiftung. Satan ist ein Wolf im Schafspelz.

Durch falsches Verlangen, Stolz und Neugier öffnen wir ihm die Türe. Seit Gott sich in Jesus offenbarte,  hat der Mensch nicht mehr das Recht, Unterweisung direkt von Gott zu verlangen!

Jesus sagt:  „Sie haben Moses und die Propheten!“ (Lk 16,31;  Mt 5,17;  7,12;  22,40).

„Heilung, Heilung!“ wollen sie; eine Flucht vor dem Kreuz in eine Hallelujastimmung.

Meist sind sie süchtig nach Wundern, Heilung…

Gefühl und Erleben setzen sie vor den Glauben, den Verstand schalten sie gerne aus; aus der Bibel werden nur die ihnen genehmen Sätze entnommen (wie bei den Zeugen Jehovas).

In der Endzeit wird es große Zeichen und Wunder geben, gewirkt durch Satan, Teufel und Dämonen, die im Lichtglanz erscheinen und viel von Liebe reden: „Ich liebe euch!“

Viele Menschen werden irregeführt werden. Der Teufel (=Luzifer = „Licht-Träger“) kann als Engel des Lichtes erscheinen (2 Kor 11,14), er verkleidet sich auch als Jesus oder Maria, er erscheint als Licht und Frieden….

Literatur-Tips von Pfr. Stocker zum Thema Charismatik: http://www.theologisches.info/litera3.htm


Verdienstvolle Aufklärungsarbeit von Pfarrer Josef Stocker

Der österreichische Priester Josef Stocker setzt sich seit Jahren  –  auch mit Hilfe seiner Webseite „theologisches.info“   –  sehr fundiert und kritisch mit charismatischen, esoterischen und sonstigen irrgeistigen Phänomenen auseinander, ausgehend von einer theologisch konservativen und soliden katholischen Sichtweise.

Hier folgen einige Links auf seine vielseitige Aufklärungsarbeit:

Kritische Infos und Literatur zu Medjugorje: http://www.theologisches.info/brot1.htm 

Eine ausführliche Buch- und Schriften-Liste zu Charismatik, Esoterik, Okkultismus, Pseudomystik: http://www.theologisches.info/litera3.htm

Hier präsentiert Pfr. Stocker etliche Links und Buchtips zum Thema „Christen und Zeitgeist“ und zu aktuellen Herausforderungen: http://www.theologisches.info/litera8.htm

Gründlich erarbeitet ist auch seine Buch-Liste zum Islam: http://www.theologisches.info/litera7.htm

 


INFOs und LINKs zu Lebensrechts-Themen:

1. Hilfe für Schwangere:  Tiqua eV.  –  Webseite: http://www.tiqua.org/   (siehe auch unter „Links“ auf der Startseite):

Beratung (ohne Abtreibungsschein) und praktische, schnelle Hilfe für Mädchen und Frauen in Schwangerschaftskonflikten

2. Liste bzw. Anschriften von Krankenhäusern und Praxen, die keinerlei Abtreibungen vornehmen:

http://www.babycaust.at/BC-Germany/prolife/adr.htm

3. Politische Lebensrechtsarbeit  mit zahlreichen Landes- und Kreisverbänden erfolgt durch die Christdemokraten für das Leben (CDL):  http://www.cdl-online.de/


BERLINER ERKLÄRUNG: ein Dokument von bleibender Bedeutung

Berliner Erklärung  – ein notwendiger Mahnruf vom 15.9.1909

Hier folgt die im wesentlichen zeitlose, wegweisende, von nüchternen, bibelorientierten Pietisten (Evangelikalen) verkündete

Berliner Erklärung

gegen die damals aufkommende Pfingstbewegung (Charismatik).

Diese Warnung wurde vor allem von maßgeblichen Vertretern der Gemeinschaftsbewegung (Gnadauer Verband) und der Evangelischen Allianz unterzeichnet  –  hier der Wortlaut:

Die unterzeichneten Brüder erheben warnend ihre Stimme gegen die sogenannte Pfingstbewegung.

1.)  Wir sind nach ernster gemeinsamer Prüfung eines umfangreichen und zuverlässigen Materials vor dem Herrn zu folgendem Ergebnis gekommen:

a) Die Bewegung steht in untrennbarem Zusammenhang mit der Bewegung von Los Angeles, Christiania, Hamburg, Kassel, Großalmerode.  Die Versuche, diesen Zusammenhang zu leugnen, scheitern an den vorliegenden Tatsachen.

b)  Die sogenannte Pfingstbewegung ist nicht von oben, sondern von unten. Sie hat viele Erscheinungen mit dem Spiritismus gemein. Es wirken in ihr Dämonen, welche, von Satan mit List geleitet, Lüge und Wahrheit vermengen, um die Kinder Gottes zu verführen. In vielen Fällen haben sich die sogenannten  Geistbegabten nachträglich als besessen erwiesen.

c)  An der Überzeugung, dass diese Bewegung von unten her ist, kann uns die persönliche Treue und Hingabe einzelner führender Geschwister nicht irre machen, auch nicht die Heilungen, Zungen, Weissagungen usw., von denen die Bewegung begleitet ist. Schon oft sind solche Zeichen mit ähnlichen Bewegungen verbunden gewesen, z.B. mit dem Irvingianismus, ja selbst mit der Christlichen Wissenschaft und dem Spiritismus.

d)  Der Geist in dieser Bewegung bringt geistige und körperliche Machtwirkungen hervor. Und dennoch ist es ein falscher Geist. Er hat sich als ein solcher entlarvt. Die hässlichen Erscheinungen wie Hinstürzen, Gesichtszuckungen, Zittern, Schreien, widerliches lautes Lachen usw. treten auch diesmal in Versammlungen auf.

Wir lassen dahingestellt, wie viel  davon dämonisch, wie viel hysterisch oder seelisch ist, gottgewirkt sind solche Erscheinungen nicht.

e)  Der Geist dieser Bewegung führt sich durch das Wort Gottes ein, drängt es aber in den Hintergrund durch sogenannte Weissagungen (vgl. 2. Chron  18,18-22). Überhaupt liegt in diesen Weissagungen eine große Gefahr. Nicht nur haben sich in ihnen handgreifliche Widersprüche herausgestellt, sondern sie bringen  da und dort Brüder und ihre ganze Arbeit in sklavische Abhängigkeit von diesen Botschaften.

In der Art ihrer Übermittlung gleichen die letzteren den Botschaften spiritistischer Medien. Die Übermittler sind meist Frauen. Das hat an verschiedenen Punkten der Bewegung dahin geführt, dass entgegen den klaren Weisungen der Schrift Frauen, ja sogar junge Mädchen leitend im Mittelpunkt der Arbeit stehen.

 2.)  Eine derartige Bewegung als von Gott geschenkt anzuerkennen, ist uns unmöglich. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass in den Versammlungen die Verkündigung des Wortes Gottes durch die demselben innewohnende Kraft Früchte bringt.

Unerfahrene Geschwister ließen sich durch solche Segnungen des Wortes Gottes täuschen. Diese ändern aber an dem Lügencharakter dieser Bewegung nichts. (Vgl. 2. Kor 11,3-4 und 14)“

Soweit die Berliner Erklärung, die in ihren wesentlichen Aussagen nach wie vor ihre Gültigkeit und Berechtigung besitzt.

Felizitas Küble, Christoferuswerk eV (Münster)


Katholischer Glaube: Leben und Wahrheit in Fülle

Die Kirche ist der „fortlebende  Christus“ und ein Werk des Heiligen Geistes

Alle Jahre wieder hören wir dasselbe Lied, genauer gesagt Klagelied: sobald von vatikanischer Seite ein Wort ertönt, aus dem hervorgeht, daß die katholische Kirche als einzige im Vollsinn „Kirche“ ist, die anderen sog. „Kirchen“ jedoch  –  genau genommen –  allenfalls kirchenähnliche „Gemeinschaften“, dann ertönt ein Aufschrei allenthalben, nicht etwa nur von protestierenden Protestanten, sondern auch von „ökumenisch“ gesinnten Katholiken, zumal von vielen Theologen.

Dabei vergessen diese Kritiker, daß sich die zahllosen protestantischen Konfessionen selbst keineswegs als „Heilsinstitution“ betrachten, daß sie also ein ganz anderes Selbstverständnis vertreten als die kath. Kirche, die sich als „Ursakrament“ oder „Grundsakrament“ ansieht und somit  als Vermittlerin jenes Heiles wahrnimmt, das von Christus kommt und vor allem in den 7 Sakramenten wirksam wird.

Wie wenig sich der Protestantismus selber als „Kirche“ versteht, läßt sich auch an vermeintlichen Kleinigkeiten buchstäblich „ablesen“. Eine der umfangreichsten und angesehensten evangelischen Bibel-Konkordanzen ist die  großformatige „Elberfelder Bibelkonkordanz“ mit fast 1900 Seiten im Kleindruck, erschienen im Brockhaus-Verlag (Wuppertal).

Es gibt kaum ein Alltagswort (vom „Platzregen“ bis zum „Käuzchen“), das man dort entbehren müßte, doch den Ausdruck „Kirche“ sucht man vergebens. Offenbar wird „Kirche“ für Protestanten erst dann interessant, wenn die kath. Kirche diesen Begriff für sich selbst beansprucht.

Nun gibt es nicht wenige Katholiken,  zumal in konservativen Kreisen, die sich relativ innig zur Orthodoxie hingezogen fühlen und ernsthaft die These vertreten, die römische Kirche sei quasi der westliche Teil der Gesamtkirche Christi  –  und die orthodoxe Kirche sei ihr östlicher Teil (oder „Lungenflügel“).

Demnach hätte Christus also wohl einen Kirchenverband in zwei Teilen gegründet oder gar zwei Kirchen, die zwar getrennt, aber auf einer höheren Ebene  doch wiederum vereint sind. Solche Vorstellungen sind biblisch und dogmatisch gesehen aber unsinnig.

Wenngleich nicht bestritten werden kann, daß die orthodoxen Konfessionen dem katholischen Glauben  –  zumal in der Sakramentenlehre  – sehr viel näher stehen als die protestantischen Konfessionen, so ändert dieser unterschiedliche „Entfernungsgrad“ nichts an der grundlegenden Tatsache, daß die Orthodoxie keineswegs eine Stiftung Christi ist, sondern eine vor ca. 1000 Jahren erfolgte  Abspaltung von der Kirche des HERRN.

Warum sind wir Christen?

Weil wir uns auf die Zusage Christi verlassen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben in Fülle.“ (Joh.10,11)

Dazu gehört nicht allein ein gelingendes Dasein im Diesseits, sondern vor allem die Verheißung ewigen Lebens im Jenseits:  dort werden wir einst das Leben in seiner ganzen Fülle erfahren, weil wir in GOTT die Quelle des Lebens schauen.

Warum sind wir Katholiken?

Weil zur Fülle des Lebens auch die Fülle der Wahrheit gehört.

In Joh. 20,31 heißt es, daß wir „durch den Glauben das Leben haben“.

Der Glaube ist die Annahme der Wahrheit Gottes, das JA zur „Offenbarung“, zur Selbstmitteilung Gottes durch die Propheten des Alten Bundes und besonders durch Christus, seinen eingeborenen Sohn.

Der Glaube kommt von Hören“, wie das bekannte Apostelwort erklärt  –  also nicht vom Fühlen oder rein menschlichen Denken; das sind nur Begleiterscheinungen. Entscheidend ist unser Hören auf Gottes Wort, auf seine Selbstoffenbarung in Christus, die uns die Kirche in Wort und Sakrament verkündet.

Wir sind also Katholiken, weil Christus selbst die Kirche gegründet hat, „damit sie die Wahrheit haben in Fülle“.  

Auch diese Aussage finden wir der Sache nach im Neuen Testament: So bezeichnet Paulus die „Kirche des lebendigen Gottes“  als „Haus Gottes“ und als eine „Säule und Grundfeste der Wahrheit“ (1 Tim 3,15).

Der hl. Apostel nennt die Christen sodann „Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“, die auferbaut sind „auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau zusammengefügt ist zu einem heiligen Tempel im Herrn.“(Eph 2,19)

Aus diesen Worten geht hervor, daß Christus der Kirche vor allem zwei Aufgaben verliehen hat: sie soll als „Haus Gottes“ und „Tempel im Herrn“ die Wahrheit in Fülle verkünden und zugleich das Leben in Fülle vermitteln, also die Menschen durch „Wort und Sakrament“ zum Himmel führen.

Paulus bezeichnet die Apostel als „Diener Christi und Verwalter seiner Geheimnisse“ (1 Kor 4,1). Christus gab seinen Aposteln den Lehrauftrag: „Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.“ (Mk 16,15)

WORT und SAKRAMENT in ihrer HARMONIE

Dieser doppelte Auftrag in Wort und Sakrament wird allein in der kath.  Kirche in seiner ganzen Vielfalt, Fülle und Harmonie wahrgenommen.

Während die protestantischen Konfessionen insgesamt gesehen sehr „wortlastig“ sind, ist die Orthodoxie genau das Gegenteil, gewissermaßen „sakramentenfixiert“.

Allein die kath. Kirche hält hier eine gesunde Mitte ein, getreu jener vom Heiligen Geist getragenen Vernunft und Einsicht, die  Einseitiges und Extremes vermeidet.

Die „Wortlastigkeit“ des Protestantismus ist offensichtlich und in den reformierten Bekenntnissen, vor allem bei den Calvinisten, besonders ausgeprägt.

Hingegen haben die Lutheraner vergleichsweise mehr von der „sakramentalen“ Denkweise der kath. Kirche beibehalten. Immerhin vertrat Luther in der „Abendmahlsfrage“  – im Streit um die „Realpräsenz Christi“  – gegenüber Calvin und Zwingli einen Standpunkt, der dem katholischen Glauben relativ nahesteht. Auch die „Bilderstürmerei“ durch Reformierte bzw. „Wiedertäufer“ lehnte Luther ab.

Es handelt sich gleichwohl nur um graduelle Unterschiede innerhalb des Protestantismus. Im Wesentlichen  ist man sich darin einig, daß es in erster Linie Aufgabe kirchlicher Vertreter sei, das Wort Gottes zu verkünden  – die Sakramente dienen eher als Begleitmusik, gelten mit Ausnahme der Taufe als nicht heilsnotwendig, wobei sogar die Heilsnotwendigkeit der Taufe von einigen protestantischen Konfessionen bestritten wird (zB. Freikirchen, Baptisten, Mennoniten, Adventisten).

Die Orthodoxie hingegen vertritt genau das andere Extrem: Dort ist das kirchliche Leben weitgehend auf Gottesdienst und Sakramente konzentriert  – man könnte inso-fern von einem „Sakristei-Christentum“ sprechen. Im orthodoxen Gottesdienst, der sich stundenlang hinziehen kann, fehlt normalerweise die Predigt, ebenso vermißt man Lesungen aus dem Alten Testament (die es nur ausnahmsweise gib).

Bezeichnenderweise gibt es in der Orthodoxie kein  eigentliches, verbindliches  „Dogmengebäude“,  keine präzise,  systematische, klarumrissene, „amtliche“  Glaubenslehre. (Insoweit ist es auch bezeichnend, daß die katholische „Scholastik“ abgelehnt wird  – und das nicht nur deshalb, weil diese zeitlich erst nach der Abspaltung der Orthodoxie auftrat; vielmehr wird die Verstandesbetontheit der Scholastik kritisiert.)

Der orthodoxe Glaube wirkt weniger vernunftorientiert,  er  erscheint mitunter eher wie eine weihrauch-umschwängerte Mysterienreligion, geprägt von spirítuellen Weisheiten und geheimnisvollen Betrachtungen über das „geistliche Leben“ usw.   – Im Vergleich zur Orthodoxie sind sselbst Protestanten mit ihren lehrhaften “Bekenntnisschriften“ strukturell noch stärker dogmatisch und systematisch orientiert.

Allein die kath. Kirche versteht es aber, erleuchtet vom Heiligen Geist, die beiden Grundpfeiler „Wort und Sakrament“ in ihrer ausgewogenen Bedeutung zu erkennen und zu gewichten.

So werden Einseitigkeiten vermieden, die ganze Wahrheit in ihrer Fülle  präsentiert und zur Harmonie eines umfassenden (und daher eben „katholischen“) Glaubens geführt.

Von der KRIPPE über das KREUZ zur HERRLICHKEIT

Diese Ausgewogenheit der Wahrheiten zeigt die kath. Kirche auch auf einer anderen Ebene, nämlich in „heilsgeschichtlicher“ Hinsicht:

Während die lutherische Mentalität bekanntlich auf die „Kreuzestheologie“ fixiert ist (weshalb z.B. der Karfreitag für Evangelische der höchste kirchliche Feiertag ist), konzentriert sich die Orthodoxie auf eine „Theologie der Herrlichkeit“, stark bezogen auf Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten, auf die glorreichen Heilsgeheimnisse also.

Aus dieser Glaubensweise ergibt sich in spiritueller Hinsicht eine intensive Sehnsucht nach einer „Vergöttlichung“ des Menschen, was in manchen orthodoxen Werken derart stark betont wird, daß der Eindruck entstehen könnte, der grundlegende Abstand zwischen Gott und Mensch, der Abgrund zwischen Schöpfer und Geschöpf werde nicht mehr ausreichend beachtet, der Himmel gewissermaßen „vorweggenommen“. Aber hienieden wandeln wir eben im Glauben und durchaus nicht im Schauen, wie Paulus betont (2 Kor 5).

Allein die kath. Kirche knüpft hier wieder das Band der Harmonie: sie betont auch die „Inkarnations-Theologie“, also das Wunder der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus.

Daher die hohe Bedeutung von Weihnachten, daher die Verehrung der Gottesmutter, daher die vielen Darstellungen der seligen Jungfrau mit dem Christuskind, daher auch die Innigkeit und Wärme einer gesunden katholischen Marienfrömmigkeit.

Nicht zu vergessen der „Angelus“, das Gebet vom „Engel des Herrn“, der Maria die Botschaft brachte, wobei fromme Katholiken das Knie beugen, wenn es im Angelus heißt: „Und das Wort ist Fleisch geworden  – und hat unter uns gewohnt.“

Dasselbe geschieht beim „Großen Credo“ im überlieferten Ritus der hl. Messe: Beim Abschnitt „ER hat Fleisch angenommen vom Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau und ist Mensch geworden“ kniet sich die Christenschar hin, um das zentrale Heilsgeheimnis der Menschwerdung Gottes zu ehren.

Gleichwohl weiß auch die kath. Kirche die Bedeutung von Kreuz und Auferstehung zu würdigen. Das Kreuzzeichen, das Freitagsgebot, das Kruzifix, der Kreuzweg und besonders das Meßopfer orientieren sich an Christi Opfertod auf Golgotha, Dreh- und Angelpunkt unserer Erlösung.

Auch von einer Vernachlässigung des Osterglaubens kann nicht die Rede sein, ist Ostern doch das höchste Fest im katholischen Kirchenjahr  – und auch durch Sonntagsheiligung und Sonntagskirchgang feiern wir die Auferstehung des HERRN.

Ergebnis also: Allein die Katholische Kirche gibt allen drei heilsgeschichtlichen Stufen (Inkarnation, Kreuzestheologie, Auferstehung)  den ihnen gebührenden Rang, verfällt in keine Übertreibungen, praktiziert keine Einseitigkeiten, sondern läßt auch hier alles in geordneter Harmonie an seinem richtigen Platz, verkündet und feiert die Heilsgeschichte in ihrer ganzen Vielfalt und Fülle von der Krippe über das Kreuz zur Herrlichkeit.

Von diesen drei Etappen der neutestamentlichen Heilsgeschichte zeugt auch der Rosenkranz, der einen betenden Bogen spannt von der Verkündigung des HERRN über Golgotha bis hin zur himmlischen Glorie.

Während die protestantische Glaubenswelt sehr christozentrisch orientiert ist gemäß dem reformatorischen Prinzip „Christus allein“ (solus Christus), ist die orthodoxe Spiritualität stark auf den Heiligen Geist bezogen, also pneumatisch geprägt.  Das zeigt sich dort auch in der Liturgie, etwa bei der Epiklese, der Herabrufung des Heiligen Geistes vor der hl. Wandlung.

Merkwürdig ist allerdings, daß das Sakrament der Firmung bei den Orthodoxen meist an die Kindertaufe „drangehängt“ wird und dadurch viel an eigenständiger Bedeutung einbüßt.

Auch in der Anbetung der heiligsten Dreifaltigkeit verzichtet die Katholische Kirche auf einseitige Fixierungen; sie läßt die drei göttlichen Personen quasi alle zu ihrem Recht kommen, auch Gott-Vater, den Schöpfer und „Gesetzgeber“. Keine Konfession betont die Bedeutung der göttlichen Gebote so stark wie die Katholische Kirche. Dabei verweist sie auf das zeitlos gültige Wort des HERRN: „Willst Du zum Leben eingehen, so halte die Gebote!“ (Mt 19,17)

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münste


Müssen Katholiken an Fatima, Lourdes etc. glauben?

Anerkannte Erscheinungen gehören nicht zum „Glaubensgut“

Wir bekommen seit Jahrzehnten immer wieder Briefe und Anfragen, wie es denn mit Fatima, Lourdes, Guadelupe und anderen kirchlich anerkannten Erscheinungen steht: Müssen Katholiken daran glauben oder nicht?

Die Antwort ist denkbar einfach: Kein Katholiken muß an Privatoffenbarungen glauben, auch nicht an die kirchlich gebilligten (an die nicht-anerkannten soll man sowieso nicht glauben).  Fast alle angeblichen „Erscheinungen“ wurden von der Kirchenleitung ohnehin nicht anerkannt. Wetzlar-DSC_0640-2 - Kopie

Nach dieser Erklärung erhebt sich meist der Einwand: „Aber wenn diese „Erscheinungen“ doch kirchlich anerkannt sind, warum ist es dann freigestellt, ob man daran glaubt der nicht?“

Hierauf gibt das katholische Lehramt selber die Antwort: Weil die Anerkennung einer sogenannten „Privatoffenbarung“ lediglich bedeutet, daß Katholiken daran glauben   d ü r f e n ,  aber nicht, daß sie es  m ü s s e n .

Die Anerkennung beinhaltet also keine Verpflichtung;  sie ist lediglich ein „Türöffner“, eine Erlaubnis, ein kirchlicher „o.k.“-Stempel,  eine Art „nihil obstat“ (= „Es steht dem nichts entgegen“)  –  mit anderen Worten: Eine Unbedenklichkeits-Erklärung, die zudem ohne Anspruch auf Unfehlbarkeit verkündet wird.

Eben dies wird im  KKK, dem „Katechismus der Katholischen Kirche“, auch als sog. „Weltkatechismus“ bekannt, ausdrücklich erklärt. Dort heißt es unter Nr. 67:

„Im Laufe der Jahrhunderte gab es sog. „Privatoffenbarungen“, von denen einige durch die kirchliche Autorität anerkannt wurden. Sie gehören jedoch nicht zum Glaubensgut.“

Das bedeutet: Anerkannte Privatoffenbarungen sind nicht „nur“ keineswegs unfehlbar (also kein Dogma), sie gehören nicht einmal zum „depositum fidei“, sind also kein Bestandteil des (hinterlegten, überlieferten) „Glaubensgutes“. Daher gehören  sie nicht zu den katholischen Lehraussagen und sie sind kein Inhalt offizieller kirchlicher Verkündigung.

Wie steht es vergleichsweise mit den  – nicht wenigen  –  kirchlich klar abgelehnten „Erscheinungen“, die ausdrücklich als „nicht übernatürlich“ verurteilt wurden?

Es ist Katholiken  – und vor allem Priestern  –  nicht erlaubt, an derartige „Visionen“, „Botschaften“ etc. zu glauben, zumal diese in einem meist langwierigen Untersuchungsverfahren geprüft und für verwerflich oder zumindest unzuverlässig befunden wurden  –  mitunter wurde auch die Unglaubwürdigkeit der sog. „Seher“ festgestellt. Die Kirche wünscht nicht, daß man solchen „Privatoffenbarungen“ anhängt, zumal die christliche Botschaft  durch Aberglaube und wundersüchtige Leichtgläubigkeit der Lächerlichkeit ausgesetzt würde.

Gleichwohl steht die Frage im Raum: Warum zeigt sich die katholische Kirche derart zurückhaltend bis kritisch gegenüber „Privatoffenbarungen“ und „Erscheinungen“?

Ist dies erst in neuerer Zeit so  –  oder handelt es sich um eine kirchliche Dauerhaltung, um eine grundsätzliche Vorsicht?

Es geht hier tatsächlich um eine prinzipielle kirchliche Mentalität, die immer schon vorhanden war und stets verkündet worden ist.  Was ist nun die theologische „Ursache“ dafür?

Die kath. Kirche hat immer behauptet, daß die „Offenbarung Gottes“ mit dem Tod des letzten Apostels bzw. dem Ende der apostolischen Zeit abgeschlossen ist. Folglich kann es danach keine für die Kirche verbindlichen „Offenbarungen“ mehr geben, die göttliche Autorität beanspruchen könnten.

Diese Lehraussage wurde zwar nie dogmatisiert (für unfehlbar erklärt), aber dies   deshalb nicht, weil sie durch die Jahrtausende hindurch derart selbstverständlich und unter „Rechtgläubigen“ ohnehin unumstritten war, daß sich eine spezielle Dogmatisierung erübrigte, zumal das Neue Testament klar bezeugt:

„Nachdem Gott viele Male und auf viele Weise durch die Propheten gesprochen hatte, hat ER zuletzt zu uns gesprochen durch seinen Sohn“ (Hebr 1,1-2).

Die Aussage über die Vollendung der göttlichen Offenbarung  gilt theologisch als ein sogenanntes „Axiom“  –  also eine  „Denkvoraussetzung“, eine wesentliche Grundaussage, die einer Reihe von Einzel-Dogmen zugrunde liegt und diesen „vorausgeht“.

Dieses Axiom, wonach die Offenbarung Gottes mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist, gilt natürlich auch für Katholiken von heute  – und eben deshalb heißt es im „Weltkatechismus“, daß anerkannte „Privatoffenbarungen“ nicht zum „Glaubensgut“ der Kirche gehören; sie können daher die „göttliche Offenbarung“ nicht ergänzen und ihr nichts wegnehmen, können aber dieses Glaubensgut im Leben einzelner Katholiken vertiefen.

Dies ist lediglich die konsequente (theo)logische Schlußfolgerung aus dem Axiom, wonach die göttliche Offenbarung mit dem Tod des letzten Apostels vollendet ist.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster


Medjugorje und der Franziskaner-Konflikt

 “The Catholic Herald” über kirchenpolitische Hintergründe

Die britische katholische Wochenzeitung “The Catholic Herald” veröffentlichte vor 9 Jahren einen kritischen Hintergrund-Bericht über Medjugorje,  der sich vor allem mit dem Grundkonflikt zwischen dem Bischof von Mostar (Weltklerus) und den Franziskanern in der Region Herzegowina beschäftigt. Diese jahrhundertealten Entwicklungen spielen in der Medjugorje-Causa eine gewichtige Rolle.

Der österreichische kath. Nachrichtendienst „kathpress“ publizierte am 28.7.2002 eine Übersetzung der Analyse von „The Catholic Herald“; hieraus folgen nun die wichtigsten Auszüge:

„Es stimmt, dass viele positive geistige „Früchte“ mit den behaupteten Erscheinungen in Medjugorje in Zusammenhang stehen. Fast jeder Katholik kennt jemanden, der erklärt, sein Leben hätte sich seit dem Besuch des Heiligtums grundlegend geändert.

Manche Pilger kehren heim mit Geschichten über rotierende Sonnen und Rosenkränze, die zu Gold werden, andere wiederum werden wahrhaftig und für immer bekehrt. Einige werden auch zu leidenschaftlichen Verehrern „Unserer Lieben Frau, Königin des Friedens“ (ihren Anhängern als „Gospa“ bekannt) und ihrer Mission, durch Versöhnung und Gebet den Weltfrieden herbeizuführen.

So ist es eine Ironie, dass gerade Medjugorje heute eine der größten Bedrohungen für die Einheit der katholischen Kirche darstellt. Denn viele fromme Medjugorje-Pilger nehmen vielleicht nicht zur Kenntnis, dass die Kirche gar nicht will, dass sie dorthin pilgern.

Die Glaubenskongregation hat schon 1995 alle öffentlichen Pilgerfahrten zum Heiligtum verboten. Bischof Ratko Peric von Mostar, der als Orts-Ordinarius der einzige kirchliche Autorität ist, über die Echtheit der Erscheinungen zu urteilen, ist überzeugt davon, dass es sich um Betrug handelt.

Derselben Meinung waren auch sein Vorgänger, Bischof Pavao Zanic, und die eins-tige Bischofskonferenz von Jugoslawien sowie die Mitglieder der drei offiziellen Kommissionen – jede von ihnen entschied negativ -, der ganze Diözesanklerus von Mostar und sogar die meisten Franziskaner dort zu Lande.

Es wird eine letzte, abschließende Untersuchung geben, die von Rom ausgeht und erst beendet wird, wenn entweder die Berichte über die Erscheinungen enden oder der letzte Seher gestorben ist. Die Normen der Kirche warnen davor, dass Fehler auftauchen könnten, wenn nur die „Früchte“ und nicht auch die „Ereignisse“ untersucht werden. Aber eine baldige, definitive Entscheidung ist eher unwahrscheinlich, da drei der ursprünglich sechs Seher erklären, dass ihnen die „Gospa“ lebenslang Erscheinungen versprochen habe – und eine zweite Generation von Sehern gibt es auch schon.

Seher haben finanziell profitiert

Günstig ist es für die Seher allemal, da sie durch ihren Status als Seher finanziell profitieren. Sie sind berühmt geworden und einige fuhren mit der „Gospa“, die sie auf Wunsch sofort herbeirufen können, durch die Welt. Sie hat eine offensichtliche Flexibilität, die sogar einige ihrer überzeugtesten Anhänger erstaunt hat.

Auf einer England-Tour soll der Seher Ivan Dragicevic sogar eine angekündigte „Erscheinung“ verschoben haben, damit er stattdessen ein Fußballspiel sehen konnte – mit dem Versprechen, dass die Gottesmutter auch nach dem letzten Anpfiff erscheinen würde. Ivan, der übrigens

mit der ehemaligen Schönheitskönigin und „Miss Massachusetts“, Loreen Murphy, verheiratet ist, wurde einmal von einem amerikanischen Reiseveranstalter als eine Persönlichkeit dargestellt, die für nur 500 US-Dollar eine persönliche Bekanntschaft mit der Madonna vermitteln könne. Er besitzt einen BMW und einen Mercedes sowie eine Villa im „deutschen Stil“ im lokalen Nobelviertel.

Sein Anwesen liegt dem Haus der Seherin Mirjana Dragicevic gegenüber, die einen Teil ihres Hauses in ein Gästehaus für Pilger umgewandelt hat – Erscheinungen sind hier im Arrangement miteinbegriffen. Alle Seher und Seherinnen sind verheiratet und bis auf einen besitzen alle Hotels in Medjugorje – im Unterschied zu Lucia Dos Santos und St. Bernadette Soubirous, die ein wesentlich weniger weltliches Leben führten, nachdem ihnen in Fatima bzw. Lourdes Marienerscheinungen zuteil geworden waren.

Der ehemalige Bischofs Zanic vermutete, dass die ganze Sache als Spaß begonnen habe, denn auf den ersten Blick erscheint sie auch als solcher. Die Kinder hatten nicht aufhören können, hysterisch zu lachen, z.B. als Jakov Colo während einer frühen Erscheinung der „Gospa“ fragte, ob sein Fußballteam „Dynamo“-Zagreb gewinnen werde. Nach einer ersten Woche von Erscheinungen, sagten die Kinder, die „Gospa“ würde „nur noch drei Tage“ erscheinen und die Visionen würden somit am 4. Juli 1981 enden.

Aber seitdem hat sie bei mehr als 30.000 Gelegenheiten gesprochen, hat jedem Seher 10 Geheimnisse anvertraut, große Zeichen vom Himmel versprochen, die sich aber nie ereigneten und – entgegen der seit zwei Jahrtausenden bestehenden Lehre der Kirche – erklärt, dass „alle Religionen vor Gott gleich sind“. Sie wurde zur ersten Apologetin einer Gruppe aufmüpfiger Franziskaner aus der Herzegovina erst, als P. Jozo Zovko, Pfarrer der Jakobskirche in Medjugorje, sich als „geistlicher Ratgeber“ der Kinder etablierte.

Madonna in „Herzegovina-Frage“ parteiisch

Was die örtlichen Bischöfe deutlich gegen die „Gospa“ einnahm, war ihre ausgesprochen parteiische Stellungnahme zur „Herzegovina-Frage“. Das ist der vatikanische Ausdruck für ein De-facto-Schisma, in das eine breite Minderheit von franziskanischen Mönchen aus der Herzegovina involviert ist, die nicht nur ihrem Bischof den Gehorsam verweigern, sondern sich auch dem Ordensgeneral und Rom selbst widersetzen.

In den achtziger Jahren wurden zwei dieser Mönche, P. Ivica Vego und P. Ivan Prusina, wegen Ungehorsam aus ihrem Orden ausgeschlossen – von einem vatikanischen Tribunal, das sich mit Bischof Zanic und dem Ordensgeneral beraten hatte. Die beiden Patres feierten aber weiterhin die Sakramente. 13 Mal teilte die „Gospa“ der Seherin Vicka Ivankovic mit, dass der Bischof falsch liege und ihre „Heiligen“ schuldlos seien, wobei dem Bischof die „Gerechtigkeit“ Gottes angedroht wurde, es sei denn, er widerrufe den Ausschluss (P. Vego zeigte bald, wie heilig er war und schwängerte eine Franziskanerin).

Als Bischof Zanic dann die Erscheinungen untersuchte, hätte er mit einer Kooperation seitens der Franziskaner gerechnet. Stattdessen beschimpften sie ihn öffentlich als einen „Wolf“, „Satan“ und einen „Heuchler“. Es war kaum eine Überraschung, dass Bischof Zanic bald zu dem Schluss kam, dass die sechs Kinder lügen  –  und daß er öffentlich P. Zovko und dessen Mitbruder P. Tomislav Vlasic beschuldigte, sie hätten der „Gospa“ Worte in den Mund gelegt. (…)

1985 schrieb er an den Theologen Rene Laurentin, der für die Echtheit der Erscheinungen eintritt, und klagte, dass „eine stolze Raserei viele der früher guten Gläubigen ergriffen hat… Man kann sich auf einen religiösen Krieg hier einstellen.“(…)

Der tiefste Grund des Grolls vieler Franziskaner gegen Rom war ihm bewußt: Während der 400-jährigen Geschichte waren die Franziskaner autonom gewesen; jetzt aber mussten sie auf Weisung der Kirche ihre Gemeinden abgeben – in einer Säuberungsaktion, die im Zweiten Weltkrieg begonnen hatte, als sie  –  den Anordnungen des Vatikans zum Trotz  –  die Ustascha, die kroatischen Faschisten, unterstützten, deren Grausamkeit sogar die SS schockierte.

In alle Ustascha-Gräueltaten, die mit der Kirche in Zusammenhang gebracht werden konnten, waren fanatisch-nationalistische Franziskaner aus der Herzegovina involviert. (…) Papst Pius XII. ging zuerst gegen die Mönche vor, indem er es 1942 vorzog, statt einem örtlichen franziskanischen Bischof einen Bischof aus dem Weltklerus für Mostar zu ernennen.

Die Rebellion, die darauf folgte, erreichte 1975 ihren Höhepunkt, als Papst Paul VI. ein Dekret herausgab, das den Mönchen die Frist von einem Jahr setzte, die umkämpften Gemeinden zu räumen.

Wie vorauszusehen, weigerten sie sich. Die Verteidiger von Medjugorje bestehen darauf, dass die Hercegovina-Frage und die Erscheinungen in keinem Zusammenhang stehen Die Diözese Mostar betont, dass hier sehr wohl ein sehr enger Konnex besteht.

Bischof Zanic sagte, dass die „Gospa“ benützt würde, den Ungehorsam der Mönche zu rechtfertigen. Don Ante Luburic, Ordinariatskanzler der Diözese, ging 1997 sogar so weit, Medjugorje als einen Ort „religiöser Unordnung, des Ungehorsam und antikirchlicher Aktivität“ zu beschreiben.

Traurigerweise hat sich die Lage dadurch verschärft, dass „Millionen von Leuten aus allen fünf Kontinenten“ die Mönche vertrauensvoll unterstützen. Die Kirche hat in der Herzegovina-Frage seit 1941 nur sehr kleine Fortschritte gemacht.

Während des Bosnien-Krieges, als kroatische Flaggen von der Jakobskirche in Medjugorje flatterten und Rosenkränze neben Nazisymbolen verkauft wurde, wurden unter der Fahne der „Königin des Friedens“ geschätzte 10 Millionen Pfund (umgerechnet 15.873.000 Euro) im Westen für Kriegs-Waisen gesammelt. Aber alles, was für dieses Geld hergezeigt werden kann, ist in Medjugorje eine Krippe für 40 Kinder, deren Mütter arbeiten müssen.

Wenige, vor allem der Bischof von Mostar, haben eine Ahnung, wo der Rest des Geldes verblieben ist; einige Quellen vermuten, dass etwa 70 Prozent in den Händen von „Warlords“ und organisierten Kriminellen gelandet sind. Das ist nicht Fantasterei: Mitte der neunziger Jahre fror die britische Charity Commission die Gelder des britischen „Medjugorje Appeal“ ein, als sich herausstellte, es sollten davon Handschellen für die Miliz der kroatischen HVO in der Hercegovina gekauft werden.

Papst Johannes Paul II. bleibt zurückhaltend

Die Bischöfe aus Ex-Jugoslawien – einhellig in ihrer Ablehnung der „Gospa“ – erinnerten im Beisein des Papstes bei der letztjährigen Bischofssynode in Rom an die Herzegovina-Frage, als Kardinal Vinko Puljic aus Sarajevo vor der ernsten Bedrohung der Einheit der gesamten katholischen Kirche durch die ungehorsamen Mönche warnte, die „in Medjugorje arbeiten und ihre Meinungen mit Hilfe von Pseudocharismen anderen aufdrängen“.

Der Papst seinerseits hat sich aus der Causa Medjugorje herausgehalten, indem er die Sache der Unterscheidungsgabe der lokalen Bischöfe überließ. Nachdem es weltweit ständig rund 300 Fälle behaupteter Erscheinungen gibt, könnte er sich um nichts anderes mehr kümmern, würde er sich mit jeder dieser Angelegenheiten persönlich auseinander setzen.

Wie auch immer, die Promotoren von Medjugorje bestehen darauf, der Papst habe in privater Form seine Zustimmung zu den Erscheinungen signalisiert. Sie zählen Bemerkungen auf, die er angeblich zu ihren Gunsten getan hat, vielleicht die bekannteste: „Lasst die Menschen nach Medjugorje pilgern, wenn sie sich bekehren, beten, beichten und Buße tun“.

Ein amerikanischer Katholik fragte einmal Erzbischof Pio Laghi, damals päpstlicher Nuntius in den Vereinigten Staaten, ob die Bemerkungen wahr seien und erhielt darauf folgende Antwort: „Obwohl dem Heiligen Vater und Amtsträgern des Heiligen Stuhls Bemerkungen über Medjugorje zugeschrieben werden, wurde keine einzige als authentisch anerkannt.“

Vielleicht das bedeutungsvollste Zeichen setzte der Papst im April 1997 bei seinem Besuch in Bosnien, als er nicht nur den Besuch Medjugorjes ablehnte, sondern auch nicht ein einziges Mal die umstrittene heilige Stätte erwähnte.

Kurz gesagt, all die Argumente sprechen gegen die Wahrscheinlichkeit, dass die Erscheinungen von Medjugorje authentisch sind. Als das zwingendste Argument bleiben nur die sogenannten geistigen „Früchte“ – die Bekehrungen, die Mehrung von Frömmigkeit und Anbetung, das Wiederfinden schon verlorenen Glaubens und vieles andere.

Auch zu diesem Argument vertritt Bischof Peric eine Meinung:

„Die geistigen Früchte, von denen hier sooft die Rede ist, beweisen nicht, dass sie aus Erscheinungen oder übernatürlichen Offenbarungen der Mutter Gottes resultieren. In dem Maß, in dem sie wahrhaft christlich sind, können sie als ein Werk des normalen Wirkens der göttlichen Gnade, des Glaubens an Gott, der Fürsprache der Jungfrau Maria und der Sakramente der katholischen Kirche interpretiert werden.  Damit ist noch kein Wort über die negativen Früchte gesagt“.

Entsprechend der kirchlichen Lehre kommen Früchte von authentischen übernatürlichen Phänomenen zuerst in jenen zum Tragen, die sie unmittelbar empfangen.

Doch scheinen die zwei Männer, die den Seherkindern von Anfang an am nächsten waren, nicht im eigentlichen Sinn bekehrt worden zu sein:

P. Vlasic, der in den siebziger Jahren in einem „gemischten“ Konvent in Zagreb mit einer Nonne ein Kind in die Welt gesetzt hatte, lebt nun in Italien, wo er – ironischerweise – zum zweiten Mal versucht, eine „gemischte“ Kommunität ins Leben zu rufen

P. Zovko wiederum ist einer jener 16 Mönchen aus der Hercegovina, die entweder durch Bischof Peric suspendiert oder überhaupt durch den Ordensgeneral P. Giacomo Bini aus dem Franziskanerorden ausgeschlossen wurden. Bini hatte während der letzten acht Jahre sogar damit gedroht, die ganze herzegovinische Provinz zu suspendieren.

Wie seine rebellischen Mitbrüder ignoriert Zovko die Zensuren des Bischofs – nicht nur dadurch, dass er weiter die Messe zelebriert und die Beichte abnimmt, obwohl er dazu keine Erlaubnis hat. Außerdem errichtete er – ohne bischöfliche Genehmigung – einen großen Konvent in Siroki Brijeg, in der Nähe von Mostar.

Die Finanzquellen bleiben ein Mysterium. Letztes Jahr schrieb der Bischof jedem einzelnen der 120 Franziskaner in der Hercegovina, um an ihren Gehorsam zu appellieren, aber ein Drittel widersetzte sich seinem Wunsch.

Davor hatten die Rebellen einen angeblichen „Erzbischof“ eingeladen – Srecko Franjo Novak, einen Ex- Seminaristen, der 700 Jugendliche in drei Kirchen firmte. Die Firmungen waren natürlich ungültig und verursachten beim lokalen Klerus und beim Bischof große Sorge.

Für viele steht Medjugorje nicht für die Erscheinungen der Jungfrau Maria, sondern vielmehr für den Ungehorsam gegenüber der legitimen kirchlichen Autorität: Ordensleute widersetzen sich ihren Vorgesetzten  –  und Katholiken aus aller Welt ignorieren die kirchliche Weisung, nicht nach Medjugorje zu pilgern.

Und noch viel ernster: Es verstärkt sich diese Haltung des Ungehorsams noch durch die Kardinäle und Bischöfe, die dort ebenfalls hinpilgern; durch dieses bewusste Ignorieren der Einschätzung des Ortsordinarius verstoßen sie gegen das Prinzip der Kollegialität, wie es in Abschnitt 23 der Konzilserklärung „Lumen Gentium“ definiert ist.

Sie helfen, das weiterzuführen, was einer der subversivsten Streiche in der Geschichte der katholischen Kirche sein könnte.“

Internetpräsenz von kathpress: http://www.kathpress.at/


Kardinal Schönborn über das „Geheimnis“ von Medjugorje…

In der erscheinungsgläubigen Zeitschrift „Oase des Friedens“ (Nr.6/2011) wurde ein Interview mit dem Wiener Erzbischof Christoph Schönborn veröffentlicht. Der Kardinal äußert sich darin wie folgt zu seiner umstrittenen Medjugorje-Reise Ende 2009:

„Ich erinnere mich vor allem und über allem an etwas, was schwer zu beschreiben ist. Das ist das Geheimnis von Medjugorje, warum Menschen dorthin gehen. Das ist das, was ich in Lourdes empfunden habe, in den vielen Malen, die ich dort war: Sie ist da. Die Gospa ist da. Sie ist den Menschen nahe in ihrer Mütterlichkeit, in ihrer Güte.

Und ich glaube, das alle diese Erinnerungen Verbindende ist diese Nähe, die wir natürlich überall erfahren dürfen, überall haben dürfen. Aber es gibt Orte, wo es ganz besonders stark ist. Und ich glaube, das ist das eigentliche Geheimnis von Medjugorje, das ist die Gospa.“

Kardinal Schönborn mußte sich nach dieser Pilgerfahrt auf päpstlichen Druck hin bei dem für Medjugorje zuständigen Bischof Peric entschuldigen.

Näheres hier: http://www.pressinfocom.com/1/Kardinal-Schoenborn-entschuldigt-sich-bei_511283.html

Felizitas Küble