Satanismus und Exorzismus heute

Vortrag von Pater Lothar Groppe SJ am 6.7.2010  in Ratzeburg

Wenn wir über Exorzismus sprechen, müssen wir uns zunächst darüber klar sein, was ihm vorausgeht bzw. wann der Exorzismus zum Tragen kommt. Es handelt sich bei ihm darum, jemanden, der im weiteren Sinn von übernatürlichen Kräften, welche die Verfügungsgewalt über die eigenen psychischen Funktionen beschränkt, ergriffen ist, hiervon zu befreien.

Im engeren Sinn ist  Besessenheit der Zustand, der durch die teilweise Beherrschung der psychischen Tätigkeiten durch persönliche, menschen- und gottesfeindlichen Wesen herbeigeführt wird. Die Einwohnung  höherer Kräfte wird in Zauberei und Wahrsagen menschlichen Absichten dienstbar gemacht; der Besessene gilt sehr oft als zaubermächtig oder zum Schamanen oder Medizinmann   besonders befähigt  – so die Erklärung des LThuK (Lexikon für Theologie und Kirche).

Beim Thema Besessenheit, Teufel und Exorzismus scheiden sich bei Psychiatern, Psychotherapeuten, Psychologen und Theologen beider Konfessionen die Geister:

Manche lehnen dies Gebiet als „Quatsch“ ab, denn nach Ansicht nicht weniger „moderner“ Theologen und Wissenschaftler darf es Dämonen nicht geben. Andere bejahen die Tatsache der Besessenheit – so der Saarländer Theologe Markus Birkenheuer, der den Teufel für eine personale Realität hält.  Er vertritt die Ansicht, daß man das Böse mit rationalen und medizinisch-psychologischen Erklärungen  allein nicht überwinden kann. Der Freiburger Dogmatiker Joseph Schumacher, der in meinen Ausführungen weitgehend zu Wort kommt, vertritt ebenfalls die Realität des Teufels als persönliches Wesen.

Die katholische  Kirche hält nach dem Zeugnis des NT an der Möglichkeit der Besessenheit fest und versteht diese als einen außergewöhnlichen, von Gott zugelassenen Einfluß des Teufels über den menschlichen Leib.

Wie Sie vielleicht wissen, hat der katholische Theologe Herbert Haag dem Teufel  den Abschied gegeben, aber die Kirche hält an seiner Existenz fest. Die Berichte über Dämonenaustreibungen finden sich an zahlreichen Stellen des Evangeliums, so etwa Mt 12, 22 ff., Lk 11, 19, Mk 9, 38 usw.

Natürlich hat der biblische Teufel nichts mit dem Kasperletheater zu tun. Möglicher-weise hat dieses dazu geführt, dass der Teufel bzw. seine Realität von „fortschrittlichen“ Menschen nicht mehr ernst genommen wird.

Wie sieht die kirchliche Praxis zur Überwindung der Besessenheit aus?

In den ersten christlichen Jahrhunderten trieben nicht nur Priester, sondern auch einfache Gläubige den Teufel aus. Die Gabe der Teufelsaustreibung, des Exorzismus, wurde als besonderes Charisma betrachtet  – so heute noch in der Ostkirche

In der römischen Kirche wurde bereits im 3. Jahrhundert das Exorzistat eingeführt. Bis zum II. Vaticanum gehörte das Exorzistat zu den vier niederen Weihen. Ich selber habe diese noch während des Philosophiestudiums erhalten (3. Stufe der niederen Weihen).

Heute bedarf die Ausübung des Exorzismus der Genehmigung durch den Bischof. Sie wird grundsätzlich allein den Priestern erteilt  –  vgl. CIC c. 1151.

Erst im 15. Jahrh. wurden die Regeln über die Behandlung von Besessenen  durch Heinrich v. Gorkum niedergeschrieben. 1614 faßte das „Rituale Romanum“  die wichtigsten Regeln zusammen.

Zunächst wurde angemahnt, Krankheit und Besessenheit nicht zu verwechseln. Als Anzeichen der Bessenheit werden angegeben: Das Verstehen fremder Sprachen; das Wissen um geheime Dinge; das Verfügen über außergewöhnliche Kräfte; die Reaktion auf den Exorzismus sowie auf heilige und geweihte Dinge, z.B. Weihwasser. Sie kennen die Redeweise, dass jemand etwas fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.

Das einzelne Zeichen allein ist noch nicht eindeutig. So könnte das Wissen um geheime Dinge auf Hellseherei zurückgeführt werden, allerdings auch auf göttliche Erleuchtung oder dämonischen Einfluß.

Wie bei einer Krankheit die  richtige Diagnose oft erst möglich ist, wenn mehrere Anzeichen zusammentreffen, etwa bei der Frage, ob eine Gehirnerschütterung nach einem Unfall vorliegt, so auch bei der Besessenheit.

Man muß bei einem Besessenen zwei Zustände in seiner Person unterscheiden: In einem Zustand ist äußerlich alles normal, so dass er seiner gewohnten Arbeit nachgehen kann.

Im anderen Zustand schaltet sich der Teufel ein. Dieser Krisenzustand kann ohne besonderen äußeren Anlaß eintreten, wird aber vor allem durch den Exorzismus erzwungen, so daß der Teufel seine Anwesenheit im Körper verraten muß.

Es treten z.B. Lähmungen auf, Taubheit, Stummheit, Blindheit, Meteorismus (Blähungen), Schmerzen und Krankheitserscheinungen verschiedenster Art. Der Körper kann sogar emporgehoben werden oder wie in Ekstase strahlen.

Der Exorzist muß den Sachverhalt der Besessenheit sorgfältig klären. Ob es sich tatsächliche um böse Geister handelt, bedarf einer theologischen Prüfung, die sich auf die Regeln zur Unterscheidung der Geister im Exerzitienbuch des hl. Ignatius stützt.

Nach den Weisungen des Rituale soll er durch Fragen ermitteln, ob ein oder mehrere Teufel anwesend sind, wie ihre Namen heißen, warum es zu dieser Besessenheit kam, was der von Gott zugelassene Zweck derselben ist und an welchem Tag und zu welcher Stunde sie beendet sein wird.  Die kirchliche Praxis geht von der Voraussetzung aus, dass der oder die Teufel diese Fragen wahrheitsgemäß beantworten müssen.

Neugieriges Fragen nicht erlaubt

Alle anderen Fragen, die nicht zu dieser Klärung beitragen, etwa aus Neugier, verbietet das Rituale ausdrücklich.

Je nachdem, ob es sich bei Besessenheit um Strafe für eine Schuld oder um die Auswirkungen eines Fluches handelt, oder lediglich um eine Prüfung  (passive Reinigung), muß der Exorzist anders vorgehen.

Erst wenn der Zweck, zu dem Gott die Besessenheit zuließ, erreicht ist, kann der Schlußexorzismus gesprochen werden. Während des Ausfahrens wird der Körper des Besessenen heftig hin und her gezerrt.

Dies alles klingt möglicherweise  abstrus, aber es ist schon ein merkwürdiges Phänomen, daß Teufel und Dämonen innerhalb der Kirche mehr und mehr an die Peripherie gerückt  oder nur symbolisch verstanden werden, während das Interesse daran außerhalb der Kirche in auffallender Weise wächst.

Satanismus als neue Anti-Religion

Wie der Freiburger Dogmatikprofessor Joseph Schumacher in einem Vortrag (am 16.2.2000 in Meran) über „Das Wirken dämonischer Kräfte – Satanismus“ ausführt, bieten sich Satanskult und Satanismus als Alternative zum Christentum wie eine neue Religion an. Ich stütze mich nun weitgehend auf seinen Vortrag.

In der Hinwendung zum Teufel und zu Dämonen suchen viele Hilfe und Trost in der Monotonie des Alltags, in der Resignation und Verzweiflung angesichts der nicht beantworteten Sinnfrage.

Mats Wilander, einst großes Tennis-As aus Schweden, sagte in einem Interview: „Man hat das Gefühl, in einem Sandkasten herumzuspielen – und der, der das schönste Sandschloß baut, gewinnt. Wir trainieren und spielen, ohne zu wissen, wo wir sind. Es klingt natürlich toll, sich ein Schloß zu bauen, acht Stunden am Tag Golf zu spielen und teuer essen zu gehen, aber das ist alles so sinnlos.“

Nach Professor Schumacher ist für ungezählte Jugendliche, aber nicht nur für sie, der Satanismus zu einer geschätzten Droge geworden, die ekstatisches Erleben vermittelt.  In sog. „schwarzen Messen“ wird diese Art von Anti-Religion geradezu zelebriert.

In einem langen Gespräch mit ihm habe ich die Frage geklärt, ob Besessenheit und Satanismus identisch sind. Das sind sie nicht. Vielmehr liegt bei echtem Satanismus – also nicht etwa bei bloßer Neugier, was da vor sich geht – Besessenheit vor. Aber der Besessene ist nicht gleich Satanist.

Exorzismus nur bei einem Einzelnen erlaubt

Die Vornahme des Exorzismus darf nur in einer Kirche oder Sakristei vorgenommen werden und zwar  unter Ausschluß der Öffentlichkeit und dann nur bei einem Einzelnen.

Der Bischof kann die Anwesenheit eines Familienangehörigen genehmigen. Sonst erfolgt sie strikt unter Ausschluß der Öffentlichkeit, um Sensationsgier vorzubeugen. Ihnen ist vielleicht bekannt, daß der afrikanische Erzbischof Milingo sich als „Massenexorzist“ betätigte. Zu ihm kamen angeblich Besessene gleich in Omnibussen. Er wurde später vom Vatikan in den Laienstand versetzt.

1995 erschien in Augsburg das „Schwarzbuch Satanismus“, das den gegenwärtigen Satanismus in seinen verschiedenen Schattierungen untersucht und darstellt .Darin stellen die Autoren, die Brüder Guido und Michael Grandt, fest, dass die Satanismus-Szene zu wenig von der Öffentlichkeit beachtet  wird und daß es allgemein an der nötigen Aufklärung fehlt.

Nachdrücklich weisen die Verfasser auf den rituellen Mißbrauch von Kindern im Satanismus und auf die Kriminalität des Treibens von Satanisten hin. Es sind erschütternde Fakten bekannt. Guido und Michael Grandt sprechen geradezu von einer „organisierten Verschwörung der Satanisten.“:  „Im Dezember 1989 gab es in Köln eine groß angelegte Selbstdarstellung des Satanismus, die erste nationale Schwarze Messe.“

Immer wieder berichten Zeitungen von Verbrechen mit satanistischem Hintergrund. Angesichts der Leugnung von Teufeln und Dämonen bei Christen und angesichts des schwindenden Einflusses des Christentums in der Öffentlichkeit entsteht in der Hinwendung zum Satanismus so etwas wie eine religiöse Gegenkultur.  Viele verschließen die Augen davor.

Nach Professor Schumacher sollen sich in Deutschland rund 2 Millionen Jugendliche in Kulten und Sekten organisiert haben, von denen sich nicht wenige zu satanistischen Ideen bekennen.

Nach Einschätzung der „Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ treffen sich mehr als 10.000 Jugendliche regelmäßig zu „schwarzen Messen“. Sehr viel größer ist die Zahl der Jugendlichen, die irgendwann mit satanistischen Ritualen in Kontakt gekommen sind, sich jedoch wieder davon abgewandt haben.

Das mag Ihnen vielleicht allzu phantastisch vorkommen, aber bei meiner Beschäftigung mit Friedrich von Spee, dem mutigen Bekämpfer des Hexenwahns, stieß ich u.a. auf Berichte in der „Welt“ (8.8.1985), in denen es heißt, daß heutzutage Hexen, Hexenpriester und „neue Heiden“ nach einer Abkehr vom Christentum bei uns in Deutschland auf dem Vormarsch sind.

Bereits 1984  – und die Zahlen sind steigend  –  schätzten Experten die Zahl der aktiven Hexen und Satanspriester auf etwa 2500. Mehr als 25% der Deutschen seien von den übersinnlichen Kräften dieser Magier überzeugt („Welt“, 12.9.1984) Ein Jahr später berichtete „Die Welt“: „Das Heidentum ist zu einem Faktor geworden, mit dem alle Religionen  und politischen Kräfte rechnen müssen.“

„Eine Jugenddroge von heute“

In der „Welt am Sonntag“ vom 21.2.1988 heißt es: „Der Satanskult ist die Jugend-Droge von heute.“

Nach Prof. Schumacher gibt es in allen größeren Städten der westlichen Welt satanistische Gruppierungen, zum Teil auch in Entwicklungsländern, wenngleich dort in etwas anderer Färbung. In wachsendem Maß finden wir sie in den Ländern des früheren Ostblocks.

Diese Gruppen arbeiten stets mit Verächtlichmachung der Religion und Gottesverehrung, mit der Zerstörung religiöser Gegenstände und Symbole, mit Sex und Gewalt und mit Ritualisierung des Kriminellen; sie haben mitunter sogar perverse Freude am Foltern und Töten: zunächst an Tieren, dann aber auch an Menschen; ihr Weltbild ist okkult und magisch.

Satanisten sind davon überzeugt, dass der Mensch sich die jenseitige Welt verfügbar machen kann, speziell die bösen Geister. Denken Sie an „Faust“ und seinen Pakt mit dem Teufel.

Sie treten in Konkurrenz zu den etablierten Religionen – insbesondere dem Christentum –  auf. Deshalb nennen sich die Verantwortlichen in diesen Gruppen gern Priester oder Großpriester, inszenieren eine satanistische Liturgie und feiern schwarze Messen: in ihnen verbinden sie sexuelle Orgien mit grausamen Tieropfern und Kindesmißhandlungen bis hin zu sadistischen Morden. Häufig verwenden sie hierbei konsekrierte Hostien. Das ist auch einer der Gründe, warum z.B. in England  lange Zeit die Handkommunion in der kath. Kirche nicht erlaubt war.

Der Ritualmord ist in je verschiedener Gestalt ein zentrales Element des Satanismus. Vielleicht erinnern sich einige noch daran, daß am 9. August 1969 Sharon Tate, die schwangere Frau des Filmproduzenten Roland Polanski, bestialisch ermordet wurde.

1986 wurde in Lüdinghausen ein 15-jähriges Mädchen durch die satanistische Gruppe der „Luzifikaner“ ermordet, die Luzifer ein Opfer darbringen und den Einzug des Mädchens in dessen Reich beschleunigen wollten. Ein Siebzehnjähriger und eine Siebzehnjährige hatten dem Mädchen die Pulsadern aufgeschnitten (vgl. FAZ 17.10. 1987).

1993 starb in der thüringischen Kleinstadt Sondershausen ein 15-jähriger Junge unter grausamen Foltern als Opfer eines satanistischen Mordes.

1994 gingen in der Schweiz 53 Männer und Frauen der Sonnentempler-Sekte auf Geheiß ihres Anführers in den Tod, nachdem sie zuvor einen drei Monate alten Säugling geschlachtet hatten (Grandt, S. 16).

In England sollen es jährlich etwa 4000 Kinder sein, die dem „Satan“ geopfert werden. In Kalifornien sind 95% aller vermißten Kinder angeblich Opfer von satanistischen Entführungen und Morden.

Es wird von Frauen berichtet, die in das Netz der Satanisten gerieten, Jahre hindurch rituell mißbraucht und gezwungen wurden, ihre Kinder dem satanistischen Wahn zur Verfügung zu stellen. In dem 1967 in den USA erschienenen Buch „The Black Arts“ propagiert Richard Cavendish das Menschenopfer, speziell das Kindesopfer und bezeichnet es als das wirksamste Mittel zur Gewinnung des Wohlwollens des Teufels und der Dämonen.

Seit jeher gehört zum Teufelskult auch ein gewisser Vandalismus gegenüber heiligen Zeichen. Man zerstört Feldkreuze, besonders in der Karfreitagsnacht,   schändet die Eucharistie.

In Bad Schwartau wurde das Innere der Kirche mit Kot beschmiert. Im September 1987 wurden bei zwei Kirchen in Rom innerhalb von 48 Stunden Sakralgegenstände und konsekrierte Hostien entwendet.

Der „Großpriester“ der „Schwarzen Kirche Luzifers“ erklärte vor Journalisten, zwar verwende er mit seinen Leuten bei den schwarzen Messen auch konsekrierte Hostien, aber beschaffe sich diese auf legalem Wege. (DT 3.9.87)

Eine spezifische  Form des Satanismus ist der Hexenwahn. Unter „Hexen“ versteht man Frauen oder Männer, die mit dem Teufel angeblich einen Pakt geschlossen haben und denen der Teufel als Gegengabe außergewöhnliche Kräfte verleiht; sie erheben den Anspruch, mit Hilfe des Teufels und der Dämonen die Zukunft voraussagen und in Krankheit und seelischen Nöten helfen zu können.

Man hat von einem Hexenboom als einem charakteristischen Zeichen der Gegenwart gesprochen. 1984 sollen nach Angaben der „Welt“ mehr als 2500 Hexen praktiziert und ihre Dienste gegen Bezahlung angeboten haben (12.9.84)  – und 1990 bereits an die 10.000 (laut idea -Spektrum vom 26.7.90).

Ulla von Bernus aus Wüstefeld bei Rotenburg  empfiehlt sich in Zeitungsannoncen als Hexe und Satanspriesterin. Sogar im Fernsehen durfte sie auftreten. Für das Zusammenführen oder die Trennung von Menschen, insbesondere für das „Tothexen“ mit Hilfe des Satans berechnete sie bis zu 30.000 DM. Über 20 Ehemänner will sie schon „totgehext“ haben.

Zum Satanismus gehört auch der Konsum von Drogen. Der Griff nach ihnen ist heute weiter verbreitet als   gewöhnlich angenommen wird. Nach einer Umfrage in den USA sollen 50% der  befragten Teenager  sie zumindest schon ausprobiert haben, aus Spaß, aus Überredung oder um dem Alltag zu entfliehen.

Im Satanismus werden nicht nur illegale Drogen, sondern auch Medikamente als Drogen verwendet wie Amphetamine, Antidrepessiva, Beruhigungsmittel und Halluzinogene. Vor allem spielt der Alkohol im Satanismus eine große Rolle. Man darf nicht vergessen, dass auch  Alkohol  eine Droge ist, wenn auch eine gesetzlich erlaubte. Er ist am weitesten verbreitet, auch unter Jugendlichen. In Deutschland beträgt die Zahl der Alkoholkranken 3% der Bevölkerung.

Eine Langzeitstudie der Uni Bielefeld ergab, dass sich die Drogenszene in Deutschland  in bedenklichem Maß an den Schulen etabliert hat. Nach dieser Studie trinken zwei Drittel aller Neuntkläßler regelmäßig Alkohol. Jeder Dritte nimmt Haschisch oder Kokain oder starke Medikamente.

Für den Satanismus disponiert neben den Drogen der Hardrock, eine spezifische Form von überdimensional lauter Musik. Diese Musik erfreut sich heute allgemeiner Beliebtheit. Der Hardrock und seine Vorläufer (Rolling Stones) umgeben sich mit satanistischen Symbolen und in ihren Texten treten sie mehr oder weniger unverhohlen für den Satanismus ein, so jedenfalls  einige Zeit in „Bravo“. Ob dies heute noch zutrifft, konnte ich nicht erfahren.

Wenn junge Menschen in die satanistische Szene abgleiten, sind die Eltern oft ahnungs- und hilflos. Sie sind geneigt, die Anzeichen, die sie an ihren Kindern bemerken, zu bagatellisieren, etwa die Unbotmäßigkeit ihrer Tochter – oder die Verweigerungshaltung ihres Sohnes, dessen nachlassende Leistungen in der Schule als Auswirkungen der Pubertät zu betrachten. Dasselbe gilt  für eine gesteigerte Aggression und längeres Ausbleiben am Abend. Viele Eltern trösten sich damit, daß sich dies schon wieder geben werde.

Darüber hinaus gibt es fragwürdige Autoren, die den Satanismus herunterspielen. Professor Schumacher zitiert in seinem Vortrag einen Autor, der die Meinung vertritt, satanistische Rituale seien „weitaus weniger harmlos als Treppensteigen, Schwimmen oder Autofahren.“ (S. 12)

Für Jugendämter, Jugendseelsorger und Behörden des Strafvollzugs gilt, dass sie zu wenig über das Phänomen des Satanismus wissen und ihm zu wenig Bedeutung beimessen. Nicht selten glauben sie, Verbrechen im Namen des Teufels seien Handlungen von Geisteskranken. Die Geheimhaltungsdisziplin in den satanistischen Gruppierungen erschwert ungemein die Bekämpfung des Satanismus.

Nicht selten geraten Jugendliche in die satanistische Szene, weil ihre Eltern ihnen zwar alle Wünsche erfüllen, sich ihnen aber zu wenig zuwenden und niemals für sie Zeit haben. Anhänger des Satanismus kommen keineswegs nur aus zerbrochenen Familien. Neben mangelnder Zuwendung seitens der Eltern spielt das Fehlen einer religiösen Bindung eine Rolle.

Die Einführung in satanische Gruppen erfolgt für gewöhnlich über Partys, die sich wegen ihrer moralischen Schrankenlosigkeit als attraktiv erweisen. Von den entscheidenden Leuten wird dann die Angst der Neulinge vor der Öffentlichkeit in zynischer Weise ausgenutzt, um ihren Ausstieg zu verhindern

Im Satanskult ist alles erlaubt, was verboten ist

Ob der Satanismus in einer festen Gruppe existiert oder spontan und informell ist, stets stehen Sex und Gewalt im Mittelpunkt. Die Sexualität ist für den Teufel immer schon das entscheidende Medium der Zerstörung der Menschenwürde. Im Satanskult ist alles erlaubt, was verboten ist. Die Antimoral des Satanismus ist extrem egoistisch, primitiv und brutal. Jeder soll seine eigenen Wünsche egoistisch ausleben.

In einer Sendung des ZDF im April 1989 meinte ein Schüler: „Ist doch ganz logo – die einen glauben an Jesus, und die, die etwas erleben wollen, an Satan; also, was soll die ganze Aufregung?“  –  Ein anderer ergänzte: „Am besten dabei ist die geile Musik. Dafür gibt’s ja wohl keinen Ersatz.“

Spricht man junge Menschen, die dem Satanismus verfallen sind, darauf an, sagen sie, die Selbstzerstörung werde nicht weniger durch die Politik mit ihrer Korruption und ihrem heimlichen Terror sowie durch die allgemeine Gleichgültigkeit hinsichtlich des Umweltschutzes besorgt.

Sie meinen im Grunde den zerstörerischen Nihilismus, der weitgehend in der westlichen Welt herrscht und nicht wenige zugrunde richtet, unter dessen Einfluß die Satanisten selber stehen, ohne es zu wissen oder ohne es wahrhaben zu wollen.

Gerade der latente Nihilismus treibt Menschen in den Satanismus hinein. Wer sich dem Bösen überläßt, wie es im Satanismus geschieht, zerstört sein Menschsein

Im Satanismus kehrt der in der aufgeklärten Religion abgeschaffte Teufel wieder. Es ist nicht zuletzt die schwammige Religiosität, die das Christentum weithin pervertiert hat, die den Menschen jedoch letztlich in seinen Erwartungen nicht befriedigt. Viele veranlaßt er, sich enttäuscht vom Christentum abzuwenden – denken wir an die Massenaustritte aus den Kirchen – und sich seltsamen neuen oder neu-alten Kulten zuzuwenden, oft satanistisch geprägten Kulten.

Im Satanismus wird die überkommene christliche Lehre vom Teufel und den Dämonen pervertiert und verfälscht. Der Traktat über den Teufel und die bösen Geister ist gerade heute von großer Aktualität. Vgl. dagegen den Theologen Haag „Abschied vom Teufel“.

Aber das Dogma sagt: „Die Stammeltern verfielen dem Tod und der Herrschaft des Teufels.“  –  Die Herrschaft des Teufels  wird in Gen 3, 15 angedeutet und in Joh 12, 31; 14, 30; 2 Kor 4, 4; Heb 2, 14; 2 Petr 2, 19 ausdrücklich gelehrt.

Immer wieder wird – auch innerhalb der Kirche – behauptet, der Teufel sei keine Realität, sondern nur ein Bild, ein Stilmittel. Er sei nicht eine Person und es gebe keine bösen Geister. Der Teufel und die bösen Geister seien eine Metapher für das Böse in der Welt und im Herzen des Menschen.

Die eigentliche Wurzel der Leugnung der Existenz von guten und bösen Geistern liegt in der Aufklärung, die keinen Platz für Engel und Dämonen hatte. Die Leugnung hielt ihren Einzug zunächst in die evangelische (Rudolf Bultmann + 1976) und dann in die katholische Theologie. Haag argumentiert nicht exegetisch, sondern anthropologisch. Der Teufelsglaube sei anachronistisch und für den Bürger des 20. Jahrhunderts unzumutbar.

Wäre der Teufel nur eine mythische Gestalt, dann gälte dies auch für die Existenz der Hölle. Die Leugnung der Hölle widerspricht jedoch der göttlichen Offenbarung und der durchgängigen Glaubensüberzeugung der Kirche. Letztlich ist die Leugnung des Teufels so etwas wie ein Vorspiel der Leugnung Gottes.

Schon die Vernunft kann den Teufel erschließen: seine Existenz drängt sich auf angesichts der Abgründigkeit des Bösen und seiner Übermacht, speziell in der Gestalt der geistigen Destruktion, in der Gestalt der Verführung, der Desorientierung und der Selbstzerstörung des Menschen, der Verharmlosung des Bösen, der Eskalation der Gewalt, der wachsenden Brutalität und des Schwindens des Empfindens für sittliche Werte.

Es ist leicht, die Überzeugung von der Existenz des Teufels lächerlich zu machen und ihn in das Reich der Phantasie zu verweisen. Aber unleugbar ist die Flut der Unmenschlichkeit in der Welt, denken wir etwa an die zunehmende Bedrängnis und Verfolgung der Christen in islamischen Ländern, aber auch im Hinduismus…

Sie kann nur schwer allein mit der Schwachheit und Bosheit der Menschen erklärt werden. Bemerkenswert ist die weltweite Propagierung des Bösen, die mangels  Massenmedien früher so nicht möglich war.

Aus dem Drama von Carl Zuckmayer

Im Drama von Carl Zuckmayer („Des Teufels General“) fragt der junge Leutnant Hartmann sein Idol, den General  Harras: „Glauben Sie an Gott?“  – Harras muß nachdenken, die Frage kam zu unvermutet:

„Ich weiß es nicht. Er ist mir nicht begegnet. Aber das lag an mir. Ich wollte ihm nicht begegnen. Er hätte mich  vor Entscheidungen gestellt, denen ich ausweichen wollte. Ich habe an das Erdenkbare und an das Erkennbare geglaubt. An das, was man prüfen, entdecken, finden kann…Der Mensch träumt nichts, was nicht ist und war und sein wird. Wenn er Gott geträumt hat – dann gibt es Gott. Ich kenne ihn nicht. Aber ich kenne den Teufel. Den hab ich gesehen  –  Aug in Auge. Drum weiß ich, dass es Gott geben muß. Mir hat er sein Angesicht verhüllt. Dir wird er begegnen.“

Die Begegnung mit der Abgründigkeit des Bösen hat ihren Niederschlag in den meisten Religionen gefunden, sowohl in den Hoch- wie auch in den Stammesreligionen. In ihnen gibt es die Überzeugung von der Existenz und dem Wirken der Dämonen.

Thomas von Aquin (+ 1274) stellt nüchtern fest: „Die Erfahrung zeigt, dass vieles durch die Dämonen geschieht.“  (experimento enim scitur multa per daemones fieri (STh I q. 115 a.5) Die Dämonen entlasten den Menschen nicht von seiner Schuld, machen jedoch die Abgründigkeit des Bösen verständlich.

Wie man Gott nur aus seinen Wirkungen erkennen kann, so auch den Teufel und die bösen Geister. Diese Wirkungen kann man wahrnehmen, wenn man nicht die Augen vor ihnen verschließt.

Das spezifische Wesen des Teufels und der Dämonen besteht darin, dass sie eine geistige Natur haben, dass sie personal sind; sie sind mit Intellekt und Freiheit begabte Geschöpfe und im Unterschied zu den Menschen reine Geister.

Gewiss stehen  Teufel und  böse Geister nicht im Mittelpunkt der göttlichen Offenbarung, aber man kann von ihnen nicht absehen, wenn man die Botschaft der Kirche unverkürzt versteht.

Gott  hat nicht nur die sichtbare Welt geschaffen, sondern auch eine unsichtbare mit geistigen Wesen, von denen sich einige in freier Entscheidung gegen ihn gewandt haben und böse geworden sind. An ihrer Spitze steht Luzifer.

Wegen ihres vollkommeneren Seinszustandes, ihrer größeren Einsicht und Entschiedenheit gibt es für sie keine Reue und keine Umkehr, keine Vergebung und Erlösung. Sie sind verhärtet im Bösen und brennen von Haß und Neid und Verführungssucht gegenüber den Menschen

Gott hatte die Engel gut geschaffen; böse wurden sie durch eigene Schuld. Im 2. Petrusbrief heißt es: „Gott hat die Engel, die sündigten, nicht geschont, sondern in den Abgrund hinabgestürzt.“ (2,4)

Der Sündenfall der Engel ist die Geburtsstunde dessen, was wir Hölle nennen, die örtlich und zuständlich zu verstehen ist. In der bildhaften Sprache wird sie als das ewige Feuer bezeichnet. Die Kirche hat die Ewigkeit der Hölle in alter Zeit im Zusammenhang mit der Verurteilung der Apokatastsasis-Lehre (Allerlösung) des Origenes ausdrücklich definiert.

Das Zeugnis der Heiligen Schrift

Der Teufel und die bösen Geister begegnen uns immer wieder in der Hl. Schrift, besonders im NT. Das Ringen mit der Macht des Bösen gehört wesentlich zum religiösen Weg Jesu. Christus versteht sein messianisches Wirken in erster Linie als Auseinandersetzung mit dem Satan (Mk 1, 35 – 39)

Zum Kampf gegen die Dämonen bevollmächtigt er ausdrücklich seine Jünger (Mk 3, 14f.) In der Kraft des Hl. Geistes treibt er die Dämonen aus und erweist sich so als Gottes Gesandter (Mk 1, 23 – 28; 32 – 34. 3, 22 – 30.Mt 12, 28; Lk 11, 18; 10, 18)

Im KKK (Weltkatechismus) heißt es: „Das Kommen des Gottesreiches ist die Niederlage des Reiches Satans: „Wenn ich aber die Dämonen durch den Geist Gottes austreibe, dann ist das Reich Gottes schon zu euch gekommen.“ Die von Jesus vorgenommenen Exorzismen befreien die Menschen aus der Macht der Dämonen.“ (Nr. 550)

Jesus bezeichnet den Teufel als den Fürsten dieser Welt (Joh 12, 31; 14, 30; 16, 11) und als den Menschenmörder von Anbeginn  (Joh 8, 44). Vielfach wird der Anführer der gefallenen Engel (Mt 25, 41) auch Satan genannt.

Bei Matthäus Ist 11 mal vom Satan und seinen Engeln die Rede, bei Mk 13 mal, bei Lk 23 mal,  bei Joh 6 mal.  – Im Anschluß an Jes 14, 2 nennen ihn die Kirchenväter Luzifer.

Auf jeden Fall ist er nach dem Zeugnis der Hl. Schrift im Plural zu denken. Wenn er auch in der Bibel bildhaft dargestellt wird, so darf man nicht den Gehalt, die Sache, eliminieren. Man muß zwischen Aussageweise und Aussageinhalt unterscheiden (vgl. „Sonnenaufgang“ und „Sonnenuntergang“).

Nach dem Zeugnis der Hl. Schrift liegt die Wirksamkeit des Teufels zunächst im Bereich des Geistes, d.h. er wirkt in geistiger Weise auf den Willen des Menschen ein. Durch Verführung zur Sünde  versucht er dem einzelnen zu schaden, ihn zum Haß gegen Gott zu verleiten, gegen die Wahrheit, besonders gegen die Menschen und gegen alles von Gott Geschaffene. Sie verleiten dazu, sich den Trieben ungeordnet zu ergeben.

Ihr Bestreben ist es, die gute Schöpfung Gottes zu verderben. Als Widersacher Gottes und der Menschen führen sie vor allem einen unerbittlichen Kampf gegen Christus und seine Anhänger, denken wir an die Millionen Märtyrer des vergangenen Jahrhunderts.

Von ihrer Natur her sind die bösen Geister dem Menschen überlegen, aber Gott bewahrt den Gläubigen, wenn er sich an ihn wendet. Christus ist der Stärkere. Dennoch können die bösen Geister viel Unheil anrichten und sie tun es auch.

Dämonenangst  ist der Offenbarung fremd, wenngleich sie Wachsamkeit verlangt: „Seid nüchtern und wachsam! Euer Widersacher, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher und sucht, wen er verschlingen kann.“ (1 Petr, 5, 8 )

Eine intensivere Einwirkung des Teufels  auf einen Menschen ist die Besessenheit, die uns in den Evangelien recht häufig begegnet. Sie besteht darin, dass der böse Geist vom Leib eines Menschen gewaltsam Besitz ergreift, um die körperlichen Organe und die niederen Seelenkräfte zu beherrschen.

Nach außen wirkt der Besessene wie ein psychisch oder physisch Kranker, weshalb eine sichere Erkennung der Besessenheit schwierig, wenn nicht sogar fast unmöglich ist.

Christus hat nicht wenige Besessene geheilt. Mit Namen bekannt ist Maria Magdalena, aus der er sieben böse Geister ausgetrieben hat. Bei Mt 8, 16 lesen wir: „Am Abend brachte man viele Besessene zu ihm. Er trieb mit seinem Wort die Geister aus und heilte alle Kranken.“  – Jesus unterschied deutlich zwischen Krankheit und Besessenheit. Seinen Jüngern verlieh er die Vollmacht, böse Geister auszutreiben

Nach Überzeugung der Kirche gibt es auch heute noch Besessenheit Es ist nicht zu bestreiten, dass  es eine Nähe zwischen seelischen Krankheiten und parapsychologischen Gegebenheiten sowie der Besessenheit gibt. Das darf aber nicht dazu verleiten, allein nur noch rein natürlich zu erklären. Dagegen sprechen die Berichte der Evangelien.

Man muß sich vor kritikloser Leichtgläubigkeit ebenso wie vor rationalistischem Unglauben hüten. Nüchternheit und Skepsis sind in jedem Fall nötig. Deshalb schreibt das Kirchenrecht vor, dass beim Exorzismus in jedem Fall der Bischof einbezogen wird (CIC, can 1172).

Sodann wird im Fall einer möglichen oder vermutlichen Besessenheit immer eine Zusammenarbeit zwischen Priester und Arzt erfolgen. Handelt es sich wirklich um Besessenheit, kann man ihr nicht mit medizinisch-therapeutischen Maßnahmen begegnen, so wenig wie man mit dem Exorzismus eine physische oder psychische Krankheit heilen kann.

Es gibt dramatische und weniger dramatische Formen von Besessenheit, in der es keine physischen oder psychischen Krankheitsphänomene gibt, in der aber die Bosheit ungewöhnliche Formen annimmt. Diese Form von Besessenheit dürfte heute häufiger vorkommen als in der Vergangenheit.

Verständlicherweise kann man die Frage stellen, warum Gott die Besessenheit zuläßt. Mögliche Deutungen sind, dass sie der Läuterung der Frommen dienen, sowie der Offenbarung der göttlichen Macht. In  Einzelfällen kann sie wohl auch eine Strafe für persönliche Schuld sein. Diese Möglichkeit dürfte vor allem im Kontext mi dem modernen Satanismus zutreffen.

Wenn heutzutage die Meinung vertreten wird, die bösen Geister hätten eine übermenschliche Macht und könnten Menschen daran teilhaben lassen, was man traditionsgemäß als Teufelspakt bezeichnet  –  denken wir an Goethes „Faust“ – so trifft man diese Vorstellung in den verschiedensten Denominationen, die den Anspruch besonders intensiver Gläubigkeit erheben.

Im protestantischen Raum sind das jene Christen, die dem Pfingstlertum zuneigen, im katholischen jene, die eine starke Tendenz zu Privatoffenbarungen, Visionen und Wundern haben.

Weder Aberglaube noch Unglaube sind katholisch

In diesen Kreisen gilt oft die Devise: Je mehr man glaubt, umso frömmer.   – Aber das ist nicht die katholische Auffassung. Jener Glaube, der zu viel und zu leichtfertig glaubt, ist nicht weit vom Unglauben entfernt. Der Aberglaube gebiert den Unglauben und oft der Unglaube den Aberglauben.

Das entscheidende Existential des Teufels ist die Lüge. In seinem Dienst stehen die Pseudopropheten, die Gott sagen und seinen Widersacher meinen.

Paulus bezeichnet sie als „Lügenapostel, unehrliche Arbeiter; sie tarnen sich freilich als Apostel Christi. Kein Wunder, denn auch der Satan tarnt sich als Engel des Lichts.“ (2 Kor 11, 13).

Der engen Beziehung des Teufels und der bösen Geister zur Lüge entspricht es, dass die Wunder, die sie wirken, leetztlich nur Scheinwunder sind, wie es im 2. Thessalonicherbrief  hinsichtlich des Antichristen heißt; der Name Antichrist taucht erstmals im 1. Johannesbrief auf (2,18) – den „Sohn des Verderbens“, den „Widersacher, der sich über alles erhebt, was Gott oder Heiligtum heißt“ (2 Thess. 2, 3 f; 2,9–11).

Seltenere Vorkommnisse der Psychologie, der Psychopathologie und der Parapsychologie können tatsächlich mit echten Wundern verwechselt werden.

Mit der Vorstellung des Teufelpaktes verbindet sich auch die leidvolle Geschichte des Hexenwahns, dem auch weite Teile in der Kirche verfallen waren.

Er ist freilich nicht die Frucht des gern so genannten „finsteren Mittelalters“, sondern hat eine mehrtausendjährige Tradition. Wir finden ihn bei nahezu allen Religionen der orientalischen, griechisch-römischen und keltisch-germanischen Kulturkreise.

Neben dem einen Gott der Juden oder einer Vielzahl von Göttern und guten Geistern nahm man die Existenz dämonischer Wesen an, die man sich unter gewissen Bedingungen dienstbar machen konnte.

Wir wissen aus dem 1. Buch Samuel, wie Saul durch eine Totenbeschwörerin den Geist des Propheten Samuel heraufsteigen ließ (28,11). Im AT zählten

„Schwarze Magie“ und Totenbeschwörung zu den todeswürdigen Verbrechen: „Männer und Frauen, in denen ein Toten- oder Wahrsagegeist ist, sollen mit dem Tode bestraft werden.“ (Lev 20, 27)

Kirchenväter wie Tertullian und Augustinus erblickten in der Zauberei eine Art von Götzendienst. Albert der Große und Thomas von Aquin hielten Zauberei nicht für ein Produkt der Phantasie, sondern für Wirklichkeit.

Die großen Scholastiker schreiben den starken Einfluß der Dämonen auf den Menschen einen zugrundeliegenden Pakt zu, wie es schon Augustinus in seiner „doctrina christiana“ (II, 20) getan hatte.

Die Überzeugung vom Wirken des Teufels und der bösen Geister verbürgt uns letztlich die Hl. Schrift. Man darf sie nicht selektiv lesen und willkürlich deuten.

Wie der KKK (Weltkatechismus) ausführt, ist „die Macht Satans nicht unendlich Er ist bloß ein Geschöpf; zwar mächtig, weil er reiner Geist ist, aber doch nur ein Geschöpf ….Dass Gott das Tun des Teufels zuläßt, ist ein großes Geheimnis, aber „wir wissen, dass Gott denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt.“ (Nr 395)   –  „Die von Jesus vorgenommenen Exorzismen befreien die Menschen aus der Hand der Dämonen. Sie nehmen den großen Sieg Jesu über den „Herrscher dieser Welt“ (Joh 12, 31) vorweg.“ (Nr. 550)


“Hirntod“? – Menschenwürde gilt für alle!

Der Mensch ist kein Ersatzteil-Lager!

Der bayerische Unions-Fraktionsvize Johannes Singhammer (CSU) wünscht eine offene Debatte darüber, ob der sog. „Hirntod“ wirklich der endgültige Tod des Menschen ist  –  und er kritisiert die aktuell angepeilte Erklärungs-Lösung in puncto Organspende, die zu einem Obrigkeitsstaat passen würde, weil sie jeden Bürger zwingt, sich als Ja-oder-Nein-Organspender festzulegen.

Bisher haben wir in Deutschland die erweiterte Zustimmungslösung (Organspende nur bei ausdrücklicher Zustimmung des Betreffenden oder ggf. seiner Angehörigen).

Derzeit befaßt sich der Dt. Bundestag mit diesen lebens-wichtigen Themen. Der springende Punkt ist aus Sicht der Organspenden-Kritiker,  daß die Organentnahme bei „Hirntoten“ in Wirklichkeit an Sterbenden vollzogen wird. (Anders steht es natürlich bei Lebend-Spenden, etwa einer Nierenspende unter Verwandten.)

Zum Singhammer-Standpunkt hier der Bericht aus einem evang. Nachrichtenportal:
http://www.jesus.de/index.php?id=885&tx_ttnews [tt_news]=178327&cHash=b423885d3f

Hier folgt ein weiterer Artikel dazu:
http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/46425/Organspende_Singhammer_will_Debatte_ueber_Todeszeitpunkt.htm

Das ausführliche Interview mit dem CSU-Gesundheitspolitiker Singhammer gibts hier:
https://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/vermischtes/organspende-interview-singhammer/349562.php

Zum Thema „Hirntod“, Organtransplantation veröffentlichte das Christoferuswerk in Münster folgende Pressemeldung:

http://www.news4press.com/Meldung_502172.html

Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerk

 

 


Satan kann als „Engel des Lichtes“ erscheinen

Biblisch orientierte Hinweise von Pfr. Josef Stocker zu irrgeistigen Visionen und Wundersucht:

Wie viel Unsinn redete der „Herr“ bei vielen charismatischen Schwärmern!

Auf ihre Offenbarungen und Erfahrungen ist kein Verlass. Auf Visionen ist kein Verlass!

Wegen der sich häufenden Sünden und Gottlosigkeiten der Menschheit hat Satan das Recht, viele Menschen mit schönen Visionen zu betrügen: sie  öffnen ihm Tür und Tor.  Der Lügengeist erscheint in schönem Licht,  sagt viel Wahres und mischt etwas Lüge hinzu, das genügt für eine Vergiftung. Satan ist ein Wolf im Schafspelz.

Durch falsches Verlangen, Stolz und Neugier öffnen wir ihm die Türe. Seit Gott sich in Jesus offenbarte,  hat der Mensch nicht mehr das Recht, Unterweisung direkt von Gott zu verlangen!

Jesus sagt:  „Sie haben Moses und die Propheten!“ (Lk 16,31;  Mt 5,17;  7,12;  22,40).

„Heilung, Heilung!“ wollen sie; eine Flucht vor dem Kreuz in eine Hallelujastimmung.

Meist sind sie süchtig nach Wundern, Heilung…

Gefühl und Erleben setzen sie vor den Glauben, den Verstand schalten sie gerne aus; aus der Bibel werden nur die ihnen genehmen Sätze entnommen (wie bei den Zeugen Jehovas).

In der Endzeit wird es große Zeichen und Wunder geben, gewirkt durch Satan, Teufel und Dämonen, die im Lichtglanz erscheinen und viel von Liebe reden: „Ich liebe euch!“

Viele Menschen werden irregeführt werden. Der Teufel (=Luzifer = „Licht-Träger“) kann als Engel des Lichtes erscheinen (2 Kor 11,14), er verkleidet sich auch als Jesus oder Maria, er erscheint als Licht und Frieden….

Literatur-Tips von Pfr. Stocker zum Thema Charismatik: http://www.theologisches.info/litera3.htm


Verdienstvolle Aufklärungsarbeit von Pfarrer Josef Stocker

Der österreichische Priester Josef Stocker setzt sich seit Jahren  –  auch mit Hilfe seiner Webseite „theologisches.info“   –  sehr fundiert und kritisch mit charismatischen, esoterischen und sonstigen irrgeistigen Phänomenen auseinander, ausgehend von einer theologisch konservativen und soliden katholischen Sichtweise.

Hier folgen einige Links auf seine vielseitige Aufklärungsarbeit:

Kritische Infos und Literatur zu Medjugorje: http://www.theologisches.info/brot1.htm 

Eine ausführliche Buch- und Schriften-Liste zu Charismatik, Esoterik, Okkultismus, Pseudomystik: http://www.theologisches.info/litera3.htm

Hier präsentiert Pfr. Stocker etliche Links und Buchtips zum Thema „Christen und Zeitgeist“ und zu aktuellen Herausforderungen: http://www.theologisches.info/litera8.htm

Gründlich erarbeitet ist auch seine Buch-Liste zum Islam: http://www.theologisches.info/litera7.htm

 


INFOs und LINKs zu Lebensrechts-Themen:

1. Hilfe für Schwangere:  Tiqua eV.  –  Webseite: http://www.tiqua.org/   (siehe auch unter „Links“ auf der Startseite):

Beratung (ohne Abtreibungsschein) und praktische, schnelle Hilfe für Mädchen und Frauen in Schwangerschaftskonflikten

2. Liste bzw. Anschriften von Krankenhäusern und Praxen, die keinerlei Abtreibungen vornehmen:

http://www.babycaust.at/BC-Germany/prolife/adr.htm

3. Politische Lebensrechtsarbeit  mit zahlreichen Landes- und Kreisverbänden erfolgt durch die Christdemokraten für das Leben (CDL):  http://www.cdl-online.de/


BERLINER ERKLÄRUNG: ein Dokument von bleibender Bedeutung

Berliner Erklärung  – ein notwendiger Mahnruf vom 15.9.1909

Hier folgt die im wesentlichen zeitlose, wegweisende, von nüchternen, bibelorientierten Pietisten (Evangelikalen) verkündete

Berliner Erklärung

gegen die damals aufkommende Pfingstbewegung (Charismatik).

Diese Warnung wurde vor allem von maßgeblichen Vertretern der Gemeinschaftsbewegung (Gnadauer Verband) und der Evangelischen Allianz unterzeichnet  –  hier der Wortlaut:

Die unterzeichneten Brüder erheben warnend ihre Stimme gegen die sogenannte Pfingstbewegung.

1.)  Wir sind nach ernster gemeinsamer Prüfung eines umfangreichen und zuverlässigen Materials vor dem Herrn zu folgendem Ergebnis gekommen:

a) Die Bewegung steht in untrennbarem Zusammenhang mit der Bewegung von Los Angeles, Christiania, Hamburg, Kassel, Großalmerode.  Die Versuche, diesen Zusammenhang zu leugnen, scheitern an den vorliegenden Tatsachen.

b)  Die sogenannte Pfingstbewegung ist nicht von oben, sondern von unten. Sie hat viele Erscheinungen mit dem Spiritismus gemein. Es wirken in ihr Dämonen, welche, von Satan mit List geleitet, Lüge und Wahrheit vermengen, um die Kinder Gottes zu verführen. In vielen Fällen haben sich die sogenannten  Geistbegabten nachträglich als besessen erwiesen.

c)  An der Überzeugung, dass diese Bewegung von unten her ist, kann uns die persönliche Treue und Hingabe einzelner führender Geschwister nicht irre machen, auch nicht die Heilungen, Zungen, Weissagungen usw., von denen die Bewegung begleitet ist. Schon oft sind solche Zeichen mit ähnlichen Bewegungen verbunden gewesen, z.B. mit dem Irvingianismus, ja selbst mit der Christlichen Wissenschaft und dem Spiritismus.

d)  Der Geist in dieser Bewegung bringt geistige und körperliche Machtwirkungen hervor. Und dennoch ist es ein falscher Geist. Er hat sich als ein solcher entlarvt. Die hässlichen Erscheinungen wie Hinstürzen, Gesichtszuckungen, Zittern, Schreien, widerliches lautes Lachen usw. treten auch diesmal in Versammlungen auf.

Wir lassen dahingestellt, wie viel  davon dämonisch, wie viel hysterisch oder seelisch ist, gottgewirkt sind solche Erscheinungen nicht.

e)  Der Geist dieser Bewegung führt sich durch das Wort Gottes ein, drängt es aber in den Hintergrund durch sogenannte Weissagungen (vgl. 2. Chron  18,18-22). Überhaupt liegt in diesen Weissagungen eine große Gefahr. Nicht nur haben sich in ihnen handgreifliche Widersprüche herausgestellt, sondern sie bringen  da und dort Brüder und ihre ganze Arbeit in sklavische Abhängigkeit von diesen Botschaften.

In der Art ihrer Übermittlung gleichen die letzteren den Botschaften spiritistischer Medien. Die Übermittler sind meist Frauen. Das hat an verschiedenen Punkten der Bewegung dahin geführt, dass entgegen den klaren Weisungen der Schrift Frauen, ja sogar junge Mädchen leitend im Mittelpunkt der Arbeit stehen.

 2.)  Eine derartige Bewegung als von Gott geschenkt anzuerkennen, ist uns unmöglich. Es ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass in den Versammlungen die Verkündigung des Wortes Gottes durch die demselben innewohnende Kraft Früchte bringt.

Unerfahrene Geschwister ließen sich durch solche Segnungen des Wortes Gottes täuschen. Diese ändern aber an dem Lügencharakter dieser Bewegung nichts. (Vgl. 2. Kor 11,3-4 und 14)“

Soweit die Berliner Erklärung, die in ihren wesentlichen Aussagen nach wie vor ihre Gültigkeit und Berechtigung besitzt.

Felizitas Küble, Christoferuswerk eV (Münster)


Katholischer Glaube: Leben und Wahrheit in Fülle

Die Kirche ist der „fortlebende  Christus“ und ein Werk des Heiligen Geistes

Alle Jahre wieder hören wir dasselbe Lied, genauer gesagt Klagelied: sobald von vatikanischer Seite ein Wort ertönt, aus dem hervorgeht, daß die katholische Kirche als einzige im Vollsinn „Kirche“ ist, die anderen sog. „Kirchen“ jedoch  –  genau genommen –  allenfalls kirchenähnliche „Gemeinschaften“, dann ertönt ein Aufschrei allenthalben, nicht etwa nur von protestierenden Protestanten, sondern auch von „ökumenisch“ gesinnten Katholiken, zumal von vielen Theologen.

Dabei vergessen diese Kritiker, daß sich die zahllosen protestantischen Konfessionen selbst keineswegs als „Heilsinstitution“ betrachten, daß sie also ein ganz anderes Selbstverständnis vertreten als die kath. Kirche, die sich als „Ursakrament“ oder „Grundsakrament“ ansieht und somit  als Vermittlerin jenes Heiles wahrnimmt, das von Christus kommt und vor allem in den 7 Sakramenten wirksam wird.

Wie wenig sich der Protestantismus selber als „Kirche“ versteht, läßt sich auch an vermeintlichen Kleinigkeiten buchstäblich „ablesen“. Eine der umfangreichsten und angesehensten evangelischen Bibel-Konkordanzen ist die  großformatige „Elberfelder Bibelkonkordanz“ mit fast 1900 Seiten im Kleindruck, erschienen im Brockhaus-Verlag (Wuppertal).

Es gibt kaum ein Alltagswort (vom „Platzregen“ bis zum „Käuzchen“), das man dort entbehren müßte, doch den Ausdruck „Kirche“ sucht man vergebens. Offenbar wird „Kirche“ für Protestanten erst dann interessant, wenn die kath. Kirche diesen Begriff für sich selbst beansprucht.

Nun gibt es nicht wenige Katholiken,  zumal in konservativen Kreisen, die sich relativ innig zur Orthodoxie hingezogen fühlen und ernsthaft die These vertreten, die römische Kirche sei quasi der westliche Teil der Gesamtkirche Christi  –  und die orthodoxe Kirche sei ihr östlicher Teil (oder „Lungenflügel“).

Demnach hätte Christus also wohl einen Kirchenverband in zwei Teilen gegründet oder gar zwei Kirchen, die zwar getrennt, aber auf einer höheren Ebene  doch wiederum vereint sind. Solche Vorstellungen sind biblisch und dogmatisch gesehen aber unsinnig.

Wenngleich nicht bestritten werden kann, daß die orthodoxen Konfessionen dem katholischen Glauben  –  zumal in der Sakramentenlehre  – sehr viel näher stehen als die protestantischen Konfessionen, so ändert dieser unterschiedliche „Entfernungsgrad“ nichts an der grundlegenden Tatsache, daß die Orthodoxie keineswegs eine Stiftung Christi ist, sondern eine vor ca. 1000 Jahren erfolgte  Abspaltung von der Kirche des HERRN.

Warum sind wir Christen?

Weil wir uns auf die Zusage Christi verlassen: „Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben in Fülle.“ (Joh.10,11)

Dazu gehört nicht allein ein gelingendes Dasein im Diesseits, sondern vor allem die Verheißung ewigen Lebens im Jenseits:  dort werden wir einst das Leben in seiner ganzen Fülle erfahren, weil wir in GOTT die Quelle des Lebens schauen.

Warum sind wir Katholiken?

Weil zur Fülle des Lebens auch die Fülle der Wahrheit gehört.

In Joh. 20,31 heißt es, daß wir „durch den Glauben das Leben haben“.

Der Glaube ist die Annahme der Wahrheit Gottes, das JA zur „Offenbarung“, zur Selbstmitteilung Gottes durch die Propheten des Alten Bundes und besonders durch Christus, seinen eingeborenen Sohn.

Der Glaube kommt von Hören“, wie das bekannte Apostelwort erklärt  –  also nicht vom Fühlen oder rein menschlichen Denken; das sind nur Begleiterscheinungen. Entscheidend ist unser Hören auf Gottes Wort, auf seine Selbstoffenbarung in Christus, die uns die Kirche in Wort und Sakrament verkündet.

Wir sind also Katholiken, weil Christus selbst die Kirche gegründet hat, „damit sie die Wahrheit haben in Fülle“.  

Auch diese Aussage finden wir der Sache nach im Neuen Testament: So bezeichnet Paulus die „Kirche des lebendigen Gottes“  als „Haus Gottes“ und als eine „Säule und Grundfeste der Wahrheit“ (1 Tim 3,15).

Der hl. Apostel nennt die Christen sodann „Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“, die auferbaut sind „auf der Grundlage der Apostel und Propheten, während Jesus Christus der Eckstein ist, in welchem der ganze Bau zusammengefügt ist zu einem heiligen Tempel im Herrn.“(Eph 2,19)

Aus diesen Worten geht hervor, daß Christus der Kirche vor allem zwei Aufgaben verliehen hat: sie soll als „Haus Gottes“ und „Tempel im Herrn“ die Wahrheit in Fülle verkünden und zugleich das Leben in Fülle vermitteln, also die Menschen durch „Wort und Sakrament“ zum Himmel führen.

Paulus bezeichnet die Apostel als „Diener Christi und Verwalter seiner Geheimnisse“ (1 Kor 4,1). Christus gab seinen Aposteln den Lehrauftrag: „Geht hinaus in alle Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen.“ (Mk 16,15)

WORT und SAKRAMENT in ihrer HARMONIE

Dieser doppelte Auftrag in Wort und Sakrament wird allein in der kath.  Kirche in seiner ganzen Vielfalt, Fülle und Harmonie wahrgenommen.

Während die protestantischen Konfessionen insgesamt gesehen sehr „wortlastig“ sind, ist die Orthodoxie genau das Gegenteil, gewissermaßen „sakramentenfixiert“.

Allein die kath. Kirche hält hier eine gesunde Mitte ein, getreu jener vom Heiligen Geist getragenen Vernunft und Einsicht, die  Einseitiges und Extremes vermeidet.

Die „Wortlastigkeit“ des Protestantismus ist offensichtlich und in den reformierten Bekenntnissen, vor allem bei den Calvinisten, besonders ausgeprägt.

Hingegen haben die Lutheraner vergleichsweise mehr von der „sakramentalen“ Denkweise der kath. Kirche beibehalten. Immerhin vertrat Luther in der „Abendmahlsfrage“  – im Streit um die „Realpräsenz Christi“  – gegenüber Calvin und Zwingli einen Standpunkt, der dem katholischen Glauben relativ nahesteht. Auch die „Bilderstürmerei“ durch Reformierte bzw. „Wiedertäufer“ lehnte Luther ab.

Es handelt sich gleichwohl nur um graduelle Unterschiede innerhalb des Protestantismus. Im Wesentlichen  ist man sich darin einig, daß es in erster Linie Aufgabe kirchlicher Vertreter sei, das Wort Gottes zu verkünden  – die Sakramente dienen eher als Begleitmusik, gelten mit Ausnahme der Taufe als nicht heilsnotwendig, wobei sogar die Heilsnotwendigkeit der Taufe von einigen protestantischen Konfessionen bestritten wird (zB. Freikirchen, Baptisten, Mennoniten, Adventisten).

Die Orthodoxie hingegen vertritt genau das andere Extrem: Dort ist das kirchliche Leben weitgehend auf Gottesdienst und Sakramente konzentriert  – man könnte inso-fern von einem „Sakristei-Christentum“ sprechen. Im orthodoxen Gottesdienst, der sich stundenlang hinziehen kann, fehlt normalerweise die Predigt, ebenso vermißt man Lesungen aus dem Alten Testament (die es nur ausnahmsweise gib).

Bezeichnenderweise gibt es in der Orthodoxie kein  eigentliches, verbindliches  „Dogmengebäude“,  keine präzise,  systematische, klarumrissene, „amtliche“  Glaubenslehre. (Insoweit ist es auch bezeichnend, daß die katholische „Scholastik“ abgelehnt wird  – und das nicht nur deshalb, weil diese zeitlich erst nach der Abspaltung der Orthodoxie auftrat; vielmehr wird die Verstandesbetontheit der Scholastik kritisiert.)

Der orthodoxe Glaube wirkt weniger vernunftorientiert,  er  erscheint mitunter eher wie eine weihrauch-umschwängerte Mysterienreligion, geprägt von spirítuellen Weisheiten und geheimnisvollen Betrachtungen über das „geistliche Leben“ usw.   – Im Vergleich zur Orthodoxie sind sselbst Protestanten mit ihren lehrhaften “Bekenntnisschriften“ strukturell noch stärker dogmatisch und systematisch orientiert.

Allein die kath. Kirche versteht es aber, erleuchtet vom Heiligen Geist, die beiden Grundpfeiler „Wort und Sakrament“ in ihrer ausgewogenen Bedeutung zu erkennen und zu gewichten.

So werden Einseitigkeiten vermieden, die ganze Wahrheit in ihrer Fülle  präsentiert und zur Harmonie eines umfassenden (und daher eben „katholischen“) Glaubens geführt.

Von der KRIPPE über das KREUZ zur HERRLICHKEIT

Diese Ausgewogenheit der Wahrheiten zeigt die kath. Kirche auch auf einer anderen Ebene, nämlich in „heilsgeschichtlicher“ Hinsicht:

Während die lutherische Mentalität bekanntlich auf die „Kreuzestheologie“ fixiert ist (weshalb z.B. der Karfreitag für Evangelische der höchste kirchliche Feiertag ist), konzentriert sich die Orthodoxie auf eine „Theologie der Herrlichkeit“, stark bezogen auf Auferstehung, Himmelfahrt und Pfingsten, auf die glorreichen Heilsgeheimnisse also.

Aus dieser Glaubensweise ergibt sich in spiritueller Hinsicht eine intensive Sehnsucht nach einer „Vergöttlichung“ des Menschen, was in manchen orthodoxen Werken derart stark betont wird, daß der Eindruck entstehen könnte, der grundlegende Abstand zwischen Gott und Mensch, der Abgrund zwischen Schöpfer und Geschöpf werde nicht mehr ausreichend beachtet, der Himmel gewissermaßen „vorweggenommen“. Aber hienieden wandeln wir eben im Glauben und durchaus nicht im Schauen, wie Paulus betont (2 Kor 5).

Allein die kath. Kirche knüpft hier wieder das Band der Harmonie: sie betont auch die „Inkarnations-Theologie“, also das Wunder der Menschwerdung Gottes in Jesus Christus.

Daher die hohe Bedeutung von Weihnachten, daher die Verehrung der Gottesmutter, daher die vielen Darstellungen der seligen Jungfrau mit dem Christuskind, daher auch die Innigkeit und Wärme einer gesunden katholischen Marienfrömmigkeit.

Nicht zu vergessen der „Angelus“, das Gebet vom „Engel des Herrn“, der Maria die Botschaft brachte, wobei fromme Katholiken das Knie beugen, wenn es im Angelus heißt: „Und das Wort ist Fleisch geworden  – und hat unter uns gewohnt.“

Dasselbe geschieht beim „Großen Credo“ im überlieferten Ritus der hl. Messe: Beim Abschnitt „ER hat Fleisch angenommen vom Heiligen Geist aus Maria der Jungfrau und ist Mensch geworden“ kniet sich die Christenschar hin, um das zentrale Heilsgeheimnis der Menschwerdung Gottes zu ehren.

Gleichwohl weiß auch die kath. Kirche die Bedeutung von Kreuz und Auferstehung zu würdigen. Das Kreuzzeichen, das Freitagsgebot, das Kruzifix, der Kreuzweg und besonders das Meßopfer orientieren sich an Christi Opfertod auf Golgotha, Dreh- und Angelpunkt unserer Erlösung.

Auch von einer Vernachlässigung des Osterglaubens kann nicht die Rede sein, ist Ostern doch das höchste Fest im katholischen Kirchenjahr  – und auch durch Sonntagsheiligung und Sonntagskirchgang feiern wir die Auferstehung des HERRN.

Ergebnis also: Allein die Katholische Kirche gibt allen drei heilsgeschichtlichen Stufen (Inkarnation, Kreuzestheologie, Auferstehung)  den ihnen gebührenden Rang, verfällt in keine Übertreibungen, praktiziert keine Einseitigkeiten, sondern läßt auch hier alles in geordneter Harmonie an seinem richtigen Platz, verkündet und feiert die Heilsgeschichte in ihrer ganzen Vielfalt und Fülle von der Krippe über das Kreuz zur Herrlichkeit.

Von diesen drei Etappen der neutestamentlichen Heilsgeschichte zeugt auch der Rosenkranz, der einen betenden Bogen spannt von der Verkündigung des HERRN über Golgotha bis hin zur himmlischen Glorie.

Während die protestantische Glaubenswelt sehr christozentrisch orientiert ist gemäß dem reformatorischen Prinzip „Christus allein“ (solus Christus), ist die orthodoxe Spiritualität stark auf den Heiligen Geist bezogen, also pneumatisch geprägt.  Das zeigt sich dort auch in der Liturgie, etwa bei der Epiklese, der Herabrufung des Heiligen Geistes vor der hl. Wandlung.

Merkwürdig ist allerdings, daß das Sakrament der Firmung bei den Orthodoxen meist an die Kindertaufe „drangehängt“ wird und dadurch viel an eigenständiger Bedeutung einbüßt.

Auch in der Anbetung der heiligsten Dreifaltigkeit verzichtet die Katholische Kirche auf einseitige Fixierungen; sie läßt die drei göttlichen Personen quasi alle zu ihrem Recht kommen, auch Gott-Vater, den Schöpfer und „Gesetzgeber“. Keine Konfession betont die Bedeutung der göttlichen Gebote so stark wie die Katholische Kirche. Dabei verweist sie auf das zeitlos gültige Wort des HERRN: „Willst Du zum Leben eingehen, so halte die Gebote!“ (Mt 19,17)

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münste