Fragwürdige Visionen der charismatischen Nonne Briege McKenna

Von Felizitas Küble

Zu den besonders bekannten Gestalten in der katholisch-charismatischen Szene zählt die in Irland geborene Nonne Briege McKenna, die zu den „Schwestern der hl. Klara“ gehört.

Sie reist weltweit durch die Lande, hält Vorträge und gibt Exerzitien, vor allem für Priester. Auf Großversammlungen nimmt sie über tausende katholische Geistliche eine charismatische „Geistausgießung“ vor, zB. bei jährlichen „Priestertagen“ in Ars (Frankreich).

Die sendungsbewußte Nonne glaubt überdies daran, daß der Himmel ihr die „Gabe der Heilung“ geschenkt habe. Entsprechend klingt auch der Titel ihres Buches: „Wunder geschehen wirklich“ – und dies angeblich vor allem durch ihren eigenen „Heilungsdienst“.

Schaut man sich ihr Buch genauer an, fällt manches Merkwürdige auf  –  hierzu einige Beispiele:

Unter dem Mäntelchen scheinbarer „Demut“ beschreibt sie auf S. 35 diese selbstgefällige Vision:

Sie fährt eines Nachts aus dem Schlaf hoch, öffnet die Augen und sieht an der Decke das Bild eines „wunderschönen (!) Gartens“, der viele Blumen enthält – und dazwischen „kleine (!) Unkräuter“. – Dann heißt es: „Der HERR sagte mir: „Briege, dies ist deine Seele.“Fotolia_23885701_Konzert_470x_

Theologisch unausgegoren heißt es zwei Seiten später:

Wenn ich über unseren Kampf gegen die Sünde nachdenke, werde ich häufig an Christi Weg nach Golgotha erinnert. Er fiel mehrmals hin, aber er stand immer wieder auf. Dies ist unsere Berufung, ständig nach Heiligkeit zu streben.“

Dieser Vergleich ist denkbar unpassend angesichts der absoluten Heiligkeit Christi, die stets uneingeschränkt vorhanden war: seiner Gottheit nach sowieso, aber auch Christi menschliche Seele war von Anfang an vollkommen heilig.

Weitere zwei Seiten danach schreibt sie:

Ich erklärte ihm, daß das Sakrament der Versöhnung nicht dazu da ist, die bereits begangenen Vergehen fortzuwischen, sondern daß die Gnade des Sakramentes den Menschen die Kraft gibt, sündige Gewohnheiten aus ihrem Leben auszumerzen.“

Hier wird die Beichte an sich, die sehr wohl vor allem dazu dient, „begangene Vergehen fortzuwischen“, mit einer zusätzlichen Frucht bzw Wirkung der Beichte verwechselt: Dieses Sakrament schenkt neben der Sündenvergebung auch helfende Gnaden, die uns im Kampf gegen die Sünde unterstützen. Gleichwohl besteht in der Sündenvergebung die wesentliche Wirksamkeit.

Erneut zwei Seiten danach schreibt sie, daß sie „in Sprachen betet“, gemeint ist die schwarmgeistige Zungenrede – dies Phänomen nennt sie „Lobpreis“ wie bei Charismatikern üblich.

Zwei Seiten danach schildert sie erneut eine scheindemütige Vision, wo sie sich als „zerrissenes Zelt“ sieht, weil sie die Nacht zuvor von vielen Versuchungen geplagt gewesen sei und am nächsten Morgen sich „wie zerschlagen und entmutigt fühlt“.  –  Warum „zerschlagen“? Hat sie den Versuchungen nachgegeben?

Gleichwohl ging sie  –  eigenen Angaben zufolge  –  danach zur hl. Kommunion.

Daraufhin „sieht“ sie angeblich Christus selbst, wobei sie „ihn“ einlädt, in dieses „zerrissene Zelt“ ihrer Seele zu kommen, „er“ aber erklärt, er säße schon mittendrin….

Christus“ erklärt ihr sodann, sie brauche sich mit ihrem zerrissenen Zelt nicht zu befassen, denn es genüge, wenn sie sich nur mit „ihm“ beschäftige, dann werde er das zerrissene Zelt schon heil kriegen.

Dergleichen ist theologisch fragwürdig bis irreführend, zumal es beim Kampf gegen die Sünde sehr wohl auch auf unsere Mitwirkung ankommt, freilich auf dem Fundament der Gnade Gottes.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags in Münster


3 Kommentare on “Fragwürdige Visionen der charismatischen Nonne Briege McKenna”

  1. Elisa sagt:

    „weil sie die Nacht zuvor in vielen Versuchungen geplagt gewesen sei..“ Auch wenn man bei jedem dieser Versuchungen nicht gefallen ist, ist doch die ständige Störung der Nachtruhe ganz bestimmt ausreichend, um am nächsten Tag zerschlagen zu sein. Und wer wird gern hintereinander so oft angegriffen ohne es anstrengend zu finden ?
    Ganz allgemein finde ich soll man sehr kritisch sein und all die Gaben und Phänomene im Gebet Gott geben und um seine Wahrheit bitten, denn jedes voreilige pro und contra ist ja doch wieder menschlich.

    Gottes Segen und liebe Grüße

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  2. P. Vuih sagt:

    Ein abschließendes Urteil über das Buch und das Wirken von Briege McKenna habe ich selbst mir noch nicht gebildet. Aber nach der mir vorliegenden Ausgabe ihres Buches „Wunder geschehen wirklich“ (2. unveränderte Auflage, Miriam, Jestetten 2008) ist das von Ihnen angegebene McKenna-Zitat zur Beichte falsch. Richtig heißt es (meine Hervorhebung) dort auf S. 50:

    „Ich erklärte ihm, dass das Sakrament der Versöhnung nicht NUR dazu da ist, die bereits begangenen Vergehen auszuwischen, sondern dass die Gnade des Sakramentes den Menschen die Kraft gibt, sündige Gewohnheiten aus ihrem Leben auszumerzen“.

    In Ihrer Textwiedergabe fehlt das alles entscheidende Wort „nur“. Ihre anschließenden Belehrungen, wozu das Sakrament der Buße „sehr wohl“ da sei, gehen daher wohl vollkommen in die Leere; denn dass die Beichte zur Sündenvergebung da ist, hat sie weder bestritten, noch gibt der Kontext des Buches das her.

    Wirklich überzeugend finde ich auch Ihren Vorwurf scheinbarer Demut nicht, weil sie meine, Jesus bezeichne ihre Seele als „wunderschön“, aber mit nur „kleinem Unkraut“. Denn Sie sagen ja selbst, dass Jesus nach McKennas Aussagen ihre Seele auch als „zerfetztes Zelt“ bezeichnet habe. Schließlich ist das dann das Bild, das ihre Ausführungen im Weiteren prägt. Sogar das ganze Kapitel heißt so. Im Kontext sieht also auch hier die Sache ganz anders aus.

    Und darüber, wann sie zur Kommunion gehen darf und wann nicht, haben Sie doch nicht zu Gericht zu sitzen. Versuchungen zu haben und sich von ihnen entmutigt und zerschlagen zu fühlen, ist ja wohl noch keine (noch dazu keine schwere) Sünde. Sind Sie ganz sicher, dass Sie sich mit solchen Urteilen nicht möglicherweise selbst versündigen?

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    • Guten Tag,
      zunächst einmal fehlt das Wörtchen NUR in der uns vorliegenden, dritten Auflage des Buches „Wunder geschehen wirklich“ von 1992. Ich habe mir jetzt eigens die Mühe gemacht, das Buch in unseren Regalen herauszusuchen und die Seite 39 nachzuschlagen.
      Wenn man Versuchungen nicht nachgibt, sondern ihnen tapfer standhält, fühlt man sich dann „entmutigt und zerschlagen“? – Normalerweise wohl kaum.
      Zudem: Wodurch haben wir den Gang zur Kommunion denn verurteilt? Durch das harmlose Wörtchen „gleichwohl“ etwa?
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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