Die Visionärin Gloria Polo und ihre Erlebnisse im „Jenseits“

Anfangs galt sie als „Geheimtip“, danach war sie recht schnell in frommen Gruppen und Gebetskreisen bekannt und fuhr vortragsreisend durch die Lande, auch durch die deutschsprachigen:

Gloria Polo, eine hübsche Zahnärztin aus Kolumbien, die 1995 einen Blitzschlag überlebte, dies als Wunder betrachtet und sich dadurch bekehrte. Zugleich berichtet sie im Zusammenhang mit diesem Unfall von Nahtod-Erfahrungen, die sie freilich als Jenseits-Visionen deutet.

Sie ist davon überzeugt, der Himmel habe sie beauftragt, ihre visionären Erlebnisse durch Wort und Schrift zu verbreiten. Die Wertschätzung, die Gloria Polos Berichte in glaubenskonservativen Kreisen erfahren, hängen vor allem damit zusammen, daß sie in moraltheologischer Hinsicht von A – Z (von Abtreibung bis Zölibat) die Lehre der kath. Kirche vertritt.

Das ist zweifellos zunächst erfreulich  –  aber erhalten dadurch ihre Ausführungen  über Himmel, Hölle, Fegefeuer etc. automatisch das Siegel der Echtheit?   – Doch wohl kaum, weil das eine mit dem anderen nichts zu tun hat.

Auch rechtgläubige Menschen können sich in visionärer Hinsicht leicht irren, erst recht nach einem solch traumatischen  Unfall, der durchaus mentale oder psychologische Beeinträchtigungen zur Folge haben kann.

Was ist  also „dran“ an diesen  – wie manche glauben  –  Botschaften aus dem Jenseits?

Um dies herauszufinden, müssen wir Gloria Polos Aussagen näher unter die Lupe nehmen, ausgehend zB.  von ihrem Lebensbericht „Von der Täuschung zur Wahrheit“, einem Vortrag, den sie am 5. Mai 2005 in einer Kirche in Caracas (Venezuela) hielt und der schriftlich verbreitet wurde.

Über ihre Eindrücke aus der „Hölle“ (und wen sie dort „antraf“) schreibt Polo beispielsweise:

„Es waren Selbstmörder, die sich in einem Augenblick der Verzweiflung umgebracht haben und nun waren sie in diesen Qualen, in dieser Not, in dieser Folter. Umgeben von diesen fürchterlichen Dingen, eingekreist von Dämonen, die sie quälten. Aber das schrecklichste an der ganzen Tortur war die völlige Abwesenheit Gottes. Und ich verstand, daß jene, die sich das Leben nehmen, dort so lange bleiben müssen, so viele Jahre, als sie auf Erden noch zu leben gehabt hätten.“

In dieser Darstellung finden sich folgende Irrtümer:

  1. Wenn sich jemand nicht aus voller Erkenntnis und freiem Willen umbringt, sondern (wie von Polo beschrieben)  per Kurzschlußhandlung „in einem Augenblick der Verzweiflung“, so kommt er allein deshalb nicht ohne weiteres in die Hölle  – es sei denn, der Betreffende befindet sich beim Selbstmord sowieso nicht im Zustand der Gnade, sondern der unbereuten schweren Sünde.  Die Kirche hat immer schon gelehrt, daß eine objektive Todsünde (wie sie der Selbstmord zweifellos darstellt) erst durch volle Erkenntnis und  uneingeschränkte Zustimmung des Willens zu einer subjektiven, persönlichen Todsünde wird. Gott allein weiß also, wie sich hier die jeweilige Situation eines Selbstmörders darstellt.
  2. Polo behauptet, daß menschliche Seelen in der Hölle durch Dämonen gequält werden. Hierfür gibt es weder in der Heiligen Schrift noch in der amtlichen Lehre der Kirche einen Beleg. Es stellt sich überdies grundsätzlich die Frage: Warum sollten die Dämonen als „Strafende“ agieren, wo sie doch selber „Bestrafte“ sind.
  3. Völlig unsinnig ist Polos Ansicht, daß Selbstmörder so lange in der Hölle (!) bleiben müßten, wie sie ihr Leben verkürzt haben. Selbst wenn sie das hinsichtlich des Fegefeuers behaupten würde, wäre es lediglich eine Spekulation. Betreffs der Hölle ist es kompletter Unfug, da diese ewig ist  – und überdies nicht unserer „Zeitrechnung“ angepaßt („Jahre“…), denn die Dimensionen der Ewigkeit befinden sich außerhalb von Raum und Zeit nach irdischem Verständnis.

Theologisch absurd ist auch Polos folgendes Höllen-Erlebnis:

„Als ich wieder schrie, ich sei katholisch, hörte ich eine Stimme, so süß, so mild, so unvorstellbar gut und schön, daß alles in mir voll Freude und Liebe war und meine Seele erbebte. Diese furchtbaren Geschöpfe, die sich an mich angeklebt hatten, als sie diese Stimme hörten, fielen sie augenblicklich in Anbetung nieder…Als ich das sah, wie sich diese fürchterlichen Dämonen flach hinwarfen, nachdem sie nur die Stimme des HERRN hörten  –  ich war erstaunt.“

Erstaunt darf man hier wahrlich sein, denn Satan und die Dämonen befinden sich eben deshalb in der völligen Gottesferne, weil sie den Allmächtigen  eben  n i c h t  dienen, weil sie IHN  n i c h t  anbeten wollen. In dieser Verweigerungshaltung besteht gerade deren selbstgewählte Verdammnis.  –   Diese Vision kann also auch nicht stimmen.

Frau Polo wiederholt diesen Unsinn noch öfter, auch im Zusammenhang mit der hl. Messe: „Wenn der Priester die Hostie hebt, fühlt man die Gegenwart des HERRN und alle fallen auf die Knie, selbst die Dämonen.“  – Erstens soll man an die Gegenwart Christi glauben, ob man sie „fühlt“ oder nicht  –  und zweitens knien die Dämonen gewiß nicht während der hl. Messe, wo sie ohnehin nichts zu suchen haben.

Abschließend berichtet die „Visionärin“, daß sie vom Jenseits ins Diesseits zurückkehrte und Christus ihr ein besonders Apostolat aufgetragen habe:

„Der Herr sandte mich zu meiner Mission auf Erden: „Du wirst zurückkehren, um Zeugnis abzulegen  – und Du wirst es immer wiederholen, nicht tausend, sondern 1000 mal 1000 mal.“

Das wäre dann eine millionenfache Wiederholung ihres „Zeugnisses“  – also schlicht unmöglich, es sei denn, sie wird mindestens so alt wie Methusalem…

Zudem soll Christus zu ihr Folgendes gesagt haben:

„Wehe dem, der dies hört und sich nicht ändert. Er wird mit größerer Strenge gerichtet werden…Meine Gesalbten, die meine Priester sind, oder sonst jemand, der Dir nicht Gehör schenkt, der sein Leben nicht ändert, wird ein strenges Gericht erfahren.“

Derlei „Drohbotschaften“ sind aus dem Bereich der irrgeistigen „Mystik“ zur Genüge bekannt. Damit soll der jeweiligen „Privatoffenbarung“ ein besonders hohes Gewicht beigemessen werden, als sei sie quasi das „fünfte Evangelium“. Daher die Drohung: „Wehe dem, der Dir nicht Gehör schenkt…“

Solche unseriösen und emotionalen Einschüchterungen sind ein typisches Merkmal der Falschmystik.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

Kontakt: felizitas.kueble@web.de

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Schwärmerbewegungen in der Kirchengeschichte

Die Kirche mußte sich von Anfang an  – auch in ihrer Frühzeit  –  gegenüber selbsternannten  „Propheten“ und enthusiastischen Gruppen abgrenzen:

Bereits Mitte des 2. Jahrhundert ging es los mit der (erstaunlich erfolgreichen!) Sekte der „Montanisten“ aus Kleinasien, gegründet von einem Wanderprediger namens Montanus, der sich für besonders „geisterfüllt“ hielt und zudem zwei „Seherinnen“  –  Priscilla und Maximilla   – mit sich führte.

Diese angeblich „begnadeten“  Damen verkündeten in Gottesdiensten und auf Wandeschaft ihre „Visionen“, darunter auch den „Anbruch“ eines Heilig-Geist-Reiches“, das mit dem gesegneten Wirken ihres „Propheten“ Montanus begonnen habe und nun die „endgültige Offenbarung des Heiligen Geistes“ biete. Damit gingen sie über die Heilige Schrift und die Lehre der Apostel hinaus.

Diese Bewegung erhielt erheblichen Zulauf innerhalb der frühen Christenheit, so daß die Kirche sich deutlich distanzierte, um diesen Unfug zu stoppen, was aber nur von begrenzter Wirksamkeit war, denn diese erste charismatische Sekte wirkte noch jahrhundertelang weiter. Gegen Schwarmgeisterei ist bekanntlich kaum ein Kraut gewachsen, wie man heute ebenfalls erleben kann.

Etwa ein Jahrtausend später gab es wieder eine Neuauflage der Endzeitschwärmerei in einer etwas anderen Variante:

Der italienische Ordensgründer und Abt Joachim von Fiore legte seine eigene Sicht der „Heilsgeschichte“ vor, gegliedert in drei Zeitalter:
Das Reich des Vaters im Alten Bund
Das Reich des Sohnes im Neuen Bund
Das beginnende Reich des Heiligen Geistes (auch „Drittes Reich“ genannt).

Abt Fiore  – und noch mehr seine enthusiastischen Anhänger  – erklärten, dieses glückselige irdische Friedensreich werde vom Geist Gottes derart erleuchtet sein, daß sich die „Institution Kirche“ dann mehr oder weniger erübrigen werde.

Daß das kirchliche Lehramt diesen „höheren Unsinn“ nicht billigen konnte, war klar:
zum einen wegen des indirekten Angriffs auf die Kirche im mißbrauchten „Namen des Hl. Geistes“, vor allem aber wegen des Widerspruchs zur Heiligen Schrift hinsichtlich eines endzeitlichen, universalen Friedensreiches.

Die Nationalsozialisten (übrigens auch die Kommunisten mit ihrem „Arbeiterparadies“), die eine politische Variante der Endzeitschwärmerei vertraten und sich für die Urheber eines „tausendjährigen Reiches“ hielten, haben den Ausdruck Fiores vom „Dritten Reich“ übernommen und für sich vereinnahmt.

Diese alten Vorstellungen von einer weltweiten Erweckung, einem irdischen Friedensreich vor der Wiederkunft Christi, einem „zweiten Pfingsten“ und dergl. sind in der Pfingstbewegung und „Charismatischen Erneuerung“ wieder lebendig geworden, beginnend mit der Entstehung des protestantischen Pfingstlertums Anfang des 20. Jahrhunderts in Los Angeles.

Zurück zu Joachim von Fiore: einige seiner Lehren wurden von seinen Anhängern noch schwarmgeistig verstärkt und fanden vor allem in enthusiastischen („spiritualen“) Strömungen des Franziskanerordens starken Nachhall. Diese Bewegung der „Joachimiten“ wurde von Papst Alexander IV. im Jahr 1256 offiziell abgelehnt.

Das Schwärmertum zieht sich also durch die ganze Kirchengeschichte  – auch bei der gnostischen Sekte der Katharer in Südfrankreich (die sich auch für besonders „geistbegnadet “ hielten) gab es entsprechende Tendenzen.

Enthusiastische Endzeitvisionen kommen wie Wellenbewegungen immer wieder von neuem  – zwar in abgewandelter Form, aber im Grunde: semper idem  = immer dasselbe!

Paulus mahnt uns in 2 Tim 4,3:  „Denn es wird eine Zeit kommen, da man die gesunde Lehre nicht mehr erträgt, sondern sich nach eigenen Wünschen Lehrer aussucht, die den Ohren schmeicheln; sie werden sich von der Wahrheit abwenden und den Fabeln zuwenden.“

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MiT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster


Montichiari und die Marienerscheinungen der „Rosa Mystica“

Kirchlich nicht anerkannte „Offenbarungen“ aus Italien

Das Bild und die Statue der „Rosa Mystica“ sind in marianischen Kreisen weitverbreitet; zuweilen sieht man diese Mariendarstellung auch in Kirchen, Klöstern und Kapellen, sehr häufig in Wohnzimmern erscheinungsgläubiger Katholiken oder als Abbildung in Andachtsbüchern und Jahreskalendern (etwa dem bekannten „Haussegen“-Kalender). rosa-mystica6

Bei diesen Statuen soll es öfter zu „übernatürlichen“ Vorgängen wie Tränen, Bluttränen oder Rosenduft gekommen sein. Besonders bekannt wurde die „Tränenmadonna“ von Maasmechelen in Belgien, die Anfang der 80er Jahre für erhebliches Aufsehen sorgte.

(Hinweise über solche „Tränen-Madonnen“ siehe hier: http://www.das-graue-tagebuch.de/html/1089113-weinende_rosa_mystika-.html)

Diese „Madonna mit den 3 Rosen“ (daher der Name Rosa Mystica = geheimnisvolle Rose) geht auf zahlreiche „Marienerscheinungen“ im ober-italienischen Städtchen Montichiari-Fontanelle zurück, die bereits 1947 begonnen haben und erst 1976 endeten.

„Schmusemadonna“ mit 3 Rosen auf der Brust

Die „begnadete Seherin“ Pierina Gilli sah die „Madonna“ bei der ersten Erscheinung mit 3 Schwertern, die ihre Brust durchbohrten, danach mit 3 Rosen (einer weißen, einer roten und einer goldenen).

Die Statue der Rosa Mystica wurde nach Angaben der Visionärin angefertigt; diese Darstellung ist aber keineswegs identisch mit der bekannten Madonna im Dom von Montichiari, wo sich einige Rosen zu Füßen der Gottesmutter befinden, wie man es ähnlich auch von klassischen Gemälden kennt.

Schon die Statue der Rosa Mystica sorgt für Meinungsverschiedenheiten. Manche Anhänger halten sie für ein Marienbild von besonderer Anmut. Kritiker sprechen von Kitsch, „Schmusemadonna“ oder gar „Fruchtbarkeitsgöttin“ (u.a. wegen der Hervorhebung weiblicher Merkmale durch 3 farbige große Rosen auf der Brust).mtcarmelpic1

Das “Heiligtum“ der Erscheinung in Fontanelle liegt ca 15 km außerhalb von Montichiari und hat mit dem kirchlichen Dom nichts zu tun. Dennoch wird von Rosa-Mystica-Fans gern ein Zusammenhang hergestellt, auch auf Titelbilder von Werbebüchern (etwa jenem von Pfr. A. M. Weigl).

Die jahrzehntelangen „Erscheinungen“ wurden von den Bischöfen bzw Untersuchungskommissionen des betreffenden Bistums Brescia von Anfang an abgelehnt. Die Verurteilungen wurden mehrfach an alle Kirchentüren des Domes von Montichiari angeschlagen. Dennoch riß der Pilgerstrom zu Pierina Gilli nicht ab, zumal auch in Deutschland empfehlende Bücher über diese Rosa Mystica herauskamen.

Hierzu gehört auch „Maria – Rosa Mystica“ von Horst Mehring aus Essen (St. Grignion-Verlag, Altötting), das zahlreiche Auflagen erlebte und 1992 in der 7. Auflage erschien.

In der folgenden „Abhandlung“ über die „Botschaften“ der Rosa Mystica wird aus der 5. Auflage zitiert, die 1976 herauskam, also jenem Jahr, in dem die „Erscheinungen“ aufhörten.

Weist man Montichiari-Anhänger darauf hin, daß die Visionen der „Seherin“ Pierina von kirchlicher Seite nicht anerkannt wurden, bekommt man häufig zu hören, das sei wohl auch kein Wunder, da seit dem 2. Vatikanum viele Bischöfe „nicht mehr an Wunder glauben“, zudem die Marienverehrung sowieso kaum noch gefördert würde usw.

Kirchliches NEIN seit 55 Jahren

Hierbei wird übersehen, daß die kirchliche Untersuchungskommission bereits Anfang der 50er Jahre (also 10 Jahre v o r dem Konzil) ein negatives Urteil über diese „Privatoffenbarung“ fällte.

Genau umgekehrt wird also „ein Schuh draus“: Tatsache ist, daß das kirchliche Lehramt früher sehr viel kritischer gegenüber „Erscheinungen“ und ähnlichen Phänomenen auftrat, siehe zB. die eindeutige Ablehnung von Heroldsbach durch das Hl. Offizium inkl. strenger Kirchenstrafen für Heroldsbach-Verehrer (Suspension werbender Priester und Exkommunikation der „Seher“-Kinder).

Bis 1966 schrieb das Kirchenrecht vor, daß alle Bücher über Visionen und Erscheinungen der kirchlichen Genehmigung (Imprimatur) bedürfen. Leider sind diese Vorschriften, die eine notwendige Schutzmauer bildeten, 1966 unter Paul VI. gestrichen worden – vermutlich im Zusammenhang mit der Abschaffung des „Index“ (Liste verbotener Bücher).

Eine verhängnisvolle Entscheidung, weil nunmehr eine Flut von Pseudomystik auf die Gläubigen eindringen konnte und falschen Propheten auf diese Weise Tür und Tor geöffnet wurde.vierge_pellevoisin

In der Zeit vor dieser gefährlichen „Großzügigkeit“ hielt sich die Verbreitung von Falschmystik in Grenzen. Die Kirche wußte nicht zuletzt durch ihre jahrtausendelange Erfahrung, daß der Satan sich raffiniert als „Engel des Lichtes“ tarnen kann, um Christen mit dem süßen Gift seiner Lügen zu verführen, die er geschickt in fromme Worte verpackt. Wer von den Gläubigen würde denn sonst darauf hereinfallen?

Der hl. Apostel Paulus schrieb bereits über die „Lügenpropheten“:
“Sie sind hinterlistige Arbeiter, die sich als Apostel Christi ausgeben. Kein Wunder, denn der Satan selbst verkleidet sich als Engel des Lichts.“ (2 Kor 11,13 f)

Die Heilige Schrift warnt vor Trugbildern des „Vaters der Lüge“, die vor allem in der Endzeit stark zunehmen, wie Christus ankündigt:

„Wenn jemand zu euch sagt: „Schaut, hier ist Christus oder dort“, so glaubt es nicht! Denn es werden falsche Messiasse und falsche Propheten auftreten und große Zeichen und Wunder wirken, um womöglich auch die Auserwählten irrezuführen. Seht, ich habe es euch vorhergesagt!“ (Mt 24,23 ff)

Die Irrtümer von Montichiari

Nun zur Sache selbst, den „Botschaften“ der Rosa Mystica. Diese klingen auf den ersten Blick wunderbar fromm, ja konservativ, weshalb viele „marianische“ und „traditionelle“ KathoIiken gerne daran glauben.

Doch mit dem schillernden Köder wollen wir uns nicht aufhalten, sondern vielmehr den diabolischen „Kratzfuß“ aufzeigen, der sich bei aufmerksamer Analyse etlicher „Botschaften“ zeigt. – Hier einige Beispiele:

Die Rosa Mystica erklärte bei der 3. „Erscheinung“ in Fontanelle am 9.6.1966:
„Heute hat mich mein göttlicher Sohn Jesus Christus neuerdings hierhergesandt. Heute am Fronleichnamsfest, am Fest der Einheit und am Fest der Liebe. Wie sehr wünsche ich, daß dieser Weizen zu eucharistischem Brot würde in vielen Sühnekommunionen.“ (Siehe S. 34/35)

FRONLEICHNAM ist aber kein verschwommenes „Fest der Einheit und der Liebe“, sondern der Anbetung Christi im Altarsakrament. Auch der Begriff „eucharistisches Brot“ ist unklar; es geht um Leib und Blut Christi, um Seine wahre Gegenwart in den Gestalten von Brot und Wein.

Diese Wandlung geschieht keineswegs erst bei der hl. Kommunion – das wäre eine lutherische Vorstellung! – sondern vorher durch die sakramentalen Wandlungsworte des Priesters.

Zudem ist zwar der Kreuzestod Christi und die hl. Messe ein Akt der Sühne, die hl. Kommunion ist aber die Zuwendung dieses Sühneopfers, also seitens des Menschen die Annahme eines Geschenks (Gemeinschaft mit Christus, helfende Gnaden, Vergebung läßlicher Sünden). Was hat nun die hl. Kommunion mit „Sühne“ zu tun? Sühnen kann man zB durch Fasten, gute Werke, Almosen, geduldiges Ertragen von Leiden.

Es fällt zudem auf, daß diese Rosa Mystica zwar oft von „Gebet, Opfer, Sühne“ redet, aber n i e von Beichte bzw. Bußsakrament. Wird hier vielleicht mit viel wohlklingendem Redeschwall das wirklich Notwendige verdrängt?

Bei der 4. „Erscheinung“ am 6.8.1966 sagte die Rosa Mystica :

„Nach meiner Aufnahme in den Himmel habe ich mich als Mutter und Mittlerin zwischen meinen göttlichen Sohn Jesus Christus und die ganze Menschheit gestellt.“ (S.37)

Erstens war die Gottesmutter schon v o r ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel als Fürsprecherin tätig (siehe zB. Hochzeit zu Kana).

Zweitens stellte sie sich nicht „zwischen“ Christus und uns wie eine Barriere, sondern führt uns zu ihm wie ein Wegweiser. Zudem ist Maria nicht Mutter der „ganzen Menschheit“, sondern die Mutter der Erlösten, der Christgläubigen.

Bei einer späteren „Erscheinung“ sagte ein Engel über das „Fiat“ (Jawort) der Gottesmutter zur Menschwerdung Christi:

„Es ist mit dem Fiat der Schöpfung zu vergleichen, weil es ihr Fiat gewesen ist, durch das sie von Gottvater alle Gnaden erhielt.“ (S. 41)

Sollte der hl. Erzengel Gabriel nach 2000 Jahren nicht mehr wissen, daß er v o r dem JA-wort Mariens erklärte: „Du bist voll der Gnade.“ Auch die Menschwerdung Christi wurde v o r ihrem Jawort angekündigt.

GOTT, der die Madonna zum Tempel des Erlösers erwählte, schenkte ihr im Hinblick auf die Verdienste Christi schon bei ihrer Empfängnis eine Fülle von Gnaden und das Freisein von Erbsünde. Maria ist also die Vorerlöste und Ersterlöste des Neuen Bundes. Folglich wird in dieser „Engelsvision“ auf listige Weise das Dogma von der makellosen Empfängnis Mariens geleugnet. – Zudem ist die Äußerung von einem angeblichen „Fiat der Schöpfung“ theologisch haltlos.

Überdies findet sich in den Botschaften der Rosa Mystica vieles, was einer Allerlösungs-Irrlehre entspricht oder ihr zumindest nahekommt, etwa wenn es heißt, die Rosa Mystica bewirke eine „Rückkehr des Lichtes, der Liebe und des Friedens über die ganze Welt“ (S. 46).

Ähnliche Äußerungen folgen: „Ich bin die Mutter der Liebe für die ganze Menschheit“ (S. 46) – „Sage allen, daß ich sie liebe und ihnen die Gnaden des Himmels schenke.“ (S.193). – Zudem erging auch die Aufforderung: „Hilf mit, daß viel gebetet wird, damit die Barmherzigkeit des Herrn die ganze Menschheit geradezu überströme.“ (S.191)

Man sieht also, daß auch bei „Marienerscheinungen“, die im konservativ-traditionellen Gewande einhergehen, Vorsicht angesagt ist, damit sich nicht schleichend Irrlehren im gläubigen Volk breitmachen.

Felizitas Küble leitet das Christoferuswerk und den KOMM-MIT-Verlag in Münster
Kontakt: felizitas.kuble@web.de


Der Millenarismus und die Kirche

Was sagt die Kirche zum „Tausendjährigen Reich“?

Ergänzend zum biblisch orientierten Artikel über die falschgeistige Erweckungs-Erwartung im Pfingstlerspektrum („zweites Pfingsten“, weltweite Erweckung, kommendes „Friedensreich“ etc),  folgt hier der  Standpunkt unserer katholischen Kirche zum Thema Chiliasmus oder Millenarismus (gemeint ist die Lehre vom Tausendjährigen Reich in der Endzeit).

Wir unterscheiden zwei unterschiedliche „Endzeit-Schwärmereien“ (Chiliasmus-Modelle):

A Prä-Millenarismus (Millennium  = tausendjähriges Reich, prä =  vor):

Dieser Standpunkt geht davon aus, daß Christus  v o r  dem tausendjährigen Reich erscheint, das er dann glorreich auf  E r d e n  errichten wird (diese Sicht entspricht einer wortwörtlichen Auslegung der Johannesoffenbarung). PAX

Die kath. Kirche glaubt, daß sich dieses Reich des HERRN nicht auf das Diesseits bezieht, doch sie toleriert die prä-millenaristische Ansicht, zumal sie auch von einigen frühen Kirchenvätern des 2. Jahrhunderts vertreten wurde, freilich meist in einer sehr gemäßigten Variante.  Wer also unbedingt daran glauben möchte, kann das tun, befindet sich aber theologisch auf unsicherer Ebene.

B. Post-Millenarismus (post = nach):

Dieser Standpunkt geht davon aus, daß durch christliche Predigt, Geist-Aussendung oder ein gewisses Eingreifen Gottes ein weltweites Friedensreich entsteht und Christus erst d a n a c h  als Weltenrichter kommen wird  –  also erst das „Millennium“, dann erst Christi Wiederkunft.

Diese These, die vor allem in Charismatikerkreisen oder bestimmen marianischen Richtungen weit verbreitet ist,  wird von der kath. Kirche  a b g e l e h n t, da sie der Heiligen Schrift eindeutig widerspricht, vor allem 2 Thess 2,1 ff.

Ein praktisches Beispiel sei erwähnt:

Unser Papst hatte, als er noch Kardinal Joseph Ratzinger war, als Chef der Glaubenskongregation im Oktober 1995 eine Notifikation zur orthodoxen „Seherin“ und angeblichen „Stigmatisierten“ Vassula Ryden erlassen.

Darin werden eine Reihe theologischer Irrtümer der „Visionärin“ aufgelistet, darunter auch ihre post-millenaristischen bzw „chiliastischen“ Vorstellungen; so heißt es wörtlich in der Vatikan-Note über Vassulas „Botschaften“.

„In chiliastischer Weise wird ein entscheidendes und glorreiches Eingreifen Gottes prophezeit, der im Begriff sei, auf Erden noch  v o r  der endgültigen Ankunft Christi ein Zeitalter des Friedens und des allgemeinen Wohlergehens zu errichten.“

Dieser Punkt war also einer der Gründe für die Ablehnung der „Botschaften“ Vassulas, die übrigens im Frühjahr 2011 seitens ihrer griechisch-orthodoxen Kirche exkommuniziert wurde, was überfällig war, denn auch die Apostel verstanden einst keinen Spaß, wenn Irrlehren verbreitet wurden – noch dazu im mißbrauchten Namen des „Glaubens“ oder des „Heiligen Geistes“.

Auch früher hatte die Kirche post-millenaristische Thesen verurteilt, so etwa die Endzeitschwärmerei des italienischen Abtes Joachim von Fiore, der ein großartiges Heilig-Reist-Reich vor der Wiederkunft Christi ankündigte.

Auch im Zusammenhang mit den späteren „Botschaften“ von La Salette (die von der Kirche  im Unterschied zum ersten Teil nicht anerkannt wurden) wurde deren postmillenaristische Richtung kritisiert. (Melanie hatte endzeitschwärmerisch von einem Friedensreich vor der Wiederkunft Christi fabuliert, von „Aposteln der letzten Tage“ usw).

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Pfingstlerische Erweckungs-Lehre widerspricht der Bibel

Pfr. Lochners Buch „Charismatische Erneuerung“ betreibt Endzeitschwärmerei

Unter der Leitung des mittlerweile vom Augsburger Bischof Konrad Zdarsa amtsenthobenen Pfr. Thomas Maria Rimmel konnten sich in der Allgäuer Gebetsstätte „Maria vom Sieg“ in Wigratzbad immer mehr charismatische Schriften und Exerzitien ausbreiten.

Zudem betreibt Pfr. Rimmel gerne Reklame für die Bücher charismatischer Autoren und Seminarleiter in seiner Monatszeitschrift „Kirche heute“.

Hierzu ein Beispiel aus der  April-Ausgabe 2011, Seite 19:

Dort findet man eine begeisterte Ankündigung des Buches „Charismatische Erneuerung“ von Pfr. Hansmartin Lochner, der in Wigratzbad entsprechende Seminare leitete und Teilnehmern den „Hammersegen“ erteilte, so daß diese dann „im Geist ruhten“ (trance-artig rückwärtsfielen).

Pfr. Rimmel wirbt wie folgt für Pfr. H. Lochners Buch:

„Dieses engagierte Zeugnis öffnet die Augen für den dramatischen Umbruch, den die Kirche in unseren Tagen erlebt. Überzeugend stellt Lochner dar, wie Gott selbst, der die schwere Krise vorausgesehen hat, seit über 100 Jahren eine neue Ausgießung des Hl. Geistes vorbereitet.“

Aufschlußreich ist, daß hier von „seit über 100 Jahren“ die Rede ist, denn Anfang des 20. Jahrhunderts entstand im Protestantismus die schwärmerische Pfingstbewegung.  

Davon distanzierten sich bibelgeprägte, nüchterne Evangelikale (Pietisten, Allianzleute, „Gemeinschaftsleute“ bzw. Gnadauer) in der „Berliner Erklärung“ von 1909. Dort wird der Pfingstlerszene wörtlich ein „Geist von unten“ vorgehalten.

Katholischerseits entstand Ende der 60er Jahre die charismatische „Gemeinde-Erneuerung“, die sich in der äußeren Form zurückhaltender gibt als die protestantische Pfingstlerbewegung,  was aber nur einen graduellen Unterschied ausmacht.

Diesen Enthusiasten ist über Konfessionsgrenzen hinweg eines gemeinsam: sie erwarten  –  siehe auch die Buch-Reklame von Pfr. Rimmel  –  eine weltweite Erweckung, eine kommende „Ausgießung des Heiligen Geistes“, ein „zweites Pfingsten“, mitunter auch „Spätregen“ genannt (das apostolische Pfingsten war demzufolge der „Frühregen“).

Solche Zukunftsvorstellungen sind aber unnüchtern und unbiblisch, denn das Neue Testament lehrt, daß dem Ende der Zeiten alles andere als eine weltweite Erweckung vorausgeht, sondern vielmehr ein allgemeiner Glaubensabfall:

„Wenn ich wiederkomme, werde ich noch Glauben finden auf Erden?“, fragt Christus  selbst (Luk 18,8)

Was den Menschen am Ende der Zeiten vor der Wiederkunft Christi blüht, ist kein christliches „Friedensreich“ bzw ein eben falsches: das des Antichristen nämlich:

Hierzu erklärt Paulus in 2 Thess 2,1 ff:
„Brüder wir schreiben euch über die Ankunft unseres Herrn Jesus Christus! … Laßt euch nicht irreführen und nicht aus der Fassung bringen, wenn in einem prophetischen Wort… oder in einem Brief, der angeblich von uns stammt, behauptet wird, der Tag des Herrn sei schon da… Denn zuerst muß der Abfall kommen und der Widersacher, der Mensch der Gesetzlosigkeit, offenbar werden.   Jesus, der Herr, wird ihn durch den Hauch seines Mundes töten und durch seine Ankunft und Erscheinung vernichten…“

Ähnlich heißt es in 1 Tim 4,1, daß „in den letzten Zeiten einige vom Glauben abfallen und verführerischen Geistern und satanischen Lehren anhängen.“

Abfall vom Glauben setzt aber den Glauben voraus, also geht es hier nicht um die „gottlose“ Welt, sondern um den Abfall innerhalb der Christenheit!

Also von wegen „weltweite Erweckung“ und „Ausgießung des Heiligen Geistes“  – auch diese Charismatiker-Erwartung widerspricht der Heiligen Schrift!

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster


Irrgeistige „Sühneseele“ MMM und Heroldsbach

Wie sich falschmystische Phänomene gegenseitig bestätigen

Zu den typischen Merkmalen pseudomystischer „Seher“ gehört es, daß sie sich gern auf andere „Visionäre“ oder „begnadete Seelen“ berufen und dadurch gegenseitig in ihrer „Echtheit“ bestätigen.

Der „Schwarze Brief“ (SB) aus Lippstadt sowie die geistesverwandte Zeitschrift „Mystik“  lieferten jahrzehntelang die neuesten Sumpfblüten aus dem Reiche der „Mystik“   – oder was Herausgeber Claus P. Clausen dafür hält.

In beiden Publikationen wurde unermüdlich die Werbetrommel für Heroldsbach gerührt, jene von 1949 bis 1952 erfolgten „Marienerscheinungen“, die  nicht allein vom damaligen Bischof Joseph Kolb, sondern auch vom Hl. Offizium in Rom ausdrücklich verworfen wurden.

Clausen hingegen verkündet seit langem die „Echtheit“ dieser Vorkommnisse; er brachte das Thema Heroldsbach im Jahr 2007 sogar mehrfach als Titelstory seines „Schwarzen Briefs“ (SB).

Aufschlußreich ist hierbei, wie der SB die „Echtheit“ solcher Phänomene begründet, nämlich mit Hilfe der „Bestätigung“ durch andere Seher (genauer gesagt: meist sind es Seherinnen).

Angesichts „himmlischer“ Gütesiegel spielt es dann keine Rolle, ob die Kirchenleitung eine „Erscheinung“ ablehnt oder nicht, denn in diversen frommen Kreisen wirkt eine „begnadete Sühneseele“ mit heißen Draht nach oben weitaus glaubwürdiger als irdisch-kirchliche Instanzen.

Ein solches Vorgehen (eine falsche Vision bestätigt die andere falsche Vision) findet man im erscheinungsbeflissenen Spektrum recht häufig  –  insofern mag es sich lohnen, diese typische Argumentationskette am Beispiel des „SB“ einmal gründlicher zu untersuchen:

Teufelsaustreibungen als „Beweis“  für Heroldsbach

In seiner Ausgabe vom 12. Dezember 2007 warf sich der „SB“  erneut für die himmlische Herkunft der Heroldsbacher Phänomene ins Zeug und erwähnt als unschlagbares Argument:

„Die Echtheit wurde bestätigt durch eine Reihe von Wundern und  –  was es an keinem anderen Platz gegeben hat  – durch Teufelsaustreibungen.“

Tatsache ist allerdings, daß   –  bischöflich nicht genehmigte!  –   Exorzismen auch im kirchlich nicht anerkannten Erscheinungsort Montichiari munter betrieben wurden, wovon z.B.  Bonaventur Meyer (ein Autor falschmystischer Bücher)  ein Lied singen kann.

Abgesehen davon leuchtet nicht ein, weshalb gerade „Teufels-austreibungen“ die Echtheit einer Erscheinung beweisen sollen. Man müßte doch meinen, daß  Exorzismen  an solch angeblich „heiligen“ Stätten gar nicht nötig sind.

C.P. Clausen zieht aber eine weitere Trumpfkarte aus seinem Ärmel  – und sie heißt Maria Magdalena Meyer, eine von ihm stark favorisierte „Sühneseele“, deren „Einsprechungen“ er in dicken Bänden in seinem  Verlag herausbrachte. Er schreibt also:

„Maria M. Meyer vom Kostbaren Blut wurde von der Gottesmutter mehrfach nach Heroldsbach geschickt, wo es zu ungewöhnlichen Ereignissen kam. Einmal nahm sie teil an einer Teufelsaustreibung. Diese Erlebnisse sind in den Tagebüchern enthalten, die im Clausen-Verlag erschienen sind.“

Wenn es zu „ungewöhnlichen Ereignissen“ kommt, dann ist laut Clausen automatisch der Himmel zugange; daß es auch der Widersacher sein könnte, der sich als „Affe Gottes“ betätigt, der falsche „Zeichen und Wunder“ hervorbringt, kommt diesem „Mystik-Experten“ aus Lippstadt nicht in den Sinn.

Aus dem Text geht auch nicht hervor, wer nun an dieser nicht näher definierten „Teufelsaustreibung“ in Heroldsbach teilnahm: die „Seherin“ M. M. Meyer oder die „Gottesmutter“ selbst oder beide gleichzeitig.  Für Clausen ist die Sachlage jedenfalls klar: Heroldsbach muß „echt“ sein, denn die von ihm geschätzte visionäre Nonne M.M. Meyer hat diese Erscheinungen bestätigt.

Die Angelegenheit hat freilich einen Haken: er besteht darin, daß diese „Begnadete“ etliche Falschoffenbarungen zum Besten bzw Schlechten gibt, so daß ihr Zeugnis pro Heroldsbach schon deshalb null und nichtig ist.

Wenn ein Irrgeist dem anderen Irrgeist sozusagen dreimal auf die rechte Schulter klopft, entsteht daraus noch lange keine wahre Botschaft, geschweige eine  „göttliche Offenbarung“.

 

Die Irrlehren der Visionärin Meyer

Hier einige Beispiele, die theologisch aufzeigen, daß  „Seherin“ M. M. Meyer ihre Einsprechungen durchaus nicht vom Himmel haben kann:

1.  In den  – vom SB  zitierten  –   MMM-Botschaften wird die Heilsnotwendigkeit der Taufe geleugnet, die jedoch von der Hl. Schrift gelehrt und von der Kirche als unfehlbarer Glaubenssatz verkündet wird.

Die Meyer-Behauptung, wonach die Ungeborenen eben „doch getauft“ würden „durch die Barmherzigkeit Gottes“, widerspricht dem Dogma von der Notwendigkeit der Taufe.

Ähnlich irreführend ist die Aussage des Erscheinungs-„Jesus“:

„Weil man das Kind nicht will, geht auch die Gnade verloren,  die den Kindern schon im Mutterleib gegeben wird.“

Welche „Gnade“ wird dem Menschen schon vor der Geburt zuteil?  –  Wir werden geboren im Zustand der Erbsünde und damit eben nicht im Gnadenstand.

2. Angeblich sagte die Madonna zur Visionärin Meyer:  „Ich bin auf der Erde. Ich muß es sein, weil ich die Ankunft meines Sohnes vorbereiten muß.“

Die wahre Gottesmutter ist zweifellos im Himmel, wogegen sich der „Vater der Lüge“  allzu gern auf der Erde aufhält,  um sich beispielsweise als „Engel des Lichts“ zu verkleiden (vgl. 2 Kor 11, 14) und leicht verführbare  Menschen zu täuschen.

Zudem wird in dieser „Botschaft“ unterschlagen, daß erst der Antichrist auftritt, bevor die Wiederkunft Christi stattfindet: „Laßt euch nicht verwirren…, als ob der Tag des Herrn schon angebrochen sei. Zuvor muß der Abfall kommen. Der Mensch der Gesetzlosigkeit muß offenbar werden.“ (2. Thess 2,2 f.)

Durch Falschmystik wie jene von M.M.Meyer wird nicht etwa die Wiederkunft Christi vorbereitet, sondern das Kommen eines falschen Messias mit seinen sensationellen  „Zeichen und Wundern“   –  eine große Anfechtung für Wundersüchtige also!

3. Die Visionärin Meyer „erlebt“ sodann die „byzantinische Messe“ und „hört dazu von Christus, welch große Bedeutung dieser heilige Ritus hat.“

Sofern es sich um die Liturgie der Orthodoxie handelt, was anzunehmen ist, stellt sich die Frage: Warum wird dieser Ritus derart gerühmt, ohne zu erwähnen, daß sich die Orthodoxie von der Kirche Christi abgespalten hat und zudem eine Reihe von Irrlehren vertritt, also nicht „nur“ schismatisch, sondern durchaus auch häretisch geprägt ist  (man denke an die Streitpunkte um Filioque, Fegfeuer, Petrusamt, Bilderkult, „kirchliche“ Wiederverheiratung Geschiedener).

Warum sollte der wahre Christus die   –  sicherlich gültige und auch eindrucksvolle  –  Liturgie der Schismatiker würdigen, ohne auf deren theologische Irrtümer hinzuweisen?

4.  Die häretische Krönung der MMM-Botschaften findet sich in folgender „Weisheit“, mit der die irrgeistige Anrufung von Amsterdam  („…Frau aller Völker, die einst Maria war…“) verteidigt wird

„Maria wurde vereint im Leiden des Sohnes, wurde Miterlöserin und Mutter aller Völker und Hohepriesterin…. Sie wurde nach ihrer Himmelfahrt die Königin des ganzen Universums.“

Die jungfräuliche Gottesmutter ist sicher das heiligste Geschöpf aus der Hand Gottes, aber gleichwohl keine Priesterin, geschweige „Hohepriesterin“.

Eine solche Vorstellung wäre heidnisch und vom Göttinnenkult geprägt. Christi Auftrag „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ richtete sich an die Apostel und deren Nachfolger, also an alle geweihten Priester  – doch keineswegs an die Gottesmutter, denn das Priesteramt ist und bleibt den Männern vorbehalten.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags in Münster

Kontakt: felizitas.kueble@web.de


Die „Große Warnung“ und Garabandal

Nach 5 Jahren macht wieder eine „Warnung“ die Panik-Runde

Von 1961 bis 1965 soll die Gottesmutter in der spanischen Ortschaft Garabandal vier Sehermädchen erschienen sein. Diese Privatoffenbarung ist  – wie die meisten „Erscheinungen“  –   kirchlich nicht anerkannt.

Manche Vorgänge von damals erinnern an charismatische Phänomene: etwa das schnelle Rückwärtsgehen der Visionärinnen während  der „Erscheinungen“   –   sie konnten in ihrer Ekstase sogar hohe Treppen rückwärts (!) besteigen. Die „Seherinnen“ kündigten damals eine „Große Warnung“ an, die der Himmel vor dem Beginn eines göttlichen Strafgerichts senden werde.

50 Jahre nach Erscheinungs-Beginn ist der unermüdliche Garabandal-Fanclub wieder am endzeitlichen Rotieren, was man auch im Internet vielfältig nachlesen kann.

Anfang März 2011 wurde auch mir aus diesem Spektrum eine Warnung vor der „Großen Warnung“ zugeleitet, die als eine Art Auftakt zu göttlichen Strafgerichten zu verstehen sei etc.  –  In dem Rundmail hieß es:

Eine neue verborgene Seherin in Europa behauptet, dass sie seit November 2010 göttliche Offenbarungen und Prophezeiungen sowohl von der Jungfrau Maria als auch von Ihrem geliebten Sohn Jesus Christus durch Einsprechungen erhalten hat. Die Botschaften sind in einer neuen Webseite enthalten, die heute (1. März 2011) unter dem Namen „Die Warnung  –  Zweites Kommen“ (www. thewarningsecondcoming.com) gestartet ist,

Die Botschaften sind eine Mischung christlicher Lehren und Prophezeiungen in der Hinführung zum Zweiten Kommen Jesu. Sie konzentrieren sich auf „Die Warnung“, einen Akt der Barmherzigkeit Gottes, der sich in Kürze ereignet, obwohl kein Datum angegeben wurde.

Allen in der Welt, die über sieben Jahre alt sind, werden ihre Sünden gezeigt, so dass sie voll bereuen können und vor dem Letzten Tag des Gerichts umkehren können. Es ist unerlässlich, sagt die Seherin,, dass die Menschen sich für die Warnung vorbereiten; denn das Ereignis wird so schockierend sein, dass manche den Schock nicht überstehen können und als Resultat in Todsünde sterben könnten.“

Soweit dieser Unfug, der es auf emotionale Panikmache und Untergangsstimmung abgesehen hat, ohne dabei notwendige biblische Leitlinien zu beachten.

Dabei kam es schon vor 5 Jahren zu einer ähnlichen Ankündigung der „Großen Warnung“, die damals  Anfang Januar auch im „Schwarzen Brief“  (einem erscheinungssüchtigen, unseriösen Mitteilungsblatt) seitenlang breitgetreten wurde.

Nora Arthurs, eine „Begnadete“ von  89 Jahren, habe  –  so der „Schwarze Brief“ –  eine Marienvision gehabt, wonach am Sonntag, den  8. Januar 2006 mittags um 15 Uhr die „Große Warnung“ eintreffe, die in Garabandal prophezeit worden sei:

Es erscheine ein großes, helles Kreuz am Himmel, danach gäbe es für alle Erdenbewohner eine ca. 15-min. „Seelenschau“, wobei viele wegen ihrer schweren Sünden vor Entsetzen gleich tot umfallen würden etc. –  Sodann käme eine 7-tägige Finsternis, die nur wenige überleben würden….

Lassen wir uns nicht irreführen, weder von charismatischer noch von panikverrückter Seite:  Die schwarmgeistige Schönfärberei und Endzeit-Erwartung einer großartigen weltweiten Erweckung Euphorie ist ebenso absurd wie das andere Extrem, dem viele Erscheinungsfanatiker huldigen: einer unseriösen Panikmache, dem ständigen „Alarmruf“ eines göttlichen „Strafgerichts“ nach Vorgaben von angeblichen „Erscheinungen“.

Halten wir uns an den Rat des Apostels Petrus: „Seid nüchtern und wachsam!“ (1 Petr 5, 8)   –   Als Christen leben wir ohnehin immer in einer Art „Endzeit“, denn wir wissen nicht, wann Gott uns ruft: wir sollten „allzeit bereit“ sein für das ewige Leben!

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster