Pfarrer Rudo Franken zu seinem Buch „Eine Reise nach Medjugorje“

ANSPRACHE bei der Buchpräsentation des Dominus-Verlags in Augsburg am 16.6.2011

Liebe Gäste,

die heutige Präsentation zweier Bücher über Medjugorje ist etwas ganz Beson­deres, denn sie findet anlässlich des 30. Jahrestages der ersten der sogenann­ten Erscheinungen von Medjugorje statt. Außerdem befinden sich die Phäno­mene gerade  –  seit mehr als einem Jahr  –  im Stadium einer kirchlichen Über­prüfung seitens einer der Kongregation für die Glaubens­­lehre zugeordneten hochrangigen Untersuchungskommission.                 

Dass die sogenannten Erscheinungen schon so lange dauern und dass es der Kirche bis jetzt nicht gelungen ist, Klarheit in dieser Sache zu schaffen, insbesondere im Blick auf die unzähligen Menschen, die nach Medjugorje gehen und davon begeistert sind, ist eine vielsagende Tatsache – die Sache Medjugorje ist eben nicht so einfach zu bewerten.

Als ich vor dreizehn Jahren nach Medjugorje gefahren war, dachte ich im nachhinein: „Was ich in Medjugorje gesehen habe, sehen andere doch auch!? Bald ist mein Buch fertig, und dann war alle Mühe umsonst, weil jeder den Betrug selber durchschaut!“

Ich habe mich durch und durch geirrt. Selbst jetzt, mehr als zehn Jahre später, ist der Fall noch nicht geklärt! Wohl werden von Seiten der Kirche intensivere Versuche unternommen, um ‚Medjugorje’ ans Licht zu bringen und allerlei Missstände, die mit Medjugorje zusammenhängen, ‚an den Pranger’ zu stellen. Aber die Pilger scheint das kaum zu berühren.

Gut zehn Jahre nach der ersten Auflage der deutschen Fassung im Jahre 2000 erscheint nun die überarbeitete, aktualisierte und mit theologischen Einsichten angereicherte zweite Auflage.

Anfang 2010 wurde Prof. Dr. Manfred Hauke, ein bekannter Dogmatiker und Mariologe aus Lugano, zum Fall Medjugorje interviewt. Ich wurde darauf hingewie­sen und fand das Interview so klar und gut, das ich ihn bat, es in die zweite Auflage aufnehmen zu dürfen. Es ist nicht allein bei diesem Interview geblieben, auch die Reaktionen und die Antworten auf das Interview werden hier nun dokumentiert.

Ein langgehegter Wunsch geht damit in Erfüllung, nämlich, dass ein Mariologe das pastoral-kritische Buch um einen wissenschaftlichen Beitrag ergänzt. Der gesamte Komplex Medjugorje wird mittels der theologischen Analyse von Prof. Hauke nun tiefer durchleuchtet. In diesem Buch werden nun also die konkrete Erfahrung eines Medjugorje-Besuches und die wissenschaftliche Beurteilung durch einen Mariologen miteinander verknüpft, was sich als sehr vorteilhaft für eine Bewertung der ‚causa Medjugorje’ erweist.

Wir hoffen, dass wir mit dieser zweiten Auflage vielen Menschen wirklich die Augen öffnen können. Wir wissen aber auch, dass es danach viel Mühe kosten wird, um diejenigen, die von Medjugorje fasziniert wurden, nun aber skeptisch geworden sind, in einer gesunden Glaubenspraxis zu bewahren. Wer die Wahrheit über Medjugorje entdeckt, könnte enorm ernüchtert auf der Strecke bleiben – dies darf und soll nicht geschehen!

Es ist daher von großer Wichtigkeit, dass jene, die in Medjugorje auf die eine oder andere Weise berührt wurden, die jetzt aber – vielleicht durch die Lektüre dieser beiden Medjugorje-Bücher – erkennen, dass die Phänomene von Medjugorje nicht echt sind, ihre Beheimatung in der Kirche bewahren. Es geht darum, dass sie den Unterschied erkennen zwischen der Gnade Gottes, die man überall – auch in Medjugorje – finden kann, und einem angeblichen ‚Erscheinungs­ort’, der keiner ist.

Im Übrigen ist es auch wichtig zu wissen, dass selbst echte Privat­offenbarungen niemals höher gewertet werden dürfen als die in der Heiligen Schrift und in der Heiligen Überlieferung enthaltene und vom katholischen Lehramt ausgelegte allge­mei­ne göttliche Offenbarung, die mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlos­sen ist. Auch wenn die Kirche die Echtheit eines Erscheinungsortes anerkennt, so ver­pflichtet sie doch keinen, daran zu glauben. Man braucht also keine Privat­offenbarungen, um das ewige Heil zu erlangen.

Vielmehr geht es darum, dass man eine solide katechetische Vertiefung seines Glaubenswissens erfährt und eine sakramentale Festigung seines Glaubenslebens gewinnt, möglichst in einer lebendi­gen Glaubens- und Pfarreigemeinschaft, die man in unserer Zeit so oft vermisst und die man in Medjugorje wohl emotional erfahren hat. Möge es gelingen, hier bei uns lebendige Gemeinschaften im Glauben zu formen, die aus der Fülle des Katholi­schen schöpfen.

Bislang gilt in Bezug auf die vorgeblichen Erscheinungen und Botschaften von Medju­gor­je, dass es verboten ist offizielle Wallfahrten nach Medjugorje zu organi­sieren, doch seien Wallfahrten „privater Natur“ durchaus gestattet unter der Bedin­gung, dass damit nicht die Echtheit der Ereignisse behauptet würde, die noch einer kirchlicher Untersuchung harrten. Aber warum würde man dann nach Medjugorje gehen, wenn man nicht an die Erscheinungen glaubte?

Auf die Ergebnisse der Untersuchungskommission dürfen wir gespannt sein. Viel­leicht können die beiden heute vorgestellten Bücher dazu beitragen, die Anhänger von Medjugorje darauf vorzu­be­reiten.

Es ist in der Regel schwierig, Dinge differenziert zu betrachten. Bei ‚Medjugorje’ ist das sicher der Fall. Der eine ruft dies, der andere schreit das. Es wird vielleicht ein langer Weg sein, um die Menschen bezüglich ‚Medjugorje’ unterscheiden zu lehren. Je länger man damit wartet, desto länger wird meines Erachtens der Weg zur richtigen Unterscheidung der Geister werden.

Mögen wir auf unserer Suche nach der Wahrheit vor allem die Liebe nicht verges­sen. Denn Wahrheit ohne Liebe ist nicht christlich.

Mögen wir einander helfen auf der Suche nach der Wahrheit. Wir wollen einander nicht verurteilen, sondern einander helfen. Beten wir um Weisheit und Geduld.

Ich bin der Meinung, dass Papst Johannes Paul II. und Kardinal Ratzinger gut infor­miert waren, was die Erscheinung von Medjugorje und ihre vorläufige Bewertung betraf. Ich denke aber auch, dass die pastorale Sorge für sie vorrangig war, und dass diese sie davon zurückge­halten hat, ein endgültiges negatives Urteil zu sprechen. Viele Dinge hängen miteinander zusammen.

Msgr. Žanić nannte Medjugorje den größten Betrug der gesamten Kirchen­geschichte. Medjugorje ist vielleicht sogar ein Meisterstück Satans in unserer Zeit. Vielleicht hat ‚Rom’ solange mit einem allgemeinen und definitiven Urteil gewartet, weil hier ein neues Schisma auf der Lauer liegt. Wie wird die am 17. März 2010 einberufene Untersuchungskommission des Vatikans vorgehen? Wie wird sie entscheiden? Und wie werden darauf die Anhänger von Medjugorje reagieren?

Hoffen und beten wir, dass die berechtigte pastorale Sorge für die Millionen betroge­nen Pilger gepaart gehen möge mit der Liebe zur Wahrheit.

Ich hoffe und bete, dass es unserem Papst Benedikt XVI. als dem obersten Hirten der katholischen Kirche gelingen wird, die Einheit der Gläubigen zu wahren und zu fördern durch seine Liebe zur Wahrheit, aus der Wahrheit, die Liebe ist.

An dieser Stelle möchte ich allen danken, die zum Zustandekommen dieses Buches beigetragen haben, vor allem Mark Waterinckx, der auf meine Bitte hin eine Übersicht über die wichtigsten Gegebenheiten der Jahre 2000 bis 2011 lieferte, so dass dieses Buch nun auf dem neuesten Stand ist.

Nicht weniger möchte ich Prof. Dr. Manfred Hauke meinen Dank für seinen bemerkens­werten theologischen Beitrag aussprechen.

Und last but not least möchte ich dem Verleger des Dominus-Verlages, Dr. Peter Christoph Düren, ganz herzlich danken für die große Arbeit, die er bei der Edition geleistet hat.

Ich möchte diese Ansprache beenden mit einem Gebet zu Maria:

Liebe Mutter Maria, du bist unsere Mutter;
als Magd des Herrn vermagst du alles,
denn du bist ein leuchtendes Vorbild des Gehorsams.
Führe uns hinein in das Mysterium deines Sohnes,
Gottes menschgewordene Liebe.
Lass uns nicht suchen nach dem Außergewöhnlichen,
sondern öffne unser Herz für das Geheimnis der Eucharistie.
Maria, gib uns den Mut und die Weisheit, um auf das zu hören,
was die kirchliche Obrigkeit über Medjugorje verfügt hat
und weiterhin verfügen wird.
Nimm vor allem jene unter deinen Schutz, die sagen,
dass sie in Medjugorje durch Gottes Gnade berührt wurden.
Lass sie spüren, Maria, dass du bei ihnen bist und bei ihnen bleibst.
Lass sie erkennen, dass Gott zuweilen auf krummen Zeilen gerade schreibt.
Lass sie dankbar bleiben für die Gnade,
die sie ihrem Gefühl gemäß dort empfunden haben,
aber gib, dass sie die Echtheit der Erscheinung dahingestellt sein lassen.
Liebe Mutter Maria, die Gnade Gottes ist wunderbar.
Wie kein anderer kannst du davon zeugen.
Lass uns mit dir und in dir und durch dich in der Liebe Gottes bleiben,
des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes
und in der Gemeinschaft der einen, heiligen, katholischen und
apostolischen Kirche. Amen.

Dieses informative und zugleich lebendig geschriebene Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ aus dem Augsburger Dominus-Verlag kostet 19,80 € und kann auch bei uns bestellt werden: felizitas.kueble@web.de  – Tel. 0251-616768


Volker J. Jordan über das kritische Sachbuch „Medjugorje verstehen“ von D. Foley

Referat anläßlich der Buchvorstellung des Dominus-Verlags am 16. Juni 2011 in Augsburg

Von Volker Jordan (siehe Foto), dem Übersetzer des Buches

Liebe Gäste!    imm035_34A

Als ich 2008 zum römisch-katholischen Glauben konvertierte  –  ursprünglich aus evangelisch-lutherischem Hintergrund, durfte ich diesen sich über viele Jahre hinziehenden und nicht geplanten Heimweg zur Kirche über verschiedene Gemeinschaften aus dem im weiteren Sinne konservativ evangelikalen Bereich und schließlich die russische Orthodoxie beschreiten  –  hatte zwar nicht unser heutiges Thema, sehr wohl aber die der hl. Cathérine Labouré 1830 geoffenbarte Wundertätige Medaille eine wichtige Rolle gespielt.

Die angeblichen Visionen und Erscheinungen in jenem kleinen Ort in Bosnien-Herzegowina vermochten hingegen nicht nur um ihrer mangelnden kirchlichen Anerkennung, sondern vor allem um ihrer offenkundigen Verwicklungen mit der Charismatischen Bewegung willen bei mir keinerlei Begeisterungsstürme zu entfachen.

Dieser Eindruck hat sich durch die intensive Lektüre und Übersetzung des nun bald auf Deutsch vorliegenden Buches Medjugorje verstehen nur verfestigt und bestätigt.

Nachfolgend möchte ich einige Inhalte dieses im englischen Original insgesamt 25 Kapitel umfassenden Werkes kurz anreißen. Es behandelt zunächst den historischen Hintergrund zu Medjugorje, unter anderem den alten Konflikt zwischen der kirchlichen Hierarchie und den Franziskanern in Bosnien-Herzegowina, aber auch die einstige Prägung der Region durch die häretischen Bogomilen.

Sodann geht es auf den engen Zusammenhang zwischen der Charismatischen Bewegung und Medjugorje ein, der bereits seit den Anfängen des Phänomens am 24. Juni 1981 bestanden hat. Aufschlußreich und alarmierend ist der Vergleich, den der Verfasser zwischen dem Montanismus, einer seit Mitte des 2. Jahrhunderts aufgetretenen, von der Kirche schließlich als häretisch verurteilten schwarmgeistigen Bewegung, und dem „Medjugorjismus“ anstellt.

Eingehende Berücksichtigung finden in den nächsten Kapiteln die Tonbandprotokolle, die von den Befragungen der Seher in der ersten Woche der Visionen angefertigt wurden. Dabei treten einige erschreckende Details zutage. Anschließend fragt Foley, ob den Visionen möglicherweise eine dämonische Herkunft zugrunde liegen könnte. media-375643-2

Er stellt die These auf, daß die Seher in der ersten Woche der Erscheinungen offenbar wirklich eine Gestalt sahen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit als dämonisch zu identifizieren ist, in der Folgezeit aber aufgrund etlicher Faktoren weitere Erscheinungen quasi fabrizieren mußten, die im Rahmen dieses gigantischen „frommen Betruges“ bis auf den heutigen Tag andauern.

Insgesamt bewertet der Autor die Inhalte der Visionen und Botschaften als zumeist banal, macht aber auch etliche mit theologisch fragwürdigen und suspekten Inhalten ausfindig. Im Vergleich mit den bekannten, kirchlich approbierten Erscheinungen der Gottesmutter wie Lourdes und Fatima stechen zudem deren immense Häufigkeit, Zeitdauer und zuvor terminierbarer Zeitpunkt ins Auge.

Immer wieder wird hervorgehoben, daß die zuständigen Ortsbischöfe von Mostar-Duvno dem Phänomen keinerlei Übernatürlichkeit zubilligen konnten und keine einzige der Visionen und Botschaften offizielle kirchliche Anerkennung genießt.

Dies alles steht in markantem Gegensatz zu den Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima (1917) mit ihrer historischen Tragweite und klaren Botschaft an die Gesamtkirche.

Die von den portugiesischen Bischöfen vollzogene und mehrfach erneuerte Weihe des Landes an das Unbefleckte Herz Mariens hat Portugal nicht nur vor dem Sozialismus, dem Spanischen Bürgerkrieg und dem Zweiten Weltkrieg bewahrt, sondern das Land in einer beispiellosen Weise verwandelt. Durch die Besuche mehrerer Päpste hat dieser Wallfahrtsort eine kirchliche Anerkennung auf allerhöchster Ebene erlangt.

Foley beschreibt sodann die Propagandaoffensive für Medjugorje, die von mehreren Mariologen, insbesondere René Laurentin, vorangetrieben wurde, äußert sich zu den Meinungen bekannter Theologen wie Hans Urs von Balthasar über die Manifestationen, schildert die an den Sehern durchgeführten medizinischen und wissenschaftlichen Experimente und widerlegt die These, daß diese als Beleg für die Echtheit oder gar kirchliche Anerkennung der Visionen und Offenbarungen angeführt werden könnten.

Er geht auf Medjugorje als Kultreligion, die Seher als Kultpersonen mit einem in markantem Kontrast zur Lebensführung der Visionäre kirchlich approbierter Erscheinungen stehenden Lebensstil, angebliche Sonnenwunder und Wunderheilungen ein und legt dar, daß dies alles eher für die Unechtheit der Phänomene spricht.

Weitere Kapitel behandeln die anfängliche Reaktion der Kirche auf Medjugorje, insbesondere des Vatikans und der Jugoslawischen Bischofskonferenz mit der Erklärung von Zadar, offenkundige Probleme hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Seher und des von ihnen angekündigten „großen Zeichens“, die unrühmliche Rolle des Ortes im Jugoslawienkrieg, die kroatisch-nationalistischen Anwandlungen und den kontinuierlichen Ungehorsam vieler lokaler Franziskaner.

Er beschreibt zudem, nach welchen Kriterien und mit welcher Vorgehensweise die Kirche angebliche Privatoffenbarungen beurteilt und hebt die  –  von Medjugorje-Apologeten heruntergespielte  –  ablehnende Haltung der zuständigen Ortsbischöfe hervor.

Selbstverständlich widmet der Verfasser auch den sogenannten guten Früchten ein Kapitel, die von den Befürwortern immer wieder als Beleg für die Echtheit der Phänomene angeführt werden, gelangt aber zu der Einschätzung, daß trotz mancher durchaus positiv zu nennender individueller Erlebnisse von Bekehrungen, Berufungen zum Priester- und Ordensleben und der Rückkehr zu den Sakramenten letztlich die schlechten oder gar faulen Früchte überwiegen. Dies belegt er auch durch Verweise auf andere falsche Visionen und Seher.

Abermals zeigt Foley weitere Probleme und Gefahren von Medjugorje auf und bettet die Manifestationen in den Gesamtzusammenhang der Kirchenkrise ein, in der viele Gläubige in ihren Kirchengemeinden nicht mehr jene spirituelle Nahrung finden, derer sie bedürfen.

Er schildert die neueren Entwicklungen in der jüngsten Vergangenheit, kommt auf einige weitere Bücher zu sprechen und behandelt dann die inoffiziellen Äußerungen des Vatikans (auch von Papst Benedikt XVI.) über das Phänomen, die Ereignisse um den Besuch von Kardinal Schönborn zur Jahreswende 2009/2010 in Medjugorje, aber auch die Einberufung der Internationalen Untersuchungskommission unter Kardinal Ruini im März 2010.

Ein weiteres kurzes Kapitel beschäftigt sich mit der hierzulande unbekannten Caritas of Birmingham, einer Medjugorje-Organisation aus Alabama, die mittlerweile sektenhafte Züge angenommen hat und sich um die Frage der kirchlichen Anerkennung der Erscheinungen gar keine Gedanken macht, um an ihrem Beispiel die schlimmstenfalls eintretende Gefahr der Bildung einer von Rom losgelösten Parallelkirche zu illustrieren.

Danach beschreibt er neuere Entwicklungen um Fatima, kontrastiert beide Erscheinungen abermals miteinander und legt dar, wie das Medjugorje-Phänomen die Aufmerksamkeit der Kirche und vieler Gläubiger von dieser Marienerscheinung und ihrer eminent wichtigen Botschaft ablenkt, die vollständige Umsetzung der Wünsche der Gottesmutter, u.a. die gesamtkirchliche Einführung der Andacht der fünf Herz-Mariä-Sühnesamstage, verhindert und letztlich auch das Ziel der Bekehrung Rußlands und den Triumph ihres Unbefleckten Herzens mit dessen weltweiten Auswirkungen hinauszögert.

Das Schlußkapitel „Medjugorje: Ein Dauerproblem für die Kirche“ hebt nochmals die Botschaft von Fatima als zentrale Antwort auf die Krise der Kirche hervor. Auch ich möchte mir an dieser Stelle gerne das Fazit des Verfassers zueigen machen:

„Während wir eindeutig bekräftigen können, daß Fatima himmlischen Ursprungs ist, so können wir in Bezug auf Medjugorje leider nur eine einzige vernünftige Schlußfolgerung ziehen: Alle Anzeichen sprechen dafür, daß wir es hier nicht mit ‚dreißig Jahren der Visionen‘ zu tun haben, sondern vielmehr mit einem religiösen Betrug gigantischen Ausmaßes.“


Das Phänomen „Medjugorje“ und die Mariologie

Kurzstatement für die Buchvorstellung im Haus St. Ulrich, Augsburg, am 16.6.2011

Prof.  Dr.  Manfred Hauke

Zum Thema „Medjugorje“ ist der Beitrag der Mariologie unverzichtbar. Sie beschäftigt sich mit der Marienlehre in ihrem geschichtlichen Profil, in ihrer systematischen Ausprägung und ihrer Auswirkung für die Frömmigkeit. Innerhalb der gegenwärtigen Theologie sind die Abhandlungen zu den Marienerscheinungen vergleichsweise selten. Das hat verschiedene Gründe: dazu gehören rationalistische Vorurteile, die das Wirken Gottes in dieser Welt nicht ernst nehmen und darum alle übernatürlichen Offenbarungen von vornherein ablehnen; es gibt aber auch in vielen Fällen die objektive Schwierigkeit, menschliche Täuschung, dämonischen Einfluss und das Wirken Gottes voneinander zu unterscheiden. Auf der anderen Seite gibt es mitunter einen schwärmerischen Fanatismus, der nicht bereit ist, kritische Stimmen überhaupt wahrzunehmen. Da kann es passieren, dass die Einladung zum theologischen Nachdenken als „Sünde wider den Heiligen Geist“ und als „Gotteslästerung“ abgelehnt wird. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit den Marienerscheinungen ist ein schmaler Weg zwischen aufklärerischem Rationalismus und fanatischer Schwärmerei.

Eine erste Aufgabe der Mariologie ist die Sinnbestimmung der Marienerscheinungen. Echte Erscheinungen der Gottesmutter (wie etwa in Guadalupe, in Lourdes und Fatima) gehören zum Charisma der Prophetie. Nach Thomas von Aquin schenkt Gott die prophetischen Offenbarungen nach der apostolischen Zeit nicht dazu, eine neue Glaubenslehre zu verbreiten. Sie dienen vielmehr der Ausrichtung des menschlichen Handelns. Sie rufen uns zu Gebet und Umkehr. Sie helfen uns, die „Zeichen der Zeit“ zu erkennen. Wenn die Kirche eine Erscheinung als glaubwürdig anerkennt, meint dies keine Glaubenspflicht, sondern bescheinigt nur eine menschliche Glaubwürdigkeit. Wer die Bedeutung von Marienerscheinungen übertreibt, widerspricht der Mahnung Jesu: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben“. Prophetische Offenbarungen sind nicht der Normalfall des christlichen Lebens, sondern eine Ausnahme.

Eine weitere Aufgabe der Mariologie ist die Diskussion der Kriterien für die Echtheit von Marienerscheinungen. Eine Erscheinung ist nur dann als übernatürlich zu bewerten, wenn natürliche Einflüsse oder das Einwirken des Teufels ausgeschlossen werden können. Für den Teufel ist es kein Problem, beispielsweise Statuen zum Weinen zu bringen, Ekstasen und Stigmata hervorzurufen, Fotoapparate zu manipulieren, in Zungen reden zu lassen und wunderbare Gerüche zu erzeugen. Ein klassisches Beispiel dafür ist die spanische Ordensfrau Magdalena vom Kreuz (eine Zeitgenossin des hl. Ignatius), die selbst die höchsten kirchlichen Würdenträger (bis hin zum Papst) über Jahrzehnte hinweg zum Narren gehalten hat. Ihre paranormalen Fähigkeiten schwanden dann mit dem Exorzismus.

Das entscheidende Kriterium für die Echtheit von Erscheinungen sind Wunder und Prophezeiungen. Das Wunder, für das die strengen Kriterien des Ärztebüros in Lourdes gelten sollten, muss eine eindeutige Verbindung mit der Erscheinung haben. Prophezeiungen müssen sich, um als übernatürlich zu gelten, auf zukünftige Ereignisse richten, die von der menschlichen Freiheit bzw. vom unverfügbaren Einwirken Gottes abhängen. Ein Beispiel dafür ist das Sonnenwunder vom 13. Oktober 1917 in Fatima, das einige Monate im voraus von der Gottesmutter angekündigt worden ist. Auf das in Medjugorje bereits vor 30 Jahren angekündigte „große Zeichen“ hingegen warten wir noch heute.

Für eine kritische Untersuchung sind zunächst einmal die Zeugnisse der Seher zu bedenken, ausgehend von den geschichtlichen Quellen. Für Medjugorje sind hier äußerst wichtig die Tonbänder, die von den Franziskanern während der ersten zehn Tage der sogenannten „Erscheinungen“ angefertigt wurden. Diese Quellentexte sind in Kanada publiziert worden (auf Englisch und Französisch). Von den Freunden Medjugorjes werden sie in aller Regel ignoriert. Bereits hier findet sich eine Reihe von Punkten, die zu kritischem Nachdenken einladen. Nach dem Tonbandprotokoll vom 30. Juni 1981 beispielsweise kündigen die Seher an, nach der Aussage der „Gospa“ sei in drei Tagen das Ende der Erscheinungen. Diese Aussage wird bestätigt von einer Sozialarbeiterin, die bezeugt, wie die Seher während der „Erscheinung“ selbst diese Information untereinander austauschten. Die „Erscheinungen“ gingen aber weiter.

Zu untersuchen sind auch die mit dem Phänomen verbundenen „Botschaften“. Wenn sich darin nur eine einzige Häresie findet oder Elemente, die den christlichen Glauben der Lächerlichkeit preisgeben, ist das gesamte Phänomen fragwürdig. Die beiden Bücher, die heute vorgestellt werden, gehen auf die „Botschaften“ ausführlicher ein. Den Autoren Rudo Franken, Mark Waterinckx und Donal Foley möchte ich aufrichtig danken für ihre gründliche Arbeit, die für die Mariologie höchst bedeutsam ist.

Das Hauptargument für die Verteidiger der Echtheit der „Marienerscheinungen“ in Medjugorje sind die guten Früchte, vor allem die zahlreichen Bekehrungen. Es gibt gute Früchte, denn wo aufrichtig gebetet und gebeichtet wird, kann die Gnade Gottes nicht fehlen. Allerdings gibt es auch giftige Früchte, die mit den angeblichen „Erscheinungen“ selbst verbunden sind. Dazu gehört etwa, unter Berufung auf wiederholte Aussagen der „Gospa“, die Verteidigung des Ungehorsams gegenüber dem rechtmäßigen Bischof, wenn es um die Versetzung von Priestern geht.

Wenn bei den angeblichen „Erscheinungen“ negative Elemente festzustellen sind, die eindeutig mit der „Erscheinung“ selbst verbunden sind (und nicht auf einen subjektiven Irrtum der Seher zurückgeführt werden können), dann stammt ein solches Phänomen nicht von Gott, sondern vom „Vater der Lüge“. Dann ist es nicht notwendig, jahrelang 40.000 „Erscheinungen“ in allen Einzelheiten zu studieren.

Aufgabe der Mariologie und der Spirituellen Theologie im allgemeinen ist es, vor Pseudo-Erscheinungen nachdrücklich zu warnen und auch eine eventuelle Entscheidung des Heiligen Stuhles geistig vorzubereiten. Wenn die Mariologie bei der Unterscheidung der Geister versagt, öffnet sie Tür und Tor für die bitteren Folgen der Enttäuschung, die mit „Erscheinungen“ verbunden sind, die nicht von Gott stammen. Die kritische Sondierung öffnet freilich auch die Augen für die wunderbaren Bekundungen der Gottesmutter in der Geschichte, die (wie beispielsweise in Lourdes) zu einer innigeren Beziehung zu Christus führt, zur Beichte und zum Allerheiligsten Sakrament der Eucharistie.


30 Jahre „Erscheinungen“: Medjugorje unter der Lupe

Dominus-Verlag präsentiert zwei kritische Neuerscheinungen zu dem umstrittenen Phänomen

Pressemeldung des Christoferuswerks vom 19. Juni 2011

Am 16. Juni 2011 veranstaltete der von Dr. Peter C. Düren geleitete Dominus-Verlag eine von theologischen Fachleuten geprägte Buchpräsentation in Augsburg: es ging um Medjugorje – und damit um ein heißes Eisen, das seit Beginn der „Erscheinungen“ vor 30 Jahren in der katholischen Christenheit und darüber hinaus kontrovers diskutiert wird, zumal diese angeblichen „Privatoffenbarungen“ kirchlich nicht anerkannt sind.

Diese Veranstaltung wurde neben Presse und K-TV von katholischen Geistlichen und interessierten Christen aus Nah und Fern besucht. Der für Medjugorje zuständige Bischof Ratko Peric übermittelte seine Anerkennung für die beiden Bücher und für diese Tagung.

Medjugorje, eine weltbekannte, von Millionen Gläubigen besuchte Stätte angeblicher Marienerscheinungen in Bosnien-Herzegowina, ist Thema zweier kritischer Neuerscheinungen des Dominus-Verlags:

„Eine Reise nach Medjugorje“:
In diesem inhaltsreichen Buch berichtet der 50-jährige, niederländische Pfarrer Rudo Franken von seinen eigenen Eindrücken und Einschätzungen, ergänzt durch Infos und Argumente des belgischen Autors Mark Waterinckx sowie theologisch fundierte Ausführungen des bekannten Mariologen Prof. Dr. Manfred Hauke, dem Herausgeber der Zeitschrift „Theologisches“.

„Medjugorje verstehen“:
Dieses 540 Seiten starke Werk des britischen Schriftstellers Donal A. Foley geht der Frage nach, ob es sich bei diesen inzwischen weit über 40.000 Erscheinungen um „himmlische Visionen oder fromme Illusionen“ handelt; der Autor gelangt nach sorgfältigen Studien und profunden Analysen zu einem ernüchternden Ergebnis.

Das Podium der Augsburger Buchpräsentation war mit den vier Autoren und Co-Autoren besetzt, außerdem mit Volker J. Jordan, dem Übersetzer des Foley-Buches; Donal A. Foley selbst reiste aus England eigens nach Augsburg, um seine Bewertung des Medjugorje-Phänomens in einem Kurz-Vortrag zu erläutern.

Ergänzend zu den Statements der Verfasser wurde ein Dokumentationsfilm vorgeführt, der ein vielsagendes Streiflicht auf die Ereignisse von Medjugorje wirft:

Bereits am 14.1.1985, dreieinhalb Jahre nach Beginn der „Visionen“, wollte es der kanadische Professor für Parapsychologie,  Louis Belanger, genau wissen. Ausgehend von der Behauptung der „Seher“, daß sie sich während der jeweiligen Marienerscheinung völlig in Ekstase befinden, filmte er live ein derartiges Ereignis mit vier anwesenden „Sehern“:

Als ein Assistent während dieses Vorgangs seinen Finger in Augen-Richtung der Visionärin Vicka streckte, wich diese sofort spontan zurück.
Als sie danach wegen ihrer allzu „irdischen“ Reaktion befragt wurde, erklärte sie (übersetzt von Pater Ivica Vego), daß die Madonna das Christkind in ihrer Hand gehalten habe, dabei aber gestrauchelt sei und es beinahe fallen ließ, worauf sie das Christkind habe auffangen wollen.

Abgesehen von der offensichtlichen Lächerlichkeit dieser Rechtfertigung hatte Vicka nicht bedacht, daß sie sich nicht nach vorne bewegt hatte (um „etwas“ aufzufangen), sondern vielmehr rückwärts.

Der erwähnte Franziskanerpater Vego war schon damals  – ähnlich wie einige andere Medjugorje-Geistliche  –  durch seine Ordensleitung suspendiert (von seinen priesterlichen Aufgaben entbunden) und ist mittlerweile überdies Vater von 5 Kindern.

Zurück zu den Autoren und ihren Ansprachen bei der Augsburger Tagung:

Pfarrer Rudo Franken (siehe Foto) erklärte eingangs, daß diese Buchpräsentation etwas Besonderes sei, zumal sie 30 Jahre nach Beginn der „Erscheinungen“ stattfindet, außerdem mehr als zehn Jahre nach der Herausgabe seines ersten Buches „Eine Reise nach Medjugorje“, das nun in einer aktualisierten und stark erweiterten Fassung vorliegt.

Der Geistliche berichtete zudem:
„Anfang 2010 wurde Prof. Dr. Manfred Hauke, ein bekannter Dogmatiker und Mariologe aus Lugano, zum Fall Medjugorje interviewt. Ich wurde darauf hingewiesen und fand das Interview so klar und gut, daß ich ihn bat, es in die zweite Auflage aufnehmen zu dürfen. Es ist nicht allein bei diesem Interview geblieben, auch die Reaktionen und die Antworten darauf werden hier nun dokumentiert. Ein langgehegter Wunsch geht damit in Erfüllung, nämlich daß ein Mariologe das pastoral-kritische Buch um einen wissenschaftlichen Beitrag ergänzt. Der gesamte Komplex Medjugorje wird durch die theologische Analyse von Prof. Hauke nun tiefer durchleuchtet.“ 


Außerdem wies der Verfasser darauf hin, daß die göttliche Offenbarung mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen ist, weshalb „Privatoffenbarungen“ nicht zum Glaubensgut der Kirche gehören, selbst dann nicht, wenn es sich um anerkannte Erscheinungen handelt: „Auch wenn die Kirche die Echtheit eines Erscheinungsortes anerkennt, so verpflichtet sie doch keinen, daran zu glauben.“

Daraus zog Pfarrer Franken die (theo-)logische Schlußfolgerung gemäß kirchlicher Lehre:

„Man braucht also keine Privatoffenbarungen, um das ewige Heil zu erlangen. Vielmehr geht es darum, dass man eine solide katechetische Vertiefung seines Glaubenswissens erfährt und eine sakramentale Festigung seines Glaubenslebens gewinnt, möglichst in einer lebendigen Glaubens- und Pfarrei-Gemeinschaft, die man in unserer Zeit so oft vermisst und die man in Medjugorje wohl emotional erfahren hat. Möge es gelingen, hier bei uns lebendige Gemeinschaften im Glauben zu formen, die aus der Fülle des Katholischen schöpfen.“

Über das zweite Sachbuch „Medjugorje verstehen“, das Anfang August erscheinen wird, äußerte sich der englische Autor Foley sowie sein Übersetzer, der 39-jährige Konvertit Volker J. Jordan.
Dieser verwies hinsichtlich Medjugorje auf die fehlende kirchliche Anerkennung und die Ablehnung des zuständigen Bischofs wie auch auf die „offensichtlichen Verwicklungen mit der Charismatischen Bewegung“, die bereits zu Beginn der „Erscheinungen“ erkennbar gewesen seien.

Jordan erinnerte zugleich an die schwärmerische Sekte des Montanismus im 2. Jahrhundert, die bereits in der frühen Christenheit für erhebliche Verwirrung sorgte, aber von der Kirchenleitung klar verurteilt wurde.
Heute müßten wachsame Katholiken vor irrgeistigen Phänomenen ebenfalls auf der Hut sein, was auch für Medjugorje gelte, zumal angesichts der – wie er sagte – „offenkundigen Probleme hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Seher“ und der anhaltenden Ablehnung der zuständigen Ortbischöfe (zuerst Zanic, danach Peric).

Felizitas Küble, Vorsitzende des Christoferuswerks in Münster

Ergänzende frühere Meldung zu Medjugorje:
http://www.pressinfocom.com/1/Kardinal-Schoenborn-entschuldigt-sich-bei_511283.html

Das bereits erschienene Buch „Eine Reise nach Medjugorje“ vom Dominus-Verlag umfaßt 320 Seiten, es kostet nur 19,80 € und kann portofrei beim KOMM-MIT-Verlag in Münster bestellt werden. –  Kontakt: 0251-616768  /  Fax: 0251-614020

Mail: felizitas.kueble@web.de