Kardinal Schönborn über das „Geheimnis“ von Medjugorje…

In der erscheinungsgläubigen Zeitschrift „Oase des Friedens“ (Nr.6/2011) wurde ein Interview mit dem Wiener Erzbischof Christoph Schönborn veröffentlicht. Der Kardinal äußert sich darin wie folgt zu seiner umstrittenen Medjugorje-Reise Ende 2009:

„Ich erinnere mich vor allem und über allem an etwas, was schwer zu beschreiben ist. Das ist das Geheimnis von Medjugorje, warum Menschen dorthin gehen. Das ist das, was ich in Lourdes empfunden habe, in den vielen Malen, die ich dort war: Sie ist da. Die Gospa ist da. Sie ist den Menschen nahe in ihrer Mütterlichkeit, in ihrer Güte.

Und ich glaube, das alle diese Erinnerungen Verbindende ist diese Nähe, die wir natürlich überall erfahren dürfen, überall haben dürfen. Aber es gibt Orte, wo es ganz besonders stark ist. Und ich glaube, das ist das eigentliche Geheimnis von Medjugorje, das ist die Gospa.“

Kardinal Schönborn mußte sich nach dieser Pilgerfahrt auf päpstlichen Druck hin bei dem für Medjugorje zuständigen Bischof Peric entschuldigen.

Näheres hier: http://www.pressinfocom.com/1/Kardinal-Schoenborn-entschuldigt-sich-bei_511283.html

Felizitas Küble


„Seherin“ Vicka präsentiert sich auf ihrer Treppe

In der Fangemeinde von Medjugorje (zB. „kath.net“)

wirbt man mit dem folgenden Video:

http://www.kathtube.com/player.php?id=19813

Es zeigt Vicka bei einer ihrer Ansprachen auf der „legendären“ Treppe ihres Hauses, wobei sie sich mitunter wie ein „Star“ präsentiert: oftmals in die Menge winkend, Küßchen werfend  – selbst am Schluß beim Gebet winkt sie und umgibt sich mit Starallüren.

Felizitas Küble


Der „Rosenkranz der Ungeborenen“ und seine „mystische“ Herkunft

Kritik an den falschgeistigen Visionen der „Seherin“ Maureen

Die Vereinigung „Werk der heiligen Liebe“ ist im Westerwald ansässig und wird von Pfarrer i.R. Theobald Siebenmorgen  aus Marienrachdorf geleitet.

Pfr. Siebenmorgen lehnt den Zölibat der Priester entschieden ab, wie er der „Rhein-Zeitung“ erklärte; er bezeichnet die Verpflichtung zur priesterlichen Ehelosigkeit als „unbiblisch, unmenschlich sogar auch unkirchlich“; überdies verletze der Zölibat „religiöse Gefühle“.

(Siehe hier:  http://www.rhein-zeitung.de/regionales/westerwald_artikel,-Pfarrer-schreibt-Zoelibat-ist-unmenschlich-_arid,116671.html)

Zurück zu dem von Pfr. Siebenmorgen gegründeten  „Werk der heiligen Liebe“:media-374336-2

Diese Bewegung mit ihren „Offenbarungen der Herzenskammern (!) Jesu und Mariens“ verbreitet vor allem in Lebensrechtskreisen   – etwa bei Gebetsmärschen   – seit einigen Jahren den sog. „Rosenkranz der Ungeborenen“.

Dieser ungewöhnliche Rosenkranz enthält die Vater-Unser-Perlen als „Blutstropfen“ in Kreuzesform. Die Ave-Maria-Perlen sind als hellblauen Tränentropfen gestaltet, in deren Inneren sich die Darstellung eines ungeborenen Kindes befindet.

In seinem Infoblatt über diesen „Rosenkranz der Ungeborenen“ berichtet Pfarrer Siebenmorgen:

„Ich durfte als Pilgerpastor in Medjugorje  am Erscheinungsberg der Königin des Friedens aus dem Munde des irischen Pilgers D. Waters folgende Nachricht hören: „In geistlicher Begleitung des gewissenhaften Priesters P. Dr. F. Kennedy hat eine mystische Seherin Maureen Sweeney-Kyle aus Cleveland/USA himmlische Botschaften für Kirche und Welt unserer Zeit erhalten und veröffentlicht.“

Soweit das Übliche, das man über „Begnadete“ lesen kann  – und nun das „Besondere“:

Die Madonna soll der erwähnten Seherin am 2.2.2002 (!) Folgendes geoffenbart haben:

„Meine Tochter, ich komme mit Sanftmut, um dir zu erklären, daß Jesus durch Mein Mütterliches Herz der Welt diesen Rosenkranz für die Ungeborenen übergibt.“

Außerdem schreibt Pfr. Siebenmorgen:

„Am 7.10.11997 erscheint die Muttergottes der Seherin zum ersten Mal mit der ungewöhnlichen Form des Rosenkranzes der Ungeborenen… Die Gottesmutter sagt, als erstmals mit diesem Rosenkranz gebetet wird: „Ich versichere dir, Meine Tochter, daß jedes Ave-Maria, von einem liebenden Herzen gebetet, eines dieser unschuldigen Leben vom Tode der Abtreibung rettet…Ich gebe dir dieses besonderen Sakramental, um damit Mein Mutterherz zu heilen.“

Die Visionärin Maureen fragte zurück: „Heilige Mutter, gilt das für jedes Ave Maria oder nur, wenn es mit dem Rosenkranz der Ungeborenen gebetet wird?“  – Maria: „Dies ist eine besondere Gnade, die an diesen besonderen Rosenkranz gebunden ist.

Soweit Pfr. Siebenmorgen. Während jedes Ave-Maria also ein Kind vor Abtreibung rettet, entfaltet das Vater-Unser keine solch „wirkmächtige“ Kraft.

Aber immerhin ist auch mit dem Vater-Unser eine gewisse „Verheißung“ verbunden, gibt es doch laut Pfr. Siebenmorgen folgende „Zusage Jesu“:

Teile der Welt mit, daß jedes „Vater unser“, das mit diesem Rosenkranz der Ungeborenen gebetet wird, Mein trauerndes Herz erleichtern wird.“

Am 25.4.2008 soll Jesus Christus selbst der Seherin bezüglich dieses besonderen Rosenkranzes geoffenbart haben:

„Meine Brüder und Schwestern, dies ist das Sakramentale, das Himmel und Erde verbindet und das die Waage der Gerechtigkeit im gegenwärtigen Augenblick ausgleicht.“

Wenn nun dieser visionär begründete „Rosenkranz“ das Mittel ist, das „Himmel und Erde verbindet“, dann fragt man sich, wozu es noch der kirchlichen Sakramente und Sakramentalien bedarf.

Sollen diese durch besondere „Botschaften“ und „Rosenkränze“ verdrängt werden?

Typisch für falschmystische Phänomene ist auch die Selbstgefälligkeit der Seherin, die folgende Botschaft von Gott-Vater höchstselbst empfangen haben will:

Hierzu Pfarrer Siegenmorgen wörtlich:

„Die Seherin Maureen empfängt bis heute fast  täglich Botschaften. Folgende sei Ihnen besonders empfohlen. Am 18.9.2007 erschien ihr eine riesige, lodernde Flamme und sprach:  „Ich bin der Ewige Vater  –  das Ewige Jetzt. Bevor die Zeit begann  – bevor Ich Zeit und Raum schuf  – habe Ich dich gekannt…Ich kenne deine Schwächen, gerade auch jetzt. Ich liebe dich.“

Im Zusammenhang mit diesen Visionen entstand ein Säkularinstitut der „Diener der Heiligen Liebe“ und die „Bruderschaft der Vereinten Herzen“.

Hier das erwähnte Infoblatt von Pfr. Siebenmorgen:
http://www.werk-der-heiligen-liebe.de/Flyer%202008-1.pdf
 

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 

16. intern. Medjugorje-Seminar für Priester mit „Heilungsgebeten“

Vom 4. bis 9. Juli 2011 finden in Medjugorje wieder internationale Priester-Exerzitien statt, diesmal bereits zum 16. Mal.  Die Leitung hat P. Miljenko Steko OFM inne, Pfarrkaplan in Medjugorje und Direktor des „Informationszentrums MIR“ (einer Werbezentrale für Medjugorje).

Näheres hier auf dem offiziellen Medju-Portal:
http://www.medjugorje.hr/de/phanomen-medjugorje/internationale-begegnungen/priester/

Was uns am Programm-Ablauf des Seminars merkwürdig auffällt.

  1. Es werden mehrfach die glorreichen Rosenkranz-Gesätze erwähnt, kein einziges Mal aber der freudenreiche oder schmerzhafte Rosenkranz. Das erinnert uns ans charismatische „Halleluja-Christentum“, das sich gerne in die glorreichen Glaubensgeheimnisse vertieft, sich für die „schmerzhaften“ aber weniger interessiert  – mit anderen Worten: die „Theologie der Herrlichkeit“ steht im Vordergrund, die „Theologie des Kreuzes“ wird hingegen vernachlässigt.
  2. In den ersten drei Tagen ist nach der hl. Messe ein „Heilungsgebet“ erwähnt: was ist darunter wohl genau zu verstehen?  –  Die Sorge der Kirche für Kranke finden wir im Rahmen des Sakraments der Krankensalbung und als kirchlichen Krankensegen (ein Sakramentale).  „Heilungsgebete“ sind hingegen charismatischer Natur und im kirchlichen Rituale nicht zu finden.

 Felizitas Küble

 

 


BUCH-Empfehlung: „Der Medjugorje-Betrug“

Geschichte und Fakten zu seiner Aufdeckung“

Dieses umfangreiche Buch (570 Seiten!) des amerikanischen Schriftstellers Michael Jones ist sehr fakten- und aufschlußreich.  medjubuch

Das fundierte Werk belegt, daß die angeblichen Erscheinungen von Medjugorje entweder erfunden oder „von unten“ sind oder beides  – jedenfalls nicht „von oben“.

Zugleich werden politische Zusammenhänge (z. B. Nationalismus) und geschichtliche Hintergründe in Bosnien-Herzegowina und Kroatien gründlich  durchleuchtet, bisweilen fast zu ausführlich, was die Analyse der Erscheinungsphänomene aber insgesamt erleichtert.

Manche Ausführungen wirken etwas langatmig, aber gleichwohl ist das Buch äußerst gehaltvoll, interessant und informativ, zumal es auch eine Reihe weiterer „Seher“ kritisch unter die Lupe nimmt (zB. Vassula, Myrna, Valtorta).

Das dickleibige Sachbuch ist 2001 im traditionell-katholischen Schweizer Verax-Verlag erschienen; bei uns ist es zum Sonderpreis von 15,80 € und Porto erhältlich:

KOMM-MiT-Verlag, Münster  – Tel. 0251-616768 /  Fax 0251-614020  – oder per Mail-Kontakt: felizitas.kueble@web.de


Kardinal Martins Einwände zum Medjugorje-Phänomen

In einem Interview mit  „Petrus online“ vom  20.2.2010 äußerte Kardinal Jose Saraiva Martins seine deutliche Skepsis zu den angeblichen Erscheinungen in Medjugorje.

Der  portugiesische Kardinal war Präfekt der Kongregation für die Selig- und Heiligsprechungen; er gilt als führender Experte hinsichtlich der Beurteilung von Privatoffenbarungen.  

Hier folgt unsere deutsche Übersetzung  der wesentlichen  Passagen des Interviews und die originale Quellenangabe:

Sind die angeblichen Erscheinungen in Medjugorje Ihrer Meinung nach als wahr oder falsch anzusehen?

Es gibt keinen Zweifel, dass die Vorgänge nicht als authentisch angesehen werden sollen,  solange sie nicht offiziell kirchlich durch den Papst anerkannt sind.

Wie soll der Gläubige sich verhalten, der sich auf Pilgerfahrt nach Medjugorje begibt?

Er sollte es nicht als selbstverständlich ansehen und keineswegs davon überzeugt sein, dass die Erscheinungen echt sind.  Man kann dorthin pilgern, um zu beten, aber nicht, um durch die eigene Anwesenheit die Wahrheit der Phänomene zu bezeugen, deren Genehmigung allein von der Kirche ausgeht. Auch anerkannte Erscheinungen nehmen der göttlichen Offenbarung, die in Christus bereits vollbracht ist, nichts hinweg und fügen nichts hinzu.

Reicht es nicht aus für eine Anerkennung, daß mittlerweile so viele in Medjugorje zum Glauben gelangen? 

Absolut nicht: diese Vorgänge und auch Heilungen sind kein ausreichendes Argument, um den Eindruck von einer  Echtheit der Erscheinungen zu verstärken. Nur weil wir an diesem Ort bekehrt wurden, heißt es dann, dass die Jungfrau Maria erscheint. Eine Umkehr ist  auch in einer kleinen Landgemeinde möglich. “

Wir kommen auf die „Seher“ zu sprechen. Es gibt jene, die ihnen vorhalten, alles erfunden zu haben und wirtschaftliche Interessen zu verfolgen  –  und jene, und vermuten, daß in Wirklichkeit der Satan in Gestalt der Jungfrau Maria erscheint, um die Gläubigen zu spalten.  Was denken Sie?

Ich weiß nicht, ob sie diese Erscheinungen erfunden haben oder wirtschaftliche Interessen anstreben. In solchen Fällen kann es eine List des Teufels sein. Aber Gott ist so groß, daß er auch auf krummen Zeilen gerade schreiben kann (daß er das Böse zum Guten zu lenken weiß), so dass man sich erklären könnte, warum viele von den Vorzügen sprechen, die sie in Medjugorje empfangen haben.

Keiner der „Seher“ hat sich  –  im Gegensatz zu den meisten Visionären bei kirchlich anerkannten Erscheinungen  –  für ein gottgeweihtes Leben entschieden. Einer der Seher heiratete ein amerikanisches Schönheitsmodell und lebt in den USA in einer großen Villa mit Swimmingpool.

Das gottgeweihte Leben würden die Menschen als ein gutes Zeugnis ansehen;  ich sehe, es ist ein großer Unterschied zu Fatima, wo die drei Hirtenkinder eine stille und abgeschiedene Lebensweise wählten und nach den Visionen noch  bescheidener lebten  bereits als vorher.

In manchen Erscheinungen von Medjugorje antwortete die Jungfrau Maria  auf Anfrage von „Sehern“, daß sie die Verbotsmaßnahmen ihres Bischofs (z.B. nicht öffentlich über die Visionen zu sprechen) keineswegs  befolgen brauchen.

Die Madonna kann unter keinen Umständen gegen die kirchliche Hierarchie und zum Ungehorsam aufhetzen. Dies ist ein weiterer Gesichtspunkte beim Nachdenken über    Medjugorje.

Original-Quelle: http://www.papanews.it/dettaglio_interviste.asp?IdNews=13702


Meine Begegnung mit Heroldsbach

Von Prof. Dr. Dr. Albert Mock

Der Ordensgeistliche, Theologe und Psychologe Prof. Dr. Dr. Albert Mock berichtet im folgenden Artikel über seine Erfahrungen mit Heroldsbach im Oktober 1963:

Kurz vor Abschluss meines Zweitstudiums in Psychologie brachte ich eine Wohltäterin unseres Ordens (Arnsteiner Patres sscc) an den Hauptbahnhof in Köln. Bei der langen Suche nach einem Platz im Wartesaal fand ich schließlich eine Lücke neben einem bärtigen älteren Herrn, ganz in Schwarz gekleidet, aber nicht als Priester, sondern eher wie einer unserer früheren älteren Brüder auf Reisen. Neben ihm saß eine Dame um die 50.

Ich fragte den älteren Herrn, ob die beiden Plätze neben ihm noch frei seien. Seine freundliche Antwort: „Wenn Sie sich trauen, neben einem suspendierten Priester Platz zu nehmen, gern.“  –  Meine Frage an ihn: „Wie denn das?“

Daraufhin erzählte er uns, dass er Professor für Askese und Mystik am Priester-seminar in Bamberg bzw. Freising gewesen sei und wegen seiner Einstellung zu den Ereignissen in Heroldsbach, die er im Auftrag Bambergs anfangs (mit-)untersuchen sollte, von allen priesterlichen Ämtern und Funktionen suspendiert worden sei.

Weil ich noch nie etwas davon gehört hatte, begann er longe et late darüber zu berichten, auch dass er ein dreibändiges Werk darüber geschrieben habe. Wegen der Eile meines Besuches bat ich ihn, ob ich seine Veröffentlichung darüber einmal bekommen könne.  Seine sehr erfreute Gehilfin  –  später als Christel Altgott aus Rheydt-Odenkirchen geoutet  – notierte sich sofort meine Adresse  –  und ich bekam das dreibändige Opus ziemlich schnell zugeschickt.

Bei der Verabschiedung sagte er noch mit fast sieghafter Freude, durch das Gespräch mit mir in eine Art manischen Größenwahn zurückversetzt, er sei fest überzeugt, dass Heroldsbach noch größer und bedeutender würde als Lourdes und Fatima zusammen.

Von meiner psychologischen Ausbildung her bei meinem akademischen Lehrer Undeutsch, der damals national wie international als bester Gerichtspsychologe angesehen wurde und mit dem Stockholmer Professor Trankell die Gesetze und Regeln über die „Realitätsadäquatheit von Zeugenaussagen“ aufgestellt hat, fühlte ich mich nun besonders motiviert, der Sache näher auf den Grund zu gehen.

Am 13. Oktober 1963 fuhr ich mit Undeutsch’s Assistenten über Bamberg nach Heroldsbach und schaute mir die Lage genau an. Ein Treffen mit den Seherkindern war aus Zeitmangel nicht vorgesehen, da wir ja das dreibändige Werk des Autors J. Walz und seine Vernehmungen kannten, der jedoch keine Explorationskompetenz erkennen ließ, sondern eigene subjektive Visionsvorstellungen und Erwartungen suggestiv mit in die Verhöre einfließen ließ. Überdies hatten wir an Ort und Stelle auch nicht mehr Zeit zur Verfügung.

Interessant war nur, dass wir beim Abgehen des in Frage kommenden Geländes einer „gläubigen Anhängerin“ begegneten, die ich nach einem bestimmten Erscheinungsort fragte. Ihre Antwort: „Immer gerade aus  –  und wenn Sie sich beeilen, treffen Sie noch Frau X mit Herrn Matthes (?) aus Augsburg mit ihrer Pilgergruppe an, die gerade eine Erscheinung haben.“

Meine Reaktion darauf: „Wie? Heute gibt es hier noch Erscheinungen?“  –  Ihre Antwort darauf: „Haben Sie noch keine Erscheinung gehabt?“  –  „Nein“, erwiderte ich.  –  Antwort: „Ach, Sie Armer!“

Nichts wie hin, dachte ich –  und traf auf die angekündigte „Sehergruppe“. Ich versuchte sofort, die „Anführerin“, „Visionsdeuterin“ und „Vorbeterin“ zu photographieren, aber sie entzog sich mir sehr geschickt, indem sie immer wie ein Wiesel um den dicken Stamm der Buche herumlief, um nicht ins Bild zu kommen.

Die ganze Gruppe war ekstatisch im Glauben, ein neues „Sonnenwunder“ zu erleben. Sie schauten immer durch die sich leicht bewegende Baumkrone in die scheinende Mittagssonne und schädigten so nur ihre bereits blinzelnden Augen; zwei Dutzend, keine Tausende.

Wie jämmerlich und erbarmungswürdig, dieses irregeführte Völkchen, das nicht nur glauben, sondern sehen und hören, sinnlich wahrnehmen wollte, obwohl sie doch Jesu Worte an Thomas kannten: „Weil Du mich siehst, Thomas, glaubst Du. Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“

In der Kapelle zurück, trafen wir dann noch den vorbetenden Bruder Norbert (einen Ex-Novizen aus dem Benediktinerorden, wie man uns sagte), vermutlich Langhojer. Im Grunde reichte uns das fürs Erste.

Im Sommersemester 1964 habe ich als Dozent für Psychologie und Philosophie an unserer Philosophisch-Theologischen Ordenshochschule in Simpelveld (NL) auf der Grundlage des dreibändigen Werkes von J. Walz und unserer eigenen Erlebnisse in Heroldsbach ein Seminar abgehalten, das theologisch im wesentlichen zum gleichen Ergebnis kam wie der jüngst in THEOLOGISCHES erschienene Artikel von Felizitas Küble  (Nr. 9-10/2007)  –  und gerichtspsychologisch als reine Fiktion zurückgewiesen werden musste.   Damit war für mich schon damals die Sache Heroldsbach abgehakt.

Die sogenannte „Vierfaltigkeit“, die bereits Anfang der 50er Jahre im Zusammenhang mit Schönstatt in kritischen Klerikerkreisen ins Gespräch kam und aus Anlass der Sendung von P. Sebastianus Tromp SJ als beauftragten Untersuchungskommissar des Vatikans nahelag, sich dort aber als noch rechtgläubig erwies, hatte mich schon 1963 insofern beschäftigt, dass ich in der näheren Region von Heroldsbach die barocken Kirchen und Altäre der Reihe nach abfuhr, in denen ich nach Darstellungen der „Krönung Mariens“ vor und von dem „Dreifaltigen Gott“ nachgegangen bin, um eventuelle Zusammenhänge aufzuspüren mit den gleichen und ungleichen Visionsvorstellungen und Phantasien der „Seherinnen“ von Heroldsbach. Desgleichen interessierten mich jene Pfingst-Darstellungen mit elf feurigen Zungen auf dem Haupt der Apostel als Symbol der Freimaurer.

Nach Abschluss der Visitation in Heroldsbach fragte mich Bischof  Rudolf Graber aus Regensburg über unsere Eindrücke und Untersuchungsergebnisse. Wir kannten uns, weil ich damals Mitglied des „Regensburger Kreises“ war, einem Beraterteam über Ostpolitik und die Lage der Kirche hinter dem Eisernen Vorhang. Als Grenzland-Diözese war Regensburg dieser Aufgabenbereich von der Bischofskonferenz übertragen worden. Meine Antwort an Bischof Graber: „Nur Fiktion, keine Vision.“ – Er kritisierte nur, dass die Bamberger zu hart und zu harsch mit den (Seher-)Kindern und ihren Sympathisanten bei ihrer Vernehmung umgegangen seien

Der zeitgeschichtliche Rahmen der Geschehnisse

Vorbemerkung über die wissenschaftlichen Methoden der Echtheitsprüfung von Heroldsbach.

Ausgangs- und Mittelpunkt der Auseinandersetzungen um Heroldbach sind die Aussagen der sieben Seherkinder, die von vielen Seiten unter die Lupe der Wissenschaft und des Glaubens  genommen wurden.

An erster Stelle stehen die Vernehmungen der Kinder und die damit zusammenhängenden Probleme der Glaubwürdigkeit und der Glaubhaftigkeit der Seherkinder und ihrer Vernehmer.

Beide, Seherkinder und Verhörer, sind von gleicher Bedeutung  –  und wichtiger als die Glaubwürdigkeit ist die Glaubhaftigkeit, die „Realitätsadäquatheit der Aussage der Zeugen“.

Der Richter fragt, „was ist real und nachweisbar geschehen“, wie „kompetent“ ist der Zeuge in der Sache. Bei den Kindern ist natürlich ihr psycho-somatischer Entwicklungsstand zur Zeit des Geschehens zu beachten. Es kann begründet angenommen werden, dass sie zumindest bei der Anfangsbefragung glaubwürdig waren.

Was sich aber daraus nach zahlreichen und vielseitigen Verhören entwickelt hat, ist nur schwer zu diagnostizieren. Ähnlich ist es auch bei den vernehmenden Mitgliedern der bischöflichen Kommission, die rational wie emotional unterschiedliche Überzeugungen über Privatoffenbarungen in sich trugen. Davon befreit sie auch kein Schwur auf das Evangelienbuch, nach „bestem Wissen und Gewissen“ der Wahrheitsfindung zu dienen und ein gerechtes Urteil zu fällen, das vom „Ewigen Richter“ einmal offengelegt werden wird.

Prof. J. Walz hat die Kinder manchmal bis zu fünf Stunden befragt, was weder die Gestapo noch die Stasi einst ohne Ablösung vermochten. Er ersehnte geradezu die Anerkennung der Erscheinungen der Gottesmutter, was seine Vernehmungsmethode stark beeinflußte.

Zum besseren Verständnis der Geschehnisse um Heroldsbach ist eine Betrachtung des zeitgeschichtlichen Rahmens empfehlungswert. Es ist die Zeit Papst Pius XII. von seiner Bischofsweihe an als Eugenio Pacelli am 1. Erscheinungstag der Gottesmutter in Fatima am 13. Mai 1917 bis zur Verkündigung des Dogmas von der „Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel mit Leib und Seele“ am 1. November 1950, was ihn besonders motiviert hat, sich der Verehrung der Gottesmutter, insbesondere der Verehrung des „Unbefleckten Herzens Mariä“ zu widmen und ihrem Auftrag an den Papst, die Welt und Rußland ihrem Herzen zu weihen.

In die Kriegsjahre fällt die Weihe der ganzen Welt an das unbefleckte Herz Mariens am 31. Oktober 1942, ein Datum, das von vielen Gläubigen als Ende des Kriegsglücks Hitlers gedeutet wird durch die von da an beginnende Einkesselung der VI. Armee von Generalfeldmarschall Paulus vor Stalingrad.

Zwei Jahre später erfolgte die Einführung des Festes  vom Unbefleckten Herzen Mariens für die gesamte Kirche. In vielen Gottesdiensten, Andachten und Vorträgen wurden die Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima trotz und auch wegen der eskalierenden katastrophalen Kriegszustände weit verbreitet.

Das große „Sonnenwunder“ von Fatima am 13. Oktober 1917 wurde als Hoffnungszeichen von den Gläubigen gefeiert, von den Ungläubigen aber verhöhnt. Während meines Westwalleinsatzes im Wehrertüchtigungslager nahe der luxemburgischen Grenze im September/Oktober 1944 wurde nicht nur darüber gespottet, sondern den wenigen katholischen Jugendlichen aus dem Konvikt in Fulda im vier Meter tiefen Panzergraben hin und wieder hinterrücks in Bein gestellt und beim Hinfallen gelacht. Der Unteroffizier durfte das natürlich nicht sehen. Wenn ich mich als Stärkerer wehrte, wurde ich sofort von fünf Gewaltbereiten der braunen Horde mit drohenden Fäusten umringt, eine Assoziation, die mir bis heute lebendig geblieben ist.

Nach dem Krieg wurden die Kirchen wieder sehr viel voller und wegen der großen Notlage nahmen auch die Pilgerprozessionen zu. Die Vorbereitung auf die große Feier der Dogmatisierung der „Himmelfahrt Mariens“ tat ein Übriges zur Verbreitung der Verehrung der „Assumpta“ (in den Himmel aufgenommenen Gottesmutter).

Von außergewöhnlicher Bedeutung entwickelte sich  der 1943 in den USA gedrehte Film „Das Lied der Bernadette“ nach dem gleichnamigen Buch des aus Prag geflüchteten jüdischen Dichter Franz Werfel. Er flüchtete 1940 vor der Gestapo nach Lourdes und machte das Versprechen, ein Buch über Bernadette zu schreiben, sollte er je die rettende Küste Amerikas erreichen. Der Film wurde in Deutschland ein Riesenerfolg von ungeahnter Wirkung nicht nur bei katholischen Christen.

Die deutsche Premiere fand am 10. September 1948 im Münchener Leopold-Theater unter der Schirmherrschaft von Kardinal Michael Faulhaber statt in Gegenwart des bayrischen Kultusministers und des US-Besatzungskommandanten. Beim Publikum war „Das Lied  der Bernadette“ ein voller Erfolg. Der Film lief mehrere Wochen lang vor ausverkauftem Haus und war geradezu ein Straßenfeger.

Ähnlich stark muss die Thematisierung der Ereignisse von Lourdes und Fatima auf die 7 zehn-  bis elfjährigen Mädchen von Heroldsbach am Sonntag, den 9. Oktober 1949 (Feier des Rosenkranzfestes) gewirkt haben, als sie bei schönem Herbstwetter aus der Andacht kamen, sich im Schlosspark Thurn auf eine Bank setzten und dabei den Wunsch äußerten: „Wie schön wäre es doch, wenn wir die Muttergottes auch mal sehen könnten!“

Die Sehnsucht danach muss so groß gewesen sein, dass die emotional Stärkste oder auch die Wortführerin der Gruppe plötzlich ausrief: „Ich sehe sie!“  –  Die Gruppendynamik der vorpubertierenden Mädchen begann ihre Wirkung; wie Domino-steine fielen nach und nach alle in den Ausruf: „Ich sehe sie auch…ich auch…ich auch.“  –  Keine wollte mehr zurückstehen. Diese Angabe über das starke Erscheinungsverlangen der Kinder ist nur von J. Walz erwähnt.

Langhojer beginnt mit der Erscheinung des göttlichen Namenszeichens im Birkenwald und der Vision der „weißen Dame“  –  eine bewußte Auslassung?

Was ist in Heroldsbach wirklich geschehen?

Die Antwort der kirchlichen Dekrete und der aussagenpsychologischen Untersuchung.

Dekret vom 28.9.1950 (Bistum Bamberg) und vom 2.10.1950 (Vatikan, Rom): Die Übernatürlichkeit der Vorgänge  steht nicht fest.

Dekret vom 18.7.1951 (Bamberg) und vom 15.8.1951 (Rom, Vatikan): Es steht fest, dass die genannten Erscheinungen nicht übernatürlich sind.

Ergebnis der Untersuchung von mir und meinem Team 1964:

Keine Visionen,  sondern Fiktionen (Phantasiegebilde): Psychische Konstrukte auf Grund starken Wunschdenkens  –  oder auch diabolische Irreführung von einer äußeren Macht.

Heroldsbach ist ein Opfer der Irreführung durch den „Vater der Lüge und Mörder von Anbeginn“, der sich als „Engel des Lichtes“ getarnt hat. Heroldsbach ist die wütende Reaktion Satans auf das „Dogma von der Aufnahme der Gottesmutter Maria in den Himmel mit Leib und Seele“. –  Ihr Zusammentreffen ist kein Zufall, sondern Fügung.

Kommissionsmitglied Prof. Faulhaber (Bamberg) lässt eine Seherin  ihre „Muttergottes“  fragen: „Bist du die Assumpta?“  –  Antwort: „Nein! Ich bin die Königin der Rosen. Ich bin die Rosenkönigin. Verwechselt es nicht mit Rosenkranzkönigin.“

Die Erklärung von J. Walz: das Kind habe das lateinische Wort nicht verstanden, sondern als etwas Absurdes aufgefasst.

Zum Vergleich dazu Bernadette Soubirous nach Xavier RECROIX, einem Missionspater, Volkskundler und international anerkannter Fachmann auf dem Gebiet der Privatoffenbarungen:

„Wie nachdenklich stimmen die Diskretion, die tiefe Ruhe, die innere Logik, der gesunde Menschenverstand, die Ausgeglichenheit, welche im Fall von Bernadette Soubirous immer vorherrschen. Die „weiße Dame“ hatte sich unaufgefordert zu erkennen gegeben und gesagt: „Ich bin die unbefleckte Empfängnis“.  –  Frage der Kommission: „Weißt du, was das heißt?“  –  Antwort: „Nein.“

Die Kommission versucht, sie in Widersprüche zu verwickeln wie „falsch verstanden“ oder sie hat „etwas anderes gesagt, was so ähnlich klingt“. Die einfache, aber klare Antwort Bernadettes darauf: „Nein, sie hat gesagt: Ich bin die unbefleckte Empfängnis“  –  „Viele Seher“, so Xavier Recroix weiter, „gleiten im Namen ihrer vernommenen Stimmen, ihrer Erscheinungen in die Ausgefallenheit, in Lächerlichkeit oder in die Verachtung ab. Niemand jedoch kann sich dem Charme des Kindes von Massabielle entziehen, die bei ihrer Aussage blieb.“

Ein zum Schmunzeln verführender Fall der Lächerlichkeit und klaren Fiktion ist ein Ereignis in Heroldsbach, als ein Journalist nach seinem vermissten Schreibstift sucht.

Als eines der Mädchen das wahrnimmt, ruft sie plötzlich: „Ich sehe den Schreibstift, der heilige Antonius hat ihn in der Hand.“  –  Darauf der Journalist: „Dann sag dem heiligen Antonius, er soll ihn mir zurückgeben, ich brauche ihn dringend.“  –  Das aber konnte weder die Seherin noch ihr heiliger Antonius. Ein hervorragendes Beispiel gegen  Heroldsbach und all seine Phantasiegebilde.

Aber nicht nur das Nein zur Assumpta, sondern auch die Zurückweisung, Königin des Rosenkranzes zu sein. „Ich bin die Königin der Rosen. Ich bin die Rosenkönigin. Verwechselt es nicht mit der Rosenkranzkönigin.“

Diese Aussage ist mehr als eine Fiktion, hier liegt eine klare theologische Sentenz vor, eine diabolische Einmischung in die Identifizierung der Vision, die Furcht vor der Frau, „die der Schlange das Haupt zertreten hat“ (Gen. 3).

Aber schon der Anfang der Erscheinungen durch das Schriftzeichen JSH, bei  Walz und Altgott  als griechische Schreibweise für „Jesus“ gedeutet, bei Langhojer und Internet als „Zeichen des dreifaltigen Gottes“ geglaubt, läßt den Diabolus, den „Verwirrer“ erkennen und den Verhunzer des göttlichen Namens durch die Waagerecht-Schreibung des S über J bis H.

Ein sehr viel ernsterer Fall für Heroldsbach, der schon kriminelle Formen annimmt, ist die „weinende Madonna“ im Jahr 2007. „Wer brachte die Madonna zum Weinen?“ titelte ein Journalist seinen Bericht. Hier liegt bewußte und willentliche Irreführung vor, ein primitiver letzter Versuch, den Glauben an die Erscheinungen der Gottesmutter in Heroldsbach zu retten. Auch dem Jesuskind liefen Tränen der Trauer über die Wangen wegen des Unglaubens so vieler. Das war auch dem Leiter der Gebetsstätte nicht ganz geheuer. Er nahm es weg und versteckte es im Schrank, wo die Tränen augenblicklich versiegten.

Die naturwissenschaftliche Prüfung der „Tränen“ ergab eine starke Übereinstimmung mit dem Leitungswasser aus der Küche des Pilgerheimes. Die anfänglichen Tränenzeugen gaben mit Hilfe der Polizei bis auf einen ihr Versehen bald zu. Der Leiter der Gebetsstätte hätte es nicht wagen können, auch die „Tränen der Gottesmutter“ vor den Pilgern in Frage zu stellen. Er hätte vermutlich seine Stelle quittieren müssen.

Wären die Tränendrüsendrückerinnen oder auch –drücker wenigstens so intelligent gewesen, eine gute Schauspielerin zu engagieren, die auf Anhieb Tränen des Schmerzes oder auch der Freude über das Antlitz der Gottesmutter hätte fließen lassen, dann wären es wenigstens echte Tränen einer Frau gewesen und kein Leitungswasser, wobei die chemische Analyse auch dieser Schauspielertränen die emotionale Unechtheit hätte aufdecken können. Was tut einer nicht alles, um sein Ziel zu erreichen.

Aber auch das herauszufinden, gehört zu den Findungsmethoden der Gerichts und Aussagepsychologie. (Vgl. auch Corneille „Il faut bonne mémoire après qu’on a menti“. Corneilles Komödie “Le menteur” IV,5)

Ein letztes schwerwiegendes Argument gegen die “Übernatürlichkeit” der Heroldsbacher Erscheinungen sind für mich die entsetzlichen Schmähungen, Verwünschungen und Verfluchungen gegen Frau Felizitas Küble wegen ihres Artikels in THEOLOGISCHES (Nr. 9/10) gegen die „blasphemischen Visionen“ in Heroldsbach, die sie als Abfall vom Glauben bezeichnete –  nicht als Hohn gegen die Gottesmutter, sondern als Zorn gegen den „Vater der Lüge, gegen den enttarnten  „Engel des Lichtes“ und sein „Visionen-Theater in fünf Aufzügen“.

Bis in die tiefste Hölle wurde sie verflucht und mit ihr auch die Zeitschrift und Leitung von „Theologisches“, denen sie auf die Fürbitte ihrer Maria  den Untergang an den Hals wünschten.

Nach erstem Atemholen schoss es aus mir in staccato heraus: „Dummheit, Wahnsinn, Psychose, diabolisch. Das ist niemals der Geist Christi und seiner heiligen Mutter, das ist er selbst, der Poneros.“

Im nächsten Atemzug drängte sich dann doch wieder nach oben das „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“

Dieser Fluch aus der Unterwelt ist eigentlich sogar ein Segen, verwandelt sich nach den Worten Jesu in sein: „Selig seid ihr, wenn ihr um meinet-, um der Wahrheit willen beschimpft und verfolgt und auf alle mögliche Weise verleumdet werdet. Freuet euch und jubelt; euer Lohn im Himmel wird groß sein. Denn so wurden schon vor euch die Propheten verfolgt“. (Mt 5,11)

Liebe Freunde und Verehrer der Gottesmutter, das wollt Ihr ja sein und seid es auch im Kern Eures irregeführten Herzens, sonst könnte Euch nicht von der hilflosen Kirchenbehörde die „Gebetsstätte einer gesunden Marienverehrung“ als Ventil aus der Ratlosigkeit bei den leeren Kirchen und fehlenden Priestern geschenkt werden, ein Ort, der keine Erscheinungsstätte ist, auch wenn Ihr sie gegen alle Prüfungen und  kirchlichen Entscheidungen weiterhin dafür haltet (ein Irrglaube).

Warum verehrt Ihr nicht die „Magd des Herrn“, wie sie sich selbst genannt hat, in Euren Kirchen, in denen Ihr getauft wurdet, in denen Ihr beten und anbeten gelernt habt und glücklich zur ersten heiligen Kommunion mit IHM geführt, in der Firmung mit den Gaben  des Heiligen Geistes ausgestattet  und für Euer Leben gestärkt  wurdet, die höchste Gabe Gottes in der Welt, sein heiliges Opfer mit ihm feiern und empfangen dürft; wo Euch die Schuld, und wäre sie so zahlreich wie der Sand am Meer, vergeben wird, wo die Ehe nicht nur versextes Wasser dieser Welt, sondern ewiger Wein vom himmlischen Hochzeitsmahl des Lammes und seiner Braut Euch zur  „Einheit und Ganzheit in der Verschiedenheit“ als Abbild des dreifaltigen Gottes unauflöslich verbindet, und wo Euch die letzte Salbung  –  nicht nur Krankensalbung  – auf die Thronbesteigung als Priester und Könige vor Gott vor-bereitet?

Kennt Ihr überhaupt den unvergleichlichen Reichtum Eurer Kirchen und Gotteshäuser, wo ER SELBER wohnt, unaufdringlich angestrahlt und eingeladen vom „ewigen Licht“ vor dem Tabernakel und wo Er auf Euch wartet ohne Terminabsprache?

Was erhofft Ihr Euch eigentlich von den leeren Versprechungen des Visions-Tourismus und der Erscheinungsindustrie? Wenn Euch „als Glieder des geheimnisvollen Leibes Christi“ Euer Heim zu eng und klein wird  und Euch hin und wieder die Sehnsucht erfasst, das welt-umfassende „Volk Gottes“ zu erleben, das „Katholon“ der Gemeinschaft aller Gläubigen seiner Kirche lebendig zu erfahren, dann pilgert zu den Gräbern der Apostel und Heiligen, die Euch den Glauben gebracht haben und denen Eure Väter die unvergleichlich schönen Kathedralen und Kunstwerke der Menschheit erbaut und komponiert haben; besucht sie nicht nur als leere Grabeshöhlen  und kalte Museen, sondern stimmt mit ein ins jubelnde „Te Deum“ des singenden Gottesvolkes; ein völlig anderes Erlebnis als ein Gang durch kalte Steine und erstarrte Mumien.

Hier könnt und dürft Ihr sehen, hören, den Duft des Weihrauchs und der Blumen riechen, geht und singt mit der Orgel um die Wette. Geht auch weiter zu den altehrwürdigen, den heiligen und anerkannten Marienwallfahrtsorten, sucht ihre Verehrung im Jahreskranz der liturgischen Feste, dann wird es nicht mehr nötig sein, neue pastorale Weiden ohne Pastor zu erfinden.

„Kommt und kostet, wie gut der HERR ist; selig alle, die bei IHM sich bergen.“

Erstveröffentlichung dieses Artikels  in der kath. Zeitschrift  „Theologisches“ (Nr. 7 – 8/2008)