Maria Valtorta und die donatistische Irrlehre

4. Teil der Serie „Valtorta-Irrtümer“

In diesem Artikel und den noch folgenden Beiträgen dieser Serie dokumentieren wir Unsinniges und Irriges  aus Valtortas Bänden „Der Gottmensch“ in Beispielen und Zitaten.

Was Valtortas „Jesus“ etwa zum Thema Gültigkeit der von ihm selbst eingesetzten Sakramente vorträgt, ist häretisch und widerspricht sowohl der Heiligen Schrift wie der kirchlichen Lehre:

Die  Kirche ist der in Wort und Sakrament fortlebende Christus auf Erden. Wenn der Priester Sakramente spendet, handelt er „in persona Christi“, an Christi Statt und als „Diener des Sakramentes“. Der eigentliche Spender ist Christus selbst, der Priester handelt als sein irdisches Werkzeug.

Da Christus der eigentliche Spender ist, hängt die Gültigkeit eines Sakramentes nicht von der „Würdigkeit“ oder gar „Vollkommenheit“ des Priesters ab.

Zudem würde es die Gläubigen zutiefst verunsichern, wenn der Vollzug eines Sakramentes mit dem moralischen Zustand des Geistlichen verknüpft wäre. Sollen die Christen etwa erst einen „Charakter-TÜV“ bei dem betreffenden Priester vornehmen, bevor sie sicher sein können, ein gültiges Sakrament zu empfangen?

Da also Christus selbst letztlich der Spender ist, wirkt das Sakrament durch den Vollzug selbst  („ex opere operato“) – unabhängig  von der „Würdigkeit“ des Priesters, der als Diener des Sakramentes fungiert.

Vom Priester wird lediglich die richtige „Intention“ verlangt, also die Absicht, durch den Vollzug des Sakramentes „das zu tun, was die Kirche tut“. Dies darf man in der Regel als selbstverständlich voraussetzen.

Über die Frage, ob die Gültigkeit eines Sakramentes von den moralischen Qualitäten des Priesters abhängt, ist innerhalb der Christenheit jahrhundertelang heftig diskutiert worden.

Strenge asketische Sekten, darunter die Montanisten (2. Jahrh.) und noch mehr die Donatisten (4./5. Jahrh.), verknüpften die priesterliche „Würdigkeit“ mit der Gültigkeit der gespendeten Sakramente.

Dem widersprach das Lehramt der kath. Kirche eindeutig und hielt am Prinzip des „ex opere operato“ fest: das Sakrament kommt durch den Vollzug zustande  – eben weil es nicht auf den menschlichen Qualitäten des Priesters, sondern auf Christus und seinen Verheißungen gründet  – und auf dem Auftrag, den der HERR seiner Kirche überreichte.

Daher vertrat die Kirche auch die Gültigkeit der sog. „Ketzertaufe“: selbst wenn die Taufe durch einen Irrgläubigen gespendet wird, ist sie gültig, zumal sie heilsnotwendig und daher von größter Bedeutung ist. Vor allem Kirchenlehrer Augustinus hat sich hierüber ausführlich geäußert und den Häresien (Irrlehren) der rigiden Donatisten und ähnlichen asketischen Gruppen widersprochen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Auch dann, wenn ein Priester im Zustand der schweren Sünde die hl. Messe feiert, vollzieht er eine gültige Wandlung  – dasselbe gilt für die Lossprechung der Sünder beim Bußsakrament.

Donatistische Häresien bei Valtorta

Nun zu Maria Valtortas Schilderungen im 12. Band der deutschsprachigen Ausgabe von „Der Gottmensch“ ab Seite 84; die „Visionärin“ beshreibt eine Erscheinung Christi bei seinen Aposteln nach seiner Auferstehung:

„Während Jesus dies sagt, küßt er Johannes aufs Haupt, der ja nicht davongelaufen ist, und Johannes weint vor Freude.“

Diese Einleitung ist bereits typisch sentimental (ständig ist dieser „Jesus“ am Küssen und Liebkosen etc…)  – und nun folgen die Worte des Valtorta-Christus an seine Apostel:

„Ich habe euch die Vollmacht gegeben, Sünden zu vergeben. Aber man kann nicht geben, was man nicht hat. Ihr müßt daher überzeugt sein, daß ich diese Macht absolut besitze und sie für euch ausübe, die ihr vollkommen rein sein müßt, um die von Sünden Befleckten zu reinigen.  

Wie könnte einer richten und rein machen, der selbst eine Verurteilung verdient und unrein ist? (…)  Wie könnte er sagen: „Ich spreche dich los im Namen Gottes“, wenn Gott seiner Sünden wegen nicht mit ihm ist?“  –  Freunde, denkt an eure Würde als Priester.“

Die donatistische Häresie wird seitenlang weiter ausgebreitet, etwa auf S. 85:

„Ein hohes Amt ist das eure, in meinem Namen zu richten und loszusprechen. Wenn ihr für euch das Brot und den Wein opfert und in mein Fleisch und mein Blut verwandelt, werdet ihr ein großes, übernatürlich großes und erhabenes Werk vollbringen.

Um es würdig zu vollbringen, müßt ihr rein sein, denn ihr berührt den, der rein ist  –  und ihr nährt euch mit dem Fleisch eines Gottes. Reinen Herzens, reinen Geistes und reinen Leibes müßt ihr sein und reine Lippen haben, denn mit dem Herzen müßt ihr die Eucharistie lieben und neben dieser himmlischen Liebe darf es keine profane Liebe, die ein Sakrileg wäre, geben. Reinen Geistes müßt ihr sein…“

Abgesehen von gnostischen Tendenzen (leibfeindliche und verstiegene Vorstellungen) ist auch hier die donatistische Irrlehre offensichtlich.

Auf Seite 86 wird die geforderte „Reinheit“ des Priesters sogar zum Verlangen nach „Vollkommenheit“ gesteigert. Wäre dies wirklich eine Voraussetzung für die Gültigkeit der Sakramente, dann gäbe es kaum noch welche!  – Hier der O-Ton des Valtorta-Jesus:

„Aber wenn ihr dann, wie Winzer an einem Fasse, eure Hände in das Meer meines Blutes taucht und daraus schöpft, um die verdorbenen Gewänder der armen Sünder zu waschen, müßt ihr nicht nur rein, sondern vollkommen sein, um euch nicht mit einer noch größeren Sünde zu beflecken, indem ihr sakrilegisch das Blut eines Gottes berührt und ausgießt  oder gegen Liebe und Gerechtigkeit sündigt, indem ihr beides verweigert oder nur mit einer Strenge gewährt, die der Art des Christus nicht entspricht….Wie kann man streng mit den Lämmern verfahren, wenn man selbst ein götzendienerischer Hirte ist?“

Zunächst ist festzustellen: Das Blut Christi stammt von seiner menschlichen Natur, nicht von seiner göttlichen. Zweitens ist es Unfug, zu behaupten, es handle sich um ein „Sakrileg“ (schwere Verunehrung des Sakramentes), wenn jemand die Eucharistie spendet, der nicht „vollkommen“ ist. Dann würden sich alle Priester eines Sakrilegs schuldig machen, da keiner vollkommen ist und auch gar nicht sein kann. (Selbst die Heiligen sind nicht vollkommen, sondern sie besitzen einen heroischen, einen heldenhaften Tugendgrad –  aber durchaus keinen vollkommenen!)

Auch die weiteren Ausführungen des Valtorta-„Jesus“ sind unsinnig, da sie sich gegen eine gewisse „Strenge“ richten, die bei der Sakramentenverwaltung aber sehr wohl mitunter notwendig ist. Zudem ist es merkwürdig, daß hier allein vom „Blut eines Gottes“ die Rede ist, nicht vom Leib Christi, zumal die Eucharistie unter der Gestalt des Brotes ausgeteilt wird.

Typisch übrigens auch der Abschluß dieser „visionären“ Szenen auf S. 88, wobei der liebliche „Jesus“ wieder einmal mit seiner „Begnadeten“ turtelt; das erzählt Valtorta jenem Pater, der ihr zuhört und mitschreibt:

„Doch als er am Fuß der Treppe steht, wendet er sich um und schaut mich an. O Pater, er schaut mich an! Er denkt an mich! Er sucht seine kleine „Stimme“, und die Freude, bei seinen Freunden zu sein, läßt ihn mich nicht vergessen! Er schaut mich an  –  über die Köpfe der Jünger hinweg   –  und lächelt mir zu. Er hebt seine Hand, segnet mich und sagt: „Der Friede sei mit Dir.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerk in Münster


VATIKAN: Der „Osservatore Romano“ kritisiert Valtortas „Visionen“

3. Teil der Serie „Valtortas Irrtümer“

Die amtliche Vatikanzeitung „Osservatore Romano“ veröffentlichte am 6 1.1960 ein Dekret des „Heiligen Offiziums“  (später „Glaubenskongregation“ genannt) vom 5.1.1960.kleines-rituale

Demnach kamen die damals bekannten vier Bände der italienischen „Visionärin“ Maria Valtorta wegen „schweren Ungehorsams“ der Verleger auf den Index (Liste der kirchlich verbotenen Bücher),  zumal diese Bücher kein Imprimatur besaßen, also keine kirchliche Druckerlaubnis, obwohl das damals bei Veröffentlichungen über Visionen, Privatoffenbarungen etc. kirchenrechtlich streng vorgeschrieben war (Can 1385, 1 Nr. 2 CIC).

In einem ergänzenden Artikel des „Osservatore“ werden die Valtorta-Bände einer deutlichen Kritik unterzogen und die kirchliche Indizierung begründet.

Es handle sich, so der Titel des Artikels, um einen „schlecht geschriebenen Leben-Jesu-Roman“. Den Leser erwarte „nichts anderes als eine lange, wortreiche Leben-Jesu-Fiktion“.

Die Gründe, weshalb die Valtorta-Bände „in den Index der verbotenen Bücher gesetzt“ wurden, seien „leicht zu finden für jene,  welche die Geduld Hiobs aufbringen, die fast viertausend dichtgedruckten Seiten zu lesen.“

Der „Osservatore“ beanstandet zunächst die „endlosen Dialoge“ zwischen den verschiedenen Personen, „die diese Seiten bevölkern“: „Zuerst wird der Leser durch die Länge der Reden „erschlagen“, die Jesus und der seligen Jungfrau zugeschrieben werden.“

Die vier Evangelien aus dem Neuen Testament seien „bescheiden, zurückhaltend, Christi Reden sind knapp, markant, aber von hohem Niveau.“

Demgegenüber sei der „Jesus“ der Valtorta-Bände „der am meisten gesprächige“, der sich gern wiederhole.

Zur Gottesmutter heißt es: „In den Berichten der Evangelien bewundern wir die Demut und Stille der Mutter polskawebJesu.“    –  In den Büchern von Maria Valtorta zeige Maria jedoch „die Beredsamkeit eines modernen Propagandisten“; sie sei „immer und überall vorhanden“ und offenbar „stets bemüht“, die neuesten Lehren aus der marianischen Theologie zu präsentieren.

Es gäbe in Valtortas Beschreibungen des Lebens Jesu „neue Fakten, neue Gleichnisse, neue Charaktere und viele, viele Frauen.“

Einige Seiten seien „ziemlich rauh“ und manche der beschriebenen Szenen seien „modernen Romanen“ sehr verwandt.

Mitunter habe man den Eindruck, daß in den Bänden „eine neue Mariologie“ geprägt werde, wobei Aussagen aus dem 1. und 2. Band als Beleg zitiert werden.

Abschließend heißt es, daß die Valtorta-Bücher selbst dann eine Verurteilung verdient hätten, wenn es sich von vornherein nur um einen Roman handeln würde.

Da hier jedoch der Anspruch einer übernatürlichen Privatoffenbarung bestehe, sei die Verurteilung des Offiziums „besonders relevant“, weil „schwerer Ungehorsam“ vorliege.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster