Aberglaube und Esoterik feiern fröhliche Urständ

Ein ebenso alter wie bewährter Spruch gewinnt zunehmend an Aktualität:

„Glaube, dem die Tür versagt,
kommt als Aberglaub´ durchs Fenster,
wenn die Gottheit ihr verjagt,
kommen die Gespenster.“

Genau so ist es: Der Mensch ist von Natur ein „unheilbar religiöses“ Wesen  – entweder wendet er sich dem Glauben zu  – oder irgendwelchen Formen des Aberglaubens, der Esoterik, des Okkultismus oder politischen  „Heilslehren“ (Ideologien). Ausnahmen bestätigen die Regel.

Wie die bekannte evangelikale Nachrichtenagentur IDEA kürzlich meldete, gewinnen esoterische Angebote und Heilsversprechen in Deutschland immer mehr Einfluß:

Über die Hälfte der Einwohner hierzulande lassen sich von esoterischen Strömungen beeinflussen; nur noch eine Minderheit hat nichts damit im Sinn.

Darauf hat der Deutschlandfunk (Köln) in einer am 16. Juli 2011 ausgestrahlten Sendung hingewiesen. So glauben laut Umfragen 52 % der  Deutschen, daß sog. „ganzheitliche“ Heilverfahren wie Reiki oder Bach-Blüten ernstzunehmende Alternativen zur Schulmedizin darstellen. Die meisten derjenigen wenden diese Methoden auch an  –  nämlich 80 % der Frauen und 60 % der Männer.

Einer Umfrage von „Emnid“ zufolge glauben 48 % der Befragten, daß der Stand der Sonne und die Konstellation der Sterne das körperliche und seelische Wohlbefinden der Menschen beeinflußt.

Eine gründliche und kritische Aufklärung über Esoterik gibt es hier:

http://sekten-info-nrw.de/index.php?option=com_content&task=view&id=188&Itemid=46

Felizitas Küble

 


„Radio Maria“ wirbt für Medjugorje

Live-Übertragung des Jugendfestivals im August 2011

Der ursprünglich aus Polen stammende private kath. Sender „Radio Maria“ wird das Jugendfestival in Medjugorje live übertragen: das Programm dauert 6 Tage  –  vom 1. bis 6. August 2011.

Medjugorje ist eine kirchlich nicht anerkannte „Erscheinungsstätte“, in der angeblich seit 30 Jahren ungebrochen   –  und bei einigen „Sehern“ sogar  täglich  –  die Gottesmutter erscheinen soll (insgesamt über 40.000 mal).  Diese „Privatoffenbarungen“ werden vom zuständigen Bischof Peric aus Mostar entschieden abgelehnt. Auch sein Vorgänger (Bischof Zanic) stand diesen Marienvisionen äußerst kritisch gegenüber.

Diese kirchliche Distanz hindert „Radio Maria“ aus Österreich und der Deutsch-Schweiz nicht daran, demnächst das fast eine Woche dauernde Jugendfestival aus Medjugorje live zu übertragen. Diese Jugendwoche geht zurück auf eine Anregung des im Jahr 2000 verstorbenen Franziskanerpaters Slavko Barbaric, der sich hierbei wiederum auf einen Wunsch der Erscheinungs-„Gospa“ berief.

Felizitas Küble


Großer „Gebetstag“ in Marpingen am 12. August 2011

Pater Dominique Gastineau, Leiter einer „Pater-Pio-Gruppe“,  lädt derzeit zu einem „großen Gebetstag“ am Freitag, den 12. August 2011,  in den Härtelwald nach Marpingen ein. Der Priester sucht regelmäßig mit seinem Kreis diesen „Erscheinungsort“ auf.

Am 12. August soll, so kündigt der Geistliche an,  „das ganze Land  dem  unbefleckten Herzen Mariens geweiht werden, der Königin von Deutschland und der ganzen Welt“.

Marpingen ist eine kirchlich nicht anerkannte „Erscheinungsstätte“ im Saarland. Dort gibt es eine sog. „Heilquelle“: an eben dieser findet am 12. August 2011 ein Vortrag statt, danach Rosenkranz und „Abschlußsegen mit der Reliquie vom Heiligen Pater Pio“, wie es in der Ankündigung heißt. (Weshalb, so fragt man sich, erhalten die Pilger von Pater Gastineau keinen sakramentalen Segen? Keine Reliquie der Welt  ist mit dem Allerheiligsten auch nur annäherend  zu vergleichen!)

In seiner Einladung stellt Pater Gastineau den Anhängern von Marpingen ein Gebet vor, damit es verbreitet wird und als Vorbereitung dient „für  den großen Tag des Triumphes des Unbefleckten Herzens Mariens und  des Göttlichen Herzens Jesu am  12  August“.   –  Dieser Gebetstag am 12. August wird wie ein Glorientag verherrlicht  und es stllt sich die Frage:  Warum sollte gerade er den „Triumph“ der Herzen Jesu und Mariens darstellen oder einleiten? Zudem wird nicht erklärt, worin dieser „Triumph“ bestehen wird.

Sodann wird folgendes Vorbereitungsgebet empfohlen:

Ewiger Vater, Vater aller Güte, ich opfere dir durch die Hände Mariens, der Miterlöserin der ganzen Menschheit, all die Heiligen Wunden und das Kostbare Blut auf, das Dein geliebter Sohn Jesus bei seiner Passion vergossen hat, in Vereinigung mit allen Heiligen Messen, die heute in der ganzen Welt gefeiert werden, damit der Tag des Triumphes des unbefleckten Herzens Mariens und des Göttlichen Herzens Jesus sich schnell ausbreiten möge von Marpingen aus, in Deutschland und in der ganzen Welt.    –  Himmlische Mutter Maria, ich bitte dich, vervollkommne diese Aufopferung durch deine Verdienste und vervielfältige sie so viel mal, wie es Blätter auf den Bäumen und Sandkörner auf der Erde gibt. Amen.“

Abgesehen vom Kuriosum des letzten Satzes („Blätter auf den Bäumen…“) wird hier der kirchlich nicht anerkannte Erscheinungsort Marpingen als zentraler Punkt hervorgehoben, von dem aus sich angeblich der „Triumph“ der Herzen Mariens und Jesu (in dieser Reihenfolge dort aufgeführt!) „ausbreiten“ solle. Überdies gehört die Bezeichnung Mariens als „Miterlöserin“ nicht zur kirchlichen Lehre.

Danach wird eine „Novene an die Gottes Mutter“ präsentiert, die mit den Worten beginnt:  

 „Komm Heiliger Geist, komm durch die mächtige Fürsprache des Unbefleckten Herzens Mariens, Deiner so geliebten Braut!“

Diese Anrufung stammt  wörtlich aus dem „Blauen Buch“ des italienischen „Visionärs“ und Priesters Don Gobbi.

Die Novene lautet sodann:

„O Maria, unbefleckte Jungfrau und Gottesmutter, mit allen Engeln und Heiligen grüßen wir Dich als die Königin des Himmels und der Erde, als Mutter des Lebens für Europa und für die ganze Welt. Wir rufen zu Dir: Sei Du unsere Königin als Frau aller Völker und Mutter der barmherzigen Liebe!“

Nachdem bereits Anleihen bei „Don Gobbi“ gemacht  wurden, folgt nun eine Anrufung aus dem „Amsterdamer Botschaften“, nämlich der umstrittene Titel „Frau aller Völker“, der in der Lauretanischen Litanei der Kirche nicht enthalten ist.

Einige Zeilen später heißt es:

„O Mutter des Lebens und Mutter vom Sieg, lass doch bald das Friedensreich Deines Sohnes erstehen, auf dass der Triumph Gottes auf Erden bald anbreche. Barmherziger Vater: im Namen Jesu erhöre unser Flehen. Amen.“

Die Anrufung „Mutter vom Sieg“ stammt aus den Privatoffenbarungen von Wigratzbad, die ebenfalls kirchlich nicht anerkannt sind.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

PS: Infos über die irrgeistigen „Botschaften“ von Marpingen finden sich in unserem Artikel: „Pater Jörg Müller zwischen Mystik und Magie“:  https://charismatismus.wordpress.com/category/charismatik-und-visionen/p-jorg-muller/