Ein Historiker auf Abwegen

Prof. Wolfgang Benz vergleicht Islamkritik mit dem Antisemitismus

Der Berliner Historiker Dr. Wolfgang Benz leitete 20 Jahre lang das  „Zentrums für Antisemitismusforschung“. Weil er Islamkritik mit Antisemitismus gleichsetzte, gab es auch von jüdischer Seite zunehmend Kritik an dem linksorientierten Professor.

Dieser meldete sich jetzt zur Debatte um den Oslo-Attentäter ABB und erklärte: „Der Sumpf ist nicht unbedingt Schuld an den Blüten, die auf ihm gedeihen. Aber ohne den Sumpf gäbe es diese Blüten nicht“, sagte Benz gegenüber der Zeitungsgruppe WAZ. Zudem sei das Gedankengut  von ABB in weniger extremer Form längst in der bürgerlichen Mitte angekommen: „Das beweist der Erfolg von Sarrazins Buch“, behauptet Benz.

Wenn jemand verschiedene Vorgänge gleichsetzt, nennt man dies in Deutschland „Äpfel mit Birnen vergleichen“. Genau dies praktiziert der Geschichtsprofessor mittlerweile mit wachsender Leidenschaft und Verbissenheit.

Eine seiner Lieblingsbeschäftigungen bestand lange Zeit darin, Konservative mit der „braunen Keule“ publizistisch zu erledigen sowie die deutschen Vertriebenen im allgemeinen und den „Bund der Vertriebenen“ im besonderen in Mißkredit zu bringen.

Vor wenigen Jahren entdeckte der Berliner Historiker eine neue Spielwiese für seine Gedankenspiele, wobei sein mentales Steckenpferd der linksliberalen „Süddeutschen Zeitung“ und überhaupt dem Zeitgeist ebenso gefällt wie seine früheren anti-konservativen Rundumschläge.

Prof. Benz hat offenbar das Rad neu erfunden und weiß der staunenden Welt zu berichten, daß der Rassen-Antisemitismus, der im  19. Jahrhunderts aufkam, dasselbe sei wie die heutige sog. „Islamophie“,  von seriöser Seite auch als „Islamkritik“ bezeichnet. 

Er behauptet: „Die Wut der neuen Muslimfeinde gleicht dem alten Zorn der Antisemiten gegen die Juden.“

In diesem Zusammenhang veröffentlichte Benz voriges Jahr in der „Süddeutschen Zeitung“ unter dem bezeichnenden Titel „Hetzer mit Parallelen“ einen Artikel über angebliche strukturelle Ähnlichkeiten zwischen Judenfeinden und „Islamfeinden“:

http://www.sueddeutsche.de/politik/antisemiten-und-islamfeinde-hetzer-mit-parallelen-1.59486

Ausgangspunkt der neuen „Benz-Forschung“ ist hierbei die Frage nach der „Entstehung und Verbreitung von Vorurteilen“. Demzufolge ist das „Vorurteil“ gegen Juden letztlich dasselbe wie jenes gegen Muslime.

Prof. Benz ist denn auch   –  eigenen Angaben zufolge   –  stolz darauf, daß er solche „Weiterführungen“ fest im Blick hat:

„Das würde ich mir dann vielleicht auch als Verdienst zuschreiben, eine engere Antisemitismus-Forschung, die sich nur mit der Minderheit der Juden beschäftigt hat, etwas zu erweitern, um andere Minderheiten in den Griff zu nehmen, in der Hoffnung, jetzt über das Wesen des Vorurteils bessere Aufschlüsse und Erkenntnisse zu kriegen, das scheint mir immer noch höchst notwendig.“

Uns scheint es „höchst notwendig“, der Frage nachzugehen, ob „Antisemitismus“ und „Islamkritik“ strukturell tatsächlich dasselbe ist  – oder ob hier wesentliche Unterschiede bestehen.

Da hier keine Doktorarbeit angesagt ist, sondern lediglich Denkanstöße vermittelt werden, seien nachfolgend drei wesentliche Unterschiede zwischen Judenhaß und Islamkritik aufgezeigt:

1. Deutsche Juden waren sowohl im 19. Jahrhundert wie in der Weimarer Republik fast vollständig in das deutsche Volk und Land integriert. Man sprach damals mit Recht von einer „deutsch-jüdischen Symbiose“, die sich vor allem in der Literatur zeigte.

Juden machten sich also weder in der Kriminalstatistik negativ bemerkbar noch lagen sie dem Staat und seinem   –   soweit vorhanden   –  sozialen Netz auf der Tasche. Die Mehrheit der Juden war nicht „nur“ integriert, sondern sogar assimiliert (voll angepaßt)  – was auch in Kriegszeiten galt:

Der Anteil der jüdischen Freiwilligen im 1. Weltkrieg lag sogar höher als beim (nichtjüdischen) deutschen Durchschnitt. Die damaligen Juden wollten vor allem eines sein: in erster Linie Deutsche  – und das in Krieg und Frieden gleichermaßen.

Es liegt auf der Hand, daß Muslime in Deutschland mehrheitlich von diese Integration  – oder gar Assimilation  – weit entfernt sind.

Wer also heutige Islamkritik mit dem damaligen Antisemitismus vergleicht, der diffamiert die meisten damaligen Juden, weil er deren Integration ignoriert.

2. Die seriöse Islamkritik von Intellektuellen wie Henryk Broder, Necla Kelek oder Monika Maron richtet sich nicht gegen Muslime als Menschen, sondern allein gegen den Islam als Ideologie und als totalitäres System. 

Es wird nicht gegen Irrende geschrieben, sondern gegen den Irrtum. Viele Islamkritiker, darunter auch der holländische Politiker Geert Wilders, betonen ausdrücklich, daß sie Muslime bedauern, weil diese Gefangene ihrer hergestammten „Religion“ sind, also selber sozusagen Opfer des Islam.

Demgegenüber hat sich der Antisemitismus des 19. Jahrhunderts und erst recht der aggressive Judenhaß der Nationalsozialisten  wenig oder gar nicht mit der Religion, Kultur und dem Rechtsverständnis des Judentums befaßt, sondern vielmehr die Juden als Menschen diffamiert und ein bösartiges Zerrbild ihrer vermeintlichen „Eigenschaften“ geliefert.

3. Hinzu kommt ein weiterer Unterschied, auf den der Münchner Historiker Prof. Dr. Michael Wolffsohn aufmerksam macht: Heutige Islamkritiker unterstellen dem Islam durchaus keinen Plan einer finsteren „Weltverschwörung“, wie dies der frühere Antisemitismus mit nicht enden wollender Leidenschaft praktizierte, teils auch mit Hilfe der fälschlich den Juden unterschobenen „Protokolle der Weisen von Zion“ und ähnlicher Pamphlete.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


One Comment on “Ein Historiker auf Abwegen”

  1. jaspis sagt:

    Liebe Frau Küble,

    zu der Außenansicht Wolfgang Benz‘ ist seinerzeit ein Artikel auf suedwatch.de erschienen:

    Wie von einem Dybuk ergriffen
    http://www.suedwatch.de/blog/?p=2423

    Wie es scheint, sind 77 Mordopfer auch für Wolfgang Benz eine günstige Gelegenheit, seine unsägliche Gleichsetzung unters Volk zu bringen.

    Beste Grüße
    Jaspis

    Liken


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