1500 „Botschaften“ in San Martino di Schio

Marianische „Privatoffenbarungen“ an Renato Baron

Die „Erscheinungsstätte“ San Martino liegt in der oberitalienischen Stadt Schio in der Provinz Vicenza.

Seit dem 25.3.1985 will Renato Baron dort etwa 1500 „Botschaften“ der Gottesmutter erhalten haben, die sich bei ihren Erscheinungen als „Königin der Liebe“ vorgestellt habe. Die Privatoffenbarungen von Schio sind kirchlich nicht anerkannt.

Die erste Vision soll sich beim Beten vor einer Marienstatue ereignet haben, die sich angeblich plötzlich bewegte und Folgendes zu Renato Baron sprach:

„Ich habe dich auch gestern erwartet. Von heute an wirst du immer hierher kommen, denn ich muss mit dir über so viele Dinge reden, und dann… wirst du sie aufschreiben, aber inzwischen warte noch. Komm morgen und ich werde dir den Rest sagen.“

Der „Rest“ bestand aus weiteren 1500 „Offenbarungen“ besagter „Königin der Liebe“ zwischen dem 25.3.1985 und dem 2.9.2004, wobei die Erscheinung mitunter einen unerklärlichen „Rosenduft“ hinterlassen habe.

Tausende von Anhängern sammelten sich in einem „Werk der Liebe“, wozu auch eine spezielle „Marienweihe“ gehört.  Der Visionär Renato starb am 2.9.2004 im Alter von 71 Jahren, wobei sein Leben fast 20 Jahre lang von Visionen geprägt war.

Die vermeintlichen „Botschaften des Himmels“  enthalten freilich zahlreiche theologische Merkwürdigkeiten und Irrtümer. Überdies enden sie häufig mit dem sentimentalen Schlußsatz: „Ich drücke euch alle an mein Herz“ oder „Ich drücke euch an mich“.

Es fällt auf, daß von Christus nur selten die Rede ist. Zahlreiche „Botschaften“ beginnen mit den Worten: „Verherrlicht mit mir den Vater“ oder „Lobpreisen wir in Ewigkeit den Vater“ oder „Singt mit mir Ehre dem Vater.“   –  Warum fehlen Christus und der Heilige Geist?

Die „Offenbarungen“ sind zudem nicht frei von merkürdiger Panikmache; so soll die Erscheinung gesagt haben: „Ich könnt nicht sehen, was ich sehe, aber ich versichere euch, daß das, was ich sehe, schrecklich ist“, wie die Zeitschrift „Leben“ (Nr.96, S.15) in einem Jubelartikel über Schio berichtet.

Am 16. April 2000 soll die „Madonna“ dem „Seher“ und seiner Schar erklärt haben:

„Ich seid der Same, den ich gesät habe, um in meiner Kirche die Liebe aufgehen zu lassen; seid also nur Liebe. Das Werk, das mit euch begonnen hat, ist das neue Antlitz der Kirche  – und die Kirche, die Jesus ganz umgewandelt haben möchte in ein Werk der Liebe, in eine einzige Kirche der Liebe, wird das Antlitz des Werkes haben.“

Es handelt sich hier um offensichtlichen Unfug sowie Irrlehren:

1. Die katholische Kirche ist die Kirche Christi. – Maria ist ihr Urbild und Leitbild, ihre heiligste Tochter, aber sie ist nicht Stifterin bzw. Begründerin dieser Kirche.

2. Wir sollen als Christen keineswegs „nur Liebe“ sein, sondern auch die göttlichen Tugenden des Glaubens und der Hoffnung verinnerlichen, zudem Werte wie Wahrheit und Gerechtigkeit.

3. Warum sollte erst nach 2000 Jahren in der Kirche „die Liebe aufgehen“  – war dies bislang nicht der Fall?!

4. Es ist offensichtlich irreführend, wenn behauptet wird, Jesus wolle die Kirche „ganz umgewandelt“ haben in ein „Werk der Liebe“  –  war sie dies als Stiftung Christi nicht immer schon?!

5. Die künftig „ganz umgewandelte“ Kirche soll also das „Antlitz“ tragen vom „Werk der Liebe“, das mit dem Visionär Renato Baron begonnen habe. Damit wird die Kirche Christi mit dem Fanclub einer bestimmten „Erscheinung“ verknüpft, was ebenso unsinnig wie sektiererisch ist.

Es erübrigt sich, die weiteren ca. 1500 „Botschaften“ zu analysieren, wenn bereits eine einzige dieser „Offenbarungen“ derart von Irrlehren geprägt ist.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


7 Kommentare on “1500 „Botschaften“ in San Martino di Schio”

  1. Hans Dondl, Isarweg 42, 82057 Icking sagt:

    Sehr geehrte Frau Küble, erstmals lese ich ihre Einwände gegen „Schio“.
    Ihr Argument, dass mit dem Tod der Apostel die Offenbarung abgeschlossen ist und wir „alles“ haben, was wir für das „Heil“ brauchen, kann ich nicht unkommentiert stehen lassen. Kein geringerer als Karl Rahner sagte, dass (anerkannte) Privatoffenbarungen ein Imperativ des Himmels, sprich Gottes sind, was in der jeweiligen Epoche in Bezug auf den Glauben besonders zu tun ist. Gehen wir von (den noch nicht anerkannten) Ereignissen von Schio nach Fatima. Ist dort Maria den Hirtenkindern aus Langeweile erschienen, weil sie im Himmel nichts besseres zu tun hatte? Insbesondere Katholiken, die es mit den Dogmen der Kirche sonst nicht so genau nehmen und ihre Privattheologie entwickeln und lehren, berufen sich merkwürdigerweise justament in diesen Fällen auf Edikte der Kirche, dass man das nicht zu glauben brauche. Andererseits, wenn man sich schon auf die Autorität der „Amts- Kirche“ beruft, sollte man sich die Frage stellen, ob die Hirtenkinder, mittlerweile als Heilige der Kirche anerkannt, Selbsttäuschungen erlegen sind oder gar gelogen haben. Wenn ich den beschrittenen Pfad aber weiter gehe, ist die Botschaft von Fatima, wie Papst Pius XII es formuliert hat, das größte Eingreifen Gottes in die Geschichte der Menschheit seit der Zeit Jesu und der Apostel. Ja und dann ist es auch nicht egal, was uns Gott über Maria und die Hirtenkinder sagen ließ. Schließlich sind es keine Banalitäten und wer davor die Augen und Ohren verschließt ist mit Blindheit und Taubheit geschlagen. Ich habe den Eindruck, dass Sie mit( allen?) Marienerscheinungsorten, auch den kirchlich anerkannten ihre Probleme haben, weil, so meine Vermutung, die Botschaften mit ihrer „Lebeswirklichkeit“ und ihrem theologisch vorgefassten Weltbild nicht kompatibel sind.
    Oft muss ich mich wundern, welche geistigen Klimmzüge unternommen werden, um die Evangelien im Lichte unserer Zeit zu interpretieren. Da lese ich liebe das Original, sei es von kirchlich anerkannten (und somit wahrhaftigen) und in meinem Falle auch von Schio-Botschaften, denn hier spricht Gott durch den Heiligen Geist zuverlässiger und wahrhaftiger zu uns, als alle Eigengewächse aller Diplomtheologen (w/m) Deutschlands zusammen.
    Nix für ungut.
    Gottes Segen auf ihrem weiteren Glaubensweg, HANS DONDL, Icking bei München

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  2. Karolina Jendryka sagt:

    arme Felizitas Küble.
    es gibt keinen einzigen Irrtum in diesen Botschaften, nur Ihre Egozentrik, die in Ihrem Herzen dem Heiligen Geist den Platz wegnimmt ist ein Irrtum.

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  3. Fritz sagt:

    Sie sind mit Blindheit geschlagen man vermisst bei ihnen den Hl.Geist. wie Bemitleidenswert !

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  4. Andreas sagt:

    Und wenn sie sich irren?

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  5. Anonymous sagt:

    Es bedarf solcher Klärungen für viele Orte und Stätten. JK

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    • Anonymous sagt:

      Sehr geehrte Frau Küble!
      Sie bilden sich sehr schnell ein Urteil über die Botschaft in San Martino di Schio.
      Wußten sie auch, dass Renato Baron dreimalig bei Johannes Paul II. war, dass dieser Ort in bischöflicher Betreuung ist und dass jede Botschaft dem zuständigen Bischof einzeln vorgelegt wurde und auch nicht ein Wort gefunden wurde, dass der katholischen Lehre widerspricht?
      Vielleicht sollten sie sich einmal genauer informieren und nicht voreilig ihr persönliches Urteil geben, worüber sie keine Ahnung haben können. Dann würden sie nämlich auch entdecken, dass dort von Glaube, Hoffnung u n d Liebe die Rede ist, dass von CHRISTUS als zentrale Offenbarung die Rede ist und dass von der HL. DREIFALTIGKEIT die Rede ist. Wenn sie nur ein paar Botschaften sektieren und dann eine Meinung dazu äußern, nehmen sie anderen Menschen die Möglichkeit sich der Wahrheit in diesen Botschaften zu nähern. Was ist dann nach ihrer Meinung Fatima, ist das auch alles eine Lüge, wenn Maria um die „Marienweihe“ bittet. Die Kirche hat sich nicht aus sich selbst gegründet, sie ist „gleichsam das Sakrament“, aber nicht d a s Sakrament, das ist immer Christus. Aber wie sollte es eine Kirche geben ohne CHRISTUS, wie sollte es Maria geben ohne CHRISTUS??? Diese Tatsachen haben sie n i c h t gelesen, sie verbreiten hier ausdrücklich nur halbe Tatsachen und stellen i h r e Meinung in den Vordergrund. Das zeugt weder von Ernsthaftigkeit und der notwendigen Achtung vor den Geheimnissen des Glaubens. Wenn sie wirklich Interesse an der Wahrheit dieser Botschaften hätten, würden sie sich über alle Botschaften informieren und sie im Kontext der hl. Schrift, der mündlichen Überlieferung der Apostel und dem authentischen Lehramt der hl. Kirche betrachten, nicht einzeln isoliert. Wenn sie nur einzelne Botschaften aus dem Gesamtzusammenhang des Textes herausnehmen und dann veröffentlichen ist es so, als würden sie schreiben, „JESUS ist gestorben“ und vergessen zu erwähnen, dass er auch auferstanden ist.

      Als Leiterin des Christoferuswerkes in Münster sollten sie eigentlich sehr wohl gut unterscheiden können zwischen Esoterik und wahren christlichen Glaubensinhalten. Das ist hier ausdrücklich nicht der Fall. Wer die Botschaft von San Martino kennt, wird wissen, dass es sich um eindeutig um getreues katholisches Glaubensgut handelt im g e s a m t e n Zusammenhang der hl. Schrift, nicht in der historisch-kritischen Betrachtung einzelner Textteile!

      Wir werden im Gebet für j e d e n beten, auch für die Offenbarung der Wahrheit, die unweigerlich ans Licht kommen wird und dann kann jeder sich entscheiden, wem er dient, der Lüge oder Wahrheit, die in JESUS CHRISTUS, wahrer GOTT und wahrer Mensch, wahrer GOTTmensch, empfangen durch den HL. GEIST in MARIA und geboren aus der Jungfrau MARIA, sichtbar geworden ist um uns in SEINER Liebe zu erlösen!

      Danke

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      • pro kirche sagt:

        Guten Tag,
        beginnen wir mit Ihrem letzten Abschnitt, in dem Sie Ihr Gebet dafür ankündigen, daß „die Offenbarung der Wahrheit ans Licht kommen“ werde.
        Die göttliche Wahrheit wurde uns vor 2000 Jahren geoffenbart – und sie ist bekanntlich mit dem Tod des letzten Apostels abgeschlossen, wie die Kirche verbindlich lehrt.
        Die Gläubigen haben also bereits alles, was sie für ihr Heil benötigen: die göttliche Offenbarung (Bibel und Lehramt), die sieben Sakramente – und auch die Zehn Gebote sind seit Jahrtausenden bekannt.
        Die – zudem kirchlich nicht anerkannten – „Erscheinigungen“ von Schio gehören mit Sicherheit nicht zur göttlichen Offenbarung, da nicht einmal die anerkannten Privatoffenbarungen für Katholiken glaubensverbindlich sind. Warum rühren Sie dann derart engagiert die Werbetrommel für Schio, als ob es sich hier um eine Art „Heilsmittel“ handeln würde?!
        Übrigens habe ich einzelne Textteile der Schio-Botschaften nicht „historisch-kritisch“ beurteilt, wie Sie schreiben, sondern vielmehr im Lichte dogmatisch-kirchlicher Lehren.
        Ihr Argument, als ob ich alle Botschaften (also ca 1500 an der Zahl!) erst analysieren müßte, um ein Gesamtbild zu gewinnen, ist unsinnig.
        Wenn es sich angeblich um eine „Offenbarung des Himmels“ handelt, darf sie keinen e i n z i g e n Irrtum enthalten. Es ist belanglos, ob es dann drei oder dreißig oder dreihundert Irrtümer sind, da sich der Himmel bekanntlich überhaupt nicht irren kann.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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