Buch-TIP: „Wenn Tote wieder leben“

Buch-Daten:
Francois Reckinger
Wenn Tote wieder leben
Wunder:  Zeichen Gottes oder PSI?
Verlag Ursula Zöller (Aschaffenburg)
190 Seiten, ISBN 3-928736-06-X, Preis 12,80 €

Dieses profunde Sachbuch über „Wunder: Zeichen Gottes oder PSI?“ verdient weiteste Verbreitung, denn es verbindet kritische Sachlichkeit und wissenschaftliche Gründlichkeit  mit einer prinzipiellen theologischen Bejahung von Wundern als übernatürlichem Eingriff Gottes in die Naturgesetze.

Francois Reckinger, katholischer Priester und Schriftsteller aus Luxemburg, ist als Autor fundierter Sachbücher bekannt. Sein Buch „Wenn Tote wieder leben“ überzeugt durch nüchterne Präzision bei gleichzeitigem Bekenntnis zum Wunderwirken Gottes in Geschichte und Gegenwart.

Der Autor belegt zunächst die Wirklichkeit biblisch bezeugter Wunder, durch die sich der göttliche Anspruch Christi und das Heilshandeln Gottes klar erweist. Freilich hat das katholische Lehramt die Möglichkeit göttlicher Wunder auch nach der Himmelfahrt Christi stets verkündet. Dabei hat die Kirche zugleich strenge Maßstäbe in der Beurteilung von Einzelfällen angelegt   – weit entfernt von jeder schwärmerischen Wundersucht.

Der Verfasser vermeidet ebenfalls beide Abirrungen: sowohl Wundersucht wie  Wunderflucht, Leichtgläubigkeit ebenso wie Unglaube. Eben diese nüchterne und zugleich glaubenserleuchtete Haltung macht das Buch für Katholiken  – aber auch für Christen anderer Konfessionen  –  wertvoll, interessant und aufschlußreich.

Pfr. Reckinger geht auch auf die Möglichkeit dämonisch bewirkter „Wunder“ ein, die man auch als „Lügenwunder“ bezeichnen könnte. Die Heilige Schrift warnt mehrfach vor satanisch verursachten „Zeichen und Wundern“ (zB. in Mt 24,24  –  Thess 2,9  – Off 13,12)

In den von Kardinal Prosper Lambertini (dem späteren Papst Benedikt XIV.) bereits im Jahre 1738 vorgelegten Unterscheidungs-Kriterien heißt es, daß sich göttliche Wunder von dämonischen Täuschungswundern unterscheiden „aufgrund ihrer Wirkung, ihres Nutzens, ihrer Art und Zielsetzung, aufgrund der (das „Wunder“) vermittelnden Person und des gegebenen Anlasses.“    –  Zur Begründung heißt es dort, daß „Gott keine Wunder wirkt, die gemein, lächerlich und unnütz (…), unanständig, obszön in sich selber oder in ihren Auswirkungen wären.“

Häufiger als satanische Lügenwunder sind wohl jene Scheinwunder, die sich psychologisch bzw. „parapsychologisch“ erklären lassen, also auch ohne außernatürliche Ursachen zustande kommen können. Hierzu gehören neben dem bekannten Placebo-Effekt etwa jene „Heilungen“, die nur vorübergehend anhalten bzw. nicht die Ursache beseitigen, sondern lediglich zeitweise das Schmerzempfinden verbessern.

Der Autor zieht hier mit gutem Grund die wissenschaftlichen Forschungen von Prokop/Wimmer (einem Rechtsmediziner und einem Richter) heran, die sich gründlich und kritisch mit „Heilungsphänomenen“ im esoterischen und „parapsychologischen“ Spektrum befassen   – und abergläubische Legenden mit Recht bekämpfen. Nicht der Unglaube allein ist ein Feind des Glaubens, sondern mindestens ebenso stark auch der Aberglaube!

Außerdem befaßt sich Pfr. Reckinger mit Tricks und  haltlosen Behauptungen hinsichtlich der angeblich so zahlreichen „Heilungswunder“ im freikirchlich-charismatischen Bereich.  Die entsprechende Kapitel.-Überschrift „Heilungswunder außerhalb der katholischen Kirche“ ist allerdings nicht präzise gewählt, denn „charismatisch“ geprägte Heilungen, die wissenschaftlichen Kriterien nicht standhalten, kommen auch in der katholisch-charismatischen Szene vor, wenngleich diese sicherlich zahlenmäßig geringer ist als in protestantischen Konfessionen, von pfingstlerischen „Freikirchen“ mit ihren enthusiastischen  „Evangelisten“ ganz zu schweigen.

Als Beispiel für betrügerische Schaumschlägerei in diesem Spektrum erwähnt der Autor den sog. „Rollstuhltrick“:

„Für den amerikanischen Bereich bezeugen die beiden (…) Autoren aus den USA, J. Randi und Th. Straub, mehrfach denselben Sachverhalt. Der Erstgenannte, von Beruf Zauberkünstler, fügt dem die Enthüllung unglaublicher Tricks hinzu, mit denen eine ganze Reihe von Evangelisten offenbar Wunderheilungen vortäuschen.

Dazu gehört vor allem der „Rollstuhltrick“:  Teilnehmer, die am Stock gehen, jedoch zu Fuß in den Versammlungssaal gekommen sind, werden von Mitarbeitern gebeten, in bereitgestellten Rollstühlen Platz zu nehmen. Im Verlauf des „Gottesdienstes“ spricht der Evangelist dann zu ihnen: „Im Namen Jesu sage ich Dir: Steh auf und gehe!“  – was die Angesprochenen unter den genannten Voraussetzungen natürlich spielend vermögen.

Blindenheilung wird aufgrund der Tatsache vorgetäuscht, daß viele, die einen Blindenpaß besitzen und einen weißen Stock benutzen, nicht völlig blind sind und daher sehr wohl sehen können, wie viele Finger ihnen der Evangelist unmittelbar vor die Augen hält  – was als Beweis ihrer Heilung ausgegeben und von den Teilnehmern beklatscht wird.“ (S. 75 f.)

Pfr. Reckinger befaßt sich sodann mittels eigener Recherchen sowie aufgrund von diverser Fachliteratur mit angeblichen  „Heilungswundern“ prominenter  Charismatiker wie Reinhard Bonnke und John Wimber sowie der amerikanischen „Heilungsevangelistin“ Kathryn Kuhlman, wobei gerade letztgenannte laut Aussage des Arztes Dr. W. A. Nolen  den „Rollstuhl-Trick“ praktiziert haben soll. Auch die beiden erwähnten schwarmgeistigen „Starprediger“ können kein einziges wirkliches Wunder aufweisen, sobald ihren großspurig verkündeten „Heilungserfolgen“ gründlich auf den Zahn gefühlt wird.

Während derart unseriöse Phänomene im charismatischen Lager gang und gäbe sind, hat sich das Lehramt der katholischen Kirche stets um nüchterne und strenge Maßstäbe für die Anerkennung eines „göttlichen Wunders“ bemüht.

Der Verfasser listet die bekannten Kriterien von Kardinal Lampertini bzw. Benedikt XIV. auf, die 1734 veröffentlicht wurden und als Bedingungen für die kirchliche Anerkennung von  Heilungswundern im Rahmen von Seligsprechungsverfahren gelten (S. 113).

Daraus geht hervor, wie nüchtern und präzise die Kirche bereits vor Jahrhunderten vorging, um jeder Wundersucht oder Leichtgläubigkeit vorzubeugen. Die strikten Lambertini-Kriterien lauten im wesentlichen wie folgt:

1. Es muß sich um eine schwere Krankheit handeln, die unheilbar oder nur schwer heilbar ist.
2. Es darf keine erhebliche Besserung vorausgegangen sein.
3. Es dürfen keine Medikamente zur Heilung der Krankheit verabreicht worden sein  – oder es muß feststehen, daß sie zu keinem Ergebnis in diesem Sinn geführt haben.
4. Die Heilung muß plötzlich oder nahezu plötzlich erfolgt sein, ohne den bei natürlichen Heilungen üblichen Genesungsprozeß.
5. Die Heilung muß vollständig sein.
6. Sie muß dauerhaft sein, d.h. es darf kein Rückfall in dieselbe Krankheit stattgefunden haben.

Pfr. Reckinger befaßt sich sodann ausführlich und durchaus kritisch mit den zahlreichen medizinisch unerklärbaren Heilungen von Lourdes. Dabei weist er darauf hin, daß nicht jedes Phänomen, das sich medizinisch nicht oder noch nicht erklären läßt, unbedingt als göttliches Wunder anzusehen ist.

Gleichwohl ergeben sich im Zusammenhang mit Lourdes eine große Zahl von Heilungen, die man auch bei gründlichster und kritischer Untersuchung  mit einer großen Wahrscheinlichkeit als göttliches Wunder wird würdigen können.

Interessant ist in diesem Zusammenhang des Autors faktenstarke Widerlegung von wesentlichen Passagen des antikatholischen Romans „Lourdes“ von Emile Zola, der 1894 veröffentlicht wurde (S.188 f.).

Wenngleich kein Katholik verpflichtet ist, an Marienerscheinungen in Lourdes oder an dort stattfindende Wunder zu glauben, so brauchen Katholiken sich wahrheitswidrige Attacken von gegnerischer Seite nicht bieten lassen. Auch insoweit ist die Aufklärungsarbeit des Verfassers anerkennenswert und verdienstvoll.

Etwas ungeschickt erscheint freilich die Einbandgestaltung des Buches: Die Titelseite präsentiert ein großes, zudem etwas trist wirkendes Schwarz-Weiß-Bild der Lourdes-Grotte, auf der hinteren Umschlagseite ist ein Foto der hl. Bernadette zu sehen, der Visionärin von Lourdes. Folglich entsteht auf den ersten Blick der Eindruck, es handle sich hier um ein Marienbuch bzw. speziell um ein Lourdes-Buch, nicht um eine grundsätzliche Studie zu Wundern und Wunderheilungen, wobei die Lourdes-Thematik lediglich einen Teil der Ausführungen umfaßt.

Das gesamte Buch überzeugt gleichwohl durch profunde Sachlichkeit und Gründlichkeit, durch den echt katholischen Geist einer nüchternen und gläubigen Vernunft jenseits modernistischer Wunderleugnung oder schwärmerischer Wundersucht.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster