Gebete und Lieder der Papstmesse im Olympia-Stadion

Auf der Webseite des Erzbistums Berlin gibt es als PDF-Datei jenes Lieder-Gebets-Heft, das an die ca 80.000 Teilnehmer der Hl. Messe mit Papst Benedikt im Olympia-Stadion am 22.9.2011 verteilt wurde:

http://www.erzbistumberlin.de/fileadmin/user_mount/PDF-Dateien/Erzbistum/Papst%20in%20Berlin/Liedheft.pdf

Daraus geht auch hervor, daß der Papst Teile des Hochgebets und die Worte der hl. Wandlung in Latein gesprochen hat.


Wortlaut der Papst-Predigt in Etzelsbach (Eichsfeld) am 23.9.2011

MARIA als Modell für Selbsthingabe statt „Selbstverwirklichung“

Liebe Brüder und Schwestern!

Nun geht mein Wunsch in Erfüllung, das Eichsfeld zu besuchen und hier in Etzelsbach mit euch zusammen Maria zu danken. „Hier im trauten stillen Tal“  –  wie es in einem Wallfahrtslied heißt  –  und „unter den alten Linden“ schenkt uns Maria Geborgenheit und neue Kraft.

In zwei gottlosen Diktaturen, die es darauf anlegten, den Menschen ihren angestammten Glauben zu nehmen, waren sich die Eichsfelder gewiss, hier am Gnadenort Etzelsbach eine offene Tür und eine Stätte inneren Friedens zu finden. Die besondere Freundschaft zu Maria, die daraus gewachsen ist, wollen wir  –  auch mit der heutigen Marienvesper  –  weiter pflegen.

Wenn sich Christen zu allen Zeiten und an allen Orten an Maria wenden, dann lassen sie sich dabei von der spontanen Gewissheit leiten, dass Jesus seiner Mutter ihre Bitten nicht abschlagen kann; und sie stützen sich auf das unerschütterliche Vertrauen, dass Maria zugleich auch unsere Mutter ist – eine Mutter, die das größte aller Leiden erfahren hat, alle unsere Nöte mitempfindet und mütterlich auf ihre Überwindung sinnt.

Wie viele Menschen sind Jahrhunderte hindurch zu Maria gepilgert, um vor dem Bild der Schmerzensreichen  –  wie hier in Etzelsbach  –  Trost und Stärkung zu finden!

Schauen wir ihr Bildnis an: Eine Frau mittleren Alters mit schweren Augenlidern vom vielen Weinen, den Blick zugleich versonnen in die Ferne gerichtet, als bewegte sie alles, was geschehen war, in ihrem Herzen.

Auf ihrem Schoß liegt der Leichnam ihres Sohnes, sie fasst ihn behutsam und liebevoll, wie eine kostbare Gabe. Wir sehen die Spuren der Kreuzigung auf seinem entblößten Leib. Der linke Arm des Toten weist senkrecht nach unten. Vielleicht war die Skulptur der Pietà  –  wie oft üblich  –   ursprünglich über einem Altar aufgestellt. Der Gekreuzigte weist so mit seinem ausgestreckten Arm auf das Geschehen auf dem Altar hin, wo das heilige Opfer, das er vollbracht hat, in der Eucharistie zur Gegenwart wird.

Eine Besonderheit des Gnadenbilds von Etzelsbach ist die Lage des Gekreuzigten. Bei den meisten Pietà-Darstellungen liegt der tote Jesus mit dem Kopf nach links. Der Betrachter kann so die Seitenwunde des Gekreuzigten sehen. Hier in Etzelsbach jedoch ist die Seitenwunde verdeckt, weil der Leichnam gerade nach der anderen Seite ausgerichtet ist.

Mir scheint, dass sich in dieser Darstellung eine tiefe Bedeutung verbirgt, die sich erst in ruhiger Betrachtung erschließt: Im Etzelsbacher Gnadenbild sind die Herzen Jesu und seiner Mutter einander zugewandt; sie kommen einander nahe. Sie tauschen einander ihre Liebe aus. Wir wissen, dass das Herz auch das Organ der feinsten Sensibilität für den anderen wie auch des innigsten Mitgefühls ist. Im Herzen Marias ist Platz für die Liebe, die ihr göttlicher Sohn der Welt schenken will.

Die Marienverehrung konzentriert sich auf die Betrachtung der Beziehung zwischen der Mutter und ihrem göttlichen Sohn. Die Gläubigen fanden immer wieder neue Aspekte und Attribute, die uns dieses Geheimnis besser erschließen könnten, z.B. im Bild des Unbefleckten Herzens Marias als Symbol der tiefen und vorbehaltlosen Einheit der Liebe mit Christus.

Nicht die Selbstverwirklichung schafft wahre Entfaltung des Menschen, wie es heute als Leitbild des modernen Lebens propagiert wird, das leicht in einen verfeinerten Egoismus umschlagen kann. Vielmehr ist es die Haltung der Hingabe, die auf das Herz Marias und damit auch auf das Herz des Erlösers ausgerichtet ist.

„Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind“ (Röm 8,28), so haben wir eben in der Lesung gehört. Gott hat bei Maria alles zum Guten geführt  –  und er hört nicht auf, durch Maria das Gute sich weiter ausbreiten zu lassen in der Welt.

Vom Kreuz herab, vom Thron der Gnade und der Erlösung, hat Jesus seine Mutter Maria den Menschen zur Mutter gegeben. Im Moment seiner Aufopferung für die Menschheit macht er Maria gleichsam zur Vermittlerin des Gnadenstroms, der vom Kreuz ausgeht.

Unter dem Kreuz wird Maria zur Gefährtin und Beschützerin der Menschen auf ihrem Lebensweg. „In ihrer mütterlichen Liebe trägt sie Sorge für die Brüder und Schwestern ihres Sohnes, die noch auf der Pilgerschaft sind und in Gefahren und Bedrängnissen weilen, bis sie zur ewigen Heimat gelangen“ (Lumen Gentium, 62). Ja, wir gehen durch Höhen und Tiefen, aber Maria tritt für uns bei ihrem Sohn ein und vermittelt uns die Kraft der göttlichen Liebe.

Unser Vertrauen auf die wirksame Fürsprache der Gottesmutter und unsere Dankbarkeit für die immer wieder erfahrene Hilfe tragen in sich selbst gleichsam den Impuls, über die Bedürfnisse des Augenblicks hinauszudenken. Was will Maria uns eigentlich sagen, wenn sie uns aus der Not errettet?

Maria will uns helfen, die Weite und Tiefe unserer christlichen Berufung zu erfassen. Sie will uns in mütterlicher Behutsamkeit verstehen lassen, dass unser ganzes Leben Antwort sein soll auf die erbarmungsreiche Liebe unseres Gottes.

Begreife  –  so scheint sie uns zu sagen  – , dass Gott, der die Quelle alles Guten ist und der nie etwas anderes will als dein wahres Glück, das Recht hat, von dir ein Leben zu fordern, das sich rückhaltlos und freudig seinem Willen überantwortet und danach trachtet, dass auch die anderen ein Gleiches tun.

„Wo Gott ist, da ist Zukunft“ – in der Tat: Wo wir Gottes Liebe ganz über unser Leben wirken lassen, dort ist der Himmel offen. Dort ist es möglich, die Gegenwart so zu gestalten, dass sie mehr und mehr der Frohbotschaft unseres Herrn Jesus Christus entspricht. Dort haben die kleinen Dinge des Alltags ihren Sinn  –  und dort finden die großen Probleme ihre Lösung. Amen.

 

 

 

 


„Ob es uns gefällt oder nicht: wir Abendländer entstammen alle ihrem Schoß.“

Jakob Augstein würdigt katholische Kirche und Papst

Der Verlagsleiter der politischen Wochenzeitung „Der Freitag“, Jakob Augstein, betrachtet den Papst als wichtige Instanz in puncto Ethik, denn Politik und Moral seien nicht immer deckungsgleich, so der Publizist in einem aktuellen Beitrag auf „Spiegel“-online.

Dabei befaßt sich Augstein kritisch mit gentechnischen Selektionen ungeborener Kinder wegen der Fahndung nach Mißbildungen –  und meint hierzu: „Es kann nicht schaden, in Rom einen sitzen zu haben, der mit uns über die „Conditio Humana“ spricht.“  – Dies gelte erst recht in einer Zeit, „in der wir glauben, uns mit nichts abfinden zu müssen, in der wir für alles vorsorgen wollen und keine Gefahr mehr laufen mögen  – und am Ende doch alle sterben“.

Den Boykott der Papstrede im Parlament durch linksgerichtete Abgeordnete findet Augstein „pubertär“. Immerhin sei die katholische Kirche die älteste Institution der Welt und verdiene Respekt:  „Ob es uns gefällt oder nicht: wir Abendländer entstammen alle ihrem Schoß.“


Wortlaut der Papst-Ansprache beim Treffen mit evangelischen Repräsentanten am 23.9.2011

Widersetzen wir uns der Gefahr, den Glauben zu verdünnen!

Liebe Brüder und Schwestern!
Wenn ich hier das Wort ergreife, möchte ich zunächst für diese Gelegenheit danken, mit
Ihnen zusammenzukommen. Mein besonderer Dank gilt dabei Präses Schneider, der mich
willkommen geheißen und mich durch seine freundlichen Worte in Ihre Runde aufgenommen hat.

Danken möchte ich zugleich für das besondere Geschenk, daß unsere Begegnung an diesem
historischen Ort stattfinden kann.

Es ist für mich als Bischof von Rom ein bewegender Augenblick, hier im alten Augustinerkloster zu Erfurt mit Vertretern der EKD zusammenzutreffen. Hier hat Luther Theologie studiert. Hier ist er 1507 zum Priester geweiht worden. Gegen den Wunsch seines Vaters ist er nicht beim Studium der Rechte geblieben, sondern hat Theologie studiert und sich auf den Weg zum Priestertum in der Ordensgemeinschaft des heiligen Augustinus gemacht.

Auf diesem Weg ging es ihm nicht um dies oder jenes. Was ihn umtrieb, war die Frage nach Gott, die die tiefe Leidenschaft
und Triebfeder seines Lebens und seines ganzen Weges gewesen ist. „Wie kriege ich einen gnädigen
Gott“: Diese Frage hat ihn ins Herz getroffen und stand hinter all seinem theologischen Suchen und
Ringen. Theologie war für ihn keine akademische Angelegenheit, sondern das Ringen um sich selbst  –
und dies wiederum war ein Ringen um Gott und mit Gott.

„Wie kriege ich einen gnädigen Gott?“  –  Daß diese Frage die bewegende Kraft seines ganzen
Weges war, trifft mich immer neu. Denn wen kümmert das eigentlich heute – auch unter
Christenmenschen?

Was bedeutet die Frage nach Gott in unserem Leben? In unserer Verkündigung? Die meisten Menschen, auch Christen, setzen doch heute voraus, daß Gott sich für unsere Sünden und Tugenden letztlich nicht interessiert. Er weiß ja, daß wir alle nur Fleisch sind. Sofern man heute überhaupt an ein Jenseits und ein Gericht Gottes glaubt, setzen wir doch praktisch fast alle voraus, daß Gott großzügig sein muß und schließlich mit seiner Barmherzigkeit schon über unsere kleinen
Fehler hinwegschauen wird.

Aber sind sie eigentlich so klein, unsere Fehler? Wird nicht die Welt verwüstet durch die Korruption der Großen, aber auch der Kleinen, die nur an ihren eigenen Vorteil denken? Wird sie nicht verwüstet durch die Macht der Drogen, die von der Gier nach Leben und nach Geld einerseits, andererseits von der Genußsucht der ihr hingegebenen Menschen lebt?

Wird sie nicht bedroht durch die wachsende Bereitschaft zur Gewalt, die sich nicht selten religiös verkleidet?
Könnten Hunger und Armut Teile der Welt so verwüsten, wenn in uns die Liebe zu Gott und von ihm her die Liebe zum Nächsten, zu seinen Geschöpfen, den Menschen, lebendiger wäre?   – So könnte man
fortfahren.

Nein, das Böse ist keine Kleinigkeit. Es könnte nicht so mächtig sein, wenn wir Gott wirklich in die Mitte unseres Lebens stellen würden. Die Frage: Wie steht Gott zu mir, wie stehe ich vor Gott – diese brennende Frage Martin Luthers muß wieder neu und gewiß in neuer Form auch unsere Frage werden. Ich denke, daß dies der erste Anruf ist, den wir bei der Begegnung mit Martin Luther hören sollten.

Und dann ist wichtig: Gott, der eine Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, ist etwas anderes als eine philosophische Hypothese über den Ursprung des Kosmos. Dieser Gott hat ein Gesicht und er hat uns angeredet. Er ist im Menschen Jesus Christus einer von uns geworden – wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich.

Luthers Denken, seine ganze Spiritualität war durchaus christozentrisch: „Was Christum treibet“, war für Luther der entscheidende hermeneutische Maßstab für die Auslegung der Heiligen Schrift. Dies aber setzt voraus, daß Christus die Mitte unserer Spiritualität und daß die Liebe zu ihm, das Mitleben mit ihm unser Leben bestimmt.

Nun werden Sie vielleicht sagen: Schön und gut, aber was hat dies alles mit unserer ökumenischen Situation zu tun? Ist dies alles vielleicht nur ein Versuch, sich an den drängenden Problemen vorbeizureden, in denen wir auf praktische Fortschritte, auf konkrete Ergebnisse warten?

Ich antwortete darauf: Das Notwendigste für die Ökumene ist zunächst einmal, daß wir nicht unter dem Säkularisierungsdruck die großen Gemeinsamkeiten fast unvermerkt verlieren, die uns überhaupt zu Christen machen und die uns als Gabe und Auftrag geblieben sind.

Es war der Fehler des konfessionellen Zeitalters, daß wir weithin nur das Trennende gesehen und gar nicht existentiell
wahrgenommen haben, was uns mit den großen Vorgaben der Heiligen Schrift und der altchristlichen
Bekenntnisse gemeinsam ist.

Es ist der große ökumenische Fortschritt der letzten Jahrzehnte, daß uns diese Gemeinsamkeit bewußt geworden ist und daß wir sie im gemeinsamen Beten und Singen, im gemeinsamen Eintreten für das christliche Ethos der Welt gegenüber, im gemeinsamen Zeugnis für den Gott Jesu Christi in dieser Welt als unsere unverlierbare Grundlage erkennen.

Die Gefahr, daß wir sie verlieren, ist leider nicht irreal. Ich möchte zwei Gesichtspunkte hier notieren. Die Geographie des Christentums hat sich in jüngster Zeit tiefgehend verändert und ist dabei, sich weiter zu ändern. Vor einer neuen Form von Christentum, die mit einer ungeheuren und in ihren Formen manchmal beängstigenden missionarischen Dynamik sich ausbreitet, stehen die klassischen Konfessionskirchen oft ratlos da. Es ist ein Christentum mit geringer institutioneller Dichte, mit wenig rationalem und mit noch weniger dogmatischem Gepäck, auch mit geringer
Stabilität.

Dieses weltweite Phänomen stellt uns alle vor die Frage: Was hat diese neue Form von Christentum uns zu sagen, positiv und negativ? Auf jeden Fall stellt es uns neu vor die Frage, was das bleibend Gültige ist und was anders werden kann oder muß  –  vor die Frage unserer gläubigen Grundentscheidung.

Tiefgehender und in unserem Land brennender ist die zweite Herausforderung an die ganze Christenheit, von der ich sprechen möchte: der Kontext der säkularisierten Welt, in dem wir heute als Christen unseren Glauben leben und bezeugen müssen. Die Abwesenheit Gottes in unserer Gesellschaft wird drückender, die Geschichte seiner Offenbarung, von der uns die Schrift erzählt, scheint in einer immer weiter sich entfernenden Vergangenheit angesiedelt.

Muß man dem Säkularisierungsdruck nachgeben, modern werden durch Verdünnung des Glaubens?

Natürlich muß der Glaube heute neu gedacht und vor allem neu gelebt werden, damit er Gegenwart wird. Aber
nicht Verdünnung des Glaubens hilft, sondern nur ihn ganz zu leben in unserem Heute. Dies ist eine
zentrale ökumenische Aufgabe.

Dazu sollten wir uns gegenseitig helfen: tiefer und lebendiger zu glauben. Nicht Taktiken retten uns, retten das Christentum, sondern neu gedachter und neu gelebter Glaube, durch den Christus und mit ihm der lebendige Gott in diese unsere Welt hereintritt. Wie uns die Märtyrer der Nazizeit zueinander geführt und die erste große ökumenische Öffnung bewirkt haben, so ist auch heute der in einer säkularisierten Welt von innen gelebte Glaube die stärkste
ökumenische Kraft, die uns zueinander führt, der Einheit in dem einen Herrn entgegen.


Wortlaut der Papst-Predigt beim ökumenischen Gottesdienst in Erfurt am 23.9.2011

Wahre Ökumene besteht im gemeinsamen Zeugnis für den  lebendigen Gott!

Liebe Brüder und Schwestern!

„Nicht nur für diese hier bitte ich, sondern auch für alle, die durch ihr Wort an mich glauben“ (Joh 17,20) – so hat Jesus nach dem Johannes-Evangelium im Abendmahlssaal zum Vater gesagt. Er bittet für die künftigen Generationen von Glaubenden. Er blickt über den Abendmahlssaal hinaus in die Zukunft hinein. Er hat gebetet auch für uns. Und er bittet um unsere Einheit.

Dieses Gebet Jesu ist nicht einfach Vergangenheit. Immer steht er fürbittend für uns vor dem Vater  –  und so steht er in dieser Stunde mitten unter uns und will uns in sein Gebet hineinziehen. Im Gebet Jesu ist der innere Ort unserer Einheit. Wir werden dann eins sein, wenn wir uns in dieses Gebet hineinziehen lassen.

Sooft wir uns als Christen im Gebet zusammenfinden, sollte uns dieses Ringen Jesu um uns und mit dem Vater für uns ins Herz treffen. Je mehr wir uns in dieses Geschehen hineinziehen lassen, desto mehr verwirklicht sich Einheit.

Ist das Gebet Jesu unerhört geblieben? Die Geschichte der Christenheit ist sozusagen die sichtbare Seite dieses Dramas, in dem Christus mit uns Menschen ringt und leidet. Immer wieder muß er den Widerspruch zur Einheit erdulden, und doch auch immer wieder vollzieht sich Einheit mit ihm und so mit dem dreieinigen Gott. Wir müssen beides sehen: Die Sünde des Menschen, der sich

Gott versagt und sich in sein Eigenes zurückzieht, aber auch die Siege Gottes, der die Kirche erhält durch ihre Schwachheit hindurch und immer neu Menschen in sich hineinzieht und so zueinander führt.

Deshalb sollten wir bei einer ökumenischen Begegnung nicht nur die Trennungen und Spaltungen beklagen, sondern Gott für alles danken, was er uns an Einheit erhalten hat und immer neu schenkt. Und diese Dankbarkeit muß zugleich Bereitschaft sein, die so geschenkte Einheit nicht zu verlieren mitten in einer Zeit der Anfechtung und der Gefahren.

Die grundlegende Einheit besteht darin, daß wir an Gott, den Allmächtigen, den Vater, den Schöpfer des Himmels und der Erde glauben. Daß wir ihn als den Dreifaltigen bekennen – Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Die höchste Einheit ist nicht monadische Einsamkeit, sondern Einheit durch Liebe.

Wir glauben an Gott – den konkreten Gott. Wir glauben daran, daß Gott zu uns gesprochen hat und einer von uns geworden ist. Diesen lebendigen Gott zu bezeugen ist unsere gemeinsame Aufgabe in der gegenwärtigen Stunde.

Braucht der Mensch Gott, oder geht es auch ohne ihn ganz gut? Wenn in einer ersten Phase der Abwesenheit Gottes sein Licht noch nachleuchtet und die Ordnungen des menschlichen Daseins zusammenhält, scheint es, daß es auch ohne Gott geht. Aber je weiter die Welt sich von Gott entfernt, desto klarer wird, daß der Mensch in der Hybris der Macht, in der Leere des Herzens und im Verlangen nach Erfüllung und Glück immer mehr das Leben verliert.

Der Durst nach dem Unendlichen ist im Menschen unausrottbar da. Der Mensch ist auf Gott hin erschaffen und braucht ihn.

Unser erster ökumenischer Dienst in dieser Zeit muß es sein, gemeinsam die Gegenwart des lebendigen Gottes zu bezeugen und damit der Welt die Antwort zu geben, die sie braucht.

Zu diesem Grundzeugnis für Gott gehört dann natürlich ganz zentral das Zeugnis für Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, der mit uns gelebt hat, für uns gelitten hat und für uns gestorben ist und in der Auferstehung die Tür des Todes aufgerissen hat.

Liebe Freunde, stärken wir uns in diesem Glauben! Helfen wir uns, ihn zu leben. Dies ist eine große ökumenische Aufgabe, die uns mitten ins Gebet Jesu hineinführt.

Die Ernsthaftigkeit des Glaubens an Gott zeigt sich im Leben seines Wortes. Sie zeigt sich in unserer Zeit ganz praktisch im Eintreten für das Geschöpf, das er als sein Ebenbild wollte  –  für den Menschen.

Wir leben in einer Zeit, in der die Maßstäbe des Menschseins fraglich geworden sind.

Ethik wird durch das Kalkül der Folgen ersetzt. Demgegenüber müssen wir als Christen die unantastbare Würde des Menschen verteidigen, von der Empfängnis bis zum Tod – in den Fragen von PID bis zur Sterbehilfe.

„Nur wer Gott kennt, kennt den Menschen“, hat Romano Guardini einmal gesagt. Ohne Erkenntnis Gottes wird der Mensch manipulierbar. Der Glaube an Gott muß sich in unserem gemeinsamen Eintreten für den Menschen konkretisieren.

Zum Eintreten für den Menschen gehören nicht nur diese grundlegenden Maßstäbe der Menschlichkeit, sondern vor allem und ganz praktisch die Liebe, wie sie uns Jesus im Gleichnis vom Weltgericht lehrt (Mt 25): Der richtende Gott wird uns danach beurteilen, wie wir den Nächsten, wie wir den Geringsten seiner Brüder begegnet sind.

Die Bereitschaft, in den Nöten dieser Zeit über den eigenen Lebensrahmen hinaus zu helfen, ist eine wesentliche Aufgabe des Christen.

Dies gilt zunächst im persönlichen Lebensbereich jedes einzelnen. Es gilt dann in der

Gemeinschaft eines Volkes und Staates, in der alle füreinander einstehen müssen. Es gilt für unseren Kontinent, in dem wir zur europäischen Solidarität gerufen sind. Und es gilt endlich über alle Grenzen hinweg: Die christliche Nächstenliebe verlangt heute auch unseren Einsatz für die Gerechtigkeit in der weiten Welt.

Ich weiß, daß von den Deutschen und von Deutschland viel getan wird, damit allen Menschen ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht wird  –  und möchte dafür ein Wort herzlichen Dankes sagen.

Schließlich möchte ich noch eine tiefere Dimension unserer Verpflichtung zur Liebe ansprechen. Die Ernsthaftigkeit des Glaubens zeigt sich vor allem auch dadurch, daß er Menschen inspiriert, sich ganz für Gott und von Gott her für die anderen zur Verfügung zu stellen. Die großen Hilfen werden nur konkret, wenn es vor Ort diejenigen gibt, die ganz für den anderen da sind und damit die Liebe Gottes glaubhaft werden lassen. Solche Menschen sind ein wichtiges Zeichen für die Wahrheit unseres Glaubens.

Im Vorfeld des Papstbesuchs war verschiedentlich von einem ökumenischen Gastgeschenk die Rede, das man sich von diesem Besuch erwarte. Die Gaben, die dabei genannt wurden, brauche ich nicht einzeln anzuführen.

Dazu möchte ich sagen, daß dies ein politisches Mißverständnis des Glaubens und der Ökumene darstellt.

Wenn ein Staatsoberhaupt ein befreundetes Land besucht, gehen im allgemeinen Kontakte zwischen den Instanzen voraus, die den Abschluß eines oder auch mehrerer Verträge zwischen den beiden Staaten vorbereiten: In der Abwägung von Vor- und Nachteilen entsteht der Kompromiß, der schließlich für beide Seiten vorteilhaft erscheint, so daß dann das Vertragswerk unterschrieben werden kann.

Aber der Glaube der Christen beruht nicht auf einer Abwägung unserer Vor- und Nachteile. Ein selbstgemachter Glaube ist wertlos. Der Glaube ist nicht etwas, was wir ausdenken oder aushandeln. Er ist die Grundlage, auf der wir leben.

Nicht durch Abwägung von Vor- und Nachteilen, sondern nur durch tieferes Hineindenken und Hineinleben in den Glauben wächst Einheit.

Auf solche Weise ist in den letzten 50 Jahren, besonders auch seit dem Besuch von Papst Johannes Paul II. vor 30 Jahren viel Gemeinsamkeit gewachsen, für die wir nur dankbar sein können.

Ich denke gern an die Begegnung mit der von Bischof Lohse geführten Kommission zurück, in der solches gemeinsames Hineindenken und Hineinleben in den Glauben geübt wurde.

Allen, die daran mitgewirkt haben, besonders von katholischer Seite Kardinal Lehmann, möchte ich meinen herzlichen Dank aussprechen. Ich versage mir, weitere Namen zu nennen  –  der Herr kennt sie alle.

Miteinander können wir alle nur dem Herrn danken für die Wege der Einheit, die

er uns geführt hat, und in demütigem Vertrauen einstimmen in sein Gebet: Laß uns eins werden, wie du mit dem Vater eins bist, damit die Welt glaube, daß er dich gesandt hat (vgl. Joh 17,21).


Aus der Ansprache von Dr. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, beim Treffen mit dem Papst am 22.9.2011

 „Beziehungen zwischen Kirche und Judentum haben sich dramatisch verbessert“

Hochverehrter Papst Benedikt,

es ist uns eine große Ehre und Freude, dass es im Rahmen Ihrer Deutschlandreise, anknüpfend an Ihren bemerkenswerten, historischen Besuch in der Kölner Synagoge im Jahr 2005, der, soweit ich weiß, der aller erste Besuch eines Papstes in einer Synagoge außerhalb von Italien gewesen war, heute hier zu dieser Begegnung zwischen uns kommt.

Sie haben heute hier schließlich ein mehr als anspruchsvolles, ein ehrgeiziges, ein fast schon: sportlich forderndes, intensives und höchst straffes Besuchsprogramms.

Dass Sie dennoch Zeit für dieses Treffen gefunden haben, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben, zeigt uns, dass Ihnen der Dialog mit dem Judentum eine wirkliche Herzensangelegenheit ist. Wir begrüßen Sie daher ganz besonders herzlich mit dem traditionellen jüdischen Gruß und dem jüdischen Willkommens-Segen: „Baruch Haba!“

Schön ist es, zu Recht feststellen zu können: Die Beziehungen zwischen der Katholischen Kirche und dem Judentum haben sich in den vergangenen Jahrzehnten wirklich ganz dramatisch verbessert. So viele Menschen auf allen Seiten haben daran ganz großen Anteil.

Und wir wissen sehr wohl, dass gerade Ihnen ganz persönlich die Versöhnung mit dem Judentum immer schon wichtig, ja absolute Herzenssache war und ist. (…)

Die Kontakte zwischen der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland und der katholischen Kirche hier im Land sind inzwischen ganz besonders vielfältig, vertrauensvoll, verlässlich und eng. Das spüren wir immer wieder besonders deutlich, gerade auch einmal in schwierigen Situationen. Aber gerade dann soll sich Freundschaft doch schließlich bewähren  –  und das erleben wir auch immer wieder hier auf wirklich bewegende Art und Weise. Für diese gelebte Solidarität und gewachsene Loyalität will ich mich hier ausdrücklich von Herzen bedanken.

Unser Dialog bleibt uns so wichtig, er ist aber auch kein Selbstzweck. Und wir alle müssen uns an dessen Ergebnissen messen lassen. Und dass unser gutes Verhältnis sogar noch besser, noch enger, noch herzlicher werden möge – das ist es doch, was wir im Innersten eigentlich alle gemeinsam hoffen und wünschen!

Hochverehrter Papst Benedikt, ich möchte deshalb die heutige Gelegenheit nutzen und für einen lebendigen, offenen, vertrauensvollen, temperamentvollen und auch lebensbejahenden Dialog miteinander werben. Für einen Dialog der kurzen Wege, der engen Freundschaft, der vertrauten Partnerschaft und der freundschaftlichen Herzlichkeit  – für einen Dialog, in dem das offene Wort geschätzt und gefordert wird und das tief begründete Vertrauen immer noch weiter wachsen möge. (…)

Wir sollten im Geiste wissen und in unseren Herzen auch immerzu spüren: Uns verbindet doch so viel. Uns verbindet doch so viel mehr als uns je trennen kann. Wir haben schließlich so starke gemeinsame Wurzeln  –  vielleicht sollten wir das gelegentlich gemeinsam noch häufiger und noch stärker nach außen kommunizieren. Denn: Wir haben doch wirklich so starke gemeinsame Wurzeln – wie sollten sie denn nicht gemeinsam Früchte tragen können?

Und das wünschen wir uns doch: Dass die Fülle und die Früchte der Gemeinsamkeiten wachsen und blühen mögen. Sicher: auch dann werden, weil die Welt so ist, wie sie ist, unsere gemeinsamen Bäume noch immer nicht in den Himmel wachsen. Vielleicht kommen wir alle aber denn doch dem Himmel so ein ganz klein wenig näher.

Und wir selbst wachsen vielleicht so gemeinsam am dem, was uns bindet und verbindet  –  wie schön wäre das doch!

Wir sind hier zusammen, wir glauben zusammen – und wir gehören ganz einfach auch zusammen! Lassen Sie uns daher gemeinsam die Verantwortung dafür tragen, dass dieses gemeinsame Fundament von herzlicher Freundschaft, von verstärktem Vertrauen und von neuer Nähe immer weiter und immer noch mehr gestärkt und gefestigt wird.

Wir jedenfalls wünschen uns das von ganzem Herzen.

Die vollständige Rede Dr. Graumanns finden Sie auf http://www.domradio.de


Der Papst sprach jenseits der Doppelfalle

Benedikts Bundestagsrede war zeitlos, souverän  –  und sie trotzte allen „Erwartungen“

Wenn Benedikt XVI. den Negativ-Erwartungen bzw. Befürchtungen jener hätte gerecht werden wollen, die ihn früher als „Panzerkardinal“ und heute als „reaktionären Moralhüter“ und dergleichen bezeichnen, hätte er sich im deutschen Parlament zu einer Art markiger Gardinenpredigt aufgeschwungen und dem Zeitgeist ordentlich und pointiert die Leviten gelesen  – daß er dazu gerne willens und fähig ist, hat er mehrfach gezeigt.

Doch der deutsche Pontifex aus Rom wußte zu gut, daß der Bundestag nicht der passende Ort für solche  – wenngleich der Sache nach berechtigten  – „Rundumschläge“  ist.

Es gab aber auch die gegenteilige „Falle“ für den Papst: daß er auf jene „reformeifrigen“  Stimmen hört,  die von ihm „Antworten“ (natürlich „zeitgemäße“) auf  angebliche „gesellschaftlichen Anfragen“ und „Herausforderungen von heute“ erhofften und ihn am liebsten in Richtung Modernismus „umerziehen“ möchten.  Diesem Ansinnen hat sich der Papst erst recht verweigert, obgleich die Begrüßungsansprache des Bundespräsidenten hierauf abzielte, innerkirchliche „Reformen“ anmahnte  – und insofern eher oberflächlich und wenig „staatsmännisch“ wirkte.

Das Kirchenoberhaupt dachte freilich überhaupt nicht daran, sich auf diese typischen „Dauerbrenner“-Themen von Medien, Talkshows und diverser „Dialogprozesse“ (auch aus bundesdeutsch-bischöflichen Amsstuben) einzulassen.

Der Papst hat zudem keine nichtssagende, rhetorische Allerweltsrede gehalten und Nettigkeiten in alle Richtungen verteilt, auf daß jede(r) zufrieden sei und keinerlei Angriffsflächen mehr möglich.

Stattdessen hielt der Pontifex eine Art Grundsatzrede über die Philosophie des Rechts, über die Fundamente der Gerechtigkeit im Leben der Völker, der Staaten, der Politik, auch hinsichtlich des einzelnen Menschen und seiner Gewissensentscheidungen.

Was ist gut?
Was ist gerecht?
Was ist immer gültig?
Worauf gründet das staatliche Recht?

Auf solche grundlegenden Fragen hatte es der Papst abgesehen.

Woran hat jeder Mensch, auch jeder Staatslenker sich zu orientieren? An seinen persönlichen Bedürfnissen und Wünschen? Dürfen Politiker sich allein an Nützlichkeitserwägungen orientieren? Sind Gesetze automatisch immer „rechtens“, wie es vor allem der Rechtspositivismus (irr)lehrt? Oder gibt es ein überzeitliches „Recht“, das über dem irdischen Gesetz steht?

Worauf beruhren Recht und Gerechtigkeit? Auf irdischen Instanzen allein? Auf dem demokratischen Mehrheitsprinzip? Auf Volksabstimmungen? Auf Kompromissen und Konsensentscheidungen?

Der Papst hat den demokratischen und freiheitlichen Rechtsstaat ausdrücklich gewürdigt, aber er hat auch an die christlichen Wurzeln von Recht und Gerechtigkeit erinnert: an eine übernatürliche Instanz nämlich, die letztlich allein das überzeitliche Fundament für eine gelingende Rechtsordnung sein kann: Gott und seine Schöpfungsordnung, das „Naturrecht“ und seine Prinzipien, die keiner Zustimmung von Mehrheiten bedürfen, die auch ohne irdische Gesetze gelten, darunter vor allem die Menschenwürde und das Grundrecht auf Leben für alle (ob geboren oder ungeboren, gesund oder behindert).

Damit hat der Papst sich in des Wortes doppelter Bedeutung als „Souverän“ erwiesen: nicht nur als der Souverän des Vatikanstaates, als „Staatsmann“ gewissermaßen, auch nicht allein als Kirchenoberhaupt von 1, 2 Milliarden Katholiken, sondern auch als „souverän“ über den vermeintlichen Bedürfnissen aktueller „Anforderungen“ und Zumutungen. Jenseits des Zeitgeistes vertrat er den Anspruch des Ewigen  – auch in unserer Zeit, auch in der Politik.

Der Papst hat gezeigt, was er sich und seinem Amt, was er vor allem Gott schuldig ist: die Wahrheit!

Denn in Wahrheit gründen Recht und Gerechtigkeit vor allem in Gott und in seiner Schöpfungsordnung.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Evangelikaler Dachverband begrüßt den Papst

„Internationale Konferenz bekennender Gemeinschaften“  wendet sich gegen „Papstschelte“

Die „Internationale Konferenz bekennender Gemeinschaften“  – ein Dachverband glaubenskonservativer evangelischer Christen  –  richtete ein freundliches Grußwort an Papst Benedikt:

„Es ist für uns eine große Freude und Ehre, dass Sie das Land der Reformation besuchen und diesen Besuch nicht nur zur Stärkung der Gläubigen Ihrer Kirche nutzen wollen, sondern auch dazu, die geistlichen Beziehungen zu den Christen anderer Kirchen zu pflegen und zu vertiefen.“

Zugleich kritisieren die bibelorientierten Protestanten eine antikatholische Kampagne in Fernsehen und Presse. Mit einer „nie dagewesenen Hetze und Gehässigkeit“ hätten Medien und Teile der Politik Benedikt XVI. in die Nähe eines Diktators und Menschenrechtsverletzers gerückt,  sagte der Vorsitzende der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg), am 21. September gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur „idea“.

Diese Angriffe richteten sich nicht allein gegen die römisch-katholische Kirche, sondern gegen „alle Christen, die ihren Glauben gegen den Hauptstrom des Zeitgeistes klar bekennen“.

Pastor Rüß kritisiert auch jene Bundestagsabgeordneten von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der Partei „Die Linke“, die der Rede des Papst am 22. September im Deutschen Bundestag fernblieben. Dies sei „schlechter demokratischer Stil und peinlich“, da der Papst mit Zustimmung aller Fraktionen zu der Rede eingeladen worden sei. Selbsternannte „Gralshüter der Toleranz“ entlarvten sich in ihrer „puren Kirchenfeindlichkeit und Intoleranz“.

Die Bekennenden Gemeinschaften begrüßen die „leider oft verkannten Bemühungen“ des Papstes „um eine nachhaltige und volle Einheit aller, die an den dreieinigen Gott und an Jesus Christus als Herrn und Erlöser glauben“. Besonders die beiden Jesusbücher von Benedikt XVI. hätten „einen tiefen und überaus positiven Eindruck auch bei vielen Christen hinterlassen“, die der katholischen Kirche nicht angehören.

Viele bekennende Christen unterschiedlichster Konfessionen unterstützen auch den Einsatz des Papstes für eine Neuevangelisierung Europas, den Schutz von Ehe und Familie und das unantastbare Lebensrecht aller Menschen.

Abschließend heißt es in dem Grußwort des Dachverbands an das katholische Kirchenoberhaupt:

„Wir wünschen Ihnen von Herzen einen reich gesegneten, frohen und bewahrten Aufenthalt in Deutschland. Mögen durch Ihren Dienst der Verkündigung und Lehre hier und anderswo noch viele Menschen gesegnet, im Glauben gestärkt und zum Glauben geführt werden!“

Unterzeichner der Grußbotschaft sind neben dem Vorsitzenden der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaft, Pastor Rüß, dessen Stellvertreter Andreas Späth, der Ehrenvorsitzende Prof. Dr. Peter Beyerhaus und der Vorsitzende der Theologischen Kommission der Konferenz, Pastor Dr. Werner Neuer.

 


Papst Benedikt bestätigt die Grenzen des Mehrheitsprinzips

Recht auf Leben und Menschenwürde sind unantastbar!

Pressemeldung der „Aktion Leben“ vom 23.9.2011

Mit Freude und Dankbarkeit begrüßen deutsche Lebensrechtler die Rede von Papst Benedikt XVI. vor dem Deutschen Bundestag am 22.9.2011. In einem anspruchsvollen Vortrag machte er auf die Grundlagen des freiheitlichen Rechtsstaates aufmerksam. Grundlagen, deren Kenntnis und Beachtung man in den letzten Monaten und Jahren bei so mancher Bundestagsentscheidung schmerzlich vermißte.

Nun aber kann sich kein Abgeordneter mehr entschuldigen, er habe es nicht gewußt. Immerhin folgert aus den Ausführungen des Papstes, was die deutsche Lebensrechtsbewegung (z.B. die Aktion Leben e.V.) schon immer vertreten hat:

Es gibt Unabstimmbares! Über Lebensrecht und Menschenwürde kann und darf nicht abgestimmt werden.

Kein Parlament der Welt hat das Recht, das Leben eines seiner Bürger durch Gesetze dem Tod preiszugeben, denn das würde gegen Naturrecht und damit gegen Gottes Gebote verstoßen.

Sehr wohl aber haben Parlamente die Pflicht, Gesetze zu schaffen, die das Leben und die Würde jedes Menschen bestmöglich schützen. Das zu beachten wäre Pflicht des deutschen Bundestages gewesen –  bei früheren Abstimmungen wie z.B. der zur PID oder zu den sog. Reformen des § 218.

Nach der Papstrede, ist es erst Recht Pflicht bei künftigen Debatten, z.B. in den anstehenden Fragen von Hirntod und Organspende und der Euthanasie/Sterbehilfe die mahnenden Worte des Papstes zu beherzigen.

Aktion Leben e.V.
Walter Ramm
Postfach 61
69518  Abtsteinach
Tel:06201-2064
Fax:06201-23848
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David Bergers unfaire Schmähkritik gegen Papst Benedikt

Ein Hauptredner der Anti-Papst-Proteste verstrickt sich in Falschbehauptungen

Dr. David Berger, der sich selbst als „schwulen Theologen“ bezeichnet und zu den Hauptrednern der Anti-Papst-Kundgebung am 22.9.2011 in Berlin gehörte, gab der linksgerichteten Illustrierten „Stern“ ein Interview, das diese am 22.9.2011 online unter dem Titel „Kaum einer hört ihm zu“ (bezogen auf den Papst) veröffentlichte.

Fakt ist freilich, daß dem Papst in Berlin am 22. September 2011 etwa zehnmal mehr Menschen im Olympiastadion zuhörten als den Protestlern um Dr. David Berger und Uta Ranke-Heinemann etc.

Dieser Aspekt wäre nicht weiter erwähnenswert, würde sich Berger in seinem antikirchlichen Zorn nicht zu Falschbehauptungen gegen Papst Benedikt versteigen.

Berger ist grundsätzlich dagegen, daß dem Papst im deutschen Parlament überhaupt ein “Forum“ geboten wurde  –  und diese Ablehnung begründet er folgendermaßen:

„Der Bundestag gründet seine Existenz auf ein klares Bekenntnis zur Demokratie. Der Papst hat die Demokratie und die offene Gesellschaft mehrfach als „Diktatur des Relativismus“ bezeichnet  –  und stattdessen die „Diktatur der Wahrheit“ gefordert.“

Weder hat der Papst die Demokratie als solche bzw die demokratische Staatsform mit der „Diktatur des Relativismus“ bezeichnet oder gleichgesetzt  – noch hat er je eine „Diktatur der Wahrheit“ gefordert; Berger bringt für seine steilen Behauptungen auch keinen einzigen Beleg.

Bezeichnend ist sodann die für einen „Theologen“ ungewöhnliche Oberflächlichkeit, mit der Berger das päpstliche „Wort zum Sonntag“ kommentiert:

In dieser Ansprache hatte Benedikt XVI. in verständlicher Weise erläutert, wie der Mensch das Dasein Gottes erkennen kann: durch das Werk der Schöpfung, die Heilige Schrift und durch gläubige Menschen.

Daß dieses Glaubens-ABC den Horizont eines Sensationsblatts  –  wie es der “Stern“ nun einmal darstellt  –  überfordern mag, erstaunt wenig.

Wundern darf man sich, daß ein jahrzehntelang philosophierender, sich z.B. mit den Gottesbeweisen des Thomas von Aquin beschäftigender Theologie wie Berger in dieselbe dümmliche Kerbe schlägt.

Auf den „Stern“-Hinweis, der Papst habe in dieser Kurzansprache „über Gotteserkenntnis gesprochen, aber keine Silbe zu aktuellen Fragen gesagt“, reagierte Berger folgendermaßen:

„Es ist nicht zu übersehen, dass Benedikt XVI und seine Getreuen die Fühlung für das, was Menschen bewegt, verloren haben. Der Papst vertritt Positionen des 19. Jahrhunderts, die keiner mehr versteht.“

Was hat, so fragt man sich, die für viele Menschen wesentliche Frage nach dem Dasein Gottes mit „Positionen des 19. Jahrhunderts“ zu tun?

„Die junge Garde ist bewußt konservativ“

Aufschlußreich ist freilich die verärgerte Beschwerde Bergers über den heutigen Priesternachwuchs, dessen  – wie er meint  –  konservative Ausrichtung ihm mißfällt, wobei er den Seminaristen pauschal Karrierestreben unterstellt:

„Die Alten kennen wenigstens noch die Zeiten des reformfreudigen Zweiten Vatikanischen Konzils. Die junge Garde nicht; sie ist bewusst konservativ bis sehr konservativ und kokettiert sogar damit. Sie weiß, dass sie mit dieser Haltung Karriere machen kann.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster