FOTOs zur Jugendvigil mit dem Papst in Freiburg

Die Badische Zeitung hat eindrucksvolle Bilder veröffentlicht:

http://www.badische-zeitung.de/fotos-jugendvigil-mit-papst-benedikt-in-freiburg?id=49823190

Auch diese Fotogalerie läßt sich sehen:

http://fudder.de/artikel/2011/09/24/foto-galerie-warten-auf-papst-benedikt/


Wortlaut der Papst-Predigt bei der Jugendvigil in Freiburg am 24.9.2011

„Wagt es, glühende Heilige zu sein!“

Liebe jungen Freunde!

Ich habe mich den ganzen Tag auf diesen Abend gefreut, hier mit euch zusammen zu sein und Gemeinschaft im Gebet mit euch zu haben.

Einige von euch werden schon beim Weltjugendtag dabei gewesen sein, wo wir die besondere Atmosphäre der Ruhe, der tiefen Gemeinschaft und der inneren Freude erleben durften, die über einer abendlichen Gebetsvigil liegt.

Diese Erfahrung wünsche ich uns auch für diesen Moment: dass der Herr uns anrühre und zu frohen Zeugen mache, die miteinander beten und füreinander einstehen, nicht nur heute Abend, sondern unser ganzes Leben.

In allen Kirchen, in den Domen und Klöstern, überall wo sich die Gläubigen zur Feier der Osternacht versammeln, wird die heiligste aller Nächte mit dem Entzünden der Osterkerze eröffnet, deren Licht an alle Anwesenden weitergereicht wird. Eine winzige Flamme verbreitet sich im Kreis vieler Lichter und erhellt das dunkle Gotteshaus.

In diesem wunderbaren liturgischen Ritus, den wir in dieser Gebetsvigil nachgeahmt haben, offenbart sich uns in Zeichen, die mehr sagen als Worte, das Geheimnis unseres christlichen Glaubens.

Er, der von sich sagt: „Ich bin das Licht der Welt“ (Joh 8,12), bringt unser Leben zum Leuchten, damit wahr wird, was wir soeben im Evangelium gehört haben: „Ihr seid das Licht der Welt“ (Mt 5,14).

Es sind nicht unsere menschlichen Anstrengungen oder der technische Fortschritt unserer Zeit, die Licht in diese Welt bringen. Immer wieder müssen wir es ja erleben, dass unser Mühen um eine bessere und gerechtere Ordnung an seine Grenzen stößt.

Das Leiden der Unschuldigen und letztlich der Tod eines jeden Menschen sind ein undurchdringliches Dunkel, das vielleicht von neuen Erfahrungen her für einen Moment, wie durch einen Blitz in der Nacht, erhellt werden mag. Am Ende bleibt aber doch eine beängstigende Finsternis.

Es mag um uns herum dunkel und finster sein   –  und doch schauen wir ein Licht: eine kleine, winzige Flamme, die stärker ist als die so mächtig und unüberwindbar scheinende Dunkelheit.

Christus, der von den Toten auferstanden ist, leuchtet in dieser Welt und gerade dort am hellsten, wo nach menschlichem Ermessen alles düster und hoffnungslos ist. Er hat den Tod besiegt  –  Er lebt  –  und der Glaube an ihn durchbricht wie ein kleines Licht all das, was finster und bedrohlich ist.

Wer an Jesus glaubt, hat sicherlich nicht immer Sonnenschein im Leben, so als ob ihm Leiden und Schwierigkeiten erspart bleiben könnten, aber stets gibt es da einen hellen Schein, der ihm einen Weg zeigt, der zum Leben in Fülle führt (vgl. Joh 10,10). Wer an Christus glaubt, dessen Augen schauen auch in der dunkelsten Nacht ein Licht und sehen schon das Leuchten eines neuen Tages.

Das Licht bleibt nicht allein. Rings herum flammen weitere Lichter auf. In ihrem Schein erhält der Raum Konturen, so dass man sich orientieren kann. Wir leben nicht allein auf der Welt. Gerade in den wichtigen Dingen des Lebens sind wir auf Mitmenschen angewiesen. S

o stehen wir besonders im Glauben nicht allein, wir sind Glieder in der großen Kette der Gläubigen. Niemand kann glauben, wenn er nicht durch den Glauben der anderen gestützt wird  – und durch meinen Glauben trage ich wiederum dazu bei, die anderen in ihrem Glauben zu stärken.

Wir helfen uns, einander Vorbilder zu sein, lassen die anderen am Unsrigen teilhaben, unseren Gedanken, unseren Taten, unserer Zuneigung. Und wir helfen einander, uns zurechtzufinden, unseres Standpunkts in der Gesellschaft gewahr zu werden.

Liebe Freunde: „Ich bin das Licht der Welt – Ihr seid das Licht der Welt“, sagt der Herr. Es ist geheimnisvoll und großartig, dass Jesus von sich selbst und von jedem von uns das gleiche sagt, nämlich „Licht zu sein“.

Wenn wir glauben, dass Er der Sohn Gottes ist, der Kranke geheilt und Tote erweckt hat, ja selbst aus dem Grabe erstanden ist und wirklich lebt, so verstehen wir, dass er das Licht, die Quelle aller Lichter dieser Welt ist.

Wir dagegen erleben doch immer wieder das Scheitern unserer Bemühungen und das persönliche Versagen trotz bester Absichten. Die Welt, in der wir leben, wird trotz des technischen Fortschritts scheinbar letztlich nicht besser. Noch immer gibt es Krieg und Terror, Hunger und Krankheit, bittere Armut und erbarmungslose Unterdrückung.

Und auch die, die sich in der Geschichte als „Lichtbringer“ verstanden haben, ohne aber von Christus, dem einzigen und wahren Licht entzündet zu sein, haben gerade kein irdisches Paradies geschaffen, sondern Diktaturen und totalitäre Systeme errichtet, in denen selbst der kleinste Funke wahrer Menschlichkeit erstickt wurde.

An diesem Punkt dürfen wir nicht darüber schweigen, dass es das Böse gibt. Wir sehen es an so vielen Orten in dieser Welt; wir sehen es aber auch  – und das erschreckt uns  –  in unserem eigenen Leben.

Ja, in unserem eigenen Herzen gibt es die Neigung zum Bösen, den Egoismus, den Neid, die Aggression. Mit einer gewissen Selbstdisziplin lässt sich das vielleicht einigermaßen kontrollieren.

Schwieriger wird es aber mit einem eher verborgenen Schlechtsein, das sich wie ein dumpfer Nebel auf uns legen kann, und das ist die Trägheit, die Schwerfälligkeit, das Gute zu wollen und zu tun.

Immer wieder in der Geschichte haben aufmerksame Zeitgenossen darauf hingewiesen: Der Schaden der Kirche kommt nicht von ihren Gegnern, sondern von den lauen Christen. Aber wie kann Christus dann sagen, die Christen und damit wohl auch diese schwachen und oft so lauen Christen seien das Licht der Welt?

Vielleicht verstünden wir, wenn er uns zuriefe: Bekehrt euch! Seid das Licht der Welt! Ändert euer Leben, macht es hell und strahlend!  –  Müssen wir nicht staunen, dass der Herr keinen Appell an uns richtet, sondern sagt: Wir sind das Licht der Welt, wir leuchten, wir strahlen im Dunkeln?

Liebe Freunde, der heilige Apostel Paulus scheut sich nicht, in vielen seiner Briefe seine Zeitgenossen, die Mitglieder der Ortsgemeinde, „Heilige“ zu nennen. Hier wird deutlich, dass jeder Getaufte  –  noch ehe er gute Werke oder besondere Leistungen tun kann  –  geheiligt ist von Gott.

In der Taufe entzündet der Herr gleichsam ein Licht in unserem Leben, das der Katechismus die heiligmachende Gnade nennt. Wer dieses Licht bewahrt, wer in der Gnade lebt, der ist in der Tat heilig.

Liebe Freunde, immer wieder ist das Bild der Heiligen karikiert und verzerrt worden, so als ob heilig zu sein bedeute, weltfremd, naiv und freudlos zu sein. Nicht selten meint man, ein Heiliger sei nur der, der asketische und moralische Höchstleistungen vollbringe und den man daher wohl verehren, aber im eigenen Leben doch nie nachahmen könne. Wie falsch und entmutigend ist diese Meinung! Es gibt keinen Heiligen, mit Ausnahme der seligen Jungfrau Maria, der nicht auch die Sünde gekannt und niemals gefallen wäre.

Liebe Freunde, Christus achtet nicht so sehr darauf, wie oft ihr im Leben strauchelt, sondern wie oft ihr wieder aufsteht. Er fordert keine Glanzleistungen, sondern möchte, dass Sein Licht in euch scheint.

Er ruft euch nicht, weil ihr gut und vollkommen seid, sondern weil Er gut ist und euch zu seinen Freunden machen will. Ja, ihr seid das Licht der Welt, weil Jesus euer Licht ist. Ihr seid Christen  –  nicht weil ihr Besonderes und Herausragendes tut, sondern weil Er, Christus, euer Leben ist. Ihr seid heilig, weil seine Gnade in euch wirkt.

Liebe Freunde, an diesem Abend, an dem wir uns im Gebet um den einen Herrn versammeln, ahnen wir die Wahrheit des Wortes Christi, dass die Stadt auf dem Berg nicht verborgen bleiben kann.

Diese Versammlung leuchtet im mehrfachen Sinn des Wortes  –  im Schein unzähliger Lichter, im Glanz so vieler Jugendlicher, die an Christus glauben.

Eine Kerze kann nur dann Licht spenden, wenn sie sich von der Flamme verzehren lässt. Sie bliebe nutzlos, würde ihr Wachs nicht das Feuer nähren. Lasst es zu, dass Christus in euch brennt, auch wenn das manchmal Opfer und Verzicht bedeuten kann.

Fürchtet nicht, ihr könntet etwas verlieren und sozusagen am Ende leer ausgehen. Habt den Mut, eure Talente und Begabungen für Gottes Reich einzusetzen und euch hinzugeben  –  wie das Wachs einer Kerze  –  damit der Herr durch euch das Dunkel hell macht.

Wagt es, glühende Heilige zu sein, in deren Augen und Herzen die Liebe Christi strahlt und die so der Welt Licht bringen.

Ich vertraue darauf, dass ihr und viele andere junge Menschen hier in Deutschland Leuchten der Hoffnung sind, die nicht verborgen bleiben: „Ihr seid das Licht der Welt.“  – Amen.


Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU) über den Papstbesuch

Papst Benedikt hat ein „hörendes Herz“

Radio Vatikan veröffentlichte am 24.9.2011 ein Interview mit der evangelischen Theologin und Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen, Christine Lieberknecht.  –  Wir dokumentieren hier die wesentlichen Aussagen:

„Frau Ministerpräsidentin, was ist Ihr persönliches Resümee von dieser Reise des Papstes und dem Besuch Benedikts in Ihrem Land?

Der Besuch war ein ganz großartiges Ereignis. Ich bin mir ganz sicher, dass es eine wichtige Nachwirkung geben wird. Es hat historische Begegnungen gegeben. Diese werden um die Welt gehen.

Das Treffen von katholischer und evangelischer Kirche im Augustinerkloster ist von globaler Wichtigkeit. Immer wieder stand die Frage im Mittelpunkt nach der Grundlegung unserer ethischen Normen. Das gilt auch für die Grundlegung der Ökumene. 

Darüber hinaus gab es eine Hinwendung und Liebe gegenüber den Menschen. Der Papst lebt das, was er von den hörenden Herzen erwartet, in einer sehr berührenden Weise. Das haben auch die Menschen gespürt.

Der Papst hat angesprochen, dass dieses Land jahrelang dem Kommunismus unterworfen war und das Christentum unterdrückt wurde. Sie sind evangelische Theologin und Ministerpräsidentin von Thürigen. Wieviel hat sich geändert?

Wir haben eine Revolution erlebt. Es war eine friedliche Revolution, die zunächst zu dem Mauerfall geführt hat. Das galt nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa.

Ein wichtiger Beitrag kam auch vom Vorgänger Benedikts, Johannes Paul II., der den polnischen Christen Mut gemacht hat, Solidarnosc zu gründen. Dieser unvergessene Spruch „Habt keine Angst“ von Papst Johannes Paul II. war einer der Schlüsselbegriffe, die zum Fall der Grenzen in Europa geführt hat.

Auf diesem Hintergrund   – mit allen Zwängen und Absurditäten des Alltags –  ist es etwas Besonders, dass ein solcher Besuch in Erfurt stattfinden konnte. Das ist ja ein Land, das es zu DDR-Zeiten gar nicht gab. Es war zentralistisch abgeschafft.

Dass ich dazu noch als Ministerpräsidentin und als evangelische Theologin den Papst am Rollfeld des Flughafens begrüßen durfte, ist etwas Besonderes.“


Papst-Ansprache vor Vertretern des ZdK (Zentralkomitee der dt. Katholiken) am 24.9.2011

Haben wir zu viele Strukturen  –  und zu wenig Geist und Glaube?

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich bin dankbar für die Gelegenheit, mit Ihnen, den Präsidiumsmitgliedern des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, hier in Freiburg zusammenzukommen.

Gerne bekunde ich Ihnen meine Wertschätzung für Ihr Engagement, mit dem Sie die Anliegen der Katholiken in der Öffentlichkeit vertreten und Anregungen für das apostolische Wirken der Kirche und der Katholiken in der Gesellschaft geben. Zugleich danke ich dem Präsidenten des ZdK, Herrn Alois Glück, für die freundliche Begrüßung.

Liebe Freunde! Seit Jahren gibt es in der Entwicklungshilfe die sogenannten exposure-Programme. Verantwortliche aus Politik, Wirtschaft und Kirche leben eine gewisse Zeit in Afrika, Asien oder Lateinamerika mit den Armen und teilen ihren konkreten Alltag. Sie setzen sich der Lebenssituation dieser Menschen aus, um die Welt mit deren Augen zu sehen und daraus für das eigene solidarische Handeln zu lernen.

Stellen wir uns vor, ein solches exposure-Programm fände hier in Deutschland statt. Experten aus einem fernen Land würden sich aufmachen, um eine Woche bei einer deutschen Durchschnittsfamilie zu leben. Sie würden vieles hier bewundern, z. B. den Wohlstand, die Ordnung und die Effizienz. Aber sie würden mit unvoreingenommenen Blick auch viel Armut feststellen: Armut, was die menschlichen Beziehungen betrifft –  und Armut im religiösen Bereich.

Wir leben in einer Zeit, die weithin durch einen unterschwelligen, alle Lebensbereiche durchdringenden Relativismus gekennzeichnet ist. Manchmal wird dieser Relativismus kämpferisch, wenn er sich gegen Menschen wendet, die behaupten, sie wüssten, wo die Wahrheit oder der Sinn des Lebens zu finden ist.

Und wir beobachten, wie dieser Relativismus immer mehr Einfluss auf die menschlichen Beziehungen und auf die Gesellschaft ausübt. Dies schlägt sich auch in der Unbeständigkeit und Sprunghaftigkeit vieler Menschen und einem übersteigerten Individualismus nieder.

Mancher scheint überhaupt keinen Verzicht mehr leisten oder ein Opfer für andere auf sich nehmen zu können. Auch das selbstlose Engagement für das Gemeinwohl, im sozialen und kulturellen Bereich oder für Bedürftige nimmt ab.

Andere sind überhaupt nicht mehr in der Lage, sich uneingeschränkt an einen Partner zu binden. Man findet kaum noch den Mut zu versprechen, ein Leben lang treu zu sein; sich das Herz zu nehmen und zu sagen, ich gehöre jetzt ganz dir, oder entschlossen für Treue und Wahrhaftigkeit einzustehen und aufrichtig die Lösung von Problemen zu suchen.

Liebe Freunde! Im exposure-Programm folgt auf die Analyse die gemeinsame Reflexion. Diese Auswertung muss das Ganze der menschlichen Person im Blick haben, und dazu gehört – nicht nur implizit, sondern ganz ausdrücklich – ihre Beziehung zum Schöpfer.

Wir sehen, dass in unserer reichen westlichen Welt Mangel herrscht. Vielen Menschen mangelt es an der Erfahrung der Güte Gottes.

Zu den etablierten Kirchen mit ihren überkommenen Strukturen finden sie keinen Kontakt. Warum eigentlich? Ich denke, dies ist eine Frage, über die wir sehr ernsthaft nachdenken müssen.

Sich um sie zu kümmern, ist die Hauptaufgabe des Päpstlichen Rates für die Neuevangelisierung. Aber sie geht natürlich uns alle an.

Lassen Sie mich hier einen Punkt der spezifischen Situation in Deutschland ansprechen. In Deutschland ist die Kirche bestens organisiert. Aber steht hinter den Strukturen auch die entsprechende geistige Kraft  –  Kraft des Glaubens an einen lebendigen Gott?

Ehrlicherweise müssen wir doch sagen, dass es bei uns einen Überhang an Strukturen gegenüber dem Geist gibt. Ich füge hinzu: Die eigentliche Krise der Kirche in der westlichen Welt ist eine Krise des Glaubens. Wenn wir nicht zu einer wirklichen Erneuerung des Glaubens finden, wird alle strukturelle Reform wirkungslos bleiben.

Kommen wir zurück zu den Menschen, denen die Erfahrung der Güte Gottes fehlt. Sie brauchen Orte, wo sie ihr inneres Heimweh zur Sprache bringen können. Hier sind wir gerufen, neue Wege der Evangelisierung zu suchen.

Ein solcher Weg können kleine Gemeinschaften sein, wo Freundschaften gelebt und in der regelmäßigen gemeinsamen Anbetung vor Gott vertieft werden. Da sind Menschen, die an ihrem Arbeitsplatz und im Verbund von Familie und Bekanntenkreis von diesen kleinen Glaubenserfahrungen erzählen und so eine neue Nähe der Kirche zur Gesellschaft bezeugen.

Ihnen zeigt sich dann auch immer deutlicher, dass alle dieser Nahrung der Liebe bedürfen, der konkreten Freundschaft untereinander und mit dem Herrn. Wichtig bleibt die Rückbindung an den Kraftstrom der Eucharistie, denn getrennt von Christus können wir nichts vollbringen (vgl. Joh 15,5).

Liebe Brüder und Schwestern, möge der Herr uns stets den Weg weisen, gemeinsam Lichter in der Welt zu sein und unseren Mitmenschen den Weg zur Quelle zu zeigen, wo sie ihr tiefstes Verlangen nach Leben erfüllen können.


Wortlaut der Papst-Ansprache vor Geistlichen der Orthodoxie am 24.9.2011

Begegnung mit S.H. Papst Benedikt XVI in Freiburg am 24. Sept.

Maria führe uns auf den Weg zur Einheit

Eminenzen, Exzellenzen!

Sehr geehrte Vertreter der orthodoxen und orientalischen Kirchen!

Es ist mir eine große Freude, dass wir uns heute hier zusammengefunden haben. Von Herzen danke ich Ihnen allen für Ihr Kommen und für die Möglichkeit dieses freundschaftlichen Austauschs.

Einen besonderen Dank sage ich Metropolit Augoustinos für seine vertrauensvollen Worte. Gern wiederhole ich in diesem Kreis, was ich schon an anderer Stelle gesagt habe: unter den christlichen Kirchen und Gemeinschaften steht uns die Orthodoxie theologisch am nächsten; Katholiken und Orthodoxe haben beide die gleiche altkirchliche Struktur.

So dürfen wir hoffen, dass der Tag nicht zu ferne ist, an dem wir wieder gemeinsam Eucharistie feiern können.

Mit Interesse und Sympathie verfolgt die katholische Kirche die Entwicklung der orthodoxen Gemeinden in Westeuropa, die in den letzten Jahrzehnten merklichen Zuwachs verzeichnen. In Deutschland leben heute ca. 1,6 Millionen orthodoxe und orientalische Christen. Sie sind ein fester Bestandteil der Gesellschaft geworden, der den Schatz der christlichen Kulturen und des christlichen Glaubens Europas belebt.

Ich begrüße die Intensivierung der panorthodoxen Zusammenarbeit, die in den letzten Jahren wesentliche Fortschritte erzielt hat. Die Gründung orthodoxer Bischofskonferenzen dort, wo die orthodoxen Kirchen in der Diaspora sind, ist Ausdruck der gefestigten innerorthodoxen Beziehungen. Ich freue mich, dass auch in Deutschland im vergangenen Jahr dieser Schritt vollzogen wurde. Mögen die Erfahrungen, die in diesen Bischofskonferenzen gemacht werden, den Verbund zwischen den orthodoxen Kirchen stärken und die Bestrebungen zu einem panorthodoxen Konzil weiter voranschreiten lassen.

Seit meiner Zeit als Professor in Bonn und dann besonders auch als Erzbischof von München und Freising habe ich durch persönliche Freundschaft mit Vertretern der orthodoxen Kirchen die Orthodoxie immer tiefer kennen- und lieben gelernt.

Es begann damals auch die Arbeit der Gemeinsamen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und der Orthodoxen Kirche. Mit ihren Texten zu pastoral-praktischen Fragen fördert sie seither das gegenseitige Verständnis und trägt zu einer Festigung und Weiterentwicklung der katholisch-orthodoxen Beziehungen in Deutschland bei.

Ebenso wichtig bleibt die Weiterarbeit an der Klärung theologischer Differenzen, weil deren Überwindung für die Wiederherstellung der vollen Einheit, die wir erhoffen und um die wir beten, unerlässlich ist.

Hier ist es vor allem die Primatsfrage, um deren rechtes Verständnis wir weiter ringen müssen. Dabei können uns die Gedanken zur Unterscheidung zwischen Wesen und Form der Ausübung des Primates, die Papst Johannes Paul der II. in der Enzyklika Ut unum sint (N. 95) vorgenommen hat, weiterhin fruchtbare Anstöße geben.

Dankbar blicke ich auch auf die Arbeit der Gemischten Internationalen Kommission für den theologischen Dialog zwischen der Katholischen Kirche und den Orientalisch-orthodoxen Kirchen. Ich freue mich, verehrte Eminenzen und Vertreter der orientalischen Kirchen, in Ihnen Repräsentanten jener Kirchen zu treffen, die an diesem Dialog beteiligt sind. Die Ergebnisse, die dort erreicht wurden, lassen das Verständnis füreinander wachsen und uns einander näher kommen.

In der gegenwärtigen Zeitströmung, in der nicht wenige Menschen das öffentliche Leben von Gott sozusagen „befreien“ wollen, gehen die christlichen Kirchen in Deutschland – unter ihnen gerade auch die orthodoxen und orientalischen Christen – vom Glauben an den einen Gott und Vater aller Menschen her Hand in Hand den Weg eines friedlichen Zeugnisses für Verständigung und Völkergemeinschaft.

Dabei lassen sie nicht davon ab, das Wunder der Menschwerdung Gottes in das Zentrum der Verkündigung zu stellen. Im Bewusstsein, dass auf ihm jede Würde des Menschen beruht, treten sie gemeinsam für den Schutz des menschlichen Lebens von seiner Empfängnis bis zu seinem natürlichen Tod ein.

Der Glaube an Gott, den Schöpfer des Lebens, und das unbedingte Festhalten an der Würde jedes Menschen bestärken gläubige Christen, jedem manipulativen und selektiven Eingriff am menschlichen Leben vehement entgegenzutreten.

Im Wissen um den Wert von Ehe und Familie ist es uns zudem als Christen ein sehr wichtiges Anliegen, die Integrität und die Einzigartigkeit der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau vor jeglicher Missdeutung zu schützen.

Hier leistet das gemeinsame Engagement der Christen, darunter vieler Orthodoxer und Orientalen, einen wertvollen Beitrag zum Aufbau einer zukunftsfähigen Gesellschaft, in der der menschlichen Person der ihr geschuldete Respekt entgegengebracht wird.

Richten wir zum Schluss unseren Blick auf Maria, die Hodegetria, die „Wegführerin“, die auch im Westen unter dem Titel „Unserer Lieben Frau vom Weg“ verehrt wird.

Die Allerheiligste Dreifaltigkeit hat der Menschheit die jungfräuliche Mutter Maria geschenkt, auf dass sie uns Menschen mit ihrer Fürbitte durch die Zeiten führe und uns den Weg weise in die Vollendung. Ihr wollen wir uns anvertrauen und unser Anliegen vorlegen, eine immer innigere Gemeinschaft in Christus zu werden zum Lob und zur Ehre seines Namens. Gott segne euch alle!


Grußwort des Papstes bei seiner Ankunft in Freiburg am 24.9.2011

„Ich bitte euch um euer Gebet!“

Liebe Freunde!

Mit großer Freude grüße ich euch alle und danke euch für den herzlichen Empfang. Ich bin glücklich, nach den schönen Begegnungen in Berlin und Erfurt nun auch bei euch in Freiburg zu sein. Ein besonderer Dank gilt dabei dem hochwürdigsten Herrn Erzbischof Dr. Robert Zollitsch für seine Einladung und seinen freundlichen Willkommensgruß.

„Wo Gott ist, da ist Zukunft“, so lautet das Motto dieses Pastoralbesuchs.

Als Nachfolger des Apostels Petrus, dem der Herr aufgetragen hat, seine Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32), bin auch ich gerne zu euch gekommen, um mit euch gemeinsam zu beten, das Wort Gottes zu verkünden und die Eucharistie zu feiern.

Ich bitte euch um euer Gebet, daß diese Tage fruchtbar werden, daß Gott unseren Glauben stärke, unsere Hoffnung festige und unsere Liebe groß werden lasse.

In diesen Tagen möge uns erneut bewußt werden, wie sehr Gott uns liebt und wie gut er ist, um so voller Vertrauen uns selbst und alles, was uns bewegt und wichtig ist, in seine Hände zu legen.

In ihm ist unsere Zukunft gesichert, er schenkt unserem Leben Sinn und kann es zur Fülle führen. Der Herr geleite euch in Frieden und mache euch zu Boten der Freude!


FAZ-Leitartikel: „Ein Hochamt der öffentlichen Religion“

Die Frankfurter Allgemeine vom 24.9.2011 zum Papstbesuch in Deutschland

In einem Leitartikel  äußert sich Daniel Deckers unter dem Titel „Öffentliche Religion“ zum Papstbesuch in Deutschland. Er beginnt seinen Kommentar mit den Worten:

„Ein Mann in Weiß mit roten Schuhen am Rednerpult des Bundestages, die Spitzen der Verfassungsorgane dieser Republik Seit an Seit Choräle singend, auf den Rängen des Olympia-Stadions Menschen aller Generationen und Hautfarben lateinische Worte rezitierend….“

Wurde nicht seitens mancher Intellektueller schon das „Ende der Religion“ eingeläutet?  –  Hörte man nicht zunehmend die Forderung, daß Glaube nur Privatsache sei und aus dem öffentlichen Leben zu verschwinden habe?  – Wurde nicht immer wieder eine strikte „Trennung“ von Religion und Staat angemahnt?

„Totgesagte leben länger“, sagt der Volksmund  – das gilt auch und gerade für den angeblich nicht mehr „zeitgemäßen“ christlichen Glauben, zumal in seiner katholischen Ausprägung, die besonders zum Widerspruch reizt und insofern auch die Geister scheidet.

Im FAZ-Leitartikel heißt es weiter: „Die Bilder vom Besuch des Papstes Benedikt XVI. in Deutschland wollen so gar nicht zu der Erzählung passen, nach der die Modernität eines Staates und einer Gesellschaft sich darin erweist, daß sich die Sphären von Politik und Religion trennen und religiöse Überzeugungen bestenfalls Privatsache sind… Jetzt zelebriert Benedikt XVI. ein Hochamt der öffentlichen Religion.“

Daniel Deckers fährt fort: „Die Idee der unverfügbaren Würde des Menschen ist aus dem Christentum hervorgegangen und hat in allen westlichen Ländern Verfassungsrang.“ 

Danach befaßt er sich mit der zunehmenden Verweltlichung  und Anpassung an den Zeitgeist innerhalb der Christenheit, zumal des Protestantismus. Sodann heißt es in seinem Kommentar weiter:

„Nur in dieser Herkunft liegt Zukunft.“

„Was haben die Bilder dieser Tage angesichts der fortschreitenden Entkernung der Kirchen dann zu bedeuten? Zeigen sie nicht absurdes Theater auf öffentlicher Bühne, wie das private Festhalten an einer Verwurzelung im Glauben manchmal Züge des „credo quia absurdum“ trägt?

Nein, die Szenen aus Berlin und aus Erfurt, so anachronistisch sie auch zunächst anmuten, sind mittlerweile das einzige Antidot gegen die Zerstörung des kulturellen Gedächtnisses eines ganzen Kontinents   –  und gegen eine Amnesie hinsichtlich der Herkunft Europas aus dem Geist von Glaube, Vernunft und Recht. Nur in dieser Herkunft liegt Zukunft.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 


Wortlaut der Papst-Predigt auf dem Domplatz in Erfurt am 24.9.2011

Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwindet

Liebe Brüder und Schwestern!

„Preiset den Herrn zu aller Zeit, denn er ist gut“.  – So haben wir gerade vor dem Evangelium gesungen. Ja, wir haben wirklich Grund, Gott von ganzem Herzen zu danken.

Wenn wir uns in dieser Stadt zurückversetzen in das Elisabethjahr 1981 vor 30 Jahren, zur Zeit der DDR – wer hätte geahnt, dass wenige Jahre später Mauer und Stacheldraht an den Grenzen fallen würden?

Und wenn wir noch weiter zurückgehen, etwa 70 Jahre, bis in das Jahr 1941, zur Zeit des Nationalsozialismus  –  wer hätte voraussagen können, dass das sogenannte „Tausendjährige Reich“ schon vier Jahre später in Schutt und Asche versinken sollte?

Liebe Brüder und Schwestern, hier in Thüringen und in der früheren DDR habt ihr eine braune und eine rote Diktatur ertragen müssen, die für den christlichen Glauben wie saurer Regen wirkte.

Viele Spätfolgen dieser Zeit sind noch aufzuarbeiten, vor allem im geistigen und religiösen Bereich. Die Mehrzahl der Menschen in diesem Lande lebt mittlerweile fern vom Glauben an Christus und von der Gemeinschaft der Kirche. Doch zeigen die letzten beiden Jahrzehnte auch gute Erfahrungen: ein erweiterter Horizont, ein Austausch über Grenzen hinweg, eine gläubige Zuversicht, daß Gott uns nicht im Stich lässt und uns neue Wege führt: „Wo Gott ist, da ist Zukunft“.

Wir alle sind davon überzeugt, dass die neue Freiheit geholfen hat, dem Leben der Menschen größere Würde und vielfältige neue Möglichkeiten zu eröffnen. Viele Erleichterungen dürfen wir auch seitens der Kirche dankbar hervorheben, seien es neue Möglichkeiten der pfarrlichen Aktivitäten, seien es Renovierung und Erweiterung von Kirchen und Gemeindezentren, seien es diözesane Initiativen pastoraler oder kultureller Art.

Aber haben diese Möglichkeiten uns auch ein Mehr an Glauben gebracht? Ist der Wurzelgrund des Glaubens und des christlichen Lebens nicht ganz wo anders als in der gesellschaftlichen Freiheit zu suchen?

Viele entschiedene Katholiken sind gerade in der schwierigen Situation einer äußeren Bedrängnis Christus und der Kirche treu geblieben. Sie haben persönliche Nachteile in Kauf genommen, um ihren Glauben zu leben.

Danken möchte ich hier den Priestern und ihren Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen aus jener Zeit. Erinnern möchte ich besonders an die Flüchtlingsseelsorge unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg: Da haben viele Geistliche und Laien Großartiges geleistet, um die Not der Vertriebenen zu lindern und ihnen eine neue Heimat zu schenken.

Aufrichtiger Dank gilt nicht zuletzt den Eltern, die inmitten der Diaspora und in einem kirchenfeindlichen politischen Umfeld ihre Kinder im katholischen Glauben erzogen haben. Mit Dankbarkeit sei beispielsweise an die Religiösen Kinderwochen in den Ferien sowie an die fruchtbare Arbeit der katholischen Jugendhäuser „Sankt Sebastian“ in Erfurt und „Marcel Callo“ in Heiligenstadt erinnert.

Besonders im Eichsfeld widerstanden viele katholische Christen der kommunistischen Ideologie. Gott möge die Treue im Glauben reich vergelten. Das mutige Zeugnis und das geduldige Vertrauen auf die Führung Gottes sind wie ein kostbarer Same, der für die Zukunft eine reiche Frucht verheißt.

Die Gegenwart Gottes zeigt sich besonders deutlich in seinen Heiligen. Ihr Glaubenszeugnis kann uns auch heute Mut machen zu einem neuen Aufbruch.

Denken wir hier vor allem an die Schutzheiligen des Bistums Erfurt: die Heiligen Elisabeth von Thüringen, Bonifatius und Kilian. Elisabeth kam aus einem fremden Land, aus Ungarn, auf die Wartburg nach Thüringen. Sie führte ein intensives Leben des Gebets, verbunden mit dem Geist der Buße und der Armut des Evangeliums. Regelmäßig stieg sie aus ihrer Burg hinab in die Stadt Eisenach, um dort persönlich Arme und Kranke zu pflegen.

Ihr Leben auf dieser Erde war nur kurz  –  sie wurde nur vierundzwanzig Jahre alt  – , aber die Frucht ihrer Heiligkeit war gewaltig. Die heilige Elisabeth wird auch von evangelischen Christen sehr geschätzt; sie kann uns allen helfen, die Fülle des überlieferten Glaubens zu entdecken und in unseren Alltag zu übersetzen.

Auf die christlichen Wurzeln unseres Landes weist auch die Gründung des Bistums Erfurt im Jahre 742 durch den heiligen Bonifatius. Dieses Ereignis bildet gleichzeitig die erste urkundliche Erwähnung der Stadt Erfurt.

Der Missionsbischof Bonifatius war aus England gekommen und wirkte in enger Verbindung mit dem Nachfolger des hl. Petrus. Wir verehren ihn als „Apostel Deutschlands“; er starb als Märtyrer. Zwei seiner Gefährten, die das Blutzeugnis für den christlichen Glauben mit ihm teilten, sind hier im Erfurter Dom begraben: die Heiligen Eoban und Adelar.

Schon vor den angelsächsischen Missionaren hat der heilige Kilian in Thüringen gewirkt, ein Wandermissionar aus Irland. Gemeinsam mit zwei Gefährten starb er in Würzburg als Märtyrer, weil er das moralische Fehlverhalten des dort ansässigen thüringischen Herzogs kritisierte.

Nicht vergessen wollen wir schließlich den hl. Severus, den Schutzheiligen der Severi-Kirche hier am Domplatz: Im vierten Jahrhundert war er Bischof von Ravenna; seine Gebeine wurden im Jahre 836 nach Erfurt gebracht, um den christlichen Glauben in dieser Gegend tiefer zu verankern.

Was haben diese Heiligen gemeinsam? Wie können wir das Besondere ihres Lebens beschreiben und für uns fruchtbar machen?

Ja, die Heiligen zeigen uns, daß es möglich und gut ist, die Beziehung zu Gott radikal zu leben, sie an die erste Stelle zu setzen, nicht unter „ferner liefen“.

Die Heiligen verdeutlichen uns die Tatsache, daß Gott sich uns zuerst zugewandt hat, sich uns in Jesus Christus gezeigt hat und zeigt. Christus kommt auf uns zu, er spricht jeden einzelnen an und lädt ihn ein, ihm nachzufolgen.

Diese Chance haben die Heiligen genutzt, sie haben sich gleichsam von innen her ausgestreckt auf ihn – in der beständigen Zwiesprache des Gebets – und von ihm das Licht erhalten, das ihnen das wahre Leben erschließt.

Glaube ist immer auch wesentlich Mitglauben. Daß ich glauben kann, verdanke ich zunächst Gott, der sich mir zuwendet und meinen Glauben sozusagen „entzündet“.

Aber ganz praktisch verdanke ich meinen Glauben auch meinen Mitmenschen, die vor mir geglaubt haben und mit mir glauben. Dieses „mit“, ohne das es keinen persönlichen Glauben geben kann, ist die Kirche.

Und diese Kirche macht nicht vor Ländergrenzen halt, das zeigen uns die Nationalitäten der Heiligen, die ich vorhin genannt habe: Ungarn, England, Irland und Italien. Hier zeigt sich, wie wichtig der geistliche Austausch ist, der sich über die ganze Weltkirche erstreckt.

Wenn wir uns dem ganzen Glauben in der ganzen Geschichte und dessen Bezeugung in der ganzen Kirche öffnen, dann hat der katholische Glaube auch als öffentliche Kraft in Deutschland eine Zukunft. Zugleich zeigen uns die genannten Heiligengestalten die große Fruchtbarkeit eines heiligen Lebens, dieser radikalen Liebe zu Gott und zum Nächsten. Heilige, auch wenn es nur wenige sind, verändern die Welt.

So waren die politischen Veränderungen des Jahres1989 in eurem Land nicht nur durch das Verlangen nach Wohlstand und Reisefreiheit motiviert, sondern auch entscheidend durch die Sehnsucht nach Wahrhaftigkeit.

Diese Sehnsucht wurde unter anderem durch Menschen wachgehalten, die ganz im Dienst für Gott und den Nächsten standen und bereit waren, ihr Leben zu opfern. Sie und die erwähnten Heiligen geben uns Mut, die neue Situation zu nutzen.

Wir wollen uns nicht in einem bloß privaten Glauben verstecken, sondern die gewonnene Freiheit verantwortlich gestalten. Wir wollen  – wie die Heiligen Kilian, Bonifatius, Adelar, Eoban und Elisabeth von Thüringen  – als Christen auf unsere Mitbürger zugehen und sie einladen, mit uns die Fülle der Frohen Botschaft zu entdecken.

Dann gleichen wir der berühmten Glocke des Erfurter Domes, die den Namen „Gloriosa“ trägt, die „Glorreiche“. Sie gilt als größte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt. Sie ist ein lebendiges Zeichen für unsere tiefe Verwurzelung in der christlichen Überlieferung, aber auch ein Signal des Aufbruchs und der missionarischen Einladung. Sie wird auch heute erklingen am Ende der Festmesse. Sie möge uns dann ermuntern, nach dem Beispiel der Heiligen das Zeugnis Christi sichtbar und hörbar zu machen in der Welt, in der wir leben. Amen.