US-Historiker: Der Euro begünstigt den Niedergang Europas

Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson kritisiert Euro-Rettungsschirme

Der angesehene amerikanische Harvard-Historiker Niall Ferguson, dessen „Weltgeschichte der Finanzwirtschaft“ zum internationalen Bestseller wurde,  hat sich sehr skeptisch zur Finanzkrise in Europa, zum Euro-Rettungsschirm EFSF und seiner massiven Aufstockung geäußert (Umfang 2,2 Billionen Euro).

Aus seiner Sicht ist der vielgepriesene Schuldenschnitt auf griechische Staatsanleihen nur Finanz-Kosmetik:

„Ich kann die ganze Euphorie überhaupt nicht verstehen. Die europäische Politik hat keineswegs mutig und entscheidungsfreudig die Probleme angegangen. Schauen Sie doch nur auf Griechenland. Hier sollen die Verbindlichkeiten auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zurückgeführt werden. Damit wird die Schuldenuhr gerade mal auf das Jahr 2009 zurückgestellt. Aber wettbewerbsfähiger wird das Mittelmeerland damit auch nicht.“

Der gebürtige Schotte und renommierte Spezialist für Finanz- und Wirtschaftsgeschichte weist darauf hin, daß das europäische Augenmerk nach der Scheinlösung des konkursbedrohten Griechenland wieder auf andere Problemstaaten fallen werde: Portugals Situation hat sich in der Zwischenzeit nicht gebessert. Italien befindet sich  mitten in einer schweren Schuldenkrise. Spaniens Arbeitslosenrate liegt nach wie vor auf Rekordniveau, auch Irlands Lage spitzt sich zu.

Was also, wenn die nächsten „Problemfälle“ dran sind?  –  „Dann beginnt die hektische Rettungsdiplomatie von vorn“, meint Prof. Ferguson, der auch die Zukunft Europas aufgrund des Euro kritisch beurteilt: „Es wäre sogar denkbar, dass die Europäische Union zerfällt und gleichzeitig die Euro-Zone bestehen bleibt. Großbritannien etwa könnte aus der EU aussteigen, aber kein Land kann so einfach den Euro verlassen.“  –  Wirtschaftliches Wachstum und notwendige Reformen würden durch diese massiven strukturellen Blockaden jedoch torpediert.



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