Börsenzeitung: „Fußtritt gegen demokratische Prinzipien“

„Einst lag die Haushaltshoheit noch beim Parlament…“

Unter dem ironischen Titel „Laßt uns Geld drucken“ äußert sich die Börsenzeitung vom 8.11.2011 in einem Kommentar von Stephan Balling zu den Turbulenzen um die Finanzpolitik der Euroländer und um die Debatte über den Griff nach den Goldreserven der Deutschen Bundesbank:

„Allmählich brechen alle Dämme. Offenbar treibt manchen Politiker vor allem in Paris, gar nicht mehr die Frage um, ob mit Hilfe der Notenpresse klamme Euro-Staaten von ihren Schulden befreit werden sollen, sondern nur noch, wie.

Da sind zunächst die Käufe von Staatsanleihen: Vergangene Woche hat die Europäische Zentralbank (EZB) über diesen Kanal den Krisenländern indirekt wieder mal 10 Milliarden Euro spendiert.

Um die Bilanz der EZB etwas zu schonen – offenbar wachsen die Sorgen um das knappe Eigenkapital der Währungshüter -, kursieren jetzt neue Ideen, wie mit Hilfe der Notenbanken die Fiskalprobleme der Regierungen gelöst werden sollen.

Am Wochenende gab es Berichte, denen zufolge die Goldreserven unter anderem der Bundesbank dafür verwendet werden sollen. Die Bundesregierung hat dies – nachdem erste Berichte in den Medien kursierten – dementiert. Das Gold ist sicher, hieß es. Wahrscheinlich erinnerte man sich in Berlin, welcher Aufschrei durch die Republik ging, als einst Theo Waigel mit dem Bundesbankgold die deutsche Einheit finanzieren wollte.

Mag sein, dass der Bezug aufs Gold in den Medien etwas überspitzt dargestellt wurde. Eigentlich geht es wohl um die Sonderziehungsrechte der Bundesbank beim Internationalen Währungsfonds (IWF), also „nur“ indirekt um die Goldreserven.

Einfach ausgedrückt: Eurolands Zentralbanken sollen – offenbar nach dem Willen Frankreichs – auf dem Umweg über den IWF Geld drucken, das dann in die Zweckgesellschaft des Euro-Rettungsschirms EFSF fließt. Diese kann dann zum Beispiel italienische Staatsanleihen kaufen, ohne dass die Bilanz der EZB noch stärker belastet wird.

Doch solch ein Vorgehen kann Inflationsgefahren hervorrufen. Und auch der deutsche Steuerzahler trägt dabei ein Risiko.

Unterm Strich geht es immer darum, Geld von Deutschland nach Südeuropa zu schicken. Damit der Wahlbürger das nicht gleich merkt, gerieren sich (auch deutsche) Politiker als Investmentbanker, wie zuletzt bei der Hebelung des Euro-Rettungsschirms EFSF über ein Special Purpose Vehicle (SPV, Zweckgesellschaft). Am Ende taucht das Risiko in keiner Bilanz auf – wie einst bei Lehman Brothers.

Das Ganze ist ein weiterer Fußtritt gegen demokratische Prinzipien. Einst lag das Budgetrecht beim Parlament. Durch die Anleihekäufe und den drohenden Missbrauch von Sonderziehungsrechten wird dieses eherne Prinzip jeglicher demokratischer Verfassung nun immer weiter ausgehebelt. Die Monetisierung der Staatsschulden hat längst begonnen.“

Quelle: Börsen-Zeitung vom 8.11.2011


NS-Opfer und Märtyrer Carl Lampert wird am 13.11.2011 seliggesprochen

Etwa 2000 Gläubige kommen voraussichtlich nächsten Sonntag zur Seligsprechung des österreichischen Märtyrers Carl Lampert nach Dornbirn im Bistum Feldkirch.

Der 13. November ist der zukünftige kirchliche Gedenktag für den Seligen. Prälat Carl Lampert war zunächst Leiter des Verlagshauses Tyrolia, später Provikar (Stellvertreter des Diözesan-Administrators) und  er setzte sich starkmütig für den Glauben ein,  kam deswegen ins KZ und wurde 1944 in Halle an der Saale geköpft.

Das Seligsprechungsverfahren für Carl Lampert wurde 1998 eingeleitet. Ende Juni 2011 erkannte Papst Benedikt das Martyrium Lamperts an. Die Seligsprechung  nimmt der Präfekt der vatikanischen Heiligsprechungskongregation, Kardinal Angelo Amato, vor.


Studie in Österreich: Junge Geistliche deutlich kirchentreuer als ältere Priester

Am 7.11.2011 wurde in Österreich eine kirchliche Studie veröffentlicht, aus der hervorgeht, daß die jüngere Priesterschaft „progressive“ Reformen in der Kirche mehrheitlich ablehnt  –  im Unterschied zu älteren Geistlichen.

Die vom liberal-reformerischen Theologen Paul Zulehner erstellte Umfrage wurde von der Abteilung Religion des ORF-Fernsehens in Auftrag gegeben.  Für die Studie wurden  – Prof. Zulehner zufolge  –  repräsentativ 500 von 3500 österreichischen Pfarrern befragt.

Es sei dahingestellt, ob diese Umfrage, die nicht von einem unabhängigen Institut erstellt wurde, völlig objektiv strukturiert ist.

Gleichwohl lehnen 28% der befragten Priester „rom-kritische“ Auffassungen und „Reformen“ ab.

Beim jüngeren Klerus sagt sogar eine knappe Mehrheit von 51%  NEIN zu zeitgeistorientierten Änderungen in der Kirche. Die tatsächliche Glaubenstreue der jüngeren Priester ist  – angesichts der Tendenz dieser Studie  – möglicherweise deutlich höher.


Nigeria: Gewalt durch radikale Moslems nimmt zu

Obwohl der afrikanische Staat Nigeria zu 55% aus Nicht-Muslimen besteht (darunter 45% Christen, 10% „Naturreligiöse“), herrscht dort vor allem im Norden des Landes das islamische Religionsgesetz, die Scharia also.

Zudem nimmt der Terror durch die  muslimische Sekte „Boko Haram“ (zu deutsch („Westliche Bildung ist Sünde“) zu und erreichte in den vergangenen Tagen einen neuen Höhepunkt: ca 70 Menschen waren am Freitag, den 4. November 2011, bei einer Serie von Bombenanschlägen und Überfällen im Nordosten des Landes ums Leben gekommen.

Am Freitagabend ereignete sich zudem in den Städten Damaturu im Bundesstaat Yobe sowie kurz darauf in Maiduguri eine der schwersten Attacken überhaupt: Vor einer Bank sowie einigen Polizeistationen und Kirchen explodierten mehrere Bomben. Örtliche Medien sprechen von mehr als 130 Todesopfern.

Als am 29. Mai 1999 ein christlicher Präsident gewählt wurde und man zur Demokratie zurückkehrte, befürchtete die islamische Seite, ihre Macht zu verlieren; also führten sie im islamisch geprägten Norden des Landes die Scharia (das islamische Religionsgesetz) ein, um Nigeria für den christlichen Präsidenten praktisch unregierbar zu machen. Ahmed Sahni, der Gouverneur von Zamfara setzte sofort die Scharia in seinem Teilstaat ein, worauf die Gouverneure von zwölf weiteren Staaten im Norden Nigerias folgten.

Die Einführung der Scharia im Norden führte zu ethnischen und religiösen Auseinandersetzungen und zahlreichen islamischen Übergriffen. So starben durch gewaltsame Zusammenstöße zwischen Christen und Muslimen bis heute mehr als 12.000 Menschen und eine noch größere Zahl ist auf der Flucht.

Quelle: IGFM, Zenit


Papst-Ansprache beim Empfang des deutschen Botschafters am 7.11.2011

Benedikt XVI.  verurteilt Abtreibung und „Diskriminierung von Frauen“ durch Prostitution und Pornografie

Aus der Ansprache des Papstes bei der Akreditierung des neuen Botschafters der Bundesrepublik Deutschland im Vatikan,  Reinhard Schweppe, folgen hier die wesentlichen Auszüge:

„Der offizielle Besuch eines Papstes in Deutschland mag Anlass sein, einmal darüber nachzudenken, welchen Dienst die katholische Kirche bzw. der Heilige Stuhl in einer pluralistischen Gesellschaft, wie sie in unserem Heimatland gegeben ist, leisten kann. „

Der Papst verdeutlicht sodann, daß die Kirche mehr ist als eine Kulturgemeinschaft:

„Viele Zeitgenossen sehen den Einfluss des Christentums wie auch anderer Religionen darin, eine bestimmte Kultur und Lebensweise in der Gesellschaft zu prägen. Eine Gruppe von Gläubigen markiert durch ihr Verhalten bestimmte Formen des sozialen Lebens, die von anderen Menschen übernommen werden und so der Gesellschaft einen spezifischen Charakter geben. Diese Auffassung ist nicht falsch, aber sie schöpft das Selbstverständnis der katholischen Kirche nicht aus.“

Die Kirche ist nach Gottes Willen vor allem eine „Wahrheitsgemeinschaft“:

„Die Kirche hat darüber hinaus das Bewusstsein, durch ihren Glauben Wahrheit über den Menschen zu wissen und damit zum Eintreten für die Werte verpflichtet zu sein, die unabhängig von den jeweiligen Kulturen für den Menschen als solchen gelten.“

Nun erläutert der Papst das „Naturrecht“, die er auch als „Vernunftwahrheiten“ bezeichnet, weil der Mensch sie bereits durch seine Vernunft erkennen kann; viele dieser naturrechtlichen Werte sind im Grundgesetz verankert:

„Die Kirche unterscheidet zwischen dem Spezifischen ihres Glaubens und den Vernunftwahrheiten, für die der Glaube den Blick öffnet und die auch unabhängig von diesem Glauben dem Menschen als Menschen zugänglich sind. Glücklicherweise ist ein Grundbestand an allgemeinen menschlichen Werten in unserer Verfassung von 1949 und in den Menschenrechtserklärungen nach dem Zweiten Weltkrieg zu positivem Recht geworden, weil Menschen nach den Schrecknissen der Diktatur die auf ihre anthropologische Wahrheit gründende Allgemeingültigkeit dieser Werte erkannt und zu geltendem Recht gestaltet haben.“

Der Papst beläßt es aber nicht bei diesen allgemeinen Hinweisen, sondern weist konkret auf wesentliche naturrechtliche Grundsätze hin und beleuchtet damit Mißstände unserer Gegenwart:

„Heute stehen aber erneut Grundwerte des Menschseins zur Debatte, in denen es um die Würde des Menschen als Menschen geht. Hier sieht die Kirche über den Raum ihres Glaubens hinaus eine Pflicht, im Ganzen unserer Gesellschaft für die Wahrheiten und Werte einzutreten, bei denen die Menschenwürde als solche auf dem Spiel steht.

So kommt uns  –  um einen besonders wichtigen Punkt anzusprechen  –  keinerlei Urteil darüber zu, ob ein Individuum „schon Mensch“ oder „noch Mensch“ ist  –  und ebenso wenig steht uns zu, den Menschen zu manipulieren und sozusagen machen zu wollen.

Eine Gesellschaft ist nur dann wahrhaft menschlich, wenn sie die Würde jeder Person von der Zeugung bis zum natürlichen Tod respektiert und uneingeschränkt schützt.

Wenn sie sich aber entschließen würde, ihre schutzbedürftigsten Mitglieder auszusortieren, Menschen vom Menschsein auszuschließen, verhielte sie sich zutiefst inhuman und auch unwahrhaftig angesichts der für jeden Menschen guten Willens einsichtigen Gleichheit der Würde aller Menschen in allen Lebensstadien.

Wenn der Heilige Stuhl in Grundfragen der Menschenwürde, wie sie sich heute in vielen Bereichen der pränatalen Existenz des Menschen stellen, in den Bereich der Gesetzgebung hineinspricht, so tut er es nicht, um den Glauben indirekt anderen aufzuzwingen, sondern um Werte zu verteidigen, die als Wahrheiten des Menschseins grundsätzlich für alle einsichtig sind, auch wenn Interessen verschiedener Art diese Einsichtigkeit vielfach zu verdunkeln suchen.

„Gegen die geschlechtliche Diskriminierung von Frauen“

An dieser Stelle möchte ich noch einen anderen bedenklichen Aspekt ansprechen, der, wie es scheint, durch materialistische und hedonistische Tendenzen vor allem in den Ländern der sogenannten westlichen Welt um sich greift, nämlich die geschlechtliche Diskriminierung von Frauen.

Jeder Mensch, ob Mann oder Frau, ist dazu bestimmt, für den anderen da zu sein. Eine Beziehung, welche nicht beachtet, dass Mann und Frau die gleiche Würde besitzen, bedeutet ein schweres Vergehen gegen die Menschlichkeit.

Hier ist es an der Zeit, Prostitution wie auch die weite Verbreitung von Material erotischen oder pornographischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken.“

Der Papst ruft nicht allein den Staat zu mehr Entschlossenheit bei der Beseitigung dieser Mißstände auf, sondern ermahnt auch die Kirche in Deutschland  – und damit vor allem ihre Bischöfe:

„Der Heilige Stuhl wird darauf achten, dass der notwendige Einsatz gegenüber diesen Missständen seitens der katholischen Kirche in Deutschland vielfach entschiedener und deutlicher erfolgt.“