Yoram Ben-Zeev: „Deutschland – eine überwältigende Erfahrung!“

Der scheidende israelische Botschafter wird Deutschland vermissen


Botschafter Yoram Ben-Zeev

Der Botschafter des Staates Israel in Deutschland, Yoram Ben-Zeev, kehrt Anfang nächster Woche nach Israel zurück. Aus diesem Anlaß gab er „Bild“ am 23.11.2011 ein Interview, wobei er auch zu den vier Jahren seiner Amtszeit Stellung bezog.  Auf die Frage, was er am meisten vermissen werde, antwortete er schlicht: „Deutschland“. 

Auf die Rückfrage „So gut hat es Ihnen hier gefallen?“, erklärte der israelische Diplomat:  „Ja. Ich kann aufrichtig sagen, dass meine Jahre in Deutschland emotional und intellektuell eine überwältigende Erfahrung waren. Ich habe die tiefe Verbindung zwischen der deutschen und der jüdischen Kultur erfahren. Jeder Schritt in diesem Land ist ein Schritt in der Geschichte.“

Auf den Hinweis „Auch dunkle Geschichte“ sagte Ben-Zeev: „Natürlich. Botschafter in Berlin ist der schwierigste Job für einen israelischen Diplomaten. Man geht durch Berlin  –  und da ist das Gestapo-Hauptquartier. Man sieht die Stolpersteine, die an die Deportierten erinnern.(…) Aber ich habe immer versucht, auf die Zukunft zu blicken. Und wir haben viele Freunde hier gefunden, die es uns leicht gemacht haben.“

Die Frage „Wie haben sich die deutsch-israelischen Beziehungen während ihrer Amtszeit entwickelt?“ beantwortete der Botschafter wie folgt:

„Als ich angefangen habe, waren die Beziehungen auf einem Höhepunkt. In den letzten zwei Jahren hat es sicher einige Spannungen wegen der israelischen Siedlungspolitik gegeben. Aber es ist meine Aufgabe als Botschafter, die Gründe für unsere Politik zu erklären. Und mein Nachfolger wird da weitermachen, wo ich aufhöre.“

Das vollständige Interview können Sie nachlesen unter: www.bild.de/politik/ausland/israel/deutschland-sollte-dienpd-verbieten-21162538.bild.html


Wladimir Gilmanov sprach am 11.11.2011 in Offenburg

Professor aus Königsberg (Kaliningrad) über deutsche Sprache und Kultur

Reges Interesse fand eine Veranstaltung der Regionalgruppe Ortenau des VDS (Vereins Deutsche Sprache) mit Prof. Dr. Wladimir Gilmanov als Redner.

Der Referent befaßte sich zunächst mit dem Spannungsfeld zwischen dem zerstörten historischen Königsberg und dem von Einwanderern geprägten Kaliningrad.

Prof. Gilmanov ging auch auf deutsche Geistesgrößen ein, die in Königsberg lebten und wirkten, z.B. Kant, Hamann, E.Th.A Hoffmann, Simon Dach, Agnes Miegel und Heinrich von Kleist.

Er sprach zudem über bedeutende russische Kulturschaffende, die Königsberg in dieser Zeit besuchten und sich mit den deutschen Vordenkern austauschten.

Von dieser anregenden Zeit einer deutsch-russischen Symbiose war Wladimir Gilmanov sichtlich bewegt und begeistert.

Wehmütig berichtete er sodann  von der tragischen Zäsur im 20. Jahrhundert und erläuterte bewegt die Katastrophe seit 1945.

Er, dessen Eltern nach Kriegsende in das nördliche Ostpreußen einwanderten und der heute selbst an der Kant-Universität in Königsberg junge Menschen mit den verschiedenen Facetten deutscher Sprache vertraut macht, stellte fest, daß die deutsche Vergangenheit nebst Sprache trotz massiver Verdrängung noch heute allgegenwärtig ist.

Diese Ansicht teilt er mit vielen Bewohnern des Gebiets trotz der zweiten massiven, neostalinistischen Zerstörungsphase der sechziger und siebziger Jahre,  der u. a. das historische Königsberger Schloß zum Opfer fiel.

Daß sich seither wieder einiges zum Guten wendet, begrüßt der Sprachwissenschaftler, obwohl er bedauert, daß Königsberg als einzige Stadt  im russischen Hoheitsgebiet offiziell nach wie vor den Namen eines stalinistischen Henkers trägt, was sich wie ein dunkler Schatten zwischen eine deutsch-russischen Normalität schiebt.

Er erwähnte den Kunstschaffenden Juri Iwanow, der das zerstörte Königsberg als Mahnmal für eine fehlgeleitete Menschheit betrachtete und prophezeite, falls keine geistig–moralische Umkehr erfolge, werde die Welt das Schicksal Königsbergs teilen und zum Krematorium werden.

Professor Gilmanov schätzt daß etwa 20 Prozent der Schüler im Königsberger Gebiet in der deutschen Sprache unterrichtet werden. Neuerdings ist diese Zahl jedoch leicht rückläufig, da sich zahlreiche Lehrer mangels wirtschaftlicher Perspektiven aus dem Bildungsbetrieb zurückziehen.

Insgesamt ist der Stellenwert der deutschen Sprache  im heutigen Rußland aber recht hoch und etwa doppelt so bedeutend wie in der früheren Sowjetunion.

In weiteren Ausführungen befaßte Prof. Gilmanov sich mit dem sog. interkulturellen Strukturalismus, womit der profunde Kenner deutscher und russischer Literatur Vergleichslinien zwischen Goethe und Dostojewski herausstellt.

In einer interessanten Diskussion beantwortete der Vortragende viele Fragen, die auch auf das deutsch-russische Verhältnis abzielten.

Unter begeistertem Applaus des Publikums sprach er sich für eine Rückbenennung Kaliningrads in den historischen Namen der Stadt aus, ein beträchtlicher Bevölkerungsteil fühle sich ohnehin als Königsberger und habe viele historische Wurzeln der Stadt inzwischen verinnerlicht. Die auch durch die Insellage vorhandene Distanz zu Kernrußland scheint sich auch geistig verfestigt zu haben.

Infos ZUR PERSON von Prof. Dr. Wladimir Gilmanov:

Sein Vater stammte aus Baschkirien auf der europäischen Seite des Ural, war Kriegsteilnehmer im zweiten Weltkrieg und nach Ende des Krieges mit seiner Familie nach Königsberg gekommen.

Seine Mutter, geboren in der Ukraine, wurde mit 14 Jahren zur Zwangsarbeit nach Deutschland deportiert, wo sie drei Jahre bleiben mußte. Dennoch bewahrte sie sich gute Erinnerungen an diese Zeit.

Wladimir Gilmanov begann 1972 sein Philologiestudium an der Universität Kaliningrad (Königsberg).  Ab 1980 arbeitete er als Assistent für Germanistik an dieser Universität und promovierte 1988 in Leningrad.

Danach beginnt er seine Lehrtätigkeit  in den Fächern Kulturgeschichte, Sprachwissenschaft und Literatur. Er veröffentlichte mehrere  Bücher in russischer Sprache, einige seiner wissenschaftlichen Beiträge, in denen er das heutige Thema berührt und die in deutschsprachigen Publikationen erschienen sind, finden sich unten aufgeführt. Er ist also auch in deutschen Bibliotheken zu finden.

Im November 1991 nahm er an einer Studientagung des Pädagogischen Arbeitskreises Mittel- und Osteuropa in Homberg/Efze teil und überraschte alle Anwesenden durch seine mutigen Thesen und seine geschliffene Sprache.

Beseelt von einem echten Versöhnungsgedanken und der Wahrheit verpflichtet, entwickelte er schon 1992 neue Konzepte für seine Vaterstadt Stadt Königsberg, für die er sich auch heute noch einsetzt.  Seine Gedanken zum „Mythos Königsberg“ sind in dem Buch von Friedemann Kluge „Ein schicklicher Platz“ publiziert.

1995 begleitete er die Teilnehmer der PAMO während ihrer Studienfahrt ins nördliche Ostpreußen, war ein äußerst sachkundiger Reiseleiter und machte bereits damals die hessischen Gäste mit der jungen Intelligenz in diesem Oblast bekannt, die auf eine Zusammenarbeit mit dem Westen hofft.

Seit mehreren Jahren befaßt sich Prof. W. Gilmanov mit den kulturell-historischen Traditionen Königsbergs und ihrem deutschen Umfeld. Er gehört zu den Intellektuellen des Kaliningradskaja Oblast, die sich für bessere Beziehungen zwischen Deutschen und Russen einsetzen.

Mit seinen Studenten arbeitet er daran, die Brücke zur deutschen Vergangenheit herzustellen und ermuntert zu Studien über berühmte Ostpreußen wie Kant, Hamann, E. Th. A. Hoffmann, Agnes Miegel etc.

Kontakt-Daten:
Verein Deutsche Sprache VDS e.V. / Regionalgruppe Ortenau
Erich Lienhart
Sommerau 24    –   77815 Bühl                                                                  
Tel. 07227 -1847    /    Mail: erich.lienhart@web.de
 
 

Thomas Gottschalk: „Mit dem Glauben an Gott sterbe ich lieber…“

Der in Bamberg geborene Fernsehstar hat ein persönliches Bekenntnis zum christlichen Glauben abgelegt. Seit seiner Kindheit habe er nicht vom Glauben gelassen, sagte Gottschalk dem Politmagazin „Der Spiegel“.

Schon als Kind beschäftigte er sich mit dem Glauben, predigte als Siebenjähriger zu Hause im Meßgewand: „Meine Mutter musste fünf Akkorde am Klavier spielen, dann begann die Prozession: Ich bin ins Wohnzimmer eingezogen, habe den Segen erteilt und auf dem Sessel meine Predigten gehalten“, erzählt der TV-Moderator.

Der TV-Moderator schafft es, im Interview Religion und Humor zu verbinden: „Ich gehe nicht davon aus, dass der liebe Gott Zeit hat, sich um meine Quoten zu sorgen.(…) Aber ich empfinde eine grosse Dankbarkeit für die Tatsache, dass ich eine Frau gefunden habe, die mir in mehr als 35 Jahren nicht abhanden gekommen ist  –   und dass ich zwei gesunde Kinder habe, die halbwegs normal geraten sind, obwohl ich ihr Vater bin.“

Gottschalk ist, wie er berichtet, im katholischen Glauben aufgewachsen und habe keinen Grund, ihn aufzugeben: „Ich bin davon überzeugt, dass ein gläubiger Mensch und ein fröhlicher Mensch nicht nur deckungsgleich sein können, sondern auch sein sollten.“

Beim Glauben gehe es um Grundsätzliches: „Hat Gott die Menschen  –  oder haben die Menschen Gott geschaffen?“

Diese Frage beantworteten der Kommunist Karl Marx und der Apostel Paulus unterschiedlich. Er selbst denke schlicht und pragmatisch: „Mit dem Glauben an Gott sterbe ich lieber, wenn ich schon muss.“

In seiner Umgebung versuche er, das christliche Gebot zu erfüllen: „Liebe deinen Nächsten wie Dich selbst.“

Das wolle er praktisch umsetzen: „Es gibt Kollegen von mir, die sich für Afrika einsetzen und gegen alles Elend der Welt ankämpfen, aber nicht mitbekommen, dass ihre eigenen Kinder kiffen und koksen.“

Er hingegen wolle für seine Frau und seine Kinder da sein „wie für alle anderen, für die ich verantwortlich bin, Putzfrau oder Gärtner. Schon aus Dankbarkeit, dass ich dieses Personal überhaupt habe.“

Er sehe sich als Showmaster in der Pflicht, Menschen zu unterhalten, ohne sie dabei zu beschädigen: „Dass Menschen vorgeführt werden, werden sie bei mir nicht erleben.“

Gottschalk ruft auch seine Erfahrungen bei dem schweren Unfall in seiner Show vom 4. Dezember 2010 in Erinnerung.

Damals  war der heute 24-jährige Samuel Koch beim Versuch, ein fahrendes Auto mit Sprungfedern an den Beinen zu überspringen, schwer gestürzt. Seither ist er querschnittsgelähmt.

Wie Gottschalk jetzt sagte, habe ihn die Reaktion der Familie Koch tief beeindruckt: „Die haben eine grosse Frömmigkeit und einen festen Glauben.“ –  Schon am Tag nach dem Unfall habe er mit der Familie ein Vaterunser gebetet. Gottschalk: „Das hat uns eine gemeinsame Ebene gegeben, ihnen in ihrer Verzweiflung, mir in meiner Ratlosigkeit. Da war plötzlich eine Nähe da, auch eine Form von Geborgenheit.“

Quelle: evang. Nachrichtenagentur IDEA