Buch-TIP: Vortragsband der Osterakademie 2011

 Zur Nachfolge gerufen sind alle Christen!

Reinhard Dörner (Hg.)
„…um des Himmelreiches willen“ (Mt 19,12)
Leben in der Nachfolge Christi als Ärgernis für die Welt
Verlag Kardinal-von Galen-Kreis e.V. 2011
228 Seiten, Preis 16 €
ISBN 978-3-9812187-5-6
 

Dieser Berichtsband mit den gesammelten Vorträgen der Osterakademie 2011 des Kardinal-von-Galen-Kreises sowie einem informativen Anhang ist wieder sehr lehrreich, gehaltvoll und vielseitig, oftmals theologisch hochinteressant und wertvoll für eine überzeugende Argumentation zugunsten des katholischen Glaubens, besonders hinsichtlich Zölibat, Sakrament der Ehe und Ordensberufung.

Weihbischof Wilfried Theising

Reinhard Dörner

Die mit einem freundlichen Grußwort von Weihbischof Wilfried Theising (Bistum Münster) eingeleitete Dokumentation verdeutlicht bereits in den einführenden Worten des Herausgebers Reinhard Dörner, daß alle Christen „um des Himmelreiches willen“ zur Nachfolge Christi und zur Heiligkeit berufen sind. Priestertum und Ordensgelübde sind besondere  –  gewissermaßen „amtliche“  –  Formen dieser göttlichen Sendung, die sich grundsätzlich an alle Christgläubigen richtet.

Dies gehört zum Apostolat der Laien, zur universalen Berufung des Gottesvolkes. Der Herausgeber notiert insoweit durchaus zu Recht:

„Leider neigen gerade katholische Christen zu der Annahme, besondere Aufgaben seien nur „Spezialisten“ vorbehalten. Hier sind die evangelikalen Christen den Katholiken voraus: Ihr Sendungsbewußtsein kann vielen Traditionskatholiken ein leuchtendes Vorbild sein.“

Zum wünschenswerten, ja notwendigen Apostolat des Kirchenvolkes gehört auch der eindeutige Widerspruch gegen antichristliche Fehlentwicklungen in Kultur, Politik und Gesellschaft.

P. Lothar Groppe SJ

Hierfür bildet der zuerst dokumentierte Vortrag des couragierten Jesuitenpaters Lothar Groppe sicher den passenden Einstieg, schildert er doch faktenreich und eindringlich den verhängnisvollen „Wertewandel in unserer Gesellschaft“, vor allem auch hinsichtlich einer geradezu skandalösen staatlichen Förderung sexueller Desorientierung, die in eine unverantwortliche Jugendverführung mündet. Alle überzeugten Gläubigen sind zum staatsbürgerlichen Widerstand gegen derartige Mißstände aufgerufen, die der Autor eindrucksvoll offenlegt.

Dr. Peter Christoph Düren

Eine ausgezeichnete Ergänzung bildet der nächste Beitrag zum Thema „Der Laie in der Kirche“ des katholischen Theologen und Verlagsleiter Dr. Peter Christoph Düren.

Seine Ausführungen grenzen sich von jeder modernistischen „Klerikalisierung der Laien“ ab, sie verdeutlichen die besondere Sendung des priesterlichen Amtes, doch würdigen sie zugleich die universale Berufung des Gottesvolkes zur Heiligkeit, die für alle gilt, ob Priester, Ordensleute oder Laien.

Zugleich verdeutlicht der Autor, daß es weniger darauf ankommt, zu erklären, was dem Laien „fehlt“, sondern vielmehr zu erläutern, was der Laie „ist“, was er „hat“, was er „kann“ und vor allem „soll“: sich mitten in der Welt und ihren Strukturen durch glaubwürdiges Christsein und Apostolat für die Heilssendung der Kirche einsetzen.

Bereits Papst Pius XII. hat diese von der Kirche hochgeschätzte Sendung der Laien gewürdigt, so etwa in seiner Ansprache an die Kardinäle vom 20.2.1946:

„Die Gläubigen  –  und genauer noch die Laien  –  stehen an der äußersten Front des Lebens der Kirche; die Kirche ist für sie das Lebensprinzip der menschlichen Gesellschaft. Darum müssen sie  –  und gerade sie  –  ein immer tieferes Bewußtsein gewinnen, daß sie nicht nur zur Kirche gehören, sondern die Kirche sind, das heißt, die Gemeinschaft der Gläubigen auf Erden unter der Führung des Papstes als des gemeinsamen Hauptes und der mit ihm geeinten Bischöfe. Sie sind die Kirche.“

Sr. Theresia Heither OSB

Sodann erläutert die Benediktinerin Sr. Theresia Heither „Das Leben nach den evangelischen Räten“, wobei sie darauf hinweist, daß der Ausdruck „Rat“ mißverständlich sei, handelt sich hierbei doch um drei Grundhaltungen (Gehorsam, Armut, Jungfräulichkeit), die wesentlich zur Nachfolge Christi gehören, wie sie von allen Christgläubigen  –  und nicht etwa allein von Ordensleuten  –  verwirklicht werden sollen.

Christus selbst verkörperte diese wesentlichen Tugenden auf das vollkommenste; die Ordensgelübde verpflichten zu einer besonders zeichenhaften Lebensform im Geist dieser Grundhaltungen, doch das ganze Kirchenvolk soll ihnen nacheifern, soll sich zur Jüngerschaft berufen fühlen  – einschließlich der Eheleute; ihnen gilt das Ideal der Jungfräulichkeit in geistiger Weise als Offenheit für Gott und Hingabe an seinen Willen, worin sie gerade durch das Sakrament der Ehe gestärkt werden.

Dr. Stefan Heid

Der Priester und Professor Dr. Stefan Heid befaßt sich mit dem gerade in heutiger Zeit aktuellen Thema „Warum die Kirchengeschichte nicht gegen den Zölibat spricht.“

Hierbei sind vor allem seine Hinweise auf die Dekretalien des Papstes Siricius zum Zölibat (4. Jahrh.) sehr aufschlußreich, verweisen sie doch zugleich auf den apostolischen Ursprung priesterlicher Enthaltsamkeit (auch bei verheirateten Geistlichen), die dann in eine allgemeine priesterliche Ehelosigkeit mündete. Auch die bibelexegetischen Ausführungen des Autors sind präzise, kenntnisreich und einleuchtend  –  und vor allem für ökumenische Debatten sehr wichtig.

Der Verfasser weist darauf hin, daß sich die Ehelosigkeit des höheren Weihestandes (ab Diakon aufwärts) nicht etwa auf einer isolierten „Kleriker-Ebene“ herausbildete, sondern vielmehr auf der allgemeinen Hochschätzung der Jungfräulichkeit und Enthaltsamkeit in frühchristlicher Zeit beruhte, die auch zahlreiche „Laien“ prägte und begeisterte. Vor allem die vielverehrten Märtyrer kamen häufig aus den Reihen der enthaltsam lebenden Männer und Jungfrauen.

Doch bei aller Hochschätzung einer religiös motivierten Ehelosigkeit widerstand auch das frühe Christentum entschlossen allen leib- und ehefeindlichen Tendenzen aus der gnostischen und manichäischen Richtung. Die Sakramentalität der Ehe ist ebenfalls apostolischen Ursprungs; sie ist ein gottgewollter und gnadenvoller Bestandteil der Schöpfungs- und Erlösungsordnung.

Dr. Joachim Piegsa MSF

Eben dies wird im nächsten Beitrag näher ausgeführt, in dem sich der Ordensgeistliche und Professor Dr. Joachim Piegsa MSF mit der „Ehe in der christlichen Heilsordnung“ befaßt: „Die Ehe ist als Sakrament hineingenommen in das Erlösungsgeheimnis Jesu Christi“, so der Autor, der die kirchliche Lehre von der Ehe vor allem biblisch beleuchtet und sehr tiefsinnig begründet:

„Sacramentum hoc magnum est“, so heißt auf Latein jene Stelle aus dem  Epheserbrief, in der die Sakramentalität der Ehe angedeutet wird: „Die Ehe ist ein großes Geheimnis“  –  und der Völkerapostel bezieht es auf die Liebe und Treue zwischen Christus und der Kirche, deren erhabenes Abbild die Ehe zwischen Mann und Frau darstellt.

Ralph Pechmann

Es mag überraschend erscheinen, daß der Buchautor und Religionspädagoge Ralph Pechmann von der evangelikalen Kommunität „Offensive junger Christen“ in seinem Beitrag über „Freiheit, Treue und Sexualität in der Ehe“ mehrfach mit aller Selbstverständlichkeit von der „Sakramentalität der Ehe“ spricht. Offenbar wächst unter bibelorientierten evangelischen Christen das Bewußtsein vom religiösen Geheimnis-Charakter der Ehe, die weitaus mehr ist als nur ein „weltlich Ding“ (Luther), weshalb der Autor wohlbegründet klarstellt, die Ehe sei „weltlich und geistlich“ zugleich, was er sodann biblisch und auch kulturell-soziologisch und psy-chologisch eingehend erläutert.

P. Mark-Robin Hoogland CP

Das Leben von Pater Andreas Karel, dem 2077 von Papst Benedikt heiliggesprochenen Passionisten-Gründer, beschreibt dessen Mitbruder Pater Mark-Robin Hoogland CP in berührender und zugleich realistischer Weise. Zu diesem  insgesamt eindrucksvollen Vortrag sei die kritische Anmerkung erlaubt, daß der priesterliche Zölibat keineswegs erst 1139 auf dem Zweiten Laterankonzil weltkirchlich eingeführt wurde,  wie der Autor glaubt, sondern vielmehr dort lediglich seine erneute Bekräftigung fand, eine vorhandene Praxis also neu eingeschärft wurde, weil sich mittlerweile Mißstände breitgemacht hatten.

Dr. Albert Wunsch

Abschließend erläutert der Therapeut und Pädagoge Dr. Albert Wunsch die christliche Erziehung in seinem Vortrag als eine anspruchsvolle Aufgabe jenseits einer „Spaß- und Konsumgesellschaft“. Der Verfasser betont, daß Eltern ihren Kindern auch etwas zutrauen sollten, damit Jungen und Mädchen lernen, mit Herausforderungen umzugehen und Aufgaben selbständig zu bewältigen.

Die „unbegrenzte Vereinbarung von  Beruf und Kind“ sieht der Erziehungswissenschaftler zu Recht „äußerst kritisch“: „Meiner Ansicht nach sollten Kinder die ersten drei Jahre im Elternhaus verbringen“, so Dr. Wunsch, der dafür plädiert, daß „Mütter zwei Jahre bezahlte Elternzeit bekommen und Väter mindestens ein Jahr“. Das wäre allerdings eine notwendige  –  die Not wendende  – Investition in die Zukunft.

Dr. Peter Mettler

Der Anhang des Berichtsbandes beginnt mit einem sehr gehaltvollen, informativen Artikel von Dr. Peter Mettler zum heißen Eisen Homosexualität („Warum die Kirche ihre Haltung nicht ändern kann“), der zunächst in der Ausgabe 5 – 6/2010 des „Theologischen“ erschien. Dabei wird das ebenso zeitlose wie aktuelle Thema aus biblischer, kirchengeschichtlicher und lehramtlicher Sicht eingehend erläutert.

Dr. Gabriele Waste

Die Autorin Dr. Gabriele Waste befaßt sich sodann mit der Lehre vom christlichen Menschenbild nach Edith Stein. Dabei wird der „Deutsche Idealismus“ wohlwollend, fair, aber auch kritisch beleuchtet, zumal ihm die übernatürliche Verankerung fehlt, weshalb er z.T. auf humanistischen Illusionen beruht.  Während nun der Deutsche Idealismus allzu rational geprägt ist und die Willensfreiheit des Menschen geradezu idealisiert, geschieht in der Tiefenpsychologie das exakte Gegenteil: der menschliche Intellekt wird quasi vom Thron gestoßen und die Willensfreiheit weitgehend geleugnet. Mit Hinweis auf  Ausfüh-rungen der seligen Edith Stein erläutert die Autorin überzeugend die natürlichen und übernatürlichen  Kennzeichen des christlichen Menschenbildes.

Dr. Wolfgang Philipp

Der Berichtsband schließt ab mit einer aufschlußreichen Dokumentation, nämlich der präzise begründeten Strafanzeige des in Lebensrechtskreisen bekannten Mannheimer Anwalts Dr. Wolfgang Philipp gegen eine grobschlächtig manipulative Pro-Abtreibungs-Sendung aus der TV-Reihe „Kontraste“, die in verleumderischer Weise gegen christliche Lebensrechtler agitierte.

Der denkbar unbefriedigende Bescheid der StA (Staatsanwaltschaft) Berlin, die fundierte Beschwerde von Rechtsanwalt Dr. Philipp hierauf sowie die abschließende Reaktion der Generalstaatsanwaltschaft Berlin vom 8. August 2011 sind vielsagende Dokumente von zeitgeschichtlicher Bedeutung.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MiT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

Erstveröffentlichung dieser Rezension in „Theologisches“ (Nr. 11 – 12/2011).  –  Die Namen der jeweiligen Referenten wurden hier   –  der Übersichtlichkeit halber  – als Zwischenüberschriften hinzugefügt.

Bestellungen des Buches richten Sie bitte an unser Christoferuswerk in Münster oder an den Kardinal-von-Galen-Kreis (siehe Link-Sammlung)

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