Papst Benedikt zum Geschichtsgedenken: „Liebe braucht Wahrheit“

Joseph Ratzinger über die Vertreibung der Deutschen

Am heutigen 10. Dezember wird der weltweite „Tag der Menschenrechte“ begangen. Zu den Grundrechten der Menschen und Völker gehört das Recht auf die Heimat, das besonders im vorigen Jahrhundert millionenfach mit Füßen getreten wurde, auch und gerade bei der Vertreibung der Deutschen aus Ostpreußen, Schlesien, Pommern, Sudetenland usw. 

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Der Hauptschuldige  für Massaker und Vertreibung war die Rote Armee bzw der Sowjetkommunismus, den unser Papst (als er noch Kardinal Ratzinger hieß) treffend als „Schande unseres Jahrhunderts“ bezeichnete.

Die deutschen Heimatvertriebenen haben sich 1950 mit ihrer bekannten „Friedens-Charta“ klar gegen jede Vergeltung ausgesprochen, aller Gewalt eine eindeutige Absage erteilt und ihren Friedenswillen betont, zugleich aber auch an das Heimatrecht erinnert, das allen Menschen und Völkern zusteht.

Dies hat auch Erzbischof Joseph Ratzinger mehrfach getan, als er Oberhirte des bistums München-Freising war, so etwa beim  Festgottesdienst des Sudetendeutschen Tages im Jahre 1979: „Liebe Brüder und Schwestern aus dem Sudetenland“, begann er damals seine Predigt   –  und erinnerte an die verlorene Heimat.

Er sprach ungeschminkt vom „Unrecht der Vertreibung, das 15 Millionen Menschen nach dem Krieg oft unter schrecklichen Begleitumständen widerfahren ist.“

Erzbischof Ratzinger kritisierte zugleich die weitverbreitete Verdrängung dieses Themas: „Die Weltöffentlichkeit hört aus vielen Gründen nicht gern davon, es paßt nicht in ihr Geschichtsbild hinein; sie drängt dazu, dieses Unrecht zu verschweigen  – und auch Wohlgesinnte meinen, daß man um der Versöhnung willen nicht mehr davon sprechen solle.“

Der Münchner Oberhirte erinnerte daran, daß das, was verdrängt wird, nicht etwa verschwindet, sondern  in den Menschen weiterwirkt und „zur Vergiftung von innen her“ führen kann; deshalb Wahrheit und Versöhnung zusammen:

„Eine Liebe, die den Verzicht auf die Wahrheit voraussetzt, ist keine wahre Liebe.Nur die Annahme der Wahrheit kann heilen. Liebe braucht Wahrheit und darf nicht ohne sie sein.“

Erzbischof Joseph Ratzinger schloß seine Predigt mit den Worten,  daß „das kostbarste Erbe der Heimat der Glaube ist: Wo er lebt, da ist die Heimat unverloren“.

Quelle: Predigtband „Christlicher Glaube und Europa“, Joseph Ratzinger, Herausgeber: Pressereferat der Erzdiözese München (1982)


2 Kommentare on “Papst Benedikt zum Geschichtsgedenken: „Liebe braucht Wahrheit“”

  1. Michael Dicks sagt:

    Michael Dicks
    Finkenstr. 60
    48147 Münster

    Um die Entstehung des Nationalsozialismus besser zu verstehen, muß man das frühe 19./20. Jahrhundert analysieren. Die damalige Kolonialpolitik sowie der Aufstand des Stammes der Hereos in Südwestafrika im Jahre 1904 wurde von der damaligen Bevölkerung befürwortet bzw. es gab keine Kritik daran.

    Auch hieraus kann man entnehmen, daß der damalige Kaiser – aber nicht nur er – das Denken, Reden und Handeln abnahm. Die Völker Europas der damaligen Zeit lehnten sich in ihren Sesseln zurück, frei nach der Devise: Wozu sollen wir denken und reden, das machen unsere Regierenden in Europa für uns – und sie vertrauten blind ihren Regierungen.

    Ansonsten hätten die Leute in Massen auf die Straßen gehen müssen, um gegen die menschenverachtende und wirtschaftlich dumme Kolonialpolitik zu demonstrieren. Das wäre gut gewesen, denn dann heute würde es wahrscheinlich den Begriff „Dritte Welt“ nicht geben und Hilfswerke wie „Brot für die Welt“ und „Misereor“ wären de facto überflüssig; vor allem hätten wir in Afrika heute demokratische und stabile Verhältnisse wie in Europa und den USA.

    Wobei auch früher Menschen versuchten, auf drohende Gefahren aufmerksam zu machen, das kann man an Bertha von Suttner erkennen. Was hat sich diese Frau abgemüht, aber sie war leider nicht in der Lage, gegen den Politiker-Mob (nicht nur der Kaiser allein ist gemeint) anzugehen und die Leute schauten zu und halfen dieser Frau nicht… Wie gut wäre es gewesen, wenn man ihr Gehör geschenkt hätte.

    Stattdessen hieß es beim Ausbruch des 1. Weltkriegs: „Hurra, wir ziehen in den Krieg.“ – Auch hier erkennt man, daß ein selbständiges und kritisches Denken nicht vorhanden war – und man dies dem Kaiser überließ und nicht nur ihm; in England war es nicht anders. Daher waren die Politiker jener Zeit eine Fehlbesetzung und es wäre besser gewesen, die heutigen Politiker hätten damals das Sagen gehabt.

    Dann wäre der polnische Staat, der 1793 zum dritten Mal durch Preußen, Österreich und Rußland geteilt wurde, wieder entstanden, ohne daß es des 1. Weltkriegs bedurft hätte. Und es wird gern übersehen, wenn die heutigen Politiker um 1900 das Sagen gehabt hätten und Russland in das westliche Wertesystem eingebunden gewesen wäre, es vermutlich die Oktoberrevolution von 1917 nicht gegeben hätte. Der so entstandene Kommunismus war ebenfalls ein Terrorsystem mit Millionen von Opfern.

    Und hier in Deutschland hätte man sich erfolgreich dem aufkeimenden Nationalsozialismus zur Wehr gesetzt, wie u. a. in Delmenhorst geschehen, wo Bevölkerung und Politiker erfolgreich verhinderten, daß ein ehemaliges leerstehendes Hotel von Neonazis erworben werden konnte.

    Nach dem Ende des 1. Weltkriegs kam die „Weimarer Republik“ – und das Volk mußte nun ohne Anleitung von oben sehen, wie es zurecht kam – und es gelang ihm nicht, sich dem aufkeimenden Nationalsozialismus erfolgreich zur Wehr zu setzen.

    Und so kamen am 30.1.1933 die Nazis an die Macht. Nun hatte das Volk wieder jemanden gefunden, der ihnen – wie einst der Kaiser – das Denken abnahm. Diesmal jedoch mit viel verheerenderen Folgen. Hier kam die „wilhelminische Erziehung“ voll zum Tragen.

    Das ging soweit, daß viele Leute nicht erkennen konnten oder wollten, daß es hier um schwere Verbrechen und um die Verletzung von Menschen- und Völkerrecht ging – und brav, wie zur Kaiserzeit, folgten sie ihrem „Führer“.
    Zum Beispiel:
    1. Die Bücherverbrennung im Mai 1933.
    2. Die Rassengesetze von Nürnberg 1935 und damit der Beginn der Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung; diese mußte einen Stern tragen und wurde vertrieben und entschädigungslos enteignet bzw ihres Eigentums beraubt.
    3. Die Entstehung der KZs.
    4. Die „Reichskristallnacht“ vom November 1938.

    Leider gab es damals keine weltumspannende Kommunikationstechnik wie heute, aber dennoch hätten diese Vorgänge von der damaligen Weltöffentlichkeit nicht unbemerkt bleiben dürfen.

    Genau wie sich nach über 50 Jahren herausstellte, daß das Massaker von Katyn nicht von der deutschen Wehrmacht, sondern von der Roten Armee begangen wurde, so sollte auch erforscht werden, wieso die Befreiung erst am 8.5.1945 erfolgte, nachdem Deutschland in Schutt und Asche lag.

    Hätte nicht spätestens bei Tatbestand Nr. 2 die damalige Weltgemeinschaft mit Unterstützung des deutschen Widerstands (leider zu wenige!) eingreifen müssen, so daß es zu Nr. 3 + 4 niemals hätte kommen können?! – Natürlich war der 8.5.1945 eine Befreiung vom NS-System, aber hätte diese nicht 10 Jahre früher erfolgen müssen, am 8.5.1935?

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  2. G.F. sagt:

    Zugleich erinnerte Erzbischof Ratzinger daran, daß „das kostbarste Erbe der Heimat der Glaube ist“: Wo er lebt, da ist die Heimat unverloren“.

    Wunderbar geschrieben, vom damaligen Erzbischof Ratzinger

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