Bassam Tibi: „Die Scharia wäre das Ende Europas“

Arabischer Frühling?  –  „Der arabische Winter wird sehr frostig werden!“

Der deutsche Schriftsteller und Politikwissenschaftler Bassam Tibi  (geboren in Syrien)  – ein gemäßigter Muslim  –  hat sich sehr skeptisch zur politischen Entwicklung im Nahen Osten geäußert. Bei einem Vortrag am Dienstagabend (13.12.2011) warnte er in Wien die westlichen Staaten davor, die Scharia  – das islamische Religionsgesetz  –   in ihre jeweilige Politik einfließen zu lassen. Das wäre das Ende Europas, so Tibi.

„Die Muslimbrüder und die Organisation „Milli Görüs“ haben im Westen bereits gut ausgebildete Netzwerke und sind mit den gesetzlichen Gegebenheiten bestens vertraut. Mit Islamisten gibt es keinen Dialog. Islamismus und Demokratie vertragen sich nicht.“

Die Aufstände in der arabischen Welt seien anfangs nicht unbedingt islamistisch geprägt gewesen. Es seien auch Kräfte am Werk gewesen, „die wirklich Demokratie und Freiheit wollten“.

Doch sehe es jetzt so aus, daß der sog. Arabische Frühling „keine Demokratie“ und der folgende Scharia-Staat „nichts Positives hervorbringen“ werde. Der auf den Arabischen Frühling folgende Winter werde „sehr frostig“ werden.

„Es fehlen im Nahen Osten schlicht die geschichtlich gewachsenen Voraussetzungen für eine demokratische Gesellschaft. Demokratisches Bewusstsein bedeutet u.a., dass man bereit sein müsse, mit anderen die eigene Macht zu teilen und zugleich auch Minderheiten entsprechend zu schützen.“ – Demokratie bedeute Rechtsstaat und nicht die Diktatur einer Mehrheit.

Der Politikwissenschaftler hatte erst vor wenigen Monaten eine ernüchternde Bilanz seines Bemühens gezogen, einen modernen europäischen Islam zu schaffen. Er habe für sein Anliegen Anhänger gefunden und sie hätten voriges Jahr in Deutschland eine Bewegung gegründet: den Verband europäisch-demokratischer Muslime, sagte Tibi in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“:  „Aber ich muss offen sagen, dass Islamisten in Europa, auch hier bei Ihnen in Österreich, stärker sind als wir.“

Quelle: Radio Vatikan



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