Die Märkte und die Beweger in der Black Box

Stellungnahme von Dr. Bernd F. Pelz zur aktuellen Diskussion um Banken, Eurokrise und Finanzen 

Die FAZ (Frankfurter Allgemeine) veröffentlichte diesen aufschlußreichen Leserbrief von Dr. Pelz am 2.12.2011 unter dem Titel „Die Märkte und die Beweger in der Black Box“:

Bei dem Leitartikel „Käuferstreik“ von Holger Steltzner (F.A.Z. vom 26. November) über Finanzen und Staatsschulden scheint mir die Betrachtung zu kurz zu kommen, wer die Beweger der Märkte eigentlich sind. Wenn Sie diese Betrachtung anstellen, werden Sie sehen, dass sich die Begriffe „Anleger, Investoren, Märkte“ eigentlich erst seit den siebziger Jahren im Sprachgebrauch als anonyme Mächte etablieren, die andere beurteilen, an den Börsen abstrafen und „grillen“, und deren Klugheit nicht ernsthaft in Zweifel gezogen wird.

Dies beginnt sich ja nun zu ändern. Deshalb sollte es einmal einen Bericht geben, der untersucht, wer denn in den Märkten die Akzente setzt (nicht nur an den Aktienmärkten, sondern auch an den Devisen- und Rohstoffmärkten).

Wenn Sie das tun, werden Sie sehen, dass es weltweit eigentlich nur etwa vierhundert Institutionen sind, die die Märkte, quasi aus einer Black Box heraus, bewegen.

Dazu gehören die systemrelevanten Banken, aber vor allem auch die Schattenbanken, die großen Geldverwahrer und -manager, die großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Ratingagenturen und einige wenige Großkonzerne der Realwirtschaft. Sie haben entscheidend an der Entwicklung der Kapitalmärkte mitgewirkt und von der zunehmenden Verschuldung der Welt profitiert, ohne ihren fairen Beitrag zur Finanzierung des Gemeinwohls zu leisten.

Das Interessante an der ganzen Geschichte ist, dass niemand weiß, wie diese Institutionen innerhalb der Black Box vernetzt sind und welche Abstimmungmechanismen vorhanden sind.

Sicher ist allerdings, dass in den Regeln, nach denen diese Institutionen arbeiten, das Allgemeinwohl nicht enthalten ist. Bemerkenswert ist auch, dass fast alle großen „Geldbeweger“ sich bei der gegenwärtigen Diskussion diskret im Hintergrund halten und die Schuld an der ganzen Misere auf die Politik abschieben  –  und von dieser eine Lösung erwarten, die diese allein gar nicht bringen kann.

DR. BERND F. PELZ, BORNHEIM

Diese Ausführungen werden ergänzt und bestätigt durch einen Bericht aus der „Börsen-Zeitung“ vom 17.12.2011 unter dem Titel „Teure Aufsicht über Schattenbanken“; dort heißt es:

Teure Aufsicht über Schattenbanken

Kreditinstitute zählen zu den Befürwortern der von den G20-Staaten angestrebten Regulierung von Schattenbanken, weil sie das Abwandern von eigenen Geschäften in unkontrollierte Marktsegmente befürchten. Da sie allerdings  – wie auch Versicherer – selbst Teil dieses Finanzmarktsystems sind, drohen ihnen durch die künftige Aufsicht neue Lasten.

„Es kann durchaus sein,  dass aus der Regulierung des Shadow Banking zusätzliche Eigenkapitalerfordernisse für Banken entsthen“, sagte Chefvolkswirt Siegfried Utzig vom Bundesveband deutscher Banken (BdB).

Auch seien zusätzliche Kontrollen für heute schon regulierte Banken zu befürchten: „Wir fänden es nicht gut, wenn die Regulierung der Schattenbanken dazu führen würde, dass die Banken stärker reguliert würden.“

Zugleich warnt Utzig angesichts des enormen Regulierungsgefälles zwischen Europa und den USA vor erheblichen Wettbewerbsproblemen, wenn die künftigen Aufsichtsstandards nicht in gleicher Weise umgesetzt würden. In den USA haben Schattenbanken ein größeres Gewicht als traditionelle Banken.


One Comment on “Die Märkte und die Beweger in der Black Box”

  1. Ralf sagt:

    Ein Hoch auf den Kapitalismus, er hat sich durchgesetzt…aber hat er eine Zukunft?
    Deutschland war früher, zu recht, wie ich finde, stolz auf seine soziale Marktwirtschaft. Nun leben wir aber in einer globalen Welt, die zu einem globalen Dorf geschrumpft ist und Politiker verstehen häufig auch nicht mehr die Mechanismen des globalen Kapitalismus, der nur noch bedingt durch Länderhoheiten „abgefedert“ werden kann.
    Wenn man die aktuelle Lage sieht, kann man denken, daß es welche gibt, die einen Vorteil haben, wenn der Euro strauchelt. Es gibt ja auch Hedge-Fonds, die auf dessen Ende „wetten“. Die Politik hat so getan, als hätte sie das bei der letzten Kriese verstanden und eine Regulierung und Selbsthaftung der Banken herbeiführen, was ganz im Sinne einer sozialen Marktwirtschaft wäre; doch Deutschland kann das alleine nicht erreichen und ich glaube auch nicht Europa. Es müsste zu einem globalen Umdenken kommen.

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