IDEA: Reiner Haseloff (CDU) ist „Politiker des Jahres 2011“

Welche Politiker haben ihren Glauben 2011 in besonders vorbildlicher Weise gelebt?

Die Redaktion der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA (Wetzlar) hat einige Persönlichkeiten als „Christen des Jahres“ ausgewählt.

Zum „Politiker des Jahres“ kürte IDEA den Ministerpräsidenten von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU).

Nach Ansicht der Redakteure hat kein anderer Landeschef 2011 seinen christlichen Glauben so entschieden bekannt wie der 57-jährige Katholik  –  und das in einem weitgehend atheistischen Umfeld. Weniger als 18 Prozent der Bürger Sachsen-Anhalts  –  dem Kernland der Reformation  –  sind Kirchenmitglieder.

In einem IDEA-Interview bekannte der Politiker: „Einen Sonntag ohne Gottesdienst würde ich nicht aushalten. Dagegen scheint es für viele Protestanten zur Freiheit eines Christenmenschen zu gehören, jeden Sonntag neu zu entscheiden, ob man zum Gottesdienst geht oder nicht.“

Siegbert Stocker und Willi Ehret sind „Märtyrer des Jahres“

Zwei Christen, die aus ihrem Glauben heraus den Ärmsten dienten und dafür mit dem Leben bezahlten, sind für die IDEA-Redaktion die „Märtyrer des Jahres“:  Siegbert Stocker und Willi Ehret.

Am 5. September 2011 wurden ihre Leichen nördlich der afghanischen Hauptstadt Kabul gefunden. Wahrscheinlich wurden sie Opfer eines Raubmordes. Stocker, der zur evangelischen Christusträger-Bruderschaft (Triefenstein bei Würzburg) gehörte, bildete in Kabul Jugendliche zu Metallbauern aus. Ehret leitete ein Landwirtschaftsprogramm in Afghanistan.


ISRAEL und die dortigen CHRISTEN in Daten und Fakten

Aus dem amtlichen „Infobrief“ der israelischen Botschaft in Berlin vom 23.11.2011:

Am 25. Dezember feiern Christen in aller Welt Weihnachten. Israel ist ein jüdischer demokratischer Staat, doch gleichzeitig ist es auch die Wiege des Christentums und hat traditionell eine wichtige christliche Community (Gemeinschaft).

Im Folgenden ein Überblick zur Situation der Christen in Israel:

Die christliche Bevölkerung macht ca. 2% der Israelis aus. 2010 waren dies ca. 154.500 Einwohner. Über 80% der Christen sind Araber, der überwiegende Rest christliche Ehepartner von Juden, die nach Israel eingewandert sind.

Über 50% der Christen in Israel gehören der melkitischen griechisch-katholischen Kirche an. Die zweitgrößte Gruppe sind mit 35% die griechisch-orthodoxen Christen. Darüber hinaus sind zahlreiche andere christliche Konfessionen vertreten.

Seit der Staatsgründung ist der Anteil der Christen an der Bevölkerung gesunken, von 2,89% 1947 auf 2,1% 2010. Dies liegt unter anderem an der relativ niedrigen Geburtenrate (2,2 Kinder pro Familie). Christen in Israel heiraten im Durchschnitt mit 29,1 Jahren, damit sind sie bei ihrer Hochzeit anderthalb Jahre älter als ihre jüdischen Mitbürger.


Nazareth mit der Verkündigungskirche   (Foto: A. Maalouf)

60% der arabischen Christen in Israel leben in der Region „Nord-Israel“, 14% in Haifa, 11% in Jerusalem, 5,5% in Tel Aviv-Yaffo, 4,8% in der Region „Zentrum“ und 3,1% in der Region „Süden“. Der Großteil der Christen (etwa 75%) lebt in Westgaliläa, unter ihnen viele in Haifa und Nazareth und gemischten Dörfern wie Shfaram und Kfar Yasif. Die beiden letzten christlichen Dörfer im gesamten Nahen Osten sind Ma’aliya und Fassuta in Nordisrael.

Mitglieder der christlichen Community in Israel sind überdurchschnittlich gut ausgebildet, dies schlägt sich auch bereits in der Schulausbildung nieder. Die Prozentzahl der christlichen Schüler, die jährlich das Abitur ablegen, liegt mit 63% noch über der der jüdischen Schüler (60%) und deutlich über der der muslimischen Schüler (46%). Dies korreliert mit dem generellen Trend, dass Erfolge in der Schulbildung mit der Schulbildung im Elternhaus zusammenhängen.

Auch an den Universitäten und Colleges sind Christen erfolgreich: Ihr Anteil an den israelischen Studierenden insgesamt beträgt 1,8%, dies entspricht in etwa dem Bevölkerungsanteil. Das beliebteste Studienfach bei christlichen Bachelor-Studenten ist mit 11,4% Jura, an zweiter Stelle stehen gesellschaftswissenschaftliche Studiengänge mit 9,3%.

25% der Berufstätigen in der christlichen Community sind in freien akademischen und technischen Berufen tätig – eine Prozentzahl, die der der jüdischen Community nahekommt.

Quelle: Außenministerium des Staates Israel   –   alle Zahlen: Zentrales Statistikamt, 2010


Experte für Religionsfreiheit: An Weihnachten sind Christen weltweit besonders bedroht

Über die Weihnachtstage ist das Risiko von Anschlägen und gewalttätigen Übergriffen auf Christen erfahrungsgemäß sehr hoch, zumal in islamischen Diktaturen.

Dieses Interview mit Prof. Dr. Christoph Sauer veröffentlichen wir mit freundlicher Erlaubnis der Redaktion „Bonner Querschnitte“:

Zunächst zur Person:  Prof. Dr. Christof Sauer ist einer der Direktoren des Internationalen Instituts für Religionsfreiheit (Bonn – Kapstadt – Colombo), außerordentlicher Professor für Missionswissenschaft an der Universität Stellenbosch, Südafrika, und mit dieser Aufgabe als Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg beauftragt. Der aus Biberach an der Riss stammende und in Kapstadt tätige Theologe und seine Kolleginnen und Kollegen haben zu diesem Thema mehr in „Märtyrer 2011 – Das Jahrbuch zur Christenverfolgung heute“ (und früheren Jahrgängen), in dem „Bad Uracher Aufruf“, in der Fachzeitschrift International Journal for Religious Freedom, wie auch in verschiedenen Büchern geschrieben (siehe:  http://www.iirf.eu/).

Hier folgt nun das Interview zum Thema Christenverfolgung:

Warum rufen die Kirchen gerade am 26. Dezember, dem Stephanustag, zum Gebet für bedrängte und verfolgte Christen auf?

Prof. Dr. Christoph Sauer:
Gerade an Weihnachten ist das Risiko von Anschlägen besonders groß. Und der Stephanustag am 26. Dezember ist ein traditioneller Termin, an dem die Kirchen der Märtyrer gedenken und zur Fürbitte für bedrängte Christen aufrufen. Stephanus war der erste Märtyrer der christlichen Kirche, von dem die Bibel berichtet (Apostelgeschichte, Kapitel 7).
Die deutsche katholische Bischofskonferenz informiert in diesem Jahr besonders über Pakistan und hat eine Informationsbroschüre dazu herausgegeben. Die Evangelische Landeskirche in Württemberg hat ein eigenes Heft veröffentlicht mit einem Querschnitt über die schlimmsten Verfolgungssituationen im Jahr 2011. Ich finde das gut, denn an alle wichtigen Anliegen sollte man mindestens einmal im Jahr besonders denken.
Warum sagen Sie, an Weihnachten gibt es ein besonderes Risiko?
Die Erfahrung der letzten Jahre lehrt, dass sich gerade „zwischen den Jahren“ Übergriffe und Anschläge auf Kirchen und Christen in Gebieten häufen, wo es sowieso schon Druck und Spannungen gibt. Das liegt zum einen daran, dass mit dem öffentlichen Feiern christlicher Feste Christen besonders ins Bewusstsein geraten. Manche Ideologien fordern implizit, dass man von Christen in der Öffentlichkeit nichts bemerken darf. Übrigens richten sich die orthodoxen Kirchen, also z.B. in Ägypten, nach einem anderen Kalender und feiern Weihnachten deshalb am 7. und 8. Januar 2012. Außerdem sind an Festtagen besonders viele Menschen in den Kirchen versammelt und dadurch kann bei einem Anschlag besonders viel Schaden angerichtet werden.
Gibt es noch einen anderen Grund?
Ja, die öffentliche Aufmerksamkeit ist vermindert, weil die halbe Welt mit Feiern beschäftigt oder auf Urlaub ist. Das kalkulieren die Organisatoren von Attentaten und scheinbar „spontaner“ Übergriffe von aufgepeitschten Mobs offensichtlich ein. Manche Staaten nutzen diese Zeit auch, um diskriminierende Gesetze, die die Religionsfreiheit massiv einschränken, im Eilverfahren durchzupeitschen.
Welche Gebiete liegen Ihnen besonders am Herzen?
Zur Zeit sollte man besonders für die Verantwortungsträger in den Umbrüchen im Mittleren Osten beten, von Marokko bis zum Irak und auch für die jetzt besonders gefährdeten religiösen Minderheiten. Denn zu einer funktionierenden Demokratie gehört mehr als das Abhalten von Wahlen. Es kann keine echte Freiheit und keine Menschenrechte ohne Meinungs-, Gewissens- und Religionsfreiheit geben. Das hat kürzlich die Schwäbisch Gmünder Resolution zu „Religionsfreiheit im Arabischen Frühling“ besonders deutlich gemacht. Volle Religionsfreiheit schließt übrigens mit ein, dass auch die Anhänger einer dominierenden Religion die Freiheit haben, diese zu verlassen, wenn sie das wollen.
Noch eine andere Region?
In Nordkorea herrscht ein Regime, das seine Bevölkerung seit Jahrzehnten und in unvorstellbarer Weise knechtet und unterdrückt. Es hat eine Regierung, die mit Abstand auf die gröbste und systematischste Weise Religionsfreiheit verletzt.
Der Tod von Kim Jong-il am 17. Dezember 2011 bietet die seltene Gelegenheit für seinen oder seine Nachfolger, in Sachen Menschenrechte eine neue Seite in der Geschichte seines Landes aufzuschlagen. Die Verantwortlichen in Nordkorea sollten umgehend Zwangsarbeit, Zwangsabtreibungen an aus China ausgewiesenen nordkoreanischen Flüchtlingsfrauen, Folter und Hinrichtungen sowie Lager für politische Gefangene abschaffen und alle politischen Gefangenen und Entführten freilassen. Außerdem sollte die Selbstisolation beendet werden.
Es ist dringend notwendig, dass unabhängige und neutrale Menschenrechtsbeobachter Zugang zu Nordkorea bekommen, insbesondere der Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen für Menschenrechte in Nordkorea. Dieses Land nenne ich als ein Beispiel dafür, dass auch an Situationen fortwährender Unterdrückung durch eine Regierung gedacht werden muss und nicht nur an erschreckende Einzelvorfälle.
Sie wurden kürzlich für das Zitat kritisiert: „Wer sich für die Religionsfreiheit von Christen einsetzt, muss das auch für Angehörige anderer Religionen tun.“  –  Wie verstehen Sie diesen Satz?
Zum ersten ist Religionsfreiheit unteilbar. Man kann nicht für sich selbst fordern, was man anderen vorenthalten möchte. Entweder es gibt Religionsfreiheit für alle   –  oder es gibt keine Religionsfreiheit.
Warum ist es angemessen, sich als Christ nicht nur für Christen einzusetzen?
Es ist menschlich naheliegend, sich ausschließlich für die guten Rechte der eigenen Gruppe einzusetzen. Christlich ist es dagegen, diese Engführung zu überwinden, denn Jesus hat ja ausdrücklich dazu aufgefordert, auch die eigenen Feinde zu lieben (Matthäusevangelium, Kapitel 5, Verse 4ff).
Außerdem entwertet es das Recht auf Religionsfreiheit, wenn man es nur für eine Gruppe einfordert. Schließlich bestätigt es die Ernsthaftigkeit des Einsatzes für Religionsfreiheit, wenn man sich auch für Andersdenkende einsetzt. Man muss ja deshalb keinesfalls für richtig halten, was die anderen glauben.
 
Wie verhält sich der Einsatz für bedrängte Christen und Anhänger anderer Religionen für Sie zueinander?
Christen werden in der Bibel aufgerufen, der Gefangenen zu gedenken, und damit sind Christen gemeint, die um ihres Glaubens willen im Gefängnis sitzen (Brief an die Hebräer, Kapitel 11, Vers 3).
Zugleich gilt: Christen sollen allen Menschen Gutes tun, „ganz besonders denen, die wie wir durch den Glauben zur Familie Gottes gehören” (Brief des Paulus an die Galater, Kapitel 6, Vers 19, Neue Genfer Übersetzung). So gilt auch der Einsatz für Religionsfreiheit allen. So kann ich mich auch für die Religionsfreiheit der Bahai im Iran einsetzen. Dabei werde ich aber den Einsatz für verfolgte Christen nicht vernachlässigen.
Sollen Anhänger nicht-christlicher Religionen in Deutschland so behandelt werden, wie Christen in ihren jeweiligen Herkunftsländern?
Die Verletzungen der Religionsfreiheit in anderen Ländern müssen deutlich und sachlich benannt werden. Sie schreien zum Himmel und sind zu Recht ein Feld, in der deutsche Außenpolitik ihre Stimme erhebt.
Aber es gibt mehrere gute Gründe, Anhänger nicht-christlicher Religionen in Deutschland nach besseren Maßstäben zu behandeln. Nach dem deutschen Grundgesetz darf niemand wegen seiner Herkunft oder religiösen Überzeugung diskriminiert werden. Außerdem können Menschen nicht-christlicher Überzeugung, die in Deutschland leben, oft nichts dafür, wie Christen in ihren jeweiligen Heimat- oder Herkunftsländern behandelt werden.
Zudem gilt für Christen der Grundsatz, Böses mit Gutem zu überwinden. Deshalb ist es unchristlich, z.B. eine Einschränkung der Religionsfreiheit für Muslime in Deutschland zu fordern, analog zur Beschneidung der Religionsfreiheit für Christen in der Türkei oder in Saudi-Arabien.
 
Wo stößt die Religionsfreiheit auf Grenzen?
Die Freiheit des einen endet da, wo sie die Rechte eines anderen verletzt. Die Religionsfreiheit endet auch da, wo sie dazu missbraucht wird, die Grundlage, die sie gewährleistet, abzuschaffen. Wer z.B. in Deutschland unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit die Demontage unseres Gemeinwesens auf der Grundlage des Grundgesetzes betreibt, kann dafür keine Religionsfreiheit beanspruchen.
Wie sollen Christen mit religiöser Verfolgung umgehen?
Zum einen ist es angemessen, für andere und sich selbst Religionsfreiheit einzufordern. Verfolgung und Einschränkungen der Religionsfreiheit müssen als Unrecht deutlich beim Namen genannt werden. Am meisten erwarten Christen aber von Gott, und deshalb ist die erste angemessene Reaktion Gebet und Fürbitte.
Zum anderen hat Jesus von Anfang an seinen Nachfolgern angekündigt, dass sie sich darauf einstellen und bereit sein müssen, genauso wie er verspottet und verfolgt zu werden. Schließlich gehört es zum Besonderen des christlichen Glaubens, dass Christen nach dem Vorbild von Jesus Christus auch ihren Feinden vergeben und sogar als Märtyrer für ihre Verfolger um Vergebung und Sinnesänderung beten – so wie Stephanus.
 
Hier die Webseite der „Bonner Querschnitte„, die dies Interview mit Prof. Sauer führten:
http://www.bucer.org/bq.html
Themenbezogene Downloads und Links:
– Schwäbisch Gmünd Resolution 2011 „Religionsfreiheit im Arabischen Frühling“ ( http://www.religionsfreiheit-arabischer-fruehling.de/fileadmin/pdf/resolution.pdf)
– Bad Uracher Aufruf (http://www.iirf.eu/fileadmin/user_upload/PDFs/Bad_Urach_Aufruf.pdf)
– Foto Christof Sauer, © ERF (http://www.bucer.eu/fileadmin/user_upload/pdfs/BQs/zu_BQ100-199/zuBQ188/CS.jpg)