Kirchliches Ablaßbuch: „Abenteuerliche Sonderbarkeiten und Versprechungen“

Zu den „Brigitta-Gebeten“ (7-er und 15-er Reihe) und ähnlichen Andachten mit „Verheißungen“

Seit Jahrhunderten sind sogenannte „Gebete nach der hl. Brigitta“ im Umlauf, die angeblich „große Verheißungen“ mit sich bringen, wobei zugleich damit geworben wird, diese Sonderandachtsformen seien kirchlich anerkannt, ja sogar empfohlen  – so etwa hier:

http://www.betet.info/Brigittagebete.html#Leiden_Jesu_Christi

Diese Behauptungen sind allerdings unzutreffend und irreführend. Hierzu wollen wir gerne Folgendes festhalten:

1. Bereits im alten offiziellen kirchlichen „Ablaßbuch“ (z.B. der Ausgabe von 1939), in dem  eine Auflistung aller (!) gültigen (!) Ablaß-Gebete enthalten ist, fehlen diese Birgittengebete, folglich gehören sie nicht zu den amtlichen Ablaßgebeten. pic_526a50cce0863

Dies ist an sich ohnehin klar wegen der geradezu abenteuerlichen Versprechungen hinsichtlich der Befreiung von Seelen aus dem Fegefeuer bzw. diversen konkreten Heilsverheißungen.

Solche präzisen Zusagen sind schon deshalb unseriös, weil die Kirche über das Purgatorium (Fegefeuer, jenseitiger Läuterungszustand) keine direkte „Amtsgewalt“ ausüben kann, weshalb Ablässe für Verstorbene lediglich fürbitthalber wirken (können). Das hat die Kirche immer so gelehrt.

„Das Gepräge der Falschheit“

Näheres hierzu findet sich in dem altbewährten Buch „Die katholische Lehre von den Ablässen„, verfaßt von Jesuitenpater Josef Hilgers, erschienen in Paderborn 1914.

Dort heißt es auf S. 128 im Kapitel „Über echte und unechte Ablässe“:
„Viele der von den römischen Kongregationen als unecht bezeichneten Ablässe tragen schon durch ihre abenteuerlichen Sonderbarkeiten und überspannten Versprechungen das Geprägte der Falschheit an sich.“ kleines-rituale

Sodann wird dort auf  Seite 130 aus einer amtlichen, damals vom Papst bestätigten Erklärung der Ablaßkongregation von 1899 zitiert:

Als unecht„, so sagt die siebte Regel,sind die Ablässe zu verwerfen, die man in Büchlein (…) verbreitet, in welchen aus nichtssagenden oder sogar abergläubischen Ursachen und aus unsicheren Offenbarungen oder unter trügerischen Bedingungen Ablässe und Gnaden versprochen werden, welche dem kirchlichen Gebrauche zuwiderlaufen und das gewöhnliche Maß überschreiten.“

Kurz darauf heißt es:

„Aus den vielen möge es genügen, auf ein Gebet hinzuweisen, von dem man behauptete, es sei im Grabe unseres Heilandes gefunden und ehedem der hl. Elisabeth von Ungarn, der hl. Mechthildis und Birgitta geoffenbart worden. Dasselbe ist mit all seinen überspannten Versprechungen schon im Jahre 1678 und erst kürzlich wieder durch das Dekret vom 26. Mai 1898 von dieser hl. Kongregation als unecht verworfen worden.“

„Diese Ablässe sind für unecht zu halten“

Das Lehrbuch zitiert außerdem Folgendes aus den kirchenamtlichen Verfügungen:

„In der achten Regel heißt es: „Als erdichtet sind die Versprechungen in Blättern und Büchlein zurückzuweisen, wonach für das eine oder andere Gebet, das die Gläubigen verrichten sollen, eine oder mehrere Seelen aus dem Fegefeuer befreit würden, und die Ablässe, welche diesen Versprechungen noch beigefügt zu werden pflegen, sind für unecht zu halten.“

Auf S. 131 heißt es:
„Wie demnach derlei Behauptungen als unbegründet angesehen werden müssen, so sind auch die Ablässe, die man solchen Versprechungen beifügt, als unecht und völlig wertlos zurückzuweisen, umso mehr, da sie meistens zu den ungebräuchlichen und alles Maß überschreitenden Ablässen gehören.“

Auf der nächsten Seite  wird konkreter auf die Brigitta-Gebete mit „Verheißungen“ eingegangen –  und zwar im Rahmen einer Aufzählung unechter Ablaßgebete:

„Die Ablässe und extravaganten Verheißungen für das Gebet, welches   – wie man sagt – nach der Offenbarung der hl. Birgitta, der hl. Mechthildis und der hl. Elisabeth in dem Grabe unseres Herrn gefunden worden sei.“

Bei der Fußnote zu dieser Zeile heißt es:

Dieses Gebet, welches auch den Titel trägt „Brief Jesu Christi über die Blutstropfen, welche er auf seinem Gang zum Kalvarienberg vergoß,“ besteht in 7 Vaterunser,  Gegrüßet-seist-Du und Ehre-sei, die man 15 Jahre lang beten soll zu Ehren dieser 28.430 Blutstropfen, aufs neue als Fälschung verworfen durch das Dekret vom 26.5.1898.“

„Die größte Torheit“

Sodann heißt es auf dieser Seite weiter bei der Aufzählung unechter Ablässe:
„…die Ablässe, welche mit den fünfzehn Gebeten verbunden seien, die der Herr der hl. Birgitta von Schweden soll geoffenbart haben; die Versprechen, welche jedem gemacht sind, der während eines Jahres diese Gebete verrichtet, enthalten die größte Torheit und widersprechen den Grundsätzen des Glaubens.“

Rein grundsätzlich ist zu beachten, daß die katholische Kirche ausdrücklich lehrt (und dies auf dem Konzil von Trient bestätigte), daß auch fromme Gläubige keine absolute Heilsgewißheit besitzen. Diese „Gewißheit“ steht nämlich dem allwissenden Gott allein zu.

Nicht ohne Grund schrieb der Völkerapostel Paulus: „Bewirket Euer Heil mit Furcht und Zittern“  (Phil. 2,12).   – Damit wollte der hl. Paulus den damaligen Gläubige zu Philippi sicher keine panische Angst einjagen (gerade Paulus wäre hier der Letzte!), sondern vielmehr nüchtern an die „Furcht Gottes“ erinnern, also an die Ehrfurcht vor dem erhabenen  Gott, der sich nicht vor unseren Karren spannen läßt, auch nicht vor einen vermeintlich „frommen“ Karren.

Wir können unsen Seelenzustand letztlich nicht selbst vollgültig beurteilen, sondern GOTT ist unser Richter.

Deshalb schreibt Paulus an die Korinther: – Wenn sich schon ein Apostel Paulus zwar „nichts bewußt ist“ (keiner schweren Sünde), aber sich gleichwohl seiner „Rechtfertigung“ (Gnadenzustand) nicht gewiß ist, weil er diese Beurteilung GOTT überläßt, dann gilt das erst recht für alle Gläubigen.

Wer sich aufrichtig und ernsthaft bemüht, nach den göttlichen Geboten zu leben, die Sakramente gültig empfängt, Werke der Nächstenliebe vollbringt usw., der darf natürlich eine  hoffnungsfrohe „Heilszuversicht“ haben, aber eben durchaus keine vermessene Heilssicherheit für sich beanspruchen.

Eine absolute Heilsgewißheit kann man auch nicht über den „Umweg“ durch bestimmte Andachtsformen oder Gebete erwerben. Auch hinsichtlich kirchlich genehmigter Andachten (etwa den diversen Skapulieren) hat die Kirche stets vor leichtfertiger Gesinnung bzw.  vor einer „vermessentlichen Heilsgewißheit“ gewarnt.

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster


10 Kommentare on “Kirchliches Ablaßbuch: „Abenteuerliche Sonderbarkeiten und Versprechungen“”

  1. Paulinus sagt:

    Die Birgittinnen (z.B. hier http://www.brigidine.org/de-DE/default.aspx?idl=43) bezeichnen allerdings diese Gebete als „…Gebete der hl. Birgitta“.
    Die Bremer Birgittinnen jedoch bringen auf ihrer Webseite weder die bewussten Gebete, noch die Verheißungen (lesen wahrscheinlich charismatismus.wordpress.com). Leider gibt es keine Erklärung, warum und wieso die Gebete weggelassen werden. Hier wäre doch genau die richtige Stelle, um Auskunft zu geben und Klarheit zu schaffen.

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  2. Diener Christi sagt:

    Frau Küble wohl über alles haben sie was auszusetzen. Ich frage mich wie sie das vor unserm Herrgott verantworten wollen!

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    • Guten Tag,
      ich habe hier kirchliche Stellungnahmen zitiert, die meisten davon höchstamtlich. Ich kann das problemlos vor dem Herrgott verantworten, halte mich sogar für im Gewissen verpflichtet dazu, über die kirchliche Linie zu informieren.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Anonymous sagt:

        Welche kirchliche Linie? Die hat doch z.T. gar keine Linie mehr und folgt dem Widersacher. Dies wird aufhören, wenn der Herr sein Machtwort spricht. Bamberg wird das auch noch merken und deren Hochmut zu Fall bringen. Mit der Ablehnung Heroldsbachs haben die Großes mitzuverantworten…
        .Wie kann man nur so dem Herrn lästern? Wehe denen!!!
        (Siehe auch Pedro Regis – Nr. 3611 oder Myrtha Maria). Danke, dass es solche Propheten gibt, die nicht dem Klerus nach dem Mund reden und nur gottfürchtig sind.
        B R A V O!

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      • Prof.Dr-Dr- G- Gervasi sagt:

        Schon der Ausdruck „kirchliche Linie“ ist merkwürdig. Es gibt eine kirchliche Tradition, eine kirchliche Lehre auf den Gebieten des Dogmas und der Moral, aber eine „kirchliche Linie“ ist ein theologisch völlig fremder Begriff. Ferner, was Frau Küble großkotzig als „Lehre der Kirche“ angibt, besteht aus persönlichen Bemerkungen eines einzigen Jesuiten zu den Gebeten der Hl. Brigitta in einem Buch über die Ablässe aus dem Jahr 1914.
        Daraus leitet Frau Küble die abenteuerliche Schlussfolgerung, dass „die Kirche“ diese Gebete verboten hätte, was faktisch falsch ist. Die katholische Kirche hat diese Gebete nie verboten. Im Gegenteil, sie werden von ihr empfohlen. Die Gebete der Hl. Brigitta sind, ferner, keine Ablässe. Deshalb werden sie im Katalog der Ablässe auch nicht gefunden. Es wäre auch unsinnig, dass die Kirche diesen Gebeten Ablässe anhänge, denn es handelt sich um klare Versprechungen Jesu Christi in Brigittas Visionen, deren Authentizität zuletzt vom Hl. Papst Johannes-Paul II. in seinem Apostolischen Brief vom 1.10.1999 zur Proklamation der Hl. Brigitta von Schweden zur Ko-Patronin Europas bestätigt wurde.

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  3. Gelobt sei Jesus Christus ! sagt:

    „Das ist ein überaus verlockendes Angebot!“

    genau das Richtige für mich.

    Zitat „Brigitta Gebete“
    Sie kommen nicht ins Fegefeuer.
    Ich werde sie in die Zahl der Märtyrer aufnehmen, wie wenn sie ihr Blut für den Glauben vergossen hätten.
    Sie werden einen Monat vor ihrem Tod davon in Kenntnis gesetzt. Sollten sie vor dieser Zeit sterben, so betrachte ich die Erfüllung dieser Bedingungen als geschehen.
    Zitat Ende

    Das bedeutet, wenn ich die Gebete heute am Samstag erstmalig verrichte und nach der Allwissenheit GOTTES Sonntag sterben würde, – müsste ich heute noch darüber in Kenntnis gesetzt werden.

    Auch würde ich als Märtyrer ohne Fegefeuer in den Himmel aufgenommen, – obwohl ich in den Augen der „Medjugorefanatiker“, der „Schwätzlieselanhänger“ und des „Morgenrötefanclubs“ ein Widersacher bin. Also ihr Lieben, man sieht sich wieder :-).

    Ja, so kommen auch Widersacher in den Himmel. Privatbotschaften eben, – da ist nichts unmöglich.

    Hauptsache man vergleicht Privatbotschaften nicht miteinander und schaltet sein Hirn in den Energiesparmodus.

    mfg

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    • Gelobt sei Jesus Christus ! sagt:

      Nachtrag:

      Wer diese „Gebete“ über den genannten Zeitraum verrichtet hat, – kann sich selbstverständlich danach auch die Beichte sparen.

      Wozu noch beichten, wenn doch die Zusage besteht sofort nach dem Tod ohne Fegefeuer in den Himmel zu kommen und als Märtyrer aufgenommen zu werden?

      Oder sehe da irgendetwas nicht richtig oder habe es falsch verstanden?

      mfg

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  4. Robert Böttcher sagt:

    Ihr wollt die Offenbarungen Gottes, als töricht hinstellen und lächerlich machen. Wenn ihr eines Tages vor dem Richterstuhl Gottes euch dafür verantworten müsst und dann von Gott gefragt werdet, weshalb ihr seinen Worten den Aufrufen zur Umkehr und zum Gebet den Werken Seiner Barmherzigkeit nicht geglaubt habt, stattdessen gelästert verleumdet und schlecht gemacht habt . So werden eure Antworten bestimmt nicht so einen rationalen und klugen Eindruck machen wie eure Worte jetzt hier! Gesegnet wer sich von euch nicht beirren lässt!

    Gottesfurcht ist Anfang der Erkenntnis, / nur Toren verachten Weisheit und Zucht
    Sprüche 1,7

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    • Anonym sagt:

      Na ja, Herr Böttcher, wir wollen doch sachlich bleiben.

      Ich glaube an das Reden des Heiligen Geistes im Menschen. Es dient aber vor allem der Ermutigung und Auferbauung der Menschen und bringt gute Früchte hervor.

      Gebetsregeln und Ablassgebete, hat Jesus solche Praktiken seinen Jüngern gelehrt oder gar aufgetragen ? Habe ich in dem neuen Testament etwas übersehen ?

      Offenbarungen müssen immer kritisch geprüft werden. Wenn solche Offenbarungen offensichtlich im Widerspruch zum Wort Gottes stehen, dann kann man diese nur als Unsinn einstufen.
      ———–

      Interessant, dass Menschen immer noch gern mit dem Richterstuhl drohen.

      Diese Menschen übersehen nur Folgendes:

      „Denn so hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet;…“

      Ein Jünger Jesu braucht also keine Angst vor dem Richterstuhl haben.

      Sonst hätte Johannes diese Sätze nicht niedergeschrieben.

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  5. Anonymous sagt:

    Die fr,Felicitas sol endlich die Leute in ruhe lassen,die jejnige was betten wollen.Gebet ist nimals zu viel.Hören sie entlich auf die Katolische Kirche kritisieren und tun sie Busse !!! Mann kan das nicht mehr ertragen so Blödzin zu schreiben.Lessen sie lieber das Buch von Gloria Polo,ist da auch was zu kritisieren?

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