Joachim von Fiore und Martin Luther: angekündigte Weltuntergänge

Auch im Jahre 2011 gab es wieder zahlreiche visionäre Ankündigungen  übernatürlicher „Warnungen“, Strafgerichte oder gar eines baldigen Weltuntergangs, von esoterischer Seite teils in Verbindung mit Spekulationen um den heidnischen „Maya-Kalender“ und dessen angeblicher 2012-Endberechnung.

Derartige Vorhersagen sind nicht neu, sie kamen in den letzten Jahrhunderten  häufig vor. Hierzu zwei Beispiele:

Der italienische Abt Joachim von Fiore kündigte ein baldiges weltweites Friedensreich an (eine Herrschaft des Heiligen Geistes), das er als „Drittes Reich“  bezeichnete.

Ihm zufolge war das erste Reich das des Vaters, das zweite Reich das des Sohnes und das dritte Reich das Reich des Heiligen Geistes, das bald beginnen werde.  – Viele seiner Anhänger rechneten aufgrund seiner Spekulationen und Andeutungen damit, daß das Ende der Welt anno 1260 eintreffen werde.

Die kath. Kirche lehnte Fiores „Sonderlehren“ allerdings klar ab: zum einen wegen seiner postmillenaristischen Endzeitschwärmerei (die Bibel kennt kein universales gottgewirktes Friedensreich vor der Wiederkunft Christi), zum anderen wegen Fiores konkreter Vorstellungen über dieses kommende Heilig-Geist-Reich, das die Menschen direkt „von oben her“ erleuchte, so daß sich die Kirche als Institution weitgehend zu erübrigen schien.

Während Fiore und seine Mitstreiter (die Bewegung der „Spiritualen“)  eine euphorische Endzeitschwärmerei verkündete, befaßte sich auch Martin Luther einige hundert Jahre später zeitweilig intensiv mit der Apokalypse (biblischen Endzeitlehre); er verbreitete aber keine Endzeitschwärmerei, sondern das genaue Gegenteil, nämlich Endzeitpanik  –  das eine ist freilich so verfehlt wie das andere.

Luther sah im damaligen Papst den in der Heiligen Schrift vorausgesagten „Antichrist“ (den er mitunter auch als „Endchrist“ bezeichnete, womit der Antichrist der Endzeit gemeint war),  weshalb er mit dem baldigen Weltuntergang und der Wiederkunft Christi rechnete.

Dreimal   –   nämlich für das Jahr 1532, dann für 1538 und schließlich für 1541   –  kündigte er das Ende der Welt an  – danach vermied er solche Prophezeiungen.

 



2 Kommentare on “Joachim von Fiore und Martin Luther: angekündigte Weltuntergänge”

  1. Timo sagt:

    Guter Blog, gefaellt mir sehr gut. Auch tolle Themen.

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  2. Ralf sagt:

    …ja, ja, Martin Luther war halt kein wahrer Endzeitprophet…aktuell haben wir Maria der Göttlichen Barmherzigkeit und ihr wurde geoffenbart, daß sie die wahre Endzeitprophetin ist…:)
    Es ist wirklich ein Phänomen, daß so viele den „Weltuntergang“ prophezeien wollen, wo doch geschrieben steht: „Doch jenen Tag und jene Stunde kennt niemand, auch nicht die Engel im Himmel, nicht einmal der Sohn, sondern nur der Vater.“ Mt 24,36

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