Ägypten: Angriff von 3000 Muslimen auf christliche Kopten

Erneut hat sich in Ägypten ein schwerer Angriff islamischer Extremisten auf Christen ereignet. Am 28. Januar 2012 überfielen mehr als 3000 Muslime christlich-orthodoxe Kopten im nordägyptischen Dorf Kobry el Sharbat (Gouvernement Alexandria). Sie plünderten Häuser und Läden und setzten sie dann in Brand. Zwei Kopten und ein Muslim wurden bei den Übergriffen verletzt.

Wie der assyrische Informationsdienst Aina berichtet, kamen Sicherheitskräfte zu spät, um die Brandschatzung und die Vertreibung christlicher Familien zu verhindern. Muslime hätten die Feuerwehr daran gehindert, die Brände zu löschen, und das Militär habe rund eine Stunde gebraucht, um zwei Kilometer bis zum Tatort zurückzulegen.

Nach Augenzeugenberichten waren viele der Täter islamische Extremisten, sog. Salafisten. Die Unruhen seien durch ein Gerücht ausgelöst worden, daß ein Kopte angeblich mit seinem Handy ein intimes Foto von einer muslimischen Frau aufgenommen habe. Der Verdächtige, Mourad Samy Guirgis, habe sich zum eigenen Schutz in Polizeigewahrsam begeben.

Nach Angaben des koptischen Priesters Boktor Nashed sollte am Abend eine Versammlung von Muslimen und Christen in dem Dorf stattfinden. Dies sei durch die Übergriffe verhindert worden.

Gewinnen Extremisten die Oberhand?

Von den 83 Millionen Einwohnern Ägyptens sind etwa zehn Prozent Christen, meist orthodoxe Kopten. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Angriffen auf die christliche Minderheit. Daran hat auch der politische Umschwung mit dem Rücktritt des Alleinherrschers Hosni Mubarak vor einem Jahr nichts geändert.

Manche Beobachter befürchten, daß Kopten und liberale Muslime das Land verlassen könnten, wenn radikal-islamische Kräfte künftig die Oberhand gewinnen sollten.

Bei den Parlamentswahlen bekamen die strikten Muslim-Bruderschaften 45,7 %; die radikal-islamischen Parteien (Salafisten) kamen auf 24,6 Prozent.   – Gemäßigt-islamische Parteien schnitten schlechter ab: Die Wafd-Partei erhielt 8,4 %, die Ägyptische Allianz 6,6 %. Insgesamt sind 15 Parteien im Parlament vertreten.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur IDEA



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