Islamischer Nordsudan: Christen werden zum Kriegsdienst gezwungen

Im Nordsudan wächst unter jungen Christen die Angst vor Entführungen. Das berichtet Weihbischof Daniel Adwok von Khartum im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“.

Nordsudanesische Milizen seien dazu übergegangen, Angehörige von Minderheiten zu verschleppen und zum bewaffneten Kampf zu zwingen, erklärte der sudanesische Weihbischof. Die Zahl der Entführungen von jungen Männern sei seit November sprunghaft gestiegen. Viele seien nachts in ihren Häusern überrascht worden.

Besonders gefährdet seien Südsudanesen, die im Nordsudan leben. „Südsudanesen, die die Rückkehr in ihre Heimat vorbereiten, bekommen Schwierigkeiten mit den nordsudanesischen Milizen“, betont Adwok. Sie würden gezwungen, gegen die südsudanesische Regierung und damit gegen ihre eigenen Landsleute zu kämpfen.

Der Weihbischof berichtet weiter, daß viele junge Männer aus Angst vor Entführung ihre Häuser nicht einmal mehr zum Sonntagsgottesdienst verlassen. Er sei beunruhigt, daß diese Entführungen die Jahresfeiern zu Ehren der Nationalheiligen des Sudan, der hl. Josefine Bakhita, am heutigen Freitag (10.2.2012) überschatten könnten. „Alle Gläubigen sind enorm eingeschüchtert“, beklagt  der Kirchenmann.

„Die Milizen scheinen die Oberhand zu behalten“, sagt der Weihbischof. „Sie können tun, was immer sie wollen und die nordsudanesische Regierung unternimmt nichts, um sie von ihrem Tun abzuhalten.“

Erst kürzlich waren zwei entführte Priester von den Milizen nach dem Eingreifen der nordsudanesischen Regierung wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Die Priester seien zwei Wochen lang festgehalten und während dieser Zeit wiederholt mit Eisenstangen geschlagen worden, nachdem die Kirche sich geweigert hatte, Lösegeld zu zahlen, um sich nicht in eine Serie von Erpressungen zu begeben.

Der vorwiegend von Christen bewohnte Südsudan hatte sich im Juli 2011 durch einen Volksentscheid vom überwiegend islamischen Norden abgespalten. Seitdem toben in einigen erdölreichen Grenzregionen Kämpfe zwischen nord- und südsudanesischen Truppen.

Quelle: Pressemitteilung von „Kirche in Not“



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