Vor 75 Jahren erschien die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ gegen die NS-Diktatur

„Mit brennender Sorge und steigendem Befremden beobachten Wir seit geraumer Zeit den Leidensweg der Kirche, die wachsende Bedrängnis der ihr in Gesinnung und Tat treubleibenden Bekenner und Bekennerinnen inmitten des Landes und des Volkes, dem St. Bonifatius einst die Licht- und Frohbotschaft von Christus und dem Reiche Gottes gebracht hat.“

Mitte März sind 75 Jahre vergangen, daß Papst Pius XI. sich mit diesen einleitenden Worten an alle deutschen Katholiken wandte.

„Mit brennender Sorge“ ist die erste und bisher einzige Enzyklika in deutscher Sprache. Dieses päpstliche Rundschreiben vom Passionssonntag 1937 sollten sich alle diejenigen zu Gemüte führen, die es sich angewöhnt haben, die katholische Kirche anzuklagen, man habe damals zu wenig gegen den Nationalsozialismus unternommen. Natürlich blieb der Kirche keine andere Basis als die der geistig-geistlichen Auseinandersetzung mit dieser christusfeindlichen Ideologie; sie nutzte aber auch alle Möglichkeiten, die den Konkordatspartnern offenstanden.  Der Grat war schmal zwischen Einmischung in staatliche Angelegenheiten und dem Bestehen auf kirchlichen Belangen.

Am 14. März 1937 vom Papst unterschrieben, wurde die Enzyklika bereits am darauffolgenden Sonntag in allen deutschen katholischen Kirchen verlesen. Viele Priester verschlossen ihn, um ganz sicher zu gehen, nach Erhalt im Tabernakel in der Kirche. Keiner der Priester hat sich geweigert, den recht langen Text zu verlesen.

Die Berichte über die Wirkung der Enzyklika betonen den tiefen Eindruck, den die Verlesung bei den Zuhörern hinterließ. Die Enzyklika war „bei weitem das Schärfste, was eine souveräne Instanz in Ausübung ihres Amtes über das Dritte Reich bisher öffentlich ausgesprochen hat..

Zugleich wurden zwei andere totalitäre Systeme in den gleichen Tagen angeprangert:

In „Divini Redemptoris“ klagte Pius XI. den Kommunismus an, unterschrieben am 19. März 1937  –  und am 28. März richtete sich der Papst an die Kirche in Mexiko (Firmissimam constanziam), die schwer unter ihren antichristlich-freimaurerischen Machthabern zu leiden hatte.

Diese drei Enzykliken vom März 1937 bilden das Kernstück der lehramtlichen Aussagen gegenüber den totalitären Systemen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

‚Mit brennender Sorge’ verurteilt nicht nur die Kirchenverfolgung in Deutschland, sondern auch das Neuheidentum der nationalsozialistischen Theorien, die Vergötterung des Staates und den Gebrauch von Rasse und Blutlinien, um den menschlichen Wert zu bestimmen.

Sie stellt hierzu klar:
„Wer die Rasse, oder das Volk, oder den Staat, oder die Staatsform, die Träger der Staatsgewalt oder andere Grundwerte menschlicher Gemeinschaftsgestaltung – die innerhalb der irdischen Ordnung einen wesentlichen und ehrengebietenden Platz behaupten – aus dieser ihrer irdischen Wertskala herauslöst, sie zur höchsten Norm aller, auch der religiösen Werte macht und sie mit Götzenkult vergöttert, der verkehrt und fälscht die gottgeschaffene und gottbefohlene Ordnung der Dinge. Ein solcher ist weit von wahrem Gottesglauben und einer solchem Glauben entsprechenden Lebensauffassung entfernt.“

Folgender Abschnitt ist ebenfalls ein klarer Schlag gegen Hitler und den Nationalsozialismus:
„Nur oberflächliche Geister können der Irrlehre verfallen, von einem nationalen Gott, von einer nationalen Religion zu sprechen, können den Wahnversuch unternehmen, Gott, den Schöpfer aller Welt, den König und Gesetzgeber aller Völker, vor dessen Größe die Nationen klein sind wie Tropfen am Wassereimer, in die Grenze eines einzelnen Volkes, in die blutmäßige Enge einer einzelnen Rasse einkerkern zu wollen.“

Die Enzyklika schließt mit dem Satz:

„Dann – das sind Wir gewiß – werden die Feinde der Kirche, die ihre Stunde gekommen wähnen, bald erkennen, dass sie zu früh gejubelt haben.“

Die Nationalsozialisten konfiszierten alle verfügbaren Ausgaben der Enzyklika, verhafteten die Drucker, welche die Texte herstellten und beschlagnahmten ihre Druckerei. Die Verteiler der Enzyklika wurden verhaftet. Zahlungen, die Deutschland unter dem Konkordat an die Kirche leisten sollte, wurden reduziert. Verschiedene Priester wurden mit fabrizierten Anklagen, unter dem Vorwand von Devisenvergehen oder angeblicher moralischer Verfehlungen angeklagt.

Von diesem Zeitpunkt an betrachteten die Nationalsozialisten Papst Pius XI. als ihren erkläten Feind.

Aus diesem Bewußtsein heraus sagt Pius XI. zum Schluß seiner Enzyklika:

„Jedes Wort dieses Sendschreibens haben Wir abgewogen auf der Waage der Wahrheit und zugleich der Liebe. Weder wollten Wir durch unzeitgemäßes Schweigen mitschuldig werden an der mangelnden Aufklärung, noch durch unnötige Strenge an der Herzensverhärtung irgend eines von denen, die Unserer Hirtenverantwortung unterstehen und denen Unsere Hirtenliebe deshalb nicht weniger gilt, weil sie zur Zeit Wege des Irrtums und des Fremdseins wandeln.

‚Mit brennender Sorge’ verurteilte nicht allein die Kirchenverfolgung in Deutschland, sondern auch das Neuheidentum der NS-Ideologie, die Vergötterung des Staates und den rassistischen Irrwahn der national-sozialistischen Diktatur.

Quelle: Radio Vatikan

 


2 Kommentare on “Vor 75 Jahren erschien die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ gegen die NS-Diktatur”

  1. Jan sagt:

    Toller Beitrag. Würde gern mehr Artikel zu dem Thema sehen.

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  2. […] vor 75 Jahren, am Passionssonntag, dem 14. März 1937, unterzeichnete Papst Pius XI. die erste und bisher einzige Enzyklika in deutscher Sprache, mit der er klar gegen Hitler und den […]

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