Esoterisch beeinflußte, falsche „Erinnerungen“ an sexuellen Mißbrauch in der Kindheit

Aufschlußreicher Bericht der Beratungs-und-Aufklärungs-Webseite  „NRW-Sekten-Info“:

„In unserer Beratungsstelle Sekten-Info Nordrhein-Westfalen hatten wir in den letzten Jahren vermehrt Fälle, in denen es um die Aufdeckung eines angeblichen sexuellen Missbrauchs in der Kindheit durch esoterische Therapieangebote ging.

Da die Folgen sowohl für die KlientInnen als auch für die Angehörigen in der Regel sehr einschneidend sind, soll diesem Phänomen hier nachgegangen werden.

Exemplarisch möchte ich zwei Fälle aus der Beratungsstelle des Sekten-Infos schildern:

Frau R. (40 Jahre) wendet sich aufgrund von Eheproblemen an eine Heilpraktikerin. Bald kommt das Gespräch auf die Scheidung der Eltern zu sprechen, und wie sehr die Klientin als Kind unter dieser Trennung gelitten hat. Die Beraterin gibt sich mütterlich und fürsorglich. Frau R. fühlt sich aufgehoben und fasst schnell Vertrauen zu der Heilpraktikerin.

Nach einiger Zeit erläutert diese ihre Theorie, dass jeder Mensch entweder Täter oder Opfer von sexuellem Missbrauch sei. Ohne dass die Klientin das Thema selbst anspricht oder Erinne­rungen in diese Richtung hat, wird ihr immer wieder suggeriert, dass ein Missbrauch stattgefunden haben muss. Schließlich übernimmt Frau R. den Missbrauchsvorwurf, konfrontiert ihre Eltern und stellt schließlich eine Strafanzeige. Den Kontakt bricht sie ab.

Als Frau R. nach einigen Jahren das Umfeld der Heilpraktikerin verlässt, meldet sie sich in unserer Beratungsstelle. Nach all den Jahren ist sie sich sicher, dass die damaligen Vorwürfe haltlos sind. Vor allem schämt sie sich, dass sie sich hat manipulieren lassen. Große Schuldgefühle gegenüber den Eltern machen ihr zu schaffen.

In den Beratungs­gesprächen werden die damalige Lebenssituation sowie die lebensgeschichtlichen Aspekte zu einem Erklärungsmodell herangezogen, um zu klären, warum die Klientin zu einem bestimmten Zeitpunkt ihres Lebens für diesen Weg offen war. Langsam bringt Frau R. Verständnis für ihre damalige Notlage auf. Ihre Wut verlagert sich weg von der eigenen Person hin zu der unseriösen Beraterin. Diese hat die Bedürftigkeit der Klientin für ihre Zwecke ausgenutzt. Hinsichtlich der Zukunftsplanung wurden Überlegungen angestellt, wie Frau R. wieder Kontakt zu ihrer Familie aufnehmen kann.

Frau B. (65 Jahre) meldet sich in großer Verzweiflung in unserer Beratungsstelle. Ihre erwachsene Tochter hatte auf Anraten ihres Arztes an einer sogenannten Familienauf­stellung teilgenommen, die von der Ehefrau des Arztes durchgeführt wurde. Diese war ebenfalls Ärztin, praktizierte allerdings nicht mehr als solche. Zu dieser Familienaufstellung hatte die Tochter auch eine ihrer Schwestern mitgenommen.

Die Aufstellung hatte unter anderem ergeben, dass zwei weitere Geschwister angeblich nicht die leiblichen Kinder des Vaters seien. Diese seien nach Vergewaltigungen der Mutter durch deren Vater geboren worden. Dieses Familiengeheimnis sei nun gelüftet worden.

Die Töchter hätten sie nach der Fami­li­enaufstellung völlig fassungslos mit dieser angeblichen Wahrheit konfrontiert. Es sei ihr nicht gelungen, die Töchter vom Gegenteil zu überzeugen. In ihrem Ärger und ihrer Hilflosig­keit sei sie am nächsten Tag mit zu dieser Veranstaltung gegangen, um das Ganze richtig zu stellen. Es habe einen großen Tumult gegeben, die Ärztin habe sie der Lüge bezichtigt und letztendlich aus der Praxis geschmissen. Die Töchter seien noch immer völlig aufgelöst und sie wisse nicht, was sie jetzt tun solle.

Frau B. konnte ihre Töchter motivieren, mit in unsere Beratungsstelle zu kommen. Die Fami­lie war sehr überrascht, dass uns Frau Dr. Sch. von früheren Beratungs­fällen bekannt war. In der Beratung konnten wir zunächst durch Informationen über die sehr unprofessionell durchgeführten Familienaufstellungen die Gemüter beruhigen.

So stellte sich heraus, dass alle Familienaufstellungen an jenem Wochenende um Familien­geheimnisse kreisten, die die Themen Vergewaltigung und sexueller Missbrauch beinhal­teten. Auch wurden Informationen über den Unterschied zwischen einer professio­nell durchge­führten Familientherapie und der Pseudotherapie von Frau Sch. gegeben. Die Glaubwür­digkeit der Ärztin konnte angekratzt werden.

Allerdings blieb bei einer der Töchter ein Rest von Skepsis der Mutter gegenüber. Auf Anregung der Beratungsstelle beschloss die Mutter, einen Vaterschaftstest durch­führen zu lassen. Dieser ergab das eindeutige Ergebnis, dass alle vier Kinder tatsächlich durch den Vater gezeugt wurden. Danach wurde von unserer Seite Anzeige bei der Staatsan­waltschaft Essen erstattet. Frau Sch. musste 3000 Euro Strafe bezahlen.“

Quelle und vollständiger Artikel hier: http://sekten-info-nrw.de/index.php?option=com_content&task=view&id=200&Itemid=1



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s